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Johanna Müller und Rebecca Bräuninger beenden aktive Judo-Karrieren

Leiser Abschied von zwei Leistungsträgerinnen

Johanna Müller beendet ihre erfolgreiche Karriere beim JSV Speyer

Rebecca Bräuninger beendet ebenfalls ihre erfolgreiche Karriere beim JSV Speyer

Speyer. Wenn die 1. Judo-Bundesliga der Frauen wieder losgeht, werden in der Aufstellung des JSV Speyer zwei bekannte Namen fehlen. Mit Johanna Müller und Rebecca Bräuninger haben nämlich zwei langjähriger Stammkämpferinnen ihre aktive Karriere beendet.

In beiden Fällen spielten Verletzungen eine wichtige Rolle in den Entscheidungen. „Mein Körper hat schon recht viele Verletzungen mitgemacht, Knie-OPs und Bandscheibenvorfälle. Das Alter ist auch ein Faktor, irgendwann ist das einfach nicht mehr mit Leistungssport vereinbar“, erklärt die 30-jährige Müller, die seit 2010 für den JSV in der Bundesliga auf die Matte ging. Bei Rebecca Bräuninger war es ein Achillessehnen-Riss, der den Ausschlag für das Ende der aktiven Laufbahn gab: „Es würde danach lange dauern, bis ich wieder Judo machen könnte, und außerdem fange ich jetzt nach dem Studium mit dem Referendariat als Grundschullehrerin an. Deshalb war es die richtige Entscheidung, zu diesem Zeitpunkt aufzuhören“, erklärt die 25-jährige Bräuninger, die seit 2012 in Speyerer Diensten stand.

Beiden ist ebenfalls gemeinsam, dass es ihnen schwer fällt, sich darauf festzulegen, welches die schönste Erinnerung aus ihrer Zeit beim JSV war. Die Bundesliga-Titel und die internationalen Triumphe beim Europacup in den Niederlanden 2014 und bei der Golden League in Grosny 2016 sind auf jeden Fall ganz vorne dabei, allerdings nicht nur wegen ihres sportlichen Stellenwerts: „Damals beim Turnier in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny, als wir mit dem ganzen Team mehrere Tage zusammen unterwegs waren, das war schon sehr aufregend“, erinnert sich Bräuninger. „Überhaupt, das Gefühl für die Mannschaft auf die Matte zu geben und sich mit dem ganzen Team zu freuen, wenn man einen Punkt geholt hat – das werde ich vermissen.“

Dass Rebecca Bräuninger Punkte für den JSV Speyer geholt hat, kam in den letzten Jahren häufig vor. Dementsprechend wird sie auch fehlen, wie Teamchefin Barbara Bandel betont: „Es ist super schade, dass sie aufhören muss. Wir haben viele Jahre zusammen gekämpft und sie war eine absolute Bank – sowohl, weil sie immer verfügbar war, als auch, weil sie immer alles gegeben und auch wirklich sehr viele Punkte für uns geholt hat.“

Nicht nur in der Bundesliga waren die beiden sehr erfolgreich. Rebecca Bräuninger war unter anderem 2011 Jugendweltmeisterin und 2013 Deutsche Meisterin, Johanna Müller hat mehrere Europa- und Weltcupturniere gewonnen und wurde 2019 Dritte der Deutsche Meisterschaft. Für beide beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt, doch ganz ohne Sport und ohne Judo wird auch dieser nicht sein. „Ich hoffe, dass ich Judo in meine Schule bringen kann, um den Kindern zu zeigen, was für ein toller Sport es ist. Außerdem werde ich weiterhin selbst Sport machen, weil es mein liebstes Hobby ist und ich es zum Ausgleich brauche. Ich kann mir vorstellen, unterschiedliche Sportarten auszuprobieren. In letzter Zeit habe ich zum Beispiel das Laufen für mich entdeckt. Früher hat mir das keinen Spaß gemacht, aber das hat sich jetzt geändert. Draußen an der frischen Luft mit Freunden zu laufen, ist schon etwas Schönes“, so Rebecca Bräuninger.

Johanna Müller freut sich darauf, neben ihrem jetzt beginnenden Master-Studium künftig so zu trainieren, wie sie gerade Lust hat und es ihr Spaß macht. „Ich werde schauen, dass ich alles, was ich an Verletzungen aus meiner Karriere mitgenommen haben, Beispiel am Knie und am Rücken, ausgleiche und stabilisiere.“

Dem JSV Speyer wird sie als Teamchefin erhalten bleiben. Ihre Kollegin in dieser Funktion, Barbara Bandel, freut sich hierüber sehr: „Ich arbeite sehr gerne mit Jo zusammen und jetzt wird es noch besser, weil wir uns beide komplett auf die Aufstellung und auf das Coaching konzentrieren können. Ich weiß ja selbst, dass es immer ein bisschen anders ist, wenn man selbst kämpfen muss und damit beschäftigt ist, sich auf den eigenen Kampf einzustellen und sich dafür vorzubereiten. Das ist auf jeden Fall ein Pluspunkt – auf der anderen Seite wird sie uns als zuverlässige Kämpferin, die viele Siege für Speyer geholt hat, fehlen.“

Rebecca Bräuninger wird dem JSV unterdessen auch ohne offizielle Funktion verbunden bleiben: „Ich werde immer Judo-Fan bleiben und werde auch immer Fan des JSV Speyer sein. Sobald Publikum wieder zugelassen ist, komme ich gerne wieder zu den Bundesliga-Kämpfen in die Halle.“ Dass es aufgrund der Pandemiesituation und dem Ausfall der letzten Bundesligasaison keine Gelegenheit für einen „richtigen“ Abschied gab, finden die beiden nicht schlimm. „Ich bin sowieso nicht der Mensch, der den riesengroßen Abschied inszenieren muss, es war mir auch nicht wichtig, zu wissen, jetzt gehe ich zum letzten Mal auf die Matte. Es fällt ja ohnehin schon schwer genug, aufzuhören. 2020 hatte ich Zeit, in Ruhe für mich selbst Abschied zu nehmen. Das hat also schon gepasst“, erklärt Johanna Müller.

Sofern es möglich ist, wird es dieses Jahr eine kleine Verabschiedung vom JSV geben. Dass es kein Abschied auf lange Zeit wird, und dass das Wiedersehen im Rahmen eines Bundesliga-Kampftags in Speyer nicht lange auf sich warten lässt, ist natürlich die Hoffnung aller Beteiligten.

Text und Bild: JSV Speyer