Zum Hauptinhalt springen

Ein Handballfest vor ausverkaufter Halle

Bären-Ladies werden erst von den Flames überrollt, können das Derby aber fast noch drehen:

Kurpfalz Bären – HSG Bensheim/Auerbach 30:33 (12:21)

 

Ketsch. Eine Fundgrube für Psychologen: Was in den einzelnen Phasen dieses mit Hochspannung erwarteten Derbys passierte, kann unter sehr verschiedenartigen Aspekten analysiert werden. Nach einem ausgeglichenen Beginn (3:4 nach 10 Minuten) rutschte den Bären-Ladies das Herz in die Hose, während Bensheim zur absoluten Top-Form fand. Bis zur 20. Minute brannten sie ein Feuerwerk ab, gingen mit 5:15 in Führung und verzückten den gesamten Bensheimer Fanblock. Es sah völlig nach einem Debakel für das Team von Katrin Schneider aus, denn die Abwehr war offen wie ein Scheunentor, und im Angriff reihte sich ein Fehler an den nächsten.

Bensheim mit mehr als 80% Erfolgsquote in der ersten Halbzeit

Selbst Heike Ahlgrimm, die Flames-Trainerin, staunte über ihre Mannschaft. Glänzend geführt von Sarah van Gulik, spielte sich die Mannschaft wie in einen Rausch, und die Torhüterinnen der Bären konnten einem leidtun. Eine weitere holländische Sarah sorgte für heillose Verwirrung in der Bärendefensive: Sarah Dekker nutzte ihre Chancen auf Rechtsaußen und im Gegenstoß mit beeindruckender Souveränität. Auch Ines Ivancok traf auf der linken Rückraumposition fast nach. Belieben. Erst nach Umstellung auf eine offensivere Abwehrvariante fanden die Gastgeberinnen ein besseres Mittel, um den Angriffsschwung der Flames etwas zu stoppen. Zur Halbzeit wünschten sich die Bärenfans allerdings nur noch, dass dieses Spiel möglichst bald abgepfiffen würde.

Nach der Pause kamen die Bären wie entfesselt zurück

Was war in der Halbzeit passiert? Eigentlich hätte man erwarten können, dass die Flames vor Selbstvertrauen weiter strotzen würden. Und die Bären wie ein Häuflein Elend auf den Platz schleichen würden. Doch weit gefehlt! Gestützt auf eine sich enorm steigernde Leonie Moormann im Tor, legten jetzt die Bären-Ladies alle Hemmungen ab und setzten die Bensheimer Abwehr mit hohem Tempo unter Druck. In der 40. Minuten war der Rückstand auf 4 Tore geschrumpft, vor allem ein Verdienst der wirbelnden Rückraumreihe mit Carmen Moser, Verena Oßwald und Saskia Fackel sowie Rebecca Engelhardt auf Linksaußen. Eine Viertelstunde vor Schluss hatte Lena Feiniler dann die Chance, die Bären auf zwei Tor heranzubringen, doch Helen van Beurden parierte.

 

 

In der dramatischen Endphase fehlte den Bären ein Quäntchen Glück

Die Gäste konnten sich mit zäher Gegenwehr wieder etwas Luft verschaffen (22:29) , aber die Bären ließen sich einfach nicht abschütteln. Als Carmen Moser in der 50. Minute das 27:29 erzielte, war noch alles möglich, und auch beim 29:31 hätte das Spiel noch kippen können. Nach dem Abpfiff beklagte Katrin Schneider zwar die desaströse erste Halbzeit, aber dennoch können die Bären-Ladies stolz auf ihre Leistung in der zweiten Hälfte sein. Doch die wichtigste Erkenntnis ‒ und dies gilt für fast alle Niederlagen bisher ‒ lautet wohl: In der ersten Bundesliga reichen phasenweise Höhenflüge nicht aus. Aber den Bären bieten sich noch zwölf Gelegenheiten, ihre Stärken noch besser über die gesamte Spielzeit zur Geltung zu bringen.

Die Kurpfalz Bären spielten mit folgendem Team: Johanna Wiethoff und Leonie Moormann im Tor, Samira Brand, Lena Feiniler 1, Sina Michels, Rebecca Engelhardt 5, Elena Fabritz 1, Verena Oßwald 4, Lara Eckhardt 0/1, Saskia Fackel 6/1, Lea Marmodee, Amelie Möllmann, Cara Reuthal, Anna Michl, Sophia Sommerrock 2, Carmen Moser 10. Die Haupttorschützinnen bei Bensheim: Sarah Dekker 8, Ines Ivancok 6, Sarah van Gulik 5/2.

 

Nächstes Bären-Heimspiel am Samstag, dem 22. Februar, 18 Uhr:
Frischauf-Göppingen kommt in die Neurotthalle

Text: Pressebär Fotos: Daniel Glaser