Zum Hauptinhalt springen

Kirchen

„Ich habe mich entschlossen, den Dom malen zu lassen“

Beschluss zur Ausmalung des Doms vor 175 Jahren

Virtuelle Rekonstruktion der Domausmalung

Domausmalung des 19. Jahrhunderts

Speyer. Am 13. Juni 1843 fasste König Ludwig von Bayern den Beschluss, den Speyerer Dom ausmalen zu lassen. Am Morgen dieses Tages hatte König Ludwig I. den Dom besucht und sich einige Zeit dort aufgehalten. Als er die Kathedrale gegen Mittag verließ, sagte er zu Bischof und Domkapitel, die ihn vor der Tür erwarteten: „Ich habe mich entschlossen, den Dom malen zu lassen.“ Motiviert war diese Entscheidung des Königs zum einen durch das Bedürfnis, den Dom neu zu gestalten und zu verschönern. Zum anderen wollte der Monarch durch die Schaffung vorbildlicher Kunst auf die ästhetische und religiöse Erziehung seines Volkes Einfluss nehmen.

Szenen auf dem Leben wichtiger Heiliger

Den Auftrag zur Ausmalung des Speyerer Doms erhielt Johann Baptist Schraudolph. Die Ausarbeitung des ikonographischen Programms der Fresken war vor allem das Werk des damaligen Speyerer Bischofs Nikolaus von Weis. Man einigte sich auf einen großen Freskenzyklus mit Szenen aus dem Leben Mariens, der Hauptpatronin des Doms, und zwei kleinere Bildfolgen mit Szenen aus dem Leben des Heiligen Stephanus und des Heiligen Bernhard von Clairvaux.

Ausmalung des Doms über sieben Jahre

Die Ausmalung begann am 8. Juni 1846 mit der Darstellung Gottes des Vaters an die Apsis angrenzenden Gewölbe und wurde beendet am 9. Juli 1853 mit dem Bild der Vertreibung aus dem Paradies. Neben den bildlichen Szenen wurden alle Wand und Deckenflächen des Doms mit Ornamenten verziert. In der letzten Phase der Ausmalung wurden auch neue Altäre im Dom errichtet. Vom 15. bis 17. November 1853 fand die Weihe der neuen Altäre statt. Zum Abschluss der dreitägigen Feier waren auch (der emeritierte) König Ludwig I. und (der regierende) König Maximilian II. anwesend. Die Freskenausstattung des Doms zählte zu den bedeutendsten Ausmalungen eines Kircheninneren im 19. Jahrhundert.

Entfernung der Fresken im 20. Jahrhundert

Nachdem die Ausmalung anfänglich viele Bewunderer fand, mehrten sich mit der Zeit kritische Stimmen. So kam es, dass 1957 im Zuge der großen Domrestaurierung nahezu alle Fresken aus dem Dom entfernt wurden. An Ort und Stelle beließ man lediglich den sogenannten Marienzyklus an den Wänden des Mittelschiffs. Ein weiterer Teil der Ausmalung wurde gerettet und ist seit 2012 in einer Präsentation im Kaisersaal über der Vorhalle des Doms zu sehen. Der Großteil der Fresken, insbesondere kleinere Figuren und Ornamente, wurden mitsamt des Putzes von den Wänden geschlagen und damit zerstört.

Text: Friederike Walter; Foto Domausmalung des 19. Jahrhunderts: © Dr. Franz Pelgen, Niederolm; Virtuelle Rekonstruktion der Domausmalung: © Historisches Museum der Pfalz / ArchimediX