Viele kleine Wunder - An(ge)dacht zwischen Rhein und Reben

Hungertuch-Wallfahrt von Augsburg in die Pfalz

38 Wallfahrer bringen das Hungertuch zu Fuß zur Misereor-Fasteneröffnung in Ludwigshafen

2022 wurde das Hungertuch "Du stellst meine Füße auf weiten Raum - Die Kraft des Wandels" von Lilian Moreno Sánchez von Hildesheim nach Freiburg im Breisgau getragen.

Ludwigshafen. In diesem Monat wird die bundesweite Misereor-Fastenaktion im Bistum Speyer eröffnet. Vor allem der Eröffnungsgottesdienst am 18. Februar in Ludwigshafen steht dabei im Fokus. Doch schon im Vorfeld gibt es Veranstaltungen an verschiedenen Orten. So führt um Beispiel die Hungertuchwallfahrt durch Teile der Pfalz nach Ludwigshafen.

Die Menschen sitzen alle in einem Boot und leben auf und von der einen Welt – Das macht das diesjährige Hungertuch deutlich, das 2023 von dem nigerianischen Künstler Emeka Udemba unter dem Titel „Was ist uns heilig?“ geschaffen wurde: Sein farbenstarkes Bild ist als Collage aus vielen Schichten ausgerissener Zeitungsschnipsel, Kleber und Acryl aufgebaut: Nachrichten, Infos, Fakten, Falschmeldungen... Schicht um Schicht riss und klebte der Künstler diese Fragmente und komponierte aus ihnen Neues. In einen freien rötlichen Raum hineingesetzt, ragen zwei Unterarm- und Hand-Paare offen in die Fläche hinein: Ihre Hände berühren sachte die Erdkugel, die sie gemeinsam halten, ihr aber auch Spielraum lassen. Die Kugel bleibt in der Schwebe von Halten und Loslassen, Schutz und Preisgabe: Die Erde, Gottes Schöpfung und unsere Heimat, oder doch nur ein Spielball vielfältiger Interessen?

Seit 1976 präsentiert Misereor jedes zweite Jahr zur Fastenzeit ein Hungertuch. Seit 1986 tragen es Wallfahrerinnen und Wallfahrer vor dem Beginn der Fastenzeit von dem Ort, an dem die letztjährige Fastenaktion eröffnet wurde, zum Eröffnungsort der neuen Fastenaktion. 38 Hungertuchwallfahrer machen sich daher zu Fuß auf den Weg von Augsburg zur diesjährigen Fasteneröffnung in Ludwigshafen am Rhein. Die Wallfahrt startet am 12. Februar zunächst mit einem Einkehrtag im Kloster St. Ottilien im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech. Die Wallfahrer beschäftigen sich dabei inhaltlich mit dem aktuellen Hungertuch und lernen die kolumbianische Partnerorganisation der Misereor-Fastenaktion 2024 kennen. Voraussichtlich wird dort auch der Künstler des Hungertuches mit dabei sein.

Nach einem Aussendungsgottesdienst am Dienstag, 13. Februar, starten die Wallfahrer in Eresing in Oberbayern im Bistum Augsburg und laufen durch das Bistum Rottenburg-Stuttgart sowie das Erzbistum Freiburg ins Bistum Speyer nach Ludwigshafen, wo zum ersten Sonntag der Fastenzeit die Fastenaktion bei einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Ludwig eröffnet wird.

Die Teilnehmenden, die sich jedes Jahr aus ganz Deutschland zu der Hungertuchwallfahrt zusammenfinden, sind in drei Gruppen unterteilt. Während wechselweise immer eine Gruppe läuft, können sich die beiden anderen Gruppen ausruhen oder sich auf Andachten, Gebete und die folgende Wegstrecke vorbereiten. Das Hungertuch der aktuellen Fastenaktion wird dabei ununterbrochen mitgetragen. Bei der Übergabe des Hungertuches von einer Gruppe zur nächsten gibt es regelmäßig eine Andacht, in der die Themen der aktuellen Fastenaktion einfließen und zu der auch alle Interessierten eingeladen sind, teilzunehmen.

„Für Interessierte ist es jederzeit möglich, eine Teilstrecke mit den Wallfahrern mitzugehen“, erläutert Waltraud Zehnder-Liedke, die schon seit einigen Jahren regelmäßig bei der Hungertuchwallfahrt dabei ist. „Wir freuen uns über jeden, der mitlaufen möchte, damit die Wallfahrt erhalten bleibt.“ Bei einer Gesamtstrecke von rund 280 Kilometern gibt es immer wieder Gelegenheit dazu, abschnittsweise dabei zu sein.

Beispielsweise ist es möglich, am Freitag, 16. Februar, um 7 Uhr, von der Pfarrkirche St. Michael in Rheinzabern aus nach Leimersheim mitzulaufen, wo in der Grundschule ab ca. 10:30 Uhr das Hungertuch übergeben und eine Andacht stattfinden wird.

Von Leimersheim (Treffen am Pfarrsaal) aus wird im Anschluss die Strecke dann nach Lingenfeld führen, wo im Pfarrheim um 18 Uhr ebenfalls eine Andacht gehalten wird. Auch von Leimersheim aus können Interessierte sich den Wallfahrern anschließen (Kontaktmöglichkeit per E-Mail an sprecherteam(at)nospamhungertuchwallfahrt.de).

Hintergrund

„Interessiert mich die Bohne“ steht als Überschrift der aktuellen Fastenaktion von Misereor, dem größten katholischen Hilfswerk für Entwicklungszusammenarbeit mit Sitz in Aachen. Misereor wirbt mit diesem Leitwort dafür, der Welternährung mehr Wertschätzung entgegenzubringen – mit Bildungsarbeit und Aktionen hier in Deutschland und durch die Unterstützung der Projektpartner in den Ländern des globalen Südens. Ziel dabei: eine nachhaltigere Landwirtschaft und eine gesunde Ernährung zu fördern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Kolumbien und der Landpastoral der dortigen Diözese Pasto. Die Arbeit der Kirche will die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern stärken und ihnen so Zukunft geben.

Text: Pilger;  Foto: © Misereor