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“Ein Format, um das uns andere nur staunend beneiden“

Vertreterversammlung des Caritasverbandes erhält Bericht über die Arbeit, Bautätigkeit und Mitteleinsatz der Caritas

Der Caritasvorsitzende Karl-Ludwig Hundemer berichtet über die politischen Herausforderungen für die Arbeit des Verbandes.

Speyer. Politische und innerverbandliche Entwicklungen haben 2016 und 2017 die Arbeit des Caritasverbandes für die Diözese Speyer und der CBS Caritas Betriebsträgergesellschaft Speyer geprägt. Der Vorsitzende des Caritasverbandes, Karl-Ludwig Hundemer und Caritasdirektor Vinzenz du Bellier gaben bei der Vertreterversammlung am vergangenen Freitag in der Zentrale des Caritasverbandes vor rund 60 Mitgliedern ihren Bericht ab.

Sozialpolitisch stark beeinflusst wurde und wird die Arbeit durch das Bundesteilhabegesetz, das Pflegestärkungsgesetz, das Hospiz- und Palliativgesetz und das Pflegeberufe-Reformgesetz. „An all diesen Reformen sind wir über unsere Einbindung im Deutschen Caritasverband in der Liga Rheinland-Pfalz und Saar, in der Arbeitsgemeinschaft der Caritasverbände Rheinland-Pfalz und den Fachverbänden aktiv beteiligt“, berichtete Karl-Ludwig Hundemer. „Insbesondere das Bundesteilhabegesetz bedeutet für unsere Arbeit mit Menschen mit Behinderungen eine immense Herausforderung“, skizzierte der Caritasvorsitzende die anstehenden Veränderungen durch die Aufhebung der Unterscheidung von ambulant, teilstationär und stationär. Auch das Pflegestärkungsgesetz bringe einen massiven Wandel in der Altenhilfe mit sich. Die Umstellung von drei Pflegestufen auf nun fünf Pflegegrade fordere die Mitarbeiter und Träger fachlich und wirtschaftlich stark heraus.

Ein politischer Ärgernis sei die Situation im Bezug auf das Pflegeberufe-Reformgesetz: „Wir haben den Wandel weg von einer getrennten Ausbildung für Kinder-, Kranken- und Altenpflege hin zu einer generalistischen Pflegeausbildung begrüßt, die bis 2020 umgesetzt sein sollte“, berichtete Hundemer. „Aber nun gibt es bis heute dazu weder die erforderlichen Erlasse, noch hat die Landesregierung überhaupt die Zuständigkeit eines Ministeriums geklärt.“

Zum anwaltschaftlichen Auftrag der Caritas erläuterte Hundemer die Aktivitäten im Kontext der Caritas-Jahreskampagne „Zusammen sind wir Heimat“. Im Rahmen der Kampagne hat sich der Speyerer Verband rege an der bundesweiten Social Media Aktion des Deutschen  Caritasverbandes zur Bundestagswahl unter dem Motto „Wählt Menschlichkeit“ beteiligt. „Es gibt viel Zuspruch, es ist aber auch eine bisher nie gekannte Hetze gegen die Kirche und ihre Caritas auszuhalten und dagegen zu stehen“, sagte er mit Verweis auf den eisigen Wind, der der Caritas dafür entgegenweht, dass sie sich an die Seite benachteiligter Menschen stellt.

Das Motto „Zusammen sind wir Heimat“ fand auch seinen Eingang in die Arbeit der Task Force Flüchtlingshilfe von Caritasverband, bischöflichem Ordinariat und den Malteser-Hilfsdienst. „Wir haben 35 Sitzungen gehabt und sechs mehrtägige Einsätze der Sonderarbeitsgruppe aus Ordinariat und Caritas zum Kirchenasyl.“ Insgesamt konnten Caritas und Ordinariat von Oktober 2015 bis August 2017 Sondermittel in Höhe von 2.359.192,75 Euro für die Flüchtlingsarbeit im Bistum Speyer eingesetzt werden, sagte Hundemer.

Auch auf Umsetzung des neuen Seelsorgekonzeptes in neuen Strukturen ging der Caritasvorsitzende ein. „Die Caritas-Regionalkonferenzen sind inzwischen in allen Dekanaten etabliert, die Dekanats-Ehrenamtskonferenzen sind punktuell mit gutem Zuspruch gestartet und die Kita-Fachberaterinnen leisten zur Qualitätsentwicklung der pfarrlichen Kindertagesstätten einen wichtigen Beitrag“, so Hundemer. „Außerdem haben wir alle zwei Monate eine interne Besprechung zum Zusammenwirken von Caritas und Pastoral mit dem Bischof und dem Generalvikar – ein Abstimmungsformat, um das uns alle anderen Diözesancaritasverbände in Deutschland nur staunend beneiden.“

Der Caritasdirektor Vinzenz du Bellier stieg in seinen Bericht über die innerverbandlichen Entwicklungen ein mit dem Umzug der Zentrale des Verbandes im März dieses Jahres. „Für unsere konsequente Einhaltung des ambitionierten Zeitplans haben uns schon viele ihren Respekt ausgesprochen“, erzählte er. Neben der räumlichen Veränderung haben auch personelle Wechsel für frischen Wind gesorgt. „Mit Timo Kittler als Nachfolger des Leiters des CBS-Managements, mit Verena Glindmeyer als Nachfolgerin von Dietrich Liebhaber in unserem Justitiariat und mit Vanessa Prinz als neuer Personalentwicklerin in Fachfolge von Dietmar Gehring haben wir für alle unsere Kollegen, die in der Ruhestand eingetreten sind junge Menschen gefunden, die unseren Verband gestalten und entwickeln wollen“, freut sich Du Bellier.

Er skizzierte auch die umfangreichen Bauaktivitäten der Verbandes: „Der erste Bauabschnitt in Schifferstadt ist fertig, 24 Plätze für demenzkranke Menschen. Jetzt folgt der zweite Bauabschnitt mit einer Kindertagesstätte für vier Gruppen, den wir an die Kommune vermieten, und mit zehn Wohnungen für generationenübergreifendes Wohnen. Danach, im dritten Bauabschnitt bauen wir eine Tagesstätte für Senioren mit fünf Wohneinheiten und Funktionsräumen und im vierten Abschnitt vier Wohneinheiten für betreutes Wohnen.“

In Ludwigshafen sei die Inbetriebnahme des Neubaus für das Caritas-Förderzentrum St. Johannes und St. Michael für Mitte 2018 vorgesehen. Hier geht es um ein Wohn- und Tagesstätten-Angebot für Menschen mit psychischen Erkrankungen und eine Einheit für Menschen mit Multipler Sklerose. „Dann fehlt noch unser Projekt in Landstuhl. Dort haben wir ja schon eine Gruppe umziehen können in ein gemietetes Objekt in der Kaiserstraße. Dann entstehen noch 18 Plätze für erwachsene Menschen mit Behinderung in der Römerstraße. Dort bauen wir selbst.“ Die beiden Gruppen sind angegliedert an das Caritas-Förderzentrum Paul-Josef-Nardini in Zweibrücken.

Der Vorsitzende des Caritas-Aufsichtsrates, Theo Wieder, bescheinigte dem Vorstand des Caritasverbandes in alle Entscheidungen gut eingebunden und über alle relevanten Tätigkeiten gut informiert gewesen zu sein. „Für uns stehen die Bauvorhaben und die Pläne zur Ambulantisierung im Zentrum. Außerdem war uns wichtig die Einführung des strukturierten Risikomanagements, weiterhin natürlich die Sicherstellung der Liquidität und die Einhaltung der Vorgaben zum Datenschutz“, berichtete Theo Wieder.

Hermann Josef Schmitz von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Solidaris, der den Verband geprüft hat, stellte die wirtschaftlichen Herausforderungen dar. „Bei den notwendigen Investitionsmaßnahmen bis 2023 muss der Caritasverband Speyer 10 Millionen Euro aus Eigenmitteln aufbringen, das schränkt die Handlungsfähigkeit an anderen Stellen ein.“ Dennoch sprach er den so genannten uneingeschränkten Bestätigungsvermerk aus und konstatierte: „Nach den vergangenen acht Jahren kann ich nun sagen, der Verband hat die Phase der Konsolidierung verlassen und kann positiv in die Zukunft schauen.“ Dementsprechend erteilte die Versammlung einstimmig die Genehmigung des Prüfberichtes, die Entlastung des Vorstandes und die Entlastung des Caritasrates.  Text und Foto: Caritasverband für die Diözese Speyer