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Ein Blick hinter die Kulissen des synodalen Wegs

Prof. Julia Knop referierte im Friedrich-Spee-Haus in Speyer – Lob für Speyerer Bischof

Prof. Julia Knop referierte im Friedrich-Spee-Haus

Speyer. Einen Blick hinter die Kulissen des synodalen Wegs gewährte Julia Knop den Besuchern des Vortrages „Der Synodale Weg der katholischen Kirche in Deutschland - Erfahrungen und Perspektiven, Beschlüsse und Ziele“ im Friedrich-Spee-Haus in Speyer. Sie ist Professorin für Dogmatik an der Universität Erfurt und eine von knapp 230 Synodalinnen und Synodalen, die sich vor gut zwei Jahren auf einen gemeinsamen Weg gemacht haben. Vom 30. September bis 2. Oktober haben sie sich in Frankfurt zur zweiten Vollversammlung getroffen.

Bevor Prof. Knob von den Eindrücken und Ergebnissen dieser Veranstaltung berichtete erklärte sie noch einmal kurz den Hintergrund des synodalen Weges. Auslöser war die MHG-Studie über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche im September 2018. Auf der Bischofskonferenz überlegte man sich, was in der Kirche geändert werden muss, damit so etwas nicht mehr passiert und das verlorene Vertrauen der Gläubigen wieder erlangt wird. Die MHG Studie hatte die Gefährdungsmomente in der katholischen Kirche aufgezählt: erstens die Machtstrukturen innerhalb der Kirche, zweitens die Lebensform der Priester und drittens die rigide kirchliche Sexualmoral. Auf der Bischofskonferenz wurde beschlossen, sich mit diesen Themen zu befassen und das Zentralkomitee der Katholiken mit ins Boot zu holen. Das stimmte zu unter der Bedingung dass ein viertes Thema mit betrachtet wird: Die Rolle der Frauen in der Kirche.

Am ersten Advent 2019 fand die konstituierende Sitzung der Synodalversammlung statt. Zu ihr gehören die 69 Mitglieder der deutschen Bischofskonferenz, 69 Mitglieder des Zentralkomitees der Katholiken und Vertreter verschiedener innerkirchlicher Gruppierungen. Sie sollen entsprechend der vier Themenschwerpunkte aufgeteilt in vier Synodalforen Texte erarbeiten, in denen die Grundlagen zusammengefasst und darauf basierend Handlungsvorschläge erarbeitet werden. 2020 gab es pandemiebedingt anstelle der zweiten Vollversammlung fünf Regionenkonferenzen. Ende September fand nun die zweite Vollversammlung in Frankfurt statt, in der die Synodalversammlung die bis dahin erstellten Texte abstimmte.

„Da kommen ganz viele Texte heraus“, erklärt Prof. Knob. Zum einen die Präambel und ein allgemeiner Orientierungstext. Erstere fasse den Stand der Dinge und die Ziele zusammen, letzterer sei eher eine theologische Abhandlung, erklärte Knob. Dann wird für jedes der vier Themenkomplexe ein Grundtext und darauf basierend acht bis zehn Handlungstexte erstellt. Zu den Texten können die Mitglieder des Synodalen Weges Anmerkungen machen über die dann in der Synodalversammlung abgestimmt wurde. Wie das geht, wenn 230 Leute mitreden sollen, erklärte Knob: Die Anmerkungen werden von Gruppen ausgewertet und zu Änderungsanträgen zusammengefasst, über die die Synodalversammlung dann mittels eines Abstimmungsgerätes, das jedes Mitglied bekommen hat, abstimmt. „Wir saßen weit auseinander in einem Riesensaal. Das war keine kuschelige Pfarrheim-Atmosphäre.“ Redebeiträge waren auf eine Minute beschränkt, was zu einer sehr zielorientierten Diskussion geführt habe, so Knob. „Ich war extrem positiv überrascht, wie gut das geklappt hat. Für mich waren das Glanzstunden des Sitzungskatholizismus“.

In 90 Prozent der Fälle seien die Diskussionen sehr konstruktiv gewesen. Gegenwind habe es, wie erwartet vom Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer gegeben. An dieser Stelle betont Knob wie wertvoll die Zusammenarbeit mit dem Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann sei. „Man hat ihn auch schon als den heimlichen Geist der Synode bezeichnet.“ Er sei authentisch und sein innerer Wille, dass der Synodale Weg weitergehe, sei deutlich. Das sei längst nicht bei allen Bischöfen so. „Bischof Wiesemann hat sich intensiv mit den Texten befasst. Wenn er etwas sagt, wird das gehört.“

Insgesamt zwölf Texte seien in der Vollversammlung durchgesprochen worden, darunter auch Handlungstexte von sehr großer Bedeutung. Da gehe es zum Beispiel um die Predigtordnung. 1971 sei bei einer gemeinsamen Synode der Bistümer beschlossen worden, dass auch Pastoralreferenten predigen dürfen. Diese Regelung sei zwei Jahre später von Rom wieder kassiert worden. Heute würden zwar viele Hauptamtliche predigen, doch sie täten das mit einem ungedeckten Scheck. Mit einem neuen Priester oder gar einem neuen Bischof könne das schnell wieder anders sein. Für die Zukunft brauche es da eine einheitliche Regelung.

Ein anderes Beispiel: Frauen in kirchlichen Ämtern. 1996 habe Papst Johannes Paul gesagt, die Debatte sei beendet. Hier habe es im synodalen Weg keine Frontalopposition gegeben, viel klüger sie es die Debatte weltweit wieder aufzumachen und zu zeigen, dass sie eben nicht beendet sei.

Im Bereich Sexualmoral gehe es darum einen Paradigmenwechsel zu erreichen, den Mensch als Wesen zu betrachten, seine Würde zu achten und die Sexualität als Beziehung zwischen zwei Menschen.

Prof. Knob berichtete auch von den Beobachtern der Vollversammlung. Von dem Abgesandten der polnischen Bischofskonferenz, der betonte, wie wichtig es sei, wenn eine Ortskirche ihre Erkenntnisse in die Weltkirche trage. Oder von dem schweizer Beobachter, der berichtete, dass es in seinem Land die gleichen Probleme gebe aber andere Strukturen, die einen solchen Synodalen Weg nicht leisten könnten. Ganz anders sei der päpstliche Nuntius, berichtete Knob enttäuscht. „Der hat nichts gesagt, nicht mal ein Grußwort und auch auf direkte Ansprache hat er nicht reagiert.“ Das sei ein Ärgernis. „Wir gehen hier sehr konstruktiv vor, aber von Rom kommt nur Desinteresse.“

Auch nicht schön sei das Ende der Vollversammlung gewesen. Im letzten Text sei es um das Thema „Misstrauensvotum gegen Bischöfe“ gegangen. Da hätten immer mehr Teilnehmer, auch Bischöfe, die Versammlung vorzeitig verlassen, so dass die Versammlung bei diesem Thema nicht mehr beschlussfähig gewesen sei. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz Georg Bätzing sei sehr verärgert gewesen.

Dennoch zeigte sich Knob überzeugt vom Synodalen Weg, denn es sei sehr wichtig, Strukturen für die Zukunft zu schaffen, die immer und überall gültig seien.

Zu dem Vortrag hatte die Katholische Erwachsenenbildung Diözese Speyer eingeladen.

Text/Foto: Christine Kraus