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Der Glaube gibt Orientierung

Bundesminister a.D. Hermann Gröhe spricht in Speyer zur Verbindung von Glaube und Politik

Speyer. Ein unpolitisches Christsein kann sich der ehemalige Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe nicht vorstellen. „Die Christengemeinde steht in der Pflicht, sich für die und in der Bürgergemeinde zu engagieren“, erklärte Gröhe bei einem Begegnungsabend von Kirche und Politik in Speyer. Kirchenpräsident Christian Schad hatte aus Anlass der staatlichen Jubiläen 100 Jahre Weimarer Reichsverfassung, 70 Jahre Grundgesetz und 30 Jahre Friedliche Revolution ins Forum des Historischen Museums der Pfalz eingeladen. 

Schon aus dem von Jesus ausgesprochenen Doppelgebot der Liebe, der Liebe zu Gott und zum Nächsten, ergäbe sich für den Christen der Auftrag, sich für andere einzusetzen, sagte Hermann Gröhe, der als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion auch Beauftragter für Kirchen und Religionsgemeinschaften ist. „Wenn der christliche Glaube nichts mit der Politik zu tun haben darf, dann hätte man nicht die ‚C-Parteien‘ gründen dürfen“, so Gröhe. Freilich sei ein Christsein, das sich auf das politische Engagement reduziere, zu wenig. 

In der aktuellen Debatte um die Beteiligung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an der Seenotrettung im Mittelmeer, zeigte Hermann Gröhe Verständnis für die Haltung der Kirche. Es werde ein exemplarisches Zeichen gesetzt, „dass wir Ertrinkenden die rettende Hand ausstrecken“. Angesichts der Kritik, die Kirche sollte in Afrika lieber Schulen bauen als Schiffe kaufen, erklärte Gröhe, dass niemand die Kirche daran erinnern müsse, sich für die Menschen auf dem afrikanischen Kontinent zu engagieren. „Seit 60 Jahren hilft ‚Brot für die Welt‘ im Kampf gegen Hunger, Armut und Ungerechtigkeit“, sagte Gröhe, der seit 1997 Mitglied der EKD-Synode ist. 

Der Glaube gibt nach Auffassung von Hermann Gröhe Orientierung für das politische Handeln. Dabei gelte die besondere Wertschätzung der Freiheit, dem Frieden und der Gleichheit. Im Ringen um konkrete politische Entscheidungen dürften Christen jedoch den Kompromiss nicht verachten. „Wir müssen bei aller Sehnsucht nach Eindeutigkeit einen Beitrag zu einer fairen Streitkultur leisten“, sagte Gröhe im Gespräch mit Moderator Harald Asel vom Info-Radio des Rundfunks Berlin-Brandenburg. 

Kirchenpräsident Christian Schad sprach zu Beginn der Veranstaltung von einer positiven Beziehung von Christen zum demokratischen Staat. Diese habe mit den grundlegenden Überzeugungen und christlichen Wertehaltungen zu tun. Schad nannte als Beispiele für Gesichtspunkte, in denen Christentum und Demokratie sich träfen, „die unantastbare Würde jedes einzelnen Menschen, die Anerkennung von Freiheit und Gleichheit, der nüchterne Blick darauf, dass wir Menschen irren und Schuld auf uns laden und der Respekt vor der Verschiedenheit der Menschen.“ 

Die evangelische Kirche feiere nach „500 Jahre Reformation“ und „200 Jahre Pfälzer Kirchenunion“ aus voller Überzeugung die „weltlichen“ Jubiläen mit. Demokratie lebe vom Mitmachen, von einer starken und kritischen Zivilgesellschaft. „Sie lebt vor allem aber von Menschen, die sich einbringen und das Gemeinwesen aktiv mitgestalten. Ohne das Engagement der Bürgerinnen und Bürger wäre Demokratie schlichtweg nicht vorstellbar“, sagte der Kirchenpräsident. 

Der Begegnungsabend wurde musikalisch gestaltet vom Pfälzischen Blechbläserensemble der Evangelischen Kirche der Pfalz unter Leitung von Landesposaunenwart Christian Syperek.

Text: Evangelische Kirche der Pfalz