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Den Geist der Wahrheit braucht es auch heute

Kirchenpräsident Schad: Erfahrungen aus der Geschichte offen ansprechen und weiterentwickeln

Speyer. Das Pfingstfest erinnert nach den Worten von Kirchenpräsident Christian Schad daran, dass Gott auch in den schlimmsten Zeiten nicht schweigt, sondern redet. Dies geschehe nicht in einer abstrakten Einheitssprache, sondern in ganz unterschiedlichen Dialekten, „so dass Menschen verschiedener politischer, gesellschaftlicher und religiöser Prägung einander verstehen", sagte Schad in seiner Predigt am Pfingstsonntag in der Speyerer Gedächtniskirche. Aufgabe der Kirchen sei es darum, Orte der Begegnung zu schaffen, in denen der kulturelle Reichtum, die vielfältigen Perspektiven, aber auch die schwierigen Erfahrungen aus der Geschichte offen angesprochen werden und konstruktiv weiterentwickelt werden könnten.

Der Kirchenpräsident erinnerte daran, dass der Ruf nach dem Geist der Wahrheit, wie er von den Jüngern in der biblischen Erzählung von Pfingsten erklungen sei, stets wiederholt werden müsse. So ende mit der Bitte um den Heiligen Geist eine Erklärung der Evangelischen Kirche in Deutschland aus dem Jahr 1945, in der sie erstmals ihr Versagen und eine Mitschuld evangelischer Christen an den Verbrechen des Nationalsozialismus bekannt hatte. Dieses vom Geist des Friedens, der Umkehr und der Versöhnung inspirierte „Stuttgarter Schuldbekenntnis" habe direkt nach dem Ende des 2. Weltkrieges eine erste Brücke zwischen Deutschland und den damaligen Siegermächten gebaut.

Im gleichen Pfingstgeist seien in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts zahlreiche Städtepartnerschaften entstanden, unter anderem die „Verschwisterung" zwischen Speyer und Chartres. Ziel sei es gewesen „durch eine bessere gegenseitige Verständigung das wache Gefühl der europäischen Brüderlichkeit zu fördern", zitierte der Kirchenpräsident aus der Urkunde. 100 Jahre nach dem Beginn des 1. Weltkriegs und 80 Jahre nach dem Ausbruch des 2.Weltkriegs brauche es heute erneut den Geist der Wahrheit, „der denjenigen populistischen Stimmen unserer Zeit widersteht, die Identität durch Abschottung und Ausgrenzung zu Lasten Schwächerer gewinnen wollen."

Pfingsten ist das Fest der „Ausgießung des Heiligen Geistes". In der Apostelgeschichte (2,1-41) wird berichtet, dass sich die Jünger Jesu am 50. Tag nach Ostern versammelten und den Heiligen Geist empfingen, der sie in die Lage versetzte, mit Menschen zu sprechen, deren Sprache sie ursprünglich nicht beherrschten. Das Ereignis gilt als „Geburtsstunde" der Kirche. Der heilige Geist sammelt die Menschen, stiftet Einheit und hebt die Zerrissenheit auf.

Text: Evangelische Kirche der Pfalz