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Aufbrüche...

Eine Stellungnahme von Andreas Sturm, Generalvikar des Bistums Speyer vom 10.05.2021

Andreas Sturm, Generalvikar des Bistums Speyer

Speyer. Heute werden in vielen Pfarreien unserer Diözese Liebende gesegnet werden. Es sind Menschen, die spüren, dass sie sich guttun und die nicht oder nicht mehr alleine durch dieses Leben gehen wollen. Es werden Menschen dabei sein, die sich ganz frisch verliebt haben und jene, die schon länger gemeinsam auf dem Weg sind. Es werden Menschen dabei sein, die vor Jahren schon mal eine kirchliche Trauung gefeiert haben und andere denen das immer zu viel war und die das nicht wollten oder denen es die Kirche verwehrt hat. Heute nun treten sie vor Seelsorgerinnen und Seelsorger und bitten um Gottes Segen, als seine Kinder, als Frauen und Männer, als Heterosexuelle oder Homosexuelle oder wie auch immer Gott sie geschaffen und gewollt hat. Es sind seine geliebten Kinder und Gott ist es, der segnet und ich bin sicher Gott wird auch heute, wie am Tag der Schöpfung, alle seine Kinder ansehen und sagen, dass es gut war.

Nicht immer sind Aufbrüche schmerzfrei, dies erleben wir auch heute. Da gibt es jene, die Angst haben, weil sie befürchten, dass jede kleine Veränderung gleich den Bruch mit allem was uns lieb und teuer ist, bedeutet. Ich will auch diese Ängste nicht klein reden, aber ich glaube, dass das Evangelium uns zu einer größeren Weite ruft. Papst Franziskus hat dies in seinem ersten Apostolischen Schreiben "Evangelii Gaudium" ("Freude des Evangeliums") schön auf den Punkt gebracht: "Mir ist eine 'verbeulte' Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist." Ich weiß noch nicht, wo wir als Kirche hinpilgern, aber bleiben wir dabei im Gespräch. Der Synodale Weg kann uns dabei helfen und ja - möglicherweise braucht es ein Konzil. Auch das letzte Konzil war ein großer Aufbruch.

Manchmal braucht es die totale Katastrophe und den tiefen Schock über untragbare Zustände. Wir haben als Kirche lernen müssen, dass in der Vergangenheit in unseren Reihen furchtbare Verbrechen an Kindern begangen wurden. Verbrechen, die nicht nur Kinder damals, sondern auch deren ganzes Leben und das ihrer Angehörigen massiv beeinflusst hat. Auch bei uns im Bistum Speyer. Wir sind in den letzten Jahren hierbei schon einen Weg der Erkenntnis, der Änderns und der Aufarbeitung gegangen und doch liegt noch ein weiter Weg vor uns. Aufarbeitung ist dabei nicht immer nur schwarz-weiß und alles andere als einfach und doch ist auch dieser Aufbruch absolut wichtig und notwendig. Denn nur, wenn wir die Fehler und Verbrechen der Vergangenheit so gut als möglich aufarbeiten, können wir auch die großen Themen der Zukunft angehen. Zwei Journalisten waren monatelang bei uns im Bistum engagiert dabei, unsere Vergangenheit unter die Lupe zu nehmen. Dieser Film ist bedrückend und auch belastend und doch finde ich die Arbeit der beiden Journalisten, Dennis Leiffels und Stephan Alfter, sehr ehrlich und aufrichtig, um Licht in diese Abgründe unserer Geschichte zu bringen. Dieser Film kommt heute Abend im Anschluss an die Tagesthemen in der ARD um 22:45 oder in der ARD-Mediathek: Rabiat – Im Namen Gottes

Möge Gott all unsere Aufbrüche segnen.

#liebegewinnt#bistumspeyer#Aufarbeitung

Der Betroffenenbeirat im Bistum Speyer hat eine eigene E-Mail-Adresse zur Kontaktaufnahme eingerichtet:

betroffenenbeirat-speyer(at)nospamgmx.de

Text: Andreas Sturm, Generalvikar des Bistums Speyer

Anmerkung der Redaktion: Da wir auf die Genehmigung zur Veröffentlichung gewartet haben, sind die Zeitangaben im Artikel nicht mehr aktuell. Der Film ist aber nach wie vor in der ARD Mediathek zu sehen. Es war uns sehr wichtig, diese Stellungnahme als ein journalistisch wichtiges Anliegen zu veröffentlichen.