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SCHUM Stätten sind das 50. Weltkulturerbe

Mit einer Feier im Judenhof Speyer wurde die lange und intensive Arbeit gewürdigt

Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler

Lömsch Lehmann und Dr. Michael Beutelspacher

Nicole Steingaß, Staatssekretärin im Ministerium des Innern und für Sport

Lömsch Lehmann

OB a.D. Werner Schineller

Avadislav Avadiev, der Vorsitzende des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz

Die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, Dorothee Wüst und Generalvikar Andreas Sturm

Wie passend - ein Regenbogen als Zeichen der Versöhnung

bk.Speyer. Am 28.07.2021 fand im Judenhof in Speyer die Feier zur Ernennung der SCHUM Stätten zum 50. Weltkulturerbe statt. Diese sind das erste jüdische UNESCO-Welterbe Deutschlands. Eröffnet wurde das Programm mit jüdischer Musik, virtuos vorgetragen von Lömsch Lehmann und Dr. Michael Beutelspacher.

Speyers Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler begrüßte zahlreiche Ehrengäste, darunter die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, Dorothee Wüst und Generalvikar Andreas Sturm, den Leiter des Bischöflichen Ordinariates, der Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann vertrat. Der Oberbürgermeister von Worms, Adolf Kessel, war ebenso erschienen wie MdB Isabel Mackensen-Geis und MdB Johannes Steiniger. Auch die ehemaligen Oberbürgermeister von Speyer, Werner Schineller und Hansjörg Eger wohnten diesem ganz besonderen Anlass bei. Vom Ministerium des Innern und für Sport war Nicole Steingaß anwesend und der Vorsitzende des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz, Avadislav Avadiev, kam in den Judenhof. Dr. Bernhard Vogel, Ministerpräsident a.D. und Ehrenbürger der Stadt Speyer wurde auf das herzlichste begrüßt.

Stefanie Seiler, die auch Vorsitzende des Vereins SchUM-Städte e.V. ist, sprach über das Privileg, so viele wichtige Bauten in Speyer versammelt zu haben. Sie betonte aber, das der Weg zur Anerkennung nicht immer leicht war - aber mit dem großen Ziel der Anerkennung vor Augen ging die Arbeit immer weiter. Sie bedankte sich bei Ilona Bast., der Technischen Abteilungsleiterin Gebäudewirtschaft, Sabine Wilke und Jürgen Feiniler, beide Abteilung Baubetriebshof und Stadtgrün für die geleistete Arbeit.

Das Bestreben sei es, SCHUM sichtbar zu machen und auf die reiche Tradition des Judenstums hinzuweisen. So siedelte Bischof Rüdiger Huzmann bereits im Jahr 1084 in der Nähe des Domes Juden an. Sowohl der Bischof als auch der Kaiser statteten sie mit günstigen Privilegien aus. Im Mittelpunkt dieser Siedling stand der Judenhof, das kultische Zentrum mit Männer- und Frauensynagoge sowie dem rituellen Kaltbad (Mikwe). Die Gemeindemitglieder waren im Fernhandel und Bankwesen tätig und verfügten über weitreichende wirtschaftliche und kulturelle Verbindungen zu jüdischen Niederlassungen in Südeuropa und über die islamischen Länder am Mittelmeer sogar zum Nahen und Fernen Osten. Sie kannten sich in fremden Sprachen und Schriften aus und waren weltoffen. Diese Weltoffenheit muss auch heute bewahrt und weiter ausgebaut werden.

Ein weiterer Dank ging an drei Frauen - Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz. Stefanie Hahn, Geschäftsführerin und  Managing Director SchUM-Städte e.V., Dr. Susanne Urban und Anna Kirchner, die federführend zum Erfolg des Projektes beigetragen haben.

Mitglieder der Feuerwehr Speyer helfen noch ehrenamtlich in Mayschoß und die Trauer über dieses unfaßbare Geschehen ist groß. Die Stadt Speyer hat sich entschlossen, in der Gemeinde Mayschoß zu helfen und bittet hierfür um Spenden auf das Konto der Bürgerstiftung Herzogenrath, die auf Wunsch (bitte bei der Überweisung angeben) auch Spendenbescheinigungen ausstellt.

Verwendungszweck: „Nothilfe Mayschoß“
IBAN: DE29 3916 2980 1017 1970 25
BIC: GENODED1WUR

Alle Anwesenden erhoben sich für eine Schweigeminute. Danach sprach Stefanie Seiler darüber, das es im Judentum drei verschiedene Trauerzeiten gibt: sieben Tage, dreißig Tage und ein Jahr. Ihr Mitgefühl und aller Mitgefühl galt den Opfern und ihren Angehörigen.

Nicole Steingaß, Staatssekretärin im Ministerium des Innern und für Sport, betonte, das gerade in diesem schwere Tagen für viele Menschen eine solche Würdigung ein Lichtblick sei. Vor 17 Jahren wurde der erste Schritt auf dem langen Weg gemacht, dem seitdem viele weitere Schritte folgten. Die gemeinsame Arbeit sei das Geheimnis des Erfolges, denn gemeinsam kommt man einfacher weiter. So arbeitet der Verkehrsverein Speyer (hier waren Uwe Wöhlert und Claus Rehberger anwesend) schon viele Jahre ehrenamtlich im Judenhof. Was ursprünglich als  Geschenk an die Stadt Speyer zum 2000-jährigen Jubiläum für das Jahr 1990 gedacht war, wurde, nachdem die erste Saison eine überraschend hohe Resonanz gefunden hatte, bis heute erfolgreich fortgesetzt. Natürlich liegt auch nach der Ernennung noch einiges an Arbeit vor allen; besondere Aufgabe und Pflicht ist es, gegen den Antisemitismus zu kämpfen. Nun hat Rheinland Pfalz die Anzahl der Welrerbestätten von 4 auf 7 gesteigert - das ist sowohl Anerkennung als auch Ansporn.

Lesen Sie hier die wunderbare Rede von OB a.D. Werner Schineller anlässlich der Anerkennung der SchUM-Stätten als UNESCO-Weltkulturerbe am 28. Juli 2021 im Originaltext (es gilt das gesprochene Wort)

Sehr verehrte Frau Oberbürgermeisterin, meine Damen und Herren,

am 10.März 1988 weilte die Schriftstellerin Margarete Hannsmann, die Lebensgefährtin des Malers, Holzschneiders und Grafikers HAP Grieshaber zu einer Lesung in Speyer.

Dieser Tatsache verdanken wir zwei Gedichte, die im 1989 erschienenen Gedichtband „Raubtier Tag„ veröffentlicht wurden.

Im Dom zu Speyer

Geborgen unter Wölbungen

kein himmelwärts

ich muss nicht über mich hinaus

Eingebunden

in irdisches Maß

Begrenzung, die von weit her kommt

Das reine Licht flutet still über die Steine

ohne Verzückung lässt es sich

atmen

Mariä Verkündigung

geschähe nicht

ohne solche Flügel

In der Krypta bin ich einverstanden

mit meinem Grab

Auf der nächsten Seite lesen wir:

Judenbad in Speyer

Am Mauerrest

das alte Grün macht still

ich steige abwärts

aus der Tiefe scheint

ein Wasser her

sanftere Stufen

meine Unwissenheit

mündet in das Wort

Schalom

Ein herzliches Schalom möchte ich Ihnen allen zurufen, es ist für die Stadt Speyer ein bedeutsamer Tag.

40 Jahre nach der Anerkennung des Speyerer Domes als Weltkulturerbestätte ist mit der Anerkennung der SchUM-Stätten ein Ereignis eingetreten, das Margarethe Hannsmann durch die Veröffentlichung der beiden Gedichte vielleicht geahnt haben mag.

Heute gilt es vielen zu danken, die diesen langen Weg mit beschritten haben.

Wie war die Ausgangslage?

Richard Christ hat in seinem Buch „Der Tag, die Nacht und ich dazwischen“ seine Erinnerungen an seine Heimatstadt Speyer beschrieben. Unter anderem lesen wir folgendes:

„In Speyer gibt es eine Gedenkstätte, das Judenbad, architektonische Kostbarkeit, erbaut kurz nach dem romanischen Dom. Die Anlage überdauerte Bürckels judenfreie Epoche als Kleingartenparzelle.“

Den Charakter einer Kleingartenparzelle hatte die Anlage noch bis zu Beginn der achtziger Jahre.

Am Eingangstor in der Judenbadgasse  gab es ein Hinweisschild für Besucher, auf dem zu lesen stand: Schlüssel für Besichtigung bitte bei Familie X in der Judengasse abholen.

Zwar hatte der Stadtrat damals zwei Anträge der CDU-Fraktion auf „Regelmäßige Öffnungszeiten“ und auf „Einrichtung einer Dokumentationsstätte zur Geschichte der Juden “positiv " beschieden, aber aus finanziellen Gründen wurden diese Beschlüsse nicht umgesetzt.

So nahm sich der Verkehrsverein mit dem neu gewählten Vorsitzenden Wilhelm Grüner und seiner Stellvertreterin Heike Häußler vor, die Betreuung des Judenbades und des dazu gehörenden Judenhofes durch ehrenamtlich tätige Vereinsmitglieder wenigstens während des Jubiläumsjahres 2000 Jahre Speyer durchführen zu lassen.

Mein Amtsvorgänger Dr.Christian Roßkopf und der Stadtvorstand nahmen diese Initiative mit Begeisterung auf.

Heike Häußler organisierte den Besuchsdienst und das am 1.Mai 1989 gestartete Projekt, das zunächst nur als ein Geschenk für das Jubiläumsjahr 1990 gedacht war, hat sich als Geschenk bis zum heutigen Tag erhalten.

Die Arbeit wurde in den bescheidenen Anfängen in einer Holzhütte ohne jeglichen Komfort aufgenommen und in einer grünen Oase der Beschaulichkeit und Ruhe wurden erstmals regelmäßige Öffnungszeiten angeboten.

Ich will gern an Willi Grüner erinnern, der erst kürzlich verstorben ist, und vor allem an seine Nachfolgerin als 1. Vorsitzende Heike Häußler, die uns allzu früh verlassen hat.

Heike Häußler hat Herausragendes geleistet.

Seit 1989 haben weit über 1 Million Gäste das jüdische Areal im Herzen unserer Stadt besucht, vor der Pandemie waren es rund 80000 Besucher im Jahr.

Seit Beginn der 90er Jahre ist die Bestandserhaltung und architektonische Aufwertung des Gesamtareals des Speyerer Judenhofes in den Vordergrund unser bau-und kulturhistorischen Bemühungen gerückt.

Auslöser hierfür waren die im Jahr 1991 festgestellten Substanzverluste an der Bauzier.

Die 1995 begonnenen Restaurierungsarbeiten konzentrierten sich auf eine sorgfältige  mechanische Reinigung der Sandstein-Plastiken, um die abgelagerten Salz-,Gips- und Schmutzkrusten zu entfernen.

Wichtig war darauf zu achten, dass kein Substanzverlust entstand.

Ich will die Sanierungsarbeiten nicht im Einzelnen erläutern, sie erfolgten in Abstimmung mit der Denkmalpflege und waren die Voraussetzung für die nachfolgenden Überlegungen.

Diese konzentrierten sich darauf die Mikwe mit einem großzügigen Wetterschutz zu versehen.

Dadurch wurde es schließlich auch möglich, die vorhandene Badeschachtabdeckung zu entfernen und damit auch für bessere klimatische Verhältnisse der unterirdischen Bauteile zu sorgen.

Dass diese Gestaltung eines Wetterschutzes an dieser Stelle eine Herausforderung an Kunst und Architektur darstellen würde, war jedem klar.

Die Diskussion wurde schließlich von einem Modell des Speyerer Künstlers Wolf Spitzer beflügelt, der Mitte 1995 vorschlug, die Mikwe mit einer weit gespannten Stahl-Glas-Konstruktion zu überdachen.

Arbeiten von Wolf Spitzer, der sich zeitlebens künstlerisch intensiv mit jüdischer Geschichte und Kultur befasst hat, befinden sich nicht nur im Judenhof und im SchPIRA Museum in Speyer.

Auch die Gedenkstätte für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Speyer oder die „Skulptur namens Menora“ bei der Synagoge Beith-Schalom sind wie Arbeiten im Raschi-Haus in Worms oder im Frank-Loebschen Haus in Landau Zeugnis seines künstlerischen Schaffens.

Angeregt von der Arbeit Spitzers hat das Stadtbauamt ein Gesamtkonzept für dieses Areal erarbeitet und 1996 den städtischen Gremien zur Beschlussfassung vorgelegt.

Dass der Stadtrat dieses Konzept bereits im April 1996 verabschiedet hat, ist sicherlich neben Heike Häußler auch Hanni Knerr zu verdanken, die für die SPD-Fraktion die Qualität der Konzeption erkannt hat.

Es gab einen weiteren wichtigen Impuls, nämlich der 1995 getätigte Ankauf des Anwesens Kleine Pfaffengasse 20/21 von einer Erbengemeinschaft.

Mit dem damaligen Regierungspräsidenten Rainer Rund habe ich nach einer Vorstandssitzung des Historischen Vereins der Pfalz dieses Anwesen besichtigt und ihn gebeten, mögliche kommunalaufsichtsrechtliche Bedenken wegen der finanziellen Situation der Stadt zurückzustellen.

Rainer Rund sah in einem Ankauf die Möglichkeit, die historische Stätte angemessen zu präsentieren.

Wäre der Ankauf damals nicht erfolgt, wäre diese Chance für Jahrzehnte verspielt gewesen,

Nur nebenbei bemerkt: Der Synagogenbereich war privat und bebaut. Diese Anwesen wurden 1999 erworben

Aufgrund der geänderten Eigentumsverhältnisse waren nun umfangreiche Grabungen im Synagogenbereich möglich.

Das Projekt des Landesamtes für Denkmalpflege unter der Leitung der Archäologin Dr.Monika Porsche wurde Ende Juni 2001 nach fast vier Monaten Arbeit abgeschlossen und erbrachte eine Vielzahl neuer Erkenntnisse.

Ein herausragendes Ereignis, nämlich den 900. Jahrestag der Weihe der mittelalterlichen Synagoge am 21.September 2004 nahm das Historische Museum der Pfalz zum Anlass für die Ausstellung „Europas Juden im Mittelalter“.

In einem Vorwort zum Katalog habe ich darauf hingewiesen, dass die Stadt Speyer ihre große jüdische Geschichte als verpflichtendes Erbe sieht.

Die Ausstellung „Europas Juden im Mittelalter“ wird, so meine damalige Ausführung, auf anschauliche Weise verdeutlichen, dass die mittelalterliche Judengemeinde von Speyer als eine der SchUM-Gemeinden das geistige und kulturelle Leben des abendländischen Judentums maßgeblich prägte und europäische Bedeutung erlangte.

Zahlreiche Publikationen zur jüdischen Geschichte haben die Maßnahmen begleitet:

Werner Transier, der auch immer wieder für Vorträge zur Verfügung stand, hat sich der jüdischen Geschichte ebenso angenommen wie Renate Engels und Pia Heberer, um nur einige wenige zu nennen.

Nicht vergessen werden darf Johannes Bruno, der das Leben und Wirken jüdischer Mitbürger unserer Stadt in mehreren Schriften gewürdigt hat..

Zu erwähnen ist auch die Initiative zur Verlegung von Stolpersteinen, die seit 2018 die Gedenkarbeit engagiert unterstützt.

Die Tatsache, dass sich Speyer auf seine jüdischen Wurzeln besinnt, das düstere Kapitel seiner Stadtgeschichte nicht ausblendet und 1998 bewusst eine Partnerschaft mit der israelischen Stadt Yavne besiegelt hat, war Ermutigung zu Beginn des 21.Jahrhunderts wieder eine jüdische Gemeinde zu gründen

Die Einrichtung zunächst eines Betraumes und der Bau der Synagoge Beith Schalom und deren Einweihung am 9.November 2011 ist für mich ein sichtbares Zeichen der Hoffnung, dass die jüdische Geschichte dieser Stadt weiter geht.

Mit außergewöhnlichem Engagement und großem Erfolg gelingt es dem Verkehrsverein seit nunmehr über drei Jahrzehnten den Besuchern die Bedeutung und die besondere Atmosphäre dieses Ortes nahe zu bringen.

2010 konnte mit der Einweihung des Museums SchPIRA nach den Vorschlägen und dem wissenschaftlichen Konzept des damaligen Leiters der Judaica Sammlung unseres Museums Dr.Werner Transier ein weiterer Akzent gesetzt werden.

„930 Jahre nach der Gründung der traditionsreichen mittelalterlichen Judengemeinde von Soeyer und 910 Jahre nach dem Einzug der Tora in die Synagoge dieses mittelalterlichen jüdischen Gemeindezentrums in der Kernstadt von Speyer haben wir uns versammelt, um die jüdischen Gelehrten der Stadt mit einem Denk-und Dankmal zu ehren, die den Ruhm Speyers in der gesamten jüdischen Welt begründeten: die Weisen von Speyer“

Mit diesen Worten von Werner Transier wurden am Abend des 2.November 2014 die vom Verkehrsverein gestifteten von Wolf Spitzer geschaffenen Bronzeskulpturen „Die Weisen von Speyer“ der Öffentlichkeit präsentiert.

Damit hat der Verkehrsverein Speyer und insbesondere Uwe Wöhlert den letzten großen Wunsch von Heike Häußler erfüllt, der dieses Projekt ein Herzensanliegen war.

Lieber Herr Wöhlert,

Ihnen und allen Mitgliedern des Verkehrsvereins sei noch einmal herzlich gedankt für dieses herausragende Engagement.

Mit der Anerkennung der SchUM-Gemeinden als Weltkulturerbestätte werden nicht zuletzt die Gelehrten der SchUM-Gemeinden geehrt.

Der bedeutendste jüdische Gelehrte der mittelalterlichen Judengemeinde von Wien Rabbi Jitzchak ben Mosche schrieb über die Gelehrten der SchUM-Gemeinden:

„Wie sehr gehören unsere Lehrer in Mainz, in Worms und in Speyer zu den Gelehrtesten der Gelehrten.“

Machen wir es uns klar: In Speyer befinden wir uns an der Geburtsstätte des aschkenasischen Judentums.

Unsere Stadt und ihre jüdische Gemeinde sind auch ein großartiger Beleg  für einen Jahrhunderte währenden geistigen, kulturellen und wirtschaftlichen Austausch.

Unsere Stadt ist tief verwurzelt in der Liturgie und im jüdischen kollektiven Gedächtnis.

Auf der ganzen Welt lernen Juden die Worte großer Rabbiner, die hier lehrten.

Mein langjähriger Kollege und Freund Michael Kissel schlug auf Anregung der Jüdischen Gemeinde Mainz und des Vereins „Warmaisa“ der Landesregierung von Rheinland-Pfalz 2004 vor, das Verfahren zu betreiben, die jüdischen Orte der Schum-Städte Speyer, Worms und Mainz in die UNESCO-Welterbeliste aufzunehmen.

Nach 17 Jahren ist nun das Verfahren erfolgreich abgeschlossen und ich bin ebenso wie Michael Kissel dankbar, dass wir beide das Verfahrensende noch erleben durften.

Meinem Nachfolger Hansjörg Eger möchte ich danken, dass er die begonnene Arbeit tatkräftig unterstützt und weitergeführt hat.

Mein Dank gilt selbstverständlich auch Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler, die mittlerweile auch den Verein der SchUM-Städte mit großem Engagement als Vorsitzende führt.

Ihr danke ich auch für das Vertrauen, mir diese Rede zu übertragen. So etwas ist bekanntlich bei Männern meines Alters im Hinblick auf die Länge der Rede nicht ohne Risiko.

Ein kurzer Ausblick sei mir noch gestattet:

Die Arbeit fängt jetzt erst richtig an.

Da stellt sich die Frage nach einem Besucherzentrum.

Wie schön wäre ein gemeinsames für beide Weltkulturerbestätten .

Wie formulierte es 1084 der damalige Bischof und Stadtherr?

„Ich, Rüdiger, mit Beinamen Huzmann, Bischof von Speyer, glaubte in meinem Bestreben, aus dem Dorf Speyer eine Weltstadt zu machen, die Ehre unseres Ortes durch Ansiedlung von Juden noch mehr zu heben.“

Das Anwesen Kleine Pfaffengasse 20/21 bietet eine Fülle weiterer Möglichkeiten, z.B. einen behutsamen Ausbau unseres Museums, die Schaffung von Räumlichkeiten für Wechsel-Ausstellungen und Vorträge.

Hier geht es natürlich nicht nur um historische Themen, sondern auch um die Auseinandersetzung mit zeitgeschichtlichen Fragestellungen.

Dialog und Toleranz statt Hass und Diskriminierung sollten auf der Tagesordnung des Bildungsauftrages stehen, den wir künftig zu leisten haben.

Für all dies benötigt man natürlich auch eine solide Finanzausstattung.

Ich hoffe sehr, dass die Aufsichtsbehörde sich bei all diesen Fragen als Partner und Förderer versteht.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, Frau Oberbürgermeisterin, und dem Stadtrat von Speyer viel Erfolg.

Schalom!

Zum Abschluß sprach der Vorsitzende des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz, Avadislav Avadiev. Er berichtete darüber, in einem Land aufgewachsen zu sein, in dem der Spruch galt: "Religion ist Opium für's Volk" - der ehemaligen UDSSR. Und doch erfuhr er bereits als zehnjähriger von seinem Rabbi von einer Stadt namens Worms. Der gebürtige Usbeke vertritt  rund 3500 Mitglieder aus der Gemeinde Mainz und den Kultusgemeinden Koblenz, Trier, Bad Kreuznach und der Rheinpfalz mit Sitz in Speyer. Er kam vor 20 Jahren mit seiner Familie in die Bundesrepublik. "Menschen müssen das Gefühl haben, eine Heimat zu bekommen", sagte er und "Wer an Gott glaubt, ist nie allein." Der Glaube ist die Hälfte des Erfolges. Die deutsch jüdische Kultur sei eng verflochten und er ist stolz darauf, das in diesem Jahr ein Landesrabbiner ins Amt eingeführt wird. "Lasst uns miteinander Lernen und feiern - Erinnerung und Versöhnung sind die Pfeiler, auf die wir bauen können. Die Welt schaut auf Rheinland-Pfalz; darüber bin ich sehr stolz."

Jüdische Musik bildete den Schlusspunkt, bevor mit einem guten Glas Wein auf das neue Weltkulturerbe angestoßen wurde.

Foto: pem

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