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Neujahrsgruß auf YouTube und im OK

„Charakter zeigt sich in der Krise!“

Speyer. Wohl zum ersten Mal in der Geschichte des städtischen Neujahrsempfanges wurde das gesellschaftliche Ereignis wegen der Corona-Pandemie nicht in gewohnter Form durchgeführt. Ganz wollten Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler und Bürgermeisterin Monika Kabs jedoch nicht auf den traditionellen Neujahrsgruß an die Speyerer Bürger verzichten. Statt wie in den Vorjahren am Freitagabend vor circa 1000 Besuchern in der Stadthalle auf das in allen Belangen außergewöhnliche Jahr 2020 zurückzublicken und einen Ausblick auf kommende Ereignisse und Entwicklungen zu werfen, beschränkten sie sich an diesem Sonntag auf eine digitale Grußbotschaft, die ab 16 Uhr live im YouTube-Kanal der Stadt Speyer übertragen und am gleichen Abend um 22 Uhr im Offenen Kanal ausgestrahlt wurde.

Wie nicht anders zu erwarten, bestimmte die Pandemie einen Großteil der Reden. Rückblickend betonte Seiler, dass Verzicht, Sorgen und Einschränkungen das abgelaufene Jahr geprägt hätten. „Aufgrund der Infektionswellen haben viele ihre berufliche Existenz verloren, andere blicken den nächsten Tagen und Wochen bangend entgegen und leider haben wir durch das Virus auch in Speyer Menschenleben zu beklagen“, betonte die Stadtchefin. Um hinzuzufügen, dass wir mit der Pandemie wohl noch einige Zeit leben und sich die Menschen weiterhin in Disziplin üben müssten. Seilers besonderer Dank galt all jenen, die mit außerordentlichem Engagement in der Krise Unterstützung leisteten und im Dienste der Gesellschaft schon lange über ihrem eigentlichen physischen und psychischen Limit tätig seien. Dazu zählten Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Deutsches Rotes Kreuz, Testzentren, Impfzentrum, Feuerwehr, Supermarktpersonal, Kindertagesstätten und Schulen. Deutliche Kritik übte Seiler an den Corona-Leugnern, die nur Hohn und Spott für die stillen Helden der Gesellschaft übrig hätten. In dieser besonderen Situation, die eine erhebliche Belastung für das Gesundheitssystem und alle Bereiche der Gesellschaft darstelle, sei jedoch Solidarität und gegenseitige Rücksichtnahme in besonderem Maße gefordert. Unter Einbindung aller Akteure müsse es auch gelingen, die Innenstadt als Ort der Nutzungsvielfalt, Kommunikation und Lebensqualität zu erhalten und zu stärken. Seiler will zudem an der Forderung nach einem eigenen Gesundheitsamt festhalten. Nur anreißen konnte die Oberbürgermeisterin weitere Aufgabenbereiche, deren Auflistung man jedoch bereits aus vielen Neujahrsreden der Vorjahre kennt. Dazu gehörten auszugweise: Bau bezahlbarer Wohnraum, Abbau sozialer Ungleichheiten, Fortschreitung der Digitalisierung und klimagerechte Stadtentwicklung.

Auf der gedanklichen Habenseite verbuchte Seiler die Hoffnung auf Anerkennung der SchUM-Stätten als Weltkulturerbe der UNESCO Mitte des Jahres. 

„Charakter zeigt sich in der Krise!“ Mit diesem anlässlich der Hamburger Sturmflut 1962 vom damaligen Hamburger Polizeisenator und späterem Bundeskanzler Helmut Schmidt geäußerten Zitat verband Bürgermeisterin Monika Kabs den Appell, sich auf die eigenen Fähigkeiten zu besinnen, um gestärkt aus dieser Krise hervor gehen zu können.

Als Dezernentin zuständig für die Fachbereiche 3 (Kultur, Tourismus, Bildung, Sport) und 4 (Jugend, Familie, Senioren und Soziales), bezeichnete Kabs den Lockdown ebenfalls als existenzielle Bedrohung. Neben anderen Bereichen sei auch die Kultur im letzten Jahr überaus heftig durchgerüttelt worden, blickte Kabs auf ungewohnte und teilweise an Science-Fiction-Filme erinnernde Entwicklungen zurück. Welche Ausmaße die Pandemie angenommen habe, offenbare ein Blick in ihren elektronischen Terminkalender, in dem das Wort Absage am häufigsten vorgekommen sei. Mut mache jedoch, dass diese Ausnahmesituation unendlich viele Menschen auf den Plan gerufen habe, die mit ihrem Engagement zur Linderung oder Lösung von Problemen beigetragen hätten und noch beitragen würden. Ob ehrenamtlich oder hauptberuflich tätig, ob in den Bereichen Soziales, Bildung, Sport, Kultur oder anderswo eingesetzt – ihnen allen gebühre im Namen der Speyerer Bürgerschaft ein herzliches Dankeschön, betonte Kabs. Einen besonderen Dank stattete sie zudem allen Spendern ab, die im Zuge der „wegweisenden“ Initiative Speyer-Kultur-Support bisher mehr als 100000 Euro in einen Härtefonds eingezahlt haben. Freuen über Dankesworte in Abwesenheit konnte sich ferner Ewald Gaden, Leiter der Volkshochschule Speyer, der Ende des Monats in den Ruhestand wechselt.

Musikalisch gestalteten Sängerin Jutta Brandl und Bernhard Sperrfechter mit der Gitarre den digitalen Neujahrsgruß, den in der Spitze 68 Zuschauer verfolgten.

Text: mey; Foto: Entnommen der YouTube-Sendung