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Die Frankfurter Künstlergesellschaft - Sinn und Leichtsinn

Ausstellung in der Städtischen Galerie in Speyer vom 11. Juni bis 11. Juli 2021

Mojgan Razzaghi - Verboten rot 1

Klaus Puth - Der Mond - Vier Wanderer

Achim Ribbeck - Curva

Speyer. Etwas fehlt.

In den langen Monaten der Pandemie mit all den Ängsten und Ungewissheiten ist vielen von uns etwas sehr Wesentliches abhanden gekommen: Das Grundvertrauen. Anders gesagt: Das, was uns normalerweise die Herausforderungen des Lebens meistern hilft, die Leichtigkeit, ist weg. Gewichen der unablässigen Sorge um Gesundheit und Existenz, der eigenen und der unserer Familien und Freunde. Und noch etwas treibt uns um in dieser Zeit: Die Frage nach dem Sinn des Ganzen. Warum ich, warum wir, warum jetzt?

Künstlerinnen und Künstler haben darauf auch keine letztgültigen Antworten. Mal abgesehen davon, dass sie selbst gerade massiv betroffen sind von existenziellen Nöten und der alles beherrschenden Frage, wie es weitergeht. Gleichwohl suchen sie mit ihren Werken auch nach Wegen, etwas von dieser Leichtigkeit zurückzuerobern. Nicht zufällig trägt die neue Ausstellung der Frankfurter Künstlergesellschaft den Titel: “Sinn und Leichtsinn“.

Denn der Leichtsinn ist - so seltsam das klingt - ein Wesensmerkmal künstlerischer Arbeit.

Kunstschaffende aller Disziplinen setzen sich in ihrer Arbeit bewusst dem Unerwartbaren aus und der Gefahr des Scheiterns. Sie handeln also - leichtsinnig.

Die Frankfurter Künstlergesellschaft lädt ein, sich auf diesen Leicht-Sinn einzulassen, sich mitnehmen zu lassen auf die Suche nach der Leichtigkeit und nach einem Sinn.

Elf Jahre, im Rückblick eine kleine Ewigkeit, ist es her, dass die Frankfurter Künstlergesellschaft in der Städtischen Galerie in Speyer eine umfangreiche Schau der Arbeiten ihrer Mitglieder zeigte. Nun steht, unter ganz anderen Vorzeichen, die Fortsetzung an mit vielen neuen Mitgliedern: Aktuell, spannend, überraschend und doch gewohnt in der Vielfalt der Stile und Ausdrucksformen.

Die Frankfurter Künstlergesellschaft, gegründet im Jahre 1857, ist eine der ältesten noch aktiven Künstlervereinigungen in Deutschland. Ins Leben gerufen wurde sie von so namhaften Künstlern wie Philipp Veith, Edward Jakob von Steinle, Johann David Passavant oder Moritz David Oppenheim, deren Arbeiten in die Kunstgeschichte eingingen und heute u.a. im Städelmuseum in Frankfurt am Main ausgestellt sind. Auch Architekten zählten zu ihren ersten Mitgliedern wie z.B. Paul Wallot, Baumeister des Berliner Reichstags. Die Frankfurter Künstlergesellschaft spielte im 19. und noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine maßgebliche Rolle im Kulturgeschehen der Frankfurter Stadtgesellschaft. Die neuen Kunstströmungen wie der Impressionismus, der Expressionismus und die folgenden abstrakten Positionen trugen ihre Mitglieder ebenfalls mit, doch es gab auch immer Vertreter der Figürlichkeit in ihren Reihen.

Seit jeher jedoch war es der Grundsatz der Frankfurter Künstlergesellschaft, künstlerische Kompetenz nicht einer bestimmten Kunstform oder Kunstmode zu unterwerfen. So wie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Vertreter der abstrakten Kunst mit den Verfechtern der Gegenständlichkeit eine sich gegenseitig befruchtende Gemeinschaft bildeten, bewegen sich auch die heute ausgestellten Arbeiten der aktiven Mitglieder zwischen Realismus über einen zeitgemäßen Naturalismus zur freien Interpretation und bis hin zur Abstraktion. Hohe künstlerische Qualitätsansprüche und ein freundschaftlicher Umgang innerhalb des Vereins haben bis heute Vorrang gegenüber einer Vereinheitlichung des künstlerischen Schaffens. Vielleicht ist das eines der Geheimnisse für das lange Bestehen dieser Künstlervereinigung.

Es stellen aus: Heidi Böttcher-Polack, Claus Delvaux, Barbara Dickenberger, Joerg Eyfferth, Inge Helsper-Christiansen, Yuriy Ivashkevich, Norbert Komorowski, Martin Konietschke, Matthias Kraus, Uli Mai, Klaus Puth, Mojgan Razzaghi, Achim Ribbeck, Michael Siebel, INK Sonntag-Ramirez Ponce, Clemens Maximillian Strugalla, Nicolas Vassiliev, Andreas Wal

Text: Stadtverwaltung Speyer