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100 Jahre Tradition

Von der „Schiffbrücke“ zum „Alten Hammer“

Der "Alte Hammer" im Februar 2019

"Alter Hammer 1919" - In der Tür steht Elisabeth Hammer, die Großmutter von Franz

Richard und Maria Hammer, die Eltern von Franz

Wiedereröffnung 1984 mit Franz und Christel Hammer sowie dem Küchenchef Klaus Breining

v.l.: Peter Roth, Christel und Franz Hammer

bk.Speyer.  Begründet wurde die Gaststätte im Jahr 1918 bis 1919 von den Großeltern Franz und Elisabeth Hammer. Der Großvater Franz Hammer war von Beruf Schiffsführer auf dem Motorschiff “Grünwinkel“ das die Strecke Karlsruhe-Rotterdam befuhr. Seine Ehefrau Elisabeth brachte auf diesem Schiff elf Kinder zur Welt, die dort ihrem Alter entsprechende Arbeiten verrichten mussten.

Irgendwann wurde für Elisabeth das Leben mit der Großfamilie auf dem Schiff aber zu viel und sie kaufte das Anwesen Leinpfad 1c, die „Villa Flörchinger“. Zu Beginn 1918 war es eine Straußwirtschaft, die aber bereits 1919 eine Vollkonzession bekam. Auch über die Kriegsjahre hinweg war die Gaststätte geöffnet. Der kleine Anbau war früher ein großer Saal, in dem Flüchtlinge untergebracht waren. Dann trainierten dort Sportvereine wie der Judoverein, der Schützenverein und Fußballvereine.

Obwohl Elisabeth fast blind war, wusste sie sich zu helfen. So streckte sie beim Einschenken einen Finger in das Glas, um zu wissen, wann es voll war. Und wer versuchte, für neun Pfennige ein Zehnpfennigstück für das elektrische Klavier zu bekommen, war bei ihr an der falschen Adresse. Erst wenn zehn Pfennige vor ihr lagen, händigte sie das begehrte Zehnpfennigstück aus und der Tanz konnte beginnen. Ihr Geiz brachte ihr den wenig schmeichelhaften Beinamen “Beißzang“ ein, so daß der Volksmund noch lange sagte: „Wir gehen zur Beißzang“, wenn von einem Besuch in der Gastwirtschaft die Rede war.

1948 übernahmen Richard als jüngster Sohn (geb. 1912) und Maria Hammer die Führung. Aus erster Ehe hatte er eine Tochter, Helga. Als seine Frau starb, heiratete er Maria, die eine Tochter und einen Sohn mit in die Ehe brachte. Gemeinsam bekamen sie Elisabeth, Franz (geb. 1954), Erika und Richard. Elisabeth sollte einmal die Gaststätte übernehmen und absolvierte auch eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau. Ihr weiterer Berufsweg führte sie unter anderem in das Hotel Tonbachtraube und Rießersee. Leider verstarb sie 1978 durch einen Autounfall.

Sämtliche Kinder mussten von klein auf in der Gaststätte mithelfen – erst kam der Eisverkauf, dann Büffetdienst und der Service. Während des Baus der Rheinbrücke kochte Maria gemeinsam mit ihrer Mutter jeden Tag für die Arbeiter. Von den 45 Arbeitern, die dort damals beschäftigt waren kamen etwa 35 regelmäßig zum Mittagessen.

Damals gab es auch den sogenannten „Schleudersitz“. Die Stammgäste machten sich einen Jux daraus, unwissende Fremde am Stammtisch auf dem Stuhl des Patrons zu platzieren. Und wenn er dann erschien, wusste jeder ganz schnell, warum dieser Stuhl „Schleudersitz“ hieß!

In den 60er Jahren war die „Schiffbrücke“, die so hieß, weil die frühere Speyerer Rheinbrücke eine Schiffbrücke war, eine beliebte Anlaufstelle für die Besatzung der Passagierschiffe der Köln-Düsseldorfer Reederei. Hier ein Link zu einem Film im Speyerer Stadtarchiv zur Schiffbrücke.

https://www.youtube.com/watch?v=sCSthftHCos

Da häufig auch die Musiker der Schiffskappelle mit von der Partie waren, wurde bis in den Morgen gefeiert. Für die Kinder waren die Passagiere dieser Schiffe eine willkommene Gelegenheit, ihr Taschengeld aufzubessern. Wenn sie die Koffer zum Schiff fuhren, bekamen sie von den Amerikanern in der Regel 5 DM, von den Engländern 50 Pfennig. Das kommentieren wir besser nicht…

Viele berühmte Gäste besuchten die „Schiffbrücke“ – unter anderem Dr. Helmut Kohl, Kurt Beck, Prof. Dr. Bernhard Vogel, David Coulthard, Vico Torriani, Judith Kaufmann, Marie-Luise Marjan, Pete York und auch „Mörtel“ Lugner war da – vielleicht auf der Suche nach einem feschen Speyerer Mädel?

Als die Gaststätte 1972 an die Eichbaum Brauerei Mannheim verpachtet wurde, war das eine große Erleichterung für die Kinder, die nun nicht mehr helfen mussten. Zuerst wurde von 1972 bis 1977 an Ewald Straub untervermietet, der Koch und Metzger war. Dadurch entwickelte sich die Wirtschaft zu einer Speisegaststätte mit gutbürgerlicher Küche.

Mit dem nächsten Pächter hatte die Brauerei kein Glück – so stand nach zwei Jahren unter seiner Regie die Gaststätte vor dem Aus und der gute Ruf war fast endgültig ruiniert. Also übernahm 1979 Franz Hammer mit seiner Frau Christel, um noch mehr Schaden abzuwenden. Leider war der erste Sommertotal verregnet – trotzdem ging es stetig aufwärts. Ein Glücksgriff war der Küchenchef Klaus Breining. Unter seiner Regie entstand 1980 der weithin berühmte „WuPo“ – Kenner wissen, das heißt Wurstsalat mit Pommes.

Nach einem kompletten Um und Ausbau 1984/1985 wurde aus der „Schiffbrücke“ der „Alte Hammer“. Der Volksmund nannte die Gaststätte schon seit 1961 so, als das neue Cafe Hammer, heute Rentschlers, im damals modernen Bungalowstil erbaut wurde.

Nach 25 Jahren Gastronomie übergab Franz Hammer an die Krebs-Gaststätten-Betriebs GmbH mit der jetzigen Geschäftsleitung Peter Roth und Geraldine Krebs. Beide haben an die Tradition angeknüpft. Sie beschäftigen mittlerweile 20 Festangestellte und je nach Saison zwischen 15 und 100 Aushilfen, die auf dem 1.800 qm Grundstück im Biergarten bis zu 360 Gäste und im Gastraum bis zu 85 Gäste versorgen können. Das wurde möglich gemacht durch den Ausbau des Wintergartens, der Ende 2014 eröffnet wurde.

Maßgeblich zum Erfolg des Biergartens, der der älteste in Speyer ist, hat auch die Schnakenbekämpfung der Kabs, die 1987 begann. Erst dadurch wurde es möglich, länger im Freien zu verweilen; früher war spätestens um neun Uhr Schluss, wenn man nicht „aufgefressen“ werden wollte.

Seit Beginn ist die Gaststätte der Firma Eichbaum treu geblieben. Nur zur Info – damals gab es fast einen Aufstand, als 1968/69 der Preis für 0,5 l Bier, also einen Schoppen, von 1,10 DM auf 1,15 DM erhöht wurde!

Lassen Sie sich überraschen, was sich die Pächter zur Feier des 100 jährigen Bestehens alles einfallen lassen – und nach wie vor gilt: Ein Abend im Hammer ist wie ein kleiner Urlaub. Foto: Franz Hammer und pem

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