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Historische Kunst des „Serviettenbrechens“

Ausstellung Barocke Tafelkultur vom 11. August bis zum 04. November 2018

v.l.: Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, der Künstler Joan Sallas sowie Dr. Ralf Wagner, zuständiger Konservator der Staatlichen Schlösser und Gärten.

Schwetzingen. Vom 11. August bis zum 4. November eröffnet Schloss Schwetzingen den Blick auf ein verblüffendes historisches Phänomen der Tafelkultur. Unter dem Titel „Gefaltete Schönheit – Die Kunst des Serviettenbrechens“ zeigt der Faltkünstler Joan Sallas feingliedrige Werke, vom grazilen Tischschmuck bis zur raumgreifenden Skulptur. Seine Arbeiten beruhen auf historischen Vorlagen des 16. bis 18. Jahrhunderts – und sie sind aus Servietten geschaffen! Die Ausstellung des international renommierten Spezialisten haben die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg im Rahmen des Themenjahrs der Staatlichen Schlösser und Gärten „Von Tisch und Tafel“ nach Schwetzingen geholt. Die Kunstwerke aus weißem gestärkten Leinen, einst ein Teil der höfischen Tafelkultur des Barock, sind im Schlossmuseum und im Badhaus zu sehen.  

Barocke Kunst am historischen Ort

Von raffinierten Servietten bis zu meisterhaften Skulpturen: Der Faltkünstler Joan Sallas beeindruckt mit einer seltenen Kunst, die in der Zeit des Barock zu ihrer Blüte gelangte: Er faltet gestärkte Leinentücher. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg zeigen vom 11. August bis zum 4. November die Faltkunstwerke des spanischen Künstlers in den historischen Schlossräumen in der Beletage und im Hochberg-Appartement im 2. Obergeschoss der kurfürstlichen Sommerresidenz. Die Bandbreite der textilen Kunstwerke ist enorm und reicht von filigranen Blüten oder Früchten bis zu meterhohen Tischbrunnen und Tierskulpturen. Das Badhaus im Schlossgarten ist mit einbezogen: Hier warten, passend zum Ort, besondere Kunstwerke aus gefaltetem Leinen.  

Originale Faltpläne, alte Vorbilder
Kunstvoll gefaltete Servietten waren Teil einer aufwendigen Tafelkultur. Der Tischschmuck aus weißem Leinen war ein Teil des prächtigen Dekors, mit dem die Herrscher Macht und Reichtum demonstrierten. „Schaugerichte, kunstvoll geschmückte Speisen, gehörten zur Repräsentation an den höfischen Tafeln“, erklärt Dr. Ralf Wagner, der Konservator der Staatlichen Schlösser und Gärten für Schloss Schwetzingen. „Die Serviettenfaltkunst war ein Teil dieser opulenten Dekorationen.“ Joan Sallas nutzt gestärktes Leinengewebe. Hunderte Meter Stoff faltet er zu Schlangen, Delfinen und anderen Tieren. Das Wesentliche an seinen Arbeiten: Fast immer liegen ihnen originale Faltplänen aus früheren Jahrhunderten zugrunde. Anfang des 16. Jahrhunderts entstand in Italien die Mode, Servietten und Tücher kunstvoll zu falten. Seinen Höhepunkt erlebte das Serviettenbrechen im Barock: Traktate und Lehrbücher verbreiteten die Techniken und Vorlagen auch an den deutschen Höfen.

Der Künstler

Joan Sallas, geboren 1962 in Badalona (Katalonien), wuchs in Spanien auf. Er studierte Sonderpädagogik und Musik. Seit 18 Jahren forscht er intensiv auf dem Gebiet der historischen Faltkunst und sammelt sämtliche Literatur zum Thema Faltkunst. Er veröffentlichte Bücher zur Papier- und Serviettenfaltkunst und stellt seine Werke weltweit in bekannten Museen und Schlössern aus. Außerdem gibt er Kurse im Servietten-Falten an Hotelfachschulen, für Pädagogen und Kinder. Joan Sallas lebt heute in Weimar.

www.schloss-schwetzingen.de

www.schloesser-und-gaerten.de

 

Text und Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg