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Nachrichten aus der Stadt Landau

Zwölfte Verlegung von Stolpersteinen

OB Hirsch: „Lebendige Erinnerungskultur heute wichtiger denn je“

So wie hier im Landauer Ostring werden seit den frühen 1990er Jahren in ganz Europa Stolpersteine für die Opfer des Nationalsozialismus verlegt.

Zur jüngsten Verlegung in Landau waren auch Nachfahren der Familie Ottenberg gekommen, die heute in England und den USA leben.

240 Stolpersteine erinnern im Stadtgebiet Landau an die Opfer des Nationalsozialismus.

Landau. „Mahnmale von unten“ nennt der Kölner Künstler Gunter Demnig die Stolpersteine, die er seit dem Jahr 1992 in ganz Europa verlegt. In Landau erinnern mittlerweile 240 solcher Steine an die Opfer des Nationalsozialismus. Am Freitag, 6. Juli, kam Demnig zur zwölften Verlegung nach Landau und ließ im Ostring, in der Moltkestraße und in der Kramstraße insgesamt zwölf Stolpersteine in den Boden ein. Besonders berührend: Bei der Verlegung im Ostring 29 waren auch Nachkommen der Landauer Familie Ottenberg, die heute in England und den USA leben, anwesend.

„Auch in Landau haben sich während der Zeit des Nationalsozialismus Menschen unaussprechlicher Taten schuldig gemacht“, sagte Oberbürgermeister Thomas Hirsch in seiner Ansprache. „Umso wichtiger ist es, das Gedenken an die Opfer, die mitten unter uns gelebt haben, wach zu halten. Gerade in der heutigen Zeit, in der Ausgrenzung wieder politisches Stilmittel geworden ist, ist eine lebendige Erinnerungskultur wichtiger denn je“, zeigte sich der Stadtchef überzeugt. „Es gilt, gemeinschaftlich gegen das Vergessen einzutreten. Der Blick in die Vergangenheit soll uns Mahnung sein, in Zukunft mit größtmöglichem Einsatz für Frieden, Versöhnung, Mitmenschlichkeit, Toleranz und Völkerverständigung einzutreten“, so Hirsch. Der OB dankte Künstler Gunter Demnig, der Landauer Stolpersteininitiative, die die Verlegungen vorbereitet und begleitet, sowie den Patinnen und Paten, die die Kosten für die Stolpersteine übernehmen.

Bei der jüngsten Verlegung wurden Stolpersteine für Frieda, Ferdinand und Alice Ottenberg (Ostring 29), Hedwig, Jonathan, Greta und Hans Weiss (Ostring 33), Berta Levy (Ostring 20), Bella und Josef Weiler (Moltkestraße 7) sowie Franziska und Paul Kahn (Kramstraße 8) in den Boden eingelassen.

Die Stolpersteine – Pflastersteine, an deren Oberseite eine zehn mal zehn Zentimeter große Messingplatte mit den Lebensdaten der NS-Opfer befestigt wird – werden jeweils vor dem letzten frei gewählten Wohnort verlegt. Bei jeder Verlegung lesen Mitglieder der Stolperstein-Initiative die Biografien der Opfer vor – dieses Mal aufgrund der Anwesenheit der Nachfahren der Familie Ottenberg auch auf Englisch. Gillian Dawson, eine Urenkelin von Frieda und Ferdinand Ottenberg, richtete bei der Verlegung Worte des Danks an die Anwesenden. Die Idee, Stolpersteine für die Opfer des NS-Regimes zu verlegen, empfinde sie als sehr passend, so Dawson – sei es doch jüdischer Brauch, beim Besuch des Grabs von Verstorbenen nicht Blumen, sondern Steine auf den Grabstein zu legen. Die musikalische Begleitung der Verlegung übernahm Michael Letzel am Akkordeon.  Text und Foto: Stadt Landau