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Seit einem Jahr im „Corona-Krisenmodus“

Am 27. Februar 2020 wurde im Rhein-Neckar-Kreis die erste mit SARS-CoV-2 infizierte Person bestätigt: Das Gesundheitsamt wuchs seitdem im Wortsinne über sich hinaus.

Wegen der hohen Infektionszahlen wurde dort ein separater Dispatcher-Raum für die Fallvergabe eingerichtet

Die Zahl der verschickten Kuverts der Quarantänebescheide sprengten rasch die gewohnten Dimensionen des Postausgangs im Gesundheitsamt

Auch um den Aufbau und Betrieb von Corona-Test-Centern (wie in Reilingen) oder Impfzentren kümmerte sich das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises.

Ärztliches Aufklärungsgespräch im Zentralen Impfzentrum

Heidelberg. Ende Februar vergangenen Jahres kehrt ein Mann aus dem Skiurlaub zurück in seinen Heimatort im Rhein-Neckar-Kreis. Wegen grippeähnlicher Symptome meldet er sich tags darauf beim Uniklinikum Heidelberg. Dort bestätigt sich am Abend des 27. Februar 2020 der Verdacht: Der Patient hat sich mit dem damals neuartigen Virus SARS-CoV-2 infiziert – der Rhein-Neckar-Kreis hat somit wie zu diesem Zeitpunkt schon viele andere Landkreise in Deutschland seinen ersten Corona-Fall. Seit einem Jahr leben die Menschen nun also auch in der Rhein-Neckar-Region mit dem Coronavirus – nachfolgend ein Rückblick, was in dieser Zeit geschehen ist und welche Herausforderungen das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises, speziell das Gesundheitsamt, gemeistert hat.

Jens Geiß, Bürgermeister der Gemeinde Oftersheim, erinnert sich noch genau an den Moment, als ihn Landrat Stefan Dallinger anrief: „Ich hatte gerade meine Tochter auf dem Schoß und habe ihr eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen, als mich der Landrat unterrichtete, dass ein Oftersheimer Bürger der erste positiv Getestete im Rhein-Neckar-Kreis sei. Auf einmal war das, was man zuvor als eher abstrakt wahrgenommen hatte, direkt bei und mitten unter uns.“

Im Gesundheitsamt hatte man sich schon einige Wochen vorher auf das drohende Szenario eingerichtet und einen Stab einberufen, in dem die ersten Schritte im Umgang mit einer Pandemie vorbereitet wurden. Die einen Monat zuvor geschaltete Corona-Hotline verzeichnete aufgrund der deutschlandweiten Berichterstattung über das neuartige Coronavirus bereits ein erhöhtes Aufkommen, das sich in den kommenden Wochen und Monaten noch deutlich erhöhen sollte. Dr. Andreas Welker vom Gesundheitsamt, das auch für die Stadt Heidelberg zuständig ist, war zu diesem Zeitpunkt längst klar: „Das wird kein Sprint, sondern ein Marathon.“ Gerne hätte sich der stellvertretende Amtsleiter in diesem Punkt geirrt, doch er sollte recht behalten. Die Corona-Pandemie war fortan bundesweit und natürlich auch in unserer Region das dominierende Thema. Oder wie es Amtsleiter Dr. Rainer Schwertz formuliert: „Wir beschäftigen uns im Gesundheitsamt tagtäglich fast ausschließlich mit Corona.“

Alle Quarantänebescheide ergäben einen 250 Meter hohen Turm

Zurück zum Beginn der Pandemie im Landkreis: In Windeseile mussten verschiedene Teams gebildet werden, um die Fälle schnell bearbeiten und nachverfolgen zu können. Die Ermittlungsgruppe wurde mit steigenden Fallzahlen immer wieder in kleinere Einheiten unterteilt, um nicht nur spezielle Ansprechpartner für Gemeinschaftsunterkünfte, Altenheime, Schulen und Kitas anbieten zu können, sondern auch um Infektionsketten und sogenannte „Cluster“ noch schneller zu erkennen. Allein die bloßen Zahlen belegen die Dimension der Pandemie im Landkreis und der Stadt Heidelberg: Zusätzlich zu den über 19 000 Fällen verzeichnet das Gesundheitsamt in der von der hauseigenen IT-Abteilung blitzschnell programmierten und immer weiter optimierten C-19-Datenbank über 37 000 Kontaktpersonen der Kategorie 1. Der Höchststand an aktiven Fällen, also Personen, die positiv getestet sind und sich deshalb in Quarantäne befinden, lag am 19. Dezember bei 1945. Und die circa 50 000 versendeten Kuverts der Quarantänebescheide ergäben übereinandergestapelt einen 250 Meter hohen Turm.

Genau wie in der Fallermittlung und der Kontaktpersonennachverfolgung war auch in der Hotline, die lange im Zwei-Schicht-Betrieb besetzt war, der Personaleinsatz äußerst intensiv – bei mittlerweile über 125 000 Anrufen nicht verwunderlich. In der Spitze gab es im Gesundheitsamt zeitweise über 200 Vollzeitstellen. Zum Vergleich: In normalen Zeiten arbeiten hier etwa 80  Personen. Und quasi „nebenbei“ organisierte das Landratsamt den Aufbau und Betrieb von Test-Centern, zuerst in Schwetzingen, dann in Heidelberg, später noch in Reilingen und Sinsheim. „Wir sahen und sehen uns immer wieder vor Herausforderungen gestellt, die für eine Behörde nicht alltäglich sind. Der Aufbau von Impfzentren gehört normalerweise ja nicht zu unserem Kerngeschäft“, sagt mit einem Augenzwinkern die Dezernentin für Ordnung und Gesundheit, Doreen Kuss. „Aber auch diese Aufgabe haben wir in kürzester Zeit gestemmt und der Betrieb in den drei Impfzentren läuft reibungslos. Generell imponiert mir, wie wir im Landratsamt auch nach einem Jahr im Dauer-Corona-Modus gemeinsam an einem Strang ziehen und das große Ziel, die Eindämmung der Pandemie, zusammen nicht aus den Augen verlieren.“

4400 Kilo Obst und 57 000 Schokoriegel als „Nervennahrung“

Was manchmal bei allem Einsatz gar nicht so leicht ist – etwa wenn wie in der zweiten Welle fast täglich ein neuer Ausbruch in einem Pflegeheim gemeldet wird und die nächste Nachtschicht ansteht, um die notwendigen Maßnahmen schnellstmöglich einzuleiten. Kein Wunder, dass in einem Jahr Pandemie auch gewaltige Mengen an „Nervennahrung“ anfallen: 4400 Kilo Obst und 57 000 Schokoriegel standen für die kleine Stärkung im Vorbeigehen bereit – einiges davon erreichte das Gesundheitsamt übrigens als Spende von Bürgerinnen und Bürgern, die sich für die hervorragende Arbeit des Gesundheitsamtes bedankten. 

Auch Landrat Stefan Dallinger weiß um die enorme Belastung und ist voll des Lobes: „Das Landratsamt ist eben keine gesichtslose Behörde, sondern voll von motivierten Mitarbeitenden, die seit Monaten ein großes Pensum abspulen. Wir alle haben Familie und viele von uns nehmen wegen Corona Entbehrungen, großen Stress und zahlreiche Überstunden in Kauf. Ich bedanke mich bei allen ganz herzlich für ihr Engagement in diesem besonderen Jahr. Zugleich haben wir bewiesen: Auf den öffentlichen Dienst ist gerade in einer Krisensituation Verlass!“

Durch die Corona-Pandemie steht das Landratsamt schließlich viel stärker im Fokus als sonst: wie beschrieben auf operativer Ebene, aber daneben läuft auch die Verwaltungstätigkeit auf Hochtouren, denn gerade für die 54 Kommunen im Rhein-Neckar-Kreis ist das Landratsamt ein wichtiger Ansprechpartner, etwa wenn es um unterschiedliche Fragestellungen rund um die Corona-Pandemie geht. So sieht es auch Bürgermeister Jens Geiß: „Gerade bei uns in den Verwaltungen musste vieles spontan passieren – ein Umstand, mit dem man erst einmal zurecht kommen musste in unserem sonst ach so gut regulierten Arbeitsumfeld. Auf einmal mussten wir damit umgehen, das Verordnungen zum Teil wenige Minuten vor dem Inkrafttreten übermittelt wurden und wir uns recht spontan in Sachverhalte reindenken mussten. Ein ganz großes Lob muss ich an dieser Stelle in Richtung des Gesundheitsamtes und insbesondere an die Dezernentin Frau Kuss aussprechen, die gefühlt seit einem Jahr im Dauereinsatz ist.“

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Dauereinsatz kein Dauerzustand bleibt. Denn nach zuletzt sinkenden Fallzahlen befinde sich das Infektionsgeschehen gerade in einer Stagnationsphase, sagt Dr. Andreas Welker vom Gesundheitsamt. „Insofern besteht durchaus die Gefahr einer dritten Welle. Mit jeder Lockerung erhöht sich automatisch die Zahl der Kontakte, die die Menschen generieren.“ Neben der Kontaktminimierung ist für den stellvertretenden Amtsleiter daher auch die Impfung ein wesentlicher Baustein in der Bekämpfung der Pandemie: „Ich kann jedem nur dringend ans Herz legen, einen Impftermin wahrzunehmen, sofern man zur Gruppe der Impfberechtigten gehört.“

Text und Bild: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis