Dr. Berthold Roland ist am Samstagabend verstorben - ein Nachruf

Größte Hochachtung brachte ihm Bundeskanzler Helmut Kohl entgegen, der ihn gerne als seinen „Kunschtpapst“ bezeichnete

Mannheim / Speyer. Die Kunst hat ihn bewegt und er hat die Kunst bewegt. Nun muss die Kunst ohne ihren Diener und Förderer auskommen, denn Dr. Berthold Roland ist am Samstagabend verstorben. Seit längerer Zeit bereits pflegerisch betreut, schlief er in Anwesenheit seines Sohnes Oliver und dessen Lebensgefährtin Paris friedlich ein. Schon seinen 94. Geburtstag am letzten Donnerstag hat der am 24. Februar 1928 als Sohn eines Oberkirchenrates der Pfälzischen Landeskirche in Landau geborener Kunstmäzen nicht mehr bewusst erlebt.

Das umfang- und segensreiche Lebenswerk des Verstorbenen angemessen zu würdigen, fällt bei seinem unglaublichen Engagement und den kaum zu zählenden Verdiensten für soziale Angelegenheiten und die Kultur nicht leicht. Zu schnell könnte man Wegweisendes übersehen. Daher wird an dieser Stelle auch auf die zahlreichen Veröffentlichungen hingewiesen, die über das Wirken von Berthold Roland erschienen sind.

Der mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Landesverdienstorden Rheinland-Pfalz, der Verdienstmedaille der Stadt Speyer und weiteren Auszeichnungen wie dem französischen Orden „Des Arts et des Lettres“ (für die Künste und Wissenschaften) bedachte Kunsthistoriker hat sich nicht nur mit seiner Stiftung einen Namen gemacht.

Der nunmehr verstorbene Vorstandsvorsitzende war von 1983 bis 1993 Direktor im Landesmuseum Mainz und der Villa Ludwigshöhe in Edenkoben, wo er bereits als Kunstreferent im Mainzer Kultusministerium den Ankauf von einhundertzwanzig Max Slevogt-Gemälden und den Aufbau der Slevogt-Galerie maßgeblich beeinflusste.

Von 1982 bis 1998 wirkte er zudem als offizieller Kunstberater im Bonner Bundeskanzleramt. Größte Hochachtung brachte ihm der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl entgegen, der ihn gerne als seinen „Kunschtpapst“ bezeichnete. Eine beratende Tätigkeit in Sachen Kunst übte Roland ferner von 1994 bis 2008 bei der Landesbank Rheinland-Pfalz aus.

Seine Verdienste auf regionaler und lokaler Ebene schlugen sich neben anderen in der Zuerkennung der Ehrenmitgliedschaft des Historischen Vereins der Pfalz, des Feuerbach-Museums Speyer und des Literarischen Vereins der Pfalz nieder.

Unvergessen bleiben auch die unter seiner Ädige erfolgten nationalen und internationalen Schenkungen sowie finanzielle Förderungen und Preisvergaben, die sich mittlerweile auf annähernd 700.000 Euro belaufen. Geschäftsführer Oliver Roland wird die Stiftung gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern weiterführen.

Trotz der immensen Verdienste und dem hohen Bekanntheitsgrad des Verstorbenen wird die Gedenkfeier wegen der Corona-Pandemie im engsten Familienkreise stattfinden.

Text: mey; Foto: RS