Integration im Rhein-Neckar-Kreis auf einem guten Weg

Ergebnisse des Integrationsbarometers

Heidelberg. Über 500 Personen haben am ersten Integrationsbarometer für den Rhein-Neckar-Kreis teilgenommen und damit zum Stimmungsbild über den Stand der Integration im Landkreis beigetragen. Knapp ein Viertel der Befragten gab an, eine eigene Zuwanderungsgeschichte zu haben. „Zwar liegt der Anteil an Menschen mit einem sogenannten Migrationshintergrund in Baden-Württemberg mit 35 % etwas höher“, erläutert Maria Brucker, die stellvertretende Integrationsbeauftragte des Rhein-Neckar-Kreises, die die Erhebung geleitet hat. „Dennoch sehen wir es als großen Erfolg für die Bewertung der Ergebnisse, dass sich so viele Menschen mit eigener Zuwanderungsgeschichte beteiligt haben.“

 

Doch wie steht es nun um die Integration im Rhein-Neckar-Kreis? Deutlich über die Hälfte der Befragten sieht diese auf einem guten Weg. Dieser Meinung sind mit 69 Prozent der Teilnehmenden mit Zuwanderungsgeschichte sogar deutlich mehr als bei den Teilnehmenden ohne Zuwanderungsgeschichte (54 Prozent). Zugleich zeigen die Ergebnisse an unterschiedlichen Stellen Handlungsbedarfe auf. Besonders deutlich wird dies in Bezug auf die Sprache: Fast 90 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass Sprachbarrieren für viele Menschen im Rhein-Neckar-Kreis eine Herausforderung darstellen. Zwar ist das Thema Deutschsprachförderung bereits stark im Fokus der Integrationsarbeit, jedoch gibt es immer wieder Personengruppen, bei denen die vorhandenen Angebote nicht greifen. Zu diesen Personen zählen beispielsweise häufig Mütter von kleinen Kindern. Aus diesem Grund hat die Stabsstelle Integration im vergangenen Jahr mithilfe von Fördermitteln des Landes Baden-Württemberg einen speziellen Deutschsprachkurs für Frauen mit Kinderbetreuung eingerichtet. So erhalten sie einen praxisbezogenen Einstieg in eine Sprachfördermaßnahme, die den Weg zu weiterführenden Deutschkursen ebnet. Seit mehreren Jahren gibt es außerdem in den Sommerferien spezielle Intensivsprachkurse für angehende Auszubildende. Zukünftig möchte die Stabsstelle Integration weitere zielgruppenspezifische Maßnahmen wie diese umsetzen, um besonders diejenigen zu erreichen, die bisher noch keinen Zugang zu den klassischen Regelformaten gefunden haben. 

 

Handlungsbedarf gibt es auch im Bereich Antidiskriminierung. Über die Hälfte der Teilnehmenden (54 Prozent) erachten Diskriminierungen aufgrund der Herkunft, der Religion oder der Sprache als ein Problem. Dieser Auffassung sind sogar 63 Prozent der Befragten mit eigener Zuwanderungsgeschichte – im Vergleich zu 52 Prozent ohne Zuwanderungsgeschichte. Diese Divergenz könnte unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass nicht selbst von Diskriminierung betroffene Personen Alltagsrassismus seltener erkennen und dadurch vorhandene Diskriminierungen in ihrem Umfeld gar nicht erst wahrnehmen.

 

Positiv wurde wiederum der Zugang zu Behörden im Rhein-Neckar-Kreis bewertet. Demnach sind zwei Drittel aller Befragten der Ansicht, dass der Zugang zu Angeboten und Dienstleistungen der Behörden für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte genauso möglich ist wie für Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte. Auch an dieser Stelle zeigen sich Unterschiede im Antwortverhalten: Personen mit Zuwanderungsgeschichte (72 %) bewerten den Zugang zu Behörden im Rhein-Neckar-Kreis um gut 7 Prozentpunkte besser als die Befragten ohne eigene Zuwanderungsgeschichte (65 %). Um den Zugang zu Behörden für Personen, die noch nicht über umfassende Deutschkenntnisse verfügen, weiter zu verbessern, wird derzeit mit Landesfördermitteln durch die Stabsstelle Integration ein Sprachmittlungsdienst für den Rhein-Neckar-Kreis eingerichtet. Mithilfe von ehrenamtlichen Sprachmittlerinnen und Sprachmittlern sollen zukünftig Sprachbarrieren bei Gesprächen mit Behörden, Institutionen und sozialen Einrichtungen überwunden werden. Zusätzlich wird das Thema „Interkulturelle Öffnung der Verwaltung“ ein Handlungsfeld der Stabsstelle Integration bleiben.

 

„Kinder und Jugendliche mit und ohne Zuwanderungsgeschichte haben dieselben Teilhabechancen am Bildungssystem im Rhein-Neckar-Kreis“: Dieser Aussage stimmen über 71 Prozent der Befragten mit Zuwanderungsgeschichte, aber nur 52 Prozent der Befragten ohne Zuwanderungsgeschichte zu. Zu beachten ist aber auch: Insgesamt über 43 Prozent aller Teilnehmenden sind der Ansicht, dass ungleiche Teilhabechancen im Bildungssystem im Rhein-Neckar-Kreis bestehen. Aus diesem Grund soll unter anderem das Elternmentorenprogramm, das im vergangenen Jahr ebenfalls mit Fördermitteln des Landes Baden-Württemberg durch die Stabsstelle Integration eingerichtet wurde, weiter ausgebaut werden. Hierbei werden Engagierte zu Elternmentorinnen und Elternmentoren ausgebildet, um anschließend als niedrigschwellige Ansprechpersonen für Eltern insbesondere im Kontext von Kita und Schule zur Verfügung zu stehen.

 

Das Integrationsbarometer bildete den Abschluss des umfangreichen Beteiligungsverfahrens bei der Fortschreibung des Integrationskonzepts des Rhein-Neckar-Kreises. Über einen Zeitraum von vier Wochen konnten Kreiseinwohnerinnen und Kreiseinwohner von Ende Januar bis Ende Februar 2022 ihre Meinung zu verschiedenen Aspekten der Integration abgeben. Um eine möglichst breite Beteiligung zu erreichen, standen die Fragen in mehreren Sprachen zur Verfügung. Alle Ergebnisse des Integrationsbarometers bzw. des gesamten Beteiligungsverfahrens werden in den folgenden Monaten vom Team der Stabsstelle Integration in die Fortschreibung der Integrationsstrategie des Rhein-Neckar-Kreises eingearbeitet.

 

Weiterführende Informationen zur Fortschreibung des Integrationskonzepts:

https://www.rhein-neckar-kreis.de/start/landratsamt/beteiligungsverfahren.html

 

Weiterführende Informationen zum Sprachmittlerdienst:

https://www.rhein-neckar-kreis.de/start/landratsamt/sprach-+und+kulturmittlerdienst.html

 

Weiterführende Informationen zum Elternmentorenprogramm:

https://www.rhein-neckar-kreis.de/start/landratsamt/elternmentoren.html

Text: Rhein-Neckar-Kreis