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Arbeiten zur Bergung der ältesten Dampflok Deutschlands nehmen Fahrt auf

Ein historisches Ereignis steht bevor: Die älteste Dampflokomotive Deutschlands soll am 21. Oktober 2018 aus dem Rhein geborgen werden. Seit 166 Jahren liegt sie dort begraben, mittlerweile ist sie von einer fünfeinhalb Meter dicken Kies- und Sandschicht bedeckt. Die Bergung des 20-Tonnen-Schatzes ist eine technische Herkulesaufgabe. Die vorbereitenden Arbeiten haben bereits begonnen und nehmen nun an Fahrt auf.

Mainz/Germersheim. Viele kleine und große Maßnahmen sind nötig, um die historisch und industriekulturell bedeutsame Lok mit dem schicksalhaften Namen „Rhein“ zu bergen. Zunächst wurde Ende August bereits eine Buhne, also ein zwei Meter hoher Steinwall, im Rhein abgetragen, unter der die Fundstelle der Lok liegt. 50 Meter vor dem Rheinufer haben die Lok-Jäger Horst Müller, Uwe Breitemeier, Volker Jenderny und der Geophysiker Prof. Dr. Bernhard Forkmann den sechs Meter langen Eisenkörper mittels Magnetmessungen gefunden.

 

Anfang September wurde ein Ponton, also eine Plattform, im Rhein verankert. Auf diesem Ponton steht der Spezialbagger, der die Aushubarbeiten vornimmt und die Spundwände in den Flussboden geschlagen hat. 21-Meter-lange Eisenbalken hat das Bergungsunternehmen OHF dafür zunächst in den Rheinboden gerammt, um anschließend die 30 Meter langen Spundwände zu errichten. 200 Tonnen Stahl kommen hier zum Einsatz. So wird der Fundort während der Bergung vor der Strömung des Rheins geschützt. Dies ist nötig, um die Industrietaucher während ihrer Arbeit zu schützen und um zu verhindern, dass die Kiesmassen nach dem Aushub zurückgespült werden.

 

Der Spezialbagger mit Greifzange wird 3.000 Tonnen Kies, Sand und Geröll aus dem Weg schaffen, die die Lok bedecken. Mitte September werden die Baggerarbeiten bereits eine Tiefe von vier Metern erreicht haben. „Wir wissen noch nicht, was wir bei den Baggerarbeiten genau finden. Es besteht die Gefahr, dass große Steine, Bäume oder Ähnliches das Vordringen zur Lok erschweren“, sagt Wolfhard Neu vom Bergungsunternehmen.

 

Ende September geht es dann an die Feinarbeit: Industrietaucher legen die Lok mit Kiessaugern behutsam frei, um sie nicht zu beschädigen. Weiteren 2.000 Tonnen Material werden sie mit ihren Saugern zu Leibe rücken.

Anfang Oktober steht ein besonders spannender und spektakulärer Moment bevor: Der erste Sichtkontakt mit der Lok wird aller Voraussicht nach die eindeutige Identifikation ermöglichen. „Aktuell basiert die Annahme, dass es sich tatsächlich um die Lok ‚Rhein‘ handelt, allein auf den Magnetresonanzbildern. Eine Überraschung beim Freilegen ist also noch möglich“, sagt Tobias Bartenbach, Leiter des Projektbüros „Jäger der versunkenen Lok“. Volker Jenderny, Mitinitiator der Bergung vom Eisenbahnmuseum Bahnwelt Darmstadt-Kranichstein, ergänzt: „So ein Projekt macht man einmal in seinem Leben, ich bin gespannt wie Bolle, was wir da nun wirklich aus dem Wasser holen werden.“

 

Nach der Identifikation muss das Bergungsunternehmen entscheiden, wie der massige Metallkörper unbeschädigt aus dem Wasser gehoben werden kann. „Wir werden die Lok mit Gurten heben oder eine Palette darunter schieben. Dabei müssen wir beachten, dass die Lok nicht abrutschen und zurück in den Rhein fallen kann“, sagt Wolfhard Neu.

 

Es bleibt also spannend in den letzten 40 Tagen bis zur Bergung der ältesten im Original erhaltenen Dampflok Deutschlands am 21. Oktober 2018.

 

Bildunterschriften:

 

Baustelle gesamt 1 und 2:

Links ragen die 21-Meter-langen Spundwände aus dem Wasser. In der Mitte steht der im Boden verankerte Ponton mit dem Bagger, von dem aus die Arbeiten durchgeführt werden. Rechts liegt das Schiff, das Baumaterialien andient, wie z.B. die Spundwände.

 

Baggerarbeiten 1:

Die drei Tonnen schwere Baggerschaufel hat ein Fassungsvermögen von zwei Kubikmetern. Die Schaufel kommt gefüllt mit vier Tonnen Kies aus dem Wasser. Darunter stehen die 21-Meter-langen Spundwände.

 

Baggerarbeiten 2:

Die Schaufel leert vier Tonnen Kies aus, die vom Grund des Rheins gehoben wurden. Daneben liegen die Steine von der bereits abgetragenen Buhne.

 

Gerne kann ich Ihnen die Fotos bei Bedarf auch in höherer Auflösung zur Verfügung stellen. Bildquelle: Bartenbach Projektbüro „Jäger der versunkenen Lok“.

 

Hintergrund:

 

Sie ist das älteste Denkmal deutscher Eisenbahngeschichte und ein wertvolles Gut der Industriekultur – die Dampflok „Rhein“. 1852 in den Kessler-Werken in Karlsruhe gebaut, fiel sie im selben Jahr auf dem Weg zu ihrem Einsatzort auf der Bahnstrecke Düsseldorf-Elberfeld bei Germersheim in den Rhein. Dort liegt dieser „Schatz“ nun seit 166 Jahren begraben. Bisherige Versuche, die Lok „Der Rhein“ zu bergen, schlugen fehl, dann geriet sie in Vergessenheit. Spätere Anläufe zur Ortung zogen sich über Jahrzehnte hin. Doch nun endlich wurde der „Schatz im Rhein“ wiederentdeckt, die Bergung soll noch in diesem Jahr stattfinden.

 

Weitere Informationen und den neuesten Stand der Bergungsarbeiten finden Sie unter www.facebook.com/JaegerDerVersunkenenLok/ oder www.lok-jaeger.de und im Live-Ticker des Medienpartners SWR https://www.swr.de/jaeger-der-versunkenen-lok/news-lok-bergung/-/id=21071302/did=22182998/nid=21071302/1dn2874/index.html.

 

Das SWR Fernsehen überträgt die Bergung am 21. Oktober 2018 in einer dreistündigen Live-Sendung. Am Sonntag, den 16. September 2018 um 20.15 Uhr zeigt das SWR Fernsehen eine 90-minütige Dokumentation zur legendären Dampflok „Rhein“.

 

Text und Bilder: Projektbüro „Jäger der versunkenen Lok“