Lätarefest in Iggelheim

Kinder schmückten den Osterbaum, Lätaremarkt und großer Festumzug

von Franz Gabath

Böhl-Iggelheim. „Wir haben es uns nicht leicht gemacht in den Zeiten von Corona-Pandemie das diesjährige Lätarefest stattfinden zu lassen“ betonte Bürgermeister, Peter Christ (CDU.“ Auch die weltpolitische Lage, mit dem Krieg in der Ukraine, hat uns sehr nachdenklich gemacht“. Die Entscheidung im Lätareausschuss, das Fest dennoch stattfinden zu lassen, war, im Nachhinein betrachtet, richtig. Nach zwei Jahren Abstinenz sehnten sich die Bürgerinnen und Bürger, besonders die Kinder, wieder nach einer Abwechslung. Und da das gesamte Fest in Freien stattfand war es auch in Corona-Zeiten gefahrlos möglich. „Und der Erfolg gab uns recht“ betonte Bürgermeister Christ.

Aus dem „Weckvermächtnis“ aus dem Jahr 1687, in dem eine Dame, Überlieferungen sprechen von 2 ledigen Fräuleins, so gilt es immer noch in Iggelheim, testamentarisch festgelegt hatte, dass jedem ledigen Einwohner von Iggelheim aus der Pacht ihres Ackers, der bis heute „Weckacker“ heißt, den sie der Gemeinde vermacht hat, ein Wecken geschenkt werden musste, ist eine liebevoll gestaltete Tradition erwachsen.  In einer Urkunde aus dem Jahre 1687, das vor 14 Jahren in einem Archiv in Speyer gefunden wurde, steht von „einer ledig verstorbenen Weibsperson“. Seit dem Auffinden dieses Dokumentes fährt beim Lätareumzug nur noch eine „Weibsperson“ auf dem „Vermächtniswagen" des Heimat und Museumsverein mit – von den Uriggelheimern sehr bedauert. Zwei Damen gaben optisch mehr her. Aus diesem Vermächtnis ist im Laufe der Jahre ein zweitägiges Fest entstanden. Es beginnt am Samstag vor Sonntag Lätare mit dem Lätaremarkt und endet am Sonntag nach dem farbenprächtigen Umzug und dem Verbrennen des Winters auf den Schulhof der Jakob-Heinrich-Lützel Grundschule Iggelheim.

Eine große Anzahl Bürgerinnen und Bürger hatte sich am Samstag auf dem Schulhof der Jakob-Heinrich-Lützel-Grundschule in Iggelheim eingefunden, um der Eröffnung Ihres Festes beizuwohnen.

Viele Eltern waren mit ihren Kindern gekommen, welche mit großer Begeisterung und Hingabe den Osterbaum mit bunten Eiern schmückten. Ein alter Brauch, der seit einigen Jahren wiederbelebt wurde und bei den Kindern großen Anklang findet. Der Baum steht vor der Schulturnhalle und symbolisiert die Vorfreude auf das nahe Osterfest und auf den Frühling, der kalendarisch ja schon eingekehrt war. Ein buntes, echtes Osterei erwartete dann die kreativen Osterbaumschmücker.

 Hier sei angemerkt, dass am Sonntag Lätare in Iggelheim traditionsgemäß der „Summerhas“ (Sommerhase) kommt und für die Kinder kleine Eier und Süßigkeiten in ein Nestchen „legt“! In Iggelheim bringt der Osterhase keine Geschenke, der „legt“ diese, einem Huhn vergleichbar. Ein Brauch, der wohl so für Iggelheim einmalig ist.

Auch einen kleinen Markt auf dem Dorfplatz unterhalb der Jakob-Heinrich-Lützel-Grundschule hatten einige Schausteller aufgebaut. Hier ist besonders die Eisenbahn zu erwähnen, welche bei den Kleinsten besondere Freude aufkommen lies – einmal mit dem „Texas-Express“ einige Runden drehen zu dürfen. Auch der Ortsverband vom  Deutschen Roten Kreuz war mit seinem Schnelleinsatzwagen präsent. Viel Aufmerksamkeit erfuhren die Erläuterungen über das Fahrzeug und die Vorführungen, wie Verletzte jedweder Art schnell und fachgerecht versorgt werden. Die Verantwortlichen des DRK zeigten sich mit der Resonanz, welche ihnen an beiden Tagen zu Teil wurde, mehr als zufrieden.

Am Sonntag waren auch die beiden Heimatmuseen geöffnet. In ihnen bieten sich interessante Einblicke in das Leben unserer Vorfahren. Besonders die mechanische Uhr im alten Rathaus und die Models der Blau- und Schönfärberei werden immer wieder bewundert. Und das alte Klassenzimmer im „Alten Schulhaus“ ruft  besonders bei den älteren Besuchern Erinnerungen an die eigene Schulzeit hervor.

Über zwei Stunden schlängelte sich der diesjährige Lätareumzug durch Iggelheim. Viele Bürger hatten ihre Häuser mit Blumen und Fahnen festlich geschmückt. Aus bescheidenen Anfängen, als 1958 zum ersten Mal, der allen ledigen Iggelheimer am Sonntag Lätare auszuhändigende Weck, auf einem Wagen durch die Straßen von Iggelheim gefahren wurde, hat sich mittlerweile ein farbenprächtiger Umzug entwickelt. Dieser ist seit Jahren weit über die Grenzen der Gemeinde bekannt. So konnten die Iggelheimer auch dieses Jahr wieder viele auswärtige Gäste in ihrem Ort willkommen heißen. Die sommerlichen Temperaturen luden dazu ein, der Himmel strahlte azurblau.

 Die testamentarische Bedingung war, jedem ledigen Einwohner am Sonntag Lätare aus dem Pachtzins des Ackers „einen Wecken“ zu kommen zu lassen. Diese Tradition hat sich bis in unsere Tage erhalten. Nur heute bekommen auch ledige auswärtige Gäste einen Wecken. Und da der Pachtertrag des „Weckackers natürlich nicht mehr ausreicht um die gesamten „Wecken“, immerhin 3000 Stück, zu finanzieren, muss hier natürlich die Gemeinde den Geldsäckel öffnen, was diese auch gerne und bereitwillig tut.

Fast pünktlich um 14:00 setzte sich der Zug in Bewegung. Er umfasste dieses Jahr  26  Zugnummern. Der Musikverein Iggelheim und die Musketiere aus Böhl sorgten mit heißen Rhythmen für die richtige Stimmung am Zugweg.

 Wie schon in den vergangenen Jahren, war auch in diesem Jahr die Verteilung der Weck gestaltet. Die Wecken wurden von der „Dorfregierung“ persönlich überreicht. Bürgermeister Peter Christ (CDU), der 1. Beigeordnete Karl-Heinz Hasenstab (CDU), so wie der 2. Beigeordnete Bernd Johann (FWG), in Bäckerkluft gekleidet, brachten die Weck unters feierfreudige Volk.

Schüler der Jakob-Heinrich Lützel-Grundschule radelten mit bunten Bändern verzierten Fahrrädern.

Der Wagen mit der Darstellung des Weckvermächtnisses, gestaltet von den Oldtimer-Freunden Böhl-Iggelheim, schloss sich an. 

Die Fastnachter von den „Igglemer Bessem“ repräsentierte Prinzessin Kelly I. mit  ihrem großen Gefolge. Ihre Lieblichkeit Saskia I. vom Karnevalsverein „Böhler Hängsching“, mit ihrem Gefolge strahlte mit der Sonne um die Wette.

Den Historischen Teil eröffnete der “Reiterlud“, eine Iggelheimer historische Gestalt, er ritt auf seinem Schwein  vor der Kutsche des Kurfürstlichen Paares. Ein prächtiges Modell ihrer wertvollen Kirche präsentierte die Katholische Kirchengemeinde aus Iggelheim. Und auch das alte Rathaus aus Iggelheim fehlte nicht.

Der freie Zugteil stand unter dem Motto „Iggelheim umgeben von Natur“. Viel Mühe hatten sich die Kitas  „Storchennest“ und „Römerstraße“ mit ihrer Blumenwiese gemacht. Die SÜDWEST Lacke + Farben GmbH & Co KG zeigte Tiere in der Natur und verteilte kleine Farbdosen. Der Landtagsabgeordnete der  CDU, Johannes Zehfuß, schleppte mit seinem kleinen Traktor einen riesigen Baumstamm hinter sich her und der Wagen war mit jeder Menge Holz beladen. Die Landfrauen präsentierten einen Hühnerstall und sich selbst als „das Gelbe vom Ei“. Der Rehbach war Thema bei der Fußballspielgemeinschaft Böhl-Iggelheim und die Sängervereinigung sang auf der Vogelhochzeit. Einen riesigen Baum hatte das Kinder- und Jugendzentrum auf ihrem Wagen gebaut. Der Männergesangverein 1856 aus Böhl fühlte sich bei „Wein, Weib und Gesang“ sichtlich wohl. Die TSV Handballer genossen ihre Obstwiese und der Mietwagenverkehr Ziegler verbreitete Frühlingsstimmung.

Traditionsgemäß endete der Zug mit den vier Jahreszeiten. Der von den Hundefreunden riesige Winter, eine Dimension, die der eisige Iggelheimer Geselle bei keinem Sommertagszug in der Umgegend erreicht, bildete den Abschuss des Zuges. Frühling, (SPD-Ortsverein), Sommer, (Bündnis 90/ Die Grünen)), sowie Herbst (Traktorfreunde Böhl-Iggelheim ergänzten diesen Zugteil. Den Abschluss bildete der Ortsverband des DRK mit ihrem  Fahrzeug. Und nach den Umzug war die Hilfe des DRK bei kleineren Blessuren auf dem Dorfplatz gefragt.

Alle Beteiligten können mit Recht stolz sein auf ihre Leistung und den Beitrag, den sie zum Lätarefest geleistet haben. Alle Zugteilnehmer hatten aus Solidarität zur Ukraine ihre schon aufwändig dekorierten Wagen und Zugmaschinen zusätzlich mit Fahnen in den Farben der Ukraine, blau-gelb, geschmückt!

Die Zugüberwachung lag in den bewährten Händen der Schutzpolizeiinspektion Schifferstadt, der Freiwilligen Feuerwehr Böhl-Iggelheim sowie dem DRK Ortsverband Böhl-Iggelheim, die ihre Aufgabe umsichtig erledigten. Bürgermeister Peter Christ bedankte sich bei allen Mitwirkenden, die nach seinen Worten, wieder ein unvergleichliches Erlebnis für die Böhl-Iggelheimer und ihre auswärtigen Gäste geschaffen haben. Nachdem der Winter, dieser frostige Gesell, noch einmal durch den Ort fahren durfte, wurde er auf dem Dorfplatz unter den Klängen von: „Winter ade, scheiden tut weh„ verbrannt und ist damit hoffentlich endgültig vertrieben. Peter Christ legte die Lunte an den Schneemann, der dann zu den Klängen von „Winter ade“ in Flammen aufging.

Hans Simon, assistiert von Selina Wiegand, kommentierte den Zug von der Tribüne an der Jakob-Heinrich-Lützel Grundschule aus in gewohnt sachkundiger Art und Weise.

Bilder: fg

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