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Zwei Azubis aus Kenia

Wohlfühlhotel Alte Rebschule trotzt Fachkräftemangel

Zwei Neue im Rebschul-Team: David Mutinda Nthuli lernt Koch und Immaculate Wanjiku Kinyanjui wird Hotelfachfrau.

Soziales Engagement und Fachkräftesicherung schließen sich nicht aus: Sonja Schäfer und ihr Vater Stephan Hafen holen gezielt junge Kenianer in die Pfalz.

Rhodt. Ein Riesenschritt für zwei junge Kenianer: Vor ein paar Wochen startete Immaculate Wanjiku Kinyanjui (22) ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau, und David Mutinda Nthuli (23) lernt Koch – beide im Wohlfühlhotel Alte Rebschule. Das Vier-Sterne-Haus im pfälzischen Rhodt verfolgt seit längerem die Philosophie, Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln eine Chance auf Professionalisierung zu geben. Mit Kenia im Speziellen verbindet Hotelinhaber Stephan Hafen ein jahrzehntelanges soziales Engagement.

Ungewohnt ist für die jungen Ostafrikaner nicht nur die schwere deutsche Sprache, die sie dank der Sprachkurse in Kenia schon einigermaßen sprechen, denn sie müssen ja im Kollegenkreis und in der Berufsschule kommunizieren können. Auch Menschen, Umgebung und Arbeitsweise unterscheiden sich gravierend vom kenianischen Alltag. „Dass die Menschen hier so freundlich sind, hatte ich nicht erwartet. Am meisten überrascht hat mich außerdem die schöne pfälzische Landschaft und dass alles hier so sauber ist“, beschreibt Immaculate Kinyanjui ihre ersten Eindrücke. Sie hat bereits zwei Jahre an der Technischen Universität von Mombasa Community Development studiert.

David Nthuli, der aus dem Süden Kenias stammt, genauer: aus Makueni County wie er betont, studierte Hospitality Management in Nairobi. Seine jetzigen Aufgaben gefallen ihm: „Wenn viele Gäste hier sind, geht es in der Küche stressig zu, aber dass viel zu tun ist, ist gut.“ In den nächsten drei Jahren will der angehende Koch sich vor allem Wissen aneignen, aber auch Land und Leute kennenlernen.

Positive Erfahrungen trotz Durchhängern

Sonja Schäfer betreut die neuen Azubis als Lehrherrin: „Wir haben vor ihnen bereits zwei Köche und eine Hotelfachfrau aus Kenia erfolgreich ausgebildet“, so die Hotelchefin, die sich auch um Unterbringung, Sprachförderung und schulische Förderung kümmert. „Natürlich gibt es auf einer Strecke von drei Jahren auch mal Durchhänger, sowohl bei den jungen Leuten selbst, als auch bei Kollegen und uns als Arbeitgeber, aber insgesamt haben wir super Erfahrungen gemacht.“

Gelungene Beispiele von Integration durch Ausbildung haben die beiden Neulinge direkt vor der Nase: zum Beispiel Scholastica Nthambi Kimanthi. Als eine der Besten ihres Jahrgangs absolvierte sie im Sommer 2018 in der Alten Rebschule ihre Ausbildung zur Köchin. Als Jungköchin verstärkt sie nun das Küchenteam im Hotel. Oder ihr Bruder Thaddeus Kimanthi: Er war 2012 der erste Azubi aus Kenia. 2015 hat er seine Kochausbildung abgeschlossen und ist der Alten Rebschule seitdem treu geblieben.

Soziales Engagement in Afrika

Dass die beiden jungen Leute aus Kenia ihre Ausbildung in der Pfalz überhaupt starten konnten, dafür hat Hotelinhaber Stephan Hafen über ein halbes Jahr gekämpft, vor allem mit Behörden. Er pflegt seit über 25 Jahren enge Kontakte nach Ostafrika, trotzdem war der Weg dieses Mal besonders weit und beschwerlich, bis die angehenden Lehrlinge endlich in Deutschland waren. Mit einem von ihm gegründeten Hilfswerk sammelt Stephan Hafen ehrenamtlich Spenden. Doch er investiert auch viel Zeit – sowohl hier als auch vor Ort in Ostafrika –, um jungen Kenianern eine Ausbildung zu ermöglichen. „Ein Gewinn für beide Seiten“, beteuert Stephan Hafen. „Der Fachkräftemangel betrifft uns nicht im gleichen Maß wie andere, denn wir investieren sehr viel in die Ausbildung qualifizierten Nachwuchses.“ Und damit die Neuen nicht allzu sehr unter Heimweh leiden, veranstaltet das Hotel ihnen zu Ehren ein kenianisches Barbecue.

Informationen zum Hotel unter www.alte-rebschule.de 

Text: MARA Redaktionsbüro  Bild: Alte Rebschule