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Welten vom gewöhnlichen Geschichtsunterricht entfernt

Delegation des Bezirksverbands Pfalz gedenkt in Gurs der Deportation der hiesigen Juden

Delegation des Bezirksverbands Pfalz nach der Gedenkfeier auf dem Deportiertenfriedhof in Gurs (von links): Bezirksverbandsarchivar Ulrich Burkhart, Edeltraut Buser-Hussong, Katharina Büdel, Thomas Lebkücher, Kirsten Pehlke, Delegationsleiter Felix Schmidt sowie Jacqueline Rann und Luise Busch

Gedenkfeier auf dem Deportiertenfriedhof in Gurs mit einer Delegation aus Baden und der Pfalz: Rede einer Jugendlichen aus Konstanz

Kaiserslautern. Eine Delegation des Bezirksverbands Pfalz reiste kürzlich für zwei Tage nach Gurs, um auf dem Friedhof des ehemaligen Internierungslagers der Deportation von rund 6.500 badischen und pfälzischen Juden am 22. Oktober 1940 zu gedenken. Mit dabei waren die Gremienmitglieder Felix Schmidt, der dem Ausschuss für Gedenkarbeit und Demokratieförderung des Bezirkstags Pfalz vorsteht, Katharina Büdel, Edeltraut Buser-Hussong, Thomas Lebkücher und Kirsten Pehlke, außerdem Archivar Ulrich Burkhart, der die Gedenkarbeit betreut, sowie die 19-jährige Luise Busch und die 20-jährige Jacqueline Rann, die zurzeit ein freiwilliges kulturelles beziehungsweise politisches Jahr absolvieren.  

Michel Forcade, Bürgermeister des südwestfranzösischen Gurs, politische und religiöse Delegationsvertreter aus Baden sowie drei Jugendliche aus Konstanz gestalteten unter anderem die offizielle Gedenkfeier auf dem Deportiertenfriedhof, dessen Grabsteine an das Schicksal zahlreicher ermordeter Männer, Frauen und Kinder erinnern. Nach der Gedenkstunde lud Forcade seine deutschen und französischen Gäste zum Ehrenwein ins Gemeindezentrum ein, die ihren Austausch bei einem gemeinsamen Abendessen fortsetzten. Am nächsten Tag stand ein Zeitzeugengespräch auf dem Programm: Der 93 Jahre alte Hans Flor aus Gaiberg bei Heidelberg, der von Februar 1945 bis zur Befreiung im Konzentrationslager Theresienstadt interniert war, berichtete von seinen schlimmen Erfahrungen, die den damals 18-Jährigen sein Leben lang prägen sollten. „Das Geschehene von jemandem zu hören, der diese schreckliche Zeit selbst erlebt hat, ist Welten vom gewöhnlichen Geschichtsunterricht entfernt, weshalb ich sehr dankbar bin, ihm zuhören zu dürfen“, sagte eine Jugendliche nach dem Gespräch. Im Anschluss daran beleuchtete Dr. Ernst Otto Bräunche, Leiter des Stadtarchivs Karlsruhe, in einem Vortrag die Deportation der badischen und pfälzischen Juden nach Gurs und die Entstehung und Entwicklung der Arbeitsgemeinschaft, der der Bezirksverband Pfalz seit 2006 angehört. Bevor sich die Delegationen aus Baden und der Pfalz wieder auf die Heimreise machten, bestand die Möglichkeit, die Gedenkstätte auf dem ehemaligen Lagergelände und den angrenzenden Friedhof auf eigene Faust zu besuchen. 

Alljährlich veranstaltet die „Arbeitsgemeinschaft zur Pflege und Unterhaltung des Deportiertenfriedhofs in Gurs“, ein Zusammenschluss badischer Städte und des Bezirksverbands Pfalz, eine Gedenkfeier vor Ort und organisiert eine Fahrt dorthin. Der pfälzische Kommunalverband betreut die mitgereisten Jugendlichen, indem er sie an einem Vorbereitungstag auf das Thema einstimmt und ihnen bei einem Nachbereitungstreffen hilft, die Erlebnisse zu verarbeiten.

Text und Foto: Bezirksverband Pfalz