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Bundesweiter Aktionstag „Lasst die Sau raus!“

Wir fordern die komplette Abschaffung der Kastenstände.

Termin Speyer: am Samstag, den 17.10.2020 von 10-12 Uhr vor dem historischen Rathaus (Maximilianstraße 12)

Speyer. Die Proteste gegen den Kastenstand verstummen nicht. Nachdem Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner die grausame Haltungsform uneingeschränkt um bis zu 17 Jahre verlängern und zudem die rechtswidrigen besonders engen Kastenstände legalisieren wollte, musste sie - unter anderem aufgrund der unzähligen Protestaktionen - einem Kompromiss zustimmen. So hat der Bundesrat im Frühsommer dieses Jahres eine Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung gebilligt, die die Haltung von Sauen in Kastenständen zumindest anteilig verbieten soll. Eigentlich. Denn was sich zunächst nach einem großen Erfolg anhört, ist aus Tierschutzsicht völlig unzureichend.

Allein in Deutschland fristen 2 Millionen Mutterschweine ihr halbes Leben qualvoll eingepfercht im Kastenstand, einem engen Metallkäfig, in dem sich die Sau kaum bewegen, nicht umdrehen und nicht entspannt hinlegen kann. Dies ist nicht nur ein Verstoß gegen das Tierschutz- und das Grundgesetz, sondern auch gegen das Magdeburger Urteil von 2015. Letzteres hatte die gängigen Kastenstände für nicht vereinbar mit der bis zum Kompromiss geltenden Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung erklärt.

Durch die Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung wird der Kastenstand im Deckzentrum mittelfristig nur noch während des Besamungsvorgangs zugelassen. Auch im Abferkelbereich soll die Käfighaltung stark eingeschränkt werden. Das hört sich zunächst nach einem großen Erfolg für die Tiere an, doch der Preis für den Kompromiss ist hoch: Für die Haltung der Sauen im Deckzentrum beträgt die eingeräumte Übergangszeit ganze acht Jahre (+ zwei Jahre in Härtefällen); im Abferkelbereich sogar 15 bis 17 Jahre! Zudem werden die gängigen rechtswidrigen besonders engen Käfige, die seit Jahrzehnten geduldet werden, legalisiert.

„Schweine sind äußerst empfindsame, soziale und intelligente Lebewesen. Sie sind sogar weitaus intelligenter als unsere Haustiere - Hunde und Katzen. Es ist ein Verbrechen diese liebenswerten Geschöpfe über Monate in engen Metallkäfigen zu fixieren, in denen sie sich noch nicht einmal umdrehen können. In einer natürlichen Umgebung würden sie für ihren Nachwuchs Nester bauen und ihn liebevoll umsorgen. All das wird ihnen verwehrt. Diese extreme Form der Tierquälerei muss ein Ende haben und nicht erst in 17 Jahren“, so Stadträtin Julia Jawhari.

„Ein vollständiges Verbot von Kastenständen ist längst überfällig. Lebewesen auf diese Weise zu quälen lässt sich auch nicht mit Übergangsfristen legitimieren. Jede Verzögerung des Verbots bedeutet die Verlängerung des Leides hunderttausender Sauen und ist nicht länger hinnehmbar“, kommentiert Jana Dreyer, Sprecherin der GRÜNEN AG Ernährung.

Die Deutsche Tier-Lobby e.V. ruft gemeinsam mit über 40 weiteren Organisationen am 17.10. zu einem bundesweiten Aktionstag zur Abschaffung von Kastenständen auf.

Veranstaltungen finden statt in Berlin, Berlin-Reinickendorf, Bremen, Brühl, Frankfurt (Main), Hannover, Hamburg, Hamburg-Harburg, Köln, Leer, Lübeck, München, Nürnberg, Oldenburg, Speyer, Wiesbaden, Würzburg und Wuppertal.

Text: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Speyer