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Versorger sperren ungehemmt Strom-, Gas- und Wasseranschlüsse

Versorger sperren trotz dritter Coronawelle ungehemmt Strom-, Gas- und Wasseranschlüsse -

Verbraucherzentrale fordert Pflicht zum Einsatz milderer Mittel

Mainz. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz beobachtet bei einigen rheinland-pfälzischen Versorgern eine ungehemmte Sperrung von Strom-, Gas- und Wasseranschlüssen. Und dies sogar bei Haushalten, deren Mitglieder an Corona erkrankt sind oder sich in Quarantäne befinden. In der ersten Coronawelle im Frühjahr letzten Jahres war dies noch anders, nicht zuletzt wegen eines gemeinsamen Appells des Umweltministeriums und der Verbraucherzentrale.

  • Die Verbraucherzentrale beobachtet trotz dritter Coronawelle derzeit viele Sperren von Strom-, Gas- und Wasseranschlüssen.
  • Betroffen sind auch Haushalte mit vorübergehendem finanziellem Engpass und Corona-Erkrankungen.
  • Verbraucherzentrale fordert einen Vorrang von milderen Mitteln wie Ratenzahlungen oder Zahlungsaufschübe sowie eine rechtliche Verpflichtung, diese anzubieten.

„Die Betroffenen sitzen nicht nur im Dunkeln und ohne Warmwasser da. Sie können auch keine Lebensmittel kühlen oder warmes Essen kochen. Und schulpflichtige Kinder können nicht mehr am Homeschooling teilnehmen“, beschreibt Antje Kahlheber, Referentin für Energiekosten der Verbraucherzentrale die Situation mancher Familien. Betroffen sind auch Haushalte mit einem vorübergehenden finanziellen Engpass. Diese sind in Zahlungsverzug geraten, weil beispielsweis die Corona-Hilfen oder Sozialleistungsbezüge noch nicht auf dem Konto eingetroffen sind.

Eine Sperre ist unzulässig, wenn gesundheitliche Bedrohungen von der Versorgungssperre ausgehen oder Aussicht auf Zahlung besteht. So sieht es die Grundversorgungsverordnung vor. Doch das kümmert viele Energieversorger nicht.

Routinemäßig bauen Versorger auch recht schnell Zähler komplett aus. Für die Betroffenen bedeutet das hohe Zusatzkosten, wenn wieder Strom und Gas fließen sollen. Je nach Versorger kostet eine Sperre mit anschließender Entsperrung zwischen 50 und 300 Euro. Wird der Zähler zudem ausgebaut und muss wieder eingebaut werden, kommen weitere 200 bis 300 Euro hinzu.

Die Energiekostenberatung unterstützt Ratsuchende und kann oft das Schlimmste verhindern. Allerdings sind oft zähe Verhandlungen dazu notwendig. Und nicht jeder findet den Weg zur Verbraucherzentrale. „Wir brauchen deshalb dringend einen Rechtsrahmen, der Verbraucherinnen und Verbraucher in solchen Notlagen wirksam schützt“, so Kahlheber. „Meist kann eine Sperre mit „milderen Mitteln“ wie Ratenplänen mit kleinen Raten, Zahlungsaufschüben und eine rückwirkende Einstufung in günstigere Tarife verhindert werden.“ Diese Möglichkeiten nutzen die Versorger nach den Erfahrungen der Verbraucherzentrale oft nicht. Hier hilft nur eine rechtliche Verpflichtung der Versorger. Die freiwillige Basis reicht anscheinend nicht aus. „Angesichts einer Branche, die seit Jahrzehnten sehr gute Umsätze erwirtschaftet und viele kommunale Unternehmen beinhaltet, ist das beschämend“, so Kahlheber.

Die Energiekostenberatung der Verbraucherzentrale ist unter der kostenlosen Rufnummer 0800 60 75 700 zu erreichen. Weitere Informationen unter https://www.verbraucherzentrale-rlp.de/energiekostenberatung.

Ausführliche Informationen rund um das Thema Stromsperre sind zu finden unter https://www.verbraucherzentrale-rlp.de/stromsperre

Die Energieberatung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Verkehr und vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten

Über die Energieberatung

Wer Probleme hat, seine Energierechnungen zu bezahlen oder gar von einer Strom- oder Gassperre betroffen ist, kann sich an die Energiekostenberatung der Verbraucherzentrale wenden. Juristen beraten darüber hinaus zu allen rechtlichen Fragen rund um Versorgungsverträge.

Standorte, Sprechzeiten und weitere Informationen zur Energieberatung der Verbraucherzentrale sind unter www.energieberatung-rlp.de zu finden.

Die Energieberatung der Verbraucherzentrale berät Hausbesitzer, Wohnungseigentümer und Mieter kompetent und unabhängig bei allen Fragen des Energiesparens - von der Heizungsanlage, über Fenster und Wärmedämmung bis hin zur Nutzung erneuerbarer Energien und zum Stromverbrauch. Ingenieure, Architekten und Physiker stehen in 70 Standorten im Land für kostenlose persönliche Beratungsgespräche zur Verfügung.

Außerdem bietet die Energieberatung der Verbraucherzentrale gegen eine geringe finanzielle Eigenbeteiligung Energie-Checks bei Ratsuchenden zu Hause an.

Text: Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V.; Foto: pem