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Last Christmas und Co. in der Übersetzung

Fünf beliebte Weihnachtslieder und ihre wahre Bedeutung

Mannheim. Endspurt in der Vorweihnachtszeit: Lichterketten, Weihnachtssterne, Lebkuchen und raschelndes Geschenkpapier versüßen die letzten Tage vor dem 
Heiligabend. Auch musikalisch gibt es bei vielen Weihnachtsfans kein Halten mehr: „Last Christmas“, „Rudolph“, „Jingle Bells“ – tausendfach werden die beliebten Weihnachtslieder abgespielt und lauthals mitgesungen, bis der Tannenbaum wackelt. Doch was viele 
Weihnachtssänger nicht wissen: Viele der Ohrwürmer, die man fröhlich mitsingt, vermitteln eine ganz andere Botschaft als gedacht. Hier sind fünf beliebte, internationale Weihnachtssongs, die nach einer Übersetzung in einem ganz neuen Licht erscheinen. 

1. „Last Christmas“ und das dauerhaft gebrochene Herz

Der Hit von Wham ist ein absoluter Dauerbrenner im Radio und wird seit 1985 fröhlich mitgeträllert, obwohl es offensichtlich um ein gebrochenes Herz geht. Wie verletzt der Sänger jedoch wirklich ist und dass es kein Happy-End gibt, offenbart erst die detaillierte Übersetzung. Zwar singt er nach der Demütigung vom letzten Weihnachten zuversichtlich davon, dieses Jahr sein Herz an jemand Zuverlässigeren zu verschenken, doch schon kurz darauf gibt er zu: „But if you kissed me now, know you’d fool me again.“ Ein einziger Kuss von der Herzensbrecherin mit der „soul of ice“ würde genügen, um wieder auf sie hereinzufallen. Am Ende des Songs heißt es nicht mehr „This year“ – also dieses Jahr – „[…] I’ll give it to someone special“, sondern „Maybe next year“– vielleicht im nächsten Jahr – “[…] I’ll give it to someone special”. Noch immer ist das Herz des Sängers gebrochen, ohne Aussicht auf Besserung – eine ziemlich traurige Botschaft. 

2. „Winter Wonderland“ – Wer ist Parson Brown?

Viel fröhlicher geht es hingegen im „Winter Wonderland“ zu. Schlittenglocken klingeln, der Schnee glitzert, der Sänger und seine Begleitung spazieren glücklich durch die verschneite Landschaft. Sie bauen einen Schneemann, „Then pretend that he is Parson Brown.” Nanu, wer ist denn Parson Brown? Das haben sich anscheinend auch einige Interpreten gefragt und in neueren Versionen des Songs „Parson Brown“ durch „Circus Clown“ ersetzt. Dabei ist die Bedeutung eine sehr schöne: „Parson“ ist ein englischer Begriff für „Pastor“, „Brown“ ein Nachname. Die Turteltauben stellen sich also vor, der Schneemann wäre ein Pfarrer und würde die beiden verheiraten („He’ll say are you married, we say no, man. But you can do the job when you’re in town”) – eine liebevolle Gedankenspinnerei. Später beratschlagen („conspire“) sich die zwei zu den frisch geschmiedeten Hochzeitsplänen. In dieses Szenario passt ein Pfarrer wohl besser als ein Clown. 

3. „Santa Baby“ oder der bescheidene Wunschzettel

Schöne Pläne für Weihnachten haben auch Eartha Kitt und Marilyn Monroe, die wohl berühmtesten Interpretinnen von „Santa Baby“. Auf ihrem Wunschzettel für Santa Claus stehen unter anderem „a sable“, „a 54 convertible”, „the deed to a platinum mine” und „a duplex“. Doch was genau ist das alles? „Sable“ heißt im deutschen „Zobel“ und meint einen Pelzmantel. Mit „54 convertible“ ist ein brandneues Cabrio gemeint – schließlich wurde der Song im Jahr 1954 geschrieben. Darauf folgen die Besitzurkunde für eine Platinmine und ein Doppelhaus. Ob das wohl alles unter den Tannenbaum passt? 

4. „Do they know it’s Christmas“ – Krieg und Elend zur Weihnachtszeit

„Do they know it’s Christmas time at all” lautet die berühmte Refrain-Zeile aus dem gleichnamigen Lied, das 1985 von Musikgrößen wie Bono, Sting, Paul McCartney und vielen anderen ein- und seitdem millionenfach mitgesungen wurde. Die genaue Bedeutung des recht gesellschaftskritischen Textes kennen jedoch nur wenige. Es geht um den Überfluss, die sorglosen, hellen Weihnachtstage in der westlichen Welt. Doch woanders gibt es „a world outside your window, and it’s a world of dread and fear. Where a kiss of love can kill you, and there’s death in every tear”. Gefahren und Angst, Krankheit und Krieg in Westafrika sind die Themen, die Songschreiber Bob Geldof hier vertonte. Der Song endet mit der eingängigen Gesangszeile „Feed the world! Let them know it’s Christmas time“ (Ernähre die Welt! Lass sie wissen, dass Weihnachten ist.) – ein Aufruf, aktiv etwas gegen das Elend in der Dritten Welt zu tun. 

5. Internationale Weihnachtsgrüße mit „Feliz Navidad“

Eine deutlich fröhlichere und simplere, aber nicht weniger wichtige Botschaft überbringt seit Jahren der spanisch-englische Hit „Feliz Navidad“ des blinden Puerto-Ricaners José Feliciano: „Frohe Weihnachten (‚feliz navidad‘), ein frohes Jahr (‚próspero año‘) und Glück (‚y felicidad‘)“ lautet die Übersetzung. Auf Englisch wünscht der Sänger ebenfalls frohe Weihnachten, und zwar von ganzem Herzen. So erreicht der zweisprachige Song mit seiner einfachen, aber liebevollen Botschaft gleich zwei Sprachkulturen und Millionen Weihnachtsfans in aller Welt.  

Weitere Informationen finden Sie unter www.flexword.de.

Text und Bild: flexword