Wie wird man Königin des Waldes? Die Strategie der Buche

Aus der Serie besondere Bäume im Rhein-Neckar-Kreis

Das Licht wird von den umstehenden Hainbuchen und Rotbuchen optimal ausgenutzt. Entsteht eine Lücke im Kronendach, ziehen die jungen Bäume sofort nach. (Foto Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis)

Zuzenhausen. Die Serie des Kreisforstamts „Besondere Bäume im Rhein-Neckar-Kreis“ führt heute nach Zuzenhausen – auf der Spur der Königin des Waldes.

Im Gemeindewald von Zuzenhausen ragt eine 200 Jahre alte Rotbuche (Fagus sylvatica) 36 Meter in die Höhe. Ihr Stamm hat einen Umfang von mehr als 4 Metern und ist stark mit Moos bewachsen. Einige Löcher im Stamm weisen darauf hin, dass der Baum von Tieren bewohnt wird.

Unter Forstleuten wird die Rot-Buche häufig als „Mutter des Waldes“ bezeichnet. Genauso gut könnte man sie auch „Königin des Waldes“ nennen. Denn auf guten Böden hat sie eine höhere Konkurrenzkraft als alle anderen bei uns vorkommenden Baumarten. So bestimmt sie darüber, wer unter ihr oder mit ihr zusammen wachsen darf. Und das sind in der Regel ihre eigenen Artgenossen und Nachkommen. Lediglich auf Extrem- oder Sonderstandorten haben auch andere Baumarten eine Chance. Buchen mögen beispielsweise keine Böden, die stark verdichtet sind oder in denen sich das Wasser staut. Auch bei starker Trockenheit lässt ihre Überlegenheit gegenüber anderen Bäumen nach. Um so konkurrenzstark zu sein, hat die Rotbuche verschiedene Strategien entwickelt. Ihre dicht belaubte Krone lässt nur etwa 1 Prozent der Lichtenergie durch. Die Zweige des Baumes wachsen waagerecht und die Blätter sind zweizeilig, also ähnlich einem Fächer angeordnet. Damit kann das restliche Licht optimal ausgenutzt werden. So ist es möglich, dass etwa die Nachkommen der Buche jahrzehntelang im Schatten der Elternbäume überleben können, ehe sie bei stärkerem Lichteinfall erst richtig mit ihrem Wachstum beginnen. In diesem Zusammenhang hat sich die Rotbuche eine Regel ausgedacht, wer zuerst mit dem Laubaustrieb beginnen darf. Es beginnen die kleinen Buchen am Waldboden, um das einfallende Licht für die Photosynthese zu nutzen und Vorräte für das Jahr aufzubauen. Die größeren Bäume fangen mit den unteren Ästen an. Erst zum Schluss treiben die Blätter im oberen Kronenbereich aus. Das kann bis zu fünf Wochen nach dem Blattaustrieb der kleinen Bäume und der unteren Krone erfolgen. Experten sind sich uneinig darüber, auf wieviel Prozent unserer Waldfläche die Buche mit ihren Strategien natürlicherweise als führende Baumart vorkommen würde. Die Spreite reicht dabei von 65 bis 90 Prozent, wobei letzteres eher realistisch ist.

Leider macht auch unserem wichtigsten heimischen Laubbaum der Klimawandel zu schaffen. Die dünne Rinde ist besonders anfällig für Sonneneinstrahlung und Hitze, die Buchen bekommen regelrecht Sonnenbrand. Auch mit langen Dürren kommen sie nicht gut zurecht. Die große Konkurrenzkraft der Buche wird durch die Klimaveränderungen also in Zukunft abnehmen. Förster Thomas Glasbrenner freut sich deshalb umso mehr über die stattliche, gesunde Königin des Waldes in seinem Revier: „Diese alte Buche hat bisher der Trockenheit gut standgehalten. Ich hoffe sehr, dass sie auch diesen extremen Sommer überdauert und nächstes Jahr wieder austreibt.“

Text: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis