Es kreucht und fleucht: Ein Totholzgarten voller Leben

Erste Untersuchungen am 2020 errichteten Totholzgarten in der Schwetzinger Hardt belegen den Erfolg dieser Naturschutzmaßnahme / Viele seltene und gefährdete Arten haben sich schon angesiedelt

Eingang zum Totholzgarten (Foto Helmut Pfeifer)

Schlupflöcher des Berliner Prachtkäfers Dicerca berolinensis (Foto Claus Wurst Karlsruhe)

Heidelberg/Schwetzingen. Berliner Prachtkäfer, Marienprachtkäfer, Zierlicher Haarzungen-Faulholzkäfer: Rund 50 totholzbewohnende Käferarten, darunter auch Urwaldreliktarten, wurden im ersten Totholzgarten Baden-Württembergs im Regionalen Waldschutzgebiet Schwetzinger Hardt nachgewiesen. Sechs der in diesem ersten Monitoring gefundenen Käferarten gelten bundesweit sogar als stark gefährdet.

Auf dem großen, einem Holzlager ähnelndem Arrangement, wurden außerdem rund 50 verschiedene Pilzarten erfasst. Davon ist eine Art, der Olivbraune Braunsporrindenpilz, auf der Roten Liste geführt. Mit fortlaufendem Zersetzungsprozess in den kommenden Jahren wird die artenschutzfachliche Bedeutung des Totholzgartens nicht nur bei den Pilzen weiter zunehmen. Es ist davon auszugehen, dass viele weitere seltene und bedrohte Pilzarten folgen werden. Der Totholzgarten bietet gewissermaßen ein „Schaufenster“ in die Natur, denn viele Arten kommen unbemerkt in unseren Wäldern vor. Mit der genauen Beobachtung des Totholzgartens wird sichtbar, welche biologische Vielfalt in den heimischen Wäldern einen Lebensraum findet.

Die Ergebnisse zeigen, welch wichtigen Beitrag ein Totholzgarten zum Erhalt der biologischen Vielfalt bereits nach einem Jahr leisten kann. Dass abgestorbene Bäume im Wald ein entscheidender Bestandteil des Ökosystems sind, ist Försterinnen und Förstern dabei schon seit vielen Jahren bewusst. Deshalb wird nicht nur im Totholzgarten auf den Erhalt von Totholz geachtet, sondern dieser Aspekt bei der täglichen Arbeit im Wald immer berücksichtigt. Die Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur bestätigen diese Bemühungen: die Wälder Baden-Württembergs haben demnach im bundesweiten Vergleich die höchsten Totholzvorräte.

Bei dem Totholzgarten handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt von Stadt Walldorf, Kreisforstamt des Rhein-Neckar-Kreises, Landesbetrieb ForstBW sowie der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA). Er befindet sich im Staatswald am Reilinger Weg zwischen der Bürgerbegegnungsstätte Reilingen und der B291 am Fuße der Düne Hoher Stein im Staatswald.

Bestückt wurde der Totholzgarten mit absterbenden Baumstämmen, die aus Pflegemaßnahmen für den Erhalt verschiedener seltener Lichtwaldlebensräume stammen, wie dem Weißmoos-Kiefernwald.

Im Auftrag der Projektpartner soll die weitere Entwicklung durch Artenmonitoring fortan begleitet werden. Aber auch alle Waldinteressierten sind eingeladen, den Totholzgarten zu besuchen, um ihre ganz eigenen Beobachtungen zu machen.

Über ForstBW

Der Landesbetrieb Forst Baden-Württemberg (ForstBW) betreut den Staatswald des Landes Baden-Württemberg. Mit über 324.000 Hektar - das entspricht rund einem Viertel der Waldfläche Baden-Württembergs - ist ForstBW der größte Forstbetrieb des Landes. ForstBW setzt sich zum Ziel, ökologisch vorbildlich, sozial ausgewogen und ökonomisch erfolgreich zu arbeiten. Im Sinne des Waldes und der Menschen bildet das Prinzip der Nachhaltigkeit die Grundlage unserer Tätigkeit. Dazu tragen landesweit ca. 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei. Die naturnahe und nachhaltige Bewirtschaftung des Staatswaldes durch ForstBW ist FSC® und PEFC zertifiziert. Zudem trägt ForstBW das Gemeinwohl Ökonomie Zertifikat.

Text: ForstBW (Forstbezirk Hardtwald) und Kreisforstamt Rhein-Neckar-Kreis