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Die angebliche Satire des WDR

Schämt Euch

Altlußheim. Meine Oma war ein wunderbarer Mensch. Sie hat zwei Weltkriege überlebt und ihre drei Kinder durchgebracht. Sie hat mit nichts angefangen, ihr ganzes Leben sparsam gelebt und nie viel gehabt. Strümpfe wurden gestopft und Lebensmittel verwertet, nichts wurde weggeworfen.

Sie war immer bescheiden, besaß nie ein Auto oder eine eigene Wohnung oder ein Haus. Lange wohnte sie in einer Mietwohnung mit Ofenheizung und musste die Kohlen aus dem wirklich tiefen Keller holen, um es warm zu haben. Die Toilette war im Zwischengeschoß und natürlich nicht geheizt. Erst als sie in eine Wohnung mit Zentralheizung ziehen konnte, hatte sie es besser.

Sie hat in ihrem ganzen Leben nicht einen Coffee to go Kaffeebecher in ihrer Hand gehabt, ihren Müll getrennt und wirklich alles verwertet, was sich verwerten ließ.

Sie hat auch noch ein Enkelkind bei sich aufgenommen und großgezogen – und das war das Beste, was mir passieren konnte. Sie hat mir Werte vermittelt, die heute leider immer mehr in Vergessenheit geraten: Höflichkeit, Mitgefühl und Respekt vor anderen.

Sie hatte wirklich nie viel Materielles, aber alles, was man zum Leben brauchte – ein großes Herz voller Liebe und eine Familie und Freunde. Sie freute sich aufrichtig an dem, was ihre Kinder, Enkel und Urenkel erreicht hatten.

Ihre Tür war immer offen und jeder wusste, hier war er willkommen und zu Hause.

Danke, meine geliebte Oma – Du fehlst mir so sehr und ich bin froh, daß Du nicht mehr miterleben musst, wie respektlos heute teilweise mit alten Menschen umgegangen wird.

Meine Oma wurde 99 Jahre alt – sie ist vor zehn Jahren gestorben und fehlt mir auch heute noch jeden Tag.

Barbara Kemmerich