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“Aber bitte nicht anschreien!“

„Noch`n Gedicht“ –der große Heinz Erhardt-Abend beim Zeltspektakel in Walldorf

Walldorf. Am 06. und 07. September kommt der vielfach mit Preisen, wie Goldene Kamera oder Bambi, ausgezeichnete Schauspieler Hans Joachim Heist zum Zeltspekakel nach Walldorf mit seinem "Heinz Erhardt Bühnenprogramm".  Wir hatten die Gelegenheit mit Hans Joachim Heist, der vielen Fernsehschauern bekannt ist als Gernot Hassknecht in der ZDF heute-show, ein Telefoninterview zu führen. 

Interview mit Hans Joachim Heist

Peter Müller: Einen wunderschönen guten Tag Herr Heist. Ich hoffe, es geht Ihnen gut?

Hans Joachim Heist Danke danke – so weit ja. Ich habe 2019 gesagt, daß ich in eigentlich 2020 weniger arbeiten wollte – aber so wenig dann auch nicht. Durch Corona ist alles durcheinander gekommen. Aber jetzt ändert sich ja alles und wird alles besser; wir schauen positiv in die Zukunft. Die Bühnenveranstaltungen fangen wieder an und wenn uns die Bundesregierung keinen Strich durch die Rechnung macht oder die Pandemie, dann geht es aufwärts.

Peter Müller: Ich denke weniger die Bundesregierung als die Pandemie?

Hans Joachim Heist Was die Bundesregierung da teilweise macht, ist auch nicht immer verhältnismäßig. Da hapert es an vielen Ecken. Es wird einfach mit der Gießkanne gestreut; das machen wir zu und das machen wir zu. Man sollte da doch etwas differenzieren und die Kultur und die Veranstaltungen sind da sehr schlecht weggekommen.

Peter Müller: Das ist wohl leider richtig. Viele Künstler haben geklagt, dass sie gerne wieder auf die Bühne gehen wollen und auch für die Veranstalter war es ebenfalls sehr schwer.

Hans Joachim Heist Ich muss für mich ganz deutlich sagen, dass ich weder ein Impfgegner noch ein Coronaleugner bin - im Gegenteil, ich bin zwei Mal geimpft und ich weiß, das es eine weltweite Krankheit ist, die uns noch lange beschäftigen wird. Wahrscheinlich so lange, wie wir leben – irgendwann reicht es aber und man kann einfach nicht mehr. Ich habe diesen Beruf ergriffen, weil ich ihn ausüben möchte.

Peter Müller: Wir sind jetzt bei dem Thema, das ich ansprechen wollte. Sie werden ja Anfang September in die Kurpfalz kommen und zwar nach Walldorf zum Zeltspektakel in Ihrer Rolle als Heinz Erhardt. Wie lange spielen Sie diese schon?

Hans Joachim Heist Das Heinz Erhardt Bühnenprogramm habe ich schon lange, bevor ich Hassknecht in der heute-show wurde, gespielt. Das mache ich schon über 20 Jahre, das Heinz Erhardt Bühnenprogramm. Also nicht dieses, das ändert sich natürlich immer mal – das mache ich schon länger als Hassknecht.

Peter Müller: Das ist aber dem breiten Publikum nicht so bekannt, oder? Erst in den letzten Monaten wurden Sie in den Medien als Heinz Erhardt präferiert. Aber zunächst einmal zu Gernot Hassknecht. Der Name ist ja schon Programm. Erstens: Wer kam auf den Namen und zweitens – die Texte zu Gernot Hassknecht, schreiben Sie die selbst?

Hans Joachim Heist Gernot Hassknecht ist eine Kunstfigur, eine Entwicklung von Oliver Welke. Er hat diese Figur erschaffen und er schreibt meistens auch die Texte dafür.

Peter Müller: Für mich ist es erstaunlich, wie es Ihnen gelingt, diese Texte in dieser Frequenz zu gestalten. Wieso versagt Ihnen dabei nicht die Stimme? Sie sind in der Lage von einem ganz leisen Ton ansatzlos cholerisch zu explodieren und dann wieder zurückzugehen in Ihr normales Stimmverhalten. Wie kann man so etwas trainieren?

Hans Joachim Heist Das lernt man schon in der Schauspielschule; ich bin ja Schauspieler von Haus aus, von Beruf. Ich habe sechs Semester Schauspiel studiert, habe einen Abschluss und sehr lange Theater gespielt. Das ist einfach eine Atemtechnik, die man hat, dann funktioniert das.

Peter Müller: Jetzt zu Heinz Erhardt – Sie sagten , Sie haben vor vielen Jahren Ihre Liebe zu Heinz Erhardt entdeckt. Wann ist das passiert?

Hans Joachim Heist Eigentlich schon als Jugendlicher, fast schon als Kind. Das große Heinz Erhardt Buch stand bei meinen Eltern im Bücherregal und dort habe ich es entdeckt. Bereits in der Schule habe ich kleine Vierzeiler rezitiert, weil mich das einfach begeistert hat. Ich habe immer schon ein Faible für Sinniges und Unsinniges gehabt und dafür ist Heinz Erhardt prädestiniert. So kam das dann; als ich mir mein Studium finanziert habe, da habe ich hin und wieder auch kleine Galaveranstaltungen moderiert. Da hatte ich auch immer wieder kleine Heinz Erhardt Gedichte und Texte und Zitate dabei und das kam immer sehr gut an. So hat das angefangen. Irgendwann hatte ich dann die Idee, ein komplettes Heinz Erhardt Programm auf die Bühne zu bringen. Er hat ja so viel geschrieben: Lieder, Gedichte und Conferénzen, da könnte man mindestens zwei oder drei Programme draus machen. Ich parodiere ihn ja nicht auf der Bühne, sondern schlüpfe in die Rolle des Heinz Erhardt, ich spiele ihn. Das hat mir irren Spaß gemacht und so kam ich dann auf die Idee, ihn zwei Stunden auf die Bühne zu bringen mit seinen Liedern, natürlich auch mit seinen Gedichten – da darf „Die Made“ natürlich nicht fehlen, was ja viele kennen. Und auch seine Conferénzen, seine Sprüche, die er gemacht habt. Das hat sich entwickelt, erfolgreich, finde ich, weil Heinz Erhardt mittlerweile Kult ist.

Peter Müller: Die Rolle, in die Sie schlüpfen ist ja mittlerweile perfektioniert und ich habe gehört, dass die Verwandlung von Hans Joachim Heist zu Heinz Erhardt auf der Bühne stattfindet.

Hans Joachim Heist Die findet auf der Bühne statt; ich begrüße das Publikum, moderiere mich an, stelle mich vor und spreche über die Vita von Heinz Erhardt – wo und wann geboren – das dauert nicht lange, vielleicht drei oder vier Minuten über Heinz Erhardt. Natürlich nicht trocken, sondern auch sehr witzig und dann sage ich, jetzt haben wir genug über Heinz Erhardt gehört, jetzt wollen wir ihn selbst erleben, drehe mich um, setze die Brille auf, nehme die Haltung, die Gestik und die Stimme von Heinz Erhardt an und dann bin ich auf der Bühne Heinz Erhardt.

Peter Müller: Sie sagten, dass Heinz Erhardt sehr gefragt ist im Moment – das sehen wir auch beim „Zeltspektakel“. Dort gibt es bereits einen zusätzlichen Termin, Montag, den 06. September, weil die Nachfrage einfach riesengroß war.

Hans Joachim Heist Es könnte ja noch voller sein, wenn die Hygienevorschriften etwas andere wären.

Peter Müller: Aber Sie sagten ja vorher schon, man muss dankbar sein, dass überhaupt wieder Veranstaltungen stattfinden und Sie vor Publikum spielen können. Ist Ihnen die Publikumsarbeit lieber als die Fernseharbeit?

Hans Joachim Heist Ja – das muss ich ihnen eindeutig ein klares Ja sagen. Ich komme ja von der Bühne und Fernsehen ist wichtig, interessant, es macht einen populär und bekannt und dadurch werden natürlich auch die Bühnenauftritte etwas bekannter, beziehungsweise kommen natürlich auch mehr Zuschauer. Fernsehen ist ein wichtiges Werbemedium für jeden Künstler, das steht außer Frage – aber ich muss ganz ehrlich sagen, da ich von der Bühne komme – ich könnte in Zukunft notfalls auch ohne Fernsehen leben, aber nicht ohne die Bühne.

Peter Müller: Haben Sie derzeit Bühnenengagements oder sind Sie ausschließlich mit Ihrem Programm unterwegs?

Hans Joachim Heist Es war so viel geplant, was die Bühne betraf und so viel auf der Agenda; aber das wurde leider alles gestrichen. Jetzt bin ich Gottseidank im Sommer mit Freilichtauftritten mit Heinz Erhardt unterwegs.

Peter Müller: Sie gehen demnächst auch auf ein Kreuzfahrtschiff?

Hans Joachim Heist Ja, das mache ich schon seit Jahren, wenn ich meiner Frau und mir einen schönen Urlaub gönnen will. Nein, ich bin ausschließlich auf der Europa von Hapag Lloyd und da habe ich als Künstler zwei Auftritte während einer Reise von Ende Oktober bis Mitte November. Das verbinde ich natürlich mit Urlaub und das ist auch die Zeit, in der ich mit meiner Frau zusammen sein kann. Ich war in den letzten Jahren fast nie zu Hause, sondern immer auf Tour. Allerdings mache ich das nicht jedes Jahr, es muss ja auch in meinen Terminplan passen.

Peter Müller: Nochmal zu Heinz Erhardt – können Sie mir Ihre persönlichen Lieblingsstücke von Heinz Erhardt nennen?

Hans Joachim Heist Das ist natürlich „Die Made“ und dann gibt es auch zwei wunderbare Vierzeiler, das sind auch meine Lieblinge. Das eine heißt ( Heist rezitiert )

„Die Nase“

Wenngleich die Nas,

ob spitz, ob platt, zwei Flügel -Nasenflügel- hat,

so hält sie doch nicht viel vom Fliegen,

das Laufen scheint ihr mehr zu liegen.“

Das andere ist

„Gerüchte um Gerichte“

Es gibt Gerüchte, dass Hülsenfrüchte

- in Mengen genommen - nicht gut bekommen.

Das macht ja nichts, ich finde das fein,

- warum soll man nicht auch mal ein Blähboy sein.

Peter Müller: Herr Heist, wir freuen uns sehr auf die Veranstaltung in Walldorf mit Ihnen. Gibt es eine Frage, die Ihnen noch nie von einem Journalisten gestellt wurde, die Sie aber gerne beantworten möchten?

Hans Joachim Heist Das ist jetzt schwierig – ich habe gefühlt schon weit über tausend Interviews gegeben. Ich wurde eigentlich schon fast alles gefragt, was meinen Beruf betrifft. Privat beantworte ich ja prinzipiell keine Fragen. Also fällt mir zu Ihrer Frage nichts ein. Wenn wir jetzt aufgelegt haben und ich denke darüber nach, dann fällt mir sicher noch etwas ein. Der Satz, der mir am meisten gesagt wird, den kann ich Ihnen natürlich mitteilen.

Peter Müller: Und der wäre?

Hans Joachim Heist Der wäre – wenn ich unterwegs bin und Leute kommen auf mich zu und sagen “Aber bitte nicht anschreien!“

Peter Müller: Das hätte ich jetzt nicht vermutet. Ich dachte eher, dass die Leute Sie mit Herr Hassknecht ansprechen.

Hans Joachim Heist Das kommt sehr sehr oft vor, das die Leute auf mich zukommen und sagen “Aber bitte nicht anschreien!“

Peter Müller: Wenn Sie jetzt in den Urlaub fahren, „verkleiden“ Sie sich dann?

Hans Joachim Heist Nein, auf Sylt bin ich ja auch bekannt. Ich bin dort jedes Jahr im Meerkabarett mit meinen Hassknecht Bühnenprogramm war ich da, mit Heinz Erhardt Bühnenprogramm war ich da – zuletzt jetzt am 14. Juli. Allerdings nur ein paar Tage wegen des Programmes. In  den letzten Jahren sind wir urlaubsmäßig an der Nordsee heimisch geworden.

Peter Müller: Sie haben also nichts dagegen, wenn Sie von Menschen angesprochen werden?

Hans Joachim Heist Im Gegenteil, ich mag es, wenn mich die Leute ansprechen. Und sehr viele junge Leute, mittlerweile aber auch Ältere, wollen kein Autogramm von mir, sondern lieber ein Selfie mit mir machen. Wenn mich die Leute ansprechen, dann weiß ich, das die Sendung gesehen wird. Teilweise haben wir ja zwischen vier und fünf Millionen Zuschauer am Abend und das ist für eine Sendung, die um 22.30 Uhr läuft, eine Rieseneinschaltquote. Die Leute, die mich ansprechen, mögen mich auch. Diese Figur Hassknecht polarisiert natürlich auch, da gibt es natürlich auch welche, die sagen: „Ähhh, den Schreihals kann ich nicht leiden, den mag ich gar nicht…“

Peter Müller: Herr Hassknecht – Entschuldigung, Herr Heist

Hans Joachim HeistDiesen Versprecher hatte schon viele - in einem Hotel während meiner Hassknecht Tour wurde ich auch dort sehr häufig mit diesem Namen angesprochen.

Peter Müller: Haben die Besucher in Walldorf die Möglichkeit, nach der Vorstellung ein Autogramm von Ihnen zu bekommen?

Hans Joachim Heist Normalerweise mache ich das sehr gerne, aber in der Coronazeit habe ich das jetzt nicht mehr getan, weil es auch vom Veranstalter nicht mehr gewünscht wird. Die Leute stehen sonst an für ein Autogramm, die Abstandsregeln werden nicht mehr eingehalten und der Veranstalter ist dafür haftbar, das alles ordnungsgemäß abläuft.

Peter Müller: Vielen lieben Dank für Ihre Zeit – wir freuen uns darauf, Sie kennenzulernen und erleben zu dürfen als Heinz Erhardt in Walldorf Anfang September diesen Jahres.

Hans Joachim Heist Ich freue mich darauf – der September ist im Moment noch gut gefüllt mit Terminen. Ich hoffe, es wird nichts mehr abgesagt.

Das äußerst nette Gespräch führte Peter Müller

Fotorechte: Hans Joachim Heist

Zeltspektakel Walldorf:  https://www.inpetto-veranstaltungsagentur.de/zeltspektakel-walldorf