Junge Fledermausschützer in Reichartshausen ausgebildet

Das Kreisforstamt informiert

Die Klasse 4 der Centgrundschule mit ihren selbst gebauten Fledermauskästen. (Foto: Kreisforstamt)

Die Grundschule Reichartshausen hat sich in diesem Jahr intensiv mit einem ganz besonderen Waldbewohner beschäftigt: der Fledermaus. Alle vier Klassenstufen waren im Wald mit Förstern des Kreisforstamts unterwegs und haben sich dabei spielerisch über Fledermäuse und deren Lebensweise informiert. Außerdem hat die Abschlussklasse insgesamt sechs Fledermauskästen gebaut, die nun in den kommenden Wochen im Wald und im Dorf aufgehängt werden.

Im späten Frühjahr, etwa Ende April, hieß es für knapp sechzig Schülerinnen und Schüler der Cent Grundschule: „Vesperdosen einpacken, auf in den Wald!“. Beginnend ab dem beliebten Wanderparkplatz am Jugendzeltplatz ging es mit den drei Försterinnen und Förstern Anna Haas, Melissa Rupp und Thilo Kessler quer durch den Reichartshäuser Gemeindewald. Der schöne Frühlingstag lud ein, im Schatten der frisch grün ausgetriebenen Bäume zu verweilen. Um einen gemütlichen Lagerplatz einzurichten, wurden von den Schülerinnen und Schülern sogenannte „Waldsofas“ gebaut. Diese bestehen aus kreisrund angeordneten Stöcken und Reisig und werden so hoch aufgeschichtet, dass man darauf sitzen kann.

Nach dem Einrichten des Lagerplatzes erhielten die Kinder die Aufgabe, möglichst naturgetreu aussehende Fledermäuse aus Naturmaterialien zu legen. Als Orientierungshilfe dienten mehrere Bilder von Hufeisennase, Mausohr und Co. Herausgekommen sind dabei richtige Kunstwerke, wobei die Kinder sich sehr detailliert mit den einzelnen Körperteilen der Fledermaus beschäftigen mussten. „Eine Fledermaus hat sehr große Ohren“, erklärte die Försterin Anna Haas, „die großen Ohren brauchen sie bei der nächtlichen Jagd auf Insekten, denn Fledermäuse jagen nicht über Gehör oder Sicht, sondern orten Ihre Beute mit Hilfe eines Echos, das sie im Ohr verarbeiten“. Beim Spiel „Fledermaus und Motte“ wurde diese Form der Jagd mit den Kindern im Wald nachempfunden.

Nach einer kurzen Stärkung ging es dann auf Entdeckertour durch den Wald. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, dass Fledermäuse Winterschlaf halten, im April aufwachen und ihr Sommerquartier aufsuchen. In dieser Zeit werden die Weibchen tragend und ziehen im Mai/Juni zur Aufzucht der Jungen in sogenannte „Wochenstuben“ um. Dort leben meist zehn bis zwanzig Weibchen, bei manchen Arten, wie z.B. dem Großen Mausohr, sogar tausend Weibchen, die gemeinsam die Jungen aufziehen. Nachdem die Jungen Ende August „flügge“ geworden sind, findet im Herbst die Paarungszeit statt, bevor es im November wieder in den Winterschlaf geht.

Fledermäuse finden dabei vor allem im Wald, aber auch in Streuobstwiesen oder naturnah gestalteten Gärten entsprechende Aufenthaltsquartiere, informiert das Kreisforstamt. Während große Wochenstubenkolonien häufig in Kirchendächern zu finden sind, findet man kleine Wochenstuben vor allem im Wald, in Baumhöhlen oder Rindenspalten. Allen gemein ist, dass sie in Wald und Feld nach Insekten jagen.

Besondere Verantwortung für die Fledermäuse haben deshalb unter anderem Waldbesitzenden. Die Gemeinde Reichartshausen besitzt ca. 300 Hektar Wald und im Rahmen des naturnahen Waldbaus werden alt- und totholzbewohnende Arten wie Fledermäuse oder Käfer geschützt. In alten Beständen werden hierbei sogenannte „Habitatbaumgruppen“ ausgewiesen, die meist aus zehn bis fünfzehn dicken Bäumen bestehen und sich selbst überlassen werden, bis hin zum natürlichen Absterbeprozess. Außerdem werden einzelne Bäume mit Spechtlöchern oder Mulmhöhlen forstlich nicht genutzt.

Eine dieser Habitatbaumgruppen konnten die Schülerinnen und Schüler sogar bestaunen. Die Gruppe bestand aus alten Buchen und Lärchen. Neben den natürlichen Lebensstätten der Fledermäuse kann auch ein Fledermauskasten aus Holz Ersatz bieten.

Begeistert vom neuen Wissen über Fledermäuse wurde der erlebnisreiche Waldausflug der Cent Grundschule beendet. Einige interessierte Schülerinnen und Schüler äußerten abschließend den Wunsch, selbst einen Fledermauskasten bauen zu wollen. Die Schulsozialarbeit der Centschule, gleichzeitig Initiatorin des Waldtags, nahm den Wunsch der Schülerinnen und Schüler gerne auf.

Am 19. Juli war es dann soweit: 18 Schülerinnen und Schüler der Klasse vier bauten insgesamt sechs tolle Fledermauskästen. Nach einer Sicherheitsunterweisung im Umgang mit Akku-Schraubern durch die Försterin Melissa Rupp wurde fleißig darauf los gewerkelt. Die Bausätze für die Fledermauskästen spendete die Schreinerei Baumgärtner in Reichartshausen. Das dabei verwendete Lärchenholz stammte aus dem Gemeindewald Reichartshausen und wurde zur Freude der Grundschule speziell von Gerhard Baumgärtner vorbereitet.

Nach dem Zusammenbauen der Fledermauskästen haben die Schülerinnen und Schüler ihre Fledermauskästen individualisiert und mit Unterschriften versehen. Für jede Klassenstufe bringt Försterin Melissa Rupp einen Fledermauskasten im Wald nahe des Jugendzeltplatzes in Richtung der „Bäume des Jahres Allee“ an. Ein weiterer soll im Dorf aufgehängt werden. Einer wurde bereits direkt an der Grundschule von Bauhofleiter Thorsten Geier angebracht.

Wer selbst einen Fledermauskasten im Garten, im Wald oder auf der Streuobstwiese anbauen möchte, findet Bauanleitungen oder Bausätze im Internet. Es sollte darauf geachtet werden, unbehandeltes Holz zu nutzen und die Anbringung in südöstliche bis südwestliche Richtung in mindestens drei bis vier Metern Höhe auszurichten.

Text: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis