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Naturschutz durch Beweidung

Projektbegleitende Arbeitsgruppe zum chance.natur-Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“ trifft sich erstmals

Erstes Treffen der Projektbegleitenden Arbeitsgruppe im Haus der Nachhaltigkeit (Bild: Biosphärenreservat/Team Ewen)

Johanniskreuz. „Es handelt sich hier um eines der ambitioniertesten Projekte, die es im Biosphärenreservat bisher gegeben hat“, so die Einschätzung des Bezirkstagsvorsitzenden Theo Wieder zum bundesgeförderten chance.natur-Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“. Zur ersten Sitzung der Projektbegleitenden Arbeitsgruppe für das Naturschutzgroßprojekt kamen kürzlich rund 40 Personen im Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz zusammen. Mit dabei waren unter anderem Vertreterinnen und Vertreter des Landesverbands der Schaf- und Ziegenhalter, der unteren Naturschutzbehörden, von Landesforsten, aus dem rheinland-pfälzischen Umweltministerium, aus dem Landesamt,  dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, dem Bundesamt für Naturschutz sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Institute, die im ersten Teil des Projekts mit Gutachten beauftragt sind.

Theo Wieder erläuterte in seiner Begrüßung die Folgen für Landschaftsgestaltung und Biodiversität, die mit der zunehmenden Aufgabe der Wanderschäferei und Weidetierhaltung einher gegangen seien. „,Neue Hirtenwege im Pfälzerwald‘ ist vorrangig ein Naturschutzgroßprojekt, dessen Ziele mit der Beweidung als ideale Maßnahme erreicht werden sollen. Es hat auch viel mit den Lebensverhältnissen der Menschen in der Region zu tun. Die Schaffung eines lebendigen, überregional bedeutsamen Biotopverbunds durch die Förderung der Wanderschäferei kann nur mithilfe der Vernetzung vieler Menschen und Aktivitäten verwirklicht werden“, so Wieder.

Im ersten Teil des Projekts, der bis 2021 läuft, wird eine Pflege- und Entwicklungsplanung (PEPL) durchgeführt.  Darin werden die Ziele und Maßnahmen auf den Projektflächen definiert. Daran schließt sich das auf zehn Jahre ausgelegte Projekt II an, bei der die Maßnahmen über das geplante, etwa 8.500 Hektar große Fördergebiet, das über die Grünlandgebiete vom Wasgau zum Haardtrand bis nach Grünstadt reicht, umgesetzt werden. Begleitend zur Erarbeitung des PEPL ist ein Dialog mit den Menschen in der Region vorgesehen, um über das Naturschutzgroßprojekt zu informieren und dazu ins Gespräch zu kommen. Die Projektbegleitende Arbeitsgruppe (PAG) stellt mit den unterschiedlichen Expertinnen und Experten ein Herzstück des Dialogs dar. Das Gremium soll die Erstellung des PEPL beratend begleiten. Aufgabe wird sein, einerseits die Vorstellungen der Region in die Planung einfließen zu lassen und andererseits Verständnis für die Planungen in der Region zu schaffen.

Wie man die Projektziele verfolgen wolle, erklärte die Projektmitarbeiterin Anna-Maria Marstaller in ihrer Präsentation. Sie ging unter anderem auf die Ausganglage, die Ziele des Bundesförderungsprogramms chance.natur, die relevanten Merkmale des Gebiets, die Projektkonzeption und den aktuellen Stand der Dinge ein. Eine wesentliche  Voraussetzung zum Erreichen der Ziele sei die Akzeptanz der Projektplanung.

Uwe Weibel vom Institut für Umweltstudien in Kandel, das mit der Erstellung des PEPL beauftragt ist, ging unter anderem auf die großen Herausforderungen des Projekts ein. Zu diesen gehört etwa die Kleinparzellierung der Flächen, die für die Umsetzung der Projektidee benötigt werden. Jörg Schramek vom Institut für ländliche Strukturforschung erläuterte ebenfalls Details zu seinem Auftrag, eine sozioökonomische Studie für das Projektgebiet zu erstellen.

Dr. Ulla Steer, die das Projekt beim Bundesamt für Naturschutz betreut, betonte, dass die Projektplanung umsetzungsorientiert erfolgen müsse. Für das Gelingen des Projekts sei es auch wesentlich, dass die Planinhalte bei anderen Fachplanungen in  der Region, bis hin zur Raumordnung, berücksichtigt würden. Das Projekt sei als „Initialzündung“ zu sehen, denn solch ein „Vorhaben ist mit Ablauf der Projektlaufzeit nicht beendet“.

Das Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“ wird im Biosphärenreservat Pfälzerwald umgesetzt, Projektträger ist der Bezirksverband Pfalz. Die Förderung des Vorhabens erfolgt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) sowie durch das Land Rheinland-Pfalz. Projekt I, das bis 2021 läuft, wird mit 1,8 Millionen Euro gefördert. Nach erfolgreichem Abschluss der Projektplanung in Projekt I würde sich für weitere zehn Jahre Projekt II anschließen, für dessen Umsetzung 15,8 Millionen Euro avisiert sind.

 

Text und Bild: UNESCO Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogese Geschäftsstelle Pfälzerwald