Ein weiterer Schritt Richtung Barrierefreiheit

Das von der Aktion Mensch geförderte und in Kooperation mit FORTE CULTURA e.V. umgesetzte Projekt "Durchblick - Festung Germersheim Erkennen" konnte in der vergangenen Woche der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Bürgermeister Marcus Schaile mit einem der taktilen Handlaufschilder

Damit können auch blinde oder stark sehbeeinträchtigte Menschen einen Eindruck des Festungssystems erhalten.

Germersheim. Seit 2017 ist die Stadt Germersheim Mitglied bei FORTE CULTURA e.V., dem Netzwerk der europäischen Kulturroute Festungsmonumente. FORTE CULTURA e.V. verfolgt das Ziel, das vielfältige bauliche und kulturelle Erbe der Festungsmonumente zu unterstützen, dessen Wandel zu Stätten der Kultur und des Tourismus zu fördern und eine breite Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren.

Dieses internationale Netzwerk hat es sich dabei zur Aufgabe gemacht, das Kulturerbe der Festungen in Europa nicht nur zu erhalten, sondern auch für jedermann zugänglich zu machen, um die besondere Geschichte der einzigartigen Bauwerke, aber auch der europäischen Geschichte zu erzählen.

Gemeinsam mit FORTE CULTURA e.V. hat sich die Stadt nun der Aufgabe gestellt, diese Geschichte auch Blinden und Sehbeeinträchtigten zu erschließen und hat gemeinschaftlich bei der Aktion Mensch einen Förderantrag gestellt, der im vergangenen Dezember bewilligt wurde.

Die Aktion Mensch ist die größte private Förderorganisation im sozialen Bereich in Deutschland. Seit ihrer Gründung im Jahr 1964 hat sie mehr als vier Milliarden Euro an soziale Projekte weitergegeben. Die Aktion Mensch fördert Projekte, die die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung, Kindern und Jugendlichen verbessern und das selbstverständliche Miteinander in der Gesellschaft fördern. Die Aktion Mensch unterstützt das Projekt „Durchblick – Festung Germersheim Erkennen“ bei seinem Vorhaben die Festungsanlage für Blinde und Menschen mit starker Sehbeeinträchtigung weiter erlebbar zu machen mit 5000,00 Euro.

„Der Stadt Germersheim ist es ein wichtiges Anliegen einen Beitrag zum Abbau bestehender Barrieren zu leisten sowie eine qualitative Verbesserung der gegenwärtigen Ausgangssituation zu erzielen. Blinden und auch sehbeeinträchtigten Menschen sollte die Teilhabe und Inanspruchnahme des touristischen Angebotes ermöglicht werden. Durch Gespräche mit betroffenen Personen, aber insbesondere auch dem intensiven Austausch mit Tactile Studio, einer inklusiven Designagentur für Kultureinrichtungen mit Sitz in Berlin, die sich auf die Förderung des Kulturzugangs für alle beeinträchtigten Zielgruppen spezialisiert haben, gelang es, ein Barriere abbauendes Angebot zu schaffen. Dabei haben wir uns auch der Aufgabe gestellt, dass unser geschaffenes Angebot keine ausschließliche separate Dienstleistung für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen ist, sondern ein Angebot, welches die Integration bzw. aktive Teilhabe von Menschen mit speziellen Bedürfnissen zum Ziel hat“, so Bürgermeister Marcus Schaile.

Der Grundgedanke dieses Projektes ist, die immer noch imposante Festungsanlage, die von 1834 bis 1861 im Auftrag des bayerischen Königs Ludwig I. als "Bollwerk gegen Frankreich" erbaut wurde, für Blinde oder stark sehbeeinträchtigte Menschen zugänglich und „erkennbar“ zu machen. Gerade der markanteste Teil der Festungsstadt mit dem Weißenburger Tor und der Festungsbrücke, der Fronte Lamotte mit den Reduitgebäuden und der Grabenwehr zeichnet sich aufgrund der eindrucksvollen Ausblicke auf das festungsbauliche Ensemble aus. Besucher können auf einem Rundweg um den Lamottepark von mehreren Standorten aus auf die Festungselemente schauen und einen Eindruck des Festungssystems erhalten.

Deshalb wurden nun die vier wichtigsten Aussichtspunkte mit öffentlich zugänglichen taktilen Handlaufschildern ausgestattet. In Braille- und Reliefschrift werden die Aussichten am jeweiligen Standort beschrieben und die Festungsgeschichte der Stadt erfahrbar gemacht. Damit der Gast jedoch mehr Informationen zu den einzelnen Standorten erhält, wurden für jeden Standort ein Audiopodcast erstellt, der über einen QR-Code abgerufen werden kann.

Die taktilen Tafeln, die in der Farbe des Geländers angefertigt sind, wurden im UV-Druck aus Aluminium hergestellt und durch einen Spezialkleber direkt auf das Geländer an den Standorten Brücke Weißenburger Tor, Reduitgebäude Nord und Süd sowie Duftterrasse aufgebracht und passen sich wunderbar ins Parkbild ein.

Bürgermeister Marcus Schaile weiter: „Schilder anzubringen ist die eine Sache, diese aber auch in das Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen ist nun die Aufgabe unseres Tourismus-, Kultur- und Besucherzentrums Weißenburger Tor. Die Tourist-Information wird die Maßnahme nachhaltig betreuen und vermarkten. Dazu gehört aber auch, dieses Angebot weiter auszubauen. Es finden bereits Gespräche mit FORTE CULTURA e.V. statt, ob ein erneuerter Antrag bei Aktion Mensch gestellt werden kann, um dieses Angebot sukzessive für die Bürger*innen und Besucher*innen der Stadt erweitern zu können. Gemeinsam mit FORTE CULTURA, der Aktion Mensch und Tactile Studio, deren Zusammenarbeit sehr einfach zugleich aber sehr professionell ist, wollen wir weiter an der Abschaffung von Barrieren für unsere Stadt arbeiten.“

Link zum Film: https://youtu.be/cSN5ZeCKA28 

Text: Stadtverwaltung Germersheim  Bilder: Frauke Vos-Firnkes/Stadt Germersheim