Kukum - die Geschichte einer starken Frau

erschienen im Wieser Verlag

Cover Kukum, Wieser Verlag

Autor Michel Jean © Julien Faugere

Buchvorstellung bk. Mit fünfzehn Jahren lernt Almanda Siméon, die bei ihrem Onkel und ihrer Tante aufwächst, den 18-jährigen Innu Thomas Siméon kennen und lieben. Sie heiratet ihn und folgt ihm zu seinem Clan, der aus seinem Vater Malek, seinem Bruder Daniel und seinen Schwestern Christine und Marie bestand. Jeder hatte sein Zelt, das im Sommer in Pointe-Bleue am Ufer des Sees Pekuakami stand. Im Herbst stand ihnen eine beschwerliche und lange Wanderung zum Winterlager bevor, wo sie jagten und die Felle der Tiere gerbten, um sie im Frühjahr zu verkaufen. Außer ihrem Mann und einer der Schwestern sprach niemand französisch, aber nach und nach lernte Almanda die Innusprache Innu-aimun, die ihr sehr gut gefiel. Auch Sitten und Gebräuche der Indianer sprachen ihr Herz an und sie fühlte sich zum ersten Mal in ihrem Leben angekommen. Jeder half jedem - es war undenkbar, daß einer etwas zu Essen hatte und der andere hungerte.

Es war ein hartes Leben - doch getragen und geborgen in der Liebe ihres Mannes meisterte Almanda alle Klippen. Sie bekam eine Tochter und dann einen Sohn, der aber nach wenigen Wochen am plötzlichen Kindstod verstarb; ein schwerer Schicksalsschlag. Aber der Schöpfer schenkte ihr weitere Kinder - neun Kinder bereicherten ihrer beider Leben und die Ältesten kümmerten sich um die Jüngeren, Arbeit und Verantwortung wurden geteilt. Almanda brachte ihren Kindern lesen, schreiben und rechnen bei und sorgte dafür, das sie die Schule besuchen konnten.

Ihre Kinder wurden im Wald geboren - ihre Enkelkinder sind in einem Reservat groß geworden. Die Weißen versuchten, ihnen ihre Sitten und Gebräuche aufzuzwingen und so nah das Schicksal seinen Lauf. Die Männer in den Reservaten betranken sich, weil sie ihren Halt verloren hatten, schlugen ihre Frauen und prügelten sich. Ihr Land, auf dem sie seit 15.000 Jahren lebten, war ihnen weggenommen worden.

Ein Buch, das aus der Sicht einer Frau die Geschichte der Innu erzählt, sehr lesens- und nachdenkenswert.

Und hier der Text des Verlages:

Michel Jean erzählt in Kukum die Geschichte seiner Urgroßmutter Almanda Siméon, die 97 wurde. Als Waise von ihrer Tante und ihrem Onkel aufgezogen, lernt sie mit fünfzehn den jungen Innu Thomas Siméon kennen, verliebt sich trotz der kulturellen Unterschiede sofort in ihn, sie heiraten, und Almanda lebt von da an mit dem Nomadenstamm, dem er angehört, lernt seine Sprache, übernimmt die Riten und Gebräuche der Innu von Pekuakami und überwindet so die Barrieren, die den indigenen Frauen aufgezwungen werden.

Anhand des Schicksals dieser starken, freiheitsliebenden Frau beschreibt Michel Jean auch das Ende der traditionellen Lebensweise der Nomadenvölker im Nordosten Amerikas, deren Umwelt zerstört wurde und die zur Sesshaftigkeit gezwungen und in Reservate gesperrt wurden, ohne Zukunftsperspektive, ein Leben geprägt von Gewalt, Alkohol und Drogenkonsum.

Der Roman wurde im Herbst 2020 mit dem Prix littéraire France-Québec ausgezeichnet.

„Ich spüre in mir die Verantwortung, unsere Geschichten zu erzählen, die der Innu und der Mitglieder der Ersten Völker. Denn sie kommen praktisch nirgends vor. In den Geschichtsbüchern nehmen sie nur wenig Raum ein. In Nordamerika beginnt die Geschichte mit der Ankunft von Christoph Kolumbus 1492, diejenige Kanadas mit Jacques Cartier 1534. Aber wir leben hier seit 15 000 Jahren. Wenn wir unsere Geschichten nicht erzählen, wer dann?“

Michel Jean, geboren 1960, ist Innu aus der Gemeinde Mashteuiatsh am Lac Saint-Jean (Québec). Nach einem Studium der Geschichte und Soziologie arbeitet er seit 1988 als Journalist und Moderator für die französischkanadischen Fernsehsender Radio Canada Info und, seit 2005, TVA Nouvelles. Er ist mit sieben Romanen einer der wichtigsten indigenen Autoren Québecs. Nach Amun (2016) veröffentlichte er unter dem Titel Wapke (Morgen) im März 2021 eine zweite Anthologie mit dystopischen Erzählungen von 14 indigenen Autorinnen und Autoren aus Québec.

Michael von Killisch-Horn wurde 1954 in Bremen geboren. Seit dem Studium der Romanistik, Germanistik und Deutsch als Fremdsprache in München arbeitet er als Übersetzer aus dem Französischen und Italienischen. Seit einem dreimonatigen Aufenthaltsstipendium 2013 in Montréal interessiert er sich auch verstärkt für die Literatur Québecs und verbringt jedes Jahr mehrere Wochen in Montréal. Im Herbst 2020 erschien ein von ihm herausgegebenes Heft der Literaturzeitschrift die horen mit aktueller Literatur aus Québec.

ISBN: 978-3-99029-470-3, ca. 300 Seiten, gebunden, Lesebändchen, EUR 21,00

Text: Wieser Verlag