Zum Hauptinhalt springen

„Prinzip Hoffnung“

„Prinzip Hoffnung“ spiegelt vom Namen her das Lebensprinzip des Künstlers wieder

Speyer. Der Kunstverein Speyer widmet dem vor zwei Jahren verstorbenen Speyerer Bildhauer Franz Müller-Steinfurth eine Ausstellung, die bis 17. November im Kulturhof Flachsgasse zu sehen ist. Unter dem Titel „Prinzip Hoffnung“ werden Plastiken, Skulpturen, Malereien, Zeichnungen und Keramikarbeiten des renommierten Künstlers vorgestellt.

Bei der Eröffnung am Sonntag, 13. Oktober, führte Dr. Susanne Wichert, Direktorin Stiftungsmuseen und Geschäftsführerin der gemeinnützigen Gesellschaft „rem gGmbH“ Mannheim in die Ausstellung ein. Das der Kunstverein die in leitender Position bei den Reiss-Engelhorn-Museen tätige Expertin als Laudatorin gewinnen konnte, lässt ebenfalls Rückschlüsse auf das hohe Ansehen des 1952 in Speyer geborenen Künstlers Müller-Steinfurth zu, der sich zu Lebzeiten mit zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland große Anerkennung erwarb. Gleiches gilt für seine Großplastiken im öffentlichen Raum, zu denen im lokalen und regionalen Bereich auch die Röhrenplastik im Speyerer Domgarten, die Spargelfrau auf dem Schwetzinger Schlossplatz und das Tabakensemble im Hockenheimer Stiegwiesenpark zählen. Seit letztem Monat erinnern zudem in Speyer zwei Dauerleihgaben von Tobias Müller, Sohn und Verwalter des künstlerischen Nachlasses von Franz-Werner Müller-Steinfurth, an den verstorbenen Bildhauer. Dabei handelt es sich um die Plastik „Libri“ im Lesegarten des Bildungszentrums Villa Ecarius und die einen Diskuswerfer darstellende Bronzeplastik „Dynamik“ im Woogbachtal.

In der Retrospektive beim Kunstverein sind 120 Arbeiten aus 40 Jahren zu sehen. Sie stehen stellvertretend für die enorme Schaffenskraft und künstlerische Bandbreite von Müller-Steinfurth, der 1974 die Meisterprüfung als Steinbildhauer ablegte, von 1974 bis 1980 erfolgreich das Studium der Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste München absolvierte, anschließend vier Jahre als künstlerischer Assistent am dortigen Lehrstuhl für Malerei und Graphik wirkte und sich danach ausschließlich als freischaffender Künstler betätigte.

Die hochwertige Kunstschau gliedert sich in zehn Werkgruppen, wobei sich die Exponate fallweise ergänzen, überschneiden oder in einem starken Kontrast zueinander stehen. Jede Werkgruppe für sich fordert den Betrachter im positiven Sinne heraus. Ausnahmslos in meisterlicher Technik ausgeführt, stehen sich gegenständliche oder abstrakte Plastiken und Skulpturen, druckgrafische Arbeiten, Malereien und Zeichnungen gegenüber. Der Titel der Ausstellung schlägt sich in der Werkgruppe „Prinzip Hoffnung“ nieder, die vom Namen her das Lebensprinzip des Künstlers widerspiegelt. Beim Hauptkunstwerk dieser Reihe handelt es sich um zwei geöffnete Bronze-Halbkugeln mit dunkel patiniertem Äußeren sowie einem golden leuchtenden Inneren mit flammenähnlicher Stele, die bestrebt scheint, die Enge des sie umgebenden Raumes zu verlassen. Um sich - Prinzip Hoffnung - vielleicht in neue Höhen winden zu können.

Wunderbar anzuschauen auch die lebensgroße und anmutig auf einem Marmorsockel sitzende Frauengestalt „Seduta“ aus patinierter Bronze. Kontrastreich hingegen die ineinander verschlungenen Körper von Mann und Frau im Werk „Männlich-Weiblich“. Ein ästhetisch anmutender und auf Hochglanz polierter Frauenkörper mit weichen fließenden Formen umarmt einen als solchen kaum erkennbaren Männerkörper in abstrakter Ausführung und rauer Oberfläche. Perfekt gearbeitete Werkstücke wie die „Drei Grazien“ oder die sakralen Motive „Golgatha“ und „Pieta“ sind weitere Beispiel für das vielfältige und exzellente Können des Künstlers im Umgang mit dem Material Bronze.

Die Bandbreite herausragender Exponate beschränkt sich jedoch nicht auf Bronzearbeiten. Zu sehen sind ferner modern gestaltete Hochhausplastiken in Aluminium, Stahlkonstruktionen, Collagen, Arbeiten aus schwarzem Marmor, gemalte Reiseerinnerung in Aquarell auf Bütten, Tuschezeichnungen, eine Werkgruppe in Alabaster sowie motivisch gestaltete Keramikarbeiten, die aus Tellern spielerisch anmutende Rundbilder machen.

Beim Pressegespräch wiesen Kurator Tobias Müller und Vereinsvorsitzender Klaus Fresenius darauf hin, das zur Ausstellung ein reich bebilderter Katalog mit Textbeiträgen des Kunstpädagogen Stanislaus Müller-Härlin in einer Auflage von 150 Exemplaren erschienen ist. Er wird für 38 Euro im Foyer von Kunstverein und Städtischer Galerie angeboten. mey

Info. Die Ausstellung dauert bis 17. November. Öffnungszeiten sind donnerstags bis sonntags jeweils 11 bis 18 Uhr. Text und Foto: Nikolaus Meyer