Zum Hauptinhalt springen

Neues, interessantes Exponat im Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz

Der Speyerer Bildhauer Wolf Spitzer übergab eine Dauerleihgabe mit hohem symbolischem Wert.

Sediment

Speyer. Die Pfälzische Landesbibliothek im Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz ist dieser Tage um ein interessantes Exponat reicher geworden. Der Speyerer Bildhauer Wolf Spitzer übergab eine Dauerleihgabe mit hohem symbolischem Wert. Zur Übergabe in der Otto-Mayer-Straße war auch Dr. Annette Gerlach angereist. Wie die Speyerer Standortleiterin Ute Bahrs zeigte sich die Leiterin des Bibliothekszentrums in Koblenz, in dem mehrere landesweite Bibliotheken und Bücherstellen zusammengeschlossen sind, von der Symbolkraft der Bronzeplastik tief beeindruckt.

Schon der Name „Sediment“ lässt erahnen, wie tief der 1940 in Speyer geborene Künstler bereits vor der Fertigung gedanklich in die Materie eintauchte. Steht die 1977 geschaffene Plastik doch für ein Thema, das den umtriebigen Kunstschaffenden seit Jahrzehnten beschäftigt. In einer kurzen Ansprache und mit Blick auf die für immer verlorenen Wissensschätze der untergegangenen antiken Bibliothek von Alexandria betonte er die herausragende Bedeutung von Orten, die das geistige und kulturelle Erbe der Menschheit bewahren. „In unserer von Zeichen und Daten bestimmten Welt ist dieses skulptural anmutende Lineament mit seiner linienhaften Struktur Form gewordener Ausdruck von Ordnungswille und Beständigkeit, aber ebenso von deren Gefährdung“, betonte Spitzer.

Den besonderen Stellenwert von Institutionen wie dem Landesbibliothekszentrum unterstrich auch Dr. Annette Gerlach. Zur Aufgabenstellung derartiger Dienstleistungseinrichtungen gehöre das Sammeln, Ordnen und Bewahren genauso wie die Vermittlung von Wissen, bekräftige die Leiterin. Um anzufügen, dass Geschichte ohne die Quellen der Vergangenheit nicht nachvollziehbar sei. Die Bibliothek als Ort der kulturellen Bewahrung und die an zentraler Stelle im Leseraum platzierte Plastik, mit der Spitzer die gesammelten Werke symbolhaft greifbar mache, passten perfekt zusammen, bekräftige Gerlach.

Wolf Spitzer ist ein Künstler, dessen Wirken stark von seinem Intellekt geprägt wird. So entstehen Kunstwerke, deren Form immer im Zusammenhang mit einem vom Bildhauer nachvollziehbaren Inhalt stehen muss. Dies war bei der nun in der Landesbibliothek auf einem weißen Sockel ruhende Bronzeplastik „Sediment“ nicht anders. Ausgangspunkt für dieses Kunstwerk war eine Auftragsarbeit des Kultusministeriums von Rheinland-Pfalz, für das Spitzer 1974 zwei jeweils drei Meter hohe Skulpturen aus Holz und Sperrholz fertigte.

Deren Titel „Regalwände“ lässt unschwer erahnen, dass sie beim Bildhauer eine Art Initialzündung auslöste, die sich ausdrucksstark im kleineren Bruder „Sediment“ manifestiert. Wie wichtig Orte sind, die geistige Erkenntnisse bewahren, lässt sich an einem Triptychon nachvollziehen, in dem Spitzer bereits 1973 die Zerstörung von Bibliotheken und den Verlust von Schriftgut in einer Arbeit thematisierte. Ein aus Holz und Karton gefertigtes Modell einer begehbaren Bibliothek zündete er an, fotografierte die Aschereste und fügte dem Foto zwei schwärzlich eingefärbte historische Schriften hinzu. Die an die Brandüberreste der Bibliothek von Herculaneum erinnernde Fotoarbeit wurde seinerzeit von der Kunstsammlung der Bundesrepublik angekauft und dem Mittelrheinischen Museum in Mainz übergeben.

Der seit 1971 als freischaffender Bildhauer tätige Spitzer hat sein Lebenswerk in acht Buchbänden zusammengefasst (wir berichteten). Sein Atelier in der Kutschergasse hat er inzwischen aufgelöst. Im Gespräch mit unserer Zeitung stellte er jedoch klar, dass er der Hektik des beruflichen Alltags künftig zwar entfliehen will, seiner Kunst aber weiterhin verbunden bleibt. Aufgaben werde er mehr als bisher bündeln, sie im hauseigenen Atelier punktueller abarbeiten und das bereits auf den Weg Gebrachte im In- und Ausland vollenden.

Text und Bild: mey

Logo Archiv