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Kleinkunst

Spitz&Stumpf: Köstliche Zutaten für beliebte „Duddesupp“

Corona-Zwangspause verlängert „Hurtig im Abgang“- Abschiedstour

Von Werner Schilling

Speyer. „Wir freuen uns beide schunn arrisch druff, wann mer endlich weitermache dürfen!“ Bernhard Weller alias Consulter Friedel Spitz und Götz Valter als sein kongenialer Partner, Winzer Eicheen Stumpf, würden lieber heute als morgen wieder ihrem Publikum auf unnachahmliche Weise die Welt erklären. Doch die zwei urwüchsigen Überlebenskünstler musste Mitte März ihre Mützen vorläufig an den Nagel hängen. Etwas verfrüht, denn ihre jäh unterbrochene Abschiedstournee im silbernen Jubiläumsjahr wird das Pälzer Comedy-Duo mit weinseliger Sicherheit fortsetzen. Ab wann, das steht allerdings noch in den Sternen. Das haben Spitz&Stumpf nicht selbst in der Hand. Und alles Ausgefallene mal ins Jahr 2021 verschoben.

Corona-Überbrückungs-Auftritte in einem Autokino kommen für den schauspielernden Winzer Eugen Stumpf und seinen beratungssüchtigen (und einzigen) Stammgast Friedel „The Brain“ Spitz  nicht in Frage. Weller und Valter halten es da eher mit Comedy-Musikprofi Helge Schneider, der gesagt habe: „Ich spiele nicht vor Blech!“ Das einzige, was sie auf Wunsch des Kulturamts Neustadt gemacht haben, war eine halbstündige Fernsehaufzeichnung für die sozialen Medien. Wer also nicht abwarten kann, bis Spitz und Stumpf  wieder auf der Bühne mit herzerfrischender  Schauspielkunst, präzisem Slapstick und ausdrucksvoller Mimik mit todernstem  Gesicht brillieren  können, darf in Facebook oder auf Youtube nachschauen.

Da wird es indes keine „Duddesupp“-Päckchen regnen, wie es seit Jahren bei Live-Auftritten Zugabe-Brauch ist. Ohne ihr Markenzeichen-Liedchen lassen die Zuschauer das beliebteste Pfälzer Kabarett-Duo nie von der Bühne. Ein vor Jahren auf Anschreiben von Elke Weller von einem Tütensuppen- Hersteller gesponsertes Großgebinde ist längst aufgebraucht. Wo immer sich Angebotspreise auftun, wird das unverzichtbare Utensil nachgekauft.

Beim Rückblick auf 25 Jahre Mundart-Comedy fällt den beiden Familienvätern  - Weller hat 22-jährigen Sohn und 16 Jahre junge Tochter, Valter zwei Töchter (15 und 17) – kein Programm ein, das besonders erfolgreich war. Von der Premiere bis zur letzten Performance wird ein Programm durch Weglassen nicht so ankommender Passagen und Einbauen neuer oft spontan bei einer Vorstellung entwickelten Gags oft so verändert, dass von der Erstaufführung kaum noch was zu erkennen ist. Für die jeweilige Rohfassung nach gemeinsamer Ideensammlung für die Szenen ist stets Bernhard Weller verantwortlich. Schon beim ersten Gespräch mit Götz Valter ergeben sich Veränderungen und Ergänzungen.  Und von Auftritt zu Auftritt verfeinert  Spitz&Stumpf  das Programm. Dabei spielt die  Publikumsresonanz  eine entscheidende Rolle. „Einmal saß in der ersten Reihe ein Mann mit teilnahmslosem Gesicht“, erinnert sich Weller. In der Pause erfuhr er bei seiner Nachfrage, dass es ein Besucher aus Frankreich war, der mit  dem unverfälschten Pälzisch  nichts anfangen konnte.  

In ihr mit 25 Jahren Erfahrung zusammengestelltes  Finalprogramm „Hurtig im Abgang“  werden die zwei Vollblutkomiker nach der Zwangspause  ganz sicher coronagesteuerte Mundschutz-Themen  aufnehmen. Freuen dürfen sich alle Besucher der noch 50 ausstehenden, überwiegend ausverkauften  Abschiedsvorstellungen im kurpfälzischen Raum  auf einen Leckerbissen,  nach Wellers Ansicht „einer der  besten Slapstick, die  wir je gespielt haben“. Dem Ideenconsulter  kamen  irgendwann die vier Zeilen in den Sinn:

De Biber im Bach, de Fisch im See, die Maus im Feld und die Vöchel in de Höh“.

Wie der Mimik-Profi Götz Valter  daraus für pandemiegeschädigte Schulkinder  eine Radio Büchelberch-Folge aus der Zungenbrecher-Reihe „Stumpfs Tierleben“  zaubert, ist allererste Sahne. Mehr wird nicht verraten.

Info: Wann die ersten noch geplanten Vorstellungen - wohl  ab Ende Juni - stattfinden können und für wann im kommenden Jahr Nachholtermine vorgesehen sind, wird auf der Homepage www.spitzundstumpf.de ständig aktualisiert. Foto: pem