Speyer-Kurier
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Gier und Maßlosigkeit erzeugen soziale Not

Was Schauspieler und Regisseur des Ensembles der Wormser Nibelungenfestspiele 2012 zum Stück und zur aktuellen Brisanz von „Das Vermögen des Herrn Süß“ sagen.

Von Robert Schöpfer

Teresa WeißbachTeresa Weißbach (Herzogin Marie-Auguste): „Ich freue mich unheimlich dabei zu sein und von all den erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu lernen…. . Es ist mittlerweile mein zweites Engagement hier. Daran [anhand dieses Stückes, Anm.] kann man sehen, was Macht macht, wie Intrigen gesponnen werden, wie versucht wird zu manipulieren. Und ich finde, dies sind alles aktuelle Themen. Die wirtschaftliche Situation ist nicht die beste und das hat natürlich Konsequenz für die Politik. Die Gesamtlage wirkt beängstigend. …“

Anja KruseAnja Kruse (Frau von Götz): „Meine Figur hat einen schönen Bogen: Frau von Götz mutiert von der kleinen Bittstellerin, die Geld für die Ausbildung ihres Sohnes zusammenkratzt, zur eiskalten Geschäftsfrau, die sich mit entsprechendem Körpereinsatz nach oben schläft und hinterher auch den nicht mehr kennt [Jüd Süß, Anm.], der ihr damals geholfen hat… . Das hat durchaus Bezug zur Realität. Sie ist eine Opportunistin; dies verurteile ich moralisch sehr. Moralisch kann man nicht immer mit den Wölfen heulen, sondern sollte auch mal Stellung beziehen, wenn es nötig ist und man sollte nie die vergessen, die einem dorthin geholfen haben, wo man jetzt ist. …“

Peter StriebeckPeter Striebeck „Isaak Landauer“: „Die Figur, die ich spiele ist, unter anderem, Finanzmogul. Landauer warnt Süß vor unguten Entwicklungen und vor den machtgierigen und eifersüchtigen Personen im Umfeld des Herzogs von Württemberg, indem er auffordert, dieser möge sich nicht allzu sehr in die Sonne stellen. Es gibt in diesem Stück Parallelen zu unserer Finanzmisere. Ich hoffe, dass irgendjemand die Lösung zu dieser Schuldenkrise findet- es werden zu viele Notoperationen gemacht, mit den ganzen Rettungsschirmen, die sich da aufspannen. Keiner weiß, wie soll das ganze Geld jemals zurückbezahlt werden. Man braucht gute Geschäftsleute, die einem aus der Krise helfen. Von dieser Krisensituation sind wir alle betroffen; sie greift direkt in unser aller Leben ein. Wir spüren es zwar alle noch nicht, aber wir befürchten es. …“

Michael LeschMichael Lesch „Demler, ein Pächter“: „Das Stück spielt am damaligen württembergischen Hof. Dieser lebt auf verschwenderischem Fuße. In der Folge sind die Finanznöte immens, wie bei unserem Staat- dieser gibt ja auch immer mehr aus, als er einnimmt, deshalb haben wir diese großen Defizite; genauso wie in weiteren europäischen Staaten. Und nun taucht dieser Joseph Süß Oppenheimer auf und sagt, er könne ihre Finanzprobleme lösen, indem er eine allgemeine Besteuerung der privilegierten Stände vorschlägt. Die finden dies überhaupt nicht prickelnd, zetteln sozusagen eine Revolte gegen diesen Mann an und geben gleichzeitig diese Steuern an die Ärmsten der Armen weiter, also die Figur, die ich im Stück repräsentiere und die wiederum müssen diese Steuer weiter an die Gutsherren entrichten. Zum Schluss ändert sich zwar die Regierung, jedoch nicht die Steuerbelastung… . Eine Gesellschaft wird aufgefressen von Steuern… . Ich kann in diesem Bezug nur auf die wachsende Zahl der Zeitarbeiter hinweisen. Die Vollbeschäftigung wird weniger; man ersetzt Vollzeitjobs durch Teilzeitjobs, um die Produktivität zu steigern und die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu garantieren. Da kann man schon Parallelen zu heutigen Entwicklungen ziehen. In der Geschichte wiederholt sich alles, nur unter anderen Vorzeichen. …“

Tom QuaasTom Quaas: „Joseph Süß Oppenheimer“: „Die heutige Politik bezieht Dieter Wedel in das Stück mit ein. Ich spiele eine Figur, den findigen Kopf, das kaufmännische Talent, einen der sich schuldig macht, dies auch wahrnimmt und darunter leidet, aber zunehmend in die Mühlen der Macht gerät. Das ist die Spannung an der der Rolle…. . Ich bin angefüllt mit Informationen; er ist ja sehr belesen und kennt viele aus Politik und Bankwesen… . Wir sind so aktuell und nun habe ich die verantwortungsvolle Aufgabe, dies zu personifizieren- sowohl sympathisch, als auch mit diesem kritischen Auge… . Es ist auch interessant zu betrachten, wie haben manche ihr Geld gemacht und vielleicht ist es auch gut, dass manche so viel Steuern bezahlen. …“

Dieter WedelDieter Wedel (Regisseur): „…wichtig ist, dass man neben dem Anspruch auch gute Unterhaltung macht- sicherlich auch keine leichte Zerstreuung… . Wir reden [im Stück, Anm.] über einen Finanzmakler, der eine Vision hat und der sagt, der Staat muss aus der Verschuldung raus, sonst kann er sich nicht mehr bewegen; es müssen Reformen durchgeführt werden. Mit diesen Reformen bekommt er Probleme mit denen an deren Privilegien er rüttelt. Das ist zu allen Zeiten immer das Gleiche gewesen und die versuchen, irgendein Mittel zu finden, um diesen Mann an den Karren zu fahren, finden es nicht, bis sie entdecken, dass er Jude ist… . Dieser Mann wird plötzlich über eine Hetze, die überall entsteht, in den Medien und den Zeitungen unmöglich gemacht. Dann gibt es einen unsäglichen Justizmord. Aber wie schwer es natürlich auch ist, Veränderungen durchzuführen, wie leicht sich Menschen verhetzen lassen und wie groß das Bedürfnis ist, wenn es Probleme gibt, einen Schuldigen zu präsentieren…das haben wir in den letzten Jahren ein paar Mal erlebt, das wird auch so weiter gehen. Es ist gut, wenn man so etwas einmal im Theater bewusst macht. …“

„Das Vermögen des Herrn Süß“ ist eine Neufassung des Stückes „Die Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß“ von Dieter Wedel und Joshua Sobol (UA: Nibelungen-Festspiele 2011) Foto: rosch

04.08.2012


Deutsche Topschauspieler zum Anfassen

Bei der Fotoprobe im Vorfeld der Wormser Nibelungenfestspiele präsentiert sich das Ensemble im „familiären Umfeld“

Von Robert Schöpfer

Man wandelt auf sanft beleuchteten Gartenpfaden direkt durch die Grünanlage am Wormser Dom. Eine imposante, in alle Richtungen verzweigte, kleine, fast schon etwas kitschig wirkende weiße Zeltstadt mit einer kleinen Zikaden-Anlage breitet sich vor dem Auge des Schauspielinteressierten aus. Nach etlichen weiteren Metern führt der Weg etwas abschüssig in den Eingangsbereich des Zuschauerbereichs hinab. Schließlich öffnet sich die optisch imposante Kulisse der transportablen Bühne der Wormser Nibelungenfestspiele, mit dem beeindruckenden Westchors des Wormser Doms im Hintergrund, vor dem Betrachter. Die eigentliche Bühne hat für ein Schauspiel enorme Ausmaße und ist zweistöckig. Eine lange, zweigeteilte Treppe führt von diesem Bereich in die Mitte des Auftrittsbereichs hinab. Die Zuschauertribüne ragt steil nach oben und bietet mehr als 1200 Zuschauern Platz.

Die ersten Reihen sind jedoch an diesem Nachmittag mit Foto- und Filmkameras besetzt, deren Besitzer eifrig Bilder-, Ton- und Filmmaterial aufnehmen. Die eigentlichen Protagonisten der Szene, die Schauspieler des diesjährigen Ensembles der Wormser Nibelungenfestspiele, sowie Regisseur Dieter Wedel, unterhalten sich angeregt mit lokal und überregional für den Kulturbereich bekannten Zeitungs-, Rundfunk- und Fernsehjournalisten.

Alljährlich geht es vor dieser Festspielkulisse vertraut, familiär, dabei effektiv und professionell zu, wenn die Bereichsleitung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Nibelungenfestspiele gGmbH der Stadt Worms, allen voran die sympathische und effizient arbeitende Monika Liegmann, die Mitarbeiter von Zeitung, Funk und Fernsehen zur Medienprobe, das heißt zu einem Gesamtdurchlauf des aktuellen Stückes lädt. „Wir bemühen uns allen Pressemitarbeitern einen idealen Rahmen für Ihre Berichterstattung zu geben“, weiß die sowohl eloquente, als auch bei allen Mitwirkenden sehr gern gesehene Festspielsprecherin aber auch, dass ein über die vergangenen Jahre ausgezeichnet eingespieltes Team ihren Rücken stärkt. Zuvor ist eine traditionelle Interviewrunde angesagt. Bekannte Schauspieler wie Tom Quaas, der ehemalige „Landarzt“ Walter Plathe, „Kaspar Hauser“, der Wormser André Eisermann, Charakterdarsteller Dieter Laser, Peter Striebeck säumen die Szene und sind in der Nibelungenstadt dabei, wenn „Das Vermögen des Herrn Süß“, am heutigen Freitagabend seine Premiere haben wird. Anja Kruse, die aus vielerlei deutschen Produktionen wie der „Schwarzwaldklinik“ oder dem „Forsthaus Falkenau“ bekannt ist, die frühere Hauptfigur der ARD-Serie „Der Fahnder“, Michael Lesch und hoffnungsvolle Talente wie Henrike von Kuick, Marie Zielke und Teresa Weissbach lassen ebenfalls Vorfreude auf die Neuinszenierung des Stückes aus dem vergangenen Jahr- „Die Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß“- aufkommen.

Der langjährige Festival-Regisseur Dieter Wedel hat den Anspruch das Besondere zu wagen. Mit diesem Stück sucht er im Jahre 2012 nach den Zusammenhängen zwischen historischen und aktuellen Krisen aus der ästhetischen Sichtweise der frühen dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts; damals sorgte der Zusammenbruch der Banken für den Ruin der Gesamtsystems. Es geht um den „Tanz um den Vulkan“ vor seinem Ausbruch, um Intrige, Verschwörung, gnadenlosen Opportunismus, Antisemitismus und Justizmord. „Geld verdirbt nicht den Charakter, es zeigt den Charakter…“, bringt Wedel die aktuelle Brisanz seines Stückes auf den Punkt.

„Das Vermögen des Herrn Süß“ wird vom 3. Bis 19. August am Westchor des Wormser Doms aufgeführt. Einlass ist 20:15 Uhr, Beginn: 20:45 Uhr. Tickets gibt es sonntags bis donnerstags von 29 bis 89 Euro und an Freitagen und Samstagen von 39 bis 99 Euro, unter der Tickethotline 01805/337171 sowie unter www.nibelungenfestspiele.de. Inhaber der CLEWR CARD erhalten 10% Ermäßigung auf zwei Eintrittskarten bei Buchung über 01805/337171 sowie beim TicketService Worms. Rollstuhlfahrer buchen ihre Tickets ausschließlich unter 06241/2000-450 oder unter tickets@nibelungenfestspiele.de. Wird eine Übernachtung oder spezielle Arrangements, wie beispielsweise das „Nibelungen-Dinner“ oder das „Essen im Park“ gewünscht, sind diese unter 06241/2000-334 zu bestellen.  Weitere Informationen über das Gesamtprogramm des Festivals gibt es ebenfalls unter der offiziellen Homepage. 

03.08.2012


Musical-Chor „Euro Voices“ probt für „Musical Swings“

„Bitte Einsteigen“ beim neuesten Projekt des GV Lyra Speyer

Echte Musicalstimmung kommt auf, wenn der bekannte Musicalchor „Euro Voices“ der Lyra Speyer für sein nächstes großes Konzert am 15. September im Bürgerhaus Ludwigshafen-Oppau probt. Treffpunkt ist jeden Mittwoch um 20 Uhr in der Cafeteria des Seniorenstifts im Mausbergweg 110 in Speyer.

Allen Interessierten, die Spaß am Singen haben, sich aber nicht gleich fest einem Verein anschließen möchten, bietet sich durch das aktuelle Chorprojekt die Möglichkeit, an einem der bekannten hochklassigen Konzerte des Chors teilzunehmen.

Das Motto „Musical Swings“ steht für eine Kombination aus Musicalhighlights wie dem „Phantom der Oper“, „Tarzan“, „Tanz der Vampire“ und vielen anderen sowie mitreißenden Swingklassikern. Wie immer werden die Sängerinnen und Sänger von einem hochklassigen Orchester, gebildet aus Berufsmusikern des Nationaltheaters Mannheim, begleitet.

Stargast des Abends ist Claudia Fiddicke. Die Sopranistin glänzte kürzlich mit einem Gastauftritt beim jüngsten Konzert der Lyra mit Musicaldiva Angelika Milster und riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Ihre Fans dürfen sich auf ein Programm freuen, in dem die Künstlerin ihre ganze Bandbreite vom klassischem Musical bis hin zu mitreißenden Jazzstücken aus der Swingära präsentieren wird. Zu den Höhepunkten zählen sicher auch ihre gemeinsamen Stücke mit dem Chor, die – wie alle anderen Titel auch - jeweils eigens für diese Auftritte von dem russischen Starpianisten Dmitrij Koscheew arrangiert werden.

Wer jetzt Lust aufs Mitmachen bekommen hat: weitere Informationen gibt es unter www.lyra-speyer.de oder bei Chorsprecherin Manuela Seipel unter 06236/54256

14.05.2012


Jim Knopf und Lukas zu Besuch im Nikolaus-von-Weis-Gymnasium

Von Jürgen Schaaf

Speyer. Einen Ausflug nach Lummerland, China und in die Drachenstadt konnten die kleinen Zuschauer bei der Vorstellung: „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ im Nikolaus von Weis-Gymnasium machen. Eingeladen hatt das Kölner Tournee-Theater „Histrionia“, die im letzten Jahr bereits mit „Piratten“ in Speyer Erfolge feiern durfte.

Pünktlich um 11 Uhr begann die Vorstellung in der Aula des Gymnasium, wo ein  etwas verwirrter König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte (Valesca Fischer) die zahlreichen Kinder und ihre Eltern in Lummerland begrüßte. Genau wie im Buch von Michael Ende kommt es wie es kommen muss: Nachdem ein Paket, mit dem kleinen Jim Knopf als Inhalt, fälschlicherweise bei Frau Waas in Lummerland angekommen ist, beschliesst König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte, dass die Insel für einen Untertanen mehr zu klein wird und will Dampflok Emma abschaffen. Lukas, der Lokomotivführer, überzeugend gespielt von Thomas Ficker, beschliesst, sich mit Emma heimlich davon zu machen. Aber nicht ohne Jim Knopf (Annemarie Lüke), denn der will seinen Freund nicht alleine ziehen lassen. Und so gehen beide mit einer kalfarterten Emma auf große Reise, kommen nach China, wo sie dem Kaiser helfen und schliesslich seine Tochter aus den Klauen des Drachen „Frau Mahlzahn“ in der Drachenstadt zu befreien. Die wird – gefangen – schliesslich zu einem Goldenen Drachen und rät den beiden Helden, die inzwischen das Heimweh gepackt hat, auf dem Rückweg nach Lummerland noch eine schwimmende Insel abzuschleppen. Womit das Platzproblem auf Lummerland gelöst ist und sich alle wieder glücklich vereint sehen.

Die Jim-Knopf-Inszenierung der Theatergruppe „Histrionia“ ist reizend und charmant umgesetzt. Regisseurin Dominique Christine Fürst, die als Schülerin bereits im „Niki“ die Schulbank drückte und dort erste Theatererfahrungen machte, bedient sich der Musical-Vorlage von Christian Berg, der das Stück zusammen mit Konstantin Wecker für Kinder geschrieben hat.

Alle Schauspieler haben einen Heidenspass beim Spielen und verstehen es gekonnt, das Publikum, vor allem die zahlreichen Kinder im Zuschauerraum, mit ihrem Spiel zu fesseln und aktiv in die Erzählung einzubinden. Das Bühnenbild von Anne Dorwarth ist liebevoll gestaltet, nicht zu opulent und nicht zu mager, gerade richtig, um nicht von der Spiel-Handlung abzulenken. Michal Endes Stück glänzt von ungewöhnlichen Figuren wie dem Drache Nepomuk oder dem Riese in der Wüste, der beim Näherkommen immer kleiner wird. Nicht gerade leicht, diese doch speziellen Charaktere in einem Theaterstück auf die Bühne zu bringen. Regisseurin Dominique Christine Fürst schafft es trotzdem mit dem einen oder anderen erzählerischen Kunstgriff, ohne dabei den Zuschauer aus der Handlung zu reisen. Und so wird die 90 Minuten-Vorstellung – durch eine Brezelpause unterbrochen – für die jungen Zuschauer nie langweilig  und vergeht wie im Flug.  Glücklich und zufrieden hoffen nun viele nach der Vorstellung auf die Fortsetzung „Die wilde Dreizehn“, die zur Zeit gerade in der Vorbereitung ist. Sicherlich wieder ein Besuch wert. Mehr über das Tournee-Theater Histrionia unter: http://www.histrionia.de Foto: jüs

02.05.2012


Jim Knopf und Lukas zu Besuch - Bilderalbum

MGV “Lyra 1867” präsentiert mit Angelika Milster erneut einen Weltstar in Speyer

Grand Dame” des Musicals mit hochrangigen Partnern zu Gast in der Stadthalle

p.m. Speyer. Seit vielen Jahren schon beeindruckt er immer wieder durch die Einladung höchstrangiger musikalischer Gäste als Glanzpunkte seiner alljährlichen Gala-Konzerte: Der traditionsreiche Speyerer Männergesangverein “Lyra 1867 e.V.” - inzwischen längst zum Gemischten Chor weiterentwickelt, durch den schon Weltstars wie Iwan Rebroff, Olivia Molina, Günther Wewel oder Gunther Emmerlich in den vergangenen Jahren den Weg in die Domstadt gefunden haben. Diesmal war es die “Grande Dame” des deutschen Musicals, Angelika Milster, die sich mit diesem denkwürdigen Abend in die lange Reihe großartiger Sänger-Kollegen und Entertainer bei den “Lyra”-Konzerten einfügen wollte. Und dass die Trägerin zahlloser Auszeichnungen von der “Goldenen Europa” über diverse “Goldenen Schallplatten” bis hin zum “Echo” ein echter Profi ist, bewies sie nicht zuletzt dadurch, dass sie sich schließlich durch das enthusiastische Publikum sogar noch zu fünf heftig umjubelten Zugaben motivieren ließ. Ein echter “Superstar” also, die - gelernt ist halt doch gelernt!

Instrumental begleitet wurde die großartige Musical-Lady - sie kam im mecklenburgischen Neustrelitz zur Welt und wuchs in Hamburg auf, wo sie auch ihre ersten musikalischen “Gehversuche” unternahm - von dem mit Berufsmusikern aus dem gesamten Rhein-Neckar-Raum vorzüglich besetzten “Deutschen Tonfilmorchester” unter dem Speyerer Frank Ringleb.

Hinzu gesellten sich noch die trotz einer veritablen Erkältung bis zum Schluss kaum stimmliche “Verschleißerscheinungen” zeigende, mit einer prächtigen, dunkel eingefärbten Sopranstimme ausgestattete Claudia Fiddicke, begleitet von dem russischen Pianisten Dimitrij Koscheew - und dann natürlich die zurecht auf diesen Abend stolzen Sängerinnen und Sänger des Gastgebers: Der Gemischte Chor des “MGV Lyra 1867 Speyer e.V.” und dem aus dieser Chorgemeinschaft hervorgegangenen “Modern Choir”, den “Euro Singers”.

Unter der bewährten Leitung von Wolfgang Herzing präsentierten sie dem begeisterten Publikum in der restlos ausverkauften Speyerer Stadthalle - man hätte wohl gut und gern noch ein zweites derartiges Konzert “verkaufen” können - ein Programm, bei dem nach einer ausgefeilten Dramaturgie ein Höhepunkt den nächsten jagte - und sich mitreißende, oft zum Mitklatschen (und Mitsummen) animierende Titel geschickt mit Besinnlich-Nachdenklichem abwechselten.

Dabei reichten die “Nummern” von Antonin Dvoraks “Mondlied” aus der Romantischen Oper “Rusalka” bis hin zu “I will always love you” der Pop-Queen Whitney Houston. Ein eindrucksvoller Schlußakzent dann das berühmte, von “der Milster” unnachahmlich interpretierte “Don’t cry for me, Argentina” aus dem Welterfolgsmusical “Evita” von Andrew Lloyd Webber, bei dem die sehr persönliche Stimme der Künstlerin den Zuhörern noch ein weiteres Mal kalte Schauer über den Rücken trieb.

Ein großartiger, begeisternder Abend, den da die “Lyra”-Chöre sich selbst und ihren Gästen beschieden: Mit engagiert dargebotenen, schwungvollen Auszügen aus “Jesus Christ Superstar” - seit Jahren “Ohrwürmer” für jeden Musical-Freund präsentierten sie ebenso überzeugend wie mit ihren Background-Chören bei den zahlreichen anderen Musical-Nummern - für Laien-Chöre durch die Bank große Herausforderungen, denen sich die Sängerinnen und Sänger aller Ensembles mit Bravour stellten.

Kleiner Wermutstropfen auch an diesem Abend: Die unzulänglichen akustischen und klimatechnischen Gegebenheiten im Großen Saal der Stadthalle, wo die hinteren Reihen in dem dichtbesetzten Theatersaal dafür, dass sie die Moderationen Wolfgang Herzings kaum noch verstehen konnten, zumindest mit einströmender Frischluft bestens versorgt wurden - kurz: Es zog wieder einmal wie die berühmt-berüchtigte Hechtsuppe - schade eigentlich! Foto: pem

16.04.2012


MGV “Lyra 1867” präsentiert mit Angelika Milster erneut einen Weltstar in Speyer - Bilderalbum

BEST OF MUSICAL – GALA 2012 am 06. und 07.03. in der SAP-Arena Mannheim

Grandioser Tourauftakt für BEST OF MUSICAL – GALA 2012

5.000 begeisterte Zuschauer feiern Tourstart von Europas größter Musicalgala – Mehr als 40 Künstler und Live-Orchester auf spektakulärer 500 qm-Bühne – Finale mit brandneuem Musical ROCKY – Prominente Gäste in der 02 World Hamburg beeindruckt von Ausnahme-Inszenierung

Hamburg- Mit Standing Ovations hat das Publikum gestern Abend, am 4. Februar 2012, in der 02 World Hamburg den Tourauftakt von BEST OF MUSICAL – GALA 2012 gefeiert. Unter den rund 5.000 Premierenzuschauern waren auch zahlreiche prominente Gäste und ließen sich von den Highlights der beliebtesten Musicals mit den Top-Solisten der Original-Produktionen von Stage Entertainment begeistern. So genossen den spektakulären Premierenabend unter anderem Schauspielerin Stephanie Stumph, die 26-malige Deutsche Meisterin der Rhythmischen Sportgymnastik Magdalena Brzeska, die Girl-Band Queensberry und der amerikanische Disney-Star Matthew „Mdot“ Finley.

Die Premierenvorstellung wurde immer wieder von Szenenapplaus für die Solisten, das Live-Orchester und das gesamte Ensemble, insgesamt mehr als 40 Künstler auf der 500 qm großen Bühne, begleitet. Fast drei Stunden dauert die Neu-Inszenierung von BEST OF MUSICAL und steht in diesem Jahr unter dem Motto „Movie Meets Musical“. Die Produktion begeistert mit großen Ensemblenummern und romantischen Balladen aus bekannten Filmen wie Dreamgirls, Disneys Der König der Löwen, Tanz der Vampire, Rebecca, Dirty Dancing, Mamma Mia!, Tarzan, einem bezaubernden Disney-Medley und bekannten Songs aus Burlesque und Moulin Rouge sowie Sister Act. Europas größte Musicalgala besticht außerdem durch aufwändige Original-Kostüme, beeindruckende Projektionen und Spezialeffekte.

Höhepunkt der Show am Premierenabend war das Finale! Erstmals gab es einen Eindruck von dem für November 2012 angekündigten brandneuen Musical ROCKY. Und zum Schluss: Strahlende Gesichter, tosender Applaus und Standing Ovations für eine Musicalgala der Extraklasse.  

„Pia Douwes begeistert mich“, schwärmt Magdalena Brzeska „Sie in so vielen verschiedenen Rollen zu sehen, ist ein einzigartiges Erlebnis“. Carsten Spengemann stimmt in den Lobgesang mit ein: „Einfach großartig! Das Liveorchester auf der Bühne bildet den Rahmen dieser perfekt arrangierten Produktion.“ Und Leonore Bartsch von der Band Queensberry schwärmt: „Hier ist der Name Programm: ganz großes Kino!“ Auch der amerikanische Disney-Star Matthew „Mdot“ Finley zeigte sich begeistert: „Wow! Great show! I love it!“

Von Hamburg aus geht BEST OF MUSICAL – GALA 2012 bis einschließlich 18. März 2012 auf Tournee in elf weitere deutsche Städte. Karten für alle Gastspielorte sind telefonisch unter 01805/4444 (0,14 €/Min. aus dem dt. Festnetz, abweichende Tarife aus den Mobilfunknetzen sind möglich), im Internet unter www.musicals.de und an den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Die Tickets kosten zwischen € 29,90 und € 84,90 zzgl. Gebühren, Kinder bis einschließlich 14 Jahre erhalten eine Ermäßigung von 20 Prozent.

Tourdaten

Mannheim      SAP Arena   06. und 07. März 2012

Frankfurt        Festhalle    13. und 14. März 2012

BEST OF MUSICAL – GALA 2012 Tickets & Informationen unter 01805 – 44 44* oder www.musicals.de *(0,14 €/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreis max. 0,42 €/Min.)

Zum Video:

 

08.02.2012


Best of Musical Gala 2012 in der SAP Arena Mannheim

die vier Hauptdarstellerinnen in MOULIN-ROUGEbk.Mannheim- Gestern Abend war es wieder so weit – die neue Aufführung der beliebten “Best of Musical Gala 2012” wurde auf der Bühne in Mannheim vorgestellt. Über 150 Personen sorgten hinter den Kulissen dafür, das die Vorstellung problemlos über die Bühne gehen konnte. Das Equipment für diese aufwendige Show wird in 17 Trucks transportiert – davon sind sechs! Trucks mit Beleuchtung und Truss (Trage- und Aufbaukonstruktionen in der Veranstaltungstechnik) beladen, sechs Trucks für die Bühnendekoration, zwei Trucks für Soundtechnik, ein Thermotruck für die Orchesterinstrumente (damit sie keine Frostschäden bekommen), ein Truck für je vier Waschmaschinen und Wäschetrockner sowie das gesamte Merchandisematerial und Büroequipment und weiterer Truck für alle Kostüme. Der Aufbau für eine Veranstaltung dauert 36 Stunden – der Abbau dagegen nur sechs Stunden.

Tanz der VampireErwartungsfroh strömten die Besucher in die Halle und bekamen ein grandioses Opening zu sehen – mit „Hunderttausend Watt“ wurden sie gleich auf den Abend eingestimmt. Als nächstes begeisterten die „Dreamgirls“ mit ihren fantastischen Stimmen. Ein absolutes Highlight waren Ausschnitte aus dem erfolgreichsten Musical „König der Löwen“. Allerdings war auch der Auftritt der Vampire aus „Tanz der Vampire“ grandios. Die schauspielerische Leistung aller Darsteller, verbunden mit dem wunderbar vorgetragenen Gesang, sorgte für Gänsehaut bei den Zuschauern. Dann betrat Pia Douwes die Bühne – „Rebecca“  stand als nächstes auf dem Programm. Ihre kristallklare Stimme in Verbindung mit ihrem Auftritt – ein weiterer absoluter Höhepunkt. Quirlig und bunt wurde es dann mit „Dirty Dancing“ – die Freude der Mitwirkenden beim Tanzen übertrug sich auf die Zuschauer und die berühmte Szene, bei der Johnny Baby über seinem Kopf schweben lässt, ließ die Zuschauer aufseufzen – so viele schöne Erinnerungen kamen zurück. Genau so bunt und mitreißend war der Auftritt von Elisabeth Hübert, Pia Douwes, Alexander Klaws, Yngve Gasoy-Romdal und DMJ mit dem super aufgelegten Emsemble bei „Mamma Mia“. Beschwingt ging es dann in die Pause – und wohin man auch schaute – alle Zuschauer hatten den grauen Alltag bereits zu diesem Zeitpunkt weit hinter sich gelassen und waren bestens gelaunt.

Alexander Klaws als TarzanNach der Pause eröffnet „Tarzan“ mit einer großen Affengruppe den zweiten Teil. Akrobatisch auf höchstem Niveau mit einem (wie bereits den ganzen Abend ) schönen Bühnenbild. „Rapunzel – Neu verföhnt“ begeisterte die Zuschauer ebenso wie das „Disney Medley“. „Burlesque/Moulin Rouge“ – ein weiterer absoluter Höhepunkt an diesem an Höhepunkten wirklich reichen Abend – die fantastischen Sänger und die absolut professionellen Tänzer – ein Augen- und Ohrenschmaus. „Sister Act“ rundete die Vorstellung ab – zu diesem Zeitpunkt hielt es keinen Besucher mehr auf seinem Stuhl – Standing Ovations für einen Abend außerhalb des Gewöhnlichen belohnten alle Mitwirkenden, die daraufhin noch einen Titel aus „Rocky“ vorstellten.

Heute Abend haben Sie noch einmal die Möglichkeit, sich in Mannheim selbst davon zu überzeugen, wie gelungen diese Veranstaltung ist. Die nächsten Vorstellungen sind in Leipzig am 09. bis 11. März, dann folgt Frankfurt am 13. + 14. März und der Abschluß ist in Köln am 16. + 18. März.

Lassen auch Sie sich verzaubern! Foto: Stage Entertainment

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07.03.2012


“Blueprint” im Theater am Puls in Schwetzingen

cr. Speyer. Eine Theaterpremiere der besonderen Art steht am Samstag, dem 14. Januar 2012 um 20.00 Uhr auf dem Spielplan des Städtischen “theaters am puls” im Bassermann-Haus in der Schwetzinger Marstallstraße. Dann geht nämlich Tatjana Rese’s Drama “Blueprint” - die Bühnenfassung des Erfolgsromans der in Speyer geborenen und heute in Lübeck lebenden Autorin Charlotte Kerner über die Bretter des kleinen, aber feinen Theaters.

Das Ein-Personen-Stück - gespielt von Beate Krist - beschreibt in der Inszenierung von Joerg Steve Mohr das Schicksal der Komponistin Iris, die an einer unheilbaren Krankheit leidet und sich deshalb dazu entschließt, sich selbst klonen zu lassen, um damit ihr außergewöhnliches Talent der Welt zu erhalten. Iris und ihre Tochter Siri werden dadurch zu eineiigen Zwillingen und sind doch zugleich Mutter und Tochter. Als “blueprint” - als Kopie der Mutter - lebt Siri zunächst ein von ihrer Mutter bereits vorgelebtes Leben, bis Siri hinter das Geheimnis ihrer eigenen Identität kommt.

Als “einen der aufregendsten Beiträge zur Diskussion um die Gen-Technologie” - so charakterisierte die “Saarbrücker Zeitung” das inzwischen bereits in der 3. Auflage erschienene Werk. Der bereits im Jahr 2000 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis und in der Folge mit vielen anderen Auszeichnungen “geschmückte” Roman geht - wie jetzt auch die dramatisierte Bühnenfassung - auf die Möglichkeiten und Grenzen der Reproduktion des menschlichen Genoms ein und überschreitet so die Grenzen zwischen Realität und Fiktion - ein literarisches Genre, das die Autorin und Wissenschaftsjournalistin Charlotte Kerner bei zahlreichen ihrer Werke - zuletzt bei “Jane reloaded” - immer wieder in spannender Weise umsetzt.

Der SPEYER-KURIER hat in seinem “Interview der Woche” vom 5. Dezember 2011 Charlotte Kerner und ihr inzwischen viele Titel umfassendes literarisches Oeuvre ausführlich vorgestellt.

Weitere Vorstellungen von “Blueprint” im “theater am puls” in Schwetzingen am 27. Januar, am 26. Februar und am 17. März 2012. Foto: theater am Puls

11.01.2012


“Theatermagier” Achim Freyer hat sein Spiel gewonnen

Mewes, Jesatko, Müller

Mannheimer “Rheingold” verspricht gelungene Tetralogie

von Gerhard Cantzler

Hat der “alte Theatermagier” es doch wieder geschafft und sein Spiel gewonnen - Achim Freyer, der am Samstag abend nach der Premiere des “Rheingold” von Richard Wagner am Nationaltheater in Mannheim - genau wie sein ganzes Ensemble - frenetisch gefeiert wurde. Viele - an manchen Tagen sogar er selbst (Vergl. SPEYER-KURIER “Interview der Woche - Achim Freyer” vom 19.10.2011) - hatten zuvor gezweifelt, ob es überhaupt möglich sein könnte, einen so komplexen Stoff wie den “Ring des Nibelungen” in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit und dann auch noch ganz unter dem Eindruck einer anderen, überaus erfolgreichen “Ring”-Produktion - der von Los Angeles - noch einmal - anders und nicht weniger schlüssig - auf die Bühne zu bringen. Nach dem ersten Abend der Tetralogie weiß man, dieser “Ring” wird ein Ereignis - Mannheim als “Wagner-Spielort” ist wieder Spitze und auf das Wagner-Jahr 2013 bestens vorbereitet.

Das Geheimnis dieses Erfolges: Achim Freyer verzichtet aus Zeit- und wohl auch aus Kostengründen auf opulente - das Auge korrumpierende - Bühnenbilder und rückt statt dessen die Menschen und ihre Interaktionen in den Mittelpunkt - in ihren Handlungen nur von wenigen, stützenden Versatzstücken auf der Bühne verstärkt. Trotz der knappen Probenzeit verwendete Freyer dann allerdings wohl viele Stunden auf die Lichtführung, die auch in dieser Inszenierung viele Handlungsstränge und Requisiten vollwertig zu ersetzen vermag. Dazu die Drehbühne, die in ihrer quälenden Langsamkeit den Lauf der Erdenscheibe zu symbolisieren vermag - auf ihr Figurinen, die die Protagonisten des Stückes widerspiegeln.

Wie bei Achim Freyer gewohnt, kommen auch bei dieser “Rheingold”-Produktion das Bühnenbild und die Kostüme aus einer, aus seiner Hand, und dienen ihm, ebenso wie das ausgeklügelte Lichtkonzept, als Werkzeuge bei der Umsetzung seiner beziehungsreichen Personenregie. Weiß und Schwarz - Gut gegen Böse bestimmt die Szenerie, Vergrößerungen bis ins Groteske - wie bei den Geschlechtsmerkmalen der Rheintöchter, aber auch wie bei Fafner und Fasolt, dem Riesengeschlecht - Verkleinerungen wie bei den Zwergen Alberich und Mime - intelligent gemacht durch Stilmittel, wie sie Freyer gerne benutzt: Übergroße Körperaufbauten einerseits, künstlich erzielte Verkleinerungsposen durch die an den Knien angesetzten Füße andererseits.

Natürlich - wer könnte es ihnen angesichts der geringen Probezeiten verdenken - konnte es dem einen oder anderen Darsteller unterlaufen, dass er die rechte Hand und den linken Arm verwechselte, als Wotan dem Zwerg Alberich den ominösen Ring entwindet. Aber sonst? Viele gelungen umgesetzte Einfälle: Die Rheintöchter im Eingangsbild, in luftiger Höhe wie auf überdimensionalen Schaukeln schwebend, die Projektion der Göttin Erda auf ein ikonenhaft vom Schnürboden herab gelassenes Medaillon projiziert - Achim Freyer hat sich mit diesem “Rheingold” - wie so oft in seinem langen Leben als Regisseur - ein gigantisches Märchen geschaffen, mit viel berührendem Ernst, aber auch nicht ohne das eine oder andere ironische Augenzwinkern über das dem Stoff und der Musik innewohnende Pathos.

Auch musikalisch glänzt dieses “Rheingold” mit durchgängig hoher Qualität: Eine Ensemble-Leistung, die keine Vergleiche scheuen muss. Natürlich, wenn es möglich ist, fast alle Partien aus dem eigenen Haus zu besetzen, dann können nicht alle Solisten, die vielleicht schon am nächsten Tag wieder italienisches oder französisches Fach singen müssen, den besonderen Ansprüchen an Timbre und Durchschlagskraft genügen, die ein Richard Wagner nun einmal stellt. Die Sänger der Hauptpartien - und gibt es anderes als Hauptpartien im “Rheingold”? - aber waren für die Besonderheiten des Wagner’schen Duktus bestens präpariert: Thomas Jesatko, - inzwischen auch “Bayreuth-gestählter” Haus-Bass-Bariton in Mannheim - der sich - der obersten Gottheit Wotan angemessen - mit edlem, lyrisch eingefärbtem Timbre präsentierte, sollte nun aber doch hervorgehoben werden. Ansonsten kann man fast ausnahmslos alle Mitwirkenden auf ein gleiches , hohes Niveau stellen: Thomas Berau als Donner, Simone Schröder als Erda sowie die beiden, naiv-dümmlichen “Riesen” In-Sung Sim (Fafner) und Hans-Peter Scheidegger (Fasolt). Sie überzeugten durch ihre Agilität, ihre großartige Spielfreude - auch auf der Hinterbühne - ebenso wie die beiden mit heldisch-hellem Timbre ausgestatteten Tenöre Uwe Eikötter als Mime und Jürgen Müller als Loge, letzterer wie ein im Wortsinne roter Faden durch den Abend führend. Bleibt Karsten Mewes zu benennen - ein darstellerisch durchgängig quirrliger und auch stimmlich rundherum überzeugender Alberich.

Bei den Damen fanden die Rheintöchter Katharina Göres, Anna-Theresa Moeller und Andrea Szánto - aus luftiger Höhe herab singend - erst nach und nach zu ihrem ganzen Können - kein Wunder, wenn sich unter einem ein Angst einflößender Abgrund von gut zehn Metern bis zum Bühnenboden auftut. Tief bewegend Simone Schröder als die die heraufdämmernde Tragödie vorhersehende Erda. Edna Prochnik schließlich als Fricka und Juhan Tralla als Froh rundeten eine überzeugende Ensembleleistung ab, die durch ihre durchgängige Qualität und weniger durch andernorts oft störendes Leistungsgefälle überzeugte.

Auch das Orchester der Mannheimer Oper präsentierte sich einmal mehr prächtig disponiert - GMD Dan Ettinger - sicher auch ein Aspirant für “höhere Wagner-Weihen” - zeigte sich wohl beeindruckt von der Monumentalität der fast leeren Bühne über sich und präsentierte einen Wagner - eher schlank und ohne überflüssiges “Fett” - frei von unnötigem Pathos - vielleicht sogar ein ganz klein wenig distanziert. Dem Premierenpublikum gefiel diese Interpretation - es dankte den Musikern, die Achim Freyer in der Dramaturgie der “Vorhänge” gleichberechtigt mit Sängern und Leitungsteam auf die Bühne holte, langanhaltend und herzlich. Da waren dann übrigens auch schon wieder die kleinen “Kiekser” der Hörner vergessen - die “Glücksspiralen” waren halt an diesem Abend nicht immer eins mit ihren Spielern.

Die Mannheimer Opernfreunde erlebten mit dem neuen “Rheingold” einen fasziniereden Opernabend. Das konnte auch ein flegelhafter Zwischenrufer nicht trüben, der - nach dem Motto “Wenn ich auch selbst nichts kann, dann will ich doch wenigstens einmal auffallen” meinte, ungefragten Kommentar geben zu müssen. Früher hätte man so einen einfach aus dem Saal geworfen - heute ist das Publikum toleranter und quittierte seine unqualifizierte Einlage mit allem übertönendem, lang anhaltendem Applaus für das gesamte Ensemble. Fotos: © Hans Jörg Michel

01.11.2011


Vorhang über dem Mannheimer “Rheingold” gelüftet

cr. Mannheim. Jetzt ist es also bald soweit: Am kommenden Freitag, dem 28. Oktober 2011 um 19.30 Uhr hebt sich im Nationaltheater Mannheim der Vorhang zur Premiere von “Rheingold”, des ersten Teils der mit Spannung erwarteten Neuinszenierung von Richard Wagners “Ring des Nibelungen”. Wohl nie zuvor ist eine Produktion an dem traditionsreichen Haus unter so spektakulären Bedingungen entstanden - Starregisseur Achim Freyer, kürzlich erst zum “Opernregisseur des Jahres” gewählt, hatte die Produktion kurzfristig übernommen, nachdem Christoph Nel kurz vor der Sommerpause ausgestiegen war. Eigentlich “ein Ding der Unmöglichkeit”, wie viele Experten meinten. Was Achim Freyer selbst von diesen Umständen hält, hat dem SPEYER-KURIER in einem ausführlichen “Interview der Woche” dargelegt

Am Dienstag nun war Generalprobe für “das Rheingold”. Die Bühnenfotos, die uns das Nationaltheater Mannheim freundlicherweise zur Verfügung stellte, sollen den Leserinnen und Lesern des SPEYER-KURIER einen ersten Eindruck von dieser Opernproduktion vermitteln - aber: Selber hingehen - selber ansehen ist ohne Alternative. Deshalb ist doch in den kommenden Wochen mal wieder ein Opernabend angesagt, oder? Alle Fotos: Hans Jörg Michel

 

25.10.2011


LiveZeit brilliert mit skurriler Komödie

jüs.Speyer. Mit ihrer neuen Komödie „Liebling es ist angerichtet“ präsentiert die Theatergruppe der Protestantischen Kirchengemeinde Schwegenheim ihrem Publikum ein Menü der Extraklasse. Das kurzweilige Stück aus der Feder der Autorin Uschi Schilling ist ein Feuerwerk der verbalen Genüsse und voll von Situationskomik, angereichert mit schonungsloser Selbstironie und gewagten Pointen. Die Schwegenheimer Schauspieler von LiveZeit setzen das Stück mit viel Spielfreude professionell und gekonnt um und schaffen es bereits in der ersten Szene, den eignen Spass am Stück an das Publikum weiterzugeben.

Die Boulevard-Komödie in drei Akten erzählt die Geschichte von Julia Sander, die  eigentlich im Innendienst bei der Sitte arbeitet und unerwarteter Weise von ihrer Tante Frieda eine Pension erbt. Die ist in Wirklichkeit allerdings ein Freudenhaus mit bunten und skurrilen Bewohnern als Mieter, wunderbar und detailverspielt von den Akteuren dargestellt. Als die neue Besitzerin in Begleitung ihres Verlobten Horatio Schmölzer ihr Erbe begutachten will und sogar wegen einem Rohrbruch zuhause einige Tage in der geerbten Pension wohnen möchte, haben die Bewohner alle Hände voll zu tun, die Wahrheit des Etablissements zu vertuschen... Foto: jüs

 Zum Making-Of-Video 

27.09.2011


Jona und die Kurrendesänger

Kinderchor der Gedächtniskirche mit Kinder-Musical

cr. Speyer. Mit einer in jeder Beziehung gelungenen, ganz entzückenden Musical-Fassung der alttestamentarischen Legende vom Propheten Jona präsentierte sich jetzt in gleich zwei restlos ausverkauften - fast möchte man sagen - übervollen Vorstellungen der Kinderchor der Kantorei an der Gedächtniskirche im Martin-Luther-King Haus in Speyer. Nicht nur Eltern, Großeltern und Verwandten ging das Herz auf bei so viel geballter Musizier- und Spielfreude, wie sie die kleinen Künstler - jeder einzelne im Rahmen des seinem Alter gemäß Leistbaren - mit Begeisterung über die Rampe brachten.

Simone Pepping-Sattelberger und ihr Mann, Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger hatten es unternommen, den Stoff in eine Kindgerechte Fassung zu gießen und ihn dann auch noch mit sparsamsten Mitteln, aber doch in jeder Phase bestens verständlich, in Szene zu setzen. Eine gewaltige Herausforderung an die beiden Musikpädagogen, bei der sie zeigen konnten, wie weit es ihre kleinen Sängerinnen und Sängern in der kurzen Zeit seit Gründung des Chores schon gebracht haben. Eine gewaltige Herausforderung aber auch, wenn man bedenkt, wie schwierig es oft schon ist, zwei oder drei Kinder in diesem Alter “im Zaum zu halten” und was es bedeutet, “eine halbe Hundertschaft” sicher und diszipliniert durch das gut anderthalb Stunden dauernde Stück zu führen.

Es ist die Geschichte des Propheten Jona - sängerisch und mimisch gekonnt dargestellt von Anna Schmidl - der, ungehorsam gegenüber seinem Gott, statt die Bürger der sündigen Stadt Ninive zur Umkehr zu mahnen, sich lieber übers Meer davon machen will (“Nach Spanien wollte ich längst schon einmal reisen...”), dann aber nach einem Sturm, in dem er die Stimme seines Gottes wieder erkennt und sich selbst zum Opfer für die Schiffsbesatzung anbietet, im Bauch eines Walfisches landet, der ihn dann - ausgerechnet am Meeresstrand bei Ninive - wieder ausspeit, so dass er seinem Auftrag, die sündige Stadt zu bekehren, am Ende doch noch nachkommen kann. Happyend muss sein - gerade auch im Kindermusical.

Vom Vorschul- bis zum jungen Erwachsenenalter präsentierten sich die jungen Sängerinnen und Sänger in zum Teil mitreißenden, rhythmisierten Songs, in die hin und wieder auch das Auditorium einstimmen konnte. Vom “heiligen”, choralmäßigen Ton der “Gottesstimmen”, von älteren Chorsängerinnen qualitätvoll dargeboten, über die raubeinig daherkommende Schiffsbesatzung, mit der Jona zu entkommen versucht, jede Gruppe zeigte ein vorzügliches, altersgemäß stimmliches Können und ungemein viel Spaß beim Agieren auf der Bühne. Den Sattelbergers wächst hier ein Nachwuchs für ihre verschiedenen Chorformationen heran, auf den man sich jetzt schon freuen darf.

Das zeigte sich auch bei der “majestätischen Gruppe” aus König Friedenslicht (Felix Cantzler), Königin Niezufrieden (Hannah Daniel) und Prinzessin Ziemlichzickig (Marie Beck), der ewig tanzwütigen Königstochter, ständig auf der Jagd nach einem geeigneten Ehemann. Besonders der König löste mit seinem durchaus anspruchsvollen und ausdrucksstarken Auftritt - zwischen Rapper und Chorknabe angesiedelt - im Saal wahre Begeisterungsstürme aus.

Viele wären noch zu benennen, die die beiden Vorstellungen für die Zuschauer - aber sicher auch für die Mitwirkenden selbst - zu einem unvergesslichen Erlebnis machten: Stellvertretend sei noch die eindrucksvoll für Gewitter und Sturm sorgende “Gewitter-AG” genannt und - nicht zu vergessen - die Jimmy Hering Retscher Experience Band - die gemeinsam mit Robert Sattelberger am Keyboard für die instrumentale Ummalung des abwechslungsreichen Musicals sorgten.

Ein überaus amüsanter Nachmittag für Zuhörer und Zuschauer, für den man sich - ganz im Stile des ausgelegten Programmes - eigentlich bei allen bedanken möchte, die sich vor und hinter den Kulissen, auf und neben der Bühne für das Zustandekommen und das Gelingen dieses - wie würde es Reinhard Mey sagen - herrlichen “Stücks Musik, von Hand gemacht” eingesetzt haben. Fotos: sc

18.09.2011


„Die Bännelhosse“

Theatergruppe  Dudenhofen mit Welturaufführung

von Franz Gabath

Dudenhofen- Viele der zahlreichen Besucherinnen und Besucher in der Festhalle in Dudenhofen dürften sich zuerst unter der „Bännelhosse“ nicht unbedingt gleich etwas vorstellen gekonnt haben. Dass es sich dabei um ein figurbetonendes Kleidungsstück, vornehmlich von Damen unter Hosen, aber auch zur Stimulierung ihres Gatten, getragen wird, wurde aber dann gleich zu Beginn der fast dreistündigen Vorstellung klar.

Und diese Kleidungstück, das mit minimalstem Stoff-oder Seidenaufwand auskommt:vorne wennisch- hinne nix“, sorgte dann für allerlei Verwirrung und Missverständnisse.

Heribert Schieser, alias Volker Werling, ein eigentlich durch und durch solider Ehemann ist in Schwierigkeiten. Um es seiner Frau Monika, alias Gabriele Gräfe, leichter zu machen zu ihrer kranken Mutter zu fahren, schwindelt er sei auch er sei nicht zu Hause, sondern auf Geschäftsreise in Berlin. So kommt er zu dem Schluss „geschäftlich bin ich eigentlich in Berlin – geschlechtlich aber in Dudenhofen“! Diese Geschäftsreiselüge hat ungeahnte Folgen. Kaum ist seine Frau zu ihrer kranken Mutter gefahren, rückt ihm die beste Freundin seiner Frau Silva, gespielt von Sieglinde Körner, deren Mann Mattias, gegeben von Heinrich Dennhardt, sich wirklich auf Geschäftsreise befindet, auf die Pelle. Die Versuchung, seiner attraktiven Nachbarin zu erliegen, ist für Heribert zwar riesengroß, doch er wiedersteht standhaft allen Versuchungen.

Und dann beginnt das Verwirrspiel. Silvia lässt auf dem Sofa von Heribert einen ominösen String liegen den ihr ihr Mann geschenkt hat. Er sollte eigentlich zur Verführung des standhaften Heribert dienen. Die früher vom Urlaub heimgekommene polnische Hausangestellte Mandy, Alexa Volk, findet die "Bännelhosse", zieht die falschen Schlüsse und macht ihrem Chef erpresserisch die Hölle heiß. Nachdem der vermeintlich  gehörnte Ehemann, früher von der Geschäftsreise zurück, auftaucht mutmaßt Mandy ein Verhältnis beider Ehemänner miteinander. Als dann noch ein Einbrecher, Günter Krieger, so wie der Geliebte von Mandy, Walter Schweickert, auftauchen, nimmt das ganze Schicksal seinen kuriosen Verlauf. Die eine Bännelhos geht immer wieder verloren, dann plötzlich tauchen deren Zwei auf – Überraschung folgt auf Überraschung – Pointe auf Pointe. Natürlich, wie bei all solch köstlichen Verwirrstücken, lösen sich zum Schluss alle Irrungen und Wirrungen auf und es herrscht wieder eitel Sonnenschein unter allen Akteuren.

Die Zuhörerschaft kommt aus dem Lachen nicht heraus. Im wahrsten Sinn des Wortes mussten sich Manche den Bauch vor Lachen halten. Stürmischer Szenenapplaus, als auch am Schluss der Vorstellung,  zeigt die Begeisterung der Zuschauer.

Das Stück stammt aus der Feder von Edeltraut Müller, einer Schauspielerin vom Ludwigshafener Prinzregentheater die schon mehrere Stücke geschrieben hat und auch sonst schriftstellerisch tätig ist. Die Aufführung in Dudenhofen war nicht nur die Premiere der Theatergruppe Dudenhofen in dieser Spielzeit. Die „Bännelhosse“ wurde überhaupt erst das erste Mal auf der Bühne aufgeführt. Somit erlebten die Premierenbesucher noch die Welturaufführung der „Bännelhos“. Edeltraud Müller, die selbst der Aufführung beiwohnte zeigte sich sehr beeindruckt von der Leistung der Schauspieler. Mit Einigen aus der Theatergruppe stand Edeltraud Müller schon selbst auf der Bühne und ist mit ihnen freundschaftlich verbunden ist. Auch sie brach immer wieder in schallendes Lachen aus.

Die Leistung einzelner Schauspieler herauszuheben würde den anderen nicht gerecht werden. Im musikalischen Sektor würde man sagen:“Ein hervorragender Chor mit überdurchschnittlichen Solisten die die Vorgabe ihres Dirigenten, in diesem Fall Regisseur Andreas Burger, taktgenau umsetzten. Unterstützt wurde dass Ensemble durch Brigitte Dambach und Malanie Rausch, den Damen im „Flüsterhäuschen“. Nicht zu vergessen Helmut Vögeli als Hausmeister, der die Zeit „bis der Bus kommt“ humorvoll überbrückte. Klaus Magin zeichnete für das anspruchsvolle Bühnenbild verantwortlich, Tanja Dambach steuerte die Technik und Silvia Hartz setzte die Akzente bei Maske und Frisuren.

Wer „Die Bännelhosse“ am Freitag nicht besuchen konnte hat dazu während der gesamten Spielzeit noch an einigen Terminen Gelegenheit.

Termine der weiteren Aufführungen: 16./17./18./23./24./25./30. September sowie 01./02. Oktober. Freitags und samstags um 20 Uhr und sonntags um 19 Uhr.

Mehr Infos unter: www.theatergruppedudenhofen.de Bilder fg

17.09.2011


„Zwei wie Bonnie & Clyde“ - mehr Unterhaltung geht nicht

(bb) Speyer. Ein Banküberfall ist kriminell, verwerflich, eine Straftat und kann durchaus tödliche Folgen haben. Mit Björn Luithardt und Dominique C. Fürst macht ein Banküberfall – was heißt ein Banküberfall? –, machen drei Überfälle an einem Abend, laut Regieanweisung von Freitag bis Montag, viel Spaß. Die gehen nämlich auf sehr humorvolle Weise voll daneben.

Manni, der angibt, wie die Überfälle ablaufen sollen, und Chantal, eine anscheinend dumme und begriffsstutzige Tussi, sorgen mit dem Mehr-Akter „Zwei wie Bonnie & Clyde“ vom ersten Wort bis zum letzten Vorhang ausschließlich für Heiterkeit. Das Publikum muss fast unaufhörlich lachen – und wie!

Es fängt damit an, dass Manni und Chantal jubelnd ob ihres Erfolges mit einer Plastiktüte, vermeintlich voll Geld, in eine verlassene Lagerhalle kommen, in der sie untertauchen, und in den Radionachrichten hören, dass zwei Bankräuber anstatt der Tüte mit dem Geld, das sie erbeuteten, die Einkaufstüte einer Kundin versehentlich mitgenommen haben.

„Hast Du das gehört von den beiden Idioten?“, fragt Manni. Wie dämlich, aber auch! Nun, als „Bonnie & Clyde“ ihre Beute zählen wollen, packt Chantal die Tüte aus: zwei Rollen Klopapier, zwei Fertiggerichte und ein Pfund Kaffee... Was dann folgt sind herrliche Sketche: Weitere Banküberfälle werden übungshalber durchgespielt, bei denen Chantal sich immer wieder „dumm“ anstellt, den Manni zur Verzweiflung bringt, und zwar so, dass das Publikum schon fast weinen muss vor Freude.

Klar, dass der letzte Banküberfall ebenfalls danebengehen muss. Dazu beigetragen hat unter anderem die Strumpfmaske von Manni. Statt einer reißfesten Strumpfhose verpasst ihm Chantal eine schwarze blickdichte Strumpfhose. So geht beim Überziehen dieses Teils aus der „Sicht“ des Räubers plötzlich das Licht in der Bank aus...

Schließlich wird das Räuber-Duo in der Lagerhalle fündig: eine Plastiktüte mit zig tausend Euro fällt ihnen in die Hände und nun geht's ans gegenseitige Austricksen. Am Schluss ist Manni der Dumme und Chantal macht sich mit der Kohle auf und davon. Bevor Manni schnallt, was abgeht, hat die Polizei den Schuppen umzingelt...

Schade, dass nur wenige Leute den Weg ins Ägidienhaus gefunden haben. Nicht nur Björn und Dominique, haben eine unterhaltsame Meisterleistung vollbracht, auch die Regisseurin Melanie Spielmann unterstrich mit der Aufführung ihr Können. (Foto: sim)

08.09.2011


Piratten auf großer Fahrt im Ägidienhaus

(jüs) Speyer Die Piratten sind los im Speyerer Ägidienhaus, und manchem jungen Zuschauer wird es da schnell auch mal mulmig, wenn er mit der Besatzung der „Stumbraut“ unter dem Kommando von Ratten-Käpt’n Kralle vor der Küste Spaniens und Afrikas auf große Fahrt geht. Der hat mit seiner Besatzung gerade eine spanische Prinzessin entführt und will von deren Vater natürlich ein großes Lösegeld erpressen,  „grad so wie es die Pirattenehre verlangt“. Prinzessin Angelina Maria Cecilia Katharina Rateuill schafft es an Bord recht schnell, die Manschaft um den Finger zu wickeln. Selbstbewußt zeigt sie, dass sie keine verwöhnte Prinzessin und Landratte ist, sondern sich auch beim Kartenspiel locker gegen „freie Piratten“ behaupten kann. Natürlich kommt es, wie es einer Seeräuber-Geschichte mit entführter Prinzessin kommen muß: Die kleinste Piratte Pimpf und die Prinzessin verlieben sich ineinander. Dann geht alles drunter und drüber an Bord: Der kleine Pimpf erpresst Käpt’n Kralle, der sich als sein Vater entpuppt, und will ihn zwingen, die Prinzessin gehen zu lassen. Der Käp’t ist natürlich mit allen Wassern der sieben Meere gewaschen und setzt die Prinzessin mit dem Boot auf einer einsamen Insel aus und nicht an der spanischen Küste, wie alle bis dahin glaubten. Ein fataler Fehler des durchtriebenen Käpt’ns, der nicht mit der Sympathie seiner Mannschaft für Angelina gerechnet hat. Es kommt zur Meuterei und der Spiess wird umgedreht: Pimpf wird zum neuen Käpt’n, Angelina will nicht mehr zurück in ihr langweiliges Prinzessinnenleben und gemeinsam mit der Pirattenbraut segelt die Mannschaft der „Sturmbraut“ gen Afrika, um einen Goldschatz zu bergen, den Käpt’n Ratte dort vergraben hat.
Die Theater-Truppe „Pekuli Pikularum“ von Histrionia, einem jungen Tourneetheater aus Köln, hat sich bei der Umsetzung des Theaterstücks von Frank Piotraschke für Kinder viel Mühe gemacht. In einem bezaubernden und dateilreichen,  von der Speyererin Anne Dorwarth gestalteten Bühnenbild, spielen die Schauspieler mit Hingabe in beeindruckenden Kostümen hre Pirattenrollen und lassen bei Jung und Alt keine Langeweile aufkommen. Treffsicher finden die Schauspieler ihren Ton auch bei den Musikstücken, die die Szenen erweitern und verdeutlichen. Für Regie und musikalische Überbarbeitung zeichnet Dominique Christine Fürst verantwortlich. Für sie sind die Aufführungen in Speyer als ehemalige Schülerin und Mitglied des Nikolaus-von-Weis-Gymnasiums wie ein Heimkommen. Die anderen Schauspieler kennt sie aus der freien Kölner Theaterszene, teilweise aus dem Studium. Insgesamt eine harmonische Truppe, der man den Spass am Spiel anmerkt. Und so hofft man auf eine Fortsetzung von Piratten, denn schliesslich will der Zuschauer wissen, wie es mit den Prinzessin Angelina und den Piratten weitergeht.
Ein Wiedersehen mit der Theater-Truppe „Pekuli Pikularum“ gibt es bereits im Dezember. Dann kommt  sie  mit „Jim Knopf“ in die Aula des Speyerer Nikolaus-von-Weis-Gymnasiums. Foto: sim

07.09.2011


Aus künstlerischem “Supergau” könnte Glücksfall werden

von links: Dan Ettinger, Generalmusikdirektor - Regula Gerber, Generalintendantin - Achim Freyer, Regisseur und Prof. Klaus-Peter Kehr, Operndirektor

Star-Regisseur Achim Freyer übernimmt Mannheimer “Ring des Nibelungen”

von Gerhard Cantzler

Eine Neuproduktion von Richard Wagners “Ring des Nibelungen” - sie zählt schon seit der Uraufführung des vier hochgradig fordernde Opernabende umfassenden Gesamtwerks im Jahr 1876 zu den größten Herausforderungen, denen sich ein Opernhaus stellen kann. Und mehr als einmal mußten solche Produktionen auf halbem Wege abgebrochen werden, weil sich die gewaltige Aufgabe, dieses Gesamtkunstwerk für alle Beteiligten zufriedenstellend auf die Bühne zu bringen, letztlich nicht realisieren ließ.

So geschehen jetzt auch am Nationaltheater in Mannheim, wo die Leitung des Opernhauses und der für dieses Werk engagierte - 1944 in Stuttgart geborene - Regisseur und Schauspieler Christof Nel “wegen unterschiedlicher Sichtweisen, die im Arbeitsprozess nicht in Übereinstimmung gebracht werden konnten”, ihre Zusammenarbeit während der bereits laufenden Bauproben sowie den ersten Proben mit den Sängern vorzeitig beenden mußten.

Eigentlich der “Supergau” schlechthin für jedes Opernhaus - doch für die Mannheimer könnte sich diese im Grunde bedauerliche Entwicklung dank weiterer Zufälle zum “Glücksfall” wenden. Denn eigentlich wollte das Mannheimer Opernhaus seinen “Ring” in Koproduktion mit der Oper in Los Angeles herstellen und wäre damit automatisch mit einem der ganz Großen der zeitgenössischen Opernregie zusammen gekommen: Mit Achim Freyer, der in Los Angeles eine sensationelle und weltweit gefeierte Fassung des “Rings” präsentiert hatte. Doch diese Fassung nach Mannheim zu übernehmen, erwies sich rasch - aus finanziellen Gründen, aber auch wegen der völlig unterschiedlichen Bühnenformate in Mannheim und in Los Angeles - als wirtschaftlich nicht darstellbar. Das hätte einfach zu viele Um- und Neubauten erfordert, so dass eine Neukonzeption am Ende nicht nur origineller, sondern auch kostengünstiger erschien.

Doch das Thema “Ring des Nibelungen” ließ Achim Freyer damit nicht los. Das Opernhaus in Budapest konnte ihn als Regisseur für eine gemeinsame “Ring”-Produktion mit der Staatsoper in Seoul (Südkorea) verpflichten - erste Vorbereitungsarbeiten waren auch hierzu schon am Laufen - ein völlig neues und eigenständiges Inszenierungskonzept für zwei Bühnen, die wiederum nur halb so groß sind wie die in Mannheim, war fix und fertig. Doch dann wurde die Produktion, von der auch eine Verfilmung vorgesehen war, “aus kulturpolitischen Gründen”, wie es hieß, “gecancelled” - “Ein Glück für beide Seiten”, wie Achim Freyer heute betont. Denn eigentlich hoffte der 77jährige, vielbeschäftigte Regisseur nun auf etwas Ruhe, wollte sich eine Auszeit in Italien gönnen und der Leidenschaft frönen, die sein “erstes Leben” markierte - die Malerei.

Dort, an der Staffelei in Italien, erreichte ihn der “Notruf” aus der Quadratenstadt, dort konnte ihn der Mannheimer Operdirektor Prof. Klaus-Peter Kehr davon überzeugen, dass er am Nationaltheater gebraucht würde. Und - wie man es von Achim Freyer nicht anders erwarten durfte - er sagte nach kurzer Bedenkzeit zu: Aus Verantwortung dem Werk gegenüber, das er wie kaum ein anderer durchdrungen hat - und aus Zuneigung und Verbundenheit mit dem Mannheimer Opernhaus, das ihm schon so manch stilprägende Inszenierung verdankt.

Natürlich kann Freyer nur wenige Stunden nach seinem “Ja-Wort” zu dieser Produktion noch kein fertiges Regie-Konzept für “seinen neuen Mannheimer Ring” auf den Tisch legen. Wer das von ihm erwartet, nimmt Werk und Regisseur nicht wirklich ernst. Und so konnte er bei einem Pressegespräch, zu dem Generalintendantin Regula Gerber voller Stolz und Freude über ihren gelungenen “Coup” kurzfristig eingeladen hatte, einfach nur die ganze Bandbreite der Möglichkeiten anreißen, die ihm die Mannheimer Bühne - und ein “überschaubarer” Etat - für dieses Werk eröffnen: Vom mit großem Gestus daherkommenden “Ausstattungsstück” mit großer Statisterie bis hin zu einem auf Kammerspielgröße reduzierten Format, das sich einzig auf die Sänger konzentriert.

Gemeinsam mit dem musikalischen Leiter der Gesamtproduktion, Generalmusikdirektor Dan Ettinger, stellt Achim Freyer, der auch für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich zeichnen wird, ein absolut “starkes Team” dar - ein Regisseur und ein Dirigent, die ihre Sänger und Musiker nicht durch autoritäre Strenge und Disziplin, sondern vielmehr durch überzeugende Argumente, aber auch spürbare Menschenliebe zu führen verstehen.

Und so dürfen sich die Opernfreunde in Mannheim und in der Region sicher schon jetzt auf den 28. Oktober freuen, wenn der erste Teil der Tetralogie “Das Rheingold” seine Premiere erleben wird. Noch in der Spielzeit 2011/12 folgt dann der zweite Teil, “die Walküre” - die Teile drei und vier, “Siegfried” und “Götterdämmerung”, folgen in der darauf folgenden Spielzeit, so dass der neue Mannheimer “Ring” rechtzeitig zum 200. Geburtstag seines Komponisten Richard Wagner in Gänze aufgeführt werden kann. Fotos: hm

15.07.2011