Gier und Maßlosigkeit erzeugen soziale Not
Was Schauspieler und Regisseur des Ensembles der Wormser
Nibelungenfestspiele 2012 zum Stück und zur aktuellen Brisanz von
„Das Vermögen des Herrn Süß“ sagen.
Von Robert Schöpfer
Teresa Weißbach
(Herzogin Marie-Auguste): „Ich freue mich unheimlich dabei
zu sein und von all den erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu
lernen…. . Es ist mittlerweile mein zweites Engagement hier. Daran
[anhand dieses Stückes, Anm.] kann man sehen, was Macht macht, wie
Intrigen gesponnen werden, wie versucht wird zu manipulieren. Und
ich finde, dies sind alles aktuelle Themen. Die wirtschaftliche
Situation ist nicht die beste und das hat natürlich Konsequenz für
die Politik. Die Gesamtlage wirkt beängstigend. …“
Anja Kruse (Frau von
Götz): „Meine Figur hat einen schönen Bogen: Frau von Götz
mutiert von der kleinen Bittstellerin, die Geld für die Ausbildung
ihres Sohnes zusammenkratzt, zur eiskalten Geschäftsfrau, die sich
mit entsprechendem Körpereinsatz nach oben schläft und hinterher
auch den nicht mehr kennt [Jüd Süß, Anm.], der ihr damals geholfen
hat… . Das hat durchaus Bezug zur Realität. Sie ist eine
Opportunistin; dies verurteile ich moralisch sehr. Moralisch kann
man nicht immer mit den Wölfen heulen, sondern sollte auch mal
Stellung beziehen, wenn es nötig ist und man sollte nie die
vergessen, die einem dorthin geholfen haben, wo man jetzt ist.
…“
Peter Striebeck
„Isaak Landauer“: „Die Figur, die ich spiele ist, unter
anderem, Finanzmogul. Landauer warnt Süß vor unguten Entwicklungen
und vor den machtgierigen und eifersüchtigen Personen im Umfeld des
Herzogs von Württemberg, indem er auffordert, dieser möge sich
nicht allzu sehr in die Sonne stellen. Es gibt in diesem Stück
Parallelen zu unserer Finanzmisere. Ich hoffe, dass irgendjemand
die Lösung zu dieser Schuldenkrise findet- es werden zu viele
Notoperationen gemacht, mit den ganzen Rettungsschirmen, die sich
da aufspannen. Keiner weiß, wie soll das ganze Geld jemals
zurückbezahlt werden. Man braucht gute Geschäftsleute, die einem
aus der Krise helfen. Von dieser Krisensituation sind wir alle
betroffen; sie greift direkt in unser aller Leben ein. Wir spüren
es zwar alle noch nicht, aber wir befürchten es. …“
Michael Lesch „Demler,
ein Pächter“: „Das Stück spielt am damaligen
württembergischen Hof. Dieser lebt auf verschwenderischem Fuße. In
der Folge sind die Finanznöte immens, wie bei unserem Staat- dieser
gibt ja auch immer mehr aus, als er einnimmt, deshalb haben wir
diese großen Defizite; genauso wie in weiteren europäischen
Staaten. Und nun taucht dieser Joseph Süß Oppenheimer auf und sagt,
er könne ihre Finanzprobleme lösen, indem er eine allgemeine
Besteuerung der privilegierten Stände vorschlägt. Die finden dies
überhaupt nicht prickelnd, zetteln sozusagen eine Revolte gegen
diesen Mann an und geben gleichzeitig diese Steuern an die Ärmsten
der Armen weiter, also die Figur, die ich im Stück repräsentiere
und die wiederum müssen diese Steuer weiter an die Gutsherren
entrichten. Zum Schluss ändert sich zwar die Regierung, jedoch
nicht die Steuerbelastung… . Eine Gesellschaft wird aufgefressen
von Steuern… . Ich kann in diesem Bezug nur auf die wachsende Zahl
der Zeitarbeiter hinweisen. Die Vollbeschäftigung wird weniger; man
ersetzt Vollzeitjobs durch Teilzeitjobs, um die Produktivität zu
steigern und die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu
garantieren. Da kann man schon Parallelen zu heutigen Entwicklungen
ziehen. In der Geschichte wiederholt sich alles, nur unter anderen
Vorzeichen. …“
Tom Quaas: „Joseph Süß
Oppenheimer“: „Die heutige Politik bezieht Dieter Wedel in
das Stück mit ein. Ich spiele eine Figur, den findigen Kopf, das
kaufmännische Talent, einen der sich schuldig macht, dies auch
wahrnimmt und darunter leidet, aber zunehmend in die Mühlen der
Macht gerät. Das ist die Spannung an der der Rolle…. . Ich bin
angefüllt mit Informationen; er ist ja sehr belesen und kennt viele
aus Politik und Bankwesen… . Wir sind so aktuell und nun habe ich
die verantwortungsvolle Aufgabe, dies zu personifizieren- sowohl
sympathisch, als auch mit diesem kritischen Auge… . Es ist auch
interessant zu betrachten, wie haben manche ihr Geld gemacht und
vielleicht ist es auch gut, dass manche so viel Steuern bezahlen.
…“
Dieter Wedel
(Regisseur): „…wichtig ist, dass man neben dem Anspruch
auch gute Unterhaltung macht- sicherlich auch keine leichte
Zerstreuung… . Wir reden [im Stück, Anm.] über einen Finanzmakler,
der eine Vision hat und der sagt, der Staat muss aus der
Verschuldung raus, sonst kann er sich nicht mehr bewegen; es müssen
Reformen durchgeführt werden. Mit diesen Reformen bekommt er
Probleme mit denen an deren Privilegien er rüttelt. Das ist zu
allen Zeiten immer das Gleiche gewesen und die versuchen, irgendein
Mittel zu finden, um diesen Mann an den Karren zu fahren, finden es
nicht, bis sie entdecken, dass er Jude ist… . Dieser Mann wird
plötzlich über eine Hetze, die überall entsteht, in den Medien und
den Zeitungen unmöglich gemacht. Dann gibt es einen unsäglichen
Justizmord. Aber wie schwer es natürlich auch ist, Veränderungen
durchzuführen, wie leicht sich Menschen verhetzen lassen und wie
groß das Bedürfnis ist, wenn es Probleme gibt, einen Schuldigen zu
präsentieren…das haben wir in den letzten Jahren ein paar Mal
erlebt, das wird auch so weiter gehen. Es ist gut, wenn man so
etwas einmal im Theater bewusst macht. …“
„Das Vermögen des Herrn Süß“ ist eine Neufassung des Stückes
„Die Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß“ von
Dieter Wedel und Joshua Sobol (UA: Nibelungen-Festspiele 2011)
Foto: rosch
04.08.2012
Deutsche Topschauspieler zum Anfassen
Bei der Fotoprobe
im Vorfeld der Wormser Nibelungenfestspiele präsentiert sich das
Ensemble im „familiären Umfeld“
Von Robert Schöpfer
Man wandelt auf sanft beleuchteten Gartenpfaden direkt durch die
Grünanlage am Wormser Dom. Eine imposante, in alle Richtungen
verzweigte, kleine, fast schon etwas kitschig wirkende weiße
Zeltstadt mit einer kleinen Zikaden-Anlage breitet sich vor dem
Auge des Schauspielinteressierten aus. Nach etlichen weiteren
Metern führt der Weg etwas abschüssig in den Eingangsbereich des
Zuschauerbereichs hinab. Schließlich öffnet sich die optisch
imposante Kulisse der transportablen Bühne der Wormser
Nibelungenfestspiele, mit dem beeindruckenden Westchors des Wormser
Doms im Hintergrund, vor dem Betrachter. Die eigentliche Bühne hat
für ein Schauspiel enorme Ausmaße und ist zweistöckig. Eine lange,
zweigeteilte Treppe führt von diesem Bereich in die Mitte des
Auftrittsbereichs hinab. Die Zuschauertribüne ragt steil nach oben
und bietet mehr als 1200 Zuschauern Platz.
Die ersten Reihen sind jedoch an diesem Nachmittag mit Foto- und
Filmkameras besetzt, deren Besitzer eifrig Bilder-, Ton- und
Filmmaterial aufnehmen. Die eigentlichen Protagonisten der Szene,
die Schauspieler des diesjährigen Ensembles der Wormser
Nibelungenfestspiele, sowie Regisseur Dieter Wedel, unterhalten
sich angeregt mit lokal und überregional für den Kulturbereich
bekannten Zeitungs-, Rundfunk- und Fernsehjournalisten.
Alljährlich geht es vor dieser Festspielkulisse vertraut,
familiär, dabei effektiv und professionell zu, wenn die
Bereichsleitung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der
Nibelungenfestspiele gGmbH der Stadt Worms, allen voran die
sympathische und effizient arbeitende Monika Liegmann, die
Mitarbeiter von Zeitung, Funk und Fernsehen zur Medienprobe, das
heißt zu einem Gesamtdurchlauf des aktuellen Stückes lädt. „Wir
bemühen uns allen Pressemitarbeitern einen idealen Rahmen für Ihre
Berichterstattung zu geben“, weiß die sowohl eloquente, als auch
bei allen Mitwirkenden sehr gern gesehene Festspielsprecherin aber
auch, dass ein über die vergangenen Jahre ausgezeichnet
eingespieltes Team ihren Rücken stärkt. Zuvor ist eine
traditionelle Interviewrunde angesagt. Bekannte Schauspieler wie
Tom Quaas, der ehemalige „Landarzt“ Walter Plathe, „Kaspar Hauser“,
der Wormser André Eisermann, Charakterdarsteller Dieter Laser,
Peter Striebeck säumen die Szene und sind in der Nibelungenstadt
dabei, wenn „Das Vermögen des Herrn Süß“, am heutigen Freitagabend
seine Premiere haben wird. Anja Kruse, die aus vielerlei deutschen
Produktionen wie der „Schwarzwaldklinik“ oder dem „Forsthaus
Falkenau“ bekannt ist, die frühere Hauptfigur der ARD-Serie „Der
Fahnder“, Michael Lesch und hoffnungsvolle Talente wie Henrike von
Kuick, Marie Zielke und Teresa Weissbach lassen ebenfalls Vorfreude
auf die Neuinszenierung des Stückes aus dem vergangenen Jahr- „Die
Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß“-
aufkommen.
Der langjährige Festival-Regisseur Dieter Wedel hat den Anspruch
das Besondere zu wagen. Mit diesem Stück sucht er im Jahre 2012
nach den Zusammenhängen zwischen historischen und aktuellen Krisen
aus der ästhetischen Sichtweise der frühen dreißiger Jahre des
vorigen Jahrhunderts; damals sorgte der Zusammenbruch der Banken
für den Ruin der Gesamtsystems. Es geht um den „Tanz um den Vulkan“
vor seinem Ausbruch, um Intrige, Verschwörung, gnadenlosen
Opportunismus, Antisemitismus und Justizmord. „Geld verdirbt nicht
den Charakter, es zeigt den Charakter…“, bringt Wedel die aktuelle
Brisanz seines Stückes auf den Punkt.
„Das Vermögen des Herrn Süß“ wird vom 3. Bis 19. August am
Westchor des Wormser Doms aufgeführt. Einlass ist 20:15 Uhr,
Beginn: 20:45 Uhr. Tickets gibt es sonntags bis donnerstags von 29
bis 89 Euro und an Freitagen und Samstagen von 39 bis 99 Euro,
unter der Tickethotline 01805/337171 sowie unter www.nibelungenfestspiele.de.
Inhaber der CLEWR CARD erhalten 10% Ermäßigung auf zwei
Eintrittskarten bei Buchung über 01805/337171 sowie beim
TicketService Worms. Rollstuhlfahrer buchen ihre Tickets
ausschließlich unter 06241/2000-450 oder unter tickets@nibelungenfestspiele.de.
Wird eine Übernachtung oder spezielle Arrangements, wie
beispielsweise das „Nibelungen-Dinner“ oder das „Essen im Park“
gewünscht, sind diese unter 06241/2000-334 zu bestellen.
Weitere Informationen über das Gesamtprogramm des Festivals gibt es
ebenfalls unter der offiziellen Homepage.
03.08.2012
Musical-Chor „Euro Voices“ probt für „Musical Swings“
„Bitte Einsteigen“ beim
neuesten Projekt des GV Lyra Speyer
Echte Musicalstimmung kommt auf, wenn der bekannte Musicalchor
„Euro Voices“ der Lyra Speyer für sein nächstes großes Konzert am
15. September im Bürgerhaus Ludwigshafen-Oppau probt. Treffpunkt
ist jeden Mittwoch um 20 Uhr in der Cafeteria des Seniorenstifts im
Mausbergweg 110 in Speyer.
Allen Interessierten, die Spaß am Singen haben, sich aber nicht
gleich fest einem Verein anschließen möchten, bietet sich durch das
aktuelle Chorprojekt die Möglichkeit, an einem der bekannten
hochklassigen Konzerte des Chors teilzunehmen.
Das Motto „Musical Swings“ steht für eine Kombination aus
Musicalhighlights wie dem „Phantom der Oper“, „Tarzan“, „Tanz der
Vampire“ und vielen anderen sowie mitreißenden Swingklassikern. Wie
immer werden die Sängerinnen und Sänger von einem hochklassigen
Orchester, gebildet aus Berufsmusikern des Nationaltheaters
Mannheim, begleitet.
Stargast des
Abends ist Claudia Fiddicke. Die Sopranistin glänzte kürzlich mit
einem Gastauftritt beim jüngsten Konzert der Lyra mit Musicaldiva
Angelika Milster und riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.
Ihre Fans dürfen sich auf ein Programm freuen, in dem die
Künstlerin ihre ganze Bandbreite vom klassischem Musical bis hin zu
mitreißenden Jazzstücken aus der Swingära präsentieren wird. Zu den
Höhepunkten zählen sicher auch ihre gemeinsamen Stücke mit dem
Chor, die – wie alle anderen Titel auch - jeweils eigens für diese
Auftritte von dem russischen Starpianisten Dmitrij Koscheew
arrangiert werden.
Wer jetzt Lust aufs Mitmachen bekommen hat: weitere
Informationen gibt es unter www.lyra-speyer.de oder bei
Chorsprecherin Manuela Seipel unter 06236/54256
14.05.2012
Jim Knopf und Lukas zu Besuch im Nikolaus-von-Weis-Gymnasium
Von Jürgen
Schaaf
Speyer. Einen Ausflug nach Lummerland, China und in die
Drachenstadt konnten die kleinen Zuschauer bei der Vorstellung:
„Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ im Nikolaus von
Weis-Gymnasium machen. Eingeladen hatt das Kölner Tournee-Theater
„Histrionia“, die im letzten Jahr bereits mit „Piratten“ in Speyer
Erfolge feiern durfte.
Pünktlich um 11 Uhr begann die Vorstellung in der Aula des
Gymnasium, wo ein etwas verwirrter König Alfons der
Viertel-vor-Zwölfte (Valesca Fischer) die zahlreichen Kinder und
ihre Eltern in Lummerland begrüßte. Genau wie im Buch von Michael
Ende kommt es wie es kommen muss: Nachdem ein Paket, mit dem
kleinen Jim Knopf als Inhalt, fälschlicherweise bei Frau Waas in
Lummerland angekommen ist, beschliesst König Alfons der
Viertel-vor-Zwölfte, dass die Insel für einen Untertanen mehr zu
klein wird und will Dampflok Emma abschaffen. Lukas, der
Lokomotivführer, überzeugend gespielt von Thomas Ficker,
beschliesst, sich mit Emma heimlich davon zu machen. Aber nicht
ohne Jim Knopf (Annemarie Lüke), denn der will seinen Freund nicht
alleine ziehen lassen. Und so gehen beide mit einer kalfarterten
Emma auf große Reise, kommen nach China,
wo sie dem
Kaiser helfen und schliesslich seine Tochter aus den Klauen des
Drachen „Frau Mahlzahn“ in der Drachenstadt zu befreien. Die wird –
gefangen – schliesslich zu einem Goldenen Drachen und rät den
beiden Helden, die inzwischen das Heimweh gepackt hat, auf dem
Rückweg nach Lummerland noch eine schwimmende Insel abzuschleppen.
Womit das Platzproblem auf Lummerland gelöst ist und sich alle
wieder glücklich vereint sehen.
Die Jim-Knopf-Inszenierung der Theatergruppe „Histrionia“ ist
reizend und charmant umgesetzt. Regisseurin Dominique Christine
Fürst, die als Schülerin bereits im „Niki“ die Schulbank drückte
und dort erste Theatererfahrungen machte, bedient sich der
Musical-Vorlage von Christian Berg, der das Stück zusammen mit
Konstantin Wecker für Kinder geschrieben hat.
Alle
Schauspieler haben einen Heidenspass beim Spielen und verstehen es
gekonnt, das Publikum, vor allem die zahlreichen Kinder im
Zuschauerraum, mit ihrem Spiel zu fesseln und aktiv in die
Erzählung einzubinden. Das Bühnenbild von Anne Dorwarth ist
liebevoll gestaltet, nicht zu opulent und nicht zu mager, gerade
richtig, um nicht von der Spiel-Handlung abzulenken. Michal Endes
Stück glänzt von ungewöhnlichen Figuren wie dem Drache Nepomuk oder
dem Riese in der Wüste, der beim Näherkommen immer kleiner wird.
Nicht gerade leicht, diese doch speziellen Charaktere in einem
Theaterstück auf die Bühne zu bringen. Regisseurin Dominique
Christine Fürst schafft es trotzdem mit dem einen oder anderen
erzählerischen Kunstgriff, ohne dabei den Zuschauer aus der
Handlung zu reisen. Und so wird die 90 Minuten-Vorstellung – durch
eine Brezelpause unterbrochen – für die jungen Zuschauer nie
langweilig und vergeht wie im Flug. Glücklich und
zufrieden hoffen nun viele nach der Vorstellung auf die Fortsetzung
„Die wilde Dreizehn“, die zur Zeit gerade in der Vorbereitung ist.
Sicherlich wieder ein Besuch wert. Mehr über das Tournee-Theater
Histrionia unter: http://www.histrionia.de Foto:
jüs
02.05.2012
Jim Knopf und Lukas zu Besuch - Bilderalbum
MGV “Lyra 1867” präsentiert mit Angelika Milster erneut einen Weltstar in Speyer
“Grand
Dame” des Musicals mit hochrangigen Partnern zu Gast in der
Stadthalle
p.m. Speyer. Seit vielen Jahren schon
beeindruckt er immer wieder durch die Einladung höchstrangiger
musikalischer Gäste als Glanzpunkte seiner alljährlichen
Gala-Konzerte: Der traditionsreiche Speyerer Männergesangverein
“Lyra 1867 e.V.” - inzwischen längst zum Gemischten Chor
weiterentwickelt, durch den schon Weltstars wie Iwan Rebroff,
Olivia Molina, Günther Wewel oder Gunther Emmerlich in den
vergangenen Jahren den Weg in die Domstadt gefunden haben. Diesmal
war es die “Grande Dame” des deutschen Musicals, Angelika Milster,
die sich mit diesem denkwürdigen Abend in die lange Reihe
großartiger Sänger-Kollegen und Entertainer bei den
“Lyra”-Konzerten einfügen wollte. Und dass die Trägerin zahlloser
Auszeichnungen von der “Goldenen Europa” über diverse “Goldenen
Schallplatten” bis hin zum “Echo” ein echter Profi ist, bewies sie
nicht zuletzt dadurch, dass sie sich schließlich durch das
enthusiastische Publikum sogar noch zu fünf heftig umjubelten
Zugaben motivieren ließ. Ein echter “Superstar” also, die - gelernt
ist halt doch gelernt!
Instrumental begleitet wurde die großartige
Musical-Lady - sie kam im mecklenburgischen Neustrelitz zur Welt
und wuchs in Hamburg auf, wo sie auch ihre ersten musikalischen
“Gehversuche” unternahm - von dem mit Berufsmusikern aus dem
gesamten Rhein-Neckar-Raum vorzüglich besetzten “Deutschen
Tonfilmorchester” unter dem Speyerer Frank Ringleb.
Hinzu
gesellten sich noch die trotz einer veritablen Erkältung bis zum
Schluss kaum stimmliche “Verschleißerscheinungen” zeigende, mit
einer prächtigen, dunkel eingefärbten Sopranstimme ausgestattete
Claudia Fiddicke, begleitet von dem russischen Pianisten Dimitrij
Koscheew - und dann natürlich die zurecht auf diesen Abend stolzen
Sängerinnen und Sänger des Gastgebers: Der Gemischte Chor des “MGV
Lyra 1867 Speyer e.V.” und dem aus dieser Chorgemeinschaft
hervorgegangenen “Modern Choir”, den “Euro Singers”.
Unter der bewährten Leitung von Wolfgang Herzing
präsentierten sie dem begeisterten Publikum in der restlos
ausverkauften Speyerer Stadthalle - man hätte wohl gut und gern
noch ein zweites derartiges Konzert “verkaufen” können - ein
Programm, bei dem nach einer ausgefeilten Dramaturgie ein Höhepunkt
den nächsten jagte - und sich mitreißende, oft zum Mitklatschen
(und Mitsummen) animierende Titel geschickt mit
Besinnlich-Nachdenklichem abwechselten.
Dabei reichten die “Nummern” von Antonin Dvoraks
“Mondlied” aus der Romantischen Oper “Rusalka” bis hin zu “I will
always love you” der Pop-Queen Whitney Houston. Ein eindrucksvoller
Schlußakzent dann das berühmte, von “der Milster” unnachahmlich
interpretierte “Don’t cry for me, Argentina” aus dem
Welterfolgsmusical “Evita” von Andrew Lloyd Webber, bei dem die
sehr persönliche Stimme der Künstlerin den Zuhörern noch ein
weiteres Mal kalte Schauer über den Rücken trieb.
Ein
großartiger, begeisternder Abend, den da die “Lyra”-Chöre sich
selbst und ihren Gästen beschieden: Mit engagiert dargebotenen,
schwungvollen Auszügen aus “Jesus Christ Superstar” - seit Jahren
“Ohrwürmer” für jeden Musical-Freund präsentierten sie ebenso
überzeugend wie mit ihren Background-Chören bei den zahlreichen
anderen Musical-Nummern - für Laien-Chöre durch die Bank große
Herausforderungen, denen sich die Sängerinnen und Sänger aller
Ensembles mit Bravour stellten.
Kleiner Wermutstropfen auch an diesem Abend: Die
unzulänglichen akustischen und klimatechnischen Gegebenheiten im
Großen Saal der Stadthalle, wo die hinteren Reihen in dem
dichtbesetzten Theatersaal dafür, dass sie die Moderationen
Wolfgang Herzings kaum noch verstehen konnten, zumindest mit
einströmender Frischluft bestens versorgt wurden - kurz: Es zog
wieder einmal wie die berühmt-berüchtigte Hechtsuppe - schade
eigentlich! Foto: pem
16.04.2012
MGV “Lyra 1867” präsentiert mit Angelika Milster erneut einen Weltstar in Speyer - Bilderalbum
BEST OF MUSICAL – GALA 2012 am 06. und 07.03. in der SAP-Arena Mannheim
Grandioser Tourauftakt für BEST OF MUSICAL –
GALA 2012
5.000
begeisterte Zuschauer feiern Tourstart von Europas größter
Musicalgala – Mehr als 40 Künstler und Live-Orchester auf
spektakulärer 500 qm-Bühne – Finale mit brandneuem Musical
ROCKY – Prominente Gäste in der 02 World Hamburg beeindruckt
von Ausnahme-Inszenierung
Hamburg- Mit Standing Ovations hat das Publikum gestern
Abend, am 4. Februar 2012, in der 02 World Hamburg den Tourauftakt
von BEST OF MUSICAL – GALA 2012 gefeiert. Unter den rund 5.000
Premierenzuschauern waren auch zahlreiche prominente Gäste und
ließen sich von den Highlights der beliebtesten Musicals mit den
Top-Solisten der Original-Produktionen von Stage Entertainment
begeistern. So genossen den spektakulären Premierenabend unter
anderem Schauspielerin Stephanie Stumph, die 26-malige Deutsche
Meisterin der Rhythmischen Sportgymnastik Magdalena Brzeska, die
Girl-Band Queensberry und der amerikanische Disney-Star Matthew
„Mdot“ Finley.
Die Premierenvorstellung wurde immer wieder von Szenenapplaus
für die Solisten, das Live-Orchester und das gesamte Ensemble,
insgesamt mehr als 40 Künstler auf der 500 qm großen Bühne,
begleitet. Fast drei Stunden dauert die Neu-Inszenierung von BEST
OF MUSICAL und steht in diesem Jahr unter dem Motto „Movie Meets
Musical“. Die Produktion begeistert mit großen Ensemblenummern und
romantischen Balladen aus bekannten Filmen wie Dreamgirls,
Disneys Der König der Löwen, Tanz der Vampire, Rebecca, Dirty
Dancing, Mamma Mia!, Tarzan, einem bezaubernden Disney-Medley
und bekannten Songs aus Burlesque und Moulin Rouge
sowie Sister Act. Europas größte Musicalgala besticht
außerdem durch aufwändige Original-Kostüme, beeindruckende
Projektionen und Spezialeffekte.
Höhepunkt der
Show am Premierenabend war das Finale! Erstmals gab es einen
Eindruck von dem für November 2012 angekündigten brandneuen Musical
ROCKY. Und zum Schluss: Strahlende Gesichter, tosender
Applaus und Standing Ovations für eine Musicalgala der Extraklasse.
„Pia Douwes begeistert mich“, schwärmt Magdalena Brzeska „Sie in
so vielen verschiedenen Rollen zu sehen, ist ein einzigartiges
Erlebnis“. Carsten Spengemann stimmt in den Lobgesang mit ein:
„Einfach großartig! Das Liveorchester auf der Bühne bildet den
Rahmen dieser perfekt arrangierten Produktion.“ Und Leonore Bartsch
von der Band Queensberry schwärmt: „Hier ist der Name Programm:
ganz großes Kino!“ Auch der amerikanische Disney-Star Matthew
„Mdot“ Finley zeigte sich begeistert: „Wow! Great show! I love
it!“
Von Hamburg aus geht BEST OF MUSICAL – GALA 2012 bis
einschließlich 18. März 2012 auf Tournee in elf weitere deutsche
Städte. Karten für alle Gastspielorte sind telefonisch unter
01805/4444 (0,14 €/Min. aus dem dt. Festnetz, abweichende Tarife
aus den Mobilfunknetzen sind möglich), im Internet unter www.musicals.de und an den bekannten
Vorverkaufsstellen erhältlich. Die Tickets kosten zwischen € 29,90
und € 84,90 zzgl. Gebühren, Kinder bis einschließlich 14 Jahre
erhalten eine Ermäßigung von 20 Prozent.
Tourdaten
Mannheim SAP
Arena 06. und 07. März 2012
Frankfurt
Festhalle 13. und 14. März 2012
BEST OF MUSICAL – GALA 2012 Tickets &
Informationen unter 01805 – 44 44* oder www.musicals.de *(0,14 €/Min.
aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreis max. 0,42 €/Min.)
Zum Video: 
08.02.2012
Best of Musical Gala 2012 in der SAP Arena Mannheim
bk.Mannheim-
Gestern Abend war es wieder so weit – die neue Aufführung der
beliebten “Best of Musical Gala 2012” wurde auf der Bühne in
Mannheim vorgestellt. Über 150 Personen sorgten hinter den Kulissen
dafür, das die Vorstellung problemlos über die Bühne gehen konnte.
Das Equipment für diese aufwendige Show wird in 17 Trucks
transportiert – davon sind sechs! Trucks mit Beleuchtung und Truss
(Trage- und Aufbaukonstruktionen in der Veranstaltungstechnik)
beladen, sechs Trucks für die Bühnendekoration, zwei Trucks für
Soundtechnik, ein Thermotruck für die Orchesterinstrumente (damit
sie keine Frostschäden bekommen), ein Truck für je vier
Waschmaschinen und Wäschetrockner sowie das gesamte
Merchandisematerial und Büroequipment und weiterer Truck für alle
Kostüme. Der Aufbau für eine Veranstaltung dauert 36 Stunden – der
Abbau dagegen nur sechs Stunden.
Erwartungsfroh
strömten die Besucher in die Halle und bekamen ein grandioses
Opening zu sehen – mit „Hunderttausend Watt“ wurden sie gleich auf
den Abend eingestimmt. Als nächstes begeisterten die „Dreamgirls“
mit ihren fantastischen Stimmen. Ein absolutes Highlight waren
Ausschnitte aus dem erfolgreichsten Musical „König der Löwen“.
Allerdings war auch der Auftritt der Vampire aus „Tanz der Vampire“
grandios. Die schauspielerische Leistung aller Darsteller,
verbunden mit dem wunderbar vorgetragenen Gesang, sorgte für
Gänsehaut bei den Zuschauern. Dann betrat Pia Douwes die Bühne –
„Rebecca“ stand als nächstes auf dem Programm. Ihre
kristallklare Stimme in Verbindung mit ihrem Auftritt – ein
weiterer absoluter Höhepunkt. Quirlig und bunt wurde es dann mit
„Dirty Dancing“ – die Freude der Mitwirkenden beim Tanzen übertrug
sich auf die Zuschauer und die berühmte Szene, bei der Johnny Baby
über seinem Kopf schweben lässt, ließ die Zuschauer aufseufzen – so
viele schöne Erinnerungen kamen zurück. Genau so bunt und
mitreißend war der Auftritt von Elisabeth Hübert, Pia Douwes,
Alexander Klaws, Yngve Gasoy-Romdal und DMJ mit dem super
aufgelegten Emsemble bei „Mamma Mia“. Beschwingt ging es dann in
die Pause – und wohin man auch schaute – alle Zuschauer hatten den
grauen Alltag bereits zu diesem Zeitpunkt weit hinter sich gelassen
und waren bestens gelaunt.
Nach der Pause
eröffnet „Tarzan“ mit einer großen Affengruppe den zweiten Teil.
Akrobatisch auf höchstem Niveau mit einem (wie bereits den ganzen
Abend ) schönen Bühnenbild. „Rapunzel – Neu verföhnt“ begeisterte
die Zuschauer ebenso wie das „Disney Medley“. „Burlesque/Moulin
Rouge“ – ein weiterer absoluter Höhepunkt an diesem an Höhepunkten
wirklich reichen Abend – die fantastischen Sänger und die absolut
professionellen Tänzer – ein Augen- und Ohrenschmaus. „Sister Act“
rundete die Vorstellung ab – zu diesem Zeitpunkt hielt es keinen
Besucher mehr auf seinem Stuhl – Standing Ovations für einen Abend
außerhalb des Gewöhnlichen belohnten alle Mitwirkenden, die
daraufhin noch einen Titel aus „Rocky“ vorstellten.
Heute Abend haben Sie noch einmal die Möglichkeit, sich in
Mannheim selbst davon zu überzeugen, wie gelungen diese
Veranstaltung ist. Die nächsten Vorstellungen sind in Leipzig am
09. bis 11. März, dann folgt Frankfurt am 13. + 14. März und der
Abschluß ist in Köln am 16. + 18. März.
Lassen auch Sie sich verzaubern! Foto:
Stage Entertainment
Sehen Sie auch unser Video: 
07.03.2012
“Blueprint” im Theater am Puls in Schwetzingen
cr. Speyer. Eine
Theaterpremiere der besonderen Art steht am Samstag, dem 14. Januar
2012 um 20.00 Uhr auf dem Spielplan des Städtischen “theaters am
puls” im Bassermann-Haus in der Schwetzinger Marstallstraße. Dann
geht nämlich Tatjana Rese’s Drama “Blueprint” - die Bühnenfassung
des Erfolgsromans der in Speyer geborenen und heute in Lübeck
lebenden Autorin Charlotte Kerner über die Bretter des kleinen,
aber feinen Theaters.
Das Ein-Personen-Stück - gespielt von Beate Krist -
beschreibt in der Inszenierung von Joerg Steve Mohr das Schicksal
der Komponistin Iris, die an einer unheilbaren Krankheit leidet und
sich deshalb dazu entschließt, sich selbst klonen zu lassen, um
damit ihr außergewöhnliches Talent der Welt zu erhalten. Iris und
ihre Tochter Siri werden dadurch zu eineiigen Zwillingen und sind
doch zugleich Mutter und Tochter. Als “blueprint” - als Kopie der
Mutter - lebt Siri zunächst ein von ihrer Mutter bereits
vorgelebtes Leben, bis Siri hinter das Geheimnis ihrer eigenen
Identität kommt.
Als “einen der aufregendsten Beiträge zur
Diskussion um die Gen-Technologie” - so charakterisierte die
“Saarbrücker Zeitung” das inzwischen bereits in der 3. Auflage
erschienene Werk. Der bereits im Jahr 2000 mit dem Deutschen
Jugendbuchpreis und in der Folge mit vielen anderen Auszeichnungen
“geschmückte” Roman geht - wie jetzt auch die dramatisierte
Bühnenfassung - auf die Möglichkeiten und Grenzen der Reproduktion
des menschlichen Genoms ein und überschreitet so die Grenzen
zwischen Realität und Fiktion - ein literarisches Genre, das die
Autorin und Wissenschaftsjournalistin Charlotte Kerner bei
zahlreichen ihrer Werke - zuletzt bei “Jane reloaded” - immer
wieder in spannender Weise umsetzt.
Der SPEYER-KURIER hat in seinem “Interview
der Woche” vom 5. Dezember 2011 Charlotte Kerner und ihr inzwischen
viele Titel umfassendes literarisches Oeuvre ausführlich
vorgestellt.
Weitere Vorstellungen von “Blueprint” im “theater
am puls” in Schwetzingen am 27. Januar, am 26. Februar und am 17.
März 2012. Foto: theater am Puls
11.01.2012
“Theatermagier” Achim Freyer hat sein Spiel gewonnen
Mannheimer “Rheingold” verspricht gelungene
Tetralogie
von Gerhard Cantzler
Hat der “alte Theatermagier” es doch wieder
geschafft und sein Spiel gewonnen - Achim Freyer, der am Samstag
abend nach der Premiere des “Rheingold” von Richard Wagner am
Nationaltheater in Mannheim - genau wie sein ganzes Ensemble -
frenetisch gefeiert wurde. Viele - an manchen Tagen sogar er selbst
(Vergl. SPEYER-KURIER “Interview der Woche - Achim Freyer”
vom 19.10.2011) - hatten zuvor gezweifelt, ob es überhaupt möglich
sein könnte, einen so komplexen Stoff wie den “Ring des Nibelungen”
in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit und dann auch noch ganz
unter dem Eindruck einer anderen, überaus erfolgreichen
“Ring”-Produktion - der von Los Angeles - noch einmal - anders und
nicht weniger schlüssig - auf die Bühne zu bringen. Nach dem ersten
Abend der Tetralogie weiß man, dieser “Ring” wird ein Ereignis -
Mannheim als “Wagner-Spielort” ist wieder Spitze und auf das
Wagner-Jahr 2013 bestens vorbereitet.
Das Geheimnis dieses Erfolges: Achim Freyer
verzichtet aus Zeit- und wohl auch aus Kostengründen auf opulente -
das Auge korrumpierende - Bühnenbilder und rückt statt dessen die
Menschen und ihre Interaktionen in den Mittelpunkt - in ihren
Handlungen nur von wenigen, stützenden Versatzstücken auf der Bühne
verstärkt. Trotz der knappen Probenzeit verwendete Freyer dann
allerdings wohl viele Stunden auf die Lichtführung, die auch in
dieser Inszenierung viele Handlungsstränge und Requisiten
vollwertig zu ersetzen vermag. Dazu die Drehbühne, die in ihrer
quälenden Langsamkeit den Lauf der Erdenscheibe zu symbolisieren
vermag - auf ihr Figurinen, die die Protagonisten des Stückes
widerspiegeln.
Wie bei Achim Freyer gewohnt, kommen auch bei
dieser “Rheingold”-Produktion das Bühnenbild und die Kostüme aus
einer, aus seiner Hand, und dienen ihm, ebenso wie das
ausgeklügelte Lichtkonzept, als Werkzeuge bei der Umsetzung seiner
beziehungsreichen Personenregie. Weiß und Schwarz - Gut gegen Böse
bestimmt die Szenerie, Vergrößerungen bis ins Groteske - wie bei
den Geschlechtsmerkmalen der Rheintöchter, aber auch wie bei Fafner
und Fasolt, dem Riesengeschlecht - Verkleinerungen wie bei den
Zwergen Alberich und Mime - intelligent gemacht durch Stilmittel,
wie sie Freyer gerne benutzt: Übergroße Körperaufbauten einerseits,
künstlich erzielte Verkleinerungsposen durch die an den Knien
angesetzten Füße andererseits.
Natürlich - wer könnte es ihnen angesichts der
geringen Probezeiten verdenken - konnte es dem einen oder anderen
Darsteller unterlaufen, dass er die rechte Hand und den linken Arm
verwechselte, als Wotan dem Zwerg Alberich den ominösen Ring
entwindet. Aber sonst? Viele gelungen umgesetzte Einfälle: Die
Rheintöchter im Eingangsbild, in luftiger Höhe wie auf
überdimensionalen Schaukeln schwebend, die Projektion der Göttin
Erda auf ein ikonenhaft vom Schnürboden herab gelassenes Medaillon
projiziert - Achim Freyer hat sich mit diesem “Rheingold” - wie so
oft in seinem langen Leben als Regisseur - ein gigantisches Märchen
geschaffen, mit viel berührendem Ernst, aber auch nicht ohne das
eine oder andere ironische Augenzwinkern über das dem Stoff und der
Musik innewohnende Pathos.
Auch musikalisch glänzt dieses “Rheingold” mit
durchgängig hoher Qualität: Eine Ensemble-Leistung, die keine
Vergleiche scheuen muss. Natürlich, wenn es möglich ist, fast alle
Partien aus dem eigenen Haus zu besetzen, dann können nicht alle
Solisten, die vielleicht schon am nächsten Tag wieder italienisches
oder französisches Fach singen müssen, den besonderen Ansprüchen an
Timbre und Durchschlagskraft genügen, die ein Richard Wagner nun
einmal stellt. Die Sänger der Hauptpartien - und gibt es anderes
als Hauptpartien im “Rheingold”? - aber waren für die
Besonderheiten des Wagner’schen Duktus bestens präpariert: Thomas
Jesatko, - inzwischen auch “Bayreuth-gestählter” Haus-Bass-Bariton
in Mannheim - der sich - der obersten Gottheit Wotan angemessen -
mit edlem, lyrisch eingefärbtem Timbre präsentierte, sollte nun
aber doch hervorgehoben werden. Ansonsten kann man fast ausnahmslos
alle Mitwirkenden auf ein gleiches , hohes Niveau stellen: Thomas
Berau als Donner, Simone Schröder als Erda sowie die beiden,
naiv-dümmlichen “Riesen” In-Sung Sim (Fafner) und Hans-Peter
Scheidegger (Fasolt). Sie überzeugten durch ihre Agilität, ihre
großartige Spielfreude - auch auf der Hinterbühne - ebenso wie die
beiden mit heldisch-hellem Timbre ausgestatteten Tenöre Uwe
Eikötter als Mime und Jürgen Müller als Loge, letzterer wie ein im
Wortsinne roter Faden durch den Abend führend. Bleibt Karsten Mewes
zu benennen - ein darstellerisch durchgängig quirrliger und auch
stimmlich rundherum überzeugender Alberich.
Bei den Damen fanden die Rheintöchter Katharina
Göres, Anna-Theresa Moeller und Andrea Szánto - aus luftiger Höhe
herab singend - erst nach und nach zu ihrem ganzen Können - kein
Wunder, wenn sich unter einem ein Angst einflößender Abgrund von
gut zehn Metern bis zum Bühnenboden auftut. Tief bewegend Simone
Schröder als die die heraufdämmernde Tragödie vorhersehende Erda.
Edna Prochnik schließlich als Fricka und Juhan Tralla als Froh
rundeten eine überzeugende Ensembleleistung ab, die durch ihre
durchgängige Qualität und weniger durch andernorts oft störendes
Leistungsgefälle überzeugte.
Auch das Orchester der Mannheimer Oper präsentierte
sich einmal mehr prächtig disponiert - GMD Dan Ettinger - sicher
auch ein Aspirant für “höhere Wagner-Weihen” - zeigte sich wohl
beeindruckt von der Monumentalität der fast leeren Bühne über sich
und präsentierte einen Wagner - eher schlank und ohne überflüssiges
“Fett” - frei von unnötigem Pathos - vielleicht sogar ein ganz
klein wenig distanziert. Dem Premierenpublikum gefiel diese
Interpretation - es dankte den Musikern, die Achim Freyer in der
Dramaturgie der “Vorhänge” gleichberechtigt mit Sängern und
Leitungsteam auf die Bühne holte, langanhaltend und herzlich. Da
waren dann übrigens auch schon wieder die kleinen “Kiekser” der
Hörner vergessen - die “Glücksspiralen” waren halt an diesem Abend
nicht immer eins mit ihren Spielern.
Die Mannheimer Opernfreunde erlebten mit dem neuen
“Rheingold” einen fasziniereden Opernabend. Das konnte auch ein
flegelhafter Zwischenrufer nicht trüben, der - nach dem Motto “Wenn
ich auch selbst nichts kann, dann will ich doch wenigstens einmal
auffallen” meinte, ungefragten Kommentar geben zu müssen. Früher
hätte man so einen einfach aus dem Saal geworfen - heute ist das
Publikum toleranter und quittierte seine unqualifizierte Einlage
mit allem übertönendem, lang anhaltendem Applaus für das gesamte
Ensemble. Fotos: © Hans Jörg Michel
01.11.2011
Vorhang über dem Mannheimer “Rheingold” gelüftet
cr. Mannheim. Jetzt ist es also bald soweit:
Am kommenden Freitag, dem 28. Oktober 2011 um 19.30 Uhr hebt sich
im Nationaltheater Mannheim der Vorhang zur Premiere von
“Rheingold”, des ersten Teils der mit Spannung erwarteten
Neuinszenierung von Richard Wagners “Ring des Nibelungen”. Wohl nie
zuvor ist eine Produktion an dem traditionsreichen Haus unter so
spektakulären Bedingungen entstanden - Starregisseur Achim Freyer,
kürzlich erst zum “Opernregisseur des Jahres” gewählt, hatte die
Produktion kurzfristig übernommen, nachdem Christoph Nel kurz vor
der Sommerpause ausgestiegen war. Eigentlich “ein Ding der
Unmöglichkeit”, wie viele Experten meinten. Was Achim Freyer selbst
von diesen Umständen hält, hat dem SPEYER-KURIER in einem
ausführlichen “Interview der Woche” dargelegt
Am Dienstag nun war Generalprobe für “das
Rheingold”. Die Bühnenfotos, die uns das Nationaltheater Mannheim
freundlicherweise zur Verfügung stellte, sollen den Leserinnen und
Lesern des SPEYER-KURIER einen ersten Eindruck von dieser
Opernproduktion vermitteln - aber: Selber hingehen - selber ansehen
ist ohne Alternative. Deshalb ist doch in den kommenden Wochen mal
wieder ein Opernabend angesagt, oder? Alle Fotos: Hans Jörg
Michel
25.10.2011
LiveZeit brilliert mit skurriler Komödie
jüs.Speyer.
Mit ihrer neuen Komödie „Liebling es ist angerichtet“ präsentiert
die Theatergruppe der Protestantischen Kirchengemeinde Schwegenheim
ihrem Publikum ein Menü der Extraklasse. Das kurzweilige Stück aus
der Feder der Autorin Uschi Schilling ist ein Feuerwerk der
verbalen Genüsse und voll von Situationskomik, angereichert mit
schonungsloser Selbstironie und gewagten Pointen. Die
Schwegenheimer Schauspieler von LiveZeit setzen das Stück
mit viel Spielfreude professionell und gekonnt um und schaffen es
bereits in der ersten Szene, den eignen Spass am Stück an das
Publikum weiterzugeben.
Die Boulevard-Komödie in drei Akten erzählt die Geschichte von
Julia Sander, die eigentlich im Innendienst bei der Sitte
arbeitet und unerwarteter Weise von ihrer Tante Frieda eine Pension
erbt. Die ist in Wirklichkeit allerdings ein Freudenhaus mit bunten
und skurrilen Bewohnern als Mieter, wunderbar und detailverspielt
von den Akteuren dargestellt. Als die neue Besitzerin in Begleitung
ihres Verlobten Horatio Schmölzer ihr Erbe begutachten will und
sogar wegen einem Rohrbruch zuhause einige Tage in der geerbten
Pension wohnen möchte, haben die Bewohner alle Hände voll zu tun,
die Wahrheit des Etablissements zu vertuschen... Foto:
jüs
Zum
Making-Of-Video 
27.09.2011
Jona und die Kurrendesänger
Kinderchor der
Gedächtniskirche mit Kinder-Musical
cr. Speyer. Mit einer in jeder Beziehung
gelungenen, ganz entzückenden Musical-Fassung der
alttestamentarischen Legende vom Propheten Jona präsentierte sich
jetzt in gleich zwei restlos ausverkauften - fast möchte man sagen
- übervollen Vorstellungen der Kinderchor der Kantorei an der
Gedächtniskirche im Martin-Luther-King Haus in Speyer. Nicht nur
Eltern, Großeltern und Verwandten ging das Herz auf bei so viel
geballter Musizier- und Spielfreude, wie sie die kleinen Künstler -
jeder einzelne im Rahmen des seinem Alter gemäß Leistbaren - mit
Begeisterung über die Rampe brachten.
Simone Pepping-Sattelberger und ihr Mann,
Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger hatten es unternommen, den
Stoff in eine Kindgerechte Fassung zu gießen und ihn dann auch noch
mit sparsamsten Mitteln, aber doch in jeder Phase bestens
verständlich, in Szene zu setzen. Eine gewaltige Herausforderung an
die beiden Musikpädagogen, bei der sie zeigen konnten, wie weit es
ihre kleinen Sängerinnen und Sängern in der kurzen Zeit seit
Gründung des Chores schon gebracht haben. Eine gewaltige
Herausforderung aber auch, wenn man bedenkt, wie schwierig es oft
schon ist, zwei oder drei Kinder in diesem Alter “im Zaum zu
halten” und was es bedeutet, “eine halbe Hundertschaft” sicher und
diszipliniert durch das gut anderthalb Stunden dauernde Stück zu
führen.
Es ist die
Geschichte des Propheten Jona - sängerisch und mimisch gekonnt
dargestellt von Anna Schmidl - der, ungehorsam gegenüber seinem
Gott, statt die Bürger der sündigen Stadt Ninive zur Umkehr zu
mahnen, sich lieber übers Meer davon machen will (“Nach Spanien
wollte ich längst schon einmal reisen...”), dann aber nach einem
Sturm, in dem er die Stimme seines Gottes wieder erkennt und sich
selbst zum Opfer für die Schiffsbesatzung anbietet, im Bauch eines
Walfisches landet, der ihn dann - ausgerechnet am Meeresstrand bei
Ninive - wieder ausspeit, so dass er seinem Auftrag, die sündige
Stadt zu bekehren, am Ende doch noch nachkommen kann. Happyend muss
sein - gerade auch im Kindermusical.
Vom Vorschul- bis zum jungen Erwachsenenalter
präsentierten sich die jungen Sängerinnen und Sänger in zum Teil
mitreißenden, rhythmisierten Songs, in die hin und wieder auch das
Auditorium einstimmen konnte. Vom “heiligen”, choralmäßigen Ton der
“Gottesstimmen”, von älteren Chorsängerinnen qualitätvoll
dargeboten, über die raubeinig daherkommende Schiffsbesatzung, mit
der Jona zu entkommen versucht, jede Gruppe zeigte ein
vorzügliches, altersgemäß stimmliches Können und ungemein viel Spaß
beim Agieren auf der Bühne. Den Sattelbergers wächst hier ein
Nachwuchs für ihre verschiedenen Chorformationen heran, auf den man
sich jetzt schon freuen darf.
Das zeigte sich auch bei der “majestätischen
Gruppe” aus König Friedenslicht (Felix Cantzler), Königin
Niezufrieden (Hannah Daniel) und Prinzessin Ziemlichzickig (Marie
Beck), der ewig tanzwütigen Königstochter, ständig auf der Jagd
nach einem geeigneten Ehemann. Besonders der König löste mit seinem
durchaus anspruchsvollen und ausdrucksstarken Auftritt - zwischen
Rapper und Chorknabe angesiedelt - im Saal wahre
Begeisterungsstürme aus.
Viele wären noch zu benennen, die die beiden
Vorstellungen für die Zuschauer - aber sicher auch für die
Mitwirkenden selbst - zu einem unvergesslichen Erlebnis machten:
Stellvertretend sei noch die eindrucksvoll für Gewitter und Sturm
sorgende “Gewitter-AG” genannt und - nicht zu vergessen - die Jimmy
Hering Retscher Experience Band - die gemeinsam mit Robert
Sattelberger am Keyboard für die instrumentale Ummalung des
abwechslungsreichen Musicals sorgten.
Ein überaus amüsanter Nachmittag für Zuhörer und
Zuschauer, für den man sich - ganz im Stile des ausgelegten
Programmes - eigentlich bei allen bedanken möchte, die sich vor und
hinter den Kulissen, auf und neben der Bühne für das Zustandekommen
und das Gelingen dieses - wie würde es Reinhard Mey sagen -
herrlichen “Stücks Musik, von Hand gemacht” eingesetzt haben.
Fotos: sc
18.09.2011
„Die Bännelhosse“
Theatergruppe
Dudenhofen mit Welturaufführung
von Franz Gabath
Dudenhofen- Viele der zahlreichen Besucherinnen
und Besucher in der Festhalle in Dudenhofen dürften sich zuerst
unter der „Bännelhosse“ nicht unbedingt gleich etwas vorstellen
gekonnt haben. Dass es sich dabei um ein figurbetonendes
Kleidungsstück, vornehmlich von Damen unter Hosen, aber auch zur
Stimulierung ihres Gatten, getragen wird, wurde aber dann gleich zu
Beginn der fast dreistündigen Vorstellung klar.
Und diese Kleidungstück, das mit minimalstem Stoff-oder
Seidenaufwand auskommt:vorne wennisch- hinne nix“, sorgte dann für
allerlei Verwirrung und Missverständnisse.
Heribert Schieser, alias Volker Werling, ein eigentlich durch
und durch solider Ehemann ist in Schwierigkeiten. Um es seiner Frau
Monika, alias Gabriele Gräfe, leichter zu machen zu ihrer kranken
Mutter zu fahren, schwindelt er sei auch er sei nicht zu Hause,
sondern auf Geschäftsreise in Berlin. So kommt er zu dem Schluss
„geschäftlich bin ich eigentlich in Berlin – geschlechtlich aber in
Dudenhofen“! Diese Geschäftsreiselüge hat ungeahnte Folgen. Kaum
ist seine Frau zu ihrer kranken Mutter gefahren, rückt ihm die
beste Freundin seiner Frau Silva, gespielt von Sieglinde Körner,
deren Mann Mattias, gegeben von Heinrich Dennhardt, sich wirklich
auf Geschäftsreise befindet, auf die Pelle. Die Versuchung, seiner
attraktiven Nachbarin zu erliegen, ist für Heribert zwar
riesengroß, doch er wiedersteht standhaft allen Versuchungen.
Und dann
beginnt das Verwirrspiel. Silvia lässt auf dem Sofa von Heribert
einen ominösen String liegen den ihr ihr Mann geschenkt hat. Er
sollte eigentlich zur Verführung des standhaften Heribert dienen.
Die früher vom Urlaub heimgekommene polnische Hausangestellte
Mandy, Alexa Volk, findet die "Bännelhosse", zieht die falschen
Schlüsse und macht ihrem Chef erpresserisch die Hölle heiß. Nachdem
der vermeintlich gehörnte Ehemann, früher von der
Geschäftsreise zurück, auftaucht mutmaßt Mandy ein Verhältnis
beider Ehemänner miteinander. Als dann noch ein Einbrecher, Günter
Krieger, so wie der Geliebte von Mandy, Walter Schweickert,
auftauchen, nimmt das ganze Schicksal seinen kuriosen Verlauf. Die
eine Bännelhos geht immer wieder verloren, dann plötzlich tauchen
deren Zwei auf – Überraschung folgt auf Überraschung – Pointe auf
Pointe. Natürlich, wie bei all solch köstlichen Verwirrstücken,
lösen sich zum Schluss alle Irrungen und Wirrungen auf und es
herrscht wieder eitel Sonnenschein unter allen Akteuren.
Die Zuhörerschaft kommt aus dem Lachen nicht heraus. Im wahrsten
Sinn des Wortes mussten sich Manche den Bauch vor Lachen halten.
Stürmischer Szenenapplaus, als auch am Schluss der Vorstellung,
zeigt die Begeisterung der Zuschauer.
Das Stück
stammt aus der Feder von Edeltraut Müller, einer Schauspielerin vom
Ludwigshafener Prinzregentheater die schon mehrere Stücke
geschrieben hat und auch sonst schriftstellerisch tätig
ist. Die Aufführung in Dudenhofen war nicht nur die Premiere
der Theatergruppe Dudenhofen in dieser Spielzeit. Die „Bännelhosse“
wurde überhaupt erst das erste Mal auf der Bühne aufgeführt. Somit
erlebten die Premierenbesucher noch die Welturaufführung der
„Bännelhos“. Edeltraud Müller, die selbst der Aufführung beiwohnte
zeigte sich sehr beeindruckt von der Leistung der Schauspieler. Mit
Einigen aus der Theatergruppe stand Edeltraud Müller schon selbst
auf der Bühne und ist mit ihnen freundschaftlich verbunden ist.
Auch sie brach immer wieder in schallendes Lachen aus.
Die Leistung einzelner Schauspieler herauszuheben würde den
anderen nicht gerecht werden. Im musikalischen Sektor würde man
sagen:“Ein hervorragender Chor mit überdurchschnittlichen Solisten
die die Vorgabe ihres Dirigenten, in diesem Fall Regisseur Andreas
Burger, taktgenau umsetzten. Unterstützt wurde dass Ensemble durch
Brigitte Dambach und Malanie Rausch, den Damen im
„Flüsterhäuschen“. Nicht zu vergessen Helmut Vögeli als
Hausmeister, der die Zeit „bis der Bus kommt“ humorvoll
überbrückte. Klaus Magin zeichnete für das anspruchsvolle
Bühnenbild verantwortlich, Tanja Dambach steuerte die Technik und
Silvia Hartz setzte die Akzente bei Maske und Frisuren.
Wer „Die Bännelhosse“ am Freitag nicht besuchen konnte hat dazu
während der gesamten Spielzeit noch an einigen Terminen
Gelegenheit.
Termine der weiteren Aufführungen:
16./17./18./23./24./25./30. September sowie 01./02. Oktober.
Freitags und samstags um 20 Uhr und sonntags um 19
Uhr.
Mehr Infos unter: www.theatergruppedudenhofen.de Bilder
fg
17.09.2011
„Zwei wie Bonnie & Clyde“ - mehr Unterhaltung geht nicht
(bb)
Speyer. Ein Banküberfall ist kriminell, verwerflich, eine
Straftat und kann durchaus tödliche Folgen haben. Mit Björn
Luithardt und Dominique C. Fürst macht ein Banküberfall – was heißt
ein Banküberfall? –, machen drei Überfälle an einem Abend, laut
Regieanweisung von Freitag bis Montag, viel Spaß. Die gehen nämlich
auf sehr humorvolle Weise voll daneben.
Manni, der angibt, wie die Überfälle ablaufen
sollen, und Chantal, eine anscheinend dumme und begriffsstutzige
Tussi, sorgen mit dem Mehr-Akter „Zwei wie Bonnie & Clyde“ vom
ersten Wort bis zum letzten Vorhang ausschließlich für Heiterkeit.
Das Publikum muss fast unaufhörlich lachen – und wie!
Es fängt damit an, dass Manni und Chantal
jubelnd ob ihres Erfolges mit einer Plastiktüte, vermeintlich voll
Geld, in eine verlassene Lagerhalle kommen, in der sie
untertauchen, und in den Radionachrichten hören, dass zwei
Bankräuber anstatt der Tüte mit dem Geld, das sie erbeuteten, die
Einkaufstüte einer Kundin versehentlich mitgenommen haben.
„Hast Du das gehört von den beiden Idioten?“,
fragt Manni. Wie dämlich, aber auch! Nun, als „Bonnie & Clyde“
ihre Beute zählen wollen, packt Chantal die Tüte aus: zwei Rollen
Klopapier, zwei Fertiggerichte und ein Pfund Kaffee... Was dann
folgt sind herrliche Sketche: Weitere Banküberfälle werden
übungshalber durchgespielt, bei denen Chantal sich immer wieder
„dumm“ anstellt, den Manni zur Verzweiflung bringt, und zwar so,
dass das Publikum schon fast weinen muss vor Freude.
Klar, dass der
letzte Banküberfall ebenfalls danebengehen muss. Dazu beigetragen
hat unter anderem die Strumpfmaske von Manni. Statt einer
reißfesten Strumpfhose verpasst ihm Chantal eine schwarze
blickdichte Strumpfhose. So geht beim Überziehen dieses Teils aus
der „Sicht“ des Räubers plötzlich das Licht in der Bank aus...
Schließlich wird das Räuber-Duo in der
Lagerhalle fündig: eine Plastiktüte mit zig tausend Euro fällt
ihnen in die Hände und nun geht's ans gegenseitige Austricksen. Am
Schluss ist Manni der Dumme und Chantal macht sich mit der Kohle
auf und davon. Bevor Manni schnallt, was abgeht, hat die Polizei
den Schuppen umzingelt...
Schade, dass nur wenige Leute den Weg ins
Ägidienhaus gefunden haben. Nicht nur Björn und Dominique,
haben eine unterhaltsame Meisterleistung vollbracht, auch die
Regisseurin Melanie Spielmann unterstrich mit der Aufführung ihr
Können. (Foto: sim)
08.09.2011
Piratten auf großer Fahrt im Ägidienhaus
(jüs)
Speyer Die Piratten sind los im Speyerer Ägidienhaus, und
manchem jungen Zuschauer wird es da schnell auch mal mulmig, wenn
er mit der Besatzung der „Stumbraut“ unter dem Kommando von
Ratten-Käpt’n Kralle vor der Küste Spaniens und Afrikas auf große
Fahrt geht. Der hat mit seiner Besatzung gerade eine spanische
Prinzessin entführt und will von deren Vater natürlich ein großes
Lösegeld erpressen, „grad so wie es die Pirattenehre
verlangt“. Prinzessin Angelina Maria Cecilia Katharina Rateuill
schafft es an Bord recht schnell, die Manschaft um den Finger zu
wickeln. Selbstbewußt zeigt sie, dass sie keine verwöhnte
Prinzessin und Landratte ist, sondern sich auch beim Kartenspiel
locker gegen „freie Piratten“ behaupten kann. Natürlich kommt es,
wie es einer Seeräuber-Geschichte mit entführter Prinzessin kommen
muß: Die kleinste Piratte Pimpf und die Prinzessin verlieben sich
ineinander. Dann geht alles drunter und drüber an Bord: Der kleine
Pimpf erpresst Käpt’n Kralle, der sich als sein Vater entpuppt, und
will ihn zwingen, die Prinzessin gehen zu lassen. Der Käp’t ist
natürlich mit allen Wassern der sieben Meere gewaschen und setzt
die Prinzessin mit dem Boot auf einer einsamen Insel aus und nicht
an der spanischen Küste, wie alle bis dahin glaubten. Ein fataler
Fehler des durchtriebenen Käpt’ns, der nicht mit der Sympathie
seiner Mannschaft für Angelina gerechnet hat. Es kommt zur Meuterei
und der Spiess wird umgedreht: Pimpf wird zum neuen Käpt’n,
Angelina will
nicht mehr zurück in ihr langweiliges Prinzessinnenleben und
gemeinsam mit der Pirattenbraut segelt die Mannschaft der
„Sturmbraut“ gen Afrika, um einen Goldschatz zu bergen, den Käpt’n
Ratte dort vergraben hat.
Die Theater-Truppe „Pekuli Pikularum“ von Histrionia, einem jungen
Tourneetheater aus Köln, hat sich bei der Umsetzung des
Theaterstücks von Frank Piotraschke für Kinder viel Mühe gemacht.
In einem bezaubernden und dateilreichen, von der Speyererin
Anne Dorwarth gestalteten Bühnenbild, spielen die Schauspieler mit
Hingabe in beeindruckenden Kostümen hre Pirattenrollen und lassen
bei Jung und Alt keine Langeweile aufkommen. Treffsicher finden die
Schauspieler ihren Ton auch bei den Musikstücken, die die Szenen
erweitern und verdeutlichen. Für Regie und musikalische
Überbarbeitung zeichnet Dominique Christine Fürst verantwortlich.
Für sie sind die Aufführungen in Speyer als ehemalige Schülerin und
Mitglied des Nikolaus-von-Weis-Gymnasiums wie ein Heimkommen. Die
anderen Schauspieler kennt sie aus der freien Kölner Theaterszene,
teilweise aus dem Studium. Insgesamt eine harmonische Truppe, der
man den Spass am Spiel anmerkt. Und so hofft man auf eine
Fortsetzung von Piratten, denn schliesslich will der Zuschauer
wissen, wie es mit den Prinzessin Angelina und den Piratten
weitergeht.
Ein Wiedersehen mit der Theater-Truppe „Pekuli Pikularum“ gibt es
bereits im Dezember. Dann kommt sie mit „Jim Knopf“ in
die Aula des Speyerer Nikolaus-von-Weis-Gymnasiums. Foto:
sim
07.09.2011
Aus künstlerischem “Supergau” könnte Glücksfall werden
von links: Dan Ettinger, Generalmusikdirektor - Regula Gerber, Generalintendantin - Achim Freyer, Regisseur und Prof. Klaus-Peter Kehr, Operndirektor
Star-Regisseur Achim Freyer
übernimmt Mannheimer “Ring des Nibelungen”
von Gerhard Cantzler
Eine Neuproduktion von Richard Wagners “Ring des
Nibelungen” - sie zählt schon seit der Uraufführung des vier
hochgradig fordernde Opernabende umfassenden Gesamtwerks im Jahr
1876 zu den größten Herausforderungen, denen sich ein Opernhaus
stellen kann. Und mehr als einmal mußten solche Produktionen auf
halbem Wege abgebrochen werden, weil sich die gewaltige Aufgabe,
dieses Gesamtkunstwerk für alle Beteiligten zufriedenstellend auf
die Bühne zu bringen, letztlich nicht realisieren ließ.
So geschehen jetzt auch am Nationaltheater in
Mannheim, wo die Leitung des Opernhauses und der für dieses Werk
engagierte - 1944 in Stuttgart geborene - Regisseur und
Schauspieler Christof Nel “wegen unterschiedlicher Sichtweisen, die
im Arbeitsprozess nicht in Übereinstimmung gebracht werden
konnten”, ihre Zusammenarbeit während der bereits laufenden
Bauproben sowie den ersten Proben mit den Sängern vorzeitig beenden
mußten.
Eigentlich der “Supergau” schlechthin für
jedes Opernhaus - doch für die Mannheimer könnte sich diese im
Grunde bedauerliche Entwicklung dank weiterer Zufälle zum
“Glücksfall” wenden. Denn eigentlich wollte das Mannheimer
Opernhaus seinen “Ring” in Koproduktion mit der Oper in Los Angeles
herstellen und wäre damit automatisch mit einem der ganz Großen der
zeitgenössischen Opernregie zusammen gekommen: Mit Achim Freyer,
der in Los Angeles eine sensationelle und weltweit gefeierte
Fassung des “Rings” präsentiert hatte. Doch diese Fassung nach
Mannheim zu übernehmen, erwies sich rasch - aus finanziellen
Gründen, aber auch wegen der völlig unterschiedlichen Bühnenformate
in Mannheim und in Los Angeles - als wirtschaftlich nicht
darstellbar. Das hätte einfach zu viele Um- und Neubauten
erfordert, so dass eine Neukonzeption am Ende nicht nur
origineller, sondern auch kostengünstiger erschien.
Doch das Thema
“Ring des Nibelungen” ließ Achim Freyer damit nicht los. Das
Opernhaus in Budapest konnte ihn als Regisseur für eine gemeinsame
“Ring”-Produktion mit der Staatsoper in Seoul (Südkorea)
verpflichten - erste Vorbereitungsarbeiten waren auch hierzu schon
am Laufen - ein völlig neues und eigenständiges
Inszenierungskonzept für zwei Bühnen, die wiederum nur halb so groß
sind wie die in Mannheim, war fix und fertig. Doch dann wurde die
Produktion, von der auch eine Verfilmung vorgesehen war, “aus
kulturpolitischen Gründen”, wie es hieß, “gecancelled” - “Ein Glück
für beide Seiten”, wie Achim Freyer heute betont. Denn eigentlich
hoffte der 77jährige, vielbeschäftigte Regisseur nun auf etwas
Ruhe, wollte sich eine Auszeit in Italien gönnen und der
Leidenschaft frönen, die sein “erstes Leben” markierte - die
Malerei.
Dort, an der Staffelei in Italien, erreichte ihn
der “Notruf” aus der Quadratenstadt, dort konnte ihn der Mannheimer
Operdirektor Prof. Klaus-Peter Kehr davon überzeugen, dass er am
Nationaltheater gebraucht würde. Und - wie man es von Achim Freyer
nicht anders erwarten durfte - er sagte nach kurzer Bedenkzeit zu:
Aus Verantwortung dem Werk gegenüber, das er wie kaum ein anderer
durchdrungen hat - und aus Zuneigung und Verbundenheit mit dem
Mannheimer Opernhaus, das ihm schon so manch stilprägende
Inszenierung verdankt.
Natürlich kann Freyer nur wenige Stunden nach
seinem “Ja-Wort” zu dieser Produktion noch kein fertiges
Regie-Konzept für “seinen neuen Mannheimer Ring” auf den Tisch
legen. Wer das von ihm erwartet, nimmt Werk und Regisseur nicht
wirklich ernst. Und so konnte er bei einem Pressegespräch, zu dem
Generalintendantin Regula Gerber voller Stolz und Freude über ihren
gelungenen “Coup” kurzfristig eingeladen hatte, einfach nur die
ganze Bandbreite der Möglichkeiten anreißen, die ihm die Mannheimer
Bühne - und ein “überschaubarer” Etat - für dieses Werk eröffnen:
Vom mit großem Gestus daherkommenden “Ausstattungsstück” mit großer
Statisterie bis hin zu einem auf Kammerspielgröße reduzierten
Format, das sich einzig auf die Sänger konzentriert.
Gemeinsam mit dem musikalischen Leiter der
Gesamtproduktion, Generalmusikdirektor Dan Ettinger, stellt Achim
Freyer, der auch für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich zeichnen
wird, ein absolut “starkes Team” dar - ein Regisseur und ein
Dirigent, die ihre Sänger und Musiker nicht durch autoritäre
Strenge und Disziplin, sondern vielmehr durch überzeugende
Argumente, aber auch spürbare Menschenliebe zu führen
verstehen.
Und so dürfen sich die Opernfreunde in Mannheim und
in der Region sicher schon jetzt auf den 28. Oktober freuen, wenn
der erste Teil der Tetralogie “Das Rheingold” seine Premiere
erleben wird. Noch in der Spielzeit 2011/12 folgt dann der zweite
Teil, “die Walküre” - die Teile drei und vier, “Siegfried” und
“Götterdämmerung”, folgen in der darauf folgenden Spielzeit, so
dass der neue Mannheimer “Ring” rechtzeitig zum 200. Geburtstag
seines Komponisten Richard Wagner in Gänze aufgeführt werden kann.
Fotos: hm
15.07.2011