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Mit dem Wohnmobil in die Haute Normandie - Teil 1

Von unserem Mitarbeiter Reinhard Bruckner

Die Anreise

erfolgt auf Umwegen, denn eigentlich wollten wir (meine weitaus bessere Hälfte Kerstin und ich) diesen Sommer nach Lothringen und dort an den Kanälen mit dem Fahrrad schöne Touren machen und die großen Städte (wie Nancy, Metz und Verdun) besuchen.

Am Rhein-Marne Kanal

Aber weil es in Lothringen viel zu heiß ist und außerdem ein unglaublicher Andrang von saarländischen Wochenendausflüglern und sonstigen (meist deutschen) Urlaubern herrscht, entschließen wir uns kurzerhand vom Mittersheimer See aus direkt in die Normandie durch zu starten. Die 440 Km nach Amiens sind auf französischen Autobahnen auch mit dem Womo problemlos in weniger als 5 Stunden zu schaffen.

Dort besuchen wir zunächst das große Einkaufszentrum (Centre Commercial), das direkt an der Autobahnausfahrt ”Amiens-Dury” liegt und wo man beim Tanken rund 15 Cent pro Liter gegenüber der normalen Autobahntankstelle spart. Natürlich gehen wir auch in den riesigen Supermarkt und versorgen uns nicht nur mit Lebensmitteln und Getränken, sondern kaufen auch eine Straßenkarte der Haute Normandie, denn darauf waren wir nicht vorbereitet und das Navi (Smartphone App) hat leider keine Frankreich-Karte. Dann geht es mit ihrer Hilfe weiter Richtung Kanalküste, also nach Nordwesten. Ziel ist die Hafenstadt Le Tréport. Tatsächlich fahre ich aber Eingangs dieser Stadt am Kreisel eine Ausfahrt zu früh raus und gelange so in die Nachbarstadt Uferpromenade von Mers-les-Bains Mers-les-Bains, einem Badeort. Das war gut so. Im Zentrum sehe ich das Hinweisschild zum Office de Tourisme und gleich danach einen freien Parkplatz, groß genug um das Womo dort hinein zu manövrieren. Im Büro erhalten wir mehrere Prospekte über die Stadt und das Umland, Karten und eine Liste mit Campingplätzen. Bevor wir uns um einen kümmern, gehen wir die wenigen Meter zur Strandpromenade und sind total überrascht vom Charme der dort stehenden Häuser, die größten teils aus der sog. Belle Époque stammen.

Der Kreidefelsen von Mers-les-BainsWir sehen außerdem am Ende des langen Strandes den ersten Kreidefelsen aufsteigen und beschließen, hier erst mal Quartier zu machen. Wir suchen uns auf der Liste den Campingplatz heraus, der am nächsten an der Küste liegt, tatsächlich ist er oben auf halber Höhe des Kreidefelsens mit Blick über Stadt und Strand. Wir beziehen einen schönen Platz mit Wasser- und Stromversorgung und bereiten unser Abendessen. Später gehen wir zu Fuß den ungesicherten!! Weg am Klippenrand hinauf bis zu der Statue, die von weit her zu sehen ist.

Dann sitzen wir vor dem Womo, beobachten den Sonnenuntergang über dem Meer und trinken ein Fläschchen Roten auf unsern Entschluss hierher zu fahren.

Fortsetzung folgt.

14.01.2013


Mit dem Wohnmobil in die Haute Normandie - Teil 2

Mers-les-Bains und Le Tréport

Heute hat das Womo Pause. Wir besteigen die Räder und fahren hinunter in den Ort, die ganze Strandpromenade entlang bis hinüber zur Hafenausfahrt von Le Tréport.

Im Bogen führt die Straße dann über eine Hafenschleuse hinüber in die Altstadt von Le Tréport, wo gerade Markt auf dem Parkplatz am Hafen ist. wir schlendern durch die Marktstände und werfen auch einen Blick in die daneben stehende Fischhalle mit ihrem typischen Geruch und dem Gewimmel von Menschen, die in Französisch und Englisch ihre Einkäufe erledigen. Deutsch hört man nicht...macht nix. Dann radeln wir weiter am Casino von Le Tréport vorbei und gelangen an die Stelle, wo der nächste Kreidefelsen beginnt und die Straße mit einer Wendeschleife aufhört und wo ein Schrägaufzug in den Felsen hinein unser Interesse weckt.

Vier führerlose Kabinen laufen parallel den Berg hinauf und hinab und verschwinden in einer Art Höhle. Bei Bedarf kann man eine Kabine rufen, indem man auf einen entsprechenden Knopf drückt...wie beim Fahrstuhl im Hotel oder Kaufhaus. Es ist ein Fahrstuhl...und in den beiden äußeren Kabinen dürfen sogar Fahrräder befördert werden...und alles kostenlos. Wir besteigen die nächste Kabine und fahren nach oben, wie wir bald merken durch den Felsen hindurch, auf ein Plateau, wo eine große Christus-Statue am Kreuz über die beiden benachbarten Städte und ihre Strände wacht.

Gegenüber ist ein riesiger kostenpflichtiger Parkplatz und uns wird klar, warum man diesen Fahrstuhl gebaut hat. Mit ihm gelangen die Besucher und Kunden der Geschäfte und Restaurants zum Hafen hinab und wieder hinauf zu ihren Autos.

Wir besteigen wieder die Räder und fahren nun oben (etwa70m über NN) die Küstenstraße entlang nach Westen. Wir kommen bald an einem ebenfalls recht großen Stellplatz für Womos vorbei, der auch gut besucht ist. Eine Entsorgungsstation für Abwasser und Chemietoiletten ist vorhanden, ebenfalls eine Frischwasserversorgung, die allerdings kostenpflichtig ist, ebenso wie die Übernachtung. Wir fahren weiter bis zum nächsten Ort, der etwa 5km entfernt ist und natürlich wieder unten am Meer liegt, machen eine kurze Pause in den Klippen, einige Aufnahmen und drehen dann um und machen das ganze rückwärts.

Wieder in Mers-les-Bains angekommen beobachte ich mehrere Leute, die mit Laptops an der Strandpromenade sitzen und offenbar im Internet surfen. Schnell hole ich das Smartphone aus der Tasche, schalte den Wifi-Analyzer ein und tatsächlich, entlang der gesamten Promenade ist ein offenes kostenloses Wifi verfügbar. Toller Service! Als wir abends noch mal zu Fuß zur Promenade gehen um die hübschen Häuser im Abendlicht zu fotografieren, nehme ich den Tablet-PC mit und lade mir aus dem Netz die Karten der gesamten Normandie für die OsmAnd-App herunter. Nun haben wir also auch ein funktionierendes Navi. Da gerade so ziemlich tiefste Ebbe ist, kann ich relativ weit auf den Kiesstrand raus laufen und mehrere Aufnahmen machen, die ich zu einem Pano zusammen gesetzt habe:

Fortsetzung folgt.

16.01.2013


Mit dem Wohnmobil in die Haute Normandie - Teil 3

Von Mers-les-Bains nach Dieppe

Am frühen Vormittag brechen wir auf und fahren weiter Richtung Westen. Wir nehmen nicht die breite Schnellstraße sondern fahren so dicht wie möglich an der Küste entlang. Das heißt jeweils nach drei oder vier Kilometern vom Kreidefelsen hinab ins Küstental, durch die dort liegende Ortschaft und drüben wieder hinauf auf den nächsten Felsen. Meistens sind es zwei oder drei Spitzkehren, in denen man hofft, dass kein größeres Fahrzeug entgegen kommt.

In der Karte aus dem Tourismus-Büro sind verschiedene Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkte markiert, die wir aufsuchen wollen. Tagesziel soll die Stadt Dieppe sein. Der erste (Foto)Stopp wird eingelegt, als sich uns ein Rastplatz anbietet, der eigentlich für Womos gesperrt ist, aber da die Höhenbegrenzungsschranke offen und der Platz absolut leer ist, nutze ich ihn trotzdem. Wir laufen nach vorne an ein mit Blumen und Kränzen geschmücktes Denkmal und dürfen lesen, dass man hier vor wenigen Tagen dem 70!! ten Jahrestag eines Invasionsversuches Canadischer Einheiten gegen das von Nazideutschland besetzte Frankreich gedacht hat. Offensichtlich hat man das dort immer noch nicht vergessen. Kein Wunder, denn man findet immer wieder Überreste von Bunkern, die der GröFaZ hat bauen lassen. Hinter dem Denkmal schwingt sich eine doppelte Treppe hinab zum Strand und wir müssen natürlich da runter. Nur wenige Leute teilen sich den dank Ebbe riesigen Strand.

Nach kurzem Aufenthalt mit ”Füße ins Wasser tauchen” geht es dann die Treppen wieder hoch und weiter. In Dieppe angekommen fahren wir am ausgeschilderten Womo-Stellplatz vorbei, denn der ist bereits am frühen Nachmittag gerammelt voll. Wir finden in der Nähe des Badestrandes einen Parkplatz für PKWs und Womos, kostenlos und mit reichlich freien Plätzen. Flugs wird der Rucksack mit der Fotoausrüstung gepackt und wir marschieren los, erst mal Richtung Strand, dann über einen Platz, auf dem gerade ein zwei! Tage dauerndes Volksfest stattfindet durch die Altstadt.

Fahrradtour auf der Avenue Verte

Bei der Rezeption des Campingplatzes haben wir einen ganz ausführlichen Bericht über die Avenue Verte erhalten; OK, in Englisch zwar, aber das macht ja nix.

Es handelt sich dabei um eine ehemalige, eingleisige Bahntrasse der Strecke Paris-London, die über Rouen nach Dieppe führte (wo man auf das Schiff umstieg). 1988 wurde diese Trasse still gelegt und in der Folge zu einer Piste für Radfahrer und Wanderer umgebaut. Somit kann man heute vom Stadtrand Dieppe

42 Kilometer mit dem Rad ins Landesinnere radeln, ohne jemals von einem Auto oder dgl. gefährdet zu werden. Das Schöne dabei ist, dass die Trasse niemals starke Anstiege / Abfahrten hat und, dass sie direkt an unserem Campingplatz vorbei führt. Also: Räder raus, durch das Gatter an der Rückseite des Platzes geschoben, aufgesessen und schon rollen wir ganz bequem gen Südosten.

Auffallend sind die ehemaligen Bahnwärterhäuschen, die alle noch erhalten und von Privatleuten bewohnt sind. Die teilweise skurrile äußere Ausstattung führt zu unzähligen Fotostopps. Auch die ehemaligen Bahnhöfe in den größeren Ortschaften, die wir passieren sind noch vorhanden und dienen als Wohnhäuser. Immer wieder fahren wir an kleinen Teichen und exra angelegten Picknick-Plätzen vorbei, die von den andern Nutzern der Avenue belegt sind.

Nach rund zweieinhalb Stunden finden wir endlich mal einen freien Picknick-Platz für uns. Nachdem wir uns gestärkt haben, schauen wir uns den nahe gelegenen Ortskern des Dörfchens St.Vaast-d’Équiqueville an und machen ein paar Fotos.

Man könnte natürlich weiter in die alte Richtung fahren (und wer gut in Form ist kann sicher auch die 42 KM hin und wieder zurück radeln), aber wir beschließen um zu kehren und so sind wir rechtzeitig zum Nachmittagskaffee wieder am Womo. Den Kaffee und ein unterwegs gekauftes Croisant auf dem Tisch sehen wir die Ruine des Chateau einladend über den See herüber schauen.

Die Sonne wandert allerdings immer weiter hinter die Ruine, also Gegenlichtsituation und so entscheiden wir uns, die Räder erneut zu nutzen und radeln, diesmal in die andere Richtung, hinüber nach Arques-la-bataille und schieben die Räder den steilen Anstieg zur Ruine hinauf. Eine Runde zu Fuß komplett um die unglaublich großflächige Ruine, bei der wir außer einem Fotografen und seinem Model niemandem begegnen, ermöglicht jede Menge Fotos in alle denkbaren Lichtsituationen.

Erst als wir ganz ”rum” sind und unsere Räder wieder besteigen, treffen ein paar neue Besucher ein. Das Burginnere kann nicht besichtigt werden, also freuen wir uns über die gemachten Fotos auf dem Speicher-Chip und radeln wieder zurück.

Fortsetzung folgt.

20.01.2013


Mit dem Wohnmobil in die Haute Normandie - Teil 4

Von Dieppe nach St-Valery-en-Caux

Als wir aufwachen tröpfelt es auf das Dach des Womos. Ein Blick aus dem Dachfenster verheißt nichts Gutes. Egal; wir können das weniger gute Wetter ja nutzen, um ein Stück weiter zu fahren. Kerstin studiert die Karte, sucht die Markierungen von Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung (man will ja nichts verpassen) und bestimmt das Chateau de Miromesnil zu unserem nächsten Ziel. Dort soll es einen wunderschönen Park und einen noch interessanteren Garten geben. Nach dem Frühstück brechen wir auf und nach weniger als einer halben Stunde Fahrt haben wir den Parkplatz des Chateaus erreicht. Mittlerweile haben sich die dunklen Wolken verzogen, sogar die Sonne schaut hie und da wieder heraus. Wir nehmen die Kameras und laufen Richtung Schloss.

Aus dem Schlosshof kommt uns ein Herr entgegen, öffnet die schmiedeeiserne Tür und zeigt uns den Weg zur Billeterie; er erlaubt uns auch explizit den wunderbar geschorenen Rasen zu überqueren. Wir lösen brav unsere Tickets für den Garten (auch Teile des Schlossinneren können besichtigt werden; wollten wir aber nicht) und überqueren den Schlosshof erneut, Richtung Gartenpforte. Der Duft, der uns dann empfängt ist nicht zu beschreiben und es erweckt in mir den sehnlichsten Wunsch, das man bald nicht nur Bilder und Töne sondern auch Düfte festhalten und andern Leuten zugänglich machen kann. Während der Himmel immer freundlicher wird, fotografieren wir ca. eineinhalb Stunden lang die Blumen und Pflanzen auf dem 2500 m² Gartengelände. Bis auf ein junges französisches Paar sind wir alleine da. Nach einem kurzen Rundgang durch den großen aber nicht aufregenden Schlosspark fahren wir weiter. In Offranville werfen wir einen Blick auf das Taubenturmmuseum, gehen aber nicht hinein. Taubentürme waren früher in der Normandie ein Zeichen für Wohlstand. Je reicher der Besitzer, um so schöner war sein Taubenturm gestaltet...oder umgekehrt. Wir fahren zur Küste, nach Varengeville-sur-Mer. Dort ist eine wunderschöne Kapelle (mit Friedhof ) hoch oben auf den Klippen. Die hier beerdigten Fischer und Seefahrer können von ihrer letzten Ruhestätte ihr geliebtes Meer ”sehen”.

Der Andrang an Besuchern ist mäßig, so gelingen nahezu alle Fotos ohne störende ”Fremdlinge”.

Im gleichen Ort be- suchen wir noch ein altes Herrenhaus, den Manoir dAngo, bevor wir dann an der Küste entlang zu unserem Tagesziel, dem Hafenstädtchen St-Valery-en-Caux gelangen. Dort gibt es wieder einen total überfüllten Stellplatz für Womos, direkt am Hafen. Uns ist das viel zu eng und deshalb fahren wir den nahegelegenen Campingplatz an, wo es jede Menge freie Stellplätze hat. Noch während des Abendessens beginnt es zu regnen...mal sehen, wie es morgen sein wird.

Von St-Valery-en-Caux nach Fécamp

Am Morgen zeigt sich der Himmel wieder etwas freundlicher, wie man auf dem Foto erkennen kann,

hängen aber noch recht dunkle Wolken über uns und ich glaube, es hat die halbe Nacht geregnet. Wir fahren mit dem Womo hinunter an den Hafenanfang, stellen es dort auf einen öffentlichen Parkplatz und gehen zu Fuß am Hafenbecken entlang Richtung Strand. Wir besichtigen das Haus von Henry IV (also Heinrich dem 4ten), ein aus dem Jahre 1540 stammendes Fachwerkhaus direkt am Hafen, das heute ein Museum und die Touristeninformation beherbergt. Bei der Aufnahme stehe ich bereits mit dem Rücken zum Hafenbecken direkt an der Kante und muss deshalb mehrere Aufnahmen mache, die ich später zusammen setze, um alles auf ein Bild zu bekommen...deshalb ist das Haus auf dem Foto etwas krummer als in Wirklichkeit :-(

Dann folgen wir der ausgeschilderten Touristen-Fußgänger-Route, die durch die alten Gassen St. Valery’s und am Kloster vorbei führt und kehren schließlich wieder zum Hafen zurück. Die Wolken haben sich wieder verdichtet und ein Sprühregen macht den Aufenthalt ungemütlich. Wir gehen deshalb zum Womo zurück und fahren weiter. Etwa eine Fahrstunde später zweigen wir von der Küstenstraße ab und fahren in eine Sackgasse, die mit ”Les Grandes Dalles” beschildert ist. Sie endet auf einem Parkplatz am Meer, wo wir wieder mal eine Pause einlegen. Wie man erkennen kann, hat es hier vorher auch geregnet und diesbezüglich missmutig sitzen einige wenige Urlauber an der ”Promenade” herum.

Wir bereiten uns einen Kaffe, trinken ihn und tragen ihn dann wieder weg und als wir wieder zum Womo kommen und zum Meer blicken, sieht es am Himmel schon ganz anders aus....es geht halt immer recht rasch am Meer mit dem Wetterwechsel. Wir haben gegen diese Änderung natürlich nichts ein zu wänden, fahren aber trotzdem weiter.


Wenn man wie wir die Küstenstraße nimmt, erreicht man Fecamp oberhalb der Stadt bei einer unscheinbaren Kirche und einem dahinter stehenden Leuchtturm. Von dort hat man sowohl eine gute Übersicht über Fecamp als auch über die Küste ”zurück” Richtung St. Valery-en-Caux.

Hier begegnen wir auch wieder, wie fast überall auf unserer Tour, den Hinterlassenschaften des Weltkriegs. Nachdem sich niemand dort oben befindet, der uns beide hätte (mit unserer Kamera) fotografieren wollen, mach ich das mal mit der SLR wie die ”Handyknipser” ... das Ergebnis? .... naja, reden wir nicht drüber.

Wir fahren schließlich hinab in die Stadt, folgen einfach dem ersten Schild ”Camping” und landen auf einem Platz in halber Höhe des Felsens, den man im Übersichtsbild (oben) jenseits der Hafenausfahrt sehen kann. Von hier aus kann man herrlich aufs Meer schauen, dem Geschrei der Möwen lauschen und darüber nachdenken, wieso man früher noch nie hier her gefahren ist und ob man hier noch mal weg möchte.

Abends frischt der Wind auf und einige dunkle Wolken ziehen vom Meer heran. Aus dem Womo mache ich mit dem Teleobjektiv die Aufnahme von der Hafeneinfahrt. Später gehen wir zu Fuß runter zum Strand, es sind keine 10 Minuten, aber leider ist die Sonne nicht mehr bereit die Wellen, die sich vorne an den kleinen Leuchttürmen brechen, so richtig fotografisch ”genial” zu beleuchten.

Fortsetzung folgt.

26.01.2013


Mit dem Wohnmobil in die Haute Normandie - Teil 5

Fecamp

Heute ist wieder Ruhetag für das Womo. Am späten Vormittag spazieren wir hinab in die Stadt, entlang dem Hafen, betrachten die zahlreichen vor Anker liegenden Yachten und gelangen so zum Office de Tourisme. Während Kerstin drinnen nach Unterlagen sucht und sich beraten lässt, surfe ich etwas im Internet. Hier ist wieder, wie in allen Büros vorher, ein kostenloses Wifi installiert. Ich ”checke mal kurz meine Mails” und schaue ins Forum meines Fotoclubs, aber Schreiben macht mit dem Browser auf dem Smartphone nicht wirklich Spaß, weshalb ich es einfach lasse...bin ja schließlich ”in Urlaub”. Dann nehmen wir den Plan mit einer Route für einen Stadtrundgang in die Hand und gehen los, Richtung Altstadt. Sie liegt etwas weiter weg vom Hafen, auf einer kleinen Anhöhe, wo uns zuerst die Kirche Saint-Etienne begrüßt. Diese stammt aus dem 16. Jahrhundert uns ist eine ausgiebige Besichtigung wert. Dann geht es weiter durch die Fußgängerzone, die außer den typischen französischen Geschäftsfassaden nichts Aufregendes zu bieten hat. Ganz in der Nähe des Hotel de Ville (=Rathaus) finden wir die Ruine eines befestigten Chateaus, das aus dem 11. und 12. Jahrhundert stammt und von den ersten normannischen Herzögen der Normandie errichtet wurde.

Viel ist nicht mehr zu sehen und hinein kann man schon gar nicht; dreht man sich jedoch um und schaut auf die ihr gegenüber liegende Seite des kleinen Platzes, blickt man auf die Front der unglaublich großen Abteikirche Sainte-Trinité, die von 1175 bis 1220 im normannischen Baustil errichtet wurde. Natürlich besichtigen wir auch dieses Bauwerk ausgiebig...schön, dass in Frankreich die Kirchen meistens geöffnet sind.

Von dort aus geht es im Bogen zurück Richtung Hafen. Aus einer zur Hafenstraße parallel verlaufenden Straße schaut die ganze Zeit ein interessanter Turm hervor. Er gehört zum Palais Bénédictine wo heute ein Museum dem interessierten Besucher die Entstehungsgeschichte und die Herstellung des weltberühmten Kräuterlikörs Bénédictine erläutert. In einem schön gestalteten verglasten Innenhof kann man auch von diesem Stoff probieren und wir sind so davon überzeugt, dass wir auch eine große Flasche davon nebst einigen Kleinigkeiten mitnehmen.

Mit einem weiten Schlenker über die Strandpromenade, wo heute wieder bei normalen Windverhältnissen reger Badebetrieb herrscht, geht es dann zurück zum Campingplatz.

 

Von Fecamp nach Étretat

Ich glaube es war bereits auf einem der ersten Prospekte, die wir in Mers-les-Bains erhalten haben, auf diese Felsentore abgebildet waren. Es stand zwar nicht dabei wo das ist, aber mir war sofort klar, dass ich da hin will. Bei der netten Camping- platzpächterin am See bei Dieppe fasste ich mir dann ein Herz, kramte alle meine Französischkenntnisse zusammen, zeigte ihr die Abbildung und fragte: ”Pouvez vous...?”. Seitdem weiß ich es also und deshalb fahren wir heute weiter nach Étretat. Es sind nur wenige Kilometer, die man in weniger als einer Stunde hinter sich bringen könnte, aber unterwegs gibt es noch einen Ort, den man auf keinen Fall auslassen darf: Yport.

Ein richtiges kleines, noch echt verschlafen wirkendes Fischerdorf mit weniger als 1000 Einwohnern und einem kleinen Strand an dem die obligatorischen Umkleide-Holzhäuschen stehen und wo man auch Fischerboote mit dem zum Fischen notwendige Gerät vorfindet. Eine enge Einbahnstraße führt durch die im schmalen Küstental aufgereihten Häuser dorthin und eine zweite parallel dazu wieder zurück. Der Parkplatz neben dem Strand ist kostenlos, aber leider nur für PKWs. Ich finde vor der kleinen Kirche im Ortskern einen fürs Womo. Die Kirche, deren Inneres teilweise an ein Seefahrtsmu- seum erinnert, ist absolut sehenswert. Die Hauptattraktion Yports sind allerdings die beiderseits des Ortes senkrecht zum Meer abfallenden Kreidefelsen. Wir gehen zum Strand und es ist wie beinahe jeden Vormittag: die Wolken hängen noch sehr tief über dem Meer, reißen aber mehr und mehr auf und ich bin mittlerweile sicher, dass wir nachmittags wieder gutes Wetter mit fotogenen Wölkchen haben werden.

Als wir die Parallelstraße vom Strand zurück gehen, stellen wir fest, dass eigentlich alles an Infrastruktur vorhanden ist, was man (für einen entspannendenUrlaub) so brauchen würde, allerdings auch, dass auffällig viele Häuser zum Verkauf stehen.

Dann geht es weiter nach Étretat. Ich habe vor, noch vor Erreichen des Ortes rechts hoch zu der kleinen Kirche zu fahren, von der ich eine Abbildung gesehen habe und bei der laut Karte ein Park- platz ist. Leider aber ist die Straße für Womos (und LKWs) gesperrt. Also geht es doch hinab in den Ortskern und ich folge einem Schild, was einen Parkplatz für 270 Fahrzeuge verspricht.

Die Hauptstraße im Ort ist extrem eng und auf der einen Seite parkt Auto an Auto. Nach drei Ampeln und zahlreichen Begegnungen im Minimalabstand habe ich das Ortende bereits erreicht. Einige 100 Meter außerhalb finde ich dann den beschriebenen Platz. Er liegt links der Straße und ist offenbar relativ neu angelegt, hat eine Schranke mit Ticketautomat und ist ziemlich leer. Gegenüber, rechts der Straße ist aber ein Platz auf dem zahlreiche Womos (und PKWs) stehen, der frei (kostenlos) zugänglich ist und wo wir uns dazu stellen. Der Fußweg zurück zum Ortskern führt durch einen kleinen Park und man muss höllisch aufpassen wo man hin tritt...ja, die Franzosen sind große Hundeliebhaber. Nach etwa 20 Minuten sind wir an der Strandpromenade und sehen zum ersten mal eines der Felsentore, den Falaise dAmont. Ein Fußweg hinauf zur kleinen Kirche ist ausgeschildert und wir nehmen ihn sofort in Angriff.

Auf halber Höhe steht dann auf einer Treppenstufe, dass es 263 Stufen seien. Noch 263 oder insgesamt 263 ??...egal, wer so weit gestiegen ist, geht auch weiter. Das Zählen schenken wir uns. Oben kann man auf den Felsen entlang wandern; eine breite, schlecht gemähte Wiese bietet sich dazu an, auch zum Picknicken oder zum Fachsimpeln über die gemachten Fotos. Wie in Frankreich eigentlich üblich ist nichts abgesperrt; lediglich ein Schild in drei Sprachen warnt vor Absturzgefahren. Auf dem Parkplatz bei der Kirche entdecken wir eine Reihe britischer Fahrzeuge...echte Oldtimer! Mutig sind sie ja, die ”Tommys”. Die Besitzer und ihre (meist weiblichen) Beifahrer sitzen vorne an der Klippe im Schatten der Kirche und machen ”Tea Time”. Nach einigen Aufnahmen gehen wir die Stufen wieder hinunter und merken jetzt, dass an der Strandpromenade doch recht viel Betrieb ist. In keinem der Orte, die wir bisher besucht haben, war nur annähernd soviel los.

Aus den gut besuchten Strandlokalen duftet es verführerisch und wir suchen uns einen Platz unter einem großen Sonnenschirm, denn wie erwartet ist der Himmel mittlerweile wieder beinahe wolkenlos und die Sonne brennt doch recht ordentlich. Hier gibt es als ”Plate du jour” (Tages- gericht) ”Moules & Frites” mit einem Glas Cidre und einer Crepe als Dessert, was ich bestelle. Kerstin nimmt die ”Moules Normande”, die direkt im Kochtopf serviert werden. Es schmeckt köstlich und die Preise bleiben sogar im Rahmen.

So gestärkt machen wir uns dann an den Aufstieg auf den Falaise d’Aval, dem westlichen Kreidefelsen. Um den Torbogen, die Porte d’Aval fotografieren zu können, muss man oben noch ein ordentliches Stück westwärts laufen, immer entlang einem Golfplatz, der als der schönste Golfplatz Europas bezeichnet wird. Irgendwann haben wir dann genug Fotos gemacht und machen uns auf den Rückweg hinunter in den Ort, finden dort an einer Straßenkreuzung einen Lebensmittelladen wie wir ihn von früher kennen: nicht allzu groß, nur Lebensmittel, sonst nix.

Wir kaufen einiges ein und marschieren wieder hinaus zum Womo. Jetzt heißt es Campingplatz aufsuchen und Stellplatz belegen. Am Tor des Platzes hängt ein Schild : ”absolute complete”. Ich gehe trotzdem in die Rezeption und frage, ob nicht ”auch nur für eine Nacht” usw...aber ohne Erfolg. Allerdings gibt uns die nette Dame ein Kärtchen von einem andern Campingplatz, bei dem wir es versuchen könnten. Er liegt etwa 10 KM im Landesinnern und ist eigentlich die Obstwiese eines alten Bauernhofes. Uns stört das weiter nicht, denn die sanitären Anlagen sind sauber und zeitgemäß...auch wenn außen auf dem Gebäude das Erstellungsjahr 1856 vermerkt ist. Wir buchen zwei Nächte, weil mir klar ist, dass ich morgen einige Zeit an diesen Felsentoren verbringen werde. Die tiefschwarze Pächterin freut sich riesig darüber.

Fortsetzung folgt.

03.02.2013


Mit dem Wohnmobil in die Haute Normandie - Teil 6

Le Havre und Étretat

Bereits gestern, beim Abstieg vom Falaise dAval, fielen uns unten, dort wo auch der Weg zum ”Tor” des Falaise beginnt, diverse Zettel mit Warnungen auf, die an die Wand einer Atlantik-Wall-Bunker-Ruine gepinnt sind. In mehreren Sprachen (auch Deutsch) wird darauf hin gewiesen, dass man den Rückweg mindestens 4 Stunden vor Hochwasser (Flut) beginnen solle. Daneben hängt eine Gezeitentabelle. Heute wird das Hochwasser um 9:30 Uhr und um 22:05 Uhr sein. Da vormittags die Sonne ungünstig steht, bleibt also nur der Nachmittag zum Fotografieren an diesen Felsen.

Den Vormittag nutzen wir deshalb zu einem Ausflug nach Le Havre.

Hier mündet die Seine in den Atlantik und ihre breite Mündung wird von einem gewaltigen Bauwerk, dem Pont de Normandie überspannt, einer Autobahnbrücke, die an zwei riesigen Pfeilern aufgehängt ist und so die Haute Normandie mit der Basse Normandie verbindet. Leider ist gegen Mittag, als wir dort ankommen schon sehr viel Dunst über dem Wasser, so dass es sich auch nicht lohnt, die Mautgebühr von zweimal ¬ 5,20 (für Hin- und Rückfahrt) auszugeben, um von der anderen Seite die Sonne im Rücken zu haben, was für die Fotos von Vorteil wäre. So sind die Aufnahmen, die ich mache, wenig zufriedenstellend. Wir fahren anschließend durch die Stadt, vorbei am neu erbauten und 2012 eröffneten Stadion, das ganz in Blau glänzt und dann entlang der Küste nach Norden, wieder Richtung Étretat. Unterwegs gibt es mal wieder eine Gedenkstätte, die wir uns anschauen, das Memorial de Bruneval. Hier hat damals ein Luftlandekommando eine deutsche Radarstation überfallen und durch Diebstahl von wichtigen Teilen die Station unbrauchbar gemacht. Kurz vor Étretat finden wir rechter Hand hinter einem schmiedeeisernen Zaun versteckt, noch ein nettes Anwesen, das Chateau de Frefosse, das leider nicht zugänglich ist.

Das Womo stellen wir heute am östlichen Ortsrand ab und nehmen die Räder, um damit an den Strand zu fahren. Wir ketten sie dort an und machen uns auf den Weg zur Porte d’Aval. Bis zur Flut sind es noch gut 6 Stunden. Der Kiesstrand ist großenteils abgetrocknet und ein paar Dutzend Leute gehen in unsere Richtung oder kommen uns entgegen. Beim Näherkommen erkennen wir, dass man in die Höhle links von dem großen Tor gehen muss, an deren dunklem Ende sich eine senkrechte, in den Fels eingelassene etwa 6 Meter hohe Eisenleiter findet. Eine Lücke im ”Gegenverkehr” abwartend klettere ich hinauf und helfe dann einem kleinen Mädchen, das mit seinem Vater hinter mir nach oben klettert. Kerstin schafft es bis kurz vor das obere Ende der Leiter, wo die normalen Sprossen nochmals in dickere vierkantige Eisen über gehen, dann verlässt sie der Mut und sie steigt wieder hinab.

Wir beschliessen, dass ich alleine weiter gehe. Es folgt ein mannshoher, etwa einen Meter breiter Durchgang durch den Fels, der mehrere Knicke hat und in dem es deshalb in der Mitte stockfinster ist. Durch ”Andrücken” des Auslöser meiner Kamera nutze ich das AF-Hilfslicht um wenigstens etwas zu sehen und nicht am nächsten Knick mit dem Kopf gegen die Wand zu laufen. Drüben geht es über grobe Stufen im Fels wieder hinab auf den Kies. Etwa 400 Meter weiter am nächsten Felsentor, der Manneporte, wiederholt sich das mit der Leiter, nur ohne Felsdurchgang. Dafür steht die Leiter schräg an der Felswand, ist etwa 10 bis 12 Meter lang und total verrostet. Dahinter sind nur noch wenige Leute unterwegs, sie stellt für viele wohl doch ein echtes Hindernis dar. Ich stapfe weiter über den Kies bis zum nächsten Felsvorsprung, den ich zwar erklimmen kann, aber keinen Abstieg mehr finde. Von dort mache ich nun eine Reihe Aufnahmen von den beiden Toren und der ”Nadel”, einem spitzen, ca 70 Meter aus dem Meer aufragenden Fels, direkt neben der Porte dAval.

Dann höre ich eine Trillerpfeife und erkenne am vorletzten Felsen, den ich überwunden habe einen winkenden Mann. Meint der mich? Ich reagiere erst mal nicht, aber er pfeift und winkt weiter. Diesmal winke ich zurück worauf das Pfeifen verstummt. Ich mache ein paar letzte Fotos und beginne dann den Rückweg. Der Mann, ein Uniformierter, kommt mir entgegen und trifft mich auf halbem Weg zur Manneporte. Auf Französisch (was anderes kann er nicht) erklärt er mir, dass es Zeit zur Rückkehr sei und außerdem unvorsichtig von mir, ganz alleine da raus zu laufen. Er hat recht, denn erst auf dem Rückweg wird mir bewusst, wie anstrengend das Laufen über diesen grobe, schräg abfallenden Kiesstrand ist und dass man für den Weg doch ordentlich Zeit benötigt, mehr als man vielleicht vorher vermutet. Wir gehen gemeinsam zurück. Unterwegs fängt er noch mehrere Personen ab, die in die andere Richtung wollen und schickt sie zurück. Als später bei auflaufendem Wasser zu sehen ist, dass die Leitern und der Durchgang bei Hochwasser sicher überflutet werden, weiß ich, warum das Timing hier so wichtig ist. Klar, ein Boot würde helfen...hab ich aber nicht.

Ich komme jedenfalls wohl behalten, aber vor Anstrengung klatsch nass geschwitzt wieder an der Strandpromenade an, wo Kerstin auf mich wartet. Die Fotos sind gemacht, die Mühe war es wert. Auf dem Rückweg mit dem Fahrrad durch den Ortskern versorgen wir uns noch mit zwei schönen Steaks aus einer echten Boucherie-Charcuterie (=Metzgerei), die wir später auf unserem ”Bauernhofcampingplatz” auf unserm Mini-Holzkohlegrill zubereiten. Ein weiterer wunderschöner Tag geht zu ende.

letzter Teil folgt

10.02.2013


Mit dem Wohnmobil in die Haute Normandie - 7. und letzter Teil

ckreise und Nancy

Heute ist Mittwoch, morgen hat Kerstin Geburtstag und am Freitag muss ich das Womo beim Vermieter abgeben. Beim Frühstück, das wir wieder draußen in der Sonne genießen, erklärt mir meine liebe Frau, dass sie ihren Geburtstag nicht den ganzen Tag quer durch Frankreich fahrend erleben möchte. Also beschließen wir, heute unsere Zelte abzubrechen und die Heimreise anzutreten. Tisch und Stühle sind schnell im Laderaum verstaut, das Elektrokabel aus dem ”vorsintflutlichen” Anschlusskasten abgezogen, aufgerollt und eingepackt und bald kann es los gehen.

Wir nehmen die Strecke entlang der Küste bis Fécamp, weil wir einfach noch mal den Blick auf diese wunderbare Landschaft mit der hellen, manchmal richtig weißen Steilküste und dem türkisblauen Meer genießen wollen. Dann geht es Richtung Autobahn und bei Yerville erreichen wir diese, ziehen an der Mautstation unser Ticket und freuen uns über die Tatsache, dass nur wenige Autos mit uns unterwegs sind. Bei Amiens erfolgt der obligatorische Tank- und Einkaufsstop. Ich kann diesen Haltepunkt nur jedem, der diese Route fährt (zum Beispiel auch in die Bretagne) empfehlen. Während der Weiterfahrt besprechen wir, die kommende Nacht in Nancy zu verbringen, mit der Absicht, uns unsere Partnerstadt morgen etwas ausführlicher anzuschauen.

Der Stellplatz am Port St. Georges ist relativ bald gefunden aber leider schon voll belegt. Das ist sehr schade, denn von da kann man in wenigen Minuten zu Fuß das historische Zentrum Nancys erreichen. Uns bleibt nur auf den großen Campingplatz im Vorort Villers-les-Nancy auszuweichen, wo es genügend freie Plätze hat. Am Donnerstag früh fahren wir wieder hinunter an die Meurthe (der Fluß, der durch Nancy fließt) und parken auf einem großen kostenlosen Platz beim Nautic Centre.

Mit den Rädern fahren wir dann hinein in die Altstadt bis zum Place Stanislas, wo wir sie beim Office de Tourisme anketten. Zu Fuß erkunden wir dann die Innenstadt, die sehr viel zu bieten hat und sicher einen Tages- oder Wochenendausflug wert ist. Am frühen Nachmittag geht es dann wieder zum Womo und auf die Heimreise. Gegen 17 Uhr erreichen wir Karlsruhe.

Fazit:

Wir sind etwas mehr als 2.000 Kilometer mit dem Wohnmobil gefahren; etwa 85 % davon waren Hin- und Rückreise auf der stressfreien aber gebührenpflichtigen französischen Autobahn. Wir freuen uns, eine sehr schöne und interessante Gegend kennen gelernt zu haben. Dies mit dem Wohnmobil zu tun ist sicher nicht die einzige Möglichkeit, aber wir meinen es ist wegen der absoluten Ortsunabhängigkeit die ideale. Die Zeit verging wie im Flug und war genau genommen etwas kurz; besser wären runde drei Wochen inklusive Hin- und Rückreise gewesen. Ich denke, wir waren nicht das letzte Mal in der Normandie.

Text und Fotos: Reinhard Bruckner

Kontakt per email: aaa1392-fotos@yahoo.de

Weitere Fotos: www.reinhard-bruckner.de

03.03.2013


Lourdes im Zeichen des Rosenkranzes

Wallfahrt vom 17.07. bis 23.07 2012 mit beeindruckenden Erlebnissen

Von Franz Gabath

Die jährliche Pfarrwallfahrt von Böbingen, Venningen führte in diesem Jahr zum französischen Marienwallfahrtsort Lourdes. Es gibt in Deutschland mit Altötting, Kevelaer, Marienthal, Werl, Wemding im Ries, oder auch mit unserem Speyerer Dom, bedeutende Marienwallfahrtsorte in Deutschland,  zu denen die Gläubigen pilgern um der Mutter Gottes ihre Sorgen, Nöte, aber auch Freuden anzuvertrauen und ihren Dank für erhaltene Hilfe abzustatten. Lourdes ist ohne Frage einer der größten, wenn nicht der bedeutendste Marienwallfahrtsort auf der ganzen Welt. Über 6 Millionen Gläubige  pilgern jährlich in den größten Marienwallfahrtort weltweit, an dem vom 11. Februar bis zum 16. Juli 1858 28 Mal die Gottesmutter dem armen  Bauernmädchen Bernadette Soubirous erschienen ist. Unter den internationalen Pilgern stellen die Deutschen mit etwa 20 000 im Jahr eher einen geringen Anteil dar.

Pfarrer Marco Richtscheid, ein ausgewiesener Lourdeskenner hatte, ein in jeder Hinsicht, touristisch wie vor allen Dingen spirituell, hervorragendes Programm zusammengestellt, das in dieser Art wohl nicht zu überbieten ist. Die Pilgergruppe aus Böbingen Venningen wurde verstärkt durch Wallfahrer aus Duttweiler, Geinsheim, Kleinfischlingen, Herxheim, Wachenheim und Iggelheim. Auch ein Pilger aus Frankfurt a. M. gehörte zu der Gruppe. Inngesamt 53 Pilgerinnen und Pilger traten erwartungsvoll die Reise an. Nach einer Fahrt durch das sonnenüberflutete Frankreich mit Picknick auf „Pfälzer Art“, also Weck, Worscht un Riesling trocken, aber auch mit süßen Stückchen, traf die Gruppe kurz nach 15 Uhr in Ars, der Zwischen- und Übernachtungsstation ein. Die Übernachtung erfolgte im Schwesternhaus St. Josef, ehemals ein vom Pfarrer von Ars 1824 gegründetes  Waisenhaus, heute ein geistliches Zentrum und Pilgerhaus. Bei einer Führung und einer ergreifenden Hl. Messe wurde den Pilgern die großartige Gestalt dieses einfachen Priesters nahegebracht, der ein großen Heiliger und Patron der Priester auf der ganzen Welt wurde.

War hier in Ars die Qualität der Zimmer, in der Ausschreibung als einfache Schwesternunterkunft beschrieben,  weitaus besser wie angekündigt und erwartet, ließen die Hotels in Lourdes und zum Abschuss in Nevers, keine Wünsche der Pilger offen. Dass das Hotel „Roissy“ in Lourdes nur wenige Schritte vom „Heiligen Bezirk“ entfernt liegt, kam den Wallfahrern zu gute, die nicht so flott zu Fuße waren. Eine Tatsache die immer wieder anerkennend betont wurde. Der Service war schnell und zuvorkommend und die beiden, mindesten dreigängigen,  Menüs ließen so manche Vorsätze bezüglich der Figur in Vergessenheit geraten.

Lourdes wurde am folgenden Tag um 18:30 Uhr erreicht. Mächtig erfüllte das „Großer Gott wir loben dich“ den Bus.

Es folgten fast 5 unvergessene Tage mit überwältigenden Eindrücken in Lourdes. Höhepunkte waren zum einen die täglichen Sakramentsprozessionen die in der unterirdischen Basilika St. Pius X. endeten. Der lange Zug der Gläubigen, in den gerade die Behinderten und Kranken in so exponierter Art und Weise mit einbezogen sind, ist eine Erfahrung der besonderen Art. Nicht nur dass hier in Lourdes die kranken und  behinderten Menschen hier im Mittelpunkt stehen und denen überall die ersten Plätze zugedacht werden beeindruckt die übrigen Pilger. Auch die vielen jungen Menschen die sich in vielfältiger Weise um diese Pilger kümmern sind eine vielbeachtete Erfahrung.

Das Gleiche – absoluter Höhepunkt- gilt für die allabendlich stattfindende Lichterprozession über das ganze Areal des Hl. Bezirkes. Mit brennenden Kerzen in den Händen, den Rosenkranz in den verschiedensten Sprachen betend und singend bewegen sich die Gläubigen in einer nicht enden wollenden Prozession, angeführt von einer Marienstatue, die dann an der Rosenkranzbasilika endet.

Die letzte Messe an der Erscheinungsgrotte wird um 23 Uhr, meist in italienischer Sprache, gelesen. Für die Deutschen sind das Temperament und die Art wie die Pilger aus dem Süden Europas ihre Frömmigkeit und Ergriffenheit zeigen im ersten Moment ungewohnt. Aber sehr schnell spürt man das  große innerliche Engagement das hier ohne Scheu auch nach außen gezeigt wird.  

Und wer danach noch in der völligen Ruhe und Stille verweilte spürte etwas von der Faszination Lourdes, die jeden Beter umfängt und verstehen lässt, was Menschen bewegt immer wieder an diesen Gnadenort zurückzukehren.

Die Wallfahrt wurde auch durch die täglich von Pfarrer Richtscheid gefeierten Hl. Messen in den verschiedensten Kirchen und Kapellen geistig bereichert. Hier gehörte die Spendung des Sakramentes der Krankensalbung in der Kapelle des Hl. Michaels sicher zu den ergreifendsten Erfahrungen. Zwei Mal konnte die Pilgergruppe aus der Pfalz am internationalen Gottesdienst, der mittwochs und sonntags gefeiert wird teilnehmen. Ein Erzbischof, 18 Bischöfe, über 300 Priester und fast 30 000 Gläubige aus aller Welt – hier wurde Weltkirche spürbar. Hier fühlte Jeder, dass seine Kirche katholisch, also weltumspannend, ist. Sehr schnell kam das Gefühl der Vertrautheit und Dankbarkeit für diese Erfahrung auf. Und wir waren immer mit unserer Wallfahrtsfahne, die auf der Vorderseite das Bild der Madonna von Lourdes und auf der Rückseite die Unterschriften aller Pilger zeigte, präsent. Es erfüllte alle Pilger aus der Pfalz mit Stolz, wenn ihr Herkunftsort unter all den internationalen Herkunftsländern und Pilgergruppen genannt wurde. Wir waren die einzige Pilgergruppe aus Deutschland.

Das Wasser aus der Quelle, die Bernadette freigelegt hatte ist ein wesentlicher Bestandteil der Zeichen die die Pilger mit Lourdes verbinden. Etliche der Wallfahrer nahmen ein Bad in der Hl. Quelle und nahmen Lourdeswasser mit nach Hause. Es wird in etlichen Häusern als Weihwasser verwendet und erinnert immer an die unvergesslichen Tage am Gnadenort.

Die empfundene große Freude und Dankbarkeit über die gelungene Pilgerreise fand in der Spende einer 35 kg schweren Kerze, die in einer Prozession feierlich zum Kerzenplatz gebracht wurde, ihren sichtbaren Ausdruck. Dem Motto des Jahres gemäß, „Mit Maria zum Rosenkranz“ hängt an einem der Bäume hinter der zentralen Figur der gekrönten Madonna auch ein Rosenkranz der pfälzer Pilgergruppe. Ein Rosenkranz mit großen Perlen auf denen die Monogramme der pfälzer Pilger geschrieben stehen. Viele Wallfahrer hängen dort Rosenkränze auf, die am Jahresende in alle Welt verschickt werden – überall hin wo diese von Nöten sind.

Eine Exkursion nach  Bartres, wo Bernadette bei ihrer Patentante einige Jahre die Schafe hütete, so wie ein Rundgang durch Lourdes zu den verschiedenen Stationen ihres Lebens vervollständigte das fein abgestimmte Programm. Das herrliche Sommerwetter trug natürlich auch zum Gelingen der Pilgerreise bei. Dass beim Gang des Kreuzweges der Himmel sich verhangen zeigte und einige Regentropfen fielen, wurde nicht besonders bedauert, sondern eher für den Anlass passend empfunden. Das Gleiche gilt bei der r Hl. Messe die wir zusammen mit einer 400 Frauen starken Pilgergruppe von den oberösterreichischen Goldhaubenträgerinnen an der Grotte feiern konnten.

Die Tage vergingen wie im Fluge und man nahm schweren Herzens Abschied von Lourdes. Das „Ave, ave, ave Maria“ der Lichterprozession wird noch bei Vielen lange nachklingen.

Die Rückreise führte über Nevers. Die Hl. Bernadette hatte im dortigen Kloster bis zu ihrem Tod segensreich gewirkt. In der Klosterkirche St. Gildard ist ihr unverwester Leichnam in einem Glassarg aufbewahrt. Der Abschlussgottesdienst der Pilgerreise wurde hier feierlich gefeiert.

Dieter Bügel vom Reiseunternehmen Fichtenkamm aus Rheinzabern war ein umsichtiger und freundlicher Fahrer, der die fast 2 800 km schon zu einem Erlebnis machte.

Die Pilger aus der Pfalz können nach dieser Wallfahrt ins Zentrum der weltweiten Marienverehrung besser  verstehen, was Pfarrer Richtscheid meint, wenn er Lourdes als eine „spirituelle Tankstelle“ für sein priesterliches Wirken nennt. Bild: Franz Gabath

27.07.2012


Lourdes Wallfahrt vom 17.07. bis 23.07 2012 mit beeindruckenden Erlebnissen - Bilderalbum

   

Drei Mann in einem Boot!

Saar-Sailors go Rheinwoche

von Franz Gabath

Kieler Woche, Travemünder Woche, Warnemünder Woche - alles großartige Veranstaltungen für die "Who's Whos" des Segelsports. In deutlich kleinerem Rahmen präsentiert sich die RHEINWOCHE - klein, aber fein! Mit einem entscheidend anderen Erlebnisfaktor: Du fährst nicht "rund um die Posten", sondern entlang des ständig wechselnden Rheinufer-Panoramas. In diesem Jahr wurde in Köln-Porz gestartet - das Ziel lag 160 km rheinabwärts in Rees. Die Rheinwoche feierte 2012 ihr 90-jähriges Jubiläum und die an der Regattastrecke beheimateten Vereine „ Yachtclub Lörick” “, so wie „ Yacht-Club Wesel”, ihr 50-jähriges, bzw. 75-jähriges Jubiläum

Auch ein „Saarländisch-pfälzisches“ Team  hatte für die Rheinwoche 2012 gemeldet: Martin Müller vom saarländischen Landesseglerverband (SC Nordsaar) mit seiner Crew Thomas Krämer, so wie Franz Gabath, aus der Pfalz, auf einer Edel 660. Martin Müller, ein versierter Segler, der mit den unterschiedlichsten Bootstypen bestens zurechtkommt ,jahrelang wettkampfmäßig mit Hobby- Kat unterwegs, hatte mit mir einen ziemlichen Neuling angeheuert. Ich war zwar mit Martin des Öfteren auf dem „Saarländischen Meer“, dem Bostalsee gesegelt.  Aber auf dem Rhein, mit seiner doch nicht unerheblichen Strömung und besonders das Segeln inmitten der Berufsschifffahrt ist  doch eine andere Nummer. Zudem waren 130 Boote in 7 unterschiedliche Bootsklassen am Start. Da herrschte besonders am Start und bis die schnellen Segler weg waren, doch ein größeres Gedränge, was ein „Segelküken“ erst einmal irritiert.

Die familiären Bande, Martin ist einer meiner Schwiegersöhne, spielten bei der Anheuerung wohl auch eine nicht unwichtige Rolle. Für uns Drei stand das "Erleben" vor dem "Gewinnen". Denn wann gibt es schon die Möglichkeit, so gut abgesichert durch DLRG und die Wasserschutzpolizei eine der meistbefahrenen Wasserstraßen Europas entlang zu segeln, zumal im Bereich des Duisburg-Ruhrorter Hafens das Segeln auf dem Rhein normalerweise strengstens verboten ist.  Ja- der  Segelgenuss stand von vorne herein und bald nur noch im Vordergrund. Wobei in verschiedenen Situationen Martins Wettkampfergeiz nicht zu übersehen war. Er aber, ob meiner Unkenntnisse, oder bei nicht schnellgenug erfolgte Reaktion, niemals böse wurde. Es löste sich immer alles im Lachen auf. Thomas bringt weit mehr an Segelerfahrung mit.  Die hochgesteckten Erwartungen, am Ende das „Blaue Band zu erringen gaben wir schon nach der ersten Wettfahrt, bei dem uns der Start überhaupt nicht gelang, auf. Zumal die  „La Chale`che“ 6,5 Meter lang mit Küche und 4 Schlafplätzen nicht unbedingt der Innbegriff eines Regattabootes darstellt. Dafür aber annehmliche Übernachtungsmöglichkeit bietet und jede Menge Bagage und Proviant, auch in flüssiger Form, bequem unterzubringen ist. So starteten wir frohen Mutes von Illingen aus zum Starthafen nach Köln-Porz.

Schon hier ein großes Lob an die die Organisation der Rheinwoche. Nach dem Zuwasserlassen der Boote mittels Autokran fuhr Tomas das  Auto samt Trailer zum Zielhafen nach Rees und wurde von dort mit einem Bus-Shuttle zum Starthafen zurückgefahren. Leider kam Thomas in einen langen Stau, so dass er erst mit dem letzten Shuttlebus zurückfahren konnte und erst gegen 23.30 Uhr wieder bei uns ankam. Martin und ich hatten das Boot inzwischen startklar gemacht und uns dann mit einigen Kölsch auf die kommenden Tage eingestimmt.

Begleitet wurde das Regatta-Feld von der "MS Eureka ", einem Fahrgastschiff, auf dem eine Essensversorgung angeboten wurde und bei Bedarf mit Schlafsack übernachtet werden konnte. Viele Angehörige und Freunde der Segler begleiteten die Regatta auf der „MS Eureka.

Die Wetterprognose für die Regattatage - sommerlich warm mit gutem Wind - konnte besser nicht sein! So starteten am Samstag alle 7 Startgruppen pünktlich in die erste Etappe von Köln nach Hitdorf (27km). Wie schon erwähnt, raubte uns der misslungene Start schon jeglicher Siegeschance. Die Windverhältnisse waren die ganzen Tage gleich. Von Flaute bis steifer Brise war Alles vorhanden. Wir beiden Vorschoter hatten immer alle Hände voll zu tun. So blieb mir, obwohl ich den Törn mit einem Touristenvisum glaubte angetreten zu haben, nichts erspart. Die Kommandos von Martin waren unmissverständlich – und vor allem – zu befolgen. Erstaunlicherweise hatte ich mich sehr schnell an den vielen Verkehr auf dem Rhein gewöhnt. Klar - auf ein Containerschiff, das drei Container über Deck geladen hat und das beim Näherkommen wie ein Hochhaus wirkt, musste ich mich schon erst gewöhnen. Nachdem ich aber merkte wie schnell und präzise die Cale`che auf die Wendemanöver reagiert, stellt das kein Problem mehr dar. Auch zwei nebeneinander gekuppelte Schleppverbände geben beim Daraufzufahren ein imposantes Bild ab. Das sind ganz andere Perspektiven wie von Land aus. Und das eigene Schiff wird immer kleiner.

Bei der Vorbeifahrt am Kölner Dom, Punkt 12 Uhr, lies der Kardinal die Glocken läuten. Als Katholiken bezogen wir das, als besonderen Service des Kardinals,  natürlich nur auf uns. Wahrscheinlich läuten jeden Tag um 12 Uhr die Glocken des Domes.  Aber an diesem Tag war es für uns ganz alleine. Es war ein herrlicher Tag und wir köpften angesichts der gewaltigen Kathedrale eine Flasche Sekt.

Nach einer kurzen Mittagspause in Hitdorf ging es weiter zum Tagesziel nach Düsseldorf-Lörick (40km). Gegen 16 Uhr passierten wir die Werksanlagen von Bayer Leverkusen. Die Werksfeuerwehr spritzte zur Begrüßung aus allen Rohren. Bei der Vorbeifahrt an der imposanten Kulisse von Düsseldorf setzt sehr starker Wind ein, so dass wir wirklich alle Hände voll zu tun hatten und den Anblick der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen nicht genießen konnten. Als wolle der Wind uns zeigen, dass hier das Leben pulsiert, fegten Böen in die Segel und zwangen das Schiff in eine tiefe "Verbeugung" vor der Skyline dieser Rheinmetropole Die Schieflage unseres Bootes war schon mehr als extrem. Aber Martin beruhigte mich, dass sein Schiff nicht kentern könne. Ich hab´s geglaubt. Das war auch so eine Erfahrung in diesen Tagen. Noch nie im Leben war ich so viele Stunden in Schieflage, als in diesen vier Tagen auf dem Rhein. Spät – erreichten wir den Hafen von Lörick. Eine Dixielandkapelle empfing uns mit flotten Weisen. Und beim Regattafest war unsere Platzierung besser als in der Wertung. Auf das Fest hatten wir uns gleich nach der Abkunft mit „Woi aus der Dudd“ eingestimmt.

Dann gab es noch eine besondere Überraschung – Freibier. Das ist das Bier das so teuer ist wie vor dem Krieg.

Der Sonntag begann mit zögerlichem Wind. Doch nach der Startverschiebung kam die vom Regattaleiter  steife Brise und brachte das Feld zur Mittagspause in den Duisburg-Ruhrorter Hafen (32km). Tagesziel war der Hafen des YC Wesel (35km), den wir gegen 20 Uhr erreichten. Ein abwechslungsreicher Segeltag mit herrlichem Wetter lag hinter uns. Die Windverhältnisse ähnelten denen des Vortages. Es war immer höchste Konzentration verlangt. Denn bei plötzlicher Flaute gehorcht das Schiff nicht mehr dem Ruder und treibt fast führerlos im Strom. In zwei Situationen war das schnelle Anwerfen des Außenborders eine große – sehr große- Hilfe. Die Berufsschifffahrt kennt keine Feiertage - das verlangt von der Mannschaft absolut aufmerksame Übersicht, denn gerade Talfahrer sind verdammt schnell da. Eine Tatsache an die ich mich auch erst gewöhnen musste. Aber auch hier ging es mit dem Timing doch schnell. Der Mensch ist halt lernfähig bis ins hohe Alter.

Bei starkem Wind ist man voll konzentriert und hat nur wenig Zeit das vorüberziehende Ufer wirklich zu genießen. Im Gegensatz zum Mittelrheintal, das schmal in die Berge eingeschnitten ist und sich die Ortschaften fast nahtlos aneinander reihen, sind nach Düsseldorf keine Orte oder Städte direkt am Ufer zu finden. Industrieanlagen säumen über viele Kilometer das Ufer.

Wesel war das Tagesziel. Über unsere Platzierung schweige ich.  Aber eines ist doch erwähnenswert und sagt viel über Martins Können aus. Über viele Kilometer hatten wir das Boot der Wasserschutzpolizei hinter uns. Hinter uns, da die Wasserschutzpolizei als letztes Boot fuhr.  Als es aber dann um Düsseldorf wegen der Böen und des starken Windes sehr unangenehm wurde, haben die Beamten uns nur kurz beobachtet und als sie merkten, dass wir unser Schiff, dank Martins Können, „im Griff „hatten, fuhr die Polizei vor um anderen Schiffen etwaige Hilfe angedeihen lassen zu können.

Das 75-jährige Bestehen des Jachtclub Wesel wird uns in guter Erinnerung bleiben. Überwältigendes Angebot an Speis und Trank und das zu zivilen Preisen. Wir feierten lange.

Von Wesel waren es nur noch 27km bis zum Ziel in Rees. Wir beschlossene uns aus der Regattawertung herausnehmen zu lassen und mir Motorkraft Rees anzusteuern.  So konnten wir, bei früher Ankunft, die Wartezeit am Kran verkürzen. Fahrt unter Motor gab uns die  Gelegenheit, in Muße die Landschaft des Niederrheines wahrzunehmen. Es ist zunehmend grüner am Ufer, Weideland für Rinder- und Schafherden statt grauer Industrie. Vereinzelte Höfe in sicherer Entfernung vom Ufer, Kirchtürme im Hinterland, die die Beschaulichkeit der Backsteindörfer ahnen lässt. Wie der Reichsadler sitzt ein Kormoran auf einem Dalken und lässt seine ausgebreiteten Flügel von Sonne und Wind trocknen. Rees erreichten wir eigentlich viel zu schnell, jedoch mit der für uns außerordentlichen Wertung: FOC - First On Crane  =)

Nachdem das  Boot verladen war verlief die Fahrt nach Illingen problemlos. Schöne Segeltage waren zu Ende. Wenn wir auch nicht sehr erfolgreich waren, waren wir aber eine der lustigsten Crew. Dies wurde uns von vielen Teilnehmern oft bestätigt. Wir- Martin, Thomas und Franz- haben es sowieso gewusst. Bilder: fg

06.06.2012


Drei Mann in einem Boot! - Bilderalbum

   

So schön kann der Winter sein - in Donaueschingen

Bei frostigen Temperaturen von – 8° C, präsentierte sich der Schlosspark in Donaueschingen, am gestrigen Sonntag, von seiner stimmungsvollen Seite. Wer sich gut eingepackt nach draußen wagte, wurde auf jeden Fall mit wunderschönen Bildern belohnt. Den Enten auf unserem Bild, schien das kalte Wetter gar nicht so viel auszumachen. Sie verbreiteten gute Laune, und fanden sich im Tausch gegen etwas Brot, bereitwillig zum Fotoshooting ein. Jana Volk

13.02.2012


Donaueschingen

„Wa(t)t“ erleben, Büsum für Entdecker und Genießer

Von Jana Volk

Stürmische Vergangenheit

Büsum, die kleine Gemeinde im Kreis Dithmarschen in Schleswig Holstein, ist mit seinen knapp 4800 Einwohnern ein beschauliches Städtchen, das direkt an der Nordsee liegt und sich stolz Tor zum Weltnaturerbe Wattenmeer nennen darf. Zum ersten Mal 1140 in einer Urkunde des Erzbischofs Adolbero von Bremen erwähnt, wurden der einstigen  Insel gleich drei schwere Sturmfluten in den Jahren 1362, 1436 und 1570 zum Verhängnis. Von den damals drei Ortschaften überstand nur Norddorp diese Katastrophen. Doch was das Meer einst so unerbittlich mit sich nahm, spülte es auf der Festlandseite wieder an und mit der Zeit entstand so eine Verbindung, die 1585 mit dem Bau des Wardammes dauerhaft wurde. Auch 1962 wurde Büsum erneut Opfer jener Sturmflut, die damals an der gesamten deutschen Nordseeküste wütete. Heute schützen die mächtigen Stahltore des Eider Sperrwerks Büsum und Umgebung vor den Launen der Natur.

{Bild: Kutter}

Lebensraum Wattenmeer

Die durch Ebbe und Flut geprägte Landschaft des Wattenmeeres entfaltet eine ganz eigene Faszination und ist Lebensraum für mehr als 10 000 Tier- und Pflanzenarten. Den Zugvögeln bietet sie einen reich gedeckten Tisch auf ihrem langen und mühseligen Weg in ihr Winter- oder Sommerquartier – unzählige Vogelschwärme fallen dann auf ein Mal ein und machen so lange Rast bis sie ihre Energiereserven wieder aufgefüllt haben. Auch größere Tiere, auf die bis vor einigen Jahrzehnten gnadenlos Jagd gemacht wurde, wie beispielsweise Seehund, Schweinswal und Kegelrobbe, haben hier im Wattenmeer eine neue Heimat gefunden; der Seeadler wanderte aus anderen Regionen wieder ein. Im Jahr 2009 wurden wurde das Wattenmeer Niedersachsens, Schleswig-Holsteins und der Niederlande in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen. Außerdem ist das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer der größte Naturpark zwischen dem Nordkap und Sizilien.

Um sich hier in Büsum mit dem Watt etwas vertraut zu machen, empfiehlt sich auf jeden Fall eine der zahlreichen Führungen, die mehrmals wöchentlich unter verschiedenen Themen stattfinden. So gibt es beispielsweise eine Familienwattwanderung, bei der ganz gezielt auf die Bedürfnisse und Fragen der Kleinen eingegangen wird. Wie fühlen sich Wattwürmer und Garnelen an, wenn man sie in die Hand nimmt, was verbirgt sich unter diesen merkwürdigen Mustern im Sand und was macht ein Bohrturm mitten im Naturschutzgebiet? Hier haben alle ihren Spaß - „Aha-Effekte“ inklusive. Wattenläufer mit etwas Ausdauer können an  einer 12 km lange Wanderung von fünf Stunden teil nehmen. Für Gehbehinderte mit ihrer Begleitung hält die Gemeinde Büsum als besonderen Service zwei Wattrollstühle bereit, die für 1,50 Euro pro Stunde im Gäste- und Veranstaltungszentrum ausgeliehen werden können.

Für alle begeisterten Watt- und Strandläufer gilt jedoch grundsätzlich: sich rechtzeitig mit dem Lesen eines Gezeitenkalenders und den Gegebenheiten vor Ort kundig machen – leichtsinniges Verhalten kann hier schnell lebensgefährlich werden.

{Bild: Seehund}

Mit dem Schiff unterwegs

Schiffsausflüge sind nur eines der vielen Highlights vor Ort. Ständig im Programm findet man Ausflüge zur Insel Helgoland, verschiedene Küstenfahrten und Fahrten zu den Seehundebänken. Naturschützer raten allerdings im Juni und Juli von Fahrten zu den Seehundebänken ab, da in dieser Zeit die Tiere ihre Jungen zur Welt bringen und auf jede Störung sehr empfindlich reagieren. Ganz aus der Nähe und in aller Ruhe lassen sich Kegelrobben und Seehunde in der Seehundstation Friedrichskoog betrachten. Seit 26 Jahren kümmert sich diese Einrichtung um die Aufzucht und Pflege von verletzten oder mutterlos aufgefundenen Jungtieren, den sogenannten Heulern, sowie um etliche Forschungsprojekte. Bei der Fütterung der in der Station lebenden Alttieren, die hier liebevoll „Dauergäste“ genannt werden, kann man aus nächster Nähe zuschauen und erfährt dabei in kurzen  Vorträgen viel Wissenswertes über diese wunderschönen Tiere.

Noch mehr Informationen rund um den Lebensraum Wattenmeer bietet das Multimar Wattforum in Töning. Dort schwimmen in zahlreichen Aquarien Seepferdchen, Nagelrochen, Störe und Seelachsschwärme. Eine multimediale Ausstellung bei der Mikroskop und Computer zum Einsatz kommen, weckt den Forschergeist der ganzen Familie.

{Bild: Wattforum}

Den Alltag hinter sich lassen

Für alle Genießer, die dann doch lieber einfach nur entspannen und im Städtchen flanieren möchten, ist die belebte Fußgängerzone in Büsum mit seinen zahlreichen Geschäften und Boutiquen genau das Richtige. In 98 Restaurants, 22 Cafés, zahlreichen Imbissständen und Eisdielen ist kulinarisch reichlich Auswahl geboten, dabei steht natürlich Fisch in all seinen Variationen auf jeder Speisekarte. Der Weg vom Stadtkern bis zum Hafen ist erfreulich kurz, so dass man getrost auf das Auto verzichten kann. Der Hafen ist in mehrere Bereiche zwischen Museumshafen, Fischereihafen, Seglerhafen und zwei Anlegern für Ausflugsschiffe aufgeteilt. Vor allem der Museumshafen, mit seinen alten restaurierten Krabbenkuttern, ist für Hobbyfotografen eine wahre Fundgrube an schönen Motiven. Und wer einmal Lust hat, den Krabbenfischern bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen, kann gerne eine Fangfahrt auf einem der vielen kleinen Kutter mitmachen. Die berühmten Büsumer Krabben werden dort an Bord gekocht, geschält und an Ort und Stelle verzehrt. Auf dem Hafengelände finden das ganze Jahr Feste, Veranstaltungen, Kunsthandwerkermärkte und Live-Konzerte statt.  

{Bild: Hafen}

Gezeitenunabhängige Wassersportmöglichkeiten

Für sportbegeisterte Urlauber bieten sich Surfen und Radfahren an. Fahrräder kann man sich vor Ort ausleihen, und immer öfter kommen die sogenannten E-Bikes zum Einsatz - keine schlechte Idee bei dem Wind hier, denn der weht stetig und zuweilen recht stürmisch. Richtig windstille Tage gibt es selten, so dass wetterfeste Kleidung unbedingt zur Ausrüstung gehören sollte. Doch der Wind hat auch seine Vorteile -  allzu vorwitzige Regenwolken werden einfach ganz schnell ins Landesinnere weg gepustet. Wassersportler erwartet ein 100.000 qm großer Wattenstrand mit zwei großen aufgestauten Meerwasserseen, aufgeteilt in Schwimmer- und Surferbereich, die gezeitenunabhängig sind. Für all diejenigen, bei denen sich die Begeisterung für Wassersport in Grenzen hält, gibt es die Möglichkeit sich einmal im Golfsport auszuprobieren oder einen der Kurse in Nordic-Walking zu belegen. Nach soviel Bewegung lässt es sich anschließend wunderbar in einem der 2000 Strandkörbe entspannen, die sich über den sanft geschwungenen und gepflegten Grünstrand verteilen.

Früher ein kleines Fischerdörfchen, leben die Büsumer heute vom Tourismus. Ob es hier wirklich einmal Piraten gab, wollen wir wissen. Nun ja, die Einheimischen lächeln verschmitzt oder holen tief Luft und fangen an zu erzählen, so wie der nette ältere Herr im Souvenirladen: „Das Leben war hart und entbehrungsreich, man lebte praktisch von der Hand in den Mund. Wen wundert es da, wenn manchmal dem Glück mit falsch aufgestellten Leuchtsignalen auf die Sprünge geholfen wurde und ein Schiff so den sicheren Hafen verfehlte“? Bei diesen Worten zwinkert er mir verschwörerisch zu. Der bekannteste Büsumer war Cord Widderrich, der mit seiner Mannschaft raubte und plünderte was das Zeug hielt. Bevor er sich im Jahre 1412 in Büsum als Kaufmann niederließ, überfiel er noch flugs die Insel Pellworm. Dort raubte er das Taufbecken der Inselkirchkirche und machte es den Büsumern zum Geschenk. Bis heute befindet es sich immer noch in der Fischerkirche St. Clemens. 

{Bild: Leuchtturm}

Wellnessurlaub liegt im Trend

Über Neuigkeiten im und um das Städtchen informiert man sich am besten im großzügig angelegten Kur- und Gemeindezentrum. Die Kurabgabe kostet in den Monaten zwischen Mai – September 3.--€ pro Tag. Im Gegenzug erhält man eine Gästekarte, mit der man in den Genuss von kostenlosen oder ermäßigten Leistungen kommt. Immer mehr Erholungssuchende nutzen zudem die Vielzahl von Gesundheitsdienstleistungen, die im Gesundheits- und Thalassozentrum Vitamaris angeboten werden. Ideal für alle, bei denen es außer Meer auch mal ein bisschen mehr sein darf.

Weitere Informationen über Büsum und Umgebung: 

Kur und Tourismus Service Büsum, 

Südstrand 11,

25761 Büsum, 

Tel.: (0 48 34) 9 09 – 1 14 

Internet: www.buesum.de

Foto: Alexander Volk

02.02.2012