Mit dem Wohnmobil in die Haute Normandie - Teil 1
Von unserem Mitarbeiter Reinhard Bruckner
Die Anreise
erfolgt auf Umwegen, denn eigentlich wollten wir (meine weitaus
bessere Hälfte Kerstin und ich) diesen Sommer nach Lothringen und
dort an den Kanälen mit dem Fahrrad schöne Touren machen und die
großen Städte (wie Nancy, Metz und Verdun) besuchen.

Aber weil es in Lothringen viel zu heiß ist und außerdem ein
unglaublicher Andrang von saarländischen Wochenendausflüglern und
sonstigen (meist deutschen) Urlaubern herrscht, entschließen wir
uns kurzerhand vom Mittersheimer See aus direkt in die Normandie
durch zu starten. Die 440 Km nach Amiens sind auf französischen
Autobahnen auch mit dem Womo problemlos in weniger als 5 Stunden zu
schaffen.
Dort besuchen wir zunächst das große Einkaufszentrum (Centre
Commercial), das direkt an der Autobahnausfahrt ”Amiens-Dury” liegt
und wo man beim Tanken rund 15 Cent pro Liter gegenüber der
normalen Autobahntankstelle spart. Natürlich gehen wir auch in den
riesigen Supermarkt und versorgen uns nicht nur mit Lebensmitteln
und Getränken, sondern kaufen auch eine Straßenkarte der Haute
Normandie, denn darauf waren wir nicht vorbereitet und das Navi
(Smartphone App) hat leider keine Frankreich-Karte. Dann geht es
mit ihrer Hilfe weiter Richtung Kanalküste, also nach Nordwesten.
Ziel ist die Hafenstadt Le Tréport. Tatsächlich fahre ich aber
Eingangs dieser Stadt am Kreisel eine Ausfahrt zu früh raus und
gelange so in die Nachbarstadt
Mers-les-Bains, einem Badeort. Das war gut so. Im Zentrum sehe ich
das Hinweisschild zum Office de
Tourisme und gleich danach einen freien Parkplatz,
groß genug um das Womo dort hinein zu manövrieren. Im Büro erhalten
wir mehrere Prospekte über die Stadt und das Umland, Karten und
eine Liste mit Campingplätzen. Bevor wir uns um einen kümmern,
gehen wir die wenigen Meter zur Strandpromenade und sind total
überrascht vom Charme der dort stehenden Häuser, die größten teils
aus der sog. Belle Époque stammen.
Wir sehen
außerdem am Ende des langen Strandes den ersten Kreidefelsen
aufsteigen und beschließen, hier erst mal Quartier zu machen. Wir
suchen uns auf der Liste den Campingplatz heraus, der am nächsten
an der Küste liegt, tatsächlich ist er oben auf halber Höhe des
Kreidefelsens mit Blick über Stadt und Strand. Wir beziehen einen
schönen Platz mit Wasser- und Stromversorgung und bereiten unser
Abendessen. Später gehen wir zu Fuß den ungesicherten!! Weg am
Klippenrand hinauf bis zu der Statue, die von weit her zu sehen
ist.
Dann sitzen wir vor dem Womo, beobachten den Sonnenuntergang
über dem Meer und trinken ein Fläschchen Roten auf unsern
Entschluss hierher zu fahren.
Fortsetzung folgt.
14.01.2013
Mit dem Wohnmobil in die Haute Normandie - Teil 2
Mers-les-Bains und Le Tréport
Heute hat das
Womo Pause. Wir besteigen die Räder und fahren hinunter in den Ort,
die ganze Strandpromenade entlang bis hinüber zur Hafenausfahrt von
Le Tréport.
Im Bogen führt die Straße dann über eine Hafenschleuse hinüber
in die Altstadt von Le Tréport, wo gerade Markt auf dem Parkplatz
am Hafen ist. wir schlendern durch die Marktstände und werfen auch
einen Blick in die daneben stehende Fischhalle mit ihrem typischen
Geruch und dem Gewimmel von Menschen, die in Französisch und
Englisch ihre Einkäufe erledigen. Deutsch hört man nicht...macht
nix. Dann radeln wir weiter am Casino von Le Tréport vorbei und
gelangen an die Stelle, wo der nächste Kreidefelsen beginnt und die
Straße mit einer Wendeschleife aufhört und wo ein Schrägaufzug in
den Felsen hinein unser Interesse weckt.
Vier
führerlose Kabinen laufen parallel den Berg hinauf und hinab und
verschwinden in einer Art Höhle. Bei Bedarf kann man eine Kabine
rufen, indem man auf einen entsprechenden Knopf drückt...wie beim
Fahrstuhl im Hotel oder Kaufhaus. Es ist ein Fahrstuhl...und in den
beiden äußeren Kabinen dürfen sogar Fahrräder befördert
werden...und alles kostenlos. Wir besteigen die nächste Kabine und
fahren nach oben, wie wir bald merken durch den Felsen hindurch,
auf ein Plateau, wo eine große Christus-Statue am Kreuz über die
beiden benachbarten Städte und ihre Strände wacht.
Gegenüber ist
ein riesiger kostenpflichtiger Parkplatz und uns wird klar, warum
man diesen Fahrstuhl gebaut hat. Mit ihm gelangen die Besucher und
Kunden der Geschäfte und Restaurants zum Hafen hinab und wieder
hinauf zu ihren Autos.
Wir besteigen wieder die Räder und fahren nun oben (etwa70m über
NN) die Küstenstraße entlang nach Westen. Wir kommen bald an einem
ebenfalls recht großen Stellplatz für Womos vorbei, der auch gut
besucht ist. Eine Entsorgungsstation für Abwasser und
Chemietoiletten ist vorhanden, ebenfalls eine
Frischwasserversorgung, die allerdings kostenpflichtig ist, ebenso
wie die Übernachtung. Wir fahren weiter bis zum nächsten Ort, der
etwa 5km entfernt ist und natürlich wieder unten am Meer liegt,
machen eine kurze Pause in den Klippen, einige Aufnahmen und drehen
dann um und machen das ganze rückwärts.
Wieder in Mers-les-Bains angekommen beobachte ich mehrere Leute,
die mit Laptops an der Strandpromenade sitzen und offenbar im
Internet surfen. Schnell hole ich das Smartphone aus der Tasche,
schalte den Wifi-Analyzer ein und tatsächlich, entlang der gesamten
Promenade ist ein offenes kostenloses Wifi verfügbar. Toller
Service! Als wir abends noch mal zu Fuß zur Promenade gehen um die
hübschen Häuser im Abendlicht zu fotografieren, nehme ich den
Tablet-PC mit und lade mir aus dem Netz die Karten der gesamten
Normandie für die OsmAnd-App herunter. Nun haben wir also auch ein
funktionierendes Navi. Da gerade so ziemlich tiefste Ebbe ist, kann
ich relativ weit auf den Kiesstrand raus laufen und mehrere
Aufnahmen machen, die ich zu einem Pano zusammen gesetzt habe:
Fortsetzung folgt.
16.01.2013
Mit dem Wohnmobil in die Haute Normandie - Teil 3
Von
Mers-les-Bains nach Dieppe
Am frühen Vormittag brechen wir auf und fahren weiter Richtung
Westen. Wir nehmen nicht die breite Schnellstraße sondern fahren so
dicht wie möglich an der Küste entlang. Das heißt jeweils nach drei
oder vier Kilometern vom Kreidefelsen hinab ins Küstental, durch
die dort liegende Ortschaft und drüben wieder hinauf auf den
nächsten Felsen. Meistens sind es zwei oder drei Spitzkehren, in
denen man hofft, dass kein größeres Fahrzeug entgegen kommt.
In der Karte
aus dem Tourismus-Büro sind verschiedene Sehenswürdigkeiten und
Aussichtspunkte markiert, die wir aufsuchen wollen. Tagesziel soll
die Stadt Dieppe sein. Der erste (Foto)Stopp wird eingelegt, als
sich uns ein Rastplatz anbietet, der eigentlich für Womos gesperrt
ist, aber da die Höhenbegrenzungsschranke offen und der Platz
absolut leer ist, nutze ich ihn trotzdem.
Wir laufen
nach vorne an ein mit Blumen und Kränzen geschmücktes Denkmal und
dürfen lesen, dass man hier vor wenigen Tagen dem 70!! ten
Jahrestag eines Invasionsversuches Canadischer Einheiten gegen das
von Nazideutschland besetzte Frankreich gedacht hat. Offensichtlich
hat man das dort immer noch nicht vergessen. Kein Wunder, denn man
findet immer wieder Überreste von Bunkern, die der GröFaZ hat bauen
lassen. Hinter dem Denkmal schwingt sich eine doppelte Treppe hinab
zum Strand und wir müssen natürlich da runter.
Nur wenige
Leute teilen sich den dank Ebbe riesigen Strand.
Nach kurzem Aufenthalt mit ”Füße
ins Wasser tauchen” geht es dann die Treppen wieder hoch und
weiter. In Dieppe angekommen fahren wir am ausgeschilderten
Womo-Stellplatz vorbei, denn der ist bereits am frühen Nachmittag
gerammelt voll. Wir finden in der Nähe des Badestrandes einen
Parkplatz für PKWs und Womos, kostenlos und mit reichlich freien
Plätzen. Flugs wird der Rucksack mit der Fotoausrüstung gepackt und
wir marschieren los, erst mal Richtung Strand, dann über einen
Platz, auf dem gerade ein zwei! Tage dauerndes Volksfest
stattfindet durch die Altstadt.
Fahrradtour auf der Avenue Verte
Bei der Rezeption
des Campingplatzes haben wir einen ganz ausführlichen Bericht über
die Avenue
Verte erhalten; OK, in Englisch
zwar, aber das macht ja nix.
Es handelt sich dabei um eine ehemalige, eingleisige Bahntrasse
der Strecke Paris-London, die über Rouen nach Dieppe führte (wo man
auf das Schiff umstieg). 1988 wurde diese Trasse still gelegt und
in der Folge zu einer Piste für Radfahrer und Wanderer umgebaut.
Somit kann man heute vom Stadtrand Dieppe
42 Kilometer mit dem Rad ins Landesinnere radeln, ohne jemals
von einem Auto oder dgl. gefährdet zu werden. Das Schöne dabei ist,
dass die Trasse niemals starke Anstiege / Abfahrten hat und, dass
sie direkt an unserem Campingplatz vorbei führt. Also: Räder raus,
durch das Gatter an der Rückseite des Platzes geschoben,
aufgesessen und schon rollen wir ganz bequem gen Südosten.
Auffallend sind
die ehemaligen Bahnwärterhäuschen, die alle noch erhalten und von
Privatleuten bewohnt sind. Die teilweise skurrile äußere
Ausstattung führt zu unzähligen Fotostopps. Auch die ehemaligen
Bahnhöfe in den größeren Ortschaften, die wir passieren sind noch
vorhanden und dienen als Wohnhäuser. Immer wieder fahren wir an
kleinen Teichen und exra angelegten Picknick-Plätzen vorbei, die
von den andern Nutzern der Avenue belegt sind.
Nach rund zweieinhalb Stunden
finden wir endlich mal einen freien Picknick-Platz für uns. Nachdem
wir uns gestärkt haben, schauen wir uns den nahe gelegenen Ortskern
des Dörfchens St.Vaast-d’Équiqueville an und
machen ein paar Fotos.
Man könnte
natürlich weiter in die alte Richtung fahren (und wer gut in Form
ist kann sicher auch die 42 KM hin und wieder zurück radeln), aber
wir beschließen um zu kehren und so sind wir rechtzeitig zum
Nachmittagskaffee wieder am Womo. Den Kaffee und ein unterwegs
gekauftes Croisant auf dem Tisch sehen wir die Ruine des Chateau
einladend über den See herüber schauen.
Die Sonne wandert
allerdings immer weiter hinter die Ruine, also Gegenlichtsituation
und so entscheiden wir uns, die Räder erneut zu nutzen und radeln,
diesmal in die andere Richtung, hinüber nach
Arques-la-bataille
und schieben die Räder den steilen Anstieg zur Ruine hinauf. Eine
Runde zu Fuß komplett um die unglaublich großflächige Ruine, bei
der wir außer einem Fotografen und seinem Model niemandem begegnen,
ermöglicht jede Menge Fotos in alle denkbaren Lichtsituationen.
Erst als wir ganz ”rum” sind und unsere Räder wieder besteigen,
treffen ein paar neue Besucher ein. Das Burginnere kann nicht
besichtigt werden, also freuen wir uns über die gemachten Fotos auf
dem Speicher-Chip und radeln wieder zurück.
Fortsetzung folgt.
20.01.2013
Mit dem Wohnmobil in die Haute Normandie - Teil 4
Von Dieppe nach
St-Valery-en-Caux
Als wir aufwachen tröpfelt es auf das Dach des Womos. Ein Blick
aus dem Dachfenster verheißt nichts Gutes. Egal; wir können das
weniger gute Wetter ja nutzen, um ein Stück weiter zu fahren.
Kerstin studiert die Karte, sucht die Markierungen von
Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung (man will ja nichts
verpassen) und bestimmt das Chateau
de Miromesnil zu unserem nächsten Ziel. Dort soll es
einen wunderschönen Park und einen noch interessanteren Garten
geben. Nach dem Frühstück brechen wir auf und nach weniger als
einer halben Stunde Fahrt haben wir den Parkplatz des Chateaus
erreicht. Mittlerweile haben sich die dunklen Wolken verzogen,
sogar die Sonne schaut hie und da wieder heraus. Wir nehmen die
Kameras und laufen Richtung Schloss.
Aus dem
Schlosshof kommt uns ein Herr entgegen, öffnet die schmiedeeiserne
Tür und zeigt uns den Weg zur
Billeterie;
er erlaubt uns auch explizit den wunderbar geschorenen Rasen zu
überqueren. Wir lösen brav unsere Tickets für den Garten (auch
Teile des Schlossinneren können besichtigt werden; wollten wir aber
nicht) und überqueren den Schlosshof erneut, Richtung Gartenpforte.
Der Duft, der uns dann empfängt ist nicht zu beschreiben und es
erweckt in mir den sehnlichsten Wunsch, das man bald nicht nur
Bilder und Töne sondern auch Düfte festhalten und andern Leuten
zugänglich machen kann. Während der Himmel immer freundlicher wird,
fotografieren wir ca. eineinhalb Stunden lang die Blumen und
Pflanzen auf dem 2500 m² Gartengelände. Bis auf ein junges
französisches Paar sind wir alleine da. Nach einem kurzen Rundgang
durch den großen aber nicht aufregenden Schlosspark fahren wir
weiter.
In
Offranville werfen wir einen Blick auf das
Taubenturmmuseum, gehen aber nicht hinein. Taubentürme waren früher
in der Normandie ein Zeichen für Wohlstand. Je reicher der
Besitzer, um so schöner war sein Taubenturm gestaltet...oder
umgekehrt. Wir fahren zur Küste, nach
Varengeville-sur-Mer. Dort ist eine wunderschöne
Kapelle (mit Friedhof ) hoch oben auf den Klippen. Die hier
beerdigten Fischer und Seefahrer können von ihrer letzten
Ruhestätte ihr geliebtes Meer ”sehen”.
Der Andrang an Besuchern ist mäßig, so gelingen nahezu alle
Fotos ohne störende ”Fremdlinge”.
Im gleichen Ort be- suchen wir noch ein altes Herrenhaus, den
Manoir d’Ango, bevor wir
dann an der Küste entlang zu unserem Tagesziel, dem Hafenstädtchen
St-Valery-en-Caux
gelangen. Dort gibt es wieder einen total überfüllten Stellplatz
für Womos, direkt am Hafen. Uns ist das viel zu eng und deshalb
fahren wir den nahegelegenen Campingplatz an, wo es jede Menge
freie Stellplätze hat. Noch während des Abendessens beginnt es zu
regnen...mal sehen, wie es morgen sein wird.
Von St-Valery-en-Caux nach
Fécamp
Am Morgen zeigt
sich der Himmel wieder etwas freundlicher, wie man auf dem Foto
erkennen kann,
hängen aber noch recht dunkle
Wolken über uns und ich glaube, es hat die halbe Nacht geregnet.
Wir fahren mit dem Womo hinunter an den Hafenanfang, stellen es
dort auf einen öffentlichen Parkplatz und gehen zu Fuß am
Hafenbecken entlang Richtung Strand.
Wir besichtigen
das Haus von Henry IV (also Heinrich dem 4ten), ein aus dem Jahre
1540 stammendes Fachwerkhaus direkt am Hafen, das heute ein Museum
und die Touristeninformation beherbergt. Bei der Aufnahme stehe ich
bereits mit dem Rücken zum Hafenbecken direkt an der Kante und muss
deshalb mehrere Aufnahmen mache, die ich später zusammen setze, um
alles auf ein Bild zu bekommen...deshalb ist das Haus auf dem Foto
etwas krummer als in Wirklichkeit :-(
Dann folgen wir
der ausgeschilderten Touristen-Fußgänger-Route, die durch die alten
Gassen St. Valery’s und am Kloster vorbei führt und kehren
schließlich wieder zum Hafen zurück. Die Wolken haben sich wieder
verdichtet und ein Sprühregen macht den Aufenthalt ungemütlich. Wir
gehen deshalb zum Womo zurück und fahren weiter. Etwa eine
Fahrstunde später zweigen wir von der Küstenstraße ab und fahren in
eine Sackgasse, die mit ”Les Grandes Dalles” beschildert ist. Sie
endet auf einem Parkplatz am Meer, wo wir wieder mal eine Pause
einlegen. Wie man erkennen kann, hat es hier vorher auch geregnet
und diesbezüglich missmutig sitzen einige wenige Urlauber an der
”Promenade” herum.
Wir bereiten uns einen Kaffe, trinken ihn und tragen ihn dann
wieder weg und als wir wieder zum Womo kommen und zum Meer blicken,
sieht es am Himmel schon ganz anders aus....es geht halt immer
recht rasch am Meer mit dem Wetterwechsel. Wir haben gegen diese
Änderung natürlich nichts ein zu wänden, fahren aber trotzdem
weiter.

Wenn man wie wir die Küstenstraße nimmt, erreicht man
Fecamp oberhalb der Stadt bei einer unscheinbaren
Kirche und einem dahinter stehenden Leuchtturm. Von dort hat man
sowohl eine gute Übersicht über Fecamp als auch über
die Küste ”zurück” Richtung St.
Valery-en-Caux.
Hier begegnen wir auch wieder, wie fast überall auf unserer
Tour, den Hinterlassenschaften des Weltkriegs. Nachdem sich niemand
dort oben befindet, der uns beide hätte (mit unserer Kamera)
fotografieren wollen, mach ich das mal mit der SLR wie die
”Handyknipser” ... das Ergebnis? .... naja, reden wir nicht
drüber.
Wir fahren
schließlich hinab in die Stadt, folgen einfach dem ersten Schild
”Camping” und landen auf einem Platz in halber Höhe des Felsens,
den man im Übersichtsbild (oben) jenseits der Hafenausfahrt sehen
kann. Von hier aus kann man herrlich aufs Meer schauen, dem
Geschrei der Möwen lauschen und darüber nachdenken, wieso man
früher noch nie hier her gefahren ist und ob man hier noch mal weg
möchte.
Abends frischt der Wind auf und einige dunkle Wolken ziehen vom
Meer heran. Aus dem Womo mache ich mit dem Teleobjektiv die
Aufnahme von der Hafeneinfahrt. Später gehen wir zu Fuß runter zum
Strand, es sind keine 10 Minuten, aber leider ist die Sonne nicht
mehr bereit die Wellen, die sich vorne an den kleinen Leuchttürmen
brechen, so richtig fotografisch ”genial” zu beleuchten.
Fortsetzung folgt.
26.01.2013
Mit dem Wohnmobil in die Haute Normandie - Teil 5
Fecamp
Heute ist wieder Ruhetag für das Womo. Am späten Vormittag
spazieren wir hinab in die Stadt, entlang dem Hafen, betrachten die
zahlreichen vor Anker liegenden Yachten und gelangen so zum Office
de Tourisme. Während Kerstin drinnen nach Unterlagen sucht und sich
beraten lässt, surfe ich etwas im Internet. Hier ist wieder, wie in
allen Büros vorher, ein kostenloses Wifi installiert. Ich ”checke
mal kurz meine Mails” und schaue ins Forum meines Fotoclubs, aber
Schreiben macht mit dem Browser auf dem Smartphone nicht wirklich
Spaß, weshalb ich es einfach lasse...bin ja schließlich ”in
Urlaub”. Dann nehmen wir den Plan mit einer Route für einen
Stadtrundgang in die Hand und gehen los, Richtung Altstadt.
Sie liegt etwas
weiter weg vom Hafen, auf einer kleinen Anhöhe, wo uns zuerst die
Kirche
Saint-Etienne
begrüßt. Diese stammt aus dem 16. Jahrhundert uns ist eine
ausgiebige Besichtigung wert. Dann geht es weiter durch die
Fußgängerzone, die außer den typischen französischen
Geschäftsfassaden nichts Aufregendes zu bieten hat. Ganz in der
Nähe des Hotel de Ville
(=Rathaus) finden wir die Ruine eines befestigten Chateaus, das aus
dem 11. und 12. Jahrhundert stammt und von den ersten normannischen
Herzögen der Normandie errichtet wurde.
Viel ist nicht
mehr zu sehen und hinein kann man schon gar nicht; dreht man sich
jedoch um und schaut auf die ihr gegenüber liegende Seite des
kleinen Platzes, blickt man auf die Front der unglaublich großen
Abteikirche
Sainte-Trinité,
die von 1175 bis 1220 im normannischen Baustil errichtet wurde.
Natürlich besichtigen wir auch dieses Bauwerk ausgiebig...schön,
dass in Frankreich die Kirchen meistens geöffnet sind.
Von dort aus geht
es im Bogen zurück Richtung Hafen. Aus einer zur Hafenstraße
parallel verlaufenden Straße schaut die ganze Zeit ein
interessanter Turm hervor. Er gehört zum Palais
Bénédictine
wo heute ein Museum dem interessierten Besucher die
Entstehungsgeschichte und die Herstellung des weltberühmten
Kräuterlikörs Bénédictine erläutert. In einem schön gestalteten
verglasten Innenhof kann man auch von diesem Stoff probieren und
wir sind so davon überzeugt, dass wir auch eine große Flasche davon
nebst einigen Kleinigkeiten mitnehmen.
Mit einem weiten Schlenker über
die Strandpromenade, wo heute wieder bei normalen Windverhältnissen
reger Badebetrieb herrscht, geht es dann zurück zum
Campingplatz.
Von
Fecamp nach
Étretat
Ich glaube es war
bereits auf einem der ersten Prospekte, die wir in
Mers-les-Bains erhalten haben, auf diese Felsentore
abgebildet waren. Es stand zwar nicht dabei wo das ist, aber mir
war sofort klar, dass ich da hin will. Bei der netten Camping-
platzpächterin am See bei Dieppe fasste ich
mir dann ein Herz, kramte alle meine Französischkenntnisse
zusammen, zeigte ihr die Abbildung und fragte: ”Pouvez vous...?”.
Seitdem weiß ich es also und deshalb fahren wir heute weiter nach
Étretat. Es sind nur wenige Kilometer, die man in weniger
als einer Stunde hinter sich bringen könnte, aber unterwegs gibt es
noch einen Ort, den man auf keinen Fall auslassen darf:
Yport.
Ein richtiges
kleines, noch echt verschlafen wirkendes Fischerdorf mit weniger
als 1000 Einwohnern und einem kleinen Strand an dem die
obligatorischen Umkleide-Holzhäuschen stehen und wo man auch
Fischerboote mit dem zum Fischen notwendige Gerät vorfindet. Eine
enge Einbahnstraße führt durch die im schmalen Küstental
aufgereihten Häuser dorthin und eine zweite parallel dazu wieder
zurück. Der Parkplatz neben dem Strand ist kostenlos, aber leider
nur für PKWs. Ich finde vor der kleinen Kirche im Ortskern einen
fürs Womo.
Die Kirche, deren
Inneres teilweise an ein Seefahrtsmu- seum erinnert, ist absolut
sehenswert. Die Hauptattraktion Yports sind allerdings die
beiderseits des Ortes senkrecht zum Meer abfallenden Kreidefelsen.
Wir gehen zum Strand und es ist wie beinahe jeden Vormittag: die
Wolken hängen noch sehr tief über dem Meer, reißen aber mehr und
mehr auf und ich bin mittlerweile sicher, dass wir nachmittags
wieder gutes Wetter mit fotogenen Wölkchen haben werden.
Als wir die Parallelstraße vom
Strand zurück gehen, stellen wir fest, dass eigentlich alles an
Infrastruktur vorhanden ist, was man (für einen
entspannendenUrlaub) so brauchen würde, allerdings auch, dass
auffällig viele Häuser zum Verkauf stehen.
Dann geht es
weiter nach Étretat. Ich habe vor, noch vor Erreichen des
Ortes rechts hoch zu der kleinen Kirche zu fahren, von der ich eine
Abbildung gesehen habe und bei der laut Karte ein Park- platz ist.
Leider aber ist die Straße für Womos (und LKWs) gesperrt. Also geht
es doch hinab in den Ortskern und ich folge einem Schild, was einen
Parkplatz für 270 Fahrzeuge verspricht.
Die Hauptstraße im Ort ist extrem
eng und auf der einen Seite parkt Auto an Auto. Nach drei Ampeln
und zahlreichen Begegnungen im Minimalabstand habe ich das Ortende
bereits erreicht. Einige 100 Meter außerhalb finde ich dann den
beschriebenen Platz. Er liegt links der Straße und ist offenbar
relativ neu angelegt, hat eine Schranke mit Ticketautomat und ist
ziemlich leer. Gegenüber, rechts der Straße ist aber ein Platz auf
dem zahlreiche Womos (und PKWs) stehen, der frei (kostenlos)
zugänglich ist und wo wir uns dazu stellen. Der Fußweg zurück zum
Ortskern führt durch einen kleinen Park und man muss höllisch
aufpassen wo man hin tritt...ja, die Franzosen sind große
Hundeliebhaber. Nach etwa 20 Minuten sind wir an der
Strandpromenade und sehen zum ersten mal eines der Felsentore, den
Falaise
d’Amont. Ein Fußweg
hinauf zur kleinen Kirche ist ausgeschildert und wir nehmen ihn
sofort in Angriff.
Auf halber Höhe
steht dann auf einer Treppenstufe, dass es 263 Stufen seien. Noch
263 oder insgesamt 263 ??...egal, wer so weit gestiegen ist, geht
auch weiter. Das Zählen schenken wir uns. Oben kann man auf den
Felsen entlang wandern; eine breite, schlecht gemähte Wiese bietet
sich dazu an, auch zum Picknicken oder zum Fachsimpeln über die
gemachten Fotos. Wie in Frankreich eigentlich üblich ist nichts
abgesperrt; lediglich ein Schild in drei Sprachen warnt vor
Absturzgefahren. Auf dem Parkplatz bei der Kirche entdecken wir
eine Reihe britischer Fahrzeuge...echte Oldtimer! Mutig sind sie
ja, die ”Tommys”. Die Besitzer und ihre (meist weiblichen)
Beifahrer sitzen vorne an der Klippe im Schatten der Kirche und
machen ”Tea Time”. Nach einigen Aufnahmen gehen wir die Stufen
wieder hinunter und merken jetzt, dass an der Strandpromenade doch
recht viel Betrieb ist. In keinem der Orte, die wir bisher besucht
haben, war nur annähernd soviel los.
Aus den gut besuchten Strandlokalen duftet es verführerisch und
wir suchen uns einen Platz unter einem großen Sonnenschirm, denn
wie erwartet ist der Himmel mittlerweile wieder beinahe wolkenlos
und die Sonne brennt doch recht ordentlich.
Hier gibt es als
”Plate du jour” (Tages- gericht)
”Moules & Frites” mit einem Glas
Cidre und einer Crepe als Dessert, was
ich bestelle. Kerstin nimmt die ”Moules
Normande”, die direkt im Kochtopf serviert werden. Es
schmeckt köstlich und die Preise bleiben sogar im Rahmen.
So gestärkt machen
wir uns dann an den Aufstieg auf den Falaise d’Aval, dem westlichen
Kreidefelsen. Um den Torbogen, die Porte
d’Aval fotografieren zu können, muss man oben
noch ein ordentliches Stück westwärts laufen, immer entlang einem
Golfplatz, der als der schönste Golfplatz Europas bezeichnet wird.
Irgendwann haben wir dann genug Fotos gemacht und machen uns auf
den Rückweg hinunter in den Ort, finden dort an einer
Straßenkreuzung einen Lebensmittelladen wie wir ihn von früher
kennen: nicht allzu groß, nur Lebensmittel, sonst nix.
Wir kaufen einiges ein und
marschieren wieder hinaus zum Womo. Jetzt heißt es Campingplatz
aufsuchen und Stellplatz belegen. Am Tor des Platzes hängt ein
Schild : ”absolute complete”. Ich gehe trotzdem in die Rezeption
und frage, ob nicht ”auch nur für eine Nacht” usw...aber ohne
Erfolg. Allerdings gibt uns die nette Dame ein Kärtchen von einem
andern Campingplatz, bei dem wir es versuchen könnten. Er liegt
etwa 10 KM im Landesinnern und ist eigentlich die Obstwiese eines
alten Bauernhofes. Uns stört das weiter nicht, denn die sanitären
Anlagen sind sauber und zeitgemäß...auch wenn außen auf dem Gebäude
das Erstellungsjahr 1856 vermerkt ist. Wir buchen zwei Nächte, weil
mir klar ist, dass ich morgen einige Zeit an diesen Felsentoren
verbringen werde. Die tiefschwarze Pächterin freut sich riesig
darüber.
Fortsetzung folgt.
03.02.2013
Mit dem Wohnmobil in die Haute Normandie - Teil 6
Le
Havre und
Étretat
Bereits gestern, beim Abstieg vom Falaise
d’Aval, fielen uns unten,
dort wo auch der Weg zum ”Tor” des Falaise beginnt, diverse Zettel
mit Warnungen auf, die an die Wand einer Atlantik-Wall-Bunker-Ruine
gepinnt sind. In mehreren Sprachen (auch Deutsch) wird darauf hin
gewiesen, dass man den Rückweg mindestens 4 Stunden vor Hochwasser
(Flut) beginnen solle. Daneben hängt eine Gezeitentabelle. Heute
wird das Hochwasser um 9:30 Uhr und um 22:05 Uhr sein. Da
vormittags die Sonne ungünstig steht, bleibt also nur der
Nachmittag zum Fotografieren an diesen Felsen.
Den Vormittag nutzen wir deshalb
zu einem Ausflug nach Le
Havre.
Hier mündet die
Seine in den Atlantik und ihre breite Mündung wird von einem
gewaltigen Bauwerk, dem Pont de
Normandie überspannt, einer Autobahnbrücke, die an zwei
riesigen Pfeilern aufgehängt ist und so die
Haute Normandie mit der Basse
Normandie verbindet. Leider ist gegen Mittag, als wir dort
ankommen schon sehr viel Dunst über dem Wasser, so dass es sich
auch nicht lohnt, die Mautgebühr von zweimal ¬ 5,20 (für Hin- und
Rückfahrt) auszugeben, um von der anderen Seite die Sonne im Rücken
zu haben, was für die Fotos von Vorteil wäre. So sind die
Aufnahmen, die ich mache, wenig zufriedenstellend. Wir fahren
anschließend durch die Stadt, vorbei am neu erbauten und 2012
eröffneten Stadion, das ganz in Blau glänzt und dann entlang der
Küste nach Norden, wieder Richtung Étretat. Unterwegs gibt
es mal wieder eine Gedenkstätte, die wir uns anschauen, das
Memorial de Bruneval. Hier hat
damals ein Luftlandekommando eine deutsche Radarstation überfallen
und durch Diebstahl von wichtigen Teilen die Station unbrauchbar
gemacht. Kurz vor Étretat finden wir rechter Hand hinter
einem schmiedeeisernen Zaun versteckt, noch ein nettes Anwesen, das
Chateau de
Frefosse, das leider nicht zugänglich ist.
Das Womo stellen
wir heute am östlichen Ortsrand ab und nehmen die Räder, um damit
an den Strand zu fahren. Wir ketten sie dort an und machen uns auf
den Weg zur Porte d’Aval. Bis
zur Flut sind es noch gut 6 Stunden. Der Kiesstrand ist großenteils
abgetrocknet und ein paar Dutzend Leute gehen in unsere Richtung
oder kommen uns entgegen. Beim Näherkommen erkennen wir, dass man
in die Höhle links von dem großen Tor gehen muss, an deren dunklem
Ende sich eine senkrechte, in den Fels eingelassene etwa 6 Meter
hohe Eisenleiter findet. Eine Lücke im ”Gegenverkehr” abwartend
klettere ich hinauf und helfe dann einem kleinen Mädchen, das mit
seinem Vater hinter mir nach oben klettert. Kerstin schafft es bis
kurz vor das obere Ende der Leiter, wo die normalen Sprossen
nochmals in dickere vierkantige Eisen über gehen, dann verlässt sie
der Mut und sie steigt wieder hinab.
Wir beschliessen, dass ich alleine
weiter gehe. Es folgt ein mannshoher, etwa einen Meter breiter
Durchgang durch den Fels, der mehrere Knicke hat und in dem es
deshalb in der Mitte stockfinster ist. Durch ”Andrücken” des
Auslöser meiner Kamera nutze ich das AF-Hilfslicht um wenigstens
etwas zu sehen und nicht am nächsten Knick mit dem Kopf gegen die
Wand zu laufen. Drüben geht es über grobe Stufen im Fels wieder
hinab auf den Kies. Etwa 400 Meter weiter am nächsten Felsentor,
der
Manneporte,
wiederholt sich das mit der Leiter, nur ohne Felsdurchgang. Dafür
steht die Leiter schräg an der Felswand, ist etwa 10 bis 12 Meter
lang und total verrostet. Dahinter sind nur noch wenige Leute
unterwegs, sie stellt für viele wohl doch ein echtes Hindernis dar.
Ich stapfe weiter über den Kies bis zum nächsten Felsvorsprung, den
ich zwar erklimmen kann, aber keinen Abstieg mehr finde. Von dort
mache ich nun eine Reihe Aufnahmen von den beiden Toren und der
”Nadel”, einem spitzen, ca 70 Meter aus dem Meer aufragenden
Fels, direkt neben der Porte
d’Aval.
Dann höre ich
eine Trillerpfeife und erkenne am vorletzten Felsen, den ich
überwunden habe einen winkenden Mann. Meint der mich? Ich reagiere
erst mal nicht, aber er pfeift und winkt weiter. Diesmal winke ich
zurück worauf das Pfeifen verstummt. Ich mache ein paar letzte
Fotos und beginne dann den Rückweg. Der Mann, ein Uniformierter,
kommt mir entgegen und trifft mich auf halbem Weg zur Manneporte.
Auf Französisch (was anderes kann er nicht) erklärt er mir, dass es
Zeit zur Rückkehr sei und außerdem unvorsichtig von mir, ganz
alleine da raus zu laufen. Er hat recht, denn erst auf dem Rückweg
wird mir bewusst, wie anstrengend das Laufen über diesen grobe,
schräg abfallenden Kiesstrand ist und dass man für den Weg doch
ordentlich Zeit benötigt, mehr als man vielleicht vorher vermutet.
Wir gehen gemeinsam zurück. Unterwegs fängt er noch mehrere
Personen ab, die in die andere Richtung wollen und schickt sie
zurück. Als später bei auflaufendem Wasser zu sehen ist, dass die
Leitern und der Durchgang bei Hochwasser sicher überflutet werden,
weiß ich, warum das Timing hier so wichtig ist. Klar, ein Boot
würde helfen...hab ich aber nicht.
Ich komme jedenfalls wohl
behalten, aber vor Anstrengung klatsch nass geschwitzt wieder an
der Strandpromenade an, wo Kerstin auf mich wartet. Die Fotos sind
gemacht, die Mühe war es wert. Auf dem Rückweg mit dem Fahrrad
durch den Ortskern versorgen wir uns noch mit zwei schönen Steaks
aus einer echten
Boucherie-Charcuterie
(=Metzgerei), die wir später auf unserem ”Bauernhofcampingplatz”
auf unserm Mini-Holzkohlegrill zubereiten. Ein weiterer
wunderschöner Tag geht zu ende.
letzter Teil folgt
10.02.2013
Mit dem Wohnmobil in die Haute Normandie - 7. und letzter Teil
Rückreise
und Nancy
Heute ist Mittwoch, morgen hat Kerstin Geburtstag und am Freitag
muss ich das Womo beim Vermieter abgeben. Beim Frühstück, das wir
wieder draußen in der Sonne genießen, erklärt mir meine liebe Frau,
dass sie ihren Geburtstag nicht den ganzen Tag quer durch
Frankreich fahrend erleben möchte. Also beschließen wir, heute
unsere Zelte abzubrechen und die Heimreise anzutreten. Tisch und
Stühle sind schnell im Laderaum verstaut, das Elektrokabel aus dem
”vorsintflutlichen” Anschlusskasten abgezogen, aufgerollt und
eingepackt und bald kann es los gehen.
Wir nehmen die
Strecke entlang der Küste bis Fécamp, weil wir einfach noch mal den
Blick auf diese wunderbare Landschaft mit der hellen, manchmal
richtig weißen Steilküste und dem türkisblauen Meer genießen
wollen. Dann geht es Richtung Autobahn und bei
Yerville erreichen wir diese, ziehen an der
Mautstation unser Ticket und freuen uns über die Tatsache, dass nur
wenige Autos mit uns unterwegs sind. Bei Amiens erfolgt der
obligatorische Tank- und Einkaufsstop. Ich kann diesen Haltepunkt
nur jedem, der diese Route fährt (zum Beispiel auch in die
Bretagne) empfehlen.
Während der Weiterfahrt besprechen wir, die kommende Nacht in
Nancy zu verbringen, mit der Absicht, uns unsere
Partnerstadt morgen etwas ausführlicher anzuschauen.
Der Stellplatz am Port St. Georges
ist relativ bald gefunden aber leider schon voll belegt. Das ist
sehr schade, denn von da kann man in wenigen Minuten zu Fuß das
historische Zentrum Nancys erreichen. Uns bleibt nur auf den großen
Campingplatz im Vorort Villers-les-Nancy auszuweichen, wo es
genügend freie Plätze hat. Am Donnerstag früh fahren wir wieder
hinunter an die Meurthe
(der Fluß, der durch Nancy fließt) und parken auf einem großen
kostenlosen Platz beim Nautic
Centre.
Mit den Rädern
fahren wir dann hinein in die Altstadt bis zum Place
Stanislas, wo wir
sie beim Office de Tourisme
anketten. Zu Fuß erkunden wir dann die Innenstadt, die sehr viel zu
bieten hat und sicher einen Tages- oder Wochenendausflug wert ist.
Am frühen Nachmittag geht es dann wieder zum Womo und auf die
Heimreise. Gegen 17 Uhr erreichen wir Karlsruhe.
Fazit:
Wir sind etwas mehr als 2.000
Kilometer mit dem Wohnmobil gefahren; etwa 85 % davon waren Hin-
und Rückreise auf der stressfreien aber gebührenpflichtigen
französischen Autobahn. Wir freuen uns, eine sehr schöne und
interessante Gegend kennen gelernt zu haben. Dies mit dem Wohnmobil
zu tun ist sicher nicht die einzige Möglichkeit, aber wir meinen es
ist wegen der absoluten Ortsunabhängigkeit die ideale. Die Zeit
verging wie im Flug und war genau genommen etwas kurz; besser wären
runde drei Wochen inklusive Hin- und Rückreise gewesen. Ich denke,
wir waren nicht das letzte Mal in der Normandie.
Text und Fotos: Reinhard Bruckner
Kontakt per email: aaa1392-fotos@yahoo.de
Weitere Fotos: www.reinhard-bruckner.de
03.03.2013
Lourdes im Zeichen des Rosenkranzes
Wallfahrt vom
17.07. bis 23.07 2012 mit beeindruckenden Erlebnissen
Von Franz Gabath
Die jährliche Pfarrwallfahrt von Böbingen, Venningen führte in
diesem Jahr zum französischen Marienwallfahrtsort Lourdes. Es gibt
in Deutschland mit Altötting, Kevelaer, Marienthal, Werl, Wemding
im Ries, oder auch mit unserem Speyerer Dom, bedeutende
Marienwallfahrtsorte in Deutschland, zu denen die Gläubigen
pilgern um der Mutter Gottes ihre Sorgen, Nöte, aber auch Freuden
anzuvertrauen und ihren Dank für erhaltene Hilfe abzustatten.
Lourdes ist ohne Frage einer der größten, wenn nicht der
bedeutendste Marienwallfahrtsort auf der ganzen Welt. Über 6
Millionen Gläubige pilgern jährlich in den größten
Marienwallfahrtort weltweit, an dem vom 11. Februar bis zum 16.
Juli 1858 28 Mal die Gottesmutter dem armen Bauernmädchen
Bernadette Soubirous erschienen ist. Unter den internationalen
Pilgern stellen die Deutschen mit etwa 20 000 im Jahr eher einen
geringen Anteil dar.
Pfarrer Marco
Richtscheid, ein ausgewiesener Lourdeskenner hatte, ein in jeder
Hinsicht, touristisch wie vor allen Dingen spirituell,
hervorragendes Programm zusammengestellt, das in dieser Art wohl
nicht zu überbieten ist. Die Pilgergruppe aus Böbingen Venningen
wurde verstärkt durch Wallfahrer aus Duttweiler, Geinsheim,
Kleinfischlingen, Herxheim, Wachenheim und Iggelheim. Auch ein
Pilger aus Frankfurt a. M. gehörte zu der Gruppe. Inngesamt 53
Pilgerinnen und Pilger traten erwartungsvoll die Reise an. Nach
einer Fahrt durch das sonnenüberflutete Frankreich mit Picknick auf
„Pfälzer Art“, also Weck, Worscht un Riesling trocken, aber auch
mit süßen Stückchen, traf die Gruppe kurz nach 15 Uhr in Ars, der
Zwischen- und Übernachtungsstation ein. Die Übernachtung erfolgte
im Schwesternhaus St. Josef, ehemals ein vom Pfarrer von Ars 1824
gegründetes Waisenhaus, heute ein geistliches Zentrum und
Pilgerhaus. Bei einer Führung und einer ergreifenden Hl. Messe
wurde den Pilgern die großartige Gestalt dieses einfachen Priesters
nahegebracht, der ein großen Heiliger und Patron der Priester auf
der ganzen Welt wurde.
War hier in Ars die Qualität der Zimmer, in der Ausschreibung
als einfache Schwesternunterkunft beschrieben, weitaus besser
wie angekündigt und erwartet, ließen die Hotels in Lourdes und zum
Abschuss in Nevers, keine Wünsche der Pilger offen. Dass das Hotel
„Roissy“ in Lourdes nur wenige Schritte vom „Heiligen Bezirk“
entfernt liegt, kam den Wallfahrern zu gute, die nicht so flott zu
Fuße waren. Eine Tatsache die immer wieder anerkennend betont
wurde. Der Service war schnell und zuvorkommend und die beiden,
mindesten dreigängigen, Menüs ließen so manche Vorsätze
bezüglich der Figur in Vergessenheit geraten.
Lourdes wurde am folgenden Tag um 18:30 Uhr erreicht. Mächtig
erfüllte das „Großer Gott wir loben dich“ den Bus.
Es folgten
fast 5 unvergessene Tage mit überwältigenden Eindrücken in Lourdes.
Höhepunkte waren zum einen die täglichen Sakramentsprozessionen die
in der unterirdischen Basilika St. Pius X. endeten. Der lange Zug
der Gläubigen, in den gerade die Behinderten und Kranken in so
exponierter Art und Weise mit einbezogen sind, ist eine Erfahrung
der besonderen Art. Nicht nur dass hier in Lourdes die kranken und
behinderten Menschen hier im Mittelpunkt stehen und denen
überall die ersten Plätze zugedacht werden beeindruckt die übrigen
Pilger. Auch die vielen jungen Menschen die sich in vielfältiger
Weise um diese Pilger kümmern sind eine vielbeachtete
Erfahrung.
Das Gleiche – absoluter Höhepunkt- gilt für die allabendlich
stattfindende Lichterprozession über das ganze Areal des Hl.
Bezirkes. Mit brennenden Kerzen in den Händen, den Rosenkranz in
den verschiedensten Sprachen betend und singend bewegen sich die
Gläubigen in einer nicht enden wollenden Prozession, angeführt von
einer Marienstatue, die dann an der Rosenkranzbasilika endet.
Die letzte Messe an der Erscheinungsgrotte wird um 23 Uhr, meist
in italienischer Sprache, gelesen. Für die Deutschen sind das
Temperament und die Art wie die Pilger aus dem Süden Europas ihre
Frömmigkeit und Ergriffenheit zeigen im ersten Moment ungewohnt.
Aber sehr schnell spürt man das große innerliche Engagement
das hier ohne Scheu auch nach außen gezeigt wird.
Und wer danach noch in der völligen Ruhe und Stille verweilte
spürte etwas von der Faszination Lourdes, die jeden Beter umfängt
und verstehen lässt, was Menschen bewegt immer wieder an diesen
Gnadenort zurückzukehren.
Die Wallfahrt
wurde auch durch die täglich von Pfarrer Richtscheid gefeierten Hl.
Messen in den verschiedensten Kirchen und Kapellen geistig
bereichert. Hier gehörte die Spendung des Sakramentes der
Krankensalbung in der Kapelle des Hl. Michaels sicher zu den
ergreifendsten Erfahrungen. Zwei Mal konnte die Pilgergruppe aus
der Pfalz am internationalen Gottesdienst, der mittwochs und
sonntags gefeiert wird teilnehmen. Ein Erzbischof, 18 Bischöfe,
über 300 Priester und fast 30 000 Gläubige aus aller Welt – hier
wurde Weltkirche spürbar. Hier fühlte Jeder, dass seine Kirche
katholisch, also weltumspannend, ist. Sehr schnell kam das Gefühl
der Vertrautheit und Dankbarkeit für diese Erfahrung auf. Und wir
waren immer mit unserer Wallfahrtsfahne, die auf der Vorderseite
das Bild der Madonna von Lourdes und auf der Rückseite die
Unterschriften aller Pilger zeigte, präsent. Es erfüllte alle
Pilger aus der Pfalz mit Stolz, wenn ihr Herkunftsort unter all den
internationalen Herkunftsländern und Pilgergruppen genannt wurde.
Wir waren die einzige Pilgergruppe aus Deutschland.
Das Wasser aus der Quelle, die Bernadette freigelegt hatte ist
ein wesentlicher Bestandteil der Zeichen die die Pilger mit Lourdes
verbinden. Etliche der Wallfahrer nahmen ein Bad in der Hl. Quelle
und nahmen Lourdeswasser mit nach Hause. Es wird in etlichen
Häusern als Weihwasser verwendet und erinnert immer an die
unvergesslichen Tage am Gnadenort.
Die empfundene große Freude und Dankbarkeit über die gelungene
Pilgerreise fand in der Spende einer 35 kg schweren Kerze, die in
einer Prozession feierlich zum Kerzenplatz gebracht wurde, ihren
sichtbaren Ausdruck. Dem Motto des Jahres gemäß, „Mit Maria zum
Rosenkranz“ hängt an einem der Bäume hinter der zentralen Figur der
gekrönten Madonna auch ein Rosenkranz der pfälzer Pilgergruppe. Ein
Rosenkranz mit großen Perlen auf denen die Monogramme der pfälzer
Pilger geschrieben stehen. Viele Wallfahrer hängen dort Rosenkränze
auf, die am Jahresende in alle Welt verschickt werden – überall hin
wo diese von Nöten sind.
Eine Exkursion
nach Bartres, wo Bernadette bei ihrer Patentante einige Jahre
die Schafe hütete, so wie ein Rundgang durch Lourdes zu den
verschiedenen Stationen ihres Lebens vervollständigte das fein
abgestimmte Programm. Das herrliche Sommerwetter trug natürlich
auch zum Gelingen der Pilgerreise bei. Dass beim Gang des
Kreuzweges der Himmel sich verhangen zeigte und einige Regentropfen
fielen, wurde nicht besonders bedauert, sondern eher für den Anlass
passend empfunden. Das Gleiche gilt bei der r Hl. Messe die wir
zusammen mit einer 400 Frauen starken Pilgergruppe von den
oberösterreichischen Goldhaubenträgerinnen an der Grotte feiern
konnten.
Die Tage vergingen wie im Fluge und man nahm schweren Herzens
Abschied von Lourdes. Das „Ave, ave, ave Maria“ der
Lichterprozession wird noch bei Vielen lange nachklingen.
Die Rückreise führte über Nevers. Die Hl. Bernadette hatte im
dortigen Kloster bis zu ihrem Tod segensreich gewirkt. In der
Klosterkirche St. Gildard ist ihr unverwester Leichnam in einem
Glassarg aufbewahrt. Der Abschlussgottesdienst der Pilgerreise
wurde hier feierlich gefeiert.
Dieter Bügel vom Reiseunternehmen Fichtenkamm aus Rheinzabern
war ein umsichtiger und freundlicher Fahrer, der die fast 2 800 km
schon zu einem Erlebnis machte.
Die Pilger aus der Pfalz können nach dieser Wallfahrt ins
Zentrum der weltweiten Marienverehrung besser verstehen, was
Pfarrer Richtscheid meint, wenn er Lourdes als eine „spirituelle
Tankstelle“ für sein priesterliches Wirken nennt. Bild: Franz
Gabath
27.07.2012
Lourdes Wallfahrt vom 17.07. bis 23.07 2012 mit beeindruckenden Erlebnissen - Bilderalbum
Drei Mann in einem Boot!
Saar-Sailors go Rheinwoche
von Franz Gabath
Kieler Woche, Travemünder Woche, Warnemünder Woche - alles
großartige Veranstaltungen für die "Who's Whos" des Segelsports. In
deutlich kleinerem Rahmen präsentiert sich die RHEINWOCHE - klein,
aber fein! Mit einem entscheidend anderen Erlebnisfaktor: Du fährst
nicht "rund um die Posten", sondern entlang des ständig wechselnden
Rheinufer-Panoramas. In diesem Jahr wurde in Köln-Porz gestartet -
das Ziel lag 160 km rheinabwärts in Rees. Die Rheinwoche feierte
2012 ihr 90-jähriges Jubiläum und die an der Regattastrecke
beheimateten Vereine „ Yachtclub Lörick” “, so wie „ Yacht-Club
Wesel”, ihr 50-jähriges, bzw. 75-jähriges Jubiläum
Auch ein
„Saarländisch-pfälzisches“ Team hatte für die Rheinwoche 2012
gemeldet: Martin Müller vom saarländischen Landesseglerverband (SC
Nordsaar) mit seiner Crew Thomas Krämer, so wie Franz Gabath, aus
der Pfalz, auf einer Edel 660. Martin Müller, ein versierter
Segler, der mit den unterschiedlichsten Bootstypen bestens
zurechtkommt ,jahrelang wettkampfmäßig mit Hobby- Kat unterwegs,
hatte mit mir einen ziemlichen Neuling angeheuert. Ich war zwar mit
Martin des Öfteren auf dem „Saarländischen Meer“, dem Bostalsee
gesegelt. Aber auf dem Rhein, mit seiner doch nicht
unerheblichen Strömung und besonders das Segeln inmitten der
Berufsschifffahrt ist doch eine andere Nummer. Zudem waren
130 Boote in 7 unterschiedliche Bootsklassen am Start. Da herrschte
besonders am Start und bis die schnellen Segler weg waren, doch ein
größeres Gedränge, was ein „Segelküken“ erst einmal irritiert.
Die familiären Bande, Martin ist einer meiner Schwiegersöhne,
spielten bei der Anheuerung wohl auch eine nicht unwichtige Rolle.
Für uns Drei stand das "Erleben" vor dem "Gewinnen". Denn wann gibt
es schon die Möglichkeit, so gut abgesichert durch DLRG und die
Wasserschutzpolizei eine der meistbefahrenen Wasserstraßen Europas
entlang zu segeln, zumal im Bereich des Duisburg-Ruhrorter Hafens
das Segeln auf dem Rhein normalerweise strengstens verboten ist.
Ja- der Segelgenuss stand von vorne herein und bald nur
noch im Vordergrund. Wobei in verschiedenen Situationen Martins
Wettkampfergeiz nicht zu übersehen war. Er aber, ob meiner
Unkenntnisse, oder bei nicht schnellgenug erfolgte Reaktion,
niemals böse wurde. Es löste sich immer alles im Lachen auf. Thomas
bringt weit mehr an Segelerfahrung mit. Die hochgesteckten
Erwartungen, am Ende das „Blaue Band zu erringen gaben wir schon
nach der ersten Wettfahrt, bei dem uns der Start überhaupt nicht
gelang, auf. Zumal die „La Chale`che“ 6,5 Meter lang mit
Küche und 4 Schlafplätzen nicht unbedingt der Innbegriff eines
Regattabootes darstellt. Dafür aber annehmliche
Übernachtungsmöglichkeit bietet und jede Menge Bagage und Proviant,
auch in flüssiger Form, bequem unterzubringen ist. So starteten wir
frohen Mutes von Illingen aus zum Starthafen nach Köln-Porz.
Schon hier ein
großes Lob an die die Organisation der Rheinwoche. Nach dem
Zuwasserlassen der Boote mittels Autokran fuhr Tomas das Auto
samt Trailer zum Zielhafen nach Rees und wurde von dort mit einem
Bus-Shuttle zum Starthafen zurückgefahren. Leider kam Thomas in
einen langen Stau, so dass er erst mit dem letzten Shuttlebus
zurückfahren konnte und erst gegen 23.30 Uhr wieder bei uns ankam.
Martin und ich hatten das Boot inzwischen startklar gemacht und uns
dann mit einigen Kölsch auf die kommenden Tage eingestimmt.
Begleitet wurde das Regatta-Feld von der "MS Eureka ", einem
Fahrgastschiff, auf dem eine Essensversorgung angeboten wurde und
bei Bedarf mit Schlafsack übernachtet werden konnte. Viele
Angehörige und Freunde der Segler begleiteten die Regatta auf der
„MS Eureka.
Die Wetterprognose für die Regattatage - sommerlich warm mit
gutem Wind - konnte besser nicht sein! So starteten am Samstag alle
7 Startgruppen pünktlich in die erste Etappe von Köln nach Hitdorf
(27km). Wie schon erwähnt, raubte uns der misslungene Start schon
jeglicher Siegeschance. Die Windverhältnisse waren die ganzen Tage
gleich. Von Flaute bis steifer Brise war Alles vorhanden. Wir
beiden Vorschoter hatten immer alle Hände voll zu tun. So blieb
mir, obwohl ich den Törn mit einem Touristenvisum glaubte
angetreten zu haben, nichts erspart. Die Kommandos von Martin waren
unmissverständlich – und vor allem – zu befolgen.
Erstaunlicherweise hatte ich mich sehr schnell an den vielen
Verkehr auf dem Rhein gewöhnt. Klar - auf ein Containerschiff, das
drei Container über Deck geladen hat und das beim Näherkommen wie
ein Hochhaus wirkt, musste ich mich schon erst gewöhnen. Nachdem
ich aber merkte wie schnell und präzise die Cale`che auf die
Wendemanöver reagiert, stellt das kein Problem mehr dar. Auch zwei
nebeneinander gekuppelte Schleppverbände geben beim Daraufzufahren
ein imposantes Bild ab. Das sind ganz andere Perspektiven wie von
Land aus. Und das eigene Schiff wird immer kleiner.
Bei der
Vorbeifahrt am Kölner Dom, Punkt 12 Uhr, lies der Kardinal die
Glocken läuten. Als Katholiken bezogen wir das, als besonderen
Service des Kardinals, natürlich nur auf uns. Wahrscheinlich
läuten jeden Tag um 12 Uhr die Glocken des Domes. Aber an
diesem Tag war es für uns ganz alleine. Es war ein herrlicher Tag
und wir köpften angesichts der gewaltigen Kathedrale eine Flasche
Sekt.
Nach einer kurzen Mittagspause in Hitdorf ging es weiter zum
Tagesziel nach Düsseldorf-Lörick (40km). Gegen 16 Uhr passierten
wir die Werksanlagen von Bayer Leverkusen. Die Werksfeuerwehr
spritzte zur Begrüßung aus allen Rohren. Bei der Vorbeifahrt an der
imposanten Kulisse von Düsseldorf setzt sehr starker Wind ein, so
dass wir wirklich alle Hände voll zu tun hatten und den Anblick der
Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen nicht genießen konnten.
Als wolle der Wind uns zeigen, dass hier das Leben pulsiert, fegten
Böen in die Segel und zwangen das Schiff in eine tiefe "Verbeugung"
vor der Skyline dieser Rheinmetropole Die Schieflage unseres Bootes
war schon mehr als extrem. Aber Martin beruhigte mich, dass sein
Schiff nicht kentern könne. Ich hab´s geglaubt. Das war auch so
eine Erfahrung in diesen Tagen. Noch nie im Leben war ich so viele
Stunden in Schieflage, als in diesen vier Tagen auf dem Rhein. Spät
– erreichten wir den Hafen von Lörick. Eine Dixielandkapelle
empfing uns mit flotten Weisen. Und beim Regattafest war unsere
Platzierung besser als in der Wertung. Auf das Fest hatten wir uns
gleich nach der Abkunft mit „Woi aus der Dudd“ eingestimmt.
Dann gab es noch eine besondere Überraschung – Freibier. Das ist
das Bier das so teuer ist wie vor dem Krieg.
Der Sonntag
begann mit zögerlichem Wind. Doch nach der Startverschiebung kam
die vom Regattaleiter steife Brise und brachte das Feld zur
Mittagspause in den Duisburg-Ruhrorter Hafen (32km). Tagesziel war
der Hafen des YC Wesel (35km), den wir gegen 20 Uhr erreichten. Ein
abwechslungsreicher Segeltag mit herrlichem Wetter lag hinter uns.
Die Windverhältnisse ähnelten denen des Vortages. Es war immer
höchste Konzentration verlangt. Denn bei plötzlicher Flaute
gehorcht das Schiff nicht mehr dem Ruder und treibt fast führerlos
im Strom. In zwei Situationen war das schnelle Anwerfen des
Außenborders eine große – sehr große- Hilfe. Die Berufsschifffahrt
kennt keine Feiertage - das verlangt von der Mannschaft absolut
aufmerksame Übersicht, denn gerade Talfahrer sind verdammt schnell
da. Eine Tatsache an die ich mich auch erst gewöhnen musste. Aber
auch hier ging es mit dem Timing doch schnell. Der Mensch ist halt
lernfähig bis ins hohe Alter.
Bei starkem Wind ist man voll konzentriert und hat nur wenig
Zeit das vorüberziehende Ufer wirklich zu genießen. Im Gegensatz
zum Mittelrheintal, das schmal in die Berge eingeschnitten ist und
sich die Ortschaften fast nahtlos aneinander reihen, sind nach
Düsseldorf keine Orte oder Städte direkt am Ufer zu finden.
Industrieanlagen säumen über viele Kilometer das Ufer.
Wesel war das Tagesziel. Über unsere Platzierung schweige
ich. Aber eines ist doch erwähnenswert und sagt viel über
Martins Können aus. Über viele Kilometer hatten wir das Boot der
Wasserschutzpolizei hinter uns. Hinter uns, da die
Wasserschutzpolizei als letztes Boot fuhr. Als es aber dann
um Düsseldorf wegen der Böen und des starken Windes sehr unangenehm
wurde, haben die Beamten uns nur kurz beobachtet und als sie
merkten, dass wir unser Schiff, dank Martins Können, „im Griff
„hatten, fuhr die Polizei vor um anderen Schiffen etwaige Hilfe
angedeihen lassen zu können.
Das 75-jährige Bestehen des Jachtclub Wesel wird uns in guter
Erinnerung bleiben. Überwältigendes Angebot an Speis und Trank und
das zu zivilen Preisen. Wir feierten lange.
Von Wesel
waren es nur noch 27km bis zum Ziel in Rees. Wir beschlossene uns
aus der Regattawertung herausnehmen zu lassen und mir Motorkraft
Rees anzusteuern. So konnten wir, bei früher Ankunft, die
Wartezeit am Kran verkürzen. Fahrt unter Motor gab uns die
Gelegenheit, in Muße die Landschaft des Niederrheines
wahrzunehmen. Es ist zunehmend grüner am Ufer, Weideland für
Rinder- und Schafherden statt grauer Industrie. Vereinzelte Höfe in
sicherer Entfernung vom Ufer, Kirchtürme im Hinterland, die die
Beschaulichkeit der Backsteindörfer ahnen lässt. Wie der
Reichsadler sitzt ein Kormoran auf einem Dalken und lässt seine
ausgebreiteten Flügel von Sonne und Wind trocknen. Rees erreichten
wir eigentlich viel zu schnell, jedoch mit der für uns
außerordentlichen Wertung: FOC - First On Crane =)
Nachdem das Boot verladen war verlief die Fahrt nach
Illingen problemlos. Schöne Segeltage waren zu Ende. Wenn wir auch
nicht sehr erfolgreich waren, waren wir aber eine der lustigsten
Crew. Dies wurde uns von vielen Teilnehmern oft bestätigt. Wir-
Martin, Thomas und Franz- haben es sowieso gewusst. Bilder:
fg
06.06.2012
Drei Mann in einem Boot! - Bilderalbum
So schön kann der Winter sein - in Donaueschingen

Bei frostigen Temperaturen von – 8° C, präsentierte sich der
Schlosspark in Donaueschingen, am gestrigen Sonntag, von seiner
stimmungsvollen Seite. Wer sich gut eingepackt nach draußen wagte,
wurde auf jeden Fall mit wunderschönen Bildern belohnt. Den Enten
auf unserem Bild, schien das kalte Wetter gar nicht so viel
auszumachen. Sie verbreiteten gute Laune, und fanden sich im Tausch
gegen etwas Brot, bereitwillig zum Fotoshooting ein. Jana
Volk
13.02.2012
„Wa(t)t“ erleben, Büsum für Entdecker und Genießer
Von Jana Volk
Stürmische
Vergangenheit
Büsum, die kleine Gemeinde im Kreis Dithmarschen in Schleswig
Holstein, ist mit seinen knapp 4800 Einwohnern ein beschauliches
Städtchen, das direkt an der Nordsee liegt und sich stolz Tor zum
Weltnaturerbe Wattenmeer nennen darf. Zum ersten Mal 1140 in einer
Urkunde des Erzbischofs Adolbero von Bremen erwähnt, wurden der
einstigen Insel gleich drei schwere Sturmfluten in den Jahren
1362, 1436 und 1570 zum Verhängnis. Von den damals drei Ortschaften
überstand nur Norddorp diese Katastrophen. Doch was das Meer einst
so unerbittlich mit sich nahm, spülte es auf der Festlandseite
wieder an und mit der Zeit entstand so eine Verbindung, die 1585
mit dem Bau des Wardammes dauerhaft wurde. Auch 1962 wurde Büsum
erneut Opfer jener Sturmflut, die damals an der gesamten deutschen
Nordseeküste wütete. Heute schützen die mächtigen Stahltore des
Eider Sperrwerks Büsum und Umgebung vor den Launen der Natur.

{Bild: Kutter}
Lebensraum Wattenmeer
Die durch Ebbe und Flut geprägte Landschaft des Wattenmeeres
entfaltet eine ganz eigene Faszination und ist Lebensraum für mehr
als 10 000 Tier- und Pflanzenarten. Den Zugvögeln bietet sie einen
reich gedeckten Tisch auf ihrem langen und mühseligen Weg in ihr
Winter- oder Sommerquartier – unzählige Vogelschwärme fallen dann
auf ein Mal ein und machen so lange Rast bis sie ihre
Energiereserven wieder aufgefüllt haben. Auch größere Tiere, auf
die bis vor einigen Jahrzehnten gnadenlos Jagd gemacht wurde, wie
beispielsweise Seehund, Schweinswal und Kegelrobbe, haben hier im
Wattenmeer eine neue Heimat gefunden; der Seeadler wanderte aus
anderen Regionen wieder ein. Im Jahr 2009 wurden wurde das
Wattenmeer Niedersachsens, Schleswig-Holsteins und der Niederlande
in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen. Außerdem ist das
Schleswig-Holsteinische Wattenmeer der größte Naturpark zwischen
dem Nordkap und Sizilien.
Um sich hier in Büsum mit dem Watt etwas vertraut zu machen,
empfiehlt sich auf jeden Fall eine der zahlreichen Führungen, die
mehrmals wöchentlich unter verschiedenen Themen stattfinden. So
gibt es beispielsweise eine Familienwattwanderung, bei der ganz
gezielt auf die Bedürfnisse und Fragen der Kleinen eingegangen
wird. Wie fühlen sich Wattwürmer und Garnelen an, wenn man sie in
die Hand nimmt, was verbirgt sich unter diesen merkwürdigen Mustern
im Sand und was macht ein Bohrturm mitten im Naturschutzgebiet?
Hier haben alle ihren Spaß - „Aha-Effekte“ inklusive. Wattenläufer
mit etwas Ausdauer können an einer 12 km lange Wanderung von
fünf Stunden teil nehmen. Für Gehbehinderte mit ihrer Begleitung
hält die Gemeinde Büsum als besonderen Service zwei Wattrollstühle
bereit, die für 1,50 Euro pro Stunde im Gäste- und
Veranstaltungszentrum ausgeliehen werden können.
Für alle begeisterten Watt- und Strandläufer gilt jedoch
grundsätzlich: sich rechtzeitig mit dem Lesen eines
Gezeitenkalenders und den Gegebenheiten vor Ort kundig machen –
leichtsinniges Verhalten kann hier schnell lebensgefährlich
werden.

{Bild: Seehund}
Mit dem Schiff
unterwegs
Schiffsausflüge sind nur eines der vielen Highlights vor Ort.
Ständig im Programm findet man Ausflüge zur Insel Helgoland,
verschiedene Küstenfahrten und Fahrten zu den Seehundebänken.
Naturschützer raten allerdings im Juni und Juli von Fahrten zu den
Seehundebänken ab, da in dieser Zeit die Tiere ihre Jungen zur Welt
bringen und auf jede Störung sehr empfindlich reagieren. Ganz aus
der Nähe und in aller Ruhe lassen sich Kegelrobben und Seehunde in
der Seehundstation Friedrichskoog betrachten. Seit 26 Jahren
kümmert sich diese Einrichtung um die Aufzucht und Pflege von
verletzten oder mutterlos aufgefundenen Jungtieren, den sogenannten
Heulern, sowie um etliche Forschungsprojekte. Bei der Fütterung der
in der Station lebenden Alttieren, die hier liebevoll „Dauergäste“
genannt werden, kann man aus nächster Nähe zuschauen und erfährt
dabei in kurzen Vorträgen viel Wissenswertes über diese
wunderschönen Tiere.
Noch mehr Informationen rund um den Lebensraum Wattenmeer bietet
das Multimar Wattforum in Töning. Dort schwimmen in zahlreichen
Aquarien Seepferdchen, Nagelrochen, Störe und Seelachsschwärme.
Eine multimediale Ausstellung bei der Mikroskop und Computer zum
Einsatz kommen, weckt den Forschergeist der ganzen Familie.

{Bild: Wattforum}
Den Alltag hinter sich
lassen
Für alle Genießer, die dann doch lieber einfach nur entspannen
und im Städtchen flanieren möchten, ist die belebte Fußgängerzone
in Büsum mit seinen zahlreichen Geschäften und Boutiquen genau das
Richtige. In 98 Restaurants, 22 Cafés, zahlreichen Imbissständen
und Eisdielen ist kulinarisch reichlich Auswahl geboten, dabei
steht natürlich Fisch in all seinen Variationen auf jeder
Speisekarte. Der Weg vom Stadtkern bis zum Hafen ist erfreulich
kurz, so dass man getrost auf das Auto verzichten kann. Der Hafen
ist in mehrere Bereiche zwischen Museumshafen, Fischereihafen,
Seglerhafen und zwei Anlegern für Ausflugsschiffe aufgeteilt. Vor
allem der Museumshafen, mit seinen alten restaurierten
Krabbenkuttern, ist für Hobbyfotografen eine wahre Fundgrube an
schönen Motiven. Und wer einmal Lust hat, den Krabbenfischern bei
ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen, kann gerne eine
Fangfahrt auf einem der vielen kleinen Kutter mitmachen. Die
berühmten Büsumer Krabben werden dort an Bord gekocht, geschält und
an Ort und Stelle verzehrt. Auf dem Hafengelände finden das ganze
Jahr Feste, Veranstaltungen, Kunsthandwerkermärkte und
Live-Konzerte statt.

{Bild: Hafen}
Gezeitenunabhängige
Wassersportmöglichkeiten
Für sportbegeisterte Urlauber bieten sich Surfen und Radfahren
an. Fahrräder kann man sich vor Ort ausleihen, und immer öfter
kommen die sogenannten E-Bikes zum Einsatz - keine schlechte Idee
bei dem Wind hier, denn der weht stetig und zuweilen recht
stürmisch. Richtig windstille Tage gibt es selten, so dass
wetterfeste Kleidung unbedingt zur Ausrüstung gehören sollte. Doch
der Wind hat auch seine Vorteile - allzu vorwitzige
Regenwolken werden einfach ganz schnell ins Landesinnere weg
gepustet. Wassersportler erwartet ein 100.000 qm großer
Wattenstrand mit zwei großen aufgestauten Meerwasserseen,
aufgeteilt in Schwimmer- und Surferbereich, die gezeitenunabhängig
sind. Für all diejenigen, bei denen sich die Begeisterung für
Wassersport in Grenzen hält, gibt es die Möglichkeit sich einmal im
Golfsport auszuprobieren oder einen der Kurse in Nordic-Walking zu
belegen. Nach soviel Bewegung lässt es sich anschließend wunderbar
in einem der 2000 Strandkörbe entspannen, die sich über den sanft
geschwungenen und gepflegten Grünstrand verteilen.
Früher ein kleines Fischerdörfchen, leben die Büsumer heute vom
Tourismus. Ob es hier wirklich einmal Piraten gab, wollen wir
wissen. Nun ja, die Einheimischen lächeln verschmitzt oder holen
tief Luft und fangen an zu erzählen, so wie der nette ältere Herr
im Souvenirladen: „Das Leben war hart und entbehrungsreich, man
lebte praktisch von der Hand in den Mund. Wen wundert es da, wenn
manchmal dem Glück mit falsch aufgestellten Leuchtsignalen auf die
Sprünge geholfen wurde und ein Schiff so den sicheren Hafen
verfehlte“? Bei diesen Worten zwinkert er mir verschwörerisch zu.
Der bekannteste Büsumer war Cord Widderrich, der mit seiner
Mannschaft raubte und plünderte was das Zeug hielt. Bevor er sich
im Jahre 1412 in Büsum als Kaufmann niederließ, überfiel er noch
flugs die Insel Pellworm. Dort raubte er das Taufbecken der
Inselkirchkirche und machte es den Büsumern zum Geschenk. Bis heute
befindet es sich immer noch in der Fischerkirche St.
Clemens.

{Bild: Leuchtturm}
Wellnessurlaub liegt im
Trend
Über Neuigkeiten im und um das Städtchen informiert man sich am
besten im großzügig angelegten Kur- und Gemeindezentrum. Die
Kurabgabe kostet in den Monaten zwischen Mai – September 3.--€ pro
Tag. Im Gegenzug erhält man eine Gästekarte, mit der man in den
Genuss von kostenlosen oder ermäßigten Leistungen kommt. Immer mehr
Erholungssuchende nutzen zudem die Vielzahl von
Gesundheitsdienstleistungen, die im Gesundheits- und
Thalassozentrum Vitamaris angeboten werden. Ideal für alle, bei
denen es außer Meer auch mal ein bisschen mehr sein darf.
Weitere Informationen über Büsum und Umgebung:
Kur und Tourismus Service Büsum,
Südstrand 11,
25761 Büsum,
Tel.: (0 48 34) 9 09 – 1 14
Internet: www.buesum.de
Foto: Alexander Volk
02.02.2012