Speyer-Kurier
Kirchen- und Orgelmusik
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Kartenvorverkauf für Widor-Orgelzyklus im Dom gestartet

Beim Kartenerwerb für alle zehn Konzerte sind zwei Veranstaltungen frei

Speyer- Zehn Konzerte mit Symphonien des Orgelzyklus von Charles-Marie Widor bringt Domorganist Markus Eichenlaub in diesem Jahr auf den Orgeln im Speyerer Dom zu Gehör. Erstmalig ist es möglich, die Karten zum Preis von zehn Euro (ermäßigt fünf Euro, jeweils zuzüglich Vorverkaufsgebühr) beim Rheinpfalz-Ticket-Service (Hotline 0180 5003417) im Voraus zu erwerben. „Wir entsprechen damit dem vielfachen Wunsch unserer Gäste, die teilweise aus weiter Entfernung zu den Konzerten kommen.“, so Eichenlaub. Jetzt können sie bereits vor der Anreise die Eintrittskarten beim Ticket-Service bestellen.

Ebenfalls eine Premiere: Beim Kartenerwerb für alle zehn Konzerte sind zwei Konzerte frei. Die Buchung dieses Sonderpakets erfolgt ausschließlich über die Geschäftsstelle der Dommusik Speyer, Telefon 0 62 32/102-132 oder per E-Mail dommusik@bistum-speyer.de. Weitere Informationen (auch über die Termine der Konzerte) im Internet unter www.dommusik-speyer.de.

Interview Prof. Gottfried Böhm

SPEYER-KURIER:  Herr Prof. Böhm, was war denn für Sie das besondere an dem Auftrag zur Entwicklung des Prospektes für das Hauptwerk der Speyerer Domorgel?

Prof. Gottfried Böhm: Ich habe in meinem Leben schon viele Orgel-Prospekte geplant - bisher jedoch immer in Verbindung oder besser gesagt, als wichtiges Detail einer kompletten Kirchenplanung. Von daher war es das erste Mal, dass wir angefragt wurden, für ein bereits bestehendes Gehäuse - den Speyerer Dom - an einer exponierten Stelle - der dominanten Westwand - und für ein exponiertes Detail - eben die riesige Hauptorgel - den Prospekt zu entwickeln.

SPEYER-KURIER: Wie sind Sie denn mit dieser besonderen Herausforderung umgegangen?

Prof. Gottfried Böhm: Wir haben mit unserer Planung versucht, den in Wirklichkeit ja riesigen Klangkörper so unauffällig wie möglich zu gestalten. Das heißt, dass der Prospekt bündig mit der Vorderseite der die Westwand beherrschenden großen Bogenöffnung abschließt.

Zum anderen werden die an die Seitenwände der Bogennische anschließenden Seitenteile des Instrumentes möglichst weit in den Hintergrund geschoben und farblich neutral behandelt. Die Erscheinung der Orgel wird damit lediglich durch den Prospekt mit seinen Reihen an Metallpfeifen bestimmt; sie steht wie eine Skulptur frei im Raum - mit gebührendem Abstand zu dem grossen Nischenbogen.

Die größte Herausforderung war es deshalb, mit den Metallpfeifen ein Material in die Architektur des Domes zu integrieren, das es so in der Entstehungszeit der Kathedrale vor 950 Jahren, an die wir in diesem Jahr ja auch erinnern wollen, noch gar nicht gab.

SPEYER-KURIER: Herr Prof. Böhm, die Gestaltung des neuen Orgelprospektes im Dom ist ja nicht der erste architektonische "Ausflug" des Büros Böhm in die Dom- und Kaiserstadt am Rhein…

Prof. Gottfried Böhm: Unser Büro hat damals zur 2000Jahrfeier der Stadt (im Jahr 1990 - die Red.) den Wettbewerb für die Neugestaltung der Innenstadt, d.h. für die Maximilianstraße oder "Hauptstraße", wie die Speyerer sagen, gewonnen und dieses Projekt dann auch so umgesetzt, wie Sie es bis heute sehen können - von daher waren uns die Strukturen der Stadt und ihre Baugeschichte durchaus nicht fremd.

Mit dem damaligen Auftrag war übrigens vorrangig mein ältester Sohn Stephan befaßt, der mich ja auch jetzt wieder bei dem jetzt vorgestellten Orgel-Projekt  nachhaltig unterstützt hat.

SPEYER-KURIER: Herr Prof. Böhm, wir danken Ihnen für dieses Gespräch und freuen uns schon heute auf ein Wiedersehen bei der Orgelweihe am 18. September 2011.

Das Gespräch führte Gerhard Cantzler

 

 

Im Musikgarten gemeinsam musizieren

Neues Angebot der Dommusik Speyer

Unter dem Titel „Musikgarten – Gemeinsam musizieren“ startet die Dommusik Speyer im August ein neuartiges musikpädagogisches Programm für Kinder im Alter von eineinhalb Jahren. Das Konzept will Kleinkinder und deren Eltern zum gemeinsamen Musizieren anregen. In Gruppengrößen von zehn bis zwölf Paaren (ein Elternteil und ein Kind) erschließt sich das Kind die spannende Welt der Klänge und erlebt, welch wertvollen Beitrag es selbst mit seiner Stimme dazu leisten kann. Das Programm ist auf drei Halbjahre angelegt und findet in Einheiten zu jeweils 35 Minuten einmal wöchentlich in den Räumen der Dommusik Speyer statt.

Durch musikalische Kinderspiele, Tänze und durch das gemeinsame Singen können die Kinder zusammen mit ihren Eltern ohne vorgegebene Leistungserwartungen die eigene Stimme und ihren Körper entdecken und Freude daran haben. Einfache Instrumente wie Klanghölzer, Glöckchen, Rasseln oder Trommeln führen das Kind in die Welt der Klänge. Der „Musikgarten“ betont die musikalische Wechselbeziehung zwischen dem Kleinkind und dem Erwachsenen. „Wir sind froh, den Eltern und Kindern dieses Angebot machen zu können. Die Dommusik freut sich, demnächst auch die Kleinsten begrüßen zu können“, so Domkapellmeister Markus Melchiori bei der Vorstellung des Konzepts. Weitere Infos und Anmeldung: www.dommusik-speyer.de /musikgarten. Bistum Speyer, Pressestelle, Speyer

„Orgelspaziergang“ durch Speyerer Kirchen

Erlös der Veranstaltung für Orgelprojekt der protestantischen Dreifaltigkeitskirche

Speyer-  Am Sonntag, 13. Mai, sind Freunde der Orgelmusik zum zweiten Mal eingeladen, die Instrumente der zentralen Speyerer Kirchen im Rahmen von vier halbstündigen Konzerten zu erleben. Der interkonfessionelle „Orgelspaziergang“, für den der Ökumenische Kantorenkonvent Speyer (ÖKKS) verantwortlich zeichnet, beginnt um 14 Uhr in der Gedächtniskirche mit Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger und endet im Dom, wo Diözesankirchenmusikdirektor Markus Eichenlaub ab 17 Uhr an der großen Orgel den Schlussakkord setzt.

Zwei weitere Stationen sind die Kirche St. Joseph, wo der stellvertretende Domorganist Christoph Keggenhoff um 14:45 Uhr in die Tasten greift, und die Dreifaltigkeitskirche, wo um 16.15 Uhr der Neustadter Bezirkskantor Simon Reichert Barockwerke sowie eine Komposition von Felix Mendelssohn interpretieren wird.

Der Reinerlös der Spenden, um die die Veranstalter bitten, soll dem Orgelprojekt der protestantischen Dreifaltigkeitskirche zufließen. Nach Auskunft von Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger wird das Presbyterium der Gemeinde bis 2014 über die Vergabe des Restaurierungsauftrags für das stark sanierungsbedürftige Instrument entscheiden. Noch fehle es erheblich an finanziellen Mitteln. Umso mehr freut sich Sattelberger über das gute ökumenische Einvernehmen innerhalb der Speyer Kirchenmusik und die Unterstützung zum Beispiel durch den Spendenerlös aus dem Orgelspaziergang.

Zur Ruhe kommen und dann wieder zu Neuem aufbrechen – das ist eine stimmige, anregende Kombination“, findet Markus Eichenlaub. Orgelmusik sei mehr als „nur“ die Begleitung von Kirchenliedern. Die Interpreten der Benefizkonzerte verzichten auf Gage, der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.EVANGELISCHE KIRCHE DER PFALZ, Speyer, Pressereferat

Flyer ausdrucken: 

19.04.2012


„Musik in Liturgie und Konzert“

Dommusik Speyer stellt Programm für Mai bis November vor

Speyer-  Die Dommusik Speyer präsentiert ihr neues Halbjahresprogramm „Musik in Liturgie und Konzert“ (Mai bis November). „Wir haben neben Bewährtem einige neue Dinge für unsere Besucher vorbereitet“, so Domkapellmeister Markus Melchiori bei der Vorstellung. Einem Wunsch vieler Gottesdienstbesucher wurde entsprochen: Künftig werden die im Gottesdienst gespielten Orgelstücke in dem Flyer aufgeführt.

Ein großer Schwerpunkt liegt im September mit den „Internationalen Musiktagen Dom zu Speyer“. Erstmalig finden in diesem Rahmen auch zwei Konzerte statt, die speziell für Kinder konzipiert wurden. „Wir sind sehr gespannt, wie dieses neue Angebot angenommen wird. Die Musik den Kindern und jungen Menschen nahe zu bringen ist eine wichtige, vielschichtige Herausforderung für uns“, so Melchiori weiter.

Der Kartenvorverkauf hat begonnen. Die Programme können kostenlos bei der Geschäftsstelle der Dommusik angefordert werden und liegen im Dom aus.

Kartenvorverkauf: Rheinpfalz-Ticket-Service, Telefon 0180 5003417. Weitere Infos: dommusik@bistum-speyer.

Den Programmflyer hier ansehen und ausdrucken:  

26.04.2012


Domkonzert in musikalischer Geschlossenheit und spiritueller Dichte

Speyerer Dommusik präsentiert Werke von Mendelssohn und Rheinberger.

spk. Speyer. Das “Stabat mater dolorosa”, die mittelalterliche Sequenz von der schmerzensreichen Gottesmutter - durch alle Zeiten in der Musikgeschichte Anstoss für tief bewegende Kompositionen - sie stand als Leitmotiv über der Geistlichen Abendmusik, zu der gestern die Speyerer Dommusik unter der Leitung von Domkantor Alexander Lauer in der Reihe “Cantate Domino” in den Speyerer Dom eingeladen hatte. Dabei stellte die von Lauer für dieses hochmeditative Konzert ausgewählte Fassung der Sequenz des Münchener Komponisten Joseph Gabriel Rheinberger sicher den Gipfelpunkt des kompakten Programms dar, in der die innig-kontemplative Stimmung im Hohen Dom ihren Höhepunkt erreichte.

Hingeführt zu diesem Werk hatten zuvor Chor- und Orgelwerke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, beginnend mit der Hymne “Hör mein Bitten” op. 96 für Solostimme, Chor und Orgel, in der sich die aus Magdeburg stammende Sopranistin Stefanie Fels-Lauer mit ihrer berührend schönen, ohne jedes störende Tremolo geführte Stimme, überzeugend in Szene zu setzen vermochte.

Bereits in diesem Werk konnte auch der Speyerer Domchor einmal mehr seine besonderen Qualitäten unter Beweis stellen: Die hohe Flexibilität und Beweglichkeit bei den Tempo- und Stimmungswechseln, die Homogenität in und zwischen den Stimmen - hier haben Domkapellmeister Markus Melchiori und sein Domkantor Alexander Lauer ein Ensemble in den Händen, das mit der schwierigen Akustik der gewaltigen Kathedrale optimal umzugehen vermag.

Das wurde auch in der Kantate “Wer nur den lieben Gott lässt walten” spürbar, in der die drei Oberstimmen mit großer, optimal an den Raum angepasster Beweglichkeit den auf weit schwingende Linienführung angelegten cantus firmus im Bass umspielten. Dazu kontrastierte auch hier die Sopranistin Stefanie Fels-Lauer in ihrer virtuos vorgetragenen Arie “Er kennt die rechten Freudenstunden”.

Eingebettet waren die beiden Vokalwerke in Orgelwerke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, die Domkapellmeister Markus-Melchiori mit großer Souveränität präsentierte. Er war zudem zuverlässiger Begleiter bei der Hymne “Hör mein Bitten” zu Beginn und dem “Stabat mater” am Ende des Programmes. Überzeugend präsentierte sich in gewohnter Qualität auch das Speyerer Domorchester.

Die zahlreichen Zuhörer im immer noch “kühlen” Dom vergaßen angesichts des aufgebauten und stringent durchgehaltenen Spannungsbogens die Kälte des Raumes und ließen sich einnehmen von der durchgängig hochkonzentriert dargebotenen, zugleich aber auch viel Wärme verströmenden Musik. Man hätte - vom ersten Ton bis zu dem die Stille auflösenden, dankbaren Schlussapplaus - die oft zitierte “Stecknadel” fallen hören können - so aufmerksam verfolgte die Zuhörerschaft die eindringliche Musik.

Diese Stimmung wurde auch in dem “Geistlichen Wort” aufgenommen, in dem Domkapitular Josef Damian Szuba die Verbindung der “Stabat mater dolorosa” - der Gottesmutter - zum Speyerer Mariendom und zu allen Menschen herstellte, die in der Geschichte unschuldig gelitten haben und zu denen auch die gehörten, “die auch heute leiden unter Unmenschlichkeit und Gewalt: Zu den hungernden Kindern, den Familien, die auseinander gerissen werden durch Flucht und Vertreibung, die Opfer sind von Hass und Krieg - die durch Terror verstörten und verängstigten Menschen, die unheilbar Kranken, ohnmächtig Leidenden und qualvoll Sterbenden”.

Ihnen werde die Gottesmutter zu Füßen des sterbenden Sohnes zum Vorbild, auch in einer todbringenden Umgebung die Hoffnung nicht zu verlieren. “Sie wird auch unter deinem Kreuz stehen”, rief Szuba der Gemeinde zu, “sie wird da sein im Augenblick auch deines Todes”.

Mit einem Gedicht der heiligen Edith Stein, in dem diese ihre eigene Nähe und Verbundenheit mit der leidenden Gottesmutter beschrieben hat, schloss der Domkapitular seine Meditation, aus der er seine Zuhörer gestärkt und getröstet in das weitere Konzert entließ.

Ein beeindruckendes vorabendliches Konzert, das insbesondere durch seine hohe spirituelle Wirkung - seine durchgängige Geschlossenheit und stimmungsmäßige Dichte in seinen Zuhörern sicher noch lange nachklingen wird. Ganz großen Dank deshalb und tiefen Respekt an das gesamte Ensemble: An die Solistin Stefanie Fels-Lauer, den Speyerer Domchor und das Domorchester, an Markus Melchiori an der Orgel und vor allem an Domkantor Alexander Lauer - dieses Konzert war sicher etwas ganz Besondere in der Reihe der qualitätvollen fastenzeitlichen Lobpreis-Konzerte zur Ehre Gottes im Speyerer Dom - “Cantate Domino” - Singet dem Herrn! Foto: Kienipress

11.03.2012


Speyerer Dommusik präsentiert Werke von Mendelssohn und Rheinberger

“Cantate Domino - Singet dem Herrn” - Geistliche Abendmusik im Speyerer Dom

Markus Melchiori präsentiert seine Studierenden für Chordirigat

cr. Speyer. Einen eindrucksvollen Einblick in seine nebenamtliche Tätigkeit als Lehrbeauftragter an der Staatlichen Musikhochschule in Freiburg gewährte jetzt Domkapellmeister Markus Melchiori bei einer Geistlichen Abendmusik, zu der er die Studierenden seines Studienfachs “Chorleitung” nach Speyer eingeladen hatte. Zwanzig Studentinnen und Studenten - zumeist werdende Schulmusiker - umfasst diese Gruppe, die von der großen Erfahrung des Speyerer Domkapellmeisters profitieren wollen. Sie bringen fast durchweg eine gesangliche Ausbildung mit - viele von ihnen haben zusätzlich auch Orgel studiert.

In Speyer gab ihnen ihr Dozent die Chance, im Angesicht der Chororgel des Domes das Erlernte “in einem Ernstfall” vor einem sachkundigen Zuhörerkreis im Königschor des Speyerer Domes in die Praxis umzusetzen. Nahezu jede/r Kursteilnehmer hatte dabei die Möglichkeit, sich vor dem kleinen Chor und in der für ihn ungewohnten Akustik des Speyerer Domes zu bewähren.

“So viele Dirigenten - so viele Möglichkeiten, den Takt zu schlagen und die Dynamik eines Stückes vorzugeben. Aber so richtig ist nur die eine, die deine Musiker in Stand setzt, dein Dirigat so umzusetzen, dass das musikalische Ergebnis deinen Vorstellungen entspricht”. So beschrieb es einmal der unvergessene Dirigent Otmar Suitner, einer der Großen seines Faches, der sich über viele Jahre hinweg selbst darum bemühte, seine Kunst an seine Studenten weiterzugeben. Daran wurde man auch am Samstagabend im Speyerer Dom erinnert: Da gibt es die weit ausholenden, mit großem Gestus agierenden und mit viel echtem oder auch vorgeblichem Selbstbewusstsein daherkommenden “Pult-Generale”, da gibt es aber auch die eher zögerlichen, fast schon verschämt auftretenden “Anstifter”, die ihren Apparat - Sänger und Orchester - mit ihren Gesten nicht allzu sehr in ihrer eigenen musikalischen Entfaltung “stören” wollen. Am besten sicher, wenn sie es so machen, wie sie es ihrem Lehrer Markus Melchiori abschauen können: Mit klarer und unmissverständlicher Gestik, unprätentiös und den Chorsängern erkennbar stets in Freundlichkeit zugetan. Das haben einige seiner Schülerinnen und Schüler durchaus schon für sich verinnerlicht, wie man bei den Proben ihres Dirigates erkennen konnte.

Und so konnte sich dieser Abend, der mit einer Ausnahme einem einzigen Komponisten, dem dänisch-deutschen Barockmeister Dietrich Buxtehude, gewidmet war, durchaus hören lassen. Sicher - die Zusammensetzung der Gesangsgruppe kann sich nicht an den Bedürfnisse eines “normalen” Chores messen lassen - will es sicher auch gar nicht. Denn dazu haben seine Mitglieder ein von ausgewogenem Chorklang zu unterschiedliches Interesse: Sie wollen schlicht “nur Chorleitung” erlernen. Und so muss es nicht verwundern, dass die Balance zwischen den einzelnen Singstimmen in diesem Chor nicht die oberste Priorität genießt. Wie “im richtigen Chorleben” fehlt es deshalb auch hier hörbar an Altistinnen und Tenören. Auf hohem sängerischem Niveau dagegen der Sopran sowie - sicher nicht zuletzt dank der Mitwirkung von Domkantor Alexander Lauer - der Bass.

Den jungen Dirigenten in spe übrigens eines noch ins Stammbuch geschrieben: Ein Dirigent kommt sich reichlich einsam und überflüssig vor, wenn seine Sängerinnen und Sänger keinen Blickkontakt zu ihm suchen und so sein Dirigat ins Leere zu gehen droht. Das galt auch für manchen der Akteure bei diesem kleinen Konzert. Aber das nur am Rande erwähnt!

Domkantor Alexander Lauer konnte sich an diesem Abend übrigens auch mit einigen solistischen Einsätzen glänzend in Szene setzen. Seine resonanzreiche, gut geführte Stimme ist auch außerhalb seiner musikalischen Tätigkeit im Speyerer Dom immer ein Erlebnis. Das bewies er insbesondere in dem Arioso in der abschließenden Kantate “Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken” von Dietrich Buxtehude. Hier konnte sich auch die Sopranistin Stefanie Fels mit ihrer warmen Sopranstimme auf das beste präsentieren.

Die instrumentale Begleitung des Sängerensembles besorgten - zuverlässig wie immer -Mitglieder des Speyerer Domorchesters um Daniel Spector, - einer der Studierenden aus Freiburg hatte zudem noch zwei Orgelwerke von Dietrich Buxtehude mitgebracht.

Ein hörenswerter Abend, der den Zuhörern im Königschor des Domes - eine durchaus beachtenswerte Alternative bei kleineren Konzertereignissen - das Herz erwärmte und sie beseelt in den eisigen Winterabend entließ. Foto: Kienipress

05.02.2012


Cantate Domino - Bilderalbum

Venezianische Mehrchörigkeit und barocker Glanz zum Wohle einer Orgel

Benefizkonzert des Rotary Clubs Speyer in der Dreifaltigkeitskirche

spk. Speyer. Die Dreifaltigkeitskirche war einmal mehr “auf allen Rängen” dicht besetzt, als der Rotary-Club Speyer sein diesjähriges Benefizkonzert - das 15. in ununterbrochener Folge - präsentierte. Für diese Tradition bedankte sich eingangs der Präsident des RC Speyer, Hartmut Metzger, bei dem Initiator und “spiritus rector” dieser Konzertreihe, Prof. Leo Krämer sowie bei Thomas Grebner, der gemeinsam mit gut zwanzig Helfern über all die Jahre hinweg die Verantwortung für die Organisation, die Vorbereitung und die Durchführung der Konzertabende übernommen hatte. Ein besonderer Gruß des Präsidenten galt an diesem Abend der obersten Repräsentantin der Rotarier im District Saarland/Pfalz/Hessen-Süd, Hildegard Dressino vom RC Worms, die als erste Frau zum Govenor - zur “obersten Rotarierin” also (eine weibliche Form für “Govenor” gibt es im Englischen leider nicht!) - dieses bis vor wenigen Jahren noch allein Männern zugänglichen Serviceclubs gewählt wurde. Wohl um die “Gleichberechtigung hochzuhalten”, begrüßte Präsident Hartmut Metzger stellvertretend für alle Männer den Hausherrn der Dreifaltigkeitskirche, Pfarrer Marc Reusch.

Danach übernahm der Künstlerische Leiter auch dieses Abends, Prof. Leo Krämer, das “musikalische Kommando”. In seiner Einführung in das Programm entführte er das Auditorium zunächst nach Venedig in die Kirche San Marco, die in der Zeit der Renaissance berühmt wurde durch ihre mehrchörige Vokal- und Bläsermusik. Etwas davon, so Krämer, wollten seine Ensembles von Palatia Classic - das Barock Ensemble, das Vocal und das Brass Ensemble gemeinsam mit den Solisten Ingrid Paul, Flöte sowie Andre Schoch und Rudolf Lörinc, Trompete - an diesem Abend nach Speyer transponieren.

Und damit hatte Leo Krämer bereits sein schwerwiegendstes Problem der letzten Tage angesprochen: Seit einigen Wochen schon ist sein kongenialer Musikerfreund Robert Frank, 1. Konzertmeister im Orchester des Nationaltheaters Mannheim und als Solist für diesen Abend seit langem verpflichtet, schwer erkrankt und bis heute nicht wieder völlig gesundet. Als dann auch noch Laura Vukobratovic, 1. Solotrompeterin im gleichen Orchester, aus “innerbetrieblichen” Gründen des Theaters absagen mußte, galt es, innerhalb kürzester Zeit solistischen Ersatz zu finden und bei der Probenarbeit mit den Ensembles noch “einen Zahn zuzulegen”.

Um es gleich vorweg zu sagen: Auch diese Herausforderung hat Leo Krämer souverän gemeistert. Innerhalb weniger Proben hat er die beiden Trompeter Paul Andre (Karlsruhe) und Rudolf Lörinc (Bremen) optimal aufeinander abgestimmt und mit dem Barock- und dem Brass Ensemble zusammengeführt. Es zeigte sich einmal mehr: Die musikalische Formung einander bis dato fremder Ensembles und Instrumentalisten zu einem überzeugenden Ganzen ist neben seiner Gestaltungskraft sicher eine der ganz großen Tugenden des langjährigen Speyerer Domkapellmeisters, dem es auch unter schwierigsten Bedingungen immer wieder gelingt, daraus beeindruckende musikalische Ergebnisse wachsen zu lassen.

Das Programm des Abends wurde eingerahmt von dem opulenten, achtstimmigen Eingangssatz “Deus in Adjutorium ostende” aus der “Marienvesper” von Claudio Monteverdi zu Beginn und einigen Sätzen für je eine Stimme - Sopran bzw. Tenor und Orchester - und dem abschließenden, achtstimmigen “Magnificat”, das Krämer mit seinem Vokalensemble, mit Bläsern und mit Streichern zu einer prachtvollen Schlussapotheose aufblühen ließ.

Das steigerte sich dann noch einmal um eine weitere Dimension, als aus dem Chorraum der Dreifaltigkeitskirche und von der Empore herab das “Laudate Dominum” für drei vierstimmige Chöre erklang - ein gewaltiges Klanggebirge, wie es nur der Feder eines Großmeisters der Kompositionskunst wie G.P. da Palestrina entspringen konnte. Für den Chor, der während des gesamten Programms in ständig wechselnden Formationen agieren mußte, kam hier zu den Änderungen im vertikalen Zusammenwirken der Sängerinnen und Sängern auch noch die dritte, die horizontale Dimension hinzu.

Hier konnte und mußte jedes einzelne Mitglied des sparsam besetzten Vocal Ensembles seine fundierte sängerische Vorbildung in die Waagschale werfen und seinen Part mit großer Standsicherheit präsentieren.

Das setzte sich dann auch bei den nachfolgenden Programmteilen fort - beim Kyrie, Sanctus und Agnus Dei aus der “Missa octo vocum” für zwei Chöre von Hans Leo Hassler und - im Ablauf später - bei den beiden doppelchörigen Motetten “Singet dem Herrn” von Johann Pachelbel und “Jubelt dem Herrn” von Giovanni Gabrieli. Mit großer Konzentration und Subtilität folgte der Chor den Hinweisen seines Leiters, der zudem auch die verschiedenen Instrumentalgruppen in das musikalische Geschehen integrieren musste.

Mit der Auswahl der Orchesterstücke dieses Abends setzte Leo Krämer einen bewussten Kontrast zu den vokalen Teilen und entbot mit Jean-Baptist Lully und Antonio Vivaldi zugleich der barocken Dreifaltigkeitskirche seine zeit- und musikgeschichtliche Referenz. Mit “Le Triomphe de l’Amour” - dem “Triumph der Liebe”, einer Orchestersuite des Hofkapellmeisters am Hofe des französischen Sonnenkönigs Louis XIV., Jean-Baptist Lully, hatten die Instrumentalisten Gelegenheit, als Solisten ihre integrative Ensemblefähigkeit zu beweisen. Man merkte ihnen zudem die große Musizierfreude an diesem Abend an, die sie sich durch das gesamte Programm hindurch bewahren konnten.

Ein weiterer instrumentaler Höhepunkt: Das C-Dur Konzert für Blockflöte und Orchester, von der wie immer bestens disponierten Ingrid Paul mit großer Verve und atemberaubender Beweglichkeit präsentiert. Ein kleines Manko: Das Cembalo, dessen Resonanz oft vom Cello überlagert wurde und sich so nicht in der wünschenswerter Weise in Szene setzen ließ.

Das zeigte sich auch bei der zweiten Vivaldi-Komposition dieses Abends, dem Konzert C-Dur für zwei Trompeten und Orchester. Hier hatten die beiden Solotrompeter, die schon während des gesamten Abends glanzvolle Beispiele ihrer Kunst zeigten, Gelegenheit, ihr großartiges Können vorzuzeigen: Gleichberechtigt nebeneinander, in vielen Phrasen kanonhaft im Dialog - eine Bravourleistung auf diesen “Königinnen der Blechblasinstrumente”.

Lang anhaltender Beifall, zum Teil auch schon zwischen den Sätzen der einzelnen Werke, belohnte die Leistungen der Ensembles - für die Flötistin gab es zudem einen opulenten Blumenstrauß. Dies replizierten die Musiker mit einer ganz besonderen Zugabe - dem “Ave Verum Corpus” - “dem Komponisten dieses Werkes, Wolfgang Amadeus Mozart, dem Jahrtausendgenie und Geburtstagskind dieses Tages”, wie Leo Krämer es ausdrückte, “zur Ehre und Ihnen, den Besuchern, zum Dank, weil sie mit ihrem Kommen einen großartigen Beitrag zu einem wichtigen Projekt geleistet haben”.

Denn die große Orgel der Dreifaltigkeitskirche nämlich war die eigentliche “Hauptperson” dieses Abends. Ihrer Renovierung gewidmet waren die sicherlich ansehnlichen Einnahmen, die der Rotary-Club Speyer mit diesem Konzert “eingefahren” hat und die trotz der enormen Gesamtkosten für die Renovierung sicher mehr waren als nur der berühmte “Tropfen auf den heißen Stein”: Sie waren eine Solidaritätsbekundung von Musikern mit einem dringend reparaturbedürftigen Instrument und - auf Initiative des Speyerer Rotary Clubs - ein überzeugendes Bekenntnis Speyerer Bürger mit einem bedeutenden Stück Kulturgut in den Stadt. Foto: miwa

28.01.2012


Benefizkonzert des Rotary Clubs Speyer - Bilderalbum

 

Neue Kurse der Dommusik Speyer starten

„Musikgarten – Gemeinsam musizieren“: Angebot für Kinder ab anderthalb Jahren

Speyer- Die Dommusik Speyer bietet Kurse für Kinder im Alter ab anderthalb Jahren an. „Nach dem guten Auftakt im letzten Sommer geht unser Programm jetzt in die nächste Runde“, so Kursleiterin Petra Niopek.

„Musikgarten - Gemeinsam musizieren“ ist ein musikpädagogisches Konzept, das Kleinkinder und deren Eltern zum gemeinsamen Musizieren anregt. In Gruppengrößen von bis zu zehn Paaren (ein Elternteil und Kind) erschließt sich das Kind die spannende Welt der Klänge und erlebt, welch wertvollen Beitrag es selbst mit seiner Stimme dazu leisten kann.

Durch musikalische Kinderspiele, Tänze und durch das gemeinsame Singen können die Kinder zusammen mit ihren Eltern ohne vorgegebene Leistungserwartungen die eigene Stimme und ihren Körper entdecken und Freude daran haben. Einfache Instrumente wie Klanghölzer, Glöckchen, Rasseln oder Trommeln führen das Kind in die Welt der Klänge. Der „Musikgarten“ betont die musikalische Wechselbeziehung zwischen dem Kleinkind und dem Erwachsenen.

Das Programm ist auf drei Halbjahre angelegt und findet in Einheiten à 35 Minuten einmal wöchentlich in den Räumen der Dommusik Speyer statt. Kurstermine sind dienstags um 15 Uhr oder donnerstags um 10.30 Uhr. Starttermin ist der 2. Februar; Anmeldungen sind ab sofort möglich.

Weitere Information und Anmeldung: www.dommusik-speyer.de oder Telefon 0 62 32/102-132.
Bischöfliches Ordenariat Speyer, Pressestelle

Exemplarische Aufführung des “Weihnachts-Oratoriums” im Speyerer Dom

spk. Speyer. Immer wieder Freitag vor Weihnachten - außer, der Heilige Abend fällt wie in diesem Jahr auf einen Samstag - gibt’s im Hohen Dom zu Speyer Johann Sebastian Bach’s “Weihnachts-Oratorium” - in diesem Jahr zum dreißigsten Mal in ununterbrochener Folge. Kein Wunder, dass dieses Konzert für viele Menschen aus ganz Südwestdeutschland längst zu einer festen Tradition, zu einem absoluten “Muss”, geworden ist, von dem sie sagen, dass es erst danach für sie so “richtig” Weihnachten werden könne. Und so war der Speyerer Dom einmal mehr bis auf den letzten Platz gefüllt, waren alle Einlass-Tickets schon lange vor dem Konzertabend restlos ausverkauft, waren gleich mehrfach zusätzliche Stühle eingestellt worden, als das Ensemble unter Domkapellmeister Markus Melchiori seine Positionen rund um den Pfarralter des Domes bezog.

So lange das “WO” - wie es von Musikfreunden oft liebevoll genannt wird - zur Aufführung kommt, so lange gibt es neue, andersartige Interpretationsansätze - und so entsteht das Werk immer wieder neu...

Markus Melchiori verstand die Botschaft von der Geburt des Kindes im Stall zu Bethlehem an diesem Abend nur an wenigen Stellen als rein kontemplatives, beschauliches Idyll - vielmehr hielt er den anspruchsvollen, tänzerisch-federnden Duktus, der sich schon mit dem Eingangschor “Jauchzet, frohlocket” eingestellt hatte, bis zum Schluss der dritten Kantate, bis zum Da Capo des “Herrscher des Himmels”, durch die Wahl rascher Tempi uneingeschränkt aufrecht. Dazu bedarf es natürlich eines Chores mit großer sängerisch-rhythmischer Standfestigkeit und hoher Beweglichkeit. Mit dem Speyerer Domchor steht Melchiori hierzu ein Ensemble zur Verfügung, das - in den wenigen Jahren seiner Amtszeit um etliche Sängerinnen und Sänger verstärkt - wieder an seine früheren Tugenden und seine viel gerühmte Homogenität anzuschließen vermag.

Da gibt es einen Sopran zu hören, der bis in die Spitzenlagen hinein leicht und frei von Schärfen und unkontrollierten Ausbrüchen agiert und durch die zwischenzeitlich wieder bemerkenswert angewachsene Kindergruppe der Domsingschule bei den Chorälen seinen metallischen Glanz erhält.

Da gibt es einen sich mit samtenem Klang und in großer Geschlossenheit präsentierenden Alt, dem wirkungsvolle stimmbildnerische Maßnahmen des Domkapellmeisters zu einer gleichberechtigten Position im Chorgefüge verholfen haben.

Bei den Männern überzeugten vor allem die Bassisten mit sonorem Fundament, großer stimmlicher Flexibilität und auch in den Höhen weichem Stimmeinsatz, während der Tenor durchaus noch Verstärkung vertragen würde - nicht zuletzt auch, um der Gefahr von Überanstrengungen und damit unangenehmen Schärfen entgehen zu können, die bei diesem Konzert allerdings nur selten auftraten.

Insgesamt also ein sehr ausgewogen daher kommender Chor, der den präzisen, aber sympathisch unprätentiösen Hinweisen seines Dirigenten zu Tempi und Dynamik in jedem Moment der Aufführung aufmerksam und bereitwillig folgte.

Dem Chor zur Seite: Das sich prächtig präsentierende “Barockorchester L’arpa festante” aus München, bewährter Partner bedeutender Kammerchöre aus ganz Europa und beteiligt an zahlreichen stilprägenden Musikproduktionen - viele davon auch auf CD festgehalten. Im Speyerer Dom wirkte das Orchester schon beim “WO” vor zwei Jahren mit - tat sich damals aber mit einer kleineren Streicherbesetzung in dem riesigen Kirchenraum erkennbar schwerer als bei seinem diesjährigen Auftreten. Jetzt bestachen die Streicher mit ihrem den Bedürfnissen des Raumes und der Musik angemessenen Instrumentarium und sorgten so für einen stets durchsichtigen, aber dennoch satten Klang, der auch noch die Zuhörer in den hinteren Reihe des Domes erreichte. Das erwies sich unter anderem auch in der Alt-Arie “Schließe, mein Herze” im dritten Teil des Oratoriums, wo der Konzertmeister von “L’arpa festante” als gleichrangiger, brillant agierender Partner in einen überzeugenden Dialog mit der Altistin Bettina Ranch eintrat.

Eindrucksvoll auch immer wieder die Trompetengruppe, hier repräsentiert durch das Trompetenensemble ELISEO aus Innsbruck, sowie die Holzbläser, beide Gruppen mit dem Original-Instrumentarium ausgestattet und mit unverwechselbarem Klang, wie er sich wohl schon in der Entstehungszeit der Bach’schen Musik dargeboten haben mag.

Auch da: Eindrucksvolle musikalische Dialoge - in der ersten Kantate die atemberaubende Bass-Arie “Großer Herr, o starker König”, von dem Bassisten Markus Flaig überzeugend dargeboten und von Martin Patscheider auf der barocken Langtrompete auf das beste kontrastiert - in der zweiten Kantate die von der Querflöte berührend umspielte Tenor-Arie “Frohe Hirten, eilt ach eilet” mit ihren halsbrecherischen Koloraturen, in der Max Ciolek, ein überaus souveräner Herold der Frohen Botschaft in seiner Partie als Evangelist fast an die Grenzen seines großartigen Könnens gehen mußte.

Bekanntlich bieten die ersten drei Kantaten des “WO” dem Solo-Sopran wenig Möglichkeiten, sich angemessen zu präsentieren - so blieb Julia Kleiter eigentlich nur das Duett in “Herr, dein Mitleid”, wo sie im Dialog mit ihrem Kollegen Markus Flaig durch ihr angenehmes Timbre auffiel. Im Zusammenwirken mit den beiden Oboen, meisterhaft gespielt von Nele Müller und Karina Heisters ein herausragendes Stück Kammermusik.

Nicht vergessen werden darf schließlich auch der virtuos agierende Cembalist des Orchesters, Rien Voskulen, der in meisterlicher Manier insbesondere bei den Rezitativen seine große Meisterschaft mit kunstvollen Verzierungen unter Beweis stellen konnte.

Im Ganzen heißt das, dass sich Solisten, Chor und Orchester zu einem außergewöhnlichen Ganzen zusammenfanden, so dass die drei Kantaten fast wie im Fluge vorüberzogen und die langsam in den Dom einziehende Kälte vergessen machte.

Anhaltender, dankbarer Beifall durchbrach schließlich nach dem Ende des Konzerts die langanhaltende Stille im Dom - auch nachdem sich der letzte Akkord des “WO” in den Höhen des Kirchenschiffs längst ins Nichts aufgelöst hatte.

Fazit: Auch wenn die diesjährige Aufführung des “WO” im Speyerer Dom - Kalender bedingt - noch gut eine Woche vor Weihnachten erklang, so wird es in seiner intensiven und mitreißenden Interpretation von Domkapellmeister Markus Melchiori noch über die Weihnachtstage hinaus nachwirken und die Herzen des Auditoriums mit lange nachklingender Weihnachtsfreude erfüllen. Foto:miw

18.12.2011


“Weihnachts-Oratorium” im Speyerer Dom - Bilderalbum

A capella-Gesang auf allerhöchstem Niveau

Kammerchor der “Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar” zu Gast in Speyer

von Gerhard Cantzler

A capella-Gesangskultur vom Allerfeinsten konnten jetzt die Besucher eines Adventskonzertes in der Dreifaltigkeitskirche erleben, zu dem der Kammerchor der “Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar” nach Speyer gekommen war. Schon vor der “Wende” 1989/90 gehörte dieses Vokalensemble zu den profiliertesten seiner Art im früheren Ostblock - in den Jahrzehnten danach konnten es sich unter seinem Leiter Prof. Jürgen Puschbeck auch weltweit einen Namen machen. Zahlreiche internationale Preise zeugen inzwischen von der hohen künstlerischen Qualität, zu der der Chor gefunden hat - die Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Kurt Masur, Max Pommer, Fabio Luisi oder Helmuth Rilling bestätigt diese Auszeichnungen eindrucksvoll. Und das, obwohl sich ein Hochschulchor naturgemäß ständig “neu erfinden” muss. Denn seine Mitglieder sind durchweg Studierende der renommierten Weimarer Musikhochschule oder der dortigen “Bauhaus-Universität”, die für die Zeit ihres Studiums zu dem Ensemble stoßen, danach aber wieder andere Wege gehen. Dazwischen haben sie in Weimar die Chance, sich als Chorsänger oder Chordirigenten aufs beste zu qualifizieren.

Dass es Jürgen Puschbeck trotz dieser ständigen Wechsel dennoch gelingt, quer durch alle Stimmlagen einen so faszinierenden Gesamtklang zu “schmieden”, verdient allergrößte Hochachtung. Man möchte Puschbeck andererseits aber auch schon ein wenig darum beneiden, dass er immer wieder mit so vielen jungen, unverbrauchten und kultiviert geführten Stimmen arbeiten darf. Diese manifestieren sich insbesondere in Sopran und Tenor, die - auch in extremen Lagen - nicht einmal eine Anflug von Schärfe erkennen lassen. Etwas matt dagegen mitunter die tiefen Stimmen Alt und Bass, die erst im zweiten Teil des Konzertes bei den so beliebten Advents- und Weihnachtssätzen alter Meister zu ihrem vollen Potential fanden.

Begonnen hatte das Konzert mit zwei Werken des frühvollendeten Komponisten Hugo Distler. Das erste - “Ich brach drei dürre Reiselein” präsentierte der Kammerchor, indem er sich im gesamten Kirchenschiff platzierte, um so das Auditorium mit zu nehmen in diesen Abend. Ein inzwischen durchaus geläufiger Ansatz, um sich dem Publikum zu nähern, wenn auch nicht ganz unproblematisch, da nur die wenigen Plätze im Zentrum der Kirche so von Anfang an den ansonsten höchst kunstvoll ausbalancierten Gesamteindruck des Chorklanges genießen können.

Das änderte sich dann aber rasch, als sich der Chor zu Hugo Distlers “Weihnachtsgeschichte op. 10" am Altar der Dreifaltigkeitskirche formierte. Hier beeindruckte er vom ersten Augenblick an mit einer beispielgebenden Präsentation dieses überaus anspruchsvollen Werkes, das als eine der besonderen Herausforderungen gilt, an denen sich ambitionierte Kammerchöre messen lassen können. Formal an den Choralpassionen zum Beispiel eines Heinrich Schütz orientiert, in der Stimmung aber ganz entgegengesetzt - dem idyllischen Weihnachtssujet verpflichtet - rein und von höchster Schönheit, fordert diese Komposition von den Sängern durch anspruchvollste Intervall-Stellungen und hochempfindliche Harmonien höchstes sängerisches Können und absolute Konzentration.

Der Weimarer Kammerchor konnten diesen Ansprüchen der Distler’schen Komposition in vollem Umfang gerecht werden und auch die Solisten - der baritonal timbrierte Tenor Patrick Grahl als Evangelist sowie die aus dem Chor besetzten “kleinen” Solisten, der Engel (Sopran), Maria (Mezzosopran), Elisabeth (Sopran), Herodes (Bariton) und Simeon (Bass) trugen erheblich zu dem überzeugenden Gesamteindruck dieser Aufführung bei. Die Leitung dieses diffizilen Werkes hatte der Professor Jürgen Puschbeck übrigens in die Hände seiner ehemaligen Schülerin Judith Schweiger gelegt und sich selbst - nur eine seiner zahlreichen sympathischen Gesten - in die Reihe der Choristen eingeordnet. Judith Schweiger “steuerte” das blendend disponierte Ensemble unprätentiös und sensibel - bei den empfindlichen Tempowechseln aber zupackend - um die zahlreichen musikalischen Klippen dieser “Weihnachtsgeschichte”. Respekt und lang anhaltender Beifall quittierten eine beeindruckende Gesamtleistung.

Im zweiten Teil des Konzertabends standen dann die - ach so beliebten, von vielen Interpreten aber auch “gequälten” - Sätze der Advents- und Weihnachtsmusiken von Heinrich Schütz, Michael Praetorius, Andreas Hammerschmidt, Johann Eccard und anderer auf dem Programm. “Nun sei uns willkommen, Herre Christ”, “Der Morgenstern ist aufgedrungen”, “Machet die Tore weit” bis hin zu dem jetzt wieder in vielen Sprachen (und Sätzen) erklingenden “Herbei, o ihr Gläubigen” stimmte der Kammerchor unter seinem Leiter Jürgen Puschbeck an, manche auf sympathische Art und Weise zusammengefügt zu einem musikalischen Gesamtwerk, durchweg bestechend durch die Schlichtheit und Wahrhaftigkeit ihrer Interpretationen.

Das Publikum, das einen großartigen Konzertabend erlebte - schade nur, dass nicht noch mehr Musikfreunde der Einladung zu diesem beispielgebenden Konzert in der Dreifaltigkeitskirche gefolgt waren - dankte es dem Ensemble gerührt und mit lang anhaltendem Beifall. Der Weimarer Kammerchor erwiderte diesen Dank mit einer Zugabe, mit einer Interpretation des “Stille Nacht” in einer Fassung für Tenor und Chor, wo das Ensemble in der dritten Strophe noch einmal seine ganz besondere Befähigung zum disziplinierten Piano-Gesang präsentieren konnte.

Die Überleitung von den “modernen” Kompositionen von Hugo Distler zu Werken des Barock und der Klassik besorgte Matthieu Pignède an der Orgel der Dreifaltigkeitskirche mit Dietrich Buxtehudes Choralvorspiel zu “Wie schön leuchtet der Morgenstern”, bei dem die “alte Dame” auf der Empore der Kirche noch einmal etwas von ihrer großen Qualitäten erkennen ließ, die es durch eine umfassende Restaurierung in den nächsten Jahren wieder zu beleben gilt.

Ein erinnerungswürdiger Abend, der so recht einstimmen konnte in diese glanzvollste Zeit des Kirchenjahres und der die Hoffnung weckte, diesem “Ausnahme-Ensemble”, das den Namen des großen “Jahres-Jubilars” Franz Liszt von Weimar aus so würdig in die Welt hinaus trägt, in nicht allzu ferner Zeit wieder zu begegnen. Fotos: miw

Der SPEYER-KURIER verlost im Rahmen seines Weihnachts-Quiz einige CDs, die der Kammerchor der Musikhochschule Franz Liszt freundlicherweise zur Verfügung stellt.

11.12.2011


Kammerchor aus Weimar - Bilderalbum

 

Johann Sebastian Bach “Weihnachts-Oratorium” von ungebrochener Faszination

Kantorei Speyer-Germersheim eröffnet musikalische Vorweihnachtszeit

von Gerhard Cantzler

Jetzt ist sie auch musikalisch offiziell eröffnet: Die Vorweihnachtszeit: Mit Johann Sebastian Bachs “Weihnachtsoratorium” - den Kantaten I - III - stimmte die Kantorei Speyer-Germerheim gemeinsam mit der Kurrende an der Gedächtniskirche und dem Heidelberger Kantatenorchester am Zweiten Adventssonntag in der Dreifaltigkeitskirche eine große Hörerschaft auf diese - auch musikalisch glanzvollste - Zeit des Kirchenjahres ein. Und Pfarrer Marc Reusch, Hausherr in Dreifaltigkeit, sollte recht behalten, als er dem Auditorium dafür dankte, dass es sich an diesem Abend in so großer Zahl für “Bach” entschieden hatte: Sie taten damit nämlich - so Pfarrer Reusch - in gleich zweifacher Weise Gutes: Zum einen sich selbst, weil sie sich für ein zu Herzen gehendes Konzert entschieden hatten, zum anderen aber auch, weil sie mit ihren Eintrittsgeldsgeldern einen Beitrag zu der dringend notwendigen Renovierung der angejahrten großen Orgel in der Kirche leisteten.

Es ist immer wieder ein wundervolles Phänomen, wie sehr das Bach’sche “WO” auch in unserer Zeit noch die Menschen zu faszinieren und in seinen Bann zu schlagen vermag. Dicht gedrängt sassen deshalb die Besucher dieses Konzertes, das in einem wahrlich protestantischen Sinne gleichzeitig durch seine Schlichtheit wie durch seine große Ausdruckstiefe bestach.

Bezirkskantor und Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger hatte für diesen Abend ein Ensemble von großer Homogenität geformt - vor allem das Heidelberger Kantatenorchester überzeugte mit einnehmendem Wohlklang. Herauszuheben dabei sicher die Trompeten in den beiden Eingangschören zur I. und III. Kantate, aber auch in der geläufigen Bass-Arie “Großer Gott und starker König”. Nicht weniger überzeugend die sich höchst ausdrucksstark präsentierenden Holzbläser - beispielhaft das Wechselspiel in dem Duett “Herr, dein Mitleid” im dritten Teil.

Auch der Chor zeigte sich - beispielhaft im “Ehre sei Gott”-Chor - standfest und hoch beweglich. Allenfalls im Tenor würde man sich die eine oder andere Verstärkung wünschen - auch, um in den Spitzenlagen Überforderungen zu vermeiden. Die anderen Stimmen dagegen zeigten sich gut aufgestellt, besonders der Sopran mit leuchtenden, kultiviert geführten und obertonreichen Stimmen. Eine Freude, diesem Apparat zuzuhören - eine Freude, die noch durch die Mitwirkung der Kinder der Kurrende an der Gedächtniskirche bei den Chorälen erhöht wurde. Dass Robert Sattelberger das Choral-Rezitativ “Er ist auf Erden kommen arm” nahezu ausschließlich in die Verantwortung dieser jungen Sängerinnen und Sängern mit ihren unverbildeten Stimmen legte - einer der berührenden und beglückenden Momente in dieser Aufführung.

Was die Wahl der Tempi in den Chorteilen angeht, so verzichtete der Dirigent auf übermäßige Dramatisierungen - es waren mehr die kontemplativen Töne, die die Szenerie bestimmten - ganz im Sinne der Ereignisse im Stall von Bethlehem. So kam auch der Chor “Herr unser Herrscher” eher sanft daher und steigerte sich erst in der Wiederholung zum Ende der III. Kantate zum triumphalen Hochgesang.

Den überzeugenden Leistungen von Chor und Orchester standen nicht weniger eindrucksvolle Solisten gegenüber. Konstitutives Moment dabei die Partie des Evangelisten. Hier hatte Robert Sallelberger mit Rüdiger Lind einen der profundesten Vertreter dieses speziellen Faches gewinnen können. Mit seiner außergewöhnlich hell timbrierten, schlank und beweglich geführten Tenorstimme gehört der Schüler von Gerd Türk und Mitglied im exquisiten SWR-Vokal-Ensemble zur international ersten Wahl für Barockmusik und - natürlich - für die großen Oratorien von Johann Sebastian Bach.

Auch bei dem Konzert in Speyer konnte Lind diesen hohen Erwartungen in vollem Umfang gerecht werden. Das Evangelium verkündigte er - von der prachtvollen Kanzel der Dreifaltigkeitskirche herunter - mit schlichtem Pathos, um bei seiner höchst anspruchsvollen Koloratur-Arie “Frohe Hirten, eilt, ach eilet” - vom Altar-Raum aus - eine ganz andere Stimm-Charakteristik zu präsentieren: Breiter aufgestellt, substanzreicher und dennoch nicht weniger beweglich. Eine vorzügliche Vorstellung des seit Jahren insbesondere im südwestdeutschen Raum bekannten Sängers.

An ihm mußten sich auch die anderen Solisten messen lassen. Das gelang insbesondere dem jungen Bassisten Axel Humbert, der mit seiner substanzreichen Stimme sowohl bei den weit ausschwingenden und dennoch innigen Rezitativen ebenso überzeugen konnte wie bei seiner anspruchsvollen, höchste Beweglichkeit fordernden Arie “Großer Herr und starker König”. Das gemeinsam mit der Sopranistin Christiane Schmidt vorgetragene Duett “Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen”, oft genug in der Gefahr , durch seine zahlreichen Wiederholungen in gepflegte Langeweile zu entarten, stellte sich in selten zu verspürender Spannung vor.

Die Sopranistin - vom Komponisten eher sparsam in das Geschehen einbezogen - konnte dennoch ihre hohen stimmlichen Qualitäten in dem Rezitativ des Engels in der zweiten Kantate vorstellen: Ein leichtgeführter hoher Sopran - engelgleich eben.

Und schließlich darf auch die Altistin Pia Knoll nicht unerwähnt bleiben - durch ihre vielfältigen sängerischen Aktivitäten in der Region eine bekannte Größe, die mit großer Inbrunst und samtig-weicher Stimme die berühmte Arie “Bereite dich, Zion” in der I. Kantate sowie mit ebenso viel Ausdruckskraft die abschließende Arie der III. Kantate “Schließe, mein Herze” darbot.

Alles in allem also ein großartiger Abend, der durchaus gleichrangig an die Aufführung des “Weihnachtsoratoriums” aus dem vergangenen Jahr anknüpft, von dem der SPEYER-KURIER als besondere Überraschung für seine Leser in seinem Film-KURIER einen Mitschnitt bereit hält. Reinschauen lohnt sich - Weihnachtsstimmung ist garantiert!

05.12.2011


Weihnachts-Oratorium - Bilderalbum

     

Glanzvoller Einstieg ins neue Kirchenjahr mit Mendelssohns “Elias”

Mozartchor zurück in der ersten Reihe musikalischer Protagonisten in Speyer

Von Gerhard Cantzler

Einen glanzvollen Einstieg ins neue Kirchenjahr bereitete jetzt der Mozartchor Speyer unter seinem - noch immer neuen - musikalischen Leiter Dieter Hauß am Vorabend des Ersten Advents den zahlreichen Besuchern seines Jahreskonzerts 2011 in der Dreifaltigkeitskirche in Speyer mit einer fulminanten Aufführung von Felix Mendelssohn-Bartholdys großartigem Oratorium “Elias”. Musikkritiker haben dieses Werk oft als die “Krone” des Oratorien-Genres generell bezeichnet - dramatisch, abwechslungsreich und mitreißend, vor allem aber auch fordernd für den gesamten Apparat - Solisten, Chor und Orchester. Und um es gleich vorweg zu sagen: Die Mitwirkenden wurden diesem Anspruch in höchstem Maße gerecht - vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich bei dem Chor um ein Laienensemble handelt, das Hauß erst vor gut einem Jahr übernommen hat. Sicher, der Mozartchor verfügt über eine lange und wohl fundierte Tradition bei der Aufführung große Werke. Doch was helfen Tradition und Erfahrung im Moment der aktuellen Herausforderung?

Im “Elias” ist der Chor - nur unterbrochen von den eher kürzeren Arien-Teilen - fast zweieinhalb Stunden lang gefordert von mitreißender, aber auch hochkomplexer Vokalmusik. Rhythmisch oft höchst anspruchsvoll, in den Harmonien gespickt mit zahlreichen “Haken und Oesen”, in dynamischer Hinsicht von größter Spannbreite vom zartesten Piano bis zum dreifachen Forte - das verlangt schon Profis größtes Können und höchste Konzentration ab. Wie hoch muss man da den Einsatz von Amateuren veranschlagen, auch wenn sie so ambitioniert sind wie die Sängerinnen und Sänger des Mozartchores. Sicher könnte man dem Chor zu seiner Perfektionierung noch einiges anempfehlen: Da dürfte sich - im Sinne einer besseren Ausgewogenheit in den Frauenstimmen - der Alt noch um einige Sängerinnen verstärken, da sollten in den Männerstimmen im Sinne einer durchgängigen Gesangskultur die gelegentlichen Ausbrüche unterbleiben und vor allem: Der Chor sollte sich im Interesse seiner Zukunftsfähigkeit Gedanken über seine Altersstruktur machen. Gelingt dies, kann sich der Mozartchor auch künftig noch auf viele - von den musikalischen ebenso wie von den physischen Herausforderungen her - höchst fordernde Konzerte freuen, so wie man es jetzt beim “Elias” erleben durfte, wo eine “große Nummer” auf die andere folgt und wo “Erholung” für die Mitwirkenden kaum in Sicht ist.

Doch ist dies kein Problem dieses Chores allein. Wer heute noch anspruchsvolle Chormusik auf hohem Niveau machen will, wie dies dem Mozart-Chor immer wieder gelingt, der muss oft weite Wege gehen, um ebenso engagierte wie begabte Mitstreiter zu finden. In Dieter Hauß jedenfalls haben die Mozartianer einen Leiter gewonnen, dem es gelingen könnte, an beste Tugenden dieses Chores anzuknüpfen.

Ähnliches gilt natürlich auch für das Zusammenwirken mit dem Orchester: Sicher hätten noch einige Proben mehr mit den Prager Philharmonikern dem Gesamtklang gut getan, hätten einige Unebenheiten geglättet werden können, hätten sich die weite dynamische Spanne des “Elias” besser darstellen lassen, wenn Dieter Hauß für weitere Detailarbeit Zeit gehabt hätte. Aber mehr Proben kosten mehr Geld... Und so müssen dieserart aufgestellte Konzerte bereits in die Öffentlichkeit, wenn die Arbeit im Detail eigentlich erst richtig losgehen müßte - und es dann auch anfangen würde, allen so richtig Spaß zu machen.

Aber auch das ist beim Mozart-Chor kaum anders als bei anderen, vergleichbaren Ensembles. Es fehlt halt immer an “noch mehr” Probenzeit. Und so mußte Dieter Hauß zum Beispiel damit leben, dass die Bläser die dynamisch wunderschön differenzierende lyrische Sopranistin Sigrun Haaser bei ihrer Eingangsarie zum Zweiten Teil des Oratoriums “Höre Israel, höre des Herren Stimme” phasenweise unsensibel “überspielten” und so den Willen zur Gestaltung bei der Solistin im Ensemble “überstimmten” und so verhinderten, dass eine bewegende, eine zum Teil tief anrührende Aufführung noch schöner wurde.

Denn dass dieser “Elias” bei aller Kritik im Detail dennoch zu einem großen Oratorienabend wurde, dazu leisteten auch die Solisten einen entscheidenden Beitrag: Da ließ der aus Dresden angereiste Bariton Matthias Weichert schon zu Beginn mit der von Mendelssohn im Stile eines gregorianischen Introitus vor die Ouvertüre gestellten Einleitung aufhorchen, mit der er im ausholenden Gestus des Propheten seine Rolle überzeugend reklamierte. Ausgestattet mit einer relativ hell timbrierten Bariton-Stimme hat Weichert “seinen” Elias mit eher lyrischen Farben angelegt. In seinen beiden großen Arien “Herr Gott Abrahams” und fast noch mehr mit “Es ist genug” rührte er die Zuhörer zutiefst, beeindruckte sie dann aber gleichermaßen mit seinen kraftvoll-federnden, zupackenden Koloraturen in der berühmten (und gefürchteten) “Hammer-Arie” “Ist nicht des Herrn Wort wie ein Feuer”. Ein Elias von allerbester Güte, in dem Weichert auch seine hohe Ensemble-Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte. Im Zusammenklang mit Sigrun Haaser in dem “Duett mit der Witwe” zum Beipiel konnten sich beide Stimme auf das beste präsentieren, Haaser mit ihrem silbrig timbrierten, leicht und beweglich geführten Sopran ebenso wie bei der späteren “Israel”-Arie - betörend schön auch, wie sie sich im “Heilig”- Quartett über die anderen Solisten und den Chor aufschwang.

Ein Glücksfall auch der Berliner Tenor Mark Adler, der den seiner lyrischen Stimme inne wohnenden Kern wohldosiert und glänzend einzusetzen versteht. Das konnten die Zuhörer schon bei den Obadja-Teilen zu Beginn des Oratoriums feststellen, das kam aber schließlich noch einmal ganz besonders eindrucksvoll in der großen Arie “Dann werden die Gerechten leuchten” zur Wirkung, wo Adler seine Stimme - das Beste zum Schluss - noch einmal in schönster Weise aufblühen lassen konnte.

Komplettiert wurde das Solisten-Quartett schließlich durch die Mannheimer Altistin Katharina Magiera, die über eine wahrlich “große” Stimme verfügt und diese auch gerne “ausfährt”. Sie fand sicher in den Teilen der Königin am überzeugendsten zu der Charakteristik ihrer Stimme - zupackend und voller Dramatik.

Und schließlich nicht zu vergessen: Der Knabe, eine junge Frau aus dem Chor, die “vom Berge herab”, von der Kanzel herunter, ihren knabenhaft geführten Sopran verströmte. Schade nur, dass sie in dem ansonsten höchst informativen Programmheft nicht erwähnt wurde - sie hätte es verdient gehabt.

Alles in allem also ein großer Abend, den Dieter Hauß konzentriert und unaufgeregt meisterte. Wer weiß, was es bedeutet, einen so gewaltigen Apparat wie beim “Elias” frei von Havarien um alle Klippen und Untiefen zu steuern, der kann dem Dirigenten nur seine allergrößte Hochachtung erweisen. Die zweite große Bewährungsprobe von Dieter Hauß nach seinem Premierenkonzert - einem “Mozart-Requiem” zum Todestag des Namensgebers des Chores im Januar - war mehr als das, was man so gemeinhin als Erfolg bezeichnen könnte - es war das “Zurückmelden” eines bedeutenden Trägers des kulturellen Lebens in Speyer in der ersten Reihe der musikalischen Protagonisten der Stadt.

Da darf man sich - denn “nach dem Konzert ist vor dem Konzert” - schon heute auf weiteres freuen - am 24. März 2012 auf Johann Sebastian Bach’s innig-monumentale “Matthäus-Passion”. Foto: Thorsten Mohr

27.11.2011


Mendelssohns “Elias” - Bilderalbum

   

Beglückender musikalischer Abend im Speyerer Dom

Komponist Jürgen Essl mit dem Domorganisten Markus Eichenlaub

Erstes Konzert auf der neuen Domorgel mit Welturaufführung

von Gerhard Cantzler

Es war ein großer, ein beglückender Tag für den Speyerer Kaiser- und Mariendom und die Speyerer Dommusik, dieser Sonntag, der so viel Neues für die Kathedrale brachte: Eine neue Hauptorgel, die sich jetzt in Verbindung mit der schon seit zwei Jahren ihren Dienst leistenden Chororgel als eines der glanzvollsten Orgelszenarien weit und breit präsentiert und zum anderen ein eigens zu dem Tag der Orgelweihe komponiertes Opus des Stuttgarter Orgel-Professors Jürgen Essl, der dieses Werk aus Verbundenheit zu seinem Freund, dem Speyerer Domorganisten Markus Eichenlaub sowie in gespannter Erwartung auf das neue Instrument im Speyerer Dom geschrieben hat.

Beides wurde - wie das gesamte Konzert am Abend der Orgelweihe - zu einem unvergesslichen Premieren-Erlebnis. Die Orgel, die in all ihrer klanglichen Vielfalt schon jetzt ihren unverrückbaren Platz in der Kathedrale gefunden hat, die Orgel-Suite “Zeit und Leben”, die Essl in der Interpretation von Markus Eichenlaub mit ihrer zeitgemäßen Tonsprache bewusst in Kontrast zu dem “klassischen Programm” aus Bach, Schumann und Charles Marie Widor gesetzt hatte. Das Instrument, das durch seine eindrucksvolle Präsenz in diesem Raum besticht, der über so viele Jahre ob seiner akkustischen Schwierigkeiten herbe Kritik ertragen mußte und den eigentlich nur ganz wenige Organisten in seiner ganzen Komplexität durchmessen konnten. Jetzt erblühen einzelne Stimmen, Stimmgruppen und Register in bisher ungekannter Klarheit und Durchsichtigkeit.

Sicher: Die Freunde der Orgelmusik im Speyerer Dom werden wohl noch eine ganze Weile brauchen, bis sie das neue Instrument in seiner ganzen Variationsvielfalt mit Hilfe ihres eigenen Sensoriums “in Besitz” genommen haben. Und das wird selbst dem Domorganisten nicht anders ergehen, der faktisch nur wenige Stunden Zeit hatte, sich auf seinen neuen “Arbeitsplatz” - auf dessen mechanische Eigenheiten, auf die ungewohnte Traktur und die akustische Situation in dem Gehäuse um den Spieltisch - einzustellen.

Doch zumindest die Orgelfreunde werden in der nächsten Zeit Gelegenheit finden, sich dem neuen Instrument Schritt für Schritt weiter anzunähern, wenn in einer ganzen Serie weiterer Konzerte “Hausorganisten” und Gäste “ihre Sicht” der neuen Domorgel offenbaren werden. Am Weihetag selbst stand deshalb die Erwartung auf das neue Opus von Jürgen Essl sicher mit an vorderster Stelle. Und diese Erwartungen wurden nicht enttäuscht: Anklänge von Gregorianik - so scheinen in dem Werk ein Ostergesang aus der georgisch-orthodoxen Kirche ebenso auf wie ein Klagelied der muslimischen Aleviten -werden durchfurcht von modernen Klangaufbauten, die in ihrer Monumentalität an Essl’s Lehrmeister, den großen französischen Komponisten Jean Francaix gemahnen. Ein Werk - dem neuen Instrument angemessen - das ihm nicht nur ungewöhnliche Klänge entlockt, sondern das zugleich auch ein bewegendes musikalisches Plädoyer für religiöse und kulturelle Toleranz zwischen den monotheistischen Weltreligionen darstellt. Markus Eichenlaub stellte das Werk in überzeugender Eindringlichkeit in den Raum - eine Komposition, die - der Orgel gleich - nach seiner Welturaufführung sicher noch eine vielfach wiederholte, intensive Befassung notwendig macht, um es in seiner ganzen Tiefgründigkeit zu durchdringen.

Da hatten es die Zuhörer mit dem restlichen Programm sicher einfacher, ist ihnen die Passacaglia in c von Johann Sebastian Bach, ist ihnen die große Symphonie Nr. 6 g-Moll von Charles–Marie Widor sicher näher, weil diese Stücke - zumindest für Orgelfreunde - durchaus “alte Bekannte” sind. Hier konnte Markus Eichenlaub seine großartige Kunstfertigkeit “ausfahren”, konnte bei Bach die ostinaten Bässe “rauschen” und bei Widor die vielfältig ineinander verschlungenen Stimmen neben- und übereinander erblühen lassen - ein großer Genuss für alle Konzertbesucher dieses Abends, die dann vermutlich durchaus dankbar dafür waren, dass der Organist mit den “6 Studien in kanonischer Form für Pedalklavier” von Robert Schumann etwas Ruhe in ein insgesamt bewegtes und abwechslungsreiches Programm brachte.

Eröffnet hatte Eichenlaub den Abend übrigens mit einem Marsch des britischen Komponisten Percy Whitlock und knüpfte damit unmittelbar an den Weihegottesdienst an, den er mit einer Fanfare dieses Komponisten beendet hatte.

Wie eingangs betont - ein großer, ein bewegender Tag für den Speyerer Dom und seine Dommusik mit einem geradezu überbordenden Ansturm interessierter Besucher - auch zu dem abendlichen Konzert. Die für den nachmittäglichen Gottesdienst und das Konzert am Abend genannten, jeweils 1.500 Zuhörer dürften da eher zu niedrig geschätzt sein...

Die Folge: Ein totaler Verkehrskollaps schon bei der Anreise der Gäste, total überlastete Parkplätze in der gesamten Stadt - nicht zuletzt durch den gleichzeitig abgehaltenen Bauernmarkt in der Innenstadt. Kein Wunder, dass da auch der abgesteckte Zeitplan aus allen Fugen zu geraten drohte. Und so konnte auch das abendliche Konzert erst mit Verspätung beginnen. Doch als die ersten Akkorde des “Marsches” von Percy Whitlock den Dom durchströmten, war alles Ungemach um Gedränge, Staus und Verspätungen vergessen. Da war dann nur noch atemlose Konzentration und pure Begeisterung, die sich anderthalb Stunden später in nicht enden wollendem Beifall für Organist Markus Eichenlaub, seinen Komponistenfreund Jürgen Essl und natürlich für die Hauptperson des Tages, die neue Domorgel und ihre Erbauer entlud.

Wie gesagt: Ein großer Tag für den Speyerer Dom, den die Freunde seiner Musik sicher in unvergesslicher Erinnerung bewahren werden. Foto: sim

20.09.2011


Feierlich-demutsvoller Auftakt zu einem besonderen musikalischen Wochenende

Bruckner-Konzert im Speyerer Dom setzt weiteres Highlight

Von Gerhard Cantzler

Eigentlich hätte man sich keinen angemesseneren Einstieg in den großen Tag der Weihe der neuen Hauptorgel im Speyerer Dom wünschen können als mit einem Konzert, das einem einzigen Komponisten gewidmet war: Anton Bruckner, den “Musikanten Gottes”, der in seiner tiefen Frömmigkeit Musik von unvergänglichem Wert hinterlassen hat.

Und so fügte es sich wirklich mehr als passend, dass die Speyerer Dommusik sich mit ihren zweiten Auftritt im Rahmen der diesjährigen “Internationalen Musiktage Dom zu Speyer” ein reines Bruckner-Programm ausgewählt hatte.

Mit großer Subtilität gestaltete Domkapellmeister Markus Melchiori die Eröffnung dieses Konzertabends, indem er - der Widmung des Mariendomes verpflichtet - ein “Ave Maria” für Alt-Solo ins Programm genommen hatte - von Bettina Ranch mit berührendem Ausdruck, geschmeidigem Timbre und sorgfältig ausgeglichen zwischen den Registern bis in die tiefsten Lagen vorgetragen - zwischen zwei “Aequali” für drei Posaunen eingebettet. Ein Konzertbeginn, der von Anfang an den feierlich-demutsvollen Impetus der Bruckner’schen Musik für diesen Abend in den Speyerer Dom übersetzte. Dazu passte auch die von großer Erfahrung mit Raum und Instrument bestimmte, gewohnt zurücktretende Begleitung der Altistin durch Domorganist Markus Eichenlaub an der Chororgel des Domes.

Diesen Ansatz übernahm Markus Melchiori auch in den zweiten Teil des Programmes, in dem er den 2. Satz aus der V. Symphonie B-Dur , das “Adagio” mit der Tempobezeichnung “Sehr langsam” von Anton Bruckner zur Aufführung brachte. Mit diesem Werk, das er der Grundstimmung des Abends entsprechend fast schon kammermusikalisch angelegt hatte, konnte er einmal mehr zeigen, zu welch eindrucksvoller Geschlossenheit sein Domorchester Speyer in der kurzen Zeit seines Zusammenwirkens inzwischen schon gefunden hat. Warm timbrierte, homogene Streicherflächen, würdig und feierlich daherkommende Blechbläser -insbesondere auch in den hochsensiblen Horn-Passagen - es war eine beeindruckende Musik, die das Domorchester zelebrierte, die einmal mehr bewusst werden ließ, wohin die Bruckner’sche Musik wirklich gehört: Nicht in den Konzertsaal, sondern unter die mit “dem langem Nachhall der Ewigkeit” ausgestattete Kuppel einer Kathedrale wie den Speyerer Dom.

Dieser Eindruck vermittelte sich auch bei dem Höhepunkt des Konzertes, der Aufführung der Messe in d-Moll, zu der sich der Speyerer Domchor, auch wenn er einige krankheitsbedingte Ausfälle kompensieren musste, in gewohnter Geschlossenheit und Durchsetzungsstärke präsentierte. Für einen eher semiprofessionell agierenden Chor wie den Speyerer Domchor geht “ein Bruckner” mit seinen oft überraschenden Tempowechseln, seinen harmonisch ungewohnten Rückungen und dynamischen Wechseln schon manchmal bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit - dennoch, der Domchor bestand auch diese Herausforderungen einmal mehr bravourös.

In dem Vokalquartett Katharina Leyhe, Sopran, Bettina Ranch, Alt, Sebastian Hübner, Tenor und Manfred Bittner, Bass, stand Markus Melchiori ein gleichrangiges Solistenensemble zur Verfügung, auch wenn Bruckner die Solopartien eher “sparsam” ausgestattet hat und den Solisten, sieht man von dem - einmal mehr - überzeugend agierenden Bassisten Manfred Bittner ab, in der Messe keine großen Gelegenheiten zur solistischen Darstellung bietet.

Noch eine Anmerkung zum Schluss: Wieder blieben bei diesem Domkonzert viele Bankreihen leer - leider. Vielleicht ist es das überreiche Angebot dieser Tage, das die Besucher - von denen jeder sicher nur mit einem begrenzten finanziellen Budget ausgestattet ist - davon abhält, noch mehr Konzerte zu besuchen. Und dann wird das Bessere rasch zum Feind des Guten, machen die eigenen Veranstaltungen der eigenen Veranstaltungsreihe direkte Konkurrenz.

Dennoch: Wer sich an diesem Abend davon hat abhalten lassen, in den Dom zu kommen, der hat etwas wirklich ganz Besonderes versäumt: Ein hochrangiges, dem Jubiläumsjahr der Domweihe und dem überragenden Ereignis der Orgelweihe an diesem Wochenende entsprechendes Konzert, für das man Domkapellmeister Markus Melchiori und seinem Ensemble Dank und Beifall zollen muss, so wie es die Zuhörer, die den Weg in den Dom gefunden hatten, lange und ausdauernd taten. Foto: sim

18.09.2011


Bruckner-Konzert im Dom - Bilderalbum

 

Annäherungen an ein Meisterwerk - die neue Hauptorgel im Speyerer Dom

von Gerhard Cantzler

Speyer- Noch ist sie stumm - die imposante neue Domorgel - doch am kommenden Sonntag, am 18. September, wird sie nach ihrer Weihe durch Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann im Rahmen einer feierlichen Pontifikalvesper um 15.30 Uhr zum ersten Mal ihr vielstimmiges Gotteslob ertönen lassen. Im Rahmen einer Begehung auf der Orgelempore des Kaiser- und Mariendomes konnten jetzt Journalisten eine erste Annäherung an das eindrucksvolle Instrument unternehmen. “Es macht den Menschen schon sehr klein, inmitten dieses gewaltigen Werks zu stehen”, schilderte dabei einer der Besucher seine Gefühle, “um vielviel eindrucksvoller muss es aber erst sein, wenn die bis zu zehn Meter hohen Pfeifen ihr Brausen erschallen lassen”.

Gut 13 Jahre hatte es gedauert, bis das Werk, das sich im Zusammenklang mit der schon vor drei Jahren geweihten Chororgel als liturgische und musikalische Einheit versteht, endlich gebaut worden war. Viele grundsätzliche Diskussionen gingen der Entscheidung voraus - bis hin zu der Frage, ob die “alte” Scherpf-Orgel überhaupt durch ein neues Instrument ersetzt werden sollte. Erst der persönliche Einsatz von Altbundeskanzler Dr. Helmut Kohl - bis heute Vorsitzender der “Europäischen Stiftung Kaiserdom” und selbst ein großer Freund geistlicher Orgelmusik - war es, der, nachdem er die Unternehmerfamilie Quandt (BMW) zu einer zweckgebundenen Spende in Höhe von 3 Millionen D-Mark - heute einschl. Zinsen 1,8 Mio. EURO - zugunsten des Orgelneubaus bewegen konnte, den Weg ebnete für ein Werk, das seinesgleichen suchen dürfte in Deutschland und wohl auch in Europa.

Nachdem die Finanzierung gesichert war, ging es erst richtig los: In zahlreichen Gremiensitzungen, an denen viele internationale Orgelexperten beteiligt waren, mussten zunächst wesentliche Vorentscheidungen getroffen werden: Von der grundsätzlichen Planung - dem Zusammenwirken zwischen einer Chor- und der Hauptorgel - über die Disposition der beiden neuen Orgelwerke - bis hin zu der Gestaltung des Prospektes der Orgeln, was sich gerade bei der Hauptorgel angesichts des hohen Stellenwertes denkmalschützerischer Aspekte bei der Umsetzung baulicher Veränderungen im Dom als besondere Herausforderung herausstellen sollte.

Nach jahrelangen gründlichen Beratungen standen schließlich die wesentlichen Entscheidungen fest - so wie sie sich jetzt im Dom darbieten: Mit der Chororgel, die im November 2008 ihren Dienst aufnahm und der gewaltigen Hauptorgel, die ab dem kommendem Sonntag zu hören sein wird. Das zwölf Meter hohe, neuneinhalb Meter breite und fast sechs Meter tiefe Instrument verfügt über 85 Register und wird über einen viermanualigen Spieltisch gespielt, von dem aus auch die kleinere Orgel im Königschor angespielt werden kann. In zwei Etagen umfasst das riesige Werk 5496 Pfeifen aus einer Zinn-Blei-Legierung bzw. aus Holz.

Aber auch mit allerlei elektronischen “Helferlein” ist das neue Instrument reichlich bestückt: So kann der Organist zum Beispiel die von ihm gespielte Musik aufzeichnen, um sie danach in ihrer Wirkung im Kirchenraum und für die Zuhörer zu kontrollieren, um gegebenenfalls noch Korrekturen an dem Mix der Registratur vorzunehmen.

Und auch für eine vorbildliche Kommunikation mit den verschiedenen Orten der Liturgie ist gesorgt. Das gilt für den Kontakt mit dem Chor auf der Chorempore unterhalb des Orgelspieltischs oder auch bei einem Chorauftritt im Königschor - Modernste technische Hilfsmittel zur Optimierung Jahrhunderte alter Musik.

Was den Orgelprospekt angeht, so entschied sich die Jury schließlich für den jetzt verwirklichten Entwurf des bekannten Kölner Architekten Prof. Gottfried Böhm (der SPEYER-KURIER berichtete darüber), der das Orgelwerk quasi schwebend in die Emporenöffnung der Westwand des Domes integrierte und damit der Tatsache Rechnung trägt, dass zur Zeit des Dombaus vor 950 Jahren noch kein Metall in dem Steinbauwerk verarbeitet wurde. ( Interview mit Prof. Gottfried Böhm in der rechten Spalte)

Für Domorganist Markus Eichenlaub geht eine aufregende Zeit zu Ende. “Wir haben oft mit Tränen in den Augen gelauscht, wenn wieder eine neue Registergruppe zum Leben erweckt wurde”, erinnert er sich an die langwierige Arbeit der Orgelgrundstimmung und gesteht unumwunden, dass es für einen Organisten sicher das schönste Ereignis in seinem Berufsleben darstellt, das “Werden” eines solchen Instrumentes mitzuerleben.

Nun bleiben ihm noch drei Tage, um sich auf die Orgelweihe und vor allem auch auf “sein” erstes Orgelkonzert auf dem neuen Instrument vorzubereiten, das er noch am Abend des Weihetages, am 18. September 2011 um 20.00 im Dom geben wird. Auf dem Programm dieses Konzertes, für das kein Eintritt erhoben wird, stehen Werke von Percy Withlock, Johann Sebastian Bach, Robert Schumann und Charles-Marie Widor. Außerdem wird eine eigens zu diesem Anlass entstandene Auftragskomposition des Stuttgarter Orgelprofessors Jürgen Essl ihre Uraufführung erleben.

Und was empfindet Domorganist Eichenlaub, wenn er an das neue Instrument denkt? “Dankbarkeit und Respekt”, antwortet er spontan, “Respekt vor denen, die dieses neue Instrument möglich gemacht haben. Und dann Vorfreude und große Neugierde darauf, was mit dem neuen Orgelwerk gelingen wird”.

Für noch einen wird dieser Tag sicher ebenfalls mit großen Emotionen verbunden sein: Für Prof. Leo Krämer, Eichenlaubs Vorgänger im Amt des Domorganisten, der sich nahezu von Anbeginn seiner Tätigkeit am Speyerer Dom im Jahr 1971 für eine Verbesserung der nach seiner Überzeugung unbefriedigenden Orgelsituation an der Kathedrale stark gemacht hatte. Er hatte wohl kaum noch damit gerechnet, eine so überzeugende Lösung des von ihm immer wieder bedauerten Zustandes erleben zu dürfen, wie sie jetzt - durch die Orgelbauwerkstätte Seifert in Kevelaer vorbildlich umgesetzt - dank der Initiative von Altbundeskanzler Dr. Helmut Kohl und der Großzügigkeit der Familie Quandt möglich geworden ist. Foto: sim

14.09.2011


Die neue Domorgel - Bilderalbum

Weitere Höhepunkte bei Internationalen Dom-Musiktagen

Bachs „Messe in h-Moll“, Krpytakonzert und Brucknerwerke

Speyer- Bachs „opus summum“, die „Messe in h-Moll“ gilt als einer der Höhepunkte der gesamten Musikgeschichte. Die festliche Aufführung am Sonntag, 11. September, bildet einen besonderen Glanzpunkt der „Internationalen Musiktage Dom zu Speyer“. Mit dem „Deutschen Kammerchor“ und dem Barockorchester „L´arpa festante“ stehen ausgewiesene Experten der Barockmusik zur Verfügung und garantieren unter der Leitung von Markus Melchiori eine nicht alltägliche Aufführung.

Das zweite Kryptakonzert der Reihe am Mittwoch, 14. September, hat die Gottesmutter Maria, als Patronin des Domes, zum Thema. Musik aus Renaissance und Frühbarock von Orlando di Lasso, Claudio Monteverdi, Johannes Eccard, Johann Pachelbel und anderen werden vom „Marais Consort“ in der Besetzung für Solo–Sopran und Gambenconsort erklingen.

Werke Anton Bruckners werden am Samstag, 17. September, im Dom zu hören sein. Neben dem „Adagio“ der „V. Symphonie“ kommt die „Messe in d–Moll“ zu Gehör. Gemeinsam mit dem Domchor und dem Domorchester musizieren die Gesangssolisten Katharina Leyhe (Sopran), Bettina Ranch (Alt), Sebastian Hübner (Tenor) und Manfred Bittner (Bass) unter der Stabführung von Domkapellmeister Markus Melchiori.

Die Konzerte beginnen jeweils um 20 Uhr im Dom zu Speyer; Karten: Rheinpfalz Ticket Service - Hotline 0180 5003417 oder an der Abendkasse (Öffnung 19.00 Uhr, Einlass 19.30 Uhr). - Weitere Infos: www.dommusik-speyer.de Bischöfliches Ordenariat Pressestelle, Speyer

07.09.2011


Mendelssohn -“Lobgesang”: Überzeugender Start in Musiktage 2011

Mit einer eindrucksvoll bewegenden Aufführung von Felix Mendelssohn-Bartholdys Sinfoniekantate Nr. 2 “Lobgesang” eröffnete jetzt die Speyerer Dommusik die “Internationalen Musiktage Dom zu Speyer 2011” im Jahr des 950. Weihejubiläums der Kathedrale. Für viele Musikkenner steht dieses Werk gleichberechtigt in einer Reihe mit den großen Oratorien des Komponisten, mit dem “Elias”, mit “Paulus”, aber auch mit dem seltener zu hörenden Oratorium “Athalia”. Sie alle waren übrigens in früheren Jahren schon im Dom zu hören - allein der “Lobgesang” fehlte noch, der aufgrund seiner musikalischen Dichte und seines durchgehend hohen Anspruchs an Chor, Solisten und Orchester vielleicht sogar noch ein Quäntchen höher zu bewerten ist als die anderen vokalen Meisterwerke Mendelssohns.

Mit Mechthild Bach (Sopran), Susanne Scheffel (Mezzosopran) und Julian Prégardian (Tenor) hatte Domkapellmeister Markus Melchiori ein Solistenterzett gewinnen können, von denen jeder in seiner Art mehr als nur überzeugen konnte: Mechthild Bach mit ihrem engelsgleichen “Verkündigungs”-Sopran, weich und hoch beweglich und dennoch durchsetzungsstark, die Mezzo-Sopranistin Susanne Scheffel, im Speyerer Dom schon des öfteren eingesetzt, mit überzeugend warmen, zum Alt hin tendierenden Registern und schließlich die Überraschung dieses Abends: Der Tenor Julian Prégardien mit seiner überaus sensibel geführten, in allen Registern ausgeglichen ansprechenden lyrischen Tenorstimme - ein Glücksfall für die Mendelssohn-Oratorien und fast noch mehr für die höchst anspruchsvolle Tenorpartie im “Lobgesang”.

Überzeugend studiert präsentierte sich auch Markus Melchiori’s Speyerer Domchor, dem gerade im Jubiläumsjahr des Speyerer Domes in Konzerten mit Werken von Mendelssohn, Bruckner und der Welturaufführung einer Messe des Eichstätter Domkapellmeisters Christian Heiß für einen Laienchor Bemerkenswertes abverlangt wird. Dass er dieser Anforderung durchaus zu entsprechen vermag, zeigte sich nicht zuletzt in der in unvergleichlicher Weise in Szene gesetzten Schlussfuge des “Lobgesangs” “Alles, was Odem hat, lobe den Herrn” - mit seinen gewaltigen polyphonen Aufbauten, die am Schluss - ganz typisch für Mendelssohn - in einen überwältigenden Hymnus einmünden.

Ein ebenbürtiger Partner für Chor und Solisten: Das Domorchester, zusammengestellt aus Orchestermusikern aus der Region, das sich zwar durchaus noch in einer Selbstfindungsphase befindet, das aber auf dem gemeinsamen Weg mit dem Speyerer Domkapellmeister schon ein bemerkenswertes Stück zurückgelegt hat. Dies wurde in schönster Weise in den orchestralen Eingangssätzen des “Lobgesanges” deutlich.

Eröffnet wurde der Konzertabend gleichfalls mit Mendelssohn: Dem Psalm 95, op. 46 “Kommt, lasst uns anbeten und knien vor dem Herrn” für Mezzosopran und Chor für vier bis acht Stimmen. Auch hier erwies sich der Chor als absolut standfest und in den kleinen Fugati überaus beweglich.

Schade nur, dass in dem Eröffnungskonzert der diesjährigen Musiktage doch noch so viele Zuhörerplätze frei blieben. Die vorzügliche Qualität dieses Abends hätte sicherlich ein voll besetztes Haus verdient gehabt. Aber vielleicht braucht das Konzertpublikum in der Region noch einige Zeit, um die Konzertreihe wieder “voll auf ihrem Schirm” zu haben - das noch ausstehende Programm jedenfalls würde es an jedem Abend lohnen, den Weg nach Speyer auf sich zu nehmen. Und vielleicht würde auch eine offensivere Öffentlichkeitsarbeit für die Musiktage ein Übriges für eine breitere Akzeptanz dieser hörenswerten Konzertreihe leisten. gc / Fotos: KieniPress

03.09.2011


Start in die Musiktage 2011

 

Internationale Dom-Musiktage: Auftakt am 2. September

Musikfestival steht 2011 ganz im Zeichen des 950. Jahrestages der Domweihe

Das Jahr 2011 steht in Speyer ganz im Zeichen des 950. Jahrestages der Domweihe. Die diesjährigen „Internationalen Musiktage Dom zu Speyer“, die am 2. September beginnen, lassen annähernd eintausend Jahre Musik gewordenes Gotteslob in dem einzigartigen Kaiser- und Mariendom lebendig werden. Von der Gregorianik bis hin zu Werken der Gegenwart spannt sich der Bogen mit Meilensteinen der Kirchenmusik.

Mendelssohns „Lobgesang - Symphonie“ in B-Dur, opus 52 mit dem unvergleichlich vertonten Aufruf „Alles was Odem hat, lobe den Herrn“ und die Vertonung des 95. Psalms „Kommt, lasst uns anbeten“, opus 46 bilden den Auftakt der Musiktage am Freitag, 2. September (20 Uhr). Die Solisten Mechthild Bach (Sopran), Susanne Scheffel (Mezzosopran) und Julian Prégardien (Tenor) musizieren gemeinsam mit dem Domchor und dem Domorchester unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Melchiori.

Am Samstag, 3. September (20 Uhr), garantieren die Pilgergesänge des „Llibre Vermell de Montserrat“ aus dem Jahr 1372 ein eindrückliches Erlebnis im Zusammenspiel von Klang und Raum. Diese teils geistlichen, teils weltlichen Gesänge werden nicht nur akustisch, sondern auch visuell im Dom lebendig werden. Die Ausführenden sind das „Ensemble Sarband“ sowie der „Osnabrücker Jugendchor“ unter der Leitung von Johannes Rahe.

Im ersten der drei Kryptakonzerte am Mittwoch, 7. September (20 Uhr), ist das Frauenvokalensemble „Ars Choralis Coeln“ unter der Leitung von Maria Jonas zu Gast. Mit dem Titel „Die Rose van Jhericho - Das Liederbuch der Anna von Köln (um 1500)“ wird das Ensemble sängerisch und in Kombination mit mittelalterlichen Instrumenten eine eigene Klangwelt in der wunderbaren Akustik der Krypta aufleben lassen.

Karten: Rheinpfalz Ticket Service - Hotline 0180 5003417 oder an der Abendkasse (Öffnung 19 Uhr, Einlass 19.30 Uhr). – Weitere Informationen: www.dommusik-speyer.de.
Bischöfliches Ordenariat Speyer

26.08.2011


Dommusik Speyer stellt neues Programm vor

Flyer für das zweite Halbjahr erschienen 

Mit einem neuen Flyer informiert die Dommusik Speyer über das musikalische Programm im zweiten Halbjahr 2011. Schwerpunkte sind neben den Internationalen Musiktagen im September die Feierlichkeiten zur Domweihe Anfang Oktober mit anschließender Wallfahrtswoche.
„Wir nehmen in diesem Jahr mit vielen unserer musikalischen Aktivitäten das Domweihjubiläum in den Blick. Aber auch beliebte, bewährte Veranstaltungen wie Bachs Weihnachtsoratorium und das festliche Neujahrskonzert haben ihren Stellenwert behalten“, so Domkapellmeister Markus Melchiori bei der Präsentation des Programms.

Für das Weihnachtsoratorium am 16. Dezember (20 Uhr) und das festliche Neujahrskonzert am 1.Januar 2012 (15 Uhr) hat  bereits der Vorverkauf begonnen.
Karten sind beim Rheinpfalz-Ticket-Service zu erwerben. Weitere Informationen: www.dommusik-speyer.de. Text: Dommusik, Pressestelle, Speyer

07.07.2011


Der Lohn der guten Tat

Ein genüsslicher Orgelspaziergang zu den vier Hauptkirchen in Speyer.

von Gerhard Cantzler

Wer am vergangenen Sonntag durch die Speyerer Innenstadt spazierte, glaubte an eine Erscheinung: Alle drei viertel Stunde öffneten sich die Tore einer der großen Innenstadtkirchen und Hunderte, gefühlte Tausende, von Besuchern strömten von einem Gotteshaus zum nächsten. Was niemand für möglich gehalten hätte: Trotz des frühsommerlichen Maiwetters, das schon die ersten Unentwegten an die Badestrände und in die Biergärten lockte, war der Hohe Dom zu Speyer schon zur frühen Nachmittagsstunde so gut gefüllt wie sonst nur an hohen kirchlichen Feiertagen. Der Grund: Mit Christoph Keggenhoff schickte sich der erste von vier Titular-Organisten an den Speyerer Hauptkirchen an, den “Bock” der ersten an diesem Tag zum Klingen zu bringenden Orgeln zu erklimmen: Die Chororgel im Speyerer Dom.

Das neueste Instrument aus der reichen Speyerer Orgellandschaft lässt schon heute erahnen, was die Dombesucher erwartet, wenn nach dem 19. September dieses Jahres auch die neue Hauptorgel erklingt. Allein oder im Zusammenspiel der beiden Instrumente wird dann ein überwältigender Gesamteindruck möglich werden.

Für sein Auftaktkonzert hatte sich Christoph Keggenhoff zwei recht unterschiedliche Kompositionen ausgesucht: Die Orgelbearbeitung des “Gloria” aus der “Missa de Beata Virgine” des am Hofe der kunstsinnigen Herzöge Gonzaga in Mantua wirkenden Girolamo Cavazzoni im ersten und die Sonate Nr. 1 d-Moll des Mendelssohn-Zeitgenossen August Gottfried Ritter, einer der frühen Vertreter der romantischen Orgelmusik.

Beide Werke erlaubten es Keggenhoff, einen reichen Ausschnitt aus den vielfältigen Klangmöglichkeiten des neuen Instrumentes virtuos zu präsentieren, um dann auch schon hinüber zu leiten zur zweiten Kirche, zur zweiten Orgel - diesmal in der Protestantischen Dreifaltigkeitskirche, nur einen Steinwurf vom Dom entfernt - und wiederum zu Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Hier hatte sich Domkapellmeister Markus Melchiori mit dem Speyerer Violin-Virtuosen Daniel Spektor am Spieltisch des bejahrten Instrumentes hoch über dem Kirchenschiff zusammen getan, um die inzwischen noch weiter angewachsene Zuhörerschar zunächst mit dem “Salut d’amour” von Edgar Elgar zu entzücken, einem Stück, das man, ähnlich wie die später zu hörende “Meditation” aus der Lyrischen Komödie “Thais” von Jules Massenet getrost zu den “Rennern” der gehobenen Salonmusik im 19. und 20. Jahrhundert zählen darf. Zuvor schon hatte Markus Melchiori das Praeludium G-Dur, op. 37/2 von Felix Mendelssohn-Bartholdy ins Programm gehoben, eines der Praeludien, die Mendelssohn anlässlich seiner Hochzeitsreise in Speyer komponiert und auf der Orgel der Dreifaltigkeitskirche zum ersten Mal gespielt hatte. Dass das Instrument damals allerdings dem Komponisten nur Hohn und Spott abgenötigt hatte, ist heute kaum noch zu spüren - zu oft haben die Hände gütiger Orgelbauer “dem alten Kasten” auf die Sprünge geholfen. Mit Markus Melchiori hatte das Instrument zudem auch “einen Meister” gefunden, der durch geschickte Registrierung und kluge Tempi-Wahlen die “alte Dame” behutsam über ihre Schwächen hinweg trug.

In Daniel Spektor hatte Melchiori zudem einen kongenialen Partner gefunden, der unprätentiös, mit sauberem Ansatz und weicher Klanggebung - ganz in der Tradition osteuropäischer Geiger - auch bei der Instrumentalfassung von Mendelssohns “Auf Flügeln des Gesanges” und vor allem in der Sonate G-Dur, BWV 1021 von Johann Sebastian Bach zu gefallen wusste.

Als die lang applaudierende Zuhörerschar dann weiter zog, war die Maximilianstraße inzwischen “Schwarz vor Menschen”.

In der Pfarrkirche St. Joseph traf die große Orgelgemeinde sodann auf Domorganist Markus Eichenlaub, der mit der beliebten Toccata, dem Adagio und der Fuge in C, BWV 564 von Johann Sebastian Bach, den - liturgisch-korrekten - Variationen über “Maria Maienkönigin” des Hochromantikers Carl Sattler sowie der Toccata in e op. 1 des zeitgenössischen Komponisten Jürgen Essl seinerseits einen Eindruck von breitem Können gab: Vom Instrument und vom Künstler gleichermaßen. Schade eigentlich, dass die riesige Wilbrand-Orgel in St. Joseph eigentlich immer im Schatten der großen Dom-Orgel gestanden hat - um so dankenswerter, dass man nun das Instrument im unmittelbaren Vergleich mit den anderen großen Orgeln in Speyer und meisterlich präsentiert von Markus Eichenlaub erleben durfte. Ein Vergleich, dessen baldiges DaCapo man sich wünschen würde.

Vergleichen konnte man schließlich auch auf der letzten Station des Orgelspaziergangs:

Auf der großen Kleuker-Orgel der Gedächtniskirche präsentierte Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger köstliche Miniaturen kompositorischer Umsetzungen von Naturphänomenen aus vier Jahrhunderten: Der erklang der Ruf des Kuckucks in der musikalischen Sprache des großen Franzosen Louis-Claude Daquin, da zwitscherten die Vögel in der Art seines neuzeitlichen Kollegen Olivier Messiaen - beides eingerahmt vom großen Heiligen aller Organisten, Johann Sebastian Bach und seinem Zeitgenossen Johann Kaspar Kerll.

Auch Robert Sattelberger erwies sich an diesem Nachmittag als gleichrangiger Partner seiner katholischen Kollegen.

Ja und dann sollte es am Schluss noch ein ganz besonderes “Schmankerl” geben: Einen Tango von Thomas Roß “für vier Organisten, 40 Finger und 424 Tasten”. Ein reizvolles Experiment zweifelsohne, gut geeignet als “Rausschmeißer” eines anregenden Orgelnachmittags. Nur schade, dass die Besucher des Konzerts nicht sehen konnten, wie sich die vier Spieler auf der gemeinsamen Orgelbank um die Tasten drängten - hören konnten sie es nur in ganz wenigen Passagen. Wie meinte ein Zuhörer beim Rausgehen? “Da war eigentlich nicht viel dabei, was man mit zwei gesunden Händen und zwei Füßen nicht auch allein hätte spielen können”.

Aber gut: Versuchen kann man’s ja mal.

Aber zurück zum Ernst der heiteren Muse: Da war dann ja auch noch die angekündigte gute Tat. Sie allein schon hätte den Besuch dieses opulenten Orgel-Abenteuers gelohnt. Um was ging’s dabei, und um was geht es dem Speyerer Domorganisten immer wieder?

Hanna S., gleichermaßen ambitionierte wie hochbegabte Orgel-Schülerin von Markus Eichenlaub an der Essener Folkwang-Hochschule, erlitt als Zwanzigjährige einen harmlos scheinenden grippalen Infekt. Eine alltägliche Geschichte, sollte man denken. Doch anders bei Hannah S.: Bei ihr setzte statt Heilung ein Prozess erschreckenden körperlichen Verfalls ein. Todesangst überkam die junge Frau - 2005 konstatierten Immunologen bei Hannah S. die neuroimmunologische Erkrankung ME/CFS - Myalgische Enzephalomyelitis I Chronic Fatigue Syndrom. Die Ursachen dieser Erkrankung - mitunter nicht ganz zutreffend als “Dauer-Ermüdungs-Syndrom” umschrieben - sind bis heute noch nicht erforscht. Experten schätzen, dass allein in Deutschland mehr als 300 000 zumeist junge Menschen an dieser Krankheit leiden. Sie alle fallen durch alle Raster sozialer Versorgung, da die Krankheit in Deutschland - im Gegensatz z.B. zu Kanada - nur unzureichend bekannt und als versorgungsfähig anerkannt ist.

Bei einer so desolaten Ausgangslage war es Markus Eichenlaub ein Leichtes, seine Kollegen und einen Großteil des dankbaren Orgelpublikums davon zu überzeugen, dass es mehr als lohnend ist, sich dafür einzusetzen, den an ME/CFS erkrankten Menschen wie Hannah S. durch Informationen über die Krankheit, durch Vorantreiben entsprechender Forschungsprojekte und hoffentlich auch in nicht allzu ferner Zukunft durch geeignete therapeutische Maßnahmen Hilfe zuteil werden zu lassen. Informationen zum ME/CFS: info@Lost-Voices-Stiftung.org Alle Fotos: Hild

24.05.2011


Ungewöhnliche Orgelreise im Dom zu Speyer

Wladimir Matesic am 29. Mai zu Gast - Werke aus Italien und Frankreich Speyer (is). Im zweiten Konzert des diesjährigen internationalen Orgelzyklus gastiert im Dom zu Speyer am Sonntag, 29. Mai (20 Uhr), mit Wladimir Matesic einer der führenden italienischen Organisten. Das Konzert trägt die Überschrift „Italien-Frankreich-Italien: eine ungewöhnliche Orgelreise“. Ungewöhnlich und vielfältig ist die Werkauswahl, die der in Bologna geborene Organist getroffen hat und so für ein hohes Maß an Abwechslung und musikalischer Spannung sorgt. Wladimir Matesic, derzeit als Orgelprofessor am Staatlichen Konservatorium Triest tätig, beginnt diese Reise mit dem für Orgel bearbeiteten c-Moll-Konzert von Antoni Vivaldi. Darauf folgen von Luca Salvadori die „Vier Jahreszeiten - Ouroboros“. Das Allegro Rustico von Pietro Yon bildet die musikalische Grenzüberschreitung von Italien nach Frankreich, das zunächst von Camille Saint-Säens mit dem Präludium und Fuge d-Moll vertreten ist. Zum 100. Todestag wird Jehan Alain mit dessen Variationen über “Lucis creator” gedacht. Zwei Jubilare - Alexandre Guilmant (100. Geburtstag) und Marco Enrico Bossi (150. Geburtstag) - beschließen mit der Pastorale und der “Hora Gaudiosa” diesen kurzweiligen Orgelabend. Matesic, der in Bologna, Freiburg, Luzern und Rotterdam studierte, ist Preisträger der internationalen Orgelwettbewerbe von Nijmwegen, Gravina und Rom.

Karten zu acht Euro (ermäßigt fünf Euro) sind ab 19.30 Uhr am Hauptportal an der Abendkasse erhältlich.  Bischöfliches Ordinariat Speyer Pressestelle

20.05.2011


Internationale Orgelkonzerte ganz im Zeichen der Orgelweihe

Neun Organisten aus Europa und Nordamerika spielen 2011 im Dom zu Speyer Speyer (is).

Am Ostermontag, 25. April (20 Uhr), wird durch Domorganist Markus Eichenlaub der diesjährige Zyklus der Internationalen Orgelkonzerte im Dom zu Speyer eröffnet. Das Programm, das ganz im Zeichen der österlichen Auferstehung steht, umfasst Werke von Charles Tournemire (Choral-Improvisation „Victimae paschali laudes“), Richard Purvis (Partita „Christ ist erstanden"), Hans Buchner (Sequentia „In Resurrectione Domini"), Denis Bédard (Meditation „O Filii et filiae“) und Charles-Marie Widor (Finale „Haec dies“ aus der Symphonie No. 10 „Romane“). Zentrales Werk des Orgelabends ist die Choralphantasie „Christ ist erstanden“ für Orgel und zwei Schlagzeuger von Knut Nstedt. Den Schlagzeugpart übernehmen Klaus Wissler und Arthur Adler von der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.

Auch wenn es noch fünf Monate dauert, bis die neue Hauptorgel mit ihren 85 Registern und insgesamt 5556 Pfeifen im Dom am 18. September erstmals erklingt, so wird die Zeit bis dahin nicht frei von Orgelmusik sein, hat sich doch die Chororgel auf dem Königschor in Liturgie und Konzert seit ihrer Einweihung vor mehr als zwei Jahren bestens bewährt. Eichenlaub, künstlerischer Leiter der Internationalen Orgelkonzerte, hat für den diesjährigen Zyklus Organisten aus Europa und Nordamerika nach Speyer verpflichten können.

Am 29. Mai wird Wladimir Matesic (Triest/Italien), der mit Werken von Vivaldi bis Salvadori „Eine ungewöhnliche Orgelreise“ unternimmt, die Reihe fortsetzen. Ihm folgt Esteban Elizondo (San Sebastian/Spanien), der am 26. Juni mit einem rein spanischen Programm quer durch die Epochen aufwartet.

Österreich wird am 31. Juli durch den Grazer Domorganisten Christian Iwan vertreten sein, der unter anderem mit dem opulenten Orgelwerk „Prélude, Adagio et Choral Veni Creator“ von Maurice Duruflé aufhorchen lässt.

 Der weltweit gefeierte Organist Kalevi Kiviniemi aus dem finnischen Lahti wird am 28. August mit „Musik bedeutender Improvisatoren“ zu hören sein.

Ein zentrales Musikereignis in diesem Jahr für die gesamte Region folgt am 18. September mit der Weihe der neuen Hauptorgel im Dom durch Diözesanbischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann (15.30 Uhr). Nach der Weiheliturgie wird Markus Eichenlaub das neue Instrument ab 20 Uhr erstmal konzertant erklingen lassen. Das Programm enthält Werke von Bach, Elgar, Pärt und Widor. Zudem kommt es zur Uraufführung eines umfangreichen Orgelwerks, das die Speyerer Dommusik anlässlich der Orgelweihe bei dem Stuttgarter Komponisten und Orgelprofessor Jürgen Essl in Auftrag gegeben hat.

Am Mittwoch, 21. September, wird der stellvertretende Domorganist Christoph Keggenhoff mit Werken von Ritter, Alain, Vogel und Franck (Grande pièce symphonique) zu hören sein. Keggenhoff war an der Konzeption der Chor- und Hauptorgel maßgeblich beteiligt. Mit Werken für Orgel und Orchester präsentiert sich die Domorgel am Sonntag, 25. September, erstmals auch als Begleiterin symphonischer Orchesterklänge. Das Heidelberger Kantatenorchester unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Melchiori wird gemeinsam mit Domorganist Eichenlaub Kompositionen von Bossi (Konzert a-Moll) und Poulenc (Konzert g-Moll) wiedergeben, die durch Fantasie und Fuge g-Moll ergänzt werden. Dieses Konzert bildet auch gleichzeitig den Abschluss der „Internationalen Musiktage Dom zu Speyer.“

Mit Stephen Tharp betritt am 28. September ein weiterer Organist von Weltrang Speyerer Boden. Der in New York beheimatete Musiker, Komponist und Arrangeur wird die ausladende Orgelsymphonie Nr. 8 von Félix-Alexandre Guilmant sowie die in Rhythmus und Tonsprache ergreifenden „Trois Danses“ von Jehan Alain zu Gehör bringen.

Ein Sonderkonzert erinnert am 22. Oktober, seinem 200. Geburtstag, an Franz Liszt. Neben seinem „Präludium und Fuge über BACH“ sowie der Fantasie und Fuge über „Ad nos salutarem undam“, die zum festen Bestandteil der Orgelliteratur gehören, sind die „Vogelpredigt des heiligen Franz von Assisi“ und die „Evocation à la Chapelle Sixtine“ zu hören. Interpret an der Hauptorgel wird Domorganist Markus Eichenlaub sein.

Am 30. Oktober macht der amtierende Titularorganist Patrick Delabre aus Speyers Partnerstadt Chartres der neuen Seifert-Orgel seine Aufwartung. Ein rein französisches Programm mit Werken von Alain, Vierne, Dupré sowie einer Improvisation garantieren ein abwechslungsreiches Hörvergnügen.

Guy Bovet (Neuchatel/Schweiz) sorgt am 27. November für einen fulminanten Abschluss der diesjährigen Orgelkonzertreihe. Der Interpret, der schon häufig als Solist und Juror des Orgelwettbewerbs in Speyer zu Gast war, lässt die beiden Orgeln in seiner Komposition - den „13 Tangos Ecclesiasticos“ - in wahrstem Sinne des Wortes tanzen.

Alle Konzerte, zu denen ein Unkostenbeitrag von acht Euro (ermäßigt fünf Euro) erhoben wird, beginnen um 20 Uhr. Karten gibt es nur an der Abendkasse (ab 19.30 Uhr), mit Ausnahme des Konzerts am 25. September, das im Rahmen der „Internationalen Musiktage Dom zu Speyer“ stattfindet. Ein anspruchsvoll gestaltetes Gesamtprogramm für die ganze Konzertreihe liegt an der Abendkasse aus. Am Tag der Orgelweihe selbst wird kein Eintritt erhoben. -- Bischöfliches Ordinariat Speyer Pressestelle

18.04.2011


Prospekt der Hauptorgel im Speyerer Dom enthüllt

Prospekt der Hauptorgel im Speyerer Dom

Gut eine Woche vor der Eröffnungsfeier zur großen Salierausstellung in Speyer ist mit der Enthüllung des Prospekts der Hauptorgel im Speyerer Dom der Aufbau der neuen Orgelanlage in der Kathedrale in eine neue, entscheidende Phase eingetreten.

Vorausgegangen waren diesem Ereignis gleich mehrere, der überragenden Bedeutung dieses Vorhabens angemessene und deshalb international ausgeschriebene Wettbewerbe: Einer für die Planung/Disposition des aus Hauptorgel und Chororgel bestehenden Gesamtwerks, ein zweiter für die künstlerische Gestaltung des Prospekts der großen Hauptorgel im Westwerk der Kathedrale.

Während  der Auftrag für die kunstvolle technisch-musikalische Errichtung der beiden Orgelwerke an die Orgelwerkstatt Romanus Seifert in Kevelaer am Niederrhein erging, fand die Gestaltungsidee des Kölner Büros "Böhm-Architekten" für die Schauseite des neuen Hauptinstrumentes die einhellige Zustimmung der Jury.

Und nachdem jetzt die verhüllenden Planen von der Orgel-Baustelle entfernt waren, stellt das neue Orgelwerk sich jetzt als architektonisch eigenständiges Kunstwerk dar, das dem an ihn gestellten Anspruch eines formal einheitlichen Musikkörpers in überzeugender Weise gerecht wird:

Auf einem mit einer umlaufenden Ornamentik verzierten Stahltisch aufgebaut, der aus statischen Gründen auf zwei Stützen gelagert ist (die allerdings noch durch eine dunkle Einfärbung optisch zurücktreten sollen) scheint die Orgel in der die Westwand des Kaiserdomes bestimmenden Bogennische geradezu losgelöst von ihrem Umfeld zu schweben. Dadurch wird die Kathedrale selbst zum Orgelgehäuse - anders als bei anderen Orgelwerken (auch bei der Chororgel des Domes) wo zumeist ein Holzgehäuse das Orgelwerk gegen das Mauerwerk des Kirchenraumes abgrenzt.

In der Bogennische präsentieren sich die metallisch glänzenden und bis zu zwölf Meter hoch empor ragenden Orgelpfeifen ganz in ihrer tonalen Ordnung - jeweils von links oben nach rechts unten nach einem überzeugenden Gesamtkonzept.

Entwickelt hat dieses Konzept der 91jährige Kölner Architekt Prof. Gottfried Böhm, der seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit einer Vielzahl höchst skulpturaler Bauwerke aus Beton, Stahl und Glas hervorgetreten ist, die in Fachkreisen vielfach als "Architektur-Ikonen des 20. Jahrhunderts" gerühmt werden.

Dabei finden insbesondere seine Planungen für Kirchenbauten immer wieder besondere Beachtung und große Zustimmung. Mit seinen Architektur-Entwürfen trat Prof. Gottfried Böhm zwar thematisch in die Fußstapfen seines Vaters, Prof. Dominikus Böhm, der selbst als einer der prägenden Kirchenarchitekten der unruhigen ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt. Mit seiner ihm eigenen Architektursprache beschritt allerdings auch Prof. Gottfried Böhm immer wieder neue, eigenständige Wege. So auch bei der Entwicklung des Speyerer Orgelprospekt-Konzeptes, wo Prof. Gottfried Böhm eng mit seinem ältesten Sohn Stephan (60) zusammenarbeitete, der selbst im Jahre 2000 als Professor für Architektur nach Münster berufen wurde.

Bei der Vorstellung des neuen Orgelprospektes für den Speyerer Dom zeigte sich der Speyerer Weihbischof Otto Georgens in seiner Funktion als Domprobst und damit als "Chef" des Domkapitels ganz besonders dankbar dafür, dass es mit der Errichtung des Orgel-Werkes aus Haupt- und Chororgel gelungen sei, ein "Mammutprojekt - zeitlich wie finanziell, vor allem aber auch in seiner künstlerisch-architektonisch Umsetzung" auf den Weg zu bringen, das dem Rang des Kaiser- und Mariendomes als Weltkulturerbe würdig sein werde.

Der besondere Dank des Weihbischofs galt dabei vor allem dem unermüdlichen Förderer des Speyerer Domes, Altbundeskanzler Helmut Kohl, der mit der Unternehmerfamilie Quandt einen großherzigen Spender für das Projekt gewinnen konnte.

Seine hohe Anerkennung galt auch den Mitarbeitern der Orgelbauwerkstatt Seifert in Kevelaer, die schon mit der Speyerer Chororgel ein Meisterwerk zeitgenössischer Orgelbaukunst abgeliefert hätten.

Die hohen Qualitäten dieses Instrumentes hätten die Erwartungen an die neue Hauptorgel zusätzlich wachsen lassen, für die jetzt die vielleicht wichtigste Phase des Aufbaus beginnt: Die Intonation. Denn die Intonation ist es, die als "Krönung der Orgelbaukunst" einer Orgel ihre Seele gibt, wie Fachleute immer wieder betonen.

In langen, arbeitsintensiven Sitzungen, insbesondere in den ruhigeren Nachtstunden, wird diese "Beseelung des Instrumentes" in den kommenden Monaten vorgenommen - Register um Register, Pfeife für Pfeife - insgesamt 5278 mal, denn so viele Pfeifen aus Metall und Holz umfasst die neue Hauptorgel - bis sie sich dann zur Weihe am 18. September und gemeinsam mit der Chororgel zu einer der imponierendsten Orgelanlagen Südwestdeutschlands komplettieren. (cr)  (Fotos:gd)                                                               

31.03.2011