„Orgelspaziergang“ durch Speyerer Kirchen
Erlös der
Veranstaltung für Orgelprojekt der protestantischen
Dreifaltigkeitskirche
Speyer- Am Sonntag, 13. Mai, sind Freunde
der Orgelmusik zum zweiten Mal eingeladen, die Instrumente der
zentralen Speyerer Kirchen im Rahmen von vier halbstündigen
Konzerten zu erleben. Der interkonfessionelle „Orgelspaziergang“,
für den der Ökumenische Kantorenkonvent Speyer (ÖKKS)
verantwortlich zeichnet, beginnt um 14 Uhr in der Gedächtniskirche
mit Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger und endet im Dom, wo
Diözesankirchenmusikdirektor Markus Eichenlaub ab 17 Uhr an der
großen Orgel den Schlussakkord setzt.
Zwei weitere Stationen sind die Kirche St. Joseph, wo der
stellvertretende Domorganist Christoph Keggenhoff um 14:45 Uhr in
die Tasten greift, und die Dreifaltigkeitskirche, wo um 16.15 Uhr
der Neustadter Bezirkskantor Simon Reichert Barockwerke sowie eine
Komposition von Felix Mendelssohn interpretieren wird.
Der Reinerlös der Spenden, um die die Veranstalter bitten, soll
dem Orgelprojekt der protestantischen Dreifaltigkeitskirche
zufließen. Nach Auskunft von Kirchenmusikdirektor Robert
Sattelberger wird das Presbyterium der Gemeinde bis 2014 über die
Vergabe des Restaurierungsauftrags für das stark
sanierungsbedürftige Instrument entscheiden. Noch fehle es
erheblich an finanziellen Mitteln. Umso mehr freut sich
Sattelberger über das gute ökumenische Einvernehmen innerhalb der
Speyer Kirchenmusik und die Unterstützung zum Beispiel durch den
Spendenerlös aus dem Orgelspaziergang.
Zur Ruhe kommen und dann wieder zu Neuem aufbrechen – das ist
eine stimmige, anregende Kombination“, findet Markus Eichenlaub.
Orgelmusik sei mehr als „nur“ die Begleitung von Kirchenliedern.
Die Interpreten der Benefizkonzerte verzichten auf Gage, der
Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.EVANGELISCHE KIRCHE
DER PFALZ, Speyer, Pressereferat
Flyer ausdrucken: 
19.04.2012
„Musik in Liturgie und Konzert“
Dommusik Speyer
stellt Programm für Mai bis November vor
Speyer- Die Dommusik Speyer präsentiert
ihr neues Halbjahresprogramm „Musik in Liturgie und Konzert“ (Mai
bis November). „Wir haben neben Bewährtem einige neue Dinge für
unsere Besucher vorbereitet“, so Domkapellmeister Markus Melchiori
bei der Vorstellung. Einem Wunsch vieler Gottesdienstbesucher wurde
entsprochen: Künftig werden die im Gottesdienst gespielten
Orgelstücke in dem Flyer aufgeführt.
Ein großer Schwerpunkt liegt im September mit den „Internationalen
Musiktagen Dom zu Speyer“. Erstmalig finden in diesem Rahmen auch
zwei Konzerte statt, die speziell für Kinder konzipiert wurden.
„Wir sind sehr gespannt, wie dieses neue Angebot angenommen wird.
Die Musik den Kindern und jungen Menschen nahe zu bringen ist eine
wichtige, vielschichtige Herausforderung für uns“, so Melchiori
weiter.
Der Kartenvorverkauf hat begonnen. Die Programme können kostenlos
bei der Geschäftsstelle der Dommusik angefordert werden und liegen
im Dom aus.
Kartenvorverkauf: Rheinpfalz-Ticket-Service, Telefon 0180 5003417.
Weitere Infos: dommusik@bistum-speyer.
Den Programmflyer hier ansehen und
ausdrucken: 
26.04.2012
Domkonzert in musikalischer Geschlossenheit und spiritueller Dichte
Speyerer Dommusik präsentiert Werke von
Mendelssohn und Rheinberger.
spk.
Speyer. Das “Stabat mater dolorosa”, die mittelalterliche
Sequenz von der schmerzensreichen Gottesmutter - durch alle Zeiten
in der Musikgeschichte Anstoss für tief bewegende Kompositionen -
sie stand als Leitmotiv über der Geistlichen Abendmusik, zu der
gestern die Speyerer Dommusik unter der Leitung von Domkantor
Alexander Lauer in der Reihe “Cantate Domino” in den Speyerer Dom
eingeladen hatte. Dabei stellte die von Lauer für dieses
hochmeditative Konzert ausgewählte Fassung der Sequenz des
Münchener Komponisten Joseph Gabriel Rheinberger sicher den
Gipfelpunkt des kompakten Programms dar, in der die
innig-kontemplative Stimmung im Hohen Dom ihren Höhepunkt
erreichte.
Hingeführt zu
diesem Werk hatten zuvor Chor- und Orgelwerke von Felix
Mendelssohn-Bartholdy, beginnend mit der Hymne “Hör mein Bitten”
op. 96 für Solostimme, Chor und Orgel, in der sich die aus
Magdeburg stammende Sopranistin Stefanie Fels-Lauer mit ihrer
berührend schönen, ohne jedes störende Tremolo geführte Stimme,
überzeugend in Szene zu setzen vermochte.
Bereits in diesem Werk konnte auch der Speyerer
Domchor einmal mehr seine besonderen Qualitäten unter Beweis
stellen: Die hohe Flexibilität und Beweglichkeit bei den Tempo- und
Stimmungswechseln, die Homogenität in und zwischen den Stimmen -
hier haben Domkapellmeister Markus Melchiori und sein Domkantor
Alexander Lauer ein Ensemble in den Händen, das mit der schwierigen
Akustik der gewaltigen Kathedrale optimal umzugehen vermag.
Das wurde auch in der Kantate “Wer nur den lieben
Gott lässt walten” spürbar, in der die drei Oberstimmen mit großer,
optimal an den Raum angepasster Beweglichkeit den auf weit
schwingende Linienführung angelegten cantus firmus im Bass
umspielten. Dazu kontrastierte auch hier die Sopranistin Stefanie
Fels-Lauer in ihrer virtuos vorgetragenen Arie “Er kennt die
rechten Freudenstunden”.
Eingebettet
waren die beiden Vokalwerke in Orgelwerke von Felix
Mendelssohn-Bartholdy, die Domkapellmeister Markus-Melchiori mit
großer Souveränität präsentierte. Er war zudem zuverlässiger
Begleiter bei der Hymne “Hör mein Bitten” zu Beginn und dem “Stabat
mater” am Ende des Programmes. Überzeugend präsentierte sich in
gewohnter Qualität auch das Speyerer Domorchester.
Die zahlreichen Zuhörer im immer noch “kühlen” Dom
vergaßen angesichts des aufgebauten und stringent durchgehaltenen
Spannungsbogens die Kälte des Raumes und ließen sich einnehmen von
der durchgängig hochkonzentriert dargebotenen, zugleich aber auch
viel Wärme verströmenden Musik. Man hätte - vom ersten Ton bis zu
dem die Stille auflösenden, dankbaren Schlussapplaus - die oft
zitierte “Stecknadel” fallen hören können - so aufmerksam verfolgte
die Zuhörerschaft die eindringliche Musik.
Diese Stimmung wurde auch in dem “Geistlichen Wort”
aufgenommen, in dem Domkapitular Josef Damian Szuba die Verbindung
der “Stabat mater dolorosa” - der Gottesmutter - zum Speyerer
Mariendom und zu allen Menschen herstellte, die in der Geschichte
unschuldig gelitten haben und zu denen auch die gehörten, “die auch
heute leiden unter Unmenschlichkeit und Gewalt: Zu den hungernden
Kindern, den Familien, die auseinander gerissen werden durch Flucht
und Vertreibung, die Opfer sind von Hass und Krieg - die durch
Terror verstörten und verängstigten Menschen, die unheilbar
Kranken, ohnmächtig Leidenden und qualvoll Sterbenden”.
Ihnen werde die Gottesmutter zu Füßen des
sterbenden Sohnes zum Vorbild, auch in einer todbringenden Umgebung
die Hoffnung nicht zu verlieren. “Sie wird auch unter deinem Kreuz
stehen”, rief Szuba der Gemeinde zu, “sie wird da sein im
Augenblick auch deines Todes”.
Mit einem
Gedicht der heiligen Edith Stein, in dem diese ihre eigene Nähe und
Verbundenheit mit der leidenden Gottesmutter beschrieben hat,
schloss der Domkapitular seine Meditation, aus der er seine Zuhörer
gestärkt und getröstet in das weitere Konzert entließ.
Ein beeindruckendes vorabendliches Konzert, das
insbesondere durch seine hohe spirituelle Wirkung - seine
durchgängige Geschlossenheit und stimmungsmäßige Dichte in seinen
Zuhörern sicher noch lange nachklingen wird. Ganz großen Dank
deshalb und tiefen Respekt an das gesamte Ensemble: An die Solistin
Stefanie Fels-Lauer, den Speyerer Domchor und das Domorchester, an
Markus Melchiori an der Orgel und vor allem an Domkantor Alexander
Lauer - dieses Konzert war sicher etwas ganz Besondere in der Reihe
der qualitätvollen fastenzeitlichen Lobpreis-Konzerte zur Ehre
Gottes im Speyerer Dom - “Cantate Domino” - Singet dem Herrn!
Foto: Kienipress
11.03.2012
Speyerer Dommusik präsentiert Werke von Mendelssohn und Rheinberger
“Cantate Domino - Singet dem Herrn” - Geistliche Abendmusik im Speyerer Dom
Markus Melchiori präsentiert seine Studierenden
für Chordirigat
cr.
Speyer. Einen eindrucksvollen Einblick in seine nebenamtliche
Tätigkeit als Lehrbeauftragter an der Staatlichen Musikhochschule
in Freiburg gewährte jetzt Domkapellmeister Markus Melchiori bei
einer Geistlichen Abendmusik, zu der er die Studierenden seines
Studienfachs “Chorleitung” nach Speyer eingeladen hatte. Zwanzig
Studentinnen und Studenten - zumeist werdende Schulmusiker -
umfasst diese Gruppe, die von der großen Erfahrung des Speyerer
Domkapellmeisters profitieren wollen. Sie bringen fast durchweg
eine gesangliche Ausbildung mit - viele von ihnen haben zusätzlich
auch Orgel studiert.
In Speyer gab ihnen ihr Dozent die Chance, im
Angesicht der Chororgel des Domes das Erlernte “in einem Ernstfall”
vor einem sachkundigen Zuhörerkreis im Königschor des Speyerer
Domes in die Praxis umzusetzen. Nahezu jede/r Kursteilnehmer hatte
dabei die Möglichkeit, sich vor dem kleinen Chor und in der für ihn
ungewohnten Akustik des Speyerer Domes zu bewähren.
“So viele
Dirigenten - so viele Möglichkeiten, den Takt zu schlagen und die
Dynamik eines Stückes vorzugeben. Aber so richtig ist nur die eine,
die deine Musiker in Stand setzt, dein Dirigat so umzusetzen, dass
das musikalische Ergebnis deinen Vorstellungen entspricht”. So
beschrieb es einmal der unvergessene Dirigent Otmar Suitner, einer
der Großen seines Faches, der sich über viele Jahre hinweg selbst
darum bemühte, seine Kunst an seine Studenten weiterzugeben. Daran
wurde man auch am Samstagabend im Speyerer Dom erinnert: Da gibt es
die weit ausholenden, mit großem Gestus agierenden und mit viel
echtem oder auch vorgeblichem Selbstbewusstsein daherkommenden
“Pult-Generale”, da gibt es aber auch die eher zögerlichen, fast
schon verschämt auftretenden “Anstifter”, die ihren Apparat -
Sänger und Orchester - mit ihren Gesten nicht allzu sehr in ihrer
eigenen musikalischen Entfaltung “stören” wollen. Am besten sicher,
wenn sie es so machen, wie sie es ihrem Lehrer Markus Melchiori
abschauen können: Mit klarer und unmissverständlicher Gestik,
unprätentiös und den Chorsängern erkennbar stets in Freundlichkeit
zugetan. Das haben einige seiner Schülerinnen und Schüler durchaus
schon für sich verinnerlicht, wie man bei den Proben ihres
Dirigates erkennen konnte.
Und so konnte sich dieser Abend, der mit einer
Ausnahme einem einzigen Komponisten, dem dänisch-deutschen
Barockmeister Dietrich Buxtehude, gewidmet war, durchaus hören
lassen. Sicher - die Zusammensetzung der Gesangsgruppe kann sich
nicht an den Bedürfnisse eines “normalen” Chores messen lassen -
will es sicher auch gar nicht. Denn dazu haben seine Mitglieder ein
von ausgewogenem Chorklang zu unterschiedliches Interesse: Sie
wollen schlicht “nur Chorleitung” erlernen. Und so muss es nicht
verwundern, dass die Balance zwischen den einzelnen Singstimmen in
diesem Chor nicht die oberste Priorität genießt. Wie “im richtigen
Chorleben” fehlt es deshalb auch hier hörbar an Altistinnen und
Tenören. Auf hohem sängerischem Niveau dagegen der Sopran sowie -
sicher nicht zuletzt dank der Mitwirkung von Domkantor Alexander
Lauer - der Bass.
Den jungen Dirigenten in spe übrigens eines noch
ins Stammbuch geschrieben: Ein Dirigent kommt sich reichlich einsam
und überflüssig vor, wenn seine Sängerinnen und Sänger keinen
Blickkontakt zu ihm suchen und so sein Dirigat ins Leere zu gehen
droht. Das galt auch für manchen der Akteure bei diesem kleinen
Konzert. Aber das nur am Rande erwähnt!
Domkantor
Alexander Lauer konnte sich an diesem Abend übrigens auch mit
einigen solistischen Einsätzen glänzend in Szene setzen. Seine
resonanzreiche, gut geführte Stimme ist auch außerhalb seiner
musikalischen Tätigkeit im Speyerer Dom immer ein Erlebnis. Das
bewies er insbesondere in dem Arioso in der abschließenden Kantate
“Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken” von Dietrich
Buxtehude. Hier konnte sich auch die Sopranistin Stefanie Fels mit
ihrer warmen Sopranstimme auf das beste präsentieren.
Die instrumentale Begleitung des Sängerensembles
besorgten - zuverlässig wie immer -Mitglieder des Speyerer
Domorchesters um Daniel Spector, - einer der Studierenden aus
Freiburg hatte zudem noch zwei Orgelwerke von Dietrich Buxtehude
mitgebracht.
Ein hörenswerter Abend, der den Zuhörern im
Königschor des Domes - eine durchaus beachtenswerte Alternative bei
kleineren Konzertereignissen - das Herz erwärmte und sie beseelt in
den eisigen Winterabend entließ. Foto: Kienipress
05.02.2012
Cantate Domino - Bilderalbum
Venezianische Mehrchörigkeit und barocker Glanz zum Wohle einer Orgel
Benefizkonzert des Rotary Clubs Speyer in der
Dreifaltigkeitskirche
spk.
Speyer. Die Dreifaltigkeitskirche war einmal mehr “auf allen
Rängen” dicht besetzt, als der Rotary-Club Speyer sein diesjähriges
Benefizkonzert - das 15. in ununterbrochener Folge - präsentierte.
Für diese Tradition bedankte sich eingangs der Präsident des RC
Speyer, Hartmut Metzger, bei dem Initiator und “spiritus rector”
dieser Konzertreihe, Prof. Leo Krämer sowie bei Thomas Grebner, der
gemeinsam mit gut zwanzig Helfern über all die Jahre hinweg die
Verantwortung für die Organisation, die Vorbereitung und die
Durchführung der Konzertabende übernommen hatte. Ein besonderer
Gruß des Präsidenten galt an diesem Abend der obersten
Repräsentantin der Rotarier im District Saarland/Pfalz/Hessen-Süd,
Hildegard Dressino vom RC Worms, die als erste Frau zum Govenor -
zur “obersten Rotarierin” also (eine weibliche Form für “Govenor”
gibt es im Englischen leider nicht!) - dieses bis vor wenigen
Jahren noch allein Männern zugänglichen Serviceclubs gewählt wurde.
Wohl um die “Gleichberechtigung hochzuhalten”, begrüßte Präsident
Hartmut Metzger stellvertretend für alle Männer den Hausherrn der
Dreifaltigkeitskirche, Pfarrer Marc Reusch.
Danach übernahm der Künstlerische Leiter auch
dieses Abends, Prof. Leo Krämer, das “musikalische Kommando”. In
seiner Einführung in das Programm entführte er das Auditorium
zunächst nach Venedig in die Kirche San Marco, die in der Zeit der
Renaissance berühmt wurde durch ihre mehrchörige Vokal- und
Bläsermusik. Etwas davon, so Krämer, wollten seine Ensembles von
Palatia Classic - das Barock Ensemble, das Vocal und das Brass
Ensemble gemeinsam mit den Solisten Ingrid Paul, Flöte sowie Andre
Schoch und Rudolf Lörinc, Trompete - an diesem Abend nach Speyer
transponieren.
Und damit hatte Leo Krämer bereits sein
schwerwiegendstes Problem der letzten Tage angesprochen: Seit
einigen Wochen schon ist sein kongenialer Musikerfreund Robert
Frank, 1. Konzertmeister im Orchester des Nationaltheaters Mannheim
und als Solist für diesen Abend seit langem verpflichtet, schwer
erkrankt und bis heute nicht wieder völlig gesundet. Als dann auch
noch Laura Vukobratovic, 1. Solotrompeterin im gleichen Orchester,
aus “innerbetrieblichen” Gründen des Theaters absagen mußte, galt
es, innerhalb kürzester Zeit solistischen Ersatz zu finden und bei
der Probenarbeit mit den Ensembles noch “einen Zahn zuzulegen”.
Um es gleich
vorweg zu sagen: Auch diese Herausforderung hat Leo Krämer souverän
gemeistert. Innerhalb weniger Proben hat er die beiden Trompeter
Paul Andre (Karlsruhe) und Rudolf Lörinc (Bremen) optimal
aufeinander abgestimmt und mit dem Barock- und dem Brass Ensemble
zusammengeführt. Es zeigte sich einmal mehr: Die musikalische
Formung einander bis dato fremder Ensembles und Instrumentalisten
zu einem überzeugenden Ganzen ist neben seiner Gestaltungskraft
sicher eine der ganz großen Tugenden des langjährigen Speyerer
Domkapellmeisters, dem es auch unter schwierigsten Bedingungen
immer wieder gelingt, daraus beeindruckende musikalische Ergebnisse
wachsen zu lassen.
Das Programm des Abends wurde eingerahmt von dem
opulenten, achtstimmigen Eingangssatz “Deus in Adjutorium ostende”
aus der “Marienvesper” von Claudio Monteverdi zu Beginn und einigen
Sätzen für je eine Stimme - Sopran bzw. Tenor und Orchester - und
dem abschließenden, achtstimmigen “Magnificat”, das Krämer mit
seinem Vokalensemble, mit Bläsern und mit Streichern zu einer
prachtvollen Schlussapotheose aufblühen ließ.
Das steigerte sich dann noch einmal um eine weitere
Dimension, als aus dem Chorraum der Dreifaltigkeitskirche und von
der Empore herab das “Laudate Dominum” für drei vierstimmige Chöre
erklang - ein gewaltiges Klanggebirge, wie es nur der Feder eines
Großmeisters der Kompositionskunst wie G.P. da Palestrina
entspringen konnte. Für den Chor, der während des gesamten
Programms in ständig wechselnden Formationen agieren mußte, kam
hier zu den Änderungen im vertikalen Zusammenwirken der Sängerinnen
und Sängern auch noch die dritte, die horizontale Dimension
hinzu.
Hier konnte und mußte jedes einzelne Mitglied des
sparsam besetzten Vocal Ensembles seine fundierte sängerische
Vorbildung in die Waagschale werfen und seinen Part mit großer
Standsicherheit präsentieren.
Das setzte sich dann auch bei den nachfolgenden
Programmteilen fort - beim Kyrie, Sanctus und Agnus Dei aus der
“Missa octo vocum” für zwei Chöre von Hans Leo Hassler und - im
Ablauf später - bei den beiden doppelchörigen Motetten “Singet dem
Herrn” von Johann Pachelbel und “Jubelt dem Herrn” von Giovanni
Gabrieli. Mit großer Konzentration und Subtilität folgte der Chor
den Hinweisen seines Leiters, der zudem auch die verschiedenen
Instrumentalgruppen in das musikalische Geschehen integrieren
musste.
Mit der
Auswahl der Orchesterstücke dieses Abends setzte Leo Krämer einen
bewussten Kontrast zu den vokalen Teilen und entbot mit
Jean-Baptist Lully und Antonio Vivaldi zugleich der barocken
Dreifaltigkeitskirche seine zeit- und musikgeschichtliche Referenz.
Mit “Le Triomphe de l’Amour” - dem “Triumph der Liebe”, einer
Orchestersuite des Hofkapellmeisters am Hofe des französischen
Sonnenkönigs Louis XIV., Jean-Baptist Lully, hatten die
Instrumentalisten Gelegenheit, als Solisten ihre integrative
Ensemblefähigkeit zu beweisen. Man merkte ihnen zudem die große
Musizierfreude an diesem Abend an, die sie sich durch das gesamte
Programm hindurch bewahren konnten.
Ein weiterer instrumentaler Höhepunkt: Das C-Dur
Konzert für Blockflöte und Orchester, von der wie immer bestens
disponierten Ingrid Paul mit großer Verve und atemberaubender
Beweglichkeit präsentiert. Ein kleines Manko: Das Cembalo, dessen
Resonanz oft vom Cello überlagert wurde und sich so nicht in der
wünschenswerter Weise in Szene setzen ließ.
Das zeigte sich auch bei der zweiten
Vivaldi-Komposition dieses Abends, dem Konzert C-Dur für zwei
Trompeten und Orchester. Hier hatten die beiden Solotrompeter, die
schon während des gesamten Abends glanzvolle Beispiele ihrer Kunst
zeigten, Gelegenheit, ihr großartiges Können vorzuzeigen:
Gleichberechtigt nebeneinander, in vielen Phrasen kanonhaft im
Dialog - eine Bravourleistung auf diesen “Königinnen der
Blechblasinstrumente”.
Lang anhaltender Beifall, zum Teil auch schon
zwischen den Sätzen der einzelnen Werke, belohnte die Leistungen
der Ensembles - für die Flötistin gab es zudem einen opulenten
Blumenstrauß. Dies replizierten die Musiker mit einer ganz
besonderen Zugabe - dem “Ave Verum Corpus” - “dem Komponisten
dieses Werkes, Wolfgang Amadeus Mozart, dem Jahrtausendgenie und
Geburtstagskind dieses Tages”, wie Leo Krämer es ausdrückte, “zur
Ehre und Ihnen, den Besuchern, zum Dank, weil sie mit ihrem Kommen
einen großartigen Beitrag zu einem wichtigen Projekt geleistet
haben”.
Denn die große
Orgel der Dreifaltigkeitskirche nämlich war die eigentliche
“Hauptperson” dieses Abends. Ihrer Renovierung gewidmet waren die
sicherlich ansehnlichen Einnahmen, die der Rotary-Club Speyer mit
diesem Konzert “eingefahren” hat und die trotz der enormen
Gesamtkosten für die Renovierung sicher mehr waren als nur der
berühmte “Tropfen auf den heißen Stein”: Sie waren eine
Solidaritätsbekundung von Musikern mit einem dringend
reparaturbedürftigen Instrument und - auf Initiative des Speyerer
Rotary Clubs - ein überzeugendes Bekenntnis Speyerer Bürger mit
einem bedeutenden Stück Kulturgut in den Stadt. Foto:
miwa
28.01.2012
Benefizkonzert des Rotary Clubs Speyer - Bilderalbum
Neue Kurse der Dommusik Speyer starten
„Musikgarten – Gemeinsam musizieren“: Angebot für Kinder
ab anderthalb Jahren
Speyer- Die
Dommusik Speyer bietet Kurse für Kinder im Alter ab anderthalb
Jahren an. „Nach dem guten Auftakt im letzten Sommer geht unser
Programm jetzt in die nächste Runde“, so Kursleiterin Petra
Niopek.
„Musikgarten - Gemeinsam musizieren“ ist ein musikpädagogisches
Konzept, das Kleinkinder und deren Eltern zum gemeinsamen
Musizieren anregt. In Gruppengrößen von bis zu zehn Paaren (ein
Elternteil und Kind) erschließt sich das Kind die spannende Welt
der Klänge und erlebt, welch wertvollen Beitrag es selbst mit
seiner Stimme dazu leisten kann.
Durch musikalische Kinderspiele, Tänze und durch das gemeinsame
Singen können die Kinder zusammen mit ihren Eltern ohne vorgegebene
Leistungserwartungen die eigene Stimme und ihren Körper entdecken
und Freude daran haben. Einfache Instrumente wie Klanghölzer,
Glöckchen, Rasseln oder Trommeln führen das Kind in die Welt der
Klänge. Der „Musikgarten“ betont die musikalische Wechselbeziehung
zwischen dem Kleinkind und dem Erwachsenen.
Das Programm ist auf drei Halbjahre angelegt und findet in
Einheiten à 35 Minuten einmal wöchentlich in den Räumen der
Dommusik Speyer statt. Kurstermine sind dienstags um 15 Uhr oder
donnerstags um 10.30 Uhr. Starttermin ist der 2. Februar;
Anmeldungen sind ab sofort möglich.
Weitere Information und Anmeldung: www.dommusik-speyer.de oder
Telefon 0 62 32/102-132.
Bischöfliches Ordenariat Speyer, Pressestelle
Exemplarische Aufführung des “Weihnachts-Oratoriums” im Speyerer Dom
spk.
Speyer. Immer wieder Freitag vor Weihnachten - außer, der
Heilige Abend fällt wie in diesem Jahr auf einen Samstag - gibt’s
im Hohen Dom zu Speyer Johann Sebastian Bach’s
“Weihnachts-Oratorium” - in diesem Jahr zum dreißigsten Mal in
ununterbrochener Folge. Kein Wunder, dass dieses Konzert für viele
Menschen aus ganz Südwestdeutschland längst zu einer festen
Tradition, zu einem absoluten “Muss”, geworden ist, von dem sie
sagen, dass es erst danach für sie so “richtig” Weihnachten werden
könne. Und so war der Speyerer Dom einmal mehr bis auf den letzten
Platz gefüllt, waren alle Einlass-Tickets schon lange vor dem
Konzertabend restlos ausverkauft, waren gleich mehrfach zusätzliche
Stühle eingestellt worden, als das Ensemble unter Domkapellmeister
Markus Melchiori seine Positionen rund um den Pfarralter des Domes
bezog.
So lange das “WO” - wie es von Musikfreunden oft
liebevoll genannt wird - zur Aufführung kommt, so lange gibt es
neue, andersartige Interpretationsansätze - und so entsteht das
Werk immer wieder neu...
Markus Melchiori verstand die Botschaft von der
Geburt des Kindes im Stall zu Bethlehem an diesem Abend nur an
wenigen Stellen als rein kontemplatives, beschauliches Idyll -
vielmehr hielt er den anspruchsvollen, tänzerisch-federnden Duktus,
der sich schon mit dem Eingangschor “Jauchzet, frohlocket”
eingestellt hatte, bis zum Schluss der dritten Kantate, bis zum Da
Capo des “Herrscher des Himmels”, durch die Wahl rascher Tempi
uneingeschränkt aufrecht. Dazu bedarf es natürlich eines Chores mit
großer sängerisch-rhythmischer Standfestigkeit und hoher
Beweglichkeit. Mit dem Speyerer Domchor steht Melchiori hierzu ein
Ensemble zur Verfügung, das - in den wenigen Jahren seiner Amtszeit
um etliche Sängerinnen und Sänger verstärkt - wieder an seine
früheren Tugenden und seine viel gerühmte Homogenität anzuschließen
vermag.
Da gibt es
einen Sopran zu hören, der bis in die Spitzenlagen hinein leicht
und frei von Schärfen und unkontrollierten Ausbrüchen agiert und
durch die zwischenzeitlich wieder bemerkenswert angewachsene
Kindergruppe der Domsingschule bei den Chorälen seinen metallischen
Glanz erhält.
Da gibt es einen sich mit samtenem Klang und in
großer Geschlossenheit präsentierenden Alt, dem wirkungsvolle
stimmbildnerische Maßnahmen des Domkapellmeisters zu einer
gleichberechtigten Position im Chorgefüge verholfen haben.
Bei den Männern überzeugten vor allem die Bassisten
mit sonorem Fundament, großer stimmlicher Flexibilität und auch in
den Höhen weichem Stimmeinsatz, während der Tenor durchaus noch
Verstärkung vertragen würde - nicht zuletzt auch, um der Gefahr von
Überanstrengungen und damit unangenehmen Schärfen entgehen zu
können, die bei diesem Konzert allerdings nur selten auftraten.
Insgesamt also
ein sehr ausgewogen daher kommender Chor, der den präzisen, aber
sympathisch unprätentiösen Hinweisen seines Dirigenten zu Tempi und
Dynamik in jedem Moment der Aufführung aufmerksam und bereitwillig
folgte.
Dem Chor zur Seite: Das sich prächtig
präsentierende “Barockorchester L’arpa festante” aus München,
bewährter Partner bedeutender Kammerchöre aus ganz Europa und
beteiligt an zahlreichen stilprägenden Musikproduktionen - viele
davon auch auf CD festgehalten. Im Speyerer Dom wirkte das
Orchester schon beim “WO” vor zwei Jahren mit - tat sich damals
aber mit einer kleineren Streicherbesetzung in dem riesigen
Kirchenraum erkennbar schwerer als bei seinem diesjährigen
Auftreten. Jetzt bestachen die Streicher mit ihrem den Bedürfnissen
des Raumes und der Musik angemessenen Instrumentarium und sorgten
so für einen stets durchsichtigen, aber dennoch satten Klang, der
auch noch die Zuhörer in den hinteren Reihe des Domes erreichte.
Das erwies sich unter anderem auch in der Alt-Arie “Schließe, mein
Herze” im dritten Teil des Oratoriums, wo der Konzertmeister von
“L’arpa festante” als gleichrangiger, brillant agierender Partner
in einen überzeugenden Dialog mit der Altistin Bettina Ranch
eintrat.
Eindrucksvoll
auch immer wieder die Trompetengruppe, hier repräsentiert durch das
Trompetenensemble ELISEO aus Innsbruck, sowie die Holzbläser, beide
Gruppen mit dem Original-Instrumentarium ausgestattet und mit
unverwechselbarem Klang, wie er sich wohl schon in der
Entstehungszeit der Bach’schen Musik dargeboten haben mag.
Auch da: Eindrucksvolle musikalische Dialoge - in
der ersten Kantate die atemberaubende Bass-Arie “Großer Herr, o
starker König”, von dem Bassisten Markus Flaig überzeugend
dargeboten und von Martin Patscheider auf der barocken Langtrompete
auf das beste kontrastiert - in der zweiten Kantate die von der
Querflöte berührend umspielte Tenor-Arie “Frohe Hirten, eilt ach
eilet” mit ihren halsbrecherischen Koloraturen, in der Max Ciolek,
ein überaus souveräner Herold der Frohen Botschaft in seiner Partie
als Evangelist fast an die Grenzen seines großartigen Könnens gehen
mußte.
Bekanntlich bieten die ersten drei Kantaten des
“WO” dem Solo-Sopran wenig Möglichkeiten, sich angemessen zu
präsentieren - so blieb Julia Kleiter eigentlich nur das Duett in
“Herr, dein Mitleid”, wo sie im Dialog mit ihrem Kollegen Markus
Flaig durch ihr angenehmes Timbre auffiel. Im Zusammenwirken mit
den beiden Oboen, meisterhaft gespielt von Nele Müller und Karina
Heisters ein herausragendes Stück Kammermusik.
Nicht vergessen werden darf schließlich auch der
virtuos agierende Cembalist des Orchesters, Rien Voskulen, der in
meisterlicher Manier insbesondere bei den Rezitativen seine große
Meisterschaft mit kunstvollen Verzierungen unter Beweis stellen
konnte.
Im Ganzen
heißt das, dass sich Solisten, Chor und Orchester zu einem
außergewöhnlichen Ganzen zusammenfanden, so dass die drei Kantaten
fast wie im Fluge vorüberzogen und die langsam in den Dom
einziehende Kälte vergessen machte.
Anhaltender, dankbarer Beifall durchbrach
schließlich nach dem Ende des Konzerts die langanhaltende Stille im
Dom - auch nachdem sich der letzte Akkord des “WO” in den Höhen des
Kirchenschiffs längst ins Nichts aufgelöst hatte.
Fazit: Auch wenn die diesjährige Aufführung des
“WO” im Speyerer Dom - Kalender bedingt - noch gut eine Woche vor
Weihnachten erklang, so wird es in seiner intensiven und
mitreißenden Interpretation von Domkapellmeister Markus Melchiori
noch über die Weihnachtstage hinaus nachwirken und die Herzen des
Auditoriums mit lange nachklingender Weihnachtsfreude erfüllen.
Foto:miw
18.12.2011
“Weihnachts-Oratorium” im Speyerer Dom - Bilderalbum
A capella-Gesang auf allerhöchstem Niveau
Kammerchor der “Hochschule für Musik Franz Liszt
in Weimar” zu Gast in Speyer
von Gerhard Cantzler
A
capella-Gesangskultur vom Allerfeinsten konnten jetzt die Besucher
eines Adventskonzertes in der Dreifaltigkeitskirche erleben, zu dem
der Kammerchor der “Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar”
nach Speyer gekommen war. Schon vor der “Wende” 1989/90 gehörte
dieses Vokalensemble zu den profiliertesten seiner Art im früheren
Ostblock - in den Jahrzehnten danach konnten es sich unter seinem
Leiter Prof. Jürgen Puschbeck auch weltweit einen Namen machen.
Zahlreiche internationale Preise zeugen inzwischen von der hohen
künstlerischen Qualität, zu der der Chor gefunden hat - die
Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Kurt Masur, Max Pommer, Fabio
Luisi oder Helmuth Rilling bestätigt diese Auszeichnungen
eindrucksvoll. Und das, obwohl sich ein Hochschulchor naturgemäß
ständig “neu erfinden” muss. Denn seine Mitglieder sind durchweg
Studierende der renommierten Weimarer Musikhochschule oder der
dortigen “Bauhaus-Universität”, die für die Zeit ihres Studiums zu
dem Ensemble stoßen, danach aber wieder andere Wege gehen.
Dazwischen haben sie in Weimar die Chance, sich als Chorsänger oder
Chordirigenten aufs beste zu qualifizieren.
Dass es Jürgen
Puschbeck trotz dieser ständigen Wechsel dennoch gelingt, quer
durch alle Stimmlagen einen so faszinierenden Gesamtklang zu
“schmieden”, verdient allergrößte Hochachtung. Man möchte Puschbeck
andererseits aber auch schon ein wenig darum beneiden, dass er
immer wieder mit so vielen jungen, unverbrauchten und kultiviert
geführten Stimmen arbeiten darf. Diese manifestieren sich
insbesondere in Sopran und Tenor, die - auch in extremen Lagen -
nicht einmal eine Anflug von Schärfe erkennen lassen. Etwas matt
dagegen mitunter die tiefen Stimmen Alt und Bass, die erst im
zweiten Teil des Konzertes bei den so beliebten Advents- und
Weihnachtssätzen alter Meister zu ihrem vollen Potential
fanden.
Begonnen hatte das Konzert mit zwei Werken des
frühvollendeten Komponisten Hugo Distler. Das erste - “Ich brach
drei dürre Reiselein” präsentierte der Kammerchor, indem er sich im
gesamten Kirchenschiff platzierte, um so das Auditorium mit zu
nehmen in diesen Abend. Ein inzwischen durchaus geläufiger Ansatz,
um sich dem Publikum zu nähern, wenn auch nicht ganz
unproblematisch, da nur die wenigen Plätze im Zentrum der Kirche so
von Anfang an den ansonsten höchst kunstvoll ausbalancierten
Gesamteindruck des Chorklanges genießen können.
Das änderte sich dann aber rasch, als sich der Chor
zu Hugo Distlers “Weihnachtsgeschichte op. 10" am Altar der
Dreifaltigkeitskirche formierte. Hier beeindruckte er vom ersten
Augenblick an mit einer beispielgebenden Präsentation dieses
überaus anspruchsvollen Werkes, das als eine der besonderen
Herausforderungen gilt, an denen sich ambitionierte Kammerchöre
messen lassen können. Formal an den Choralpassionen zum Beispiel
eines Heinrich Schütz orientiert, in der Stimmung aber ganz
entgegengesetzt - dem idyllischen Weihnachtssujet verpflichtet -
rein und von höchster Schönheit, fordert diese Komposition von den
Sängern durch anspruchvollste Intervall-Stellungen und
hochempfindliche Harmonien höchstes sängerisches Können und
absolute Konzentration.
Der Weimarer
Kammerchor konnten diesen Ansprüchen der Distler’schen Komposition
in vollem Umfang gerecht werden und auch die Solisten - der
baritonal timbrierte Tenor Patrick Grahl als Evangelist sowie die
aus dem Chor besetzten “kleinen” Solisten, der Engel (Sopran),
Maria (Mezzosopran), Elisabeth (Sopran), Herodes (Bariton) und
Simeon (Bass) trugen erheblich zu dem überzeugenden Gesamteindruck
dieser Aufführung bei. Die Leitung dieses diffizilen Werkes hatte
der Professor Jürgen Puschbeck übrigens in die Hände seiner
ehemaligen Schülerin Judith Schweiger gelegt und sich selbst - nur
eine seiner zahlreichen sympathischen Gesten - in die Reihe der
Choristen eingeordnet. Judith Schweiger “steuerte” das blendend
disponierte Ensemble unprätentiös und sensibel - bei den
empfindlichen Tempowechseln aber zupackend - um die zahlreichen
musikalischen Klippen dieser “Weihnachtsgeschichte”. Respekt und
lang anhaltender Beifall quittierten eine beeindruckende
Gesamtleistung.
Im zweiten Teil des Konzertabends standen dann die
- ach so beliebten, von vielen Interpreten aber auch “gequälten” -
Sätze der Advents- und Weihnachtsmusiken von Heinrich Schütz,
Michael Praetorius, Andreas Hammerschmidt, Johann Eccard und
anderer auf dem Programm. “Nun sei uns willkommen, Herre Christ”,
“Der Morgenstern ist aufgedrungen”, “Machet die Tore weit” bis hin
zu dem jetzt wieder in vielen Sprachen (und Sätzen) erklingenden
“Herbei, o ihr Gläubigen” stimmte der Kammerchor unter seinem
Leiter Jürgen Puschbeck an, manche auf sympathische Art und Weise
zusammengefügt zu einem musikalischen Gesamtwerk, durchweg
bestechend durch die Schlichtheit und Wahrhaftigkeit ihrer
Interpretationen.
Das Publikum, das einen großartigen Konzertabend
erlebte - schade nur, dass nicht noch mehr Musikfreunde der
Einladung zu diesem beispielgebenden Konzert in der
Dreifaltigkeitskirche gefolgt waren - dankte es dem Ensemble
gerührt und mit lang anhaltendem Beifall. Der Weimarer Kammerchor
erwiderte diesen Dank mit einer Zugabe, mit einer Interpretation
des “Stille Nacht” in einer Fassung für Tenor und Chor, wo das
Ensemble in der dritten Strophe noch einmal seine ganz besondere
Befähigung zum disziplinierten Piano-Gesang präsentieren
konnte.
Die Überleitung von den “modernen” Kompositionen
von Hugo Distler zu Werken des Barock und der Klassik besorgte
Matthieu Pignède an der Orgel der Dreifaltigkeitskirche mit
Dietrich Buxtehudes Choralvorspiel zu “Wie schön leuchtet der
Morgenstern”, bei dem die “alte Dame” auf der Empore der Kirche
noch einmal etwas von ihrer großen Qualitäten erkennen ließ, die es
durch eine umfassende Restaurierung in den nächsten Jahren wieder
zu beleben gilt.
Ein erinnerungswürdiger Abend, der so recht
einstimmen konnte in diese glanzvollste Zeit des Kirchenjahres und
der die Hoffnung weckte, diesem “Ausnahme-Ensemble”, das den Namen
des großen “Jahres-Jubilars” Franz Liszt von Weimar aus so würdig
in die Welt hinaus trägt, in nicht allzu ferner Zeit wieder zu
begegnen. Fotos: miw
Der SPEYER-KURIER verlost im Rahmen seines
Weihnachts-Quiz einige CDs, die der Kammerchor der
Musikhochschule Franz Liszt freundlicherweise zur Verfügung
stellt.
11.12.2011
Kammerchor aus Weimar - Bilderalbum
Johann Sebastian Bach “Weihnachts-Oratorium” von ungebrochener Faszination
Kantorei
Speyer-Germersheim eröffnet musikalische Vorweihnachtszeit
von Gerhard Cantzler
Jetzt ist sie auch musikalisch offiziell eröffnet:
Die Vorweihnachtszeit: Mit Johann Sebastian Bachs
“Weihnachtsoratorium” - den Kantaten I - III - stimmte die Kantorei
Speyer-Germerheim gemeinsam mit der Kurrende an der
Gedächtniskirche und dem Heidelberger Kantatenorchester am Zweiten
Adventssonntag in der Dreifaltigkeitskirche eine große Hörerschaft
auf diese - auch musikalisch glanzvollste - Zeit des Kirchenjahres
ein. Und Pfarrer Marc Reusch, Hausherr in Dreifaltigkeit, sollte
recht behalten, als er dem Auditorium dafür dankte, dass es sich an
diesem Abend in so großer Zahl für “Bach” entschieden hatte: Sie
taten damit nämlich - so Pfarrer Reusch - in gleich zweifacher
Weise Gutes: Zum einen sich selbst, weil sie sich für ein zu Herzen
gehendes Konzert entschieden hatten, zum anderen aber auch, weil
sie mit ihren Eintrittsgeldsgeldern einen Beitrag zu der dringend
notwendigen Renovierung der angejahrten großen Orgel in der Kirche
leisteten.
Es ist immer wieder ein wundervolles Phänomen, wie
sehr das Bach’sche “WO” auch in unserer Zeit noch die Menschen zu
faszinieren und in seinen Bann zu schlagen vermag. Dicht gedrängt
sassen deshalb die Besucher dieses Konzertes, das in einem wahrlich
protestantischen Sinne gleichzeitig durch seine Schlichtheit wie
durch seine große Ausdruckstiefe bestach.
Bezirkskantor und Kirchenmusikdirektor Robert
Sattelberger hatte für diesen Abend ein Ensemble von großer
Homogenität geformt - vor allem das Heidelberger Kantatenorchester
überzeugte mit einnehmendem Wohlklang. Herauszuheben dabei sicher
die Trompeten in den beiden Eingangschören zur I. und III. Kantate,
aber auch in der geläufigen Bass-Arie “Großer Gott und starker
König”. Nicht weniger überzeugend die sich höchst ausdrucksstark
präsentierenden Holzbläser - beispielhaft das Wechselspiel in dem
Duett “Herr, dein Mitleid” im dritten Teil.
Auch der Chor
zeigte sich - beispielhaft im “Ehre sei Gott”-Chor - standfest und
hoch beweglich. Allenfalls im Tenor würde man sich die eine oder
andere Verstärkung wünschen - auch, um in den Spitzenlagen
Überforderungen zu vermeiden. Die anderen Stimmen dagegen zeigten
sich gut aufgestellt, besonders der Sopran mit leuchtenden,
kultiviert geführten und obertonreichen Stimmen. Eine Freude,
diesem Apparat zuzuhören - eine Freude, die noch durch die
Mitwirkung der Kinder der Kurrende an der Gedächtniskirche bei den
Chorälen erhöht wurde. Dass Robert Sattelberger das
Choral-Rezitativ “Er ist auf Erden kommen arm” nahezu
ausschließlich in die Verantwortung dieser jungen Sängerinnen und
Sängern mit ihren unverbildeten Stimmen legte - einer der
berührenden und beglückenden Momente in dieser Aufführung.
Was die Wahl der Tempi in den Chorteilen angeht, so
verzichtete der Dirigent auf übermäßige Dramatisierungen - es waren
mehr die kontemplativen Töne, die die Szenerie bestimmten - ganz im
Sinne der Ereignisse im Stall von Bethlehem. So kam auch der Chor
“Herr unser Herrscher” eher sanft daher und steigerte sich erst in
der Wiederholung zum Ende der III. Kantate zum triumphalen
Hochgesang.
Den überzeugenden Leistungen von Chor und Orchester
standen nicht weniger eindrucksvolle Solisten gegenüber.
Konstitutives Moment dabei die Partie des Evangelisten. Hier hatte
Robert Sallelberger mit Rüdiger Lind einen der profundesten
Vertreter dieses speziellen Faches gewinnen können. Mit seiner
außergewöhnlich hell timbrierten, schlank und beweglich geführten
Tenorstimme gehört der Schüler von Gerd Türk und Mitglied im
exquisiten SWR-Vokal-Ensemble zur international ersten Wahl für
Barockmusik und - natürlich - für die großen Oratorien von Johann
Sebastian Bach.
Auch bei dem
Konzert in Speyer konnte Lind diesen hohen Erwartungen in vollem
Umfang gerecht werden. Das Evangelium verkündigte er - von der
prachtvollen Kanzel der Dreifaltigkeitskirche herunter - mit
schlichtem Pathos, um bei seiner höchst anspruchsvollen
Koloratur-Arie “Frohe Hirten, eilt, ach eilet” - vom Altar-Raum aus
- eine ganz andere Stimm-Charakteristik zu präsentieren: Breiter
aufgestellt, substanzreicher und dennoch nicht weniger beweglich.
Eine vorzügliche Vorstellung des seit Jahren insbesondere im
südwestdeutschen Raum bekannten Sängers.
An ihm mußten sich auch die anderen Solisten messen
lassen. Das gelang insbesondere dem jungen Bassisten Axel Humbert,
der mit seiner substanzreichen Stimme sowohl bei den weit
ausschwingenden und dennoch innigen Rezitativen ebenso überzeugen
konnte wie bei seiner anspruchsvollen, höchste Beweglichkeit
fordernden Arie “Großer Herr und starker König”. Das gemeinsam mit
der Sopranistin Christiane Schmidt vorgetragene Duett “Herr, dein
Mitleid, dein Erbarmen”, oft genug in der Gefahr , durch seine
zahlreichen Wiederholungen in gepflegte Langeweile zu entarten,
stellte sich in selten zu verspürender Spannung vor.
Die Sopranistin - vom Komponisten eher sparsam in
das Geschehen einbezogen - konnte dennoch ihre hohen stimmlichen
Qualitäten in dem Rezitativ des Engels in der zweiten Kantate
vorstellen: Ein leichtgeführter hoher Sopran - engelgleich
eben.
Und
schließlich darf auch die Altistin Pia Knoll nicht unerwähnt
bleiben - durch ihre vielfältigen sängerischen Aktivitäten in der
Region eine bekannte Größe, die mit großer Inbrunst und
samtig-weicher Stimme die berühmte Arie “Bereite dich, Zion” in der
I. Kantate sowie mit ebenso viel Ausdruckskraft die abschließende
Arie der III. Kantate “Schließe, mein Herze” darbot.
Alles in allem also ein großartiger Abend, der
durchaus gleichrangig an die Aufführung des “Weihnachtsoratoriums”
aus dem vergangenen Jahr anknüpft, von dem der SPEYER-KURIER
als besondere Überraschung für seine Leser in seinem Film-KURIER einen Mitschnitt bereit hält.
Reinschauen lohnt sich - Weihnachtsstimmung ist garantiert!
05.12.2011
Weihnachts-Oratorium - Bilderalbum
Glanzvoller Einstieg ins neue Kirchenjahr mit Mendelssohns “Elias”
Mozartchor zurück in der ersten Reihe
musikalischer Protagonisten in Speyer
Von Gerhard Cantzler
Einen
glanzvollen Einstieg ins neue Kirchenjahr bereitete jetzt der
Mozartchor Speyer unter seinem - noch immer neuen - musikalischen
Leiter Dieter Hauß am Vorabend des Ersten Advents
den zahlreichen Besuchern seines Jahreskonzerts 2011 in der
Dreifaltigkeitskirche in Speyer mit einer fulminanten Aufführung
von Felix Mendelssohn-Bartholdys großartigem Oratorium “Elias”.
Musikkritiker haben dieses Werk oft als die “Krone” des
Oratorien-Genres generell bezeichnet - dramatisch,
abwechslungsreich und mitreißend, vor allem aber auch fordernd für
den gesamten Apparat - Solisten, Chor und Orchester. Und um es
gleich vorweg zu sagen: Die Mitwirkenden wurden diesem Anspruch in
höchstem Maße gerecht - vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich
bei dem Chor um ein Laienensemble handelt, das Hauß erst vor gut
einem Jahr übernommen hat. Sicher, der Mozartchor verfügt über eine
lange und wohl fundierte Tradition bei der Aufführung große Werke.
Doch was helfen Tradition und Erfahrung im Moment der aktuellen
Herausforderung?
Im “Elias” ist
der Chor - nur unterbrochen von den eher kürzeren Arien-Teilen -
fast zweieinhalb Stunden lang gefordert von mitreißender, aber auch
hochkomplexer Vokalmusik. Rhythmisch oft höchst anspruchsvoll, in
den Harmonien gespickt mit zahlreichen “Haken und Oesen”, in
dynamischer Hinsicht von größter Spannbreite vom zartesten Piano
bis zum dreifachen Forte - das verlangt schon Profis größtes Können
und höchste Konzentration ab. Wie hoch muss man da den Einsatz von
Amateuren veranschlagen, auch wenn sie so ambitioniert sind wie die
Sängerinnen und Sänger des Mozartchores. Sicher könnte man dem Chor
zu seiner Perfektionierung noch einiges anempfehlen: Da dürfte sich
- im Sinne einer besseren Ausgewogenheit in den Frauenstimmen - der
Alt noch um einige Sängerinnen verstärken, da sollten in den
Männerstimmen im Sinne einer durchgängigen Gesangskultur die
gelegentlichen Ausbrüche unterbleiben und vor allem: Der Chor
sollte sich im Interesse seiner Zukunftsfähigkeit Gedanken über
seine Altersstruktur machen. Gelingt dies, kann sich der Mozartchor
auch künftig noch auf viele - von den musikalischen ebenso wie von
den physischen Herausforderungen her - höchst fordernde Konzerte
freuen, so wie man es jetzt beim “Elias” erleben durfte, wo eine
“große Nummer” auf die andere folgt und wo “Erholung” für die
Mitwirkenden kaum in Sicht ist.
Doch ist dies kein Problem dieses Chores allein.
Wer heute noch anspruchsvolle Chormusik auf hohem Niveau machen
will, wie dies dem Mozart-Chor immer wieder gelingt, der muss oft
weite Wege gehen, um ebenso engagierte wie begabte Mitstreiter zu
finden. In Dieter Hauß jedenfalls haben die Mozartianer einen
Leiter gewonnen, dem es gelingen könnte, an beste Tugenden dieses
Chores anzuknüpfen.
Ähnliches gilt
natürlich auch für das Zusammenwirken mit dem Orchester: Sicher
hätten noch einige Proben mehr mit den Prager Philharmonikern dem
Gesamtklang gut getan, hätten einige Unebenheiten geglättet werden
können, hätten sich die weite dynamische Spanne des “Elias” besser
darstellen lassen, wenn Dieter Hauß für weitere Detailarbeit Zeit
gehabt hätte. Aber mehr Proben kosten mehr Geld... Und so müssen
dieserart aufgestellte Konzerte bereits in die Öffentlichkeit, wenn
die Arbeit im Detail eigentlich erst richtig losgehen müßte - und
es dann auch anfangen würde, allen so richtig Spaß zu machen.
Aber auch das ist beim Mozart-Chor kaum anders als
bei anderen, vergleichbaren Ensembles. Es fehlt halt immer an “noch
mehr” Probenzeit. Und so mußte Dieter Hauß zum Beispiel damit
leben, dass die Bläser die dynamisch wunderschön differenzierende
lyrische Sopranistin Sigrun Haaser bei ihrer Eingangsarie zum
Zweiten Teil des Oratoriums “Höre Israel, höre des Herren Stimme”
phasenweise unsensibel “überspielten” und so den Willen zur
Gestaltung bei der Solistin im Ensemble “überstimmten” und so
verhinderten, dass eine bewegende, eine zum Teil tief anrührende
Aufführung noch schöner wurde.
Denn dass
dieser “Elias” bei aller Kritik im Detail dennoch zu einem großen
Oratorienabend wurde, dazu leisteten auch die Solisten einen
entscheidenden Beitrag: Da ließ der aus Dresden angereiste
Bariton Matthias Weichert schon zu Beginn mit der
von Mendelssohn im Stile eines gregorianischen Introitus vor die
Ouvertüre gestellten Einleitung aufhorchen, mit der er im
ausholenden Gestus des Propheten seine Rolle überzeugend
reklamierte. Ausgestattet mit einer relativ hell timbrierten
Bariton-Stimme hat Weichert “seinen” Elias mit eher lyrischen
Farben angelegt. In seinen beiden großen Arien “Herr Gott Abrahams”
und fast noch mehr mit “Es ist genug” rührte er die Zuhörer
zutiefst, beeindruckte sie dann aber gleichermaßen mit seinen
kraftvoll-federnden, zupackenden Koloraturen in der berühmten (und
gefürchteten) “Hammer-Arie” “Ist nicht des Herrn Wort wie ein
Feuer”. Ein Elias von allerbester Güte, in dem Weichert auch seine
hohe Ensemble-Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte.
Im
Zusammenklang mit Sigrun Haaser in dem “Duett mit
der Witwe” zum Beipiel konnten sich beide Stimme auf das beste
präsentieren, Haaser mit ihrem silbrig timbrierten, leicht und
beweglich geführten Sopran ebenso wie bei der späteren
“Israel”-Arie - betörend schön auch, wie sie sich im “Heilig”-
Quartett über die anderen Solisten und den Chor aufschwang.
Ein Glücksfall
auch der Berliner Tenor Mark Adler, der den seiner
lyrischen Stimme inne wohnenden Kern wohldosiert und glänzend
einzusetzen versteht. Das konnten die Zuhörer schon bei den
Obadja-Teilen zu Beginn des Oratoriums feststellen, das kam aber
schließlich noch einmal ganz besonders eindrucksvoll in der großen
Arie “Dann werden die Gerechten leuchten” zur Wirkung, wo Adler
seine Stimme - das Beste zum Schluss - noch einmal in schönster
Weise aufblühen lassen konnte.
Komplettiert
wurde das Solisten-Quartett schließlich durch die Mannheimer
Altistin Katharina Magiera, die über eine wahrlich
“große” Stimme verfügt und diese auch gerne “ausfährt”. Sie fand
sicher in den Teilen der Königin am überzeugendsten zu der
Charakteristik ihrer Stimme - zupackend und voller Dramatik.
Und schließlich nicht zu vergessen: Der Knabe, eine
junge Frau aus dem Chor, die “vom Berge herab”, von der Kanzel
herunter, ihren knabenhaft geführten Sopran verströmte. Schade nur,
dass sie in dem ansonsten höchst informativen Programmheft nicht
erwähnt wurde - sie hätte es verdient gehabt.
Alles in allem also ein großer Abend, den Dieter
Hauß konzentriert und unaufgeregt meisterte. Wer weiß, was es
bedeutet, einen so gewaltigen Apparat wie beim “Elias” frei von
Havarien um alle Klippen und Untiefen zu steuern, der kann dem
Dirigenten nur seine allergrößte Hochachtung erweisen. Die zweite
große Bewährungsprobe von Dieter Hauß nach seinem Premierenkonzert
- einem “Mozart-Requiem” zum Todestag des Namensgebers des Chores
im Januar - war mehr als das, was man so gemeinhin als Erfolg
bezeichnen könnte - es war das “Zurückmelden” eines bedeutenden
Trägers des kulturellen Lebens in Speyer in der ersten Reihe der
musikalischen Protagonisten der Stadt.
Da darf man sich - denn “nach dem Konzert ist vor
dem Konzert” - schon heute auf weiteres freuen - am 24. März 2012
auf Johann Sebastian Bach’s innig-monumentale “Matthäus-Passion”.
Foto: Thorsten Mohr
27.11.2011
Mendelssohns “Elias” - Bilderalbum
Beglückender musikalischer Abend im Speyerer Dom
Komponist Jürgen Essl mit dem Domorganisten Markus Eichenlaub
Erstes Konzert auf der neuen Domorgel mit
Welturaufführung
von Gerhard Cantzler
Es war ein großer, ein beglückender Tag für den
Speyerer Kaiser- und Mariendom und die Speyerer Dommusik, dieser
Sonntag, der so viel Neues für die Kathedrale brachte: Eine neue
Hauptorgel, die sich jetzt in Verbindung mit der schon seit zwei
Jahren ihren Dienst leistenden Chororgel als eines der
glanzvollsten Orgelszenarien weit und breit präsentiert und zum
anderen ein eigens zu dem Tag der Orgelweihe komponiertes Opus des
Stuttgarter Orgel-Professors Jürgen Essl, der dieses Werk aus
Verbundenheit zu seinem Freund, dem Speyerer Domorganisten Markus
Eichenlaub sowie in gespannter Erwartung auf das neue Instrument im
Speyerer Dom geschrieben hat.
Beides wurde - wie das gesamte Konzert am Abend der
Orgelweihe - zu einem unvergesslichen Premieren-Erlebnis. Die
Orgel, die in all ihrer klanglichen Vielfalt schon jetzt ihren
unverrückbaren Platz in der Kathedrale gefunden hat, die
Orgel-Suite “Zeit und Leben”, die Essl in der Interpretation von
Markus Eichenlaub mit ihrer zeitgemäßen Tonsprache bewusst in
Kontrast zu dem “klassischen Programm” aus Bach, Schumann und
Charles Marie Widor gesetzt hatte. Das Instrument, das durch seine
eindrucksvolle Präsenz in diesem Raum besticht, der über so viele
Jahre ob seiner akkustischen Schwierigkeiten herbe Kritik ertragen
mußte und den eigentlich nur ganz wenige Organisten in seiner
ganzen Komplexität durchmessen konnten. Jetzt erblühen einzelne
Stimmen, Stimmgruppen und Register in bisher ungekannter Klarheit
und Durchsichtigkeit.
Sicher: Die Freunde der Orgelmusik im Speyerer Dom
werden wohl noch eine ganze Weile brauchen, bis sie das neue
Instrument in seiner ganzen Variationsvielfalt mit Hilfe ihres
eigenen Sensoriums “in Besitz” genommen haben. Und das wird selbst
dem Domorganisten nicht anders ergehen, der faktisch nur wenige
Stunden Zeit hatte, sich auf seinen neuen “Arbeitsplatz” - auf
dessen mechanische Eigenheiten, auf die ungewohnte Traktur und die
akustische Situation in dem Gehäuse um den Spieltisch -
einzustellen.
Doch zumindest die Orgelfreunde werden in der
nächsten Zeit Gelegenheit finden, sich dem neuen Instrument Schritt
für Schritt weiter anzunähern, wenn in einer ganzen Serie weiterer
Konzerte “Hausorganisten” und Gäste “ihre Sicht” der neuen Domorgel
offenbaren werden. Am Weihetag selbst stand deshalb die Erwartung
auf das neue Opus von Jürgen Essl sicher mit an vorderster Stelle.
Und diese Erwartungen wurden nicht enttäuscht: Anklänge von
Gregorianik - so scheinen in dem Werk ein Ostergesang aus der
georgisch-orthodoxen Kirche ebenso auf wie ein Klagelied der
muslimischen Aleviten -werden durchfurcht von modernen
Klangaufbauten, die in ihrer Monumentalität an Essl’s Lehrmeister,
den großen französischen Komponisten Jean Francaix gemahnen. Ein
Werk - dem neuen Instrument angemessen - das ihm nicht nur
ungewöhnliche Klänge entlockt, sondern das zugleich auch ein
bewegendes musikalisches Plädoyer für religiöse und kulturelle
Toleranz zwischen den monotheistischen Weltreligionen darstellt.
Markus Eichenlaub stellte das Werk in überzeugender
Eindringlichkeit in den Raum - eine Komposition, die - der Orgel
gleich - nach seiner Welturaufführung sicher noch eine vielfach
wiederholte, intensive Befassung notwendig macht, um es in seiner
ganzen Tiefgründigkeit zu durchdringen.
Da hatten es die Zuhörer mit dem restlichen
Programm sicher einfacher, ist ihnen die Passacaglia in c von
Johann Sebastian Bach, ist ihnen die große Symphonie Nr. 6 g-Moll
von Charles–Marie Widor sicher näher, weil diese Stücke - zumindest
für Orgelfreunde - durchaus “alte Bekannte” sind. Hier konnte
Markus Eichenlaub seine großartige Kunstfertigkeit “ausfahren”,
konnte bei Bach die ostinaten Bässe “rauschen” und bei Widor die
vielfältig ineinander verschlungenen Stimmen neben- und
übereinander erblühen lassen - ein großer Genuss für alle
Konzertbesucher dieses Abends, die dann vermutlich durchaus dankbar
dafür waren, dass der Organist mit den “6 Studien in kanonischer
Form für Pedalklavier” von Robert Schumann etwas Ruhe in ein
insgesamt bewegtes und abwechslungsreiches Programm brachte.
Eröffnet hatte Eichenlaub den Abend übrigens mit
einem Marsch des britischen Komponisten Percy Whitlock und knüpfte
damit unmittelbar an den Weihegottesdienst an, den er mit einer
Fanfare dieses Komponisten beendet hatte.
Wie eingangs betont - ein großer, ein bewegender
Tag für den Speyerer Dom und seine Dommusik mit einem geradezu
überbordenden Ansturm interessierter Besucher - auch zu dem
abendlichen Konzert. Die für den nachmittäglichen Gottesdienst und
das Konzert am Abend genannten, jeweils 1.500 Zuhörer dürften da
eher zu niedrig geschätzt sein...
Die Folge: Ein totaler Verkehrskollaps schon bei
der Anreise der Gäste, total überlastete Parkplätze in der gesamten
Stadt - nicht zuletzt durch den gleichzeitig abgehaltenen
Bauernmarkt in der Innenstadt. Kein Wunder, dass da auch der
abgesteckte Zeitplan aus allen Fugen zu geraten drohte. Und so
konnte auch das abendliche Konzert erst mit Verspätung beginnen.
Doch als die ersten Akkorde des “Marsches” von Percy Whitlock den
Dom durchströmten, war alles Ungemach um Gedränge, Staus und
Verspätungen vergessen. Da war dann nur noch atemlose Konzentration
und pure Begeisterung, die sich anderthalb Stunden später in nicht
enden wollendem Beifall für Organist Markus Eichenlaub, seinen
Komponistenfreund Jürgen Essl und natürlich für die Hauptperson des
Tages, die neue Domorgel und ihre Erbauer entlud.
Wie gesagt: Ein großer Tag für den Speyerer Dom,
den die Freunde seiner Musik sicher in unvergesslicher Erinnerung
bewahren werden. Foto: sim
20.09.2011
Feierlich-demutsvoller Auftakt zu einem besonderen musikalischen Wochenende
Bruckner-Konzert
im Speyerer Dom setzt weiteres Highlight
Von Gerhard Cantzler
Eigentlich hätte man sich keinen angemesseneren
Einstieg in den großen Tag der Weihe der neuen Hauptorgel im
Speyerer Dom wünschen können als mit einem Konzert, das einem
einzigen Komponisten gewidmet war: Anton Bruckner, den “Musikanten
Gottes”, der in seiner tiefen Frömmigkeit Musik von unvergänglichem
Wert hinterlassen hat.
Und so fügte es sich wirklich mehr als passend,
dass die Speyerer Dommusik sich mit ihren zweiten Auftritt im
Rahmen der diesjährigen “Internationalen Musiktage Dom zu Speyer”
ein reines Bruckner-Programm ausgewählt hatte.
Mit großer Subtilität gestaltete Domkapellmeister
Markus Melchiori die Eröffnung dieses Konzertabends, indem er - der
Widmung des Mariendomes verpflichtet - ein “Ave Maria” für Alt-Solo
ins Programm genommen hatte - von Bettina Ranch mit berührendem
Ausdruck, geschmeidigem Timbre und sorgfältig ausgeglichen zwischen
den Registern bis in die tiefsten Lagen vorgetragen - zwischen zwei
“Aequali” für drei Posaunen eingebettet. Ein Konzertbeginn, der von
Anfang an den feierlich-demutsvollen Impetus der Bruckner’schen
Musik für diesen Abend in den Speyerer Dom übersetzte. Dazu passte
auch die von großer Erfahrung mit Raum und Instrument bestimmte,
gewohnt zurücktretende Begleitung der Altistin durch Domorganist
Markus Eichenlaub an der Chororgel des Domes.
Diesen Ansatz
übernahm Markus Melchiori auch in den zweiten Teil des Programmes,
in dem er den 2. Satz aus der V. Symphonie B-Dur , das “Adagio” mit
der Tempobezeichnung “Sehr langsam” von Anton Bruckner zur
Aufführung brachte. Mit diesem Werk, das er der Grundstimmung des
Abends entsprechend fast schon kammermusikalisch angelegt hatte,
konnte er einmal mehr zeigen, zu welch eindrucksvoller
Geschlossenheit sein Domorchester Speyer in der kurzen Zeit seines
Zusammenwirkens inzwischen schon gefunden hat. Warm timbrierte,
homogene Streicherflächen, würdig und feierlich daherkommende
Blechbläser -insbesondere auch in den hochsensiblen Horn-Passagen -
es war eine beeindruckende Musik, die das Domorchester zelebrierte,
die einmal mehr bewusst werden ließ, wohin die Bruckner’sche Musik
wirklich gehört: Nicht in den Konzertsaal, sondern unter die mit
“dem langem Nachhall der Ewigkeit” ausgestattete Kuppel einer
Kathedrale wie den Speyerer Dom.
Dieser Eindruck vermittelte sich auch bei dem
Höhepunkt des Konzertes, der Aufführung der Messe in d-Moll, zu der
sich der Speyerer Domchor, auch wenn er einige krankheitsbedingte
Ausfälle kompensieren musste, in gewohnter Geschlossenheit und
Durchsetzungsstärke präsentierte. Für einen eher semiprofessionell
agierenden Chor wie den Speyerer Domchor geht “ein Bruckner” mit
seinen oft überraschenden Tempowechseln, seinen harmonisch
ungewohnten Rückungen und dynamischen Wechseln schon manchmal bis
an die Grenzen der Leistungsfähigkeit - dennoch, der Domchor
bestand auch diese Herausforderungen einmal mehr bravourös.
In dem
Vokalquartett Katharina Leyhe, Sopran, Bettina Ranch, Alt,
Sebastian Hübner, Tenor und Manfred Bittner, Bass, stand Markus
Melchiori ein gleichrangiges Solistenensemble zur Verfügung, auch
wenn Bruckner die Solopartien eher “sparsam” ausgestattet hat und
den Solisten, sieht man von dem - einmal mehr - überzeugend
agierenden Bassisten Manfred Bittner ab, in der Messe keine großen
Gelegenheiten zur solistischen Darstellung bietet.
Noch eine Anmerkung zum Schluss: Wieder blieben bei
diesem Domkonzert viele Bankreihen leer - leider. Vielleicht ist es
das überreiche Angebot dieser Tage, das die Besucher - von denen
jeder sicher nur mit einem begrenzten finanziellen Budget
ausgestattet ist - davon abhält, noch mehr Konzerte zu besuchen.
Und dann wird das Bessere rasch zum Feind des Guten, machen die
eigenen Veranstaltungen der eigenen Veranstaltungsreihe direkte
Konkurrenz.
Dennoch: Wer sich an diesem Abend davon hat
abhalten lassen, in den Dom zu kommen, der hat etwas wirklich ganz
Besonderes versäumt: Ein hochrangiges, dem Jubiläumsjahr der
Domweihe und dem überragenden Ereignis der Orgelweihe an diesem
Wochenende entsprechendes Konzert, für das man Domkapellmeister
Markus Melchiori und seinem Ensemble Dank und Beifall zollen muss,
so wie es die Zuhörer, die den Weg in den Dom gefunden hatten,
lange und ausdauernd taten. Foto: sim
18.09.2011
Bruckner-Konzert im Dom - Bilderalbum
Annäherungen an ein Meisterwerk - die neue Hauptorgel im Speyerer Dom
von Gerhard
Cantzler
Speyer- Noch ist sie stumm - die
imposante neue Domorgel - doch am kommenden Sonntag, am 18.
September, wird sie nach ihrer Weihe durch Bischof Dr. Karl-Heinz
Wiesemann im Rahmen einer feierlichen Pontifikalvesper um 15.30 Uhr
zum ersten Mal ihr vielstimmiges Gotteslob ertönen lassen. Im
Rahmen einer Begehung auf der Orgelempore des Kaiser- und
Mariendomes konnten jetzt Journalisten eine erste Annäherung an das
eindrucksvolle Instrument unternehmen. “Es macht den Menschen schon
sehr klein, inmitten dieses gewaltigen Werks zu stehen”, schilderte
dabei einer der Besucher seine Gefühle, “um vielviel
eindrucksvoller muss es aber erst sein, wenn die bis zu zehn Meter
hohen Pfeifen ihr Brausen erschallen lassen”.
Gut 13 Jahre hatte es gedauert, bis das Werk, das
sich im Zusammenklang mit der schon vor drei Jahren geweihten
Chororgel als liturgische und musikalische Einheit versteht,
endlich gebaut worden war. Viele grundsätzliche Diskussionen gingen
der Entscheidung voraus - bis hin zu der Frage, ob die “alte”
Scherpf-Orgel überhaupt durch ein neues Instrument ersetzt werden
sollte. Erst der persönliche Einsatz von Altbundeskanzler Dr.
Helmut Kohl - bis heute Vorsitzender der “Europäischen Stiftung
Kaiserdom” und selbst ein großer Freund geistlicher Orgelmusik -
war es, der, nachdem er die Unternehmerfamilie Quandt (BMW) zu
einer zweckgebundenen Spende in Höhe von 3 Millionen D-Mark - heute
einschl. Zinsen 1,8 Mio. EURO - zugunsten des Orgelneubaus bewegen
konnte, den Weg ebnete für ein Werk, das seinesgleichen suchen
dürfte in Deutschland und wohl auch in Europa.
Nachdem die Finanzierung gesichert war, ging es
erst richtig los: In zahlreichen Gremiensitzungen, an denen viele
internationale Orgelexperten beteiligt waren, mussten zunächst
wesentliche Vorentscheidungen getroffen werden: Von der
grundsätzlichen Planung - dem Zusammenwirken zwischen einer Chor-
und der Hauptorgel - über die Disposition der beiden neuen
Orgelwerke - bis hin zu der Gestaltung des Prospektes der Orgeln,
was sich gerade bei der Hauptorgel angesichts des hohen
Stellenwertes denkmalschützerischer Aspekte bei der Umsetzung
baulicher Veränderungen im Dom als besondere Herausforderung
herausstellen sollte.
Nach jahrelangen gründlichen Beratungen standen
schließlich die wesentlichen Entscheidungen fest - so wie sie sich
jetzt im Dom darbieten: Mit der Chororgel, die im November 2008
ihren Dienst aufnahm und der gewaltigen Hauptorgel, die ab dem
kommendem Sonntag zu hören sein wird. Das zwölf Meter hohe,
neuneinhalb Meter breite und fast sechs Meter tiefe Instrument
verfügt über 85 Register und wird über einen viermanualigen
Spieltisch gespielt, von dem aus auch die kleinere Orgel im
Königschor angespielt werden kann. In zwei Etagen umfasst das
riesige Werk 5496 Pfeifen aus einer Zinn-Blei-Legierung bzw. aus
Holz.
Aber auch mit allerlei elektronischen “Helferlein”
ist das neue Instrument reichlich bestückt: So kann der Organist
zum Beispiel die von ihm gespielte Musik aufzeichnen, um sie danach
in ihrer Wirkung im Kirchenraum und für die Zuhörer zu
kontrollieren, um gegebenenfalls noch Korrekturen an dem Mix der
Registratur vorzunehmen.
Und auch für eine vorbildliche Kommunikation mit
den verschiedenen Orten der Liturgie ist gesorgt. Das gilt für den
Kontakt mit dem Chor auf der Chorempore unterhalb des
Orgelspieltischs oder auch bei einem Chorauftritt im Königschor -
Modernste technische Hilfsmittel zur Optimierung Jahrhunderte alter
Musik.
Was den Orgelprospekt angeht, so entschied sich die
Jury schließlich für den jetzt verwirklichten Entwurf des bekannten
Kölner Architekten Prof. Gottfried Böhm (der SPEYER-KURIER
berichtete darüber), der das Orgelwerk quasi schwebend in die
Emporenöffnung der Westwand des Domes integrierte und damit der
Tatsache Rechnung trägt, dass zur Zeit des Dombaus vor 950 Jahren
noch kein Metall in dem Steinbauwerk verarbeitet wurde. (
Interview mit Prof. Gottfried Böhm in der rechten Spalte)
Für Domorganist
Markus Eichenlaub geht eine aufregende Zeit zu Ende. “Wir haben oft
mit Tränen in den Augen gelauscht, wenn wieder eine neue
Registergruppe zum Leben erweckt wurde”, erinnert er sich an die
langwierige Arbeit der Orgelgrundstimmung und gesteht unumwunden,
dass es für einen Organisten sicher das schönste Ereignis in seinem
Berufsleben darstellt, das “Werden” eines solchen Instrumentes
mitzuerleben.
Nun bleiben ihm noch drei Tage, um sich auf die
Orgelweihe und vor allem auch auf “sein” erstes Orgelkonzert auf
dem neuen Instrument vorzubereiten, das er noch am Abend des
Weihetages, am 18. September 2011 um 20.00 im Dom geben wird. Auf
dem Programm dieses Konzertes, für das kein Eintritt erhoben wird,
stehen Werke von Percy Withlock, Johann Sebastian Bach, Robert
Schumann und Charles-Marie Widor. Außerdem wird eine eigens zu
diesem Anlass entstandene Auftragskomposition des Stuttgarter
Orgelprofessors Jürgen Essl ihre Uraufführung erleben.
Und was empfindet Domorganist Eichenlaub, wenn er
an das neue Instrument denkt? “Dankbarkeit und Respekt”, antwortet
er spontan, “Respekt vor denen, die dieses neue Instrument möglich
gemacht haben. Und dann Vorfreude und große Neugierde darauf, was
mit dem neuen Orgelwerk gelingen wird”.
Für noch einen wird dieser Tag sicher ebenfalls mit
großen Emotionen verbunden sein: Für Prof. Leo Krämer, Eichenlaubs
Vorgänger im Amt des Domorganisten, der sich nahezu von Anbeginn
seiner Tätigkeit am Speyerer Dom im Jahr 1971 für eine Verbesserung
der nach seiner Überzeugung unbefriedigenden Orgelsituation an der
Kathedrale stark gemacht hatte. Er hatte wohl kaum noch damit
gerechnet, eine so überzeugende Lösung des von ihm immer wieder
bedauerten Zustandes erleben zu dürfen, wie sie jetzt - durch die
Orgelbauwerkstätte Seifert in Kevelaer vorbildlich umgesetzt - dank
der Initiative von Altbundeskanzler Dr. Helmut Kohl und der
Großzügigkeit der Familie Quandt möglich geworden ist. Foto:
sim
14.09.2011
Die neue Domorgel - Bilderalbum
Weitere Höhepunkte bei Internationalen Dom-Musiktagen
Bachs „Messe in h-Moll“, Krpytakonzert und
Brucknerwerke
Speyer- Bachs
„opus summum“, die „Messe in h-Moll“ gilt als einer der Höhepunkte
der gesamten Musikgeschichte. Die festliche Aufführung am Sonntag,
11. September, bildet einen besonderen Glanzpunkt der
„Internationalen Musiktage Dom zu Speyer“. Mit dem „Deutschen
Kammerchor“ und dem Barockorchester „L´arpa festante“ stehen
ausgewiesene Experten der Barockmusik zur Verfügung und garantieren
unter der Leitung von Markus Melchiori eine nicht alltägliche
Aufführung.
Das zweite Kryptakonzert der Reihe am Mittwoch, 14. September, hat
die Gottesmutter Maria, als Patronin des Domes, zum Thema. Musik
aus Renaissance und Frühbarock von Orlando di Lasso, Claudio
Monteverdi, Johannes Eccard, Johann Pachelbel und anderen werden
vom „Marais Consort“ in der Besetzung für Solo–Sopran und
Gambenconsort erklingen.
Werke Anton Bruckners werden am Samstag, 17. September, im Dom zu
hören sein. Neben dem „Adagio“ der „V. Symphonie“ kommt die „Messe
in d–Moll“ zu Gehör. Gemeinsam mit dem Domchor und dem Domorchester
musizieren die Gesangssolisten Katharina Leyhe (Sopran), Bettina
Ranch (Alt), Sebastian Hübner (Tenor) und Manfred Bittner (Bass)
unter der Stabführung von Domkapellmeister Markus Melchiori.
Die Konzerte beginnen jeweils um 20 Uhr im Dom zu Speyer; Karten:
Rheinpfalz Ticket Service - Hotline 0180 5003417 oder an der
Abendkasse (Öffnung 19.00 Uhr, Einlass 19.30 Uhr). - Weitere Infos:
www.dommusik-speyer.de Bischöfliches
Ordenariat Pressestelle, Speyer
07.09.2011
Mendelssohn -“Lobgesang”: Überzeugender Start in Musiktage 2011
Mit einer eindrucksvoll bewegenden Aufführung von
Felix Mendelssohn-Bartholdys Sinfoniekantate Nr. 2 “Lobgesang”
eröffnete jetzt die Speyerer Dommusik die “Internationalen
Musiktage Dom zu Speyer 2011” im Jahr des 950. Weihejubiläums der
Kathedrale. Für viele Musikkenner steht dieses Werk
gleichberechtigt in einer Reihe mit den großen Oratorien des
Komponisten, mit dem “Elias”, mit “Paulus”, aber auch mit dem
seltener zu hörenden Oratorium “Athalia”. Sie alle waren übrigens
in früheren Jahren schon im Dom zu hören - allein der “Lobgesang”
fehlte noch, der aufgrund seiner musikalischen Dichte und seines
durchgehend hohen Anspruchs an Chor, Solisten und Orchester
vielleicht sogar noch ein Quäntchen höher zu bewerten ist als die
anderen vokalen Meisterwerke Mendelssohns.
Mit Mechthild Bach (Sopran), Susanne Scheffel
(Mezzosopran) und Julian Prégardian (Tenor) hatte Domkapellmeister
Markus Melchiori ein Solistenterzett gewinnen können, von denen
jeder in seiner Art mehr als nur überzeugen konnte: Mechthild Bach
mit ihrem engelsgleichen “Verkündigungs”-Sopran, weich und hoch
beweglich und dennoch durchsetzungsstark, die Mezzo-Sopranistin
Susanne Scheffel, im Speyerer Dom schon des öfteren eingesetzt, mit
überzeugend warmen, zum Alt hin tendierenden Registern und
schließlich die Überraschung dieses Abends: Der Tenor Julian
Prégardien mit seiner überaus sensibel geführten, in allen
Registern ausgeglichen ansprechenden lyrischen Tenorstimme - ein
Glücksfall für die Mendelssohn-Oratorien und fast noch mehr für die
höchst anspruchsvolle Tenorpartie im “Lobgesang”.
Überzeugend
studiert präsentierte sich auch Markus Melchiori’s Speyerer
Domchor, dem gerade im Jubiläumsjahr des Speyerer Domes in
Konzerten mit Werken von Mendelssohn, Bruckner und der
Welturaufführung einer Messe des Eichstätter Domkapellmeisters
Christian Heiß für einen Laienchor Bemerkenswertes abverlangt wird.
Dass er dieser Anforderung durchaus zu entsprechen vermag, zeigte
sich nicht zuletzt in der in unvergleichlicher Weise in Szene
gesetzten Schlussfuge des “Lobgesangs” “Alles, was Odem hat, lobe
den Herrn” - mit seinen gewaltigen polyphonen Aufbauten, die am
Schluss - ganz typisch für Mendelssohn - in einen überwältigenden
Hymnus einmünden.
Ein ebenbürtiger Partner für Chor und Solisten: Das
Domorchester, zusammengestellt aus Orchestermusikern aus der
Region, das sich zwar durchaus noch in einer Selbstfindungsphase
befindet, das aber auf dem gemeinsamen Weg mit dem Speyerer
Domkapellmeister schon ein bemerkenswertes Stück zurückgelegt hat.
Dies wurde in schönster Weise in den orchestralen Eingangssätzen
des “Lobgesanges” deutlich.
Eröffnet wurde der Konzertabend gleichfalls mit
Mendelssohn: Dem Psalm 95, op. 46 “Kommt, lasst uns anbeten und
knien vor dem Herrn” für Mezzosopran und Chor für vier bis acht
Stimmen. Auch hier erwies sich der Chor als absolut standfest und
in den kleinen Fugati überaus beweglich.
Schade nur, dass in dem Eröffnungskonzert der
diesjährigen Musiktage doch noch so viele Zuhörerplätze frei
blieben. Die vorzügliche Qualität dieses Abends hätte sicherlich
ein voll besetztes Haus verdient gehabt. Aber vielleicht braucht
das Konzertpublikum in der Region noch einige Zeit, um die
Konzertreihe wieder “voll auf ihrem Schirm” zu haben - das noch
ausstehende Programm jedenfalls würde es an jedem Abend lohnen, den
Weg nach Speyer auf sich zu nehmen. Und vielleicht würde auch eine
offensivere Öffentlichkeitsarbeit für die Musiktage ein Übriges für
eine breitere Akzeptanz dieser hörenswerten Konzertreihe leisten.
gc / Fotos: KieniPress
03.09.2011
Start in die Musiktage 2011
Internationale Dom-Musiktage: Auftakt am 2. September
Musikfestival steht 2011 ganz im Zeichen des 950.
Jahrestages der Domweihe
Das
Jahr 2011 steht in Speyer ganz im Zeichen des 950. Jahrestages der
Domweihe. Die diesjährigen „Internationalen Musiktage Dom zu
Speyer“, die am 2. September beginnen, lassen annähernd eintausend
Jahre Musik gewordenes Gotteslob in dem einzigartigen Kaiser- und
Mariendom lebendig werden. Von der Gregorianik bis hin zu Werken
der Gegenwart spannt sich der Bogen mit Meilensteinen der
Kirchenmusik.
Mendelssohns „Lobgesang - Symphonie“ in B-Dur, opus 52 mit dem
unvergleichlich vertonten Aufruf „Alles was Odem hat, lobe den
Herrn“ und die Vertonung des 95. Psalms „Kommt, lasst uns anbeten“,
opus 46 bilden den Auftakt der Musiktage am Freitag, 2. September
(20 Uhr). Die Solisten Mechthild Bach (Sopran), Susanne Scheffel
(Mezzosopran) und Julian Prégardien (Tenor) musizieren gemeinsam
mit dem Domchor und dem Domorchester unter der Leitung von
Domkapellmeister Markus Melchiori.
Am Samstag, 3. September (20 Uhr), garantieren die Pilgergesänge
des „Llibre Vermell de Montserrat“ aus dem Jahr 1372 ein
eindrückliches Erlebnis im Zusammenspiel von Klang und Raum. Diese
teils geistlichen, teils weltlichen Gesänge werden nicht nur
akustisch, sondern auch visuell im Dom lebendig werden. Die
Ausführenden sind das „Ensemble Sarband“ sowie der „Osnabrücker
Jugendchor“ unter der Leitung von Johannes Rahe.
Im ersten der drei Kryptakonzerte am Mittwoch, 7. September (20
Uhr), ist das Frauenvokalensemble „Ars Choralis Coeln“ unter der
Leitung von Maria Jonas zu Gast. Mit dem Titel „Die Rose van
Jhericho - Das Liederbuch der Anna von Köln (um 1500)“ wird das
Ensemble sängerisch und in Kombination mit mittelalterlichen
Instrumenten eine eigene Klangwelt in der wunderbaren Akustik der
Krypta aufleben lassen.
Karten: Rheinpfalz Ticket Service - Hotline 0180 5003417 oder an
der Abendkasse (Öffnung 19 Uhr, Einlass 19.30 Uhr). – Weitere
Informationen: www.dommusik-speyer.de.
Bischöfliches Ordenariat Speyer
26.08.2011
Dommusik Speyer stellt neues Programm vor
Flyer für das zweite Halbjahr erschienen
Mit einem neuen Flyer informiert die Dommusik Speyer über das
musikalische Programm im zweiten Halbjahr 2011. Schwerpunkte sind
neben den Internationalen Musiktagen im September die
Feierlichkeiten zur Domweihe Anfang Oktober mit anschließender
Wallfahrtswoche.
„Wir nehmen in diesem Jahr mit vielen unserer musikalischen
Aktivitäten das Domweihjubiläum in den Blick. Aber auch beliebte,
bewährte Veranstaltungen wie Bachs Weihnachtsoratorium und das
festliche Neujahrskonzert haben ihren Stellenwert behalten“, so
Domkapellmeister Markus Melchiori bei der Präsentation des
Programms.
Für das Weihnachtsoratorium am 16. Dezember (20 Uhr) und das
festliche Neujahrskonzert am 1.Januar 2012 (15 Uhr) hat
bereits der Vorverkauf begonnen.
Karten sind beim Rheinpfalz-Ticket-Service zu erwerben.
Weitere Informationen: www.dommusik-speyer.de. Text:
Dommusik, Pressestelle, Speyer
07.07.2011
Der Lohn der guten Tat
Ein genüsslicher
Orgelspaziergang zu den vier Hauptkirchen in
Speyer.
von Gerhard Cantzler
Wer am
vergangenen Sonntag durch die Speyerer Innenstadt spazierte,
glaubte an eine Erscheinung: Alle drei viertel Stunde öffneten sich
die Tore einer der großen Innenstadtkirchen und Hunderte, gefühlte
Tausende, von Besuchern strömten von einem Gotteshaus zum nächsten.
Was niemand für möglich gehalten hätte: Trotz des frühsommerlichen
Maiwetters, das schon die ersten Unentwegten an die Badestrände und
in die Biergärten lockte, war der Hohe Dom zu Speyer schon zur
frühen Nachmittagsstunde so gut gefüllt wie sonst nur an hohen
kirchlichen Feiertagen. Der Grund: Mit Christoph Keggenhoff
schickte sich der erste von vier Titular-Organisten an den Speyerer
Hauptkirchen an, den “Bock” der ersten an diesem Tag zum Klingen zu
bringenden Orgeln zu erklimmen: Die Chororgel im Speyerer Dom.
Das neueste Instrument aus der reichen Speyerer
Orgellandschaft lässt schon heute erahnen, was die Dombesucher
erwartet, wenn nach dem 19. September dieses Jahres auch die neue
Hauptorgel erklingt. Allein oder im Zusammenspiel der beiden
Instrumente wird dann ein überwältigender Gesamteindruck möglich
werden.
Für sein Auftaktkonzert hatte sich Christoph
Keggenhoff zwei recht unterschiedliche Kompositionen ausgesucht:
Die Orgelbearbeitung des “Gloria” aus der “Missa de Beata Virgine”
des am Hofe der kunstsinnigen Herzöge Gonzaga in Mantua wirkenden
Girolamo Cavazzoni im ersten und die Sonate Nr. 1 d-Moll des
Mendelssohn-Zeitgenossen August Gottfried Ritter, einer der frühen
Vertreter der romantischen Orgelmusik.
Beide Werke erlaubten es Keggenhoff, einen reichen
Ausschnitt aus den vielfältigen Klangmöglichkeiten des neuen
Instrumentes virtuos zu präsentieren, um dann auch schon hinüber zu
leiten zur zweiten Kirche, zur zweiten Orgel - diesmal in der
Protestantischen Dreifaltigkeitskirche, nur einen Steinwurf vom Dom
entfernt - und wiederum zu Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Hier hatte sich Domkapellmeister Markus Melchiori
mit dem Speyerer Violin-Virtuosen Daniel Spektor am Spieltisch des
bejahrten Instrumentes hoch über dem Kirchenschiff zusammen getan,
um die inzwischen noch weiter angewachsene Zuhörerschar zunächst
mit dem “Salut d’amour” von Edgar Elgar zu entzücken, einem Stück,
das man, ähnlich wie die später zu hörende “Meditation” aus der
Lyrischen Komödie “Thais” von Jules Massenet getrost zu den
“Rennern” der gehobenen Salonmusik im 19. und 20. Jahrhundert
zählen darf. Zuvor schon hatte Markus Melchiori das Praeludium
G-Dur, op. 37/2 von Felix Mendelssohn-Bartholdy ins Programm
gehoben, eines der Praeludien, die Mendelssohn anlässlich seiner
Hochzeitsreise in Speyer komponiert und auf der Orgel der
Dreifaltigkeitskirche zum ersten Mal gespielt hatte. Dass das
Instrument damals allerdings dem Komponisten nur Hohn und Spott
abgenötigt hatte, ist heute kaum noch zu spüren - zu oft haben die
Hände gütiger Orgelbauer “dem alten Kasten” auf die Sprünge
geholfen. Mit Markus Melchiori hatte das Instrument zudem auch
“einen Meister” gefunden, der durch geschickte Registrierung und
kluge Tempi-Wahlen die “alte Dame” behutsam über ihre Schwächen
hinweg trug.
In Daniel Spektor hatte Melchiori zudem einen
kongenialen Partner gefunden, der unprätentiös, mit sauberem Ansatz
und weicher Klanggebung - ganz in der Tradition osteuropäischer
Geiger - auch bei der Instrumentalfassung von Mendelssohns “Auf
Flügeln des Gesanges” und vor allem in der Sonate G-Dur, BWV 1021
von Johann Sebastian Bach zu gefallen wusste.
Als die
lang applaudierende Zuhörerschar dann weiter zog, war die
Maximilianstraße inzwischen “Schwarz vor Menschen”.
In der Pfarrkirche St. Joseph traf die große
Orgelgemeinde sodann auf Domorganist Markus Eichenlaub, der mit der
beliebten Toccata, dem Adagio und der Fuge in C, BWV 564 von Johann
Sebastian Bach, den - liturgisch-korrekten - Variationen über
“Maria Maienkönigin” des Hochromantikers Carl Sattler sowie der
Toccata in e op. 1 des zeitgenössischen Komponisten Jürgen Essl
seinerseits einen Eindruck von breitem Können gab: Vom Instrument
und vom Künstler gleichermaßen. Schade eigentlich, dass die riesige
Wilbrand-Orgel in St. Joseph eigentlich immer im Schatten der
großen Dom-Orgel gestanden hat - um so dankenswerter, dass man nun
das Instrument im unmittelbaren Vergleich mit den anderen großen
Orgeln in Speyer und meisterlich präsentiert von Markus Eichenlaub
erleben durfte. Ein Vergleich, dessen baldiges DaCapo man sich
wünschen würde.
Vergleichen konnte man schließlich auch auf der
letzten Station des Orgelspaziergangs:
Auf der großen Kleuker-Orgel der Gedächtniskirche
präsentierte Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger köstliche
Miniaturen kompositorischer Umsetzungen von Naturphänomenen aus
vier Jahrhunderten: Der erklang der Ruf des Kuckucks in der
musikalischen Sprache des großen Franzosen Louis-Claude Daquin, da
zwitscherten die Vögel in der Art seines neuzeitlichen Kollegen
Olivier Messiaen - beides eingerahmt vom großen Heiligen aller
Organisten, Johann Sebastian Bach und seinem Zeitgenossen Johann
Kaspar Kerll.
Auch Robert Sattelberger erwies sich an diesem
Nachmittag als gleichrangiger Partner seiner katholischen
Kollegen.
Ja und dann sollte es am Schluss noch ein ganz
besonderes “Schmankerl” geben: Einen Tango von Thomas Roß “für vier
Organisten, 40 Finger und 424 Tasten”. Ein reizvolles Experiment
zweifelsohne, gut geeignet als “Rausschmeißer” eines anregenden
Orgelnachmittags. Nur schade, dass die Besucher des Konzerts nicht
sehen konnten, wie sich die vier Spieler auf der gemeinsamen
Orgelbank um die Tasten drängten - hören konnten sie es nur in ganz
wenigen Passagen. Wie meinte ein Zuhörer beim Rausgehen? “Da war
eigentlich nicht viel dabei, was man mit zwei gesunden Händen und
zwei Füßen nicht auch allein hätte spielen können”.
Aber gut: Versuchen kann man’s ja mal.
Aber zurück zum Ernst der heiteren Muse: Da war
dann ja auch noch die angekündigte gute Tat. Sie allein schon hätte
den Besuch dieses opulenten Orgel-Abenteuers gelohnt. Um was ging’s
dabei, und um was geht es dem Speyerer Domorganisten immer
wieder?
Hanna S., gleichermaßen ambitionierte wie
hochbegabte Orgel-Schülerin von Markus Eichenlaub an der Essener
Folkwang-Hochschule, erlitt als Zwanzigjährige einen harmlos
scheinenden grippalen Infekt. Eine alltägliche Geschichte, sollte
man denken. Doch anders bei Hannah S.: Bei ihr setzte statt Heilung
ein Prozess erschreckenden körperlichen Verfalls ein. Todesangst
überkam die junge Frau - 2005 konstatierten Immunologen bei Hannah
S. die neuroimmunologische Erkrankung ME/CFS - Myalgische
Enzephalomyelitis I Chronic Fatigue Syndrom. Die Ursachen dieser
Erkrankung - mitunter nicht ganz zutreffend als
“Dauer-Ermüdungs-Syndrom” umschrieben - sind bis heute noch nicht
erforscht. Experten schätzen, dass allein in Deutschland mehr als
300 000 zumeist junge Menschen an dieser Krankheit leiden. Sie alle
fallen durch alle Raster sozialer Versorgung, da die Krankheit in
Deutschland - im Gegensatz z.B. zu Kanada - nur unzureichend
bekannt und als versorgungsfähig anerkannt ist.
Bei einer so desolaten Ausgangslage war es Markus
Eichenlaub ein Leichtes, seine Kollegen und einen Großteil des
dankbaren Orgelpublikums davon zu überzeugen, dass es mehr als
lohnend ist, sich dafür einzusetzen, den an ME/CFS erkrankten
Menschen wie Hannah S. durch Informationen über die Krankheit,
durch Vorantreiben entsprechender Forschungsprojekte und
hoffentlich auch in nicht allzu ferner Zukunft durch geeignete
therapeutische Maßnahmen Hilfe zuteil werden zu lassen.
Informationen zum ME/CFS: info@Lost-Voices-Stiftung.org Alle
Fotos: Hild
24.05.2011
Ungewöhnliche Orgelreise im Dom zu Speyer
Wladimir Matesic am
29. Mai zu Gast - Werke aus Italien und Frankreich Speyer (is). Im
zweiten Konzert des diesjährigen internationalen Orgelzyklus
gastiert im Dom zu Speyer am Sonntag, 29. Mai (20 Uhr), mit
Wladimir Matesic einer der führenden italienischen Organisten. Das
Konzert trägt die Überschrift „Italien-Frankreich-Italien: eine
ungewöhnliche Orgelreise“. Ungewöhnlich und vielfältig ist die
Werkauswahl, die der in Bologna geborene Organist getroffen hat und
so für ein hohes Maß an Abwechslung und musikalischer Spannung
sorgt. Wladimir Matesic, derzeit als Orgelprofessor am Staatlichen
Konservatorium Triest tätig, beginnt diese Reise mit dem für Orgel
bearbeiteten c-Moll-Konzert von Antoni Vivaldi. Darauf folgen von
Luca Salvadori die „Vier Jahreszeiten - Ouroboros“. Das Allegro
Rustico von Pietro Yon bildet die musikalische Grenzüberschreitung
von Italien nach Frankreich, das zunächst von Camille Saint-Säens
mit dem Präludium und Fuge d-Moll vertreten ist. Zum 100. Todestag
wird Jehan Alain mit dessen Variationen über “Lucis creator”
gedacht. Zwei Jubilare - Alexandre Guilmant (100. Geburtstag) und
Marco Enrico Bossi (150. Geburtstag) - beschließen mit der
Pastorale und der “Hora Gaudiosa” diesen kurzweiligen Orgelabend.
Matesic, der in Bologna, Freiburg, Luzern und Rotterdam studierte,
ist Preisträger der internationalen Orgelwettbewerbe von Nijmwegen,
Gravina und Rom.
Karten zu acht Euro (ermäßigt fünf Euro) sind ab 19.30
Uhr am Hauptportal an der Abendkasse erhältlich.
Bischöfliches Ordinariat Speyer Pressestelle
20.05.2011
Internationale Orgelkonzerte ganz im Zeichen der Orgelweihe
Neun Organisten aus Europa und Nordamerika spielen 2011
im Dom zu Speyer Speyer (is).
Am Ostermontag, 25. April (20 Uhr), wird durch Domorganist
Markus Eichenlaub der diesjährige Zyklus der Internationalen
Orgelkonzerte im Dom zu Speyer eröffnet. Das Programm, das ganz im
Zeichen der österlichen Auferstehung steht, umfasst Werke von
Charles Tournemire (Choral-Improvisation „Victimae paschali
laudes“), Richard Purvis (Partita „Christ ist erstanden"), Hans
Buchner (Sequentia „In Resurrectione Domini"), Denis Bédard
(Meditation „O Filii et filiae“) und Charles-Marie Widor (Finale
„Haec dies“ aus der Symphonie No. 10 „Romane“). Zentrales Werk des
Orgelabends ist die Choralphantasie „Christ ist erstanden“ für
Orgel und zwei Schlagzeuger von Knut Nstedt. Den Schlagzeugpart
übernehmen Klaus Wissler und Arthur Adler von der
Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.
Auch wenn es noch fünf Monate dauert, bis die neue Hauptorgel
mit ihren 85 Registern und insgesamt 5556 Pfeifen im Dom am 18.
September erstmals erklingt, so wird die Zeit bis dahin nicht frei
von Orgelmusik sein, hat sich doch die Chororgel auf dem Königschor
in Liturgie und Konzert seit ihrer Einweihung vor mehr als zwei
Jahren bestens bewährt. Eichenlaub, künstlerischer Leiter der
Internationalen Orgelkonzerte, hat für den diesjährigen Zyklus
Organisten aus Europa und Nordamerika nach Speyer verpflichten
können.
Am 29. Mai wird Wladimir Matesic (Triest/Italien), der mit
Werken von Vivaldi bis Salvadori „Eine ungewöhnliche Orgelreise“
unternimmt, die Reihe fortsetzen. Ihm folgt Esteban Elizondo (San
Sebastian/Spanien), der am 26. Juni mit einem rein spanischen
Programm quer durch die Epochen aufwartet.
Österreich wird am 31. Juli durch den Grazer Domorganisten
Christian Iwan vertreten sein, der unter anderem mit dem opulenten
Orgelwerk „Prélude, Adagio et Choral Veni Creator“ von Maurice
Duruflé aufhorchen lässt.
Der weltweit gefeierte Organist Kalevi Kiviniemi aus dem
finnischen Lahti wird am 28. August mit „Musik bedeutender
Improvisatoren“ zu hören sein.
Ein zentrales Musikereignis in diesem Jahr für die gesamte
Region folgt am 18. September mit der Weihe der neuen Hauptorgel im
Dom durch Diözesanbischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann (15.30 Uhr).
Nach der Weiheliturgie wird Markus Eichenlaub das neue Instrument
ab 20 Uhr erstmal konzertant erklingen lassen. Das Programm enthält
Werke von Bach, Elgar, Pärt und Widor. Zudem kommt es zur
Uraufführung eines umfangreichen Orgelwerks, das die Speyerer
Dommusik anlässlich der Orgelweihe bei dem Stuttgarter Komponisten
und Orgelprofessor Jürgen Essl in Auftrag gegeben hat.
Am Mittwoch, 21. September, wird der stellvertretende
Domorganist Christoph Keggenhoff mit Werken von Ritter, Alain,
Vogel und Franck (Grande pièce symphonique) zu hören sein.
Keggenhoff war an der Konzeption der Chor- und Hauptorgel
maßgeblich beteiligt. Mit Werken für Orgel und Orchester
präsentiert sich die Domorgel am Sonntag, 25. September, erstmals
auch als Begleiterin symphonischer Orchesterklänge. Das
Heidelberger Kantatenorchester unter der Leitung von
Domkapellmeister Markus Melchiori wird gemeinsam mit Domorganist
Eichenlaub Kompositionen von Bossi (Konzert a-Moll) und Poulenc
(Konzert g-Moll) wiedergeben, die durch Fantasie und Fuge g-Moll
ergänzt werden. Dieses Konzert bildet auch gleichzeitig den
Abschluss der „Internationalen Musiktage Dom zu Speyer.“
Mit Stephen Tharp betritt am 28. September ein weiterer Organist
von Weltrang Speyerer Boden. Der in New York beheimatete Musiker,
Komponist und Arrangeur wird die ausladende Orgelsymphonie Nr. 8
von Félix-Alexandre Guilmant sowie die in Rhythmus und Tonsprache
ergreifenden „Trois Danses“ von Jehan Alain zu Gehör bringen.
Ein Sonderkonzert erinnert am 22. Oktober, seinem 200.
Geburtstag, an Franz Liszt. Neben seinem „Präludium und Fuge über
BACH“ sowie der Fantasie und Fuge über „Ad nos salutarem undam“,
die zum festen Bestandteil der Orgelliteratur gehören, sind die
„Vogelpredigt des heiligen Franz von Assisi“ und die „Evocation à
la Chapelle Sixtine“ zu hören. Interpret an der Hauptorgel wird
Domorganist Markus Eichenlaub sein.
Am 30. Oktober macht der amtierende Titularorganist Patrick
Delabre aus Speyers Partnerstadt Chartres der neuen Seifert-Orgel
seine Aufwartung. Ein rein französisches Programm mit Werken von
Alain, Vierne, Dupré sowie einer Improvisation garantieren ein
abwechslungsreiches Hörvergnügen.
Guy Bovet (Neuchatel/Schweiz) sorgt am 27. November für einen
fulminanten Abschluss der diesjährigen Orgelkonzertreihe. Der
Interpret, der schon häufig als Solist und Juror des
Orgelwettbewerbs in Speyer zu Gast war, lässt die beiden Orgeln in
seiner Komposition - den „13 Tangos Ecclesiasticos“ - in wahrstem
Sinne des Wortes tanzen.
Alle Konzerte, zu denen ein Unkostenbeitrag von acht Euro
(ermäßigt fünf Euro) erhoben wird, beginnen um 20 Uhr. Karten gibt
es nur an der Abendkasse (ab 19.30 Uhr), mit Ausnahme des Konzerts
am 25. September, das im Rahmen der „Internationalen Musiktage Dom
zu Speyer“ stattfindet. Ein anspruchsvoll gestaltetes
Gesamtprogramm für die ganze Konzertreihe liegt an der Abendkasse
aus. Am Tag der Orgelweihe selbst wird kein Eintritt erhoben. --
Bischöfliches Ordinariat Speyer Pressestelle
18.04.2011
Prospekt der Hauptorgel im Speyerer Dom enthüllt
Prospekt der Hauptorgel im Speyerer Dom
Gut eine Woche vor der Eröffnungsfeier zur großen
Salierausstellung in Speyer ist mit der Enthüllung des Prospekts
der Hauptorgel im Speyerer Dom der Aufbau der neuen Orgelanlage in
der Kathedrale in eine neue, entscheidende Phase eingetreten.
Vorausgegangen waren diesem Ereignis gleich mehrere, der
überragenden Bedeutung dieses Vorhabens angemessene und deshalb
international ausgeschriebene Wettbewerbe: Einer für die
Planung/Disposition des aus Hauptorgel und Chororgel bestehenden
Gesamtwerks, ein zweiter für die künstlerische Gestaltung des
Prospekts der großen Hauptorgel im Westwerk der Kathedrale.
Während der Auftrag für die kunstvolle
technisch-musikalische Errichtung der beiden Orgelwerke an die
Orgelwerkstatt Romanus Seifert in Kevelaer am Niederrhein erging,
fand die Gestaltungsidee des Kölner Büros "Böhm-Architekten" für
die Schauseite des neuen Hauptinstrumentes die einhellige
Zustimmung der Jury.
Und nachdem jetzt die verhüllenden Planen von der
Orgel-Baustelle entfernt waren, stellt das neue Orgelwerk sich
jetzt als architektonisch eigenständiges Kunstwerk dar, das dem an
ihn gestellten Anspruch eines formal einheitlichen Musikkörpers in
überzeugender Weise gerecht wird:
Auf einem mit einer umlaufenden Ornamentik verzierten Stahltisch
aufgebaut, der aus statischen Gründen auf zwei Stützen gelagert ist
(die allerdings noch durch eine dunkle Einfärbung optisch
zurücktreten sollen) scheint die Orgel in der die Westwand des
Kaiserdomes bestimmenden Bogennische geradezu losgelöst von ihrem
Umfeld zu schweben. Dadurch wird die Kathedrale selbst zum
Orgelgehäuse - anders als bei anderen Orgelwerken (auch bei der
Chororgel des Domes) wo zumeist ein Holzgehäuse das Orgelwerk gegen
das Mauerwerk des Kirchenraumes abgrenzt.
In der Bogennische präsentieren sich die metallisch glänzenden
und bis zu zwölf Meter hoch empor ragenden Orgelpfeifen ganz in
ihrer tonalen Ordnung - jeweils von links oben nach rechts unten
nach einem überzeugenden Gesamtkonzept.
Entwickelt hat dieses Konzept der 91jährige Kölner Architekt
Prof. Gottfried Böhm, der seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit
einer Vielzahl höchst skulpturaler Bauwerke aus Beton, Stahl und
Glas hervorgetreten ist, die in Fachkreisen vielfach als
"Architektur-Ikonen des 20. Jahrhunderts" gerühmt werden.
Dabei finden insbesondere seine Planungen für Kirchenbauten
immer wieder besondere Beachtung und große Zustimmung. Mit seinen
Architektur-Entwürfen trat Prof. Gottfried Böhm zwar thematisch in
die Fußstapfen seines Vaters, Prof. Dominikus Böhm, der selbst als
einer der prägenden Kirchenarchitekten der unruhigen ersten Hälfte
des 20. Jahrhunderts galt. Mit seiner ihm eigenen
Architektursprache beschritt allerdings auch Prof. Gottfried Böhm
immer wieder neue, eigenständige Wege. So auch bei der Entwicklung
des Speyerer Orgelprospekt-Konzeptes, wo Prof. Gottfried Böhm eng
mit seinem ältesten Sohn Stephan (60) zusammenarbeitete, der selbst
im Jahre 2000 als Professor für Architektur nach Münster berufen
wurde.
Bei der Vorstellung des neuen Orgelprospektes für den Speyerer
Dom zeigte sich der Speyerer Weihbischof Otto Georgens in seiner
Funktion als Domprobst und damit als "Chef" des Domkapitels ganz
besonders dankbar dafür, dass es mit der Errichtung des
Orgel-Werkes aus Haupt- und Chororgel gelungen sei, ein
"Mammutprojekt - zeitlich wie finanziell, vor allem aber auch in
seiner künstlerisch-architektonisch Umsetzung" auf den Weg zu
bringen, das dem Rang des Kaiser- und Mariendomes als
Weltkulturerbe würdig sein werde.
Der besondere Dank des Weihbischofs galt dabei vor allem dem
unermüdlichen Förderer des Speyerer Domes, Altbundeskanzler Helmut
Kohl, der mit der Unternehmerfamilie Quandt einen großherzigen
Spender für das Projekt gewinnen konnte.
Seine hohe Anerkennung galt auch den Mitarbeitern der
Orgelbauwerkstatt Seifert in Kevelaer, die schon mit der Speyerer
Chororgel ein Meisterwerk zeitgenössischer Orgelbaukunst
abgeliefert hätten.
Die hohen Qualitäten dieses Instrumentes hätten die Erwartungen
an die neue Hauptorgel zusätzlich wachsen lassen, für die jetzt die
vielleicht wichtigste Phase des Aufbaus beginnt: Die Intonation.
Denn die Intonation ist es, die als "Krönung der Orgelbaukunst"
einer Orgel ihre Seele gibt, wie Fachleute immer wieder
betonen.
In langen, arbeitsintensiven Sitzungen, insbesondere in den
ruhigeren Nachtstunden, wird diese "Beseelung des Instrumentes" in
den kommenden Monaten vorgenommen - Register um Register, Pfeife
für Pfeife - insgesamt 5278 mal, denn so viele Pfeifen aus Metall
und Holz umfasst die neue Hauptorgel - bis sie sich dann zur Weihe
am 18. September und gemeinsam mit der Chororgel zu einer der
imponierendsten Orgelanlagen Südwestdeutschlands
komplettieren. (cr) (Fotos:gd)
31.03.2011