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Kultur
Phantasiebegabter Poet, Drucker und Literaturvermittler -
Artur Schütt
mit der Ehrennadel der Stadt Speyer ausgezeichnet
Von Gerhard Cantzler
“Phantasiebegabter Poet, Drucker,
Literaturvermittler” - Begriffe, die in Speyer seit langem synonym
genannt werden für Artur Schütt, der heute aus der Hand von
Oberbürgermeister Hansjörg Eger die Städtische Ehrennadel
entgegennehmen durfte. “Agent der Poesie, Worttänzer, Begeisterer”,
so Eger, seien weitere Begriffe, die für den langjährigen Leiter
des Gymnasiums am Kaiserdom, Pfalzpreisträger und Begründer der
Speyerer Literaturtage stünden. Und deshalb war die Eröffnung der
9. Ausgabe dieser ganz besonderen Kulturveranstaltung, die in
zweijährigem Rhythmus abgehalten wird, sicher der geeigneteste
Rahmen, um die hohe Auszeichnung zu übergeben, zumal Schütt vor
wenigen Wochen erst seinen 80. Geburtstag feiern durfte.
Groß war
deshalb auch der “Auftrieb” im Kulturhof Flachsgasse, als Hansjörg
Eger zu seiner Laudatio auf den wie immer bescheiden im Hintergrund
verweilenden Jubilar anhob - Bürgermeisterin Monika Kabs,
Beigeordneter Dr. Wolf Böhm, Alt-OB und Kunstfreund Werner
Schineller, der sich - so Eger - in der Winkeldruckerey bis heute
immer wieder gerne “die Hände schmutzig macht”, Mitglieder des
Stadtrates, der Hausherr, Kunstvereins-Vorsitzender Franz
Dudenhöffer sowie die zahlreichen Handpressendrucker aus Nah und
Fern, die “für drei Tage ihre Kellerdruckereien verlassen” hätten,
um mit ihren Editionen zu dieser nach der Mainzer Minipressen Messe
angesehensten Veranstaltung ihrer Art in Deutschland nach Speyer zu
kommen. Sie habe ihren Rang in erster Linie den unermüdlichen
Bemühungen Artur Schütts und seiner Ehefrau Jule zu verdanken und
trage damit wesentlich zum Erhalt des Jahrhunderte währenden Rufs
von Speyer als Druckerstadt bei.
Ihnen allen konnte der Oberbürgermeister seinen
Gruß entbieten, als er noch einmal die Geschichte der
Winkeldruckerey Revue passieren ließ, die seit 2001 von Artur und
Jule Schütt betrieben wird. “Ihrem guten Ruf in der Szene der
‘Schwarzkünstler’” - so wandte sich der OB an den Laureaten -
“verdanken wir auch die höchst ansehnliche Liste von Gastdruckern,
die Beispiele ihres Könnens in den letzten Jahren in der Stadt
hinterlassen haben”.
Dem Ansehen
Schütts und der von ihm im Kulturhof aufgebauten Einrichtung sei es
aber auch zu verdanken, dass die Einrichtung heute auf eine
eindrucksvolle Anzahl ganz besonderer Exponate verweisen könne, so
einen Setzkasten mit mehreren tausend Lettern sowie ein Exemplar
des “Heidelberger Tiegels”, der legendären Druckmaschine der frühen
Jahre.
Viele Geschenke wurden im Rahmen der kleinen Feier
noch ausgetauscht - Blumen für Frau Jule Schütt, eine Wäscheleine,
um die frisch aus der Presse entnommenen Drucke zum Trocknen
aufhängen zu können und eine opulente Mappe mit Blättern der
Wochenenddrucker der letzten Jahre, die Andrea Lange und Jochen
Fritsch zusammengetragen hatten.
Auch der
Laureat selbst bedankte sich für die langjährige Unterstützung in
den zurückliegenden Jahren mit entsprechenden Geschenken: OB Eger
konnte ebenso eine Mappe mit Arbeiten der letzten Speyerer
Literaturtage entgegennehmen wie der Fachbereichsleiter Bildung und
Kultur bei der Stadtverwaltung, Bruno Cloer, “ohne den” - so Artur
Schütt - “vieles oder sogar das meiste nicht gegangen wäre”. Dank
schließlich auch am Karl Herbel, in aktiven Zeiten Chef der
städtischen Hausdruckerei und seit 2009 zuverlässiger und
kompetenter Helfer von Artur Schütt.
17 Handpressendrucker aus der gesamten
Bundesrepublik - viele von ihnen aus den neuen Bundesländern -
zeigen noch bis zum Sonntag abend im Kulturhof Flachsgasse ihre
Editionen. Weiterer Höhepunkt und seit langem schon eine gute
Tradition: Die Lesung am Samstag abend im Alten Stadtsaal, zu der
in diesem Jahr die Autoren Michael Bauer aus Herxheim und Thomas
Rosenlöcher aus Dresden eingeladen sind. Foto: gc
11.05.2012
Artur Schütt mit der Ehrennadel der Stadt Speyer ausgezeichnet - Bilderalbum
Herzlich Willkommen zur Kult(o)urnacht Speyer!
Aktuelles
Programm soeben erschienen! - Der Vorverkauf hat
begonnen!
Am 1. Juni 2012 bieten 26 Kultureinrichtungen der Dom- und
Kaiserstadt Speyer zu ungewöhnlicher Zeit – von 19.00 bis 02.00 Uhr
– zum 12. Mal die Möglichkeit, unsere großartige Vielfalt der
Kunst- und Kulturstadt Speyer zu erleben und zu genießen. Spannende
Aktionen, Musik, Tanz und Theater warten auf kulturelle
Nachtschwärmer.
Nicht nur die großen Einrichtungen wie Historisches Museum der
Pfalz oder das Technik Museum Speyer öffnen an diesem Abend ihre
„Schatztruhen“, auch die zahlreichen kleinen Galerien, Museen und
viele Sehenswürdigkeiten und kulturell geprägte Einrichtungen haben
sich für diese Nacht ganz besondere Themen und Aktionen einfallen
lassen. Tauchen Sie ein in das Kulturleben der besonderen Art und
entdecken Sie das Kulturnetzwerk Speyer.
Zum ersten Mal dabei sind das Museum im Brückenhaus
des Schiffbauer-, Schiffer- und Fischer-Vereins e.V. Speyer
und der Weltladen der Initiativgruppe Eine Welt e.V.
Während sich das Brückenhaus traditionell „schiffig“
präsentiert, zeigt der Weltladen mit Skulpturen aus Zimbabwe den
vielzitierten Blick über den Tellerrand.
Während der Kult(o)urnacht öffnet das Stadtarchiv die
Ausstellung „Josel von Rosheim (1478 bis 1554) zwischen dem
einzigartigen und Universellen. Ein engagierter Jude im Europa
seiner Zeit und im Europa unserer Zeit“ im Alten Stadtsaal
(1.OG).
Publikumsmagnet
wird sicher auch die neue Ausstellung im Historischen Museum der
Pfalz Speyer „Ägyptens Schätze entdecken – Meisterwerke aus
dem Ägyptischen Museum Turin“ mit Familien-Ausstellung sein.
Aber auch Bewährtes wird geboten:
Sanfte Gitarrenklänge oder jazzige Grooves zu
Ausstellungsrundgängen z.B. in der Volksbank Kur- und
Rheinpfalz, viel Musik in den Kirchen, Party im Außengelände des
Historischen Museum der Pfalz Speyer, Klezmermusik im Judenhof oder
Stelzengänger bei der Kreis- und Stadtsparkasse.
Jeder Besucher kann seine Favoriten finden.
Lassen Sie sich verzaubern von Musik und Licht, von Essen und
Trinken, von Gesprächen und Stille.
Kult(o)urnacht-Ticket
und BUS-Service
Mit einem einzigen Ticket (Kontrollband für’s
Handgelenk) gibt’s freien Eintritt in alle Museen, Galerien
und sonstigen teilnehmenden Einrichtungen. Dieses Bändchen kostet
6 Euro und ist erhältlich bei allen angeschlossenen
Institutionen sowie der Tourist-Information Speyer (Tel.
06232-142392)
Regelmäßig verbindet unser Kulturbus viele Stationen der
Speyerer Kulturmeile. Das Ticket gilt auch zur kostenlosen Nutzung
dieses Service-Angebotes.
Am Info-Stand der Rheinpfalz (vor dem Historischen Museum)
gibt’s Tickets und Programme und freundliche Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter beantworten alle Fragen.
Übrigens: Sollten Sie mit dem Auto anreisen,
benutzen Sie bitte den Parkplatz Festplatz. Der Kulturbus hält auch
am Festplatz.
Bitte beachten Sie noch folgende Hinweise:
Das Kontrollarmband verliert mit dem Entfernen vom Handgelenk
seine Gültigkeit, bei Verlust wird kein Ersatz gestellt. Das Ticket
ist nicht übertragbar. Eintritt unter 14 Jahren frei.
Ist der Bus besetzt, hat der Ticketinhaber keinen Anspruch
auf Beförderung. Bei Überfüllung der beteiligten Einrichtungen
erhält der Ticketinhaber erst dann Zutritt, wenn wieder Raum für
zusätzliche Gäste vorhanden ist. Kulturbüro der Stadt Speyer,
Presse
Programm der Kulturnacht 2012: 
Beteiligte Einrichtungen der Kult(o)urnacht Speyer 2012
sind:
• Altpörtel
• Archäologisches Schaufenster
• artwork Galerie
• Auferstehungskirche
• Deutsche Rentenversicherung Rheinland-Pfalz
• Dreifaltigkeitskirche
• Feuerbachhaus
• Galerie Josef Nisters
• Gedächtniskirche
• Goldmarlene
• Historisches Museum der Pfalz Speyer
• Judenhof und Jüdisches Museum SchPIRA
• J.J. Becher-Haus
• Kaiser- und Mariendom
• Kinder- und Jugendtheater Speyer
• Kreis- und Stadtsparkasse Speyer
• Künstlerbund
• Kulturhof Flachsgasse Kunstverein und Städtische Galerie
• Kulturraum
• Landwirtschaftliche Sozialversicherung
• Museum im Brückenhaus
• Purrmann Haus
• Schauraum Schmucksyndikat
• TECHNIK MUSEUM SPEYER
• Volksbank Kur- und Rheinpfalz
• Weltladen Speyer
25.04.2012
“Falado” - berührende Filmdokumentation über Hein & Oss Kröher feiert Premiere
Pirmasenser
Barden im Spiegel ihres Liederschaffens jetzt auch als DVD
von Gerhard Cantzler
Für manch einen der zahlreichen Gäste, die am
Montag abend auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung aus der
gesamten Pfalz in den Neustadter Saalbau gekommen waren, geriet sie
zu so etwas wie einem ganz persönlichen, bewegenden Rendezvous mit
ihrer eigenen Vergangenheit: Die Premieren-Vorstellung der
filmischen Dokumentation “Falado”, mit der die aus Zweibrücken
stammende Filmmacherin Gabi Heleen Bollinger ein berührendes und zu
Herzen gehendes Porträt der “Volkssänger” Hein & Oss Kröher
geschaffen hat.
Die legendären Festivals “Chanson Folklore
International” auf der Nerotherburg Waldeck im Hunsrück in den
sechziger Jahren - die bilden den Rahmen für einen Film, in dem
sich wohl alle “Großen” der deutschen “Folksong-Szene” in den
letzten 50 Jahren ein Stelldichein geben: Von Franz Josef
Degenhardt über Hanns-Dieter Hüsch, Hannes Wader, Katja Ebstein bis
Reinhard Mey - sie alle sind mit ihren Liedern - zum Teil noch in
“verschrammten” Schwarz-Weiß-Aufnahmen eingeschnitten - Zeitzeugen
und Weggefährten der Kröher-Zwillinge, von denen sie sich
zeitlebens inspiriert und in ihrer Arbeit bestärkt fühlten.
Mit zum Teil ausführlichen Statements kommen in dem
Film auch Weggefährtinnen und Weggefährten von Hein & Oss
Kröher aus den 1960er und 1970er Jahren wie Colin Wilkie &
Shirley Hart, Joana, Hannes Wader, Hai & Topsy sowie der
Porträtist der Barden, der heute in Saarbrücken lebende Fotograf
Joachim Lischke, zu Wort.
Woodstock, Burg Waldeck, Newport in Rhode Island -
das waren in dieser Zeit die Wallfahrtsstätten der Folksong-Jünger
- Pete Seeger und Joan Baez nur zwei ihrer Protagonisten und in
ihrer Mitte als gleichrangige Vertreter des deutschen Zweiges
dieser Kunst die Brüder Hein & Oss Kröher.
“Wir wollen
nicht singen, wir wollen diskutieren”, forderten Anführer der
Studentenbewegung bei ihren “sit-ins” und “teach-ins” in den 68ern
und ließen auch schon einmal eines der “Waldeck-Konzerte” platzen -
“Wir aber wollen singen, bis wir nicht mehr können - und
wenn ihr wollt, dann könnt ihr danach diskutieren, bis ihr
nicht mehr könnt”, hielten ihnen die Kröher-Zwillinge entgegen und
sangen, sangen und sangen....
In ihrem Film
geht Gabi Heleen Bollinger auf die gesellschaftlichen und
politischen Umstände jener Zeit am Vorabend der für die
Bundesrepublik Deutschland so wichtigen “68er Bewegung” ein, in der
Hein & Oss Kröher das Volkslied “- entrümpelt und unverfälscht”
- wieder in die Konzertsäle des deutschen Kulturraumes zurück
gebracht hatten. “In einer Zeit, in der die deutsche Linke dem (im
DrittenReich missbrauchten ..) deutschen Volkslied misstraute und
lieber unverdächtige anglo-amerikanische Folklore hörte, glaubten
Hein & Oss Kröher an den Wert dieses Genres - ohne sie wäre die
neue Liederszene, die in den 1960er Jahren entstand, bis heute
nicht denkbar”.
Bis in die jüngste Vergangenheit haben die beiden
Sänger ihre Lieder von den zum Dienst “gepressten” Soldaten, den
Moorsoldaten, der Arbeiterbewegung, den Partisanen - ihre
demokratischen Lieder, Shanties und Liebesliedern, die Lieder der
Welt und die Volkslieder gesungen - der Film spiegelt in gut 90
Minuten etwas von allem wider - von längst vergangener und ganz
aktueller Lebenswirklichkeit, von der Sehnsucht nach Ferne und
Heimat, nach Poesie und Musik. Damit lässt er Gefühle wieder wach
werden, die in den letzten Jahrzehnten schon fast verloren gegangen
schienen, die aber - hoffentlich - heute mit aktuellen Balladen und
Songs vielleicht wieder in die Seelen ähnlich tief empfindender
Menschen treffen.
Mit seinem
Titel “Falado” greift der Film auf das Traumland der bündischen
Jugend zurück, dem der deutsche Schriftsteller Hans Leip - unter
anderem auch Verfasser der berühmten “Lilli Marleen” - ein
eindrucksvolles Seefahrerepos gewidmet hat. “Falado” hatten
bündische Jugendbewegte in den sechziger Jahren auch ein
Segelschiff benannt, mit dem sie in Gruppen durch die Aegaeis
kreuzten - so etwas also wie die “Argo” der Neuzeit - genau das
richtige also auch für die Sehnsüchte von Hein & Oss
Kröher.
“Falado”, das wird in der vorliegenden Länge wohl
leider kaum eine Chance haben, in eines unserer Fernsehprogramme
aufgenommen zu werden - “das ist vielleicht zu viel Kultur”, wie
Gabi Heleen Bollinger ironisch anmerkte - ist allerdings als Video
im Buchhandel oder direkt bei der Autorin über gabibollinger@t-online.de zu
erwerben.
Ein Muss für alle Freunde dieser Zeit und ihrer
Musik.
In einer
informativen Gesprächsrunde versuchten die Filmemacherin und die
beiden Volkssänger danach, ihre heutige Position zu der Musik zu
beschreiben, von der sie bei einem Konzert im vergangenen Jahr
ihren “offiziellen” Rückzug erklärt hatten. Dennoch würden sie
deshalb ihre Grundüberzeugungen nicht aufgeben: “Auch wenn wir
immer auch Sänger des politischen Liedes waren, so wollten wir doch
nie ausschließlich ‘Politische Sänger’ sein”, merkte Hein Kröher
an. Und deshalb würden sie auch weiterhin vor allem gegen die
“Kaputtmache” in unserer Gesellschaft ankämpfen.
Noch auf so manches Thema kam die launig-lebhafte
Gesprächsrunde an diesem Abend zu sprechen, so auf die “Heimkehr”
des Jiddischen in seinen angestammten Sprachraum in der jüngsten
Zeit - eine Sprache - wie Oss Kröher erläuterte - die einst
zwischen Speyer und Mainz in den Zentren der jüdischen
Gelehrsamkeit entlang des Rheins entstand, dann durch die Pogrome
des Mittelalters ins Baltikum und nach Osteuropa abgedrängt wurde,
um dann an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert im Zuge der
Industrialisierung Europas mit den zuwandernden Juden wieder nach
Deutschland zurückzukehren. “Dass künftig in unserer Pfalz wieder
Jiddisch gesprochen wird, ist ein Glücksfall”, bekannte Oss Kröher,
der sich - wie sein Bruder - schon immer ganz besonders für alles
Fremden eingesetzt hatte - besonders wenn es eigentlich zu unserer
Heimat gehört.
Mit großer
Leidenschaft sprachen sich die Kröher-Brüder in der von Uli Valnion
mit großer Sensibilität und Sachkenntnis geführten Diskussion für
ein Zurückholen des Volksliedes in die Lehrpläne unserer Schulen
aus - und auch das politische Lied dürfe nicht immer nur als
“garstig Lied” verstanden werden, sondern müsse seinen Platz in
unserer Alltagskultur wiederfinden. Auch wenn sich gegenüber den
siebziger Jahren manches geändert habe - damals wurde noch ein
Lehrer aus dem Schuldienst entfernt, weil er mit seinen Schülern im
Unterricht die “Internationale” durchgenommen hatte - so sei das
“politische Lied” bis heute weder in der Lehrerausbildung noch in
den Lehrplänen unserer Schulen ein eigenständiges Thema.
Noch einmal auf ihren Ausstieg aus der “Singerei”
angesprochen, bekannte sich Oss Kröher zu seiner letztjährigen
Entscheidung: “Ich möcht’ ämol net als Leichnam vunn de Bühn’
getraache werre”, bekannte er - der jüngere der eineiigen
Zwillingsbrüder - und wurde von seinem - drei Minuten älteren -
Bruder Hein sofort repliziert: “Ich det noch weidermache...”
Eineiige Zwillinge also und doch nicht in jeder Frage
“ein-meinig”.
Einer “schöpferischen Aufgabe” haben sich die
beiden Sänger aber auch über ihre Zeit auf den Bühnen hinaus
verschrieben: Sie wollen all ihre Kraft darauf verwenden, den
nachwachsenden Generationen das Volkslied und das Singen wieder neu
zu erschließen. Dafür wollen sie arbeiten - dafür wollen sie werben
- die Gründe dafür erschließen sich den Betrachtern von “Falado”
schon nach wenigen Minuten: Und als lebendiger Beweis dafür durfte
auch dieser Abend nicht “unbesungen” zu Ende gehen. Mit
bewundernswert frischen, voll tönenden und sicher geführten Stimmen
animierten sie ihr Auditorium im Neustadter “Scheffel-Saal” zum
Mitsingen. Und so erklang - in Sichtweite zum Hambacher Schloss -
zum guten Schluss ein vielstimmiges Bekenntnis zur Freiheit - zur
Meinungsfreiheit im besonderen: “Die Gedanken sind frei”.
Foto: gc
21.03.2012
"Falado" Filmdokumentation - Bilderalbum
Neujahrskonzert der CDU Waldsee
„ Mit Walzermelodien ins neue
Jahr“
von Franz Gabath
Waldsee- Viele
Besucherinnen und Besucher von befreundeten CDU Ortverbänden
des Umlandes, aber auch Gäste ohne Parteibuch, waren der
Einladung des CDU Ortsverbandes Waldsee zum Neujahrskonzert
gefolgt. Die erst vor wenigen Jahren liebevoll stilvoll zum
katholischen Pfarrzentrum umgebaute Pfarrscheune, die wahrlich gute
Stube der katholischen Pfarrgemeinde, war das richtige Ambiente und
bot den stimmungsvollen Rahmen für das zweistündige Konzert.
Mit den beiden Künstlern, Annette Schneider-Wagner und ihren
Ehemann Michael Wagner, hatten die Organisatoren zwei Künstler
eingeladen, die mit ihrem lyrischem Sopran und lyrischem Tenor
perfekte Umsetzung der anspruchsvollen Sologesangstücke, wie auch
der Duette garantierten. Beide Künstler sind aus der Speyerer
Domsingschule hervorgegangen, wo sie bei Domkapellmeister
Bernhard Weck ihre gesangliche Ausbildung erhielten. Dass
Pianistin Christine Cantzler die Klavierbegleitung wegen Krankheit
nicht ausführen konnte wurde bedauert, aber der ehemalige
Domkapellmeister und Domorganist Professor Leo Krämer war sicher
keine „Ersatzlösung". Der Name Leo Krämer, ein international
anerkannter Künstler, bürgt immer für höchste Qualität.
Bemerkenswert,
dass die CDU aus Waldsee nicht lange nach geeigneten
Gesangsvirtuosen suchen musste. Ist doch Michael Wagner nicht nur
Künstler, sondern begleitet auch das Amt des Stadtvorstandes der
CDU aus Speyer. Ein perfekte Symbiose aus Politik und Kunst.
„Mit Walzermelodien ins neue Jahr“ war das Motto des Abends. So
war es nur folgerichtig, dass Wien, der Stadt, die nicht nur
politisch eine ganze Ära in Europa bestimmt hat, immer auch mit der
Musik und hier besonders auch mit dem Walzer in Verbindung gebracht
wird, ein breiter musikalischer Raum gegeben wurde.
Wenn auch Michel Wagner zu Beginn aus dem „Bettelstudent“ von
Carl Millöcker verriet: „Ich knüpfte manche zarte Bande“ und
melancholisch dann vom Soldaten am Wolgastrand aus „der Zarewitsch“
von Franz Lehar sang, folgte sehr bald dann mit „Bist du´s lachende
Glück Franz“ vom gleichen Komponisten, der Übergang zur
österreichischen Donaumetropole.
Als Annette
Schneider-Wagner im Prater die Bäume, aus der Feder von Robert
Stolz, erblühen lies, glaubte man in einen Fiaker zu sitzen und
durch herrlich blühenden Baumbestand des Wiener Parks zu fahren.
Man roch förmlich den Duft der Blüten auf dem Weg nach Sievering in
die blühenden Weinberge hinaus und dort, wo die richtigen
Wiener gerne zum Heurigen gehen, ein Viertel Wein zu
genießen. Als Michael Wagner aus „Wien du Stadt meiner
Träume“ von Rudolf Siecznyki. die hübschen Mädchen Wiens
besang folgte mit „Wien wird erst schön bei Nacht“ von
Robert Stolz, die Zeit der Verliebten. Und wer schon einmal in
einer lauen Sommernacht auf dem Kahlenberg, dem Hausberg von Wien,
stand, ein hübsches Mädchen im Arm halten durfte, das Lichtermeer
Wiens zu seinen Füßen liegen sah, der wird diese Augenblicke nie
vergessen. Der Schreiber dieser Zeilen weiß wovon er spricht.
Mit diesem Mädchen ist er inzwischen fast 44 Jahre
verheiratet. Auch nicht wie von Robert Stolz beschrieben „In
Wien gibt´s manch winziges Gasserl“ durch das man zu winzigen
Platzerl gelangt um himmlische Küsse unterm Sternenzelt
auszutauschen.
Und mit „Hanni hutsch´n geh´n (tanzen gehen), wie es Edmund
Eysler in Noten fasste, wäre dann nur folgerichtig. Michael Wagner
lud dazu besonders Hanni Fuchs, die Gattin des CDU Vorsitzenden von
Waldsee, ein. Besonders als Dank für die vorbildliche Organisation
des Konzertes die in ihren Händen lag, wie Michael Wagner betonte.
Leider konnte er nicht, wie im Lied gesungen, einige Runden
auf dem Prater Ringesspiel drehen, oder gar im Riesenrad einige
bezaubernde Eindrücke gewinnen.
Die
Feststellung von Michael, aus „Der Vater aus Dingsda“ von Eduard
Künnecke, „Ich bin nur ein armer Wandergesell“ konterte Annette mit
der Feststellung „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“ aus „Der
Favorit“ von Robert Stolz. Die Aussage „Dein ist mein ganzes
Herz“ aus „Das Land des Lächelns“ von Franz Lehar endete dann in
der Liebe die eine Himmelsmacht ist, wie sie Johann Strauß im
Zigeunerbaron besingen lässt. Der stete Wunsch nach tanzen kommt im
Duett „Einmal möchte ich wieder tanzen aus Emmerich Kalmans „Gräfin
Mariza“ zum Ausdruck.
In den bunten
Straus aus unvergesslichen Walzermelodien waren Leo Fall mit „Ein
Walzer muss es sein“ aus „Die Rose von Stambul“, Johann Strauß mit
„Du liegst in meinem Arm“ aus „Ein Nacht in Venedig“, so wie aus
der Lustigen Witwe von Franz Lehar, „Lippen schweigen“ eingebunden,
mit dem das Neujahrskonzert endete. Ein Konzert, in den sich in den
lang anhaltenden Schlussapplaus viele „Bravorufe“ mischten, was die
Künstler zu zwei Zugaben zwang.
Nur zufriedene Gäste traten den Heimweg an und so mancher Gast
wird sich den Termin 29. November 2012 notieren, wenn Annette
Schneider- Wagner, Michael Wagner wieder zum Adventskonzert
konzertieren, vielleicht wieder mit Leo Krämer oder der wieder
genesenden Christina Cantzler. Bilder: fg
23.01.2012
"Mit Walzermelodien ins neue Jahr" - Bilderalbum
Konzertreihe „The Big Four“ – eine musikalische Reise durch Europa
Große europäische Klangtraditionen stehen im Mittelpunkt
der Konzertreihe „The Big Four“.
Vier ausgewählte Orchester präsentieren mit hochkarätigen Werken
ihre musikalische Heimat.
Die Reise beginnt am Donnerstag, 19. Januar 2012, mit dem
belgischen Royal Flemish Philharmonic Orchester Antwerpen unter der
Leitung von Edo de Waart. Auf dem Programm stehen die Sinfonie Nr.
29 A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart und Gustav Mahlers monumentale
fünfte Sinfonie.
Russische Melancholie und große Gefühle bietet das State
Academic Symphony Orchestra of Russia am Donnerstag, 23. Februar
2012, unter der Leitung von Michail Jurowski. Den
charakteristischen russischen Klang unmittelbar erlebbar machen
Werke wie „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“ von Modest Mussorgski,
die Ballett-Suite „Der Feuervogel“ von Igor Strawinsky sowie Peter
Tschaikowskis Sinfonie Nr. 6 h-Moll „Pathétique“.
Mit französischer Eleganz und filigranen Klängen aus dem
Fürstentum Monaco kommt das Orchestre Philharmonique de Monte Carlo
nach Ludwigshafen. Am Donnerstag, 1. März 2012, zeigt das Orchester
unter der Leitung des Dirigenten Giancarlo Guerrero sein Können mit
Werken von Liszt, Prokofjew und Ravel. Solist ist der französische
Pianist Jean-Yves Thibaudet.
Italienische Lebensfreude gibt es zum Abschluss der
Konzertreihe: Am Donnerstag, 3. Mai 2012, präsentiert das Orchestra
Sinfonica Arturo Toscanini unter der Leitung von Israel Yinon Werke
von Schumann, Respighi und Mendelssohn. Solistin ist die Cellistin
Natalia Gutman.
Beginn der Konzerte im BASF-Feierabendhaus ist jeweils um 20
Uhr. Zur Einstimmung findet vor allen Konzerten ab 19 Uhr eine
Einführung durch den Musikwissenschaftler Dr. Stefan Drees
statt.
Die Karten kosten jeweils zwischen 40 und 61 Euro und können an
allen Eventim- Vorverkaufsstellen, per Telefon unter 0621 60-99911
oder im Internet (www.basf.de/kultur) bestellt
werden. BASF, Pressestelle
18.01.2012
Lichterkönigin soll Licht in die längste Nacht des Jahres bringen
Von Jürgen
Schaaf
Heute ist wieder ihr großer Tag. Lucia, die Lichterkönigin,
kommt am frühen Morgen in viele Kirchen, Kindergärten und Schulen
und schafft es sogar, einen eigenen Progammplatz im schwedischen
Fernsehen zu ergattern. Überall in Schweden sind junge Mädchen in
weißen Gewändern, einem roten Band um die Taille, einer
Lichterkrone auf dem Kopf und einer Kerze in der Hand singend
unterwegs. In der Familie spielt traditionell die älteste Tochter
die „Sankta Lucia“. In ihrem Gefolge eine Schar von Jungfern mit
glitzernden Armreifen und Sternenknaben, die spitze Hüte mit
goldenen Sternen tragen. Den Schluss der Prozession bilden
Wichtel, alle zusammen wollen die dunkle Nacht im Norden Europas
mit ihrem Licht aufhellen.
Neben den Kerzen und weißen Gewänder gehört zu einem richtigen
Lucia-Fest das Singen von Lucia- und Weihnachtsliedern und
natürlich die Lussekatter, die Lusse- oder auch Teufelskatzen, ein
Safrangebäck mit Rosinen. Das wichtigste Lied ist die schwedische
Variante von „Santa Lucia“, das bei uns eher in der italienischen
Variante bekannt ist.
Vor der der Umstellung auf die Gregorianische Kalenderumstellung
galt die Lussenatt, die Lusse – oder Lucia-Nacht als die längste
Nacht des Jahres. Lucia, die Lichterkönigin des Nordens, ist
ursprünglich aber keine Einheimische, sondern ist aus dem Süden
Europas eingewandert, genauer gesagt, aus Sizilien. Über
Deutschland hat sie schliesslich den Weg nach Schweden
gefunden.
Die Legende von der Heiligen Lucia war im Norden erst ab dem 14.
Jahrhundert bekannt. Davor war der Name „Lussi“ eine
Personifizierung des 13. Dezembers, ohne mit der sizilianischen
Heiligen verknüpft zu sein. Lussi soll der Legende nach
ursprünglich ein weibliches Wesen gewesen sein, bösartig, einem
weiblichen Dämon oder einer Hexe ähnlich, die durch die Luft ritt
mit ihrem Lussi-Gefolge, dem „lussiferda“. In manchen
Gegenden, wie zum Beispiel in Västergötland, war Lussi männlich,
der Lussegubbe, das Lussemännchen. Oder aber ein Troll, der in der
Dunkelheit erschien mit seinem Tross aus übernatürlichen Wesen. Es
war gefährlich, sich in der Lussenatt draußen aufzuhalten. Denn
merkwürdige Dinge konnten in der Lussenatt passieren. Es
wurde erzählt, dass Wasser in den Quellen und Flüssen sich in
Wein verwandelt wurde. In dieser Nacht mussten auch die
Mühlenräder still stehen, um den Näck, den Mühlenwichtel und
anderes Zaubervolk nicht zu stören. Gerade in dieser Nacht wimmelte
es nur so von unheimlichen Wesen, die überall herumstreifen und ihr
Unwesen treiben. Besonders unartige Kinder mussten besonders
vorsichtig sein, da Lussi den Schornstein herabfahren konnte und
sie stehlen konnten.
Von der christlichen
Lucia hatte das Volk bisher kaum etwas gehört. Wenn der Lucia-Tag
kam, wurde der Tag wie ein Festtag gefeiert. Gefrühstückt wurde
bereits sehr früh. Geschichten erzählen, manchmal musste
dreimal gefrühstückt werden, bis es draußen endlich hell wurde. In
dieser längsten Nacht des Jahres galt es, den Körper mit Nahrung zu
stärken, um Kraft für das kommende Jahr zu bekommen. Ein
reichhaltiges Essen am Luciatag versprach ein gesundes und
glückliches, neues Jahr.
Später enstanden Legenden und Geschichten von der Heiligen Lucia
als Heilsbringerin in Zeiten des Hungers und der Not. Eine
Legende aus Värmland erzählt von einer großen Hungersnot. Lucia
offenbart sich der Bevölkerung als helle Lichtgestalt. Mit einem
großen Schiff kommt sie über den Vänern-See, vollgeladen mit
Schinken, Speck und anderen guten Sachen. Mit dieser kostbaren Last
segelt Lucia von Strand zu Strand und verteilt freigiebig ihre
Geschenke an die Hungernden.
Die
Darstellung der Lucia in weissem Gewand und Kerzenkranz geht zurück
auf die italienische Heilige aus Sizilien. Die habe der Legende
nach die Kerzen im Kerzenkranz auf dem Kopf getragen, um so die
Hände frei zu haben, wenn sie Bedürftige heimlich mit Lebensmittel
versorgte. Vermutlich im Jahre 303 starb Lucia der Überlieferung
nach als Märtyrerin durch einen Dolchstoß in den Hals. Das weisse
Gewand soll ihre Keuschheit als geweihte Jungfrau symbolisieren,
das rote Band ihr Martyrium.
Eine Lucia mit
Lichtern auf dem Kopf ist in Schweden zum ersten Mal im Jahr
1820 belegt. Dabei handelte es sich allerdings um eine männliche
Lucia. Ein Fabrikinspektor aus Skinnskatteberg berichtet: „Nachdem
sechs Gerichte verspeist waren und nur noch der siebte, der Kuchen,
fehlte, wurden die Gäste mit einem eigentümlichen Anblick
überrascht. Die Doppeltür zum Vorraum wurde aufgeschlagen und
herein trat ein Knecht, gekleidet in ein weißes Laken, mit einem
Kranz aus Kerzen auf dem Kopf und in der Hand ein großes
Bowle-Gefäß mit Glühwein. Eigentlich hätte es eine Dienstmagd sein
sollen, die die heilige Lucia darstellen sollte, aber aus
tragetechnischen Gründen wurde eher auf einen Mann
zurückgegriffen“.
Kinder und Jugendliche hatte ihre eigene Tradition in der
längsten Nacht des Jahres. Sie zogen von Hof zu Hof in der
Nachbarschaft, scherzten und erschreckten andere. Sie sangen
Lieder, um so Geld und kleine Geschenke auf den Höfen einzuheimsen.
Oft sangen einige von ihnen die traditionellen Lieder über
Staffan, seineszeichens Stallknecht von König Herodes, der zum
Märtyrer wurde. In der letzten Strophe gab es einige Anspielungen
auf Schnaps oder die Gaben, die man sich von dem jeweiligen
Hofbesitzer erhoffte.
Ende des 19. Jahrhunderts griff das Stockholmer Freilichtmuseum
Skansen den westschwedischen Luciabrauch auf, um ihn für zukünftige
Generationen zu bewahren. 1927 wählte die Zeitung „Stockholms
Tidningen“ zum ersten Mal eine eigene Lucia. Das Luciafest
verbeitete sich so immer mehr im ganzen Land und hat heute einen
festen Platz im schwedischen Brauchtum.
13.12.2011
Antworten für die Zukunft durch Fragen nach der Vergangenheit
Charlotte Kerner
präsentiert neuen Roman “Jane reloaded”
von Gerhard Cantzler
Sie ist immer wieder für eine literarische
Überraschung gut: Charlotte Kerner, in Speyer geboren und
aufgewachsen und seit Jahren erfolgreiche Autorin zahlreicher
Romane und Sachbücher. Sie stellte jetzt am Wochenende in gleich
zwei Lesungen - beziehungsreich in der Urgeschichtlichen Abteilung
des Historischen Museum der Pfalz durchgeführt - ihr neuestes Werk
vor: “Jane reloaded” einen “Faktasy-Roman”, wie sie das neue, von
ihr selbst kreierte literarische Genre nennt. In ihm nimmt sie ihre
LeserInnen mit auf eine überaus spannende Zeitreise in die
Menschheitsgeschichte - zurück bis zu unseren Anfängen ebenso wie
weit nach vorne in eine ferne Zukunft.
Tanja Jane, in fünfter Generation Spross einer
Familie aus Paläo-Anthropologinnen, trifft im “Laos-Labor” ihrer
Familie im asiatischen Dschungel auf Jamie, den als Klon des “homo
erectus Heidelbergiensis” - einer Spezies des Neandertalers - durch
Re-Implantation des Genoms wieder entstandenen Urmenschen.
Und
da trifft der Roman auch schon auf spektakuläre und reale
Forschungserfolge in der Jetztzeit: 2010 nämlich entschlüsselten
Wissenschaftler nicht nur den genetischen Code des sibirischen
Mammuts, sondern nahezu zeitgleich auch den des Neandertalers.
Tanja Jane 5, die Heldin des Romans, erlebt nun mit, wie ihre
Großmutter Jane 3 in Sibirien durch Austausch der genetischen
Informationen bei indischen Elefanten den Aufbau einer neuen
Mammut-Population realisiert - und sie fragt sich, ob Jane 3 neben
die geklonten Mammuts wohl auch geklonte Neandertaler stellen
wolle.
Und damit befindet sich der Leser schon mitten in
einer der ethischen Grundsatzdiskussionen unserer Zeit: Darf der
Mensch alles, was er kann? Darf er sich zum Schöpfer über die Natur
und damit letztlich auch über Gott erheben? Charlotte Kerner gibt
auf diese Fragen keine abschließend verbindlichen Antworten - sie
kann dies sicher auch nicht - kann allenfalls “Nach-Denkansätze”
vermitteln.
Denn
da ist auf der einen Seite die Vision von dem “wiedererschaffenen”
Urmenschen, einem Wesen aus Vergangenheit und Zukunft zugleich, der
einen Beitrag dazu leisten könnte, die Vielfalt der menschlichen
Gattung zu erweitern, ihm neue Lebensräume im Wasser und in der
Luft zu erschließen - dem “homo sapiens” vielleicht am Ende gar das
Überleben zu sichern.
“Jane reloaded” ist ein atemberaubendes Geflecht
aus unterschiedlichen zeitlichen Dimensionen - von dem ersten, dem
Menschen ähnlichen Wesen vor sechs Millionen Jahren, das sich von
der Entwicklungsgeschichte der Affen abgelöst hatte und sich vor
dreieinhalb Millionen Jahren von vier auf zwei Beine “erhob”. Ein
Wesen, das durch immer weiter voranschreitende Spezialisierung -
auch “Evolution” genannt - lernte, Sprache als Mittel der
Kommunikation zu benutzen und das schließlich lernte, Gefühle
auszudrücken und zu einem sozialen Wesen zu werden.
Auf
dem Weg durch die Zeiten überholt “Jane reloaded” den Menschen
unserer Zeit, um sich eine neue Handlungsebene in der nahen Zukunft
- in anderthalb Jahrhunderten - zu erschaffen, von der aus sie
ihren Blick visionär in eine fernere Zukunft - in 10.000 oder in
zehn mal 10.000 Jahren richtet.
Forscherische Neugierde im Blick zurück
durchmischen sich in diesem Roman mit der aktuellen Diskussion um
ethische Kernfragen und der fiktionalen Vision von einer fernen
Menschheitszukunft.
Charlotte Kerner, mehrfache Trägerin des Deutschen
Jugendliteraturpreises und vieler anderer Auszeichnungen, hat mit
“Jane reloaded” erneut einen spannenden Roman vorgelegt, der auch -
die Generationengrenzen überschreitend - zum Gesprächsstoff in
unserer Gesellschaft werden könnte.
“Jane reloaded” - erschienen bei Beltz+Gelberg,
Weinheim , ISBN 978-3-407-81092-2, Preis: 14,95 Euro - empfohlen ab
14 Jahren Foto:MiWa
20.11.2011
Subtiles Musikprogramm mit vielfältigen Wurzeln
Duo Ariana
Burstein & Roberto Legnani zu Gast in Speyer
sk. Speyer. Mit einem außergewöhnlichen
Konzert machte jetzt das international renommierte Duo Ariana
Burstein und Roberto Legnani im Historischen Rathaussaal in Speyer
Station. Zu diesem Abend hatte sich das mit Cello und Gitarre
ungewöhnlich besetzte Duo ein hochkulinarisches Programm
zusammengestellt, das über mehrere Jahrhunderte von der Renaissance
bis in die Gegenwart reicht. Von Tomaso Albinoni bis Titi
Winterstein spannt sich dabei der Bogen unterschiedlicher
musikalischer Epochen - von strenger kompositorischer Gebundenheit
bis zur zeitgenössischen Folklore reichen die vielfältigen
Stilrichtungen.
Mit der
Celtic Fantasy setzte das Duo gleich zu Beginn ein erstes
Ausrufezeichen hinter das Bekenntnis zu den unterschiedlichen
Wurzeln seiner musikalischen Aktivitäten: Von keltischen Rhythmen
bis hin zum Gipsy Swing nimmt das Duo bei seinen Arrangements
Anleihen bei ganz unterschiedlichen Traditionen, läßt orientalische
Anklänge einfließen und Ausbrüche spanischen Temperaments und
spiegelt die Wehmut und Melancholie jüdischer musikalischer
Tradition. Kurz: Ein bunter Teppich musikalischer Traditionen von
Indien bis Europa, die das Publikum mitnahm auf eine bunte
musikalische Reise durch Zeit und Raum. Das ganze eingehüllt in die
hohe Musikalität der beiden Künstler - die schier endlosen
Bogenstriche des Cellos im Kontrast zu der Geläufigkeit der Gitarre
- sie verbreitetenn in dem historischen Ratssaal ein ganz
außergewöhnliches Flair.
Ein musikalisches Abenteuer also der ganz
besonderen Art, an dem Ariana Burstein und ihr kongenialer Partner
Roberto Legnani die begeisterten Zuhörer einen Abend lang teilhaben
ließen. “Hoffentlich war dies nicht das letzte Konzert dieses ganz
außergewöhnlichen Duos” - das war wohl die Meinung der Mehrheit der
Zuhörer am Ende dieses Abends.
29.10.2011
Kultur
Wie kaum einer andere Stadt ihrer Größe zeichnet sich Speyer
durch die Vielfalt ihrer kulturellen Aktivitäten aus.
Chöre unterschiedlicher Ausrichtung, vom Gospelchor bis zur
Philhamonischen Vielstimmigkeit im geistlichen wie weltlichen
Bereich, Laienorchester - die Chorszene in Speyer lässt keine
Wünsche offen.
Gleiches gilt für die Vielfalt der bildenden Kunst: Kunstverein,
Feuerbach-Haus und Purrmann-Haus sowie zahlreiche private Galerien
bieten Orte für vielfältige Ausstellungen. Dazu sind auch
Einrichtungen wie das Bibliothekszentrum (früher Pfälzische
Landesbibliothek) die kostbare Sammlung von Faksimiles in der
Bibliothek des Priesterseminars - um nur einige zu
nennen.
Die Auswahl ist schier endlos und wer in Speyer alle kulturellen
Angebote nutzen möchte, muss wahrlich viel Zeit mitbringen.
Für jeden Geschmack, für jede Stilrichtung und jedes Alter gibt
es interessante Angebote.
Rockmusikerverein, Guggenmusiker und, und, und
Erkunden Sie unsere Kulturseiten - Sie werden sicher das für Sie
Passende finden.
15.07.2011