Kammermusik im Rathaus: Duo La Corda setzt Schlusspunkt
Feingefühl und
Harmonie
Speyer- Mit dem Duo La Corda und einem im
Konzertleben seltener vorkommender Instrumentenkombination
von Gitarre und Mandoline setzte das Kulturbüro der Stadt Speyer
einen bemerkenswerten Schlusspunkt der Reihe „Kammermusik im
Rathaus“. Dank der glänzenden Verbindungen von Professor
Helmut Erb war es auch in der 21. Auflage gelungen, trotz des nicht
gerade üppigen Budgets hochkarätige Musiker für die vier
Rathaus-Konzerte zu verpflichten. „Die Reihe hat sich fest
etabliert, und wir sind mit dem Konzertbesuch sehr zufrieden“,
erklärt der künstlerische Leiter in einer ersten Bilanz.
In das beliebte Kammermusik-Paket hat Erb erstmals keine
Ensembles verpackt, sondern drei Duos engagiert und mit der
Verpflichtung des Spitzenpianisten Bernd Glemser für einen
ausverkauften historischen Ratssaal gesorgt. Zum glänzenden Auftakt
kredenzten die junge Ausnahmegeigerin Susanna
Yoko Henkel und die ukrainische Pianistin Milana Chernyavska
Werke von Mozart, Debussy und Richard Strauss. Einen Leckerbissen
servierten auch in der dritten Runde Lutz Koppetsch mit
seinem Saxophon und Markus Bellheim am Klavier.
Das 2001 gegründete Duo La Corda aus Weißrussland strahlte
beim erneut gut besuchten Konzertabend in der Domstadt
souveräne Harmonie aus. Katsia Prakopchyk (Mandoline) und Jan
Skryhan (Gitarre) ermöglichen bei acht Musikstücken ein
ausdrucksvolles, elegantes Klangerlebnis – in Teil I mit
Barockmandoline und Vihuela, im zweiten Konzertteil mit klassischer
Mandoline und Gitarre. Von bezaubernder Sanftheit bestimmt waren
die vier Kompositionen aus der Barockzeit. Mit einer Feder zupfte
Katsia Prakopchyk die sechs Doppelsaiten ihrer kleinen
Barockmandoline spürbar federleicht, und auch die sechs
Doppelsaiten der Vihuela (spanisches Zupfinstrument,
das als ein Vorgänger der modernen Gitarre gilt) ließ Jan
Skryhan einfühlsam zart erklingen. Auch auf der klassischen
Mandoline mit ihren acht Stahlsaiten zeigte die junge Musikerin bei
den Musikstücken von Gabriele Leone, Manuel de Falla, Astor
Piazzolla und Carlo Munier eindrucksvoll auf, warum sie viele
Wettbewerbe gewonnen hat. Und auch ihr Skryhans Gitarrenspiel
ist mehrfach preisgekrönt, wie der Weißrusse besonders bei den drei
Kompositionen Piazzollas (1921 -1992) bei den rhythmischen
Schlageinlagen auf dem Gitarrenkorpus nachempfinden lässt. Zum
Abschluss spielte das Duo bei Muniers Rossiniana nochmals mit
Feingefühl Leidenschaft und Melancholie gegeneinander aus. Dvoráks
Slawischer Tanz Nr.2 war der Dank des Duos aus Minsk für den
verdienten Applaus. Werner Schilling; Foto:
Archiv
30.04.2013
Mit Blech ins Neue Jahr – BRASSerie begeistert in Schifferstadt mit Heiterem und Nachdenklichem
von Gerhard
Cantzler
Das Blechbläser-Ensemble „BRASSerie“ hatte eingeladen und
viele, viele Musikfreunde aus Schifferstadt und der Umgebung kamen
am Dreikönigstag ins Evangelische Gemeindezentrum in der
Lillengasse, um einen höchst schwungvollen und vergnüglichen
Auftakt zum Neuen Jahr mitzuerleben. Doch bevor es losgehen konnte,
mussten zunächst noch aus allen Winkeln des Hauses
Sitzgelegenheiten herbeigeschafft werden, damit alle Gäste einen
Sizuplatz fanden – so gewaltig war der Ansturm...
Doch dann endlich konnte das beliebte und inzwischen weit über
die Grenzen Deutschlands bis nach China nachgefragte
Blechbläserquintett mit Schifferstädter Wurzeln sein
amüsant-mitreißendes Konzertprogramm starten. Darin höchst
anspruchsvolle Musik in bester Qualität locker und
jugendlich-frisch zu präsentieren - das ist jetzt schon seit jetzt
14 Jahren das Geheimnis des Erfolges der BRASSerie.
Konstantin
Pässler, als Moderator ebenso begabt wie als Posaunist des
Ensembles, führte die Gäste ebenso charmant wie sachkundig durch
ein abwechslungsreiches Programm, das edle Brassklänge vom
allerfeinsten - von Henry Purcell und Johann Sebastian Bach bis zum
„Popsong of the year 2012“, das „Call my maybe” von Carly Rae
Jepsen - bereithielt.
Doch der Reihe nach: Zunächst präsentierte sich das Ensemble als
Sänger mit der Pfälzer Hymne „In der Pfalz blühen unsere Reben“,
ehe sie dann zu ihren Instrumenten griffen, um - wie in allen an
diesem Nachmittag dargebotenen Stücken - in einem eigenen
Arrangement von BRASSerie ein wahres Feuerwerk
über das Thema des schmissigen Weinliedes zu zünden. Danach:
Fließend-schwelgerische, geordnete Wohlklänge: Henry Purcells
“Sound the trumpet” und das nachweihnachtlich stimmungsvolle
“Schafe können sicher weiden” von Johann Sebastian Bach.
Sodann die
Stunde des jungen Tubisten des Ensembles, Karl Berkel,
jüngster Spross der weit über die Region hinaus bekannten
Musiker-Familie Berkel-Janzen, seit kurzem Solotubist am
Brandenburgischen Staatstheater in Cottbus. Er präsentierte sich
als versierter Arrangeur des Karl-Jenkins-Titels “Palladio” ebenso
nachhaltig wie als Solist in dem berühmten Charakterstück
“Hummelflug” des russischen Komponisten Nikolai Rimski-Korsakoff –
ein Stück, so filigran, dass man es kaum für möglich halten möchte,
dass es auf der so weit mensurierten Tuba überhaupt spielbar sein
sollte. Karl Berkel bewies es mit Bravour: Es geht!
Spätestens jetzt war im Saal klar:
Die vom Moderator eingeforderte Abstimmung per Applaus –
verhaltenes Klatschen, frenetischer Beifall oder frenetischer
Beifall mit Trampeln und Johlen – sie sollte eindeutig zugunsten
der letzteren Variante ausgehen. Jrtzt können die vorgestellten
Titel dank des gestrigen Verdikts des Schifferstädter Publikums auf
CD aufgenommen werden – wenn sie es nicht bereits sind...
Karl Berkels
älterer Bruder Matthias Berkel - sicher der musikalisch
vielseitige Star der BRASSerie und auch dieses Abends - 1.
Solohornist bei der renommerten Bremer Philharmonie und seit kurzem
stolzer Vater von Söhnchen Jakob - dazu Moderator Konstantin
Pässler: “die BRASSerie ist eine Familie und Matthias und
seine Frau haben jetzt dafür gesorgt, dass wir einen begeisterten
Fan mehr haben” - hatte ihn bei einem österlichen Abstecher nach
Andalusien aufgeschnappt und für sein Ensemble arrangiert: Den
andalusischen Marsch, mit dem die Spanier in der Osterzeit durch
die Strassen ziehen. Ein gelungenes Experiment, ein in Ferienlaune
mit dem handy aufgenommenes Stück auf ein fünfköpfiges Ensemble
umzusetzen.
Ein gewagtes Experiment - vom
Publikum mit nicht weniger Beifall bedacht – dann auch die
musikalische Verschmelzung von Maurice Ravels berühmten “Bolero”
mit dem nicht weniger bekannten “kleinen Trommlerjungen” der
griechischen Sängerin Nana Mouskouri. Der gleichartige
Grundrhythmus beider Stücke hatte die jungen Musiker zu diesem
Exxperiment verführt, bei dem sich Konstantin Pässler – der
einzige aus dem Ensemble, der die Musik noch immer allein “aus Spaß
an der Freude “betreibt – mit eindrucksvollen
Posaunen-Interventionen zu beeidrucken verstand.
Mit “Buglers holiday” - “das Horn
hat Pause” – gingen dann auch Instruementalisten und Publikum in
die Pause, was allerdings nicht bedeutete, dass Matthias
Berkel schon vorzeitig zu Frau und Kind verschwinden konnte.
Nein, in diesem letzten Stück konnte er, der souveräne, klangschöne
Hornist, als 3., gleichberechtigter Trompeter seine Freunde und
Trompetenkollen Björn Bein, Trompetenlehrer an der
Kreismusikschule des Rhein-Pfalz-Kreises und Manuel
Viehmann, Solotrompeter bei den Bielefelder Philharmonikern,
tatkräftig und überzeugend-kongenial unterstützen.
Auch im
zweiten Teil des Programms: viel Unterhaltsames, gekonnt gemixt mit
Nachdenklichem - die Filmmusik aus “Brust oder Keule” des
unvergessenen Louis de Funès und ein Medley des
“Ohrwurmspezialisten” Paul H. Alpert, sodann Götz Alsmanns
hochvirtuoses “Montevideo” und Consuelo Velázquez “Besame Mucho” -
sie wechselten mit Engelbert Humperdimcks “Abendsegen” aus seiner
Märchenoper “Hänsel und Gretel” und – wie meinte doch der
Moderator? “Die kleinen Instrumente sind müde, die großen bleiben
wach und spielen …. Johann Sebastian Bach, denn Bach gehört einfach
zu einem Brass-Konzert dazu”. Das innig-schlichte Kunstlied des
Thomaskantors “Bist Du bei mir” in einem Arrangemant für Horn,
Posaune und Tuba sowie Matthais Berkels “selbstgemachter”
Willkommensgruß für seinen kleinen Stammhalter – alles in allem
viel Rührendes, viel Bewegendes, das sichließlich in einer zweiten
Zugabe glpfelte, in der das Ensemble die stolze Mutter der
“Berkel-Buben” Judith Janzen - frei nach Heino – mit ihrem
umgetexteten Lied “Judith, du musst doch nicht um Deine Jungens
weinen”....”anschmachteten”.
Zuvor schon
hate Matthias Berkel das Auditoium mit dem zweiten Satz aus
Rachmannioffs Klavierkonzert Nr. 2 begeistert – doch nicht auf dem
großen Klavier, sondern auf der kleinen Melodika, die wie ein
Klavier gespielt und wie ein Blasinstrument zum Leben erweckt wird
– Blechbläser hat, sie können's einfach nicht lassen...
Nein, “Judith” muss wahrlich nicht
weinen um ihre Jungens - und auch nicht um deren Freunde, die an
diesem Nachmittag mit ihrer BRASSerie dem dankbaren Publikum
allenfalls Tränen der Rührung und der Begeisterung in die Augen
trieben.
Danke BRASSerie, danke für
dieses köstliche Konzert – und hoffentlich bis bald! Foto:
gc
07.01.2013
BRASSerie begeistert in Schifferstadt - Bilderalbum
Glanzvoll-prächtig in Speyer – nachdenklich -besinnlich in Eußerthal
Ensembles von
„PalatinaKlassik“ stimmen ihr Publikum auf Weihnachten ein
spk. Speyer. Mit einem fulminanten, musikalischen
„Doppelschlag“ haben jetzt die Ensembles der Konzertreihe
„PalatinaKlassik“ unter ihrem musikalischen Leiter Prof. Leo
Kraemer die Menschen in der Region in die „letzte Runde“ der
Vorweihnachtszeit entlassen und auf das für die meisten noch immer
„schönste Fest“ des Jahres eingestellt. Samstagabend im warmen
Foyer des Historischen Museums der Pfalz in Speyer, gerade einmal
zwanzig Stunden später - mit einem völlig anderen Programm - in der
winterlich-düsteren, romanischen Zisterzienser-Abtei-Kirche in
Eußerthal: Mitwirkende und dankbare Zuhörer hatten spürbar an
beiden Konzerten gleichermaßen ihre „helle Freude“.
Der Weihnachtsteil des aus gutem Grunde wohl berühmtesten
Oratoriums „Der Messias“ von Georg Friedrich Händel, angereichert
mit dem legendären „Halleluja“ prägte den ersten Teil der
„Klassik-Gala“ im Speyerer Historischen Museum der Pfalz –
nach der Pause folgten Felix Mendelssohn-Bartholdys
Weihnachtskantate „Vom Himmel hoch“ nach Texten von Martin Luther
sowie - wiederum aus dem „Messias“ - das Rezitativ „Siehe, ich sage
Euch ein Geheimnis“ und die imposante Bass-Arie „Sie schallt, die
Posaune“ sowie der mächtige Schlusschor „Würdig ist das Lamm“ mit
der filigranen „Amen-Fuge“, dem Schlusschor des beliebten
Werkes.
Der auch an diesem Abend wieder blendend disponierte Apparat aus
„PalatinaKlassik-Kammerphilharmonie“ und „PalatinaKlassik
Vokalensemble“ zeigte sich bestens studiert, glänzte in allen
Stimmen mit überzeugender Intonationssicherheit und bester Diktion,
und folgte dem impulsiven Dirigat seines musikalischen Leiters
Prof. Leo Kraemer über alle Klippen dieses an rhythmischen und
harmonischen Herausforderungen wahrhaftig nicht armen Werkes.
Einmal mehr war die „PalatinaKammerphilharmonie“ dem Chor ein
adäquater Partner – anrührend warme Holzbläser und majestätisches
Blech legten sich genüsslich in das Klangbett des in kleiner
Kammerbesetzung agierenden Streichorchesters. Ganz herausragend:
der junge spanische Trompeter Manuel Davila, der mit der
Solopartie in der Bassarie „Sie schallt, die Trompete“ eine
brillante Visitenkarte hinterließ.
Mehr als nur
überzeugend auch die beiden Vokalsolisten dieses Abends: Die
Münchener Sopranistin Magdalena Hinterdobler und der
finnische Bass-Bariton Heikki Kipeläinen. Hinterdobler - mit
einer überaus beweglichen, leicht geführten und wohltimbrierten
Sopranstimme ausgestattet - wusste dem Auditorium insbesondere in
ihrer einschmeichelnd-wiegenden Arie „Er weidet seine Herde“ zu
überzeugen.
Heikki Kipelänen, eine der Säulen im Säger-Ensemble des
Staatstheaters in Mainz - groß geworden an einer der
Schmieden legendärer Opernstimmen, am Zürcher Opernhaus -
beeindruckte mit weit ausschwingenden Bögen und einer dem
Händel'schen Gestus aufs beste gerecht werdenden stimmlichen
Mischung aus würdevoller Präsentation seiner Arien – bewegend
überlagert von dem in dieser Musik allgegenwärtigen melancholischen
Unterton.
Historischer Aufführungstradition verpflichtet, lotete Leo
Kraemer diesen weihnachtlichen Teil des „Messias“ einmal mehr in
der vollen Tiefe seines dramatischen Geschehens aus, legte seine
ganzen Emotionen in die schwelgerischen Chorsätze und in das
mitreißende Accompagnato der Rezitative und Arien.
Bis in den alles überstrahlenden Schlussakkord der mächtigen
Amen-Fuge hinein - nach den sorgfältig übereinander geschichteten
und einander durchwebenden Fugen-Stimmen – führte Kraemer Chor und
Orchester mit nicht nachlassender Energie zu einem eindrucksvollen
klanglichen Erlebnis, für das sein Publikum ihm und seinem gesamten
Apparat mit kaum enden wollenden Beifall dankte.
„Jetzt kann
Weihnachten kommen“, so meinte eine Dame mit glücklichem
Gesichtsausdruck und strahlenden Augen, als sie nach Ende der
„Speyerer Klassik Gala“ das Foyer des Historischen Museums der
Pfalz verließ. Und so empfanden es sicher wohl alle Zuhörer in dem
dicht besetzten Saal des Museums – unter ihnen Oberbürgermeister
Hansjörg Eger, Landrat Clemens Körner, die Speyerer
Kulturdezernentin Monika Kabs und Landtagsabgeordneter
Dr. Axel Wilke - alle mit Partner/in - die sich schließlich
auch über die Ankündigung der Wiederholung dieser Klassik-Gala
am 14. Dezember 2013 an gleicher Stelle freuen durften.
Ein ganz
anderes Programm in ganz anderer Atmosphäre dann am darauffolgenden
Nachmittag in der traditionsreichen Abteikirche in Eußerthal: Kein
Orchester – an seiner Stelle das PalatinaKlassik
Brass-Ensemble – weniger überschwänglich-glanzvoll, dafür
leiser, mehr beschaulich und mit dem Speyerer Theatermann und
Rezitator Curt Timm um eine weitere, wertvolle künstlerische
„Farbe“ reicher: Die Darbietung weihnachtlich-nachdenklicher Texte
in bewegend-eindringlicher Form.
Goethe's Gedicht „Weihnachten“ hatte Timm mitgebracht, dazu
Berthold Brechts „Die gute Nacht“, in dem der Atheist Bert Brecht
sein geradezu kindlich-frommes Verhältnis zu dem Kind von Bethlehem
aufblitzen lässt - und schließlich die berührende Geschichte „vom
Engel, der die Welt verwandeln wollte“ von der Theologin und
Tiefenpsychologin Christa Spilling-Nöker, in dem die sphärische
Herrlichkeit des Himmels kontrastiert mit der Hektik und den
Begierden der Erdenschwere.
Zu dieser nachdenklich-hintergründigen Erzählung ließ Leo Krämer
an der Orgel der Zisterzienserabtei-Kirche eine kongeniale
Phantasie aufblühen, in der er die Zuhörer in berührender Weise den
schwirrenden Flügelschlag des kleinen Engels, das Rauschen der
himmlischen Heerscharen und - im Kontrast dazu – die überschäumende
Hektik des Erdengetriebes erfahrbar werden zu ließ, bis sich
schließlich der kleine Engel, so leise, wie er gekommen war, wieder
in die Ewigkeit entschwand.
Beliebte
Advents- und Weihnachtslieder ansonsten - von „Tochter Zion“ von
Händel bis „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ in den immer wieder zu
Herzen gehenden Sätzen von Johann Sebastian Bach und
Felix-Mendelssohn-Bartholdy. Vom gleichen Komponisten dann die
Sätze „Advent“ und „Weihnachten“ aus den „Sechs Sprüchen“ -
sängerisch nicht weniger anspruchsvoll wie Max Regers
großartig-subtilen Motetten „Und unserer lieben Frauen“ und „Macht
hoch die Tür, die Tor macht weit“. Dazwischen Bläsermusik der
Brass-Gruppe, Orgelmusik von Leo Kraemer und dann auch immer wieder
Soloeinlagen der Sopranistin Magdalena Hinterdobler: Die
Arie „Er weidet seine Herde“ aus Händels „Messias“ - eine
Reminiszenz an den Vorabend in Speyer. Dann das betörend schöne
„Mariae Wiegenlied“ von Max Reger und schließlich, als Überleitung
auf die eher besinnliche Mahnung „Wachet auf, ruft uns die Stimme“
das prachtvolle „Cantique de Noel“ des französischen Romantikers
Adolphe Adam, in das der gesamte Apparat noch einmal seine gesamten
vorweihnachtlichen Emotionen ausfahren konnte.
Den Besuchern
in der Eußerthaler Kirche – seit vielen Jahren gewohnt, am Zweiten
Weihnachtstag an diesen Schauplatz unzähliger Konzerte zu kommen,
die Prof. Leo Kraemer mit seinen unterschiedlichen Ensembles dort
gegeben hat – wurde es trotz der schon sprichwörtlichen Kälte des
Kirchenraumes – es war wieder einmal drinnen kälter als draußen –
und getreu der Pfälzer Weisheit, dass es „in Eußerthal sechs Monate
im Jahr Winter und die restliche Zeit kalt ist“ - diesen Besuchern
wurde es warm ums Herz bei soviel weihnachtlich-musikalischer
Seligkeit und – zum Trost: Im nächsten Jahr gibt es dieses Konzert
auch wieder am Zweiten Weihnachtsfeiertag. Foto: miwa
17.12.2012
Glanzvoll-prächtig in Speyer - Bilderalbum
Nachdenklich -besinnlich in Eußerthal - Bilderalbum
„PalatinaKlassik“ präsentierte betörend-noblen Wohlklang, blitzende Läufe und rauschende Klangkaskaden
Russischer
Ausnahmepianist Andrei Ivanovitch fasziniert einmal mehr beim
„Klavierzauber“ auf der Villa Ludwigshöhe
gc. Edenkoben. Den Pfälzer Freunden exquisiter
Klaviermusik gilt er längst schon als Geheimtipp: Andrei
Ivanovitch, der St. Petersburger Pianist der Extraklasse, der jetzt
wieder einmal mit einem Konzert im Pompejianischen Saal der Villa
Ludwigshöhe auf der Anhöhe über Edenkoben Station machte. Theresia
„Resel“ Frühmesser aus Landau, früher selbst eine gefragte
Pianistin und Jurorin vieler internationaler Klavierwettbewerbe und
und seit langem Mäzenin sonderbegabter junger Musiker insbesondere
aus dem früheren Ostblock, hatte Ivanovitch einst aufgespürt und
„unter ihre Fittiche“ genommen. Bis heute kehrt der inzwischen
arrivierte und neben seiner Heimat insbesondere in Asien und
Nordamerika vielfach gefeierte Pianist, der bei Prof. Peter Eicher
an der Musikhochschule in Karlsruhe Teile seiner Ausbildung
absolvierte und heute selbst als Professor am berühmten
Konservatorium seiner Heimatstadt lehrt, immer wieder gerne in
seiner „zweiten Heimat“ am Landauer Marienring ein.
Eigentlich hatte er ein Programm u.a. mit Werken der großen
russischen Klavierkomponisten Alexander Skrjabin und Sergei
Rachmaninow vorbereitet, musste dies aber kurzfristig ändern, weil
er noch kurz vor seiner Abreise im Verkehrsgewühl seiner
Heimatstadt mit einer Radfahrerin kollidierte und sich dabei
erhebliche Prellungen am linken Unterarm zugezogen hatte. Fast ein
Wunder und Ausdruck unglaublicher Selbstdisziplin deshalb, dass er
die Freunde seiner Kunst nicht „versetzen“ und am Ende sogar
absagen musste. So blieb es zwar bei den angekündigten
Programmteilen von Mozart und Liszt, die „großen Russen“ aber
mussten aufgrund ihrer außergewöhnlichen Anforderungen speziell an
die linke Hand zugunsten von Frédéric Chopin und Claude Debussy
zurückstehen. Aber wie sagt das Sprichwort? „Aufgeschoben ist nicht
aufgehoben....“ Die Hörerschaft wartete schon gespannt...
Doch zurück zu
diesem außergewöhnlich qualitätvollen Klavierabend: Für
westeuropäische Ohren gleich zu Beginn, eher ungewöhnlich: Die
Mozart-Interpretationen Ivanovitchs - das „Modulierende
Praeludium“, das Rondo a-moll und die Sonata C-Dur, die er im
typisch russischen Gestus, glutvoll, eher schwermütig und mit
großem Ton zu Herzen gehend präsentierte, ohne darüber aber die
Brillanz der Kompositionen aus den Augen zu verlieren.
Dass Andrei Ivanovitch in beglückender Weise brillante Technik
mit außergewöhnlicher Empfindsamkeit zu verbinden weiß, wurde dann
auch bei seiner Interpretation der sieben Mazurken von Frédédric
Chopin deutlich. Mit einer überzeugenden Ausdeutung dieser ungemein
kontrastreichen Tanzsätze überzeugte er sein Publikum von Satz zu
Satz mehr, indem er betörend liedhafte Tänze voller Melancholie mit
wirkungsvoll Akzentuierten eindrucksvoll kontrastierte.
Pianistische Virtuosität, gepaart mit einer warm-wohligen
Tongebung auch bei der Ballade F-moll, op. 52 von Chopin, wo Andrei
Ivanovitch seine Zuhörer den dieser Komposition innewohnenden
dramatischen Spannungsbogen von den tiefen, in sich ruhenden
Gefühlsebenen bis hin zu den aufrüttelnden Eruptionen eindrucksvoll
auskosten ließ.
Die
Gelegenheit, die ganze Vielfalt seines pianistischen Könnens
auszubreiten, ließ sich Ivanovitch auch bei den 6 Praeludien von
Claude Debussy nicht entgehen. Mit unvergleichlicher Intensität,
aber auch mit der nötigen Leichtigkeit und exquisiter Tongebung
brillierte der Künstler auch bei diesen kleinen Pretiosen, die zum
Fordernsten im „Standardprogramm“ eines jeden Spitzenpianisten
gehören.
Mit Franz Liszt „Rhapsodie espagnole“ beendete der russische
Klaviermagier schließlich sein eindrucksvolles Programm - voller
Schwindel erregenden, blitzend-, präzisen Läufen und rauschenden
Klangkaskaden – ein „Klavierereignis“, das ein sachkundiges
Publikum zu langanhaltenden Ovationen anregte.
Mit vier Zugaben von Chopin und Liszt, darunter der beliebten
„Campanella“, „revanchierte“ sich der St. Petersburger
Ausnahme-Pianist, der an diesem Abend einmal mehr den Nachweis
dafür lieferte, dass er mit seinem ausdrucksstarken, noblen, ja
geradezu aristokratischen Spiel längst in die allererste Reihe der
an Klavierkünstlern wahrlich reichen Szene seines Heimatlandes
gezählt werden muss. Foto: gc
Lesen Sie hierzu auch einen Einwurf von Gerhard
Cantzler 
14.11.2012
Russischer Ausnahmepianist Andrei Ivanovitch fasziniert auf der Villa Ludwigshöhe - Bilderalbum
Konzertreihe auf höchstem künstlerischem und intellektuellen Niveau -
PalatinaKlassik überzeugt mit vielseitigem Programm, leidet
aber an teilweise geringer Publikumsfrequenz.
Ein Einwurf von Gerhard Cantzler
Höchst qualitätsvolle Programme – herausragende Solisten –
vorzügliche Ensembles – so könnte man eine Zwischenbilanz nach
sieben von zehn Konzerten dieser ersten Spielzeit der neuen
Konzertreihe „PalatinaKlassik“ überschreiben. Ganz unterschiedliche
musikalische „Farben“ - von den Kirchenkonzerten in Eußerthal,
Ludwigshafen und in Großsachsen, über die „kleinen Spielformen“ wie
das bezaubernde Barockkonzert im Feuerbachhaus in Speyer und den
exquisiten Klavierabend auf der Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben bis
hin zu der opulenten „Italienischen Opernnacht“ in der
Weltkulturerbestätte „Völklinger Hütte“ - alles nur „vom Feinsten“
und in höchster Qualität.
Mit dem Gedenkkonzert am Vorabend des 9. November in der
Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften erschlossen
sich die Protagonisten der neuen Konzertreihe um ihren
musikalischen „spiritus rector“, Prof. Leo Kraemer, nicht nur einen
neuen und wissenschaftlich hochrangigen, wenn auch in Sachen
„Musik“ seit vielen Jahren eher „verwaisten“ Spielort – sie setzten
mit ihrer Herangehensweise an diesen höchst sensiblen Gedenktag
einen dem Ort angemessenen, weit über das Musikalische hinaus
gehenden, Aufsehen erregenden Akzent.
Denn mit der Belebung des Gedenkens an die jüdisch-stämmigen
Komponisten Viktor Ullmann und Erwin Schulhoff leisteten sie
nämlich zugleich auch einen exemplarischen Beitrag zur Darstellung
des bedeutenden jüdischen Anteils an der intellektuellen
Entwicklung Europas gerade auch in der ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts.
Mit der Einbeziehung des jüdischen Kantors Guido Shamir und des
charismatischen Theatermannes Curt Timm in dieses Programm des
Gedenkens gelang es „PalatinaKlassik“ schließlich auch, die
jüdischen Empfindungsebenen zu diesem Tag aufscheinen zu lassen,
und zugleich das – so scheint's – längst dem Vergessen anheim
gefallene musikalische Genre „Melodram“ ins Bewusstsein der Zuhörer
zurückzuholen.
Wenn es „PalatinaKlassik“ gelingt, an diesem hohen Anspruch
festzuhalten, dann darf man sich nicht nur auf die noch
ausstehenden Konzerte am 15. Dezember im Historischen Museum der
Pfalz in Speyer und am 16. Dezember erneut in der
Zisterzienser-Abteikirche in Eußerthal freuen, dann darf man auch
jetzt schon gespannt darauf sein, was Leo Kraemer und seine
Mitstreiter von „PalatinaKlassik“ sich für die nächste, die zweite
Spielzeit dieser Konzertreihe vornehmen.
Und dann wird sich sicher auch das hohe künstlerische und
intellektuelle Niveau dieser Konzertreihe einem breiteren Publikum
erschließen, als dies bisher der Fall war, als doch noch viele
Zeitgenossen wohl Wertvolles versäumten.
„Bitter-süssem Gedenktag“ in besonders intensiver Weise in Wort und Musik gedacht
„PalatinaKlassik
e.V.“ präsentiert exquisites Programm zum 9. November
spk. Speyer. Wie könnte man einem solch „bitter-süßen“
Gedenktag wie dem 9. November angemessener gerecht werden als durch
ein intellektuell höchst anspruchsvolles Programm aus beinahe
verstörend-anrührenden Texten und bewegender Musik? Dieser Tag, der
uns Deutsche Jahr für Jahr immer wieder auf eine „Achterbahn der
Gefühle“ schickt - zwischen abgrundtiefer Scham über das, was am 9.
November 1938 geschah – der Nacht, als in Deutschland die jüdischen
Synagogen brannten und jüdische Mitmenschen gequält und getötet
wurden und jenem 9. November 1989, als sich die Deutschen weinend
vor Glück in den Armen lagen, um die wieder gewonnene Einheit zu
feiern.
„Reichspogromnacht“ und „Mauerfall“ - wer könnte sich einen
größeren Gegensatz – eine schrillere Dissonanz vorstellen? Am
Vorabend dieses Tages hatten der Förderkreis „PalatinaKlassik e.V.“
gemeinsam mit der Stadt Speyer und der Jüdischen Kultusgemeinde der
Rheinpfalz in die Aula der Deutschen Universität für
Verwaltungswissenschaften eingeladen, um diesen Tag in einer ganz
besonderen Weise zu begehen.
Eingerahmt vom
„El male rachamin“ zu Beginn - dem Gebet „Gott der Barmherzigkeit“
- in dem die Juden in aller Welt in herzzerreißenden Worten der
sechs Millionen Opfer des Holocaust gedenken und dazu die Stätten
des Grauens und der Vernichtung, die Konzentrationslager von
Auschwitz, Buchenwald und Sobibor, von Maijdanek, Sachsenhausen und
Mauthausen aufrufen, und dem „Kaddish“ - dem traditionellen
jüdischen Gebet für alle Toten zum Ende der Feier - erlebten die
Besucher zwei Stunden von erschütternder Eindringlichkeit.
Zwei weithin unbekannte jüdische Komponisten – aus Familien
stammend, die noch unter der K.u.K.-Monarchie, wie so viele Juden
aus intellektuellen Kreisen in dieser Zeit, noch vor dem Ersten
Weltkrieg zum Christlichen Glauben übergetreten waren, weil sie nur
so eine Chance sahen, die gewünschte Berufslaufbahn einschlagen zu
dürfen – Viktor Ullmann und Erwin Schulhoff – sie
standen im Zentrum dieses Abends.
Die Speyerer
Pianistin Hisako Nishizawa-Kraemer eröffnete das Programm
mit der „Suite für Klavier“ von Erwin Schulhoff, dem – erkenn- und
vor allem hörbar wahrlich zu Unrecht in Vergessenheit geratenen
böhmischen Komponisten, der – 1894 in Prag geboren und 1942 in den
Hunger-Kerkern der Nazis viel zu früh zu Tode gebracht –
entscheidende Impulse für die Entwicklung der Musik in der ersten
Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts gegeben hat. In den Jahrzehnten
seines künstlerischen Wirkens legte er dabei einen
unvergleichlichen Weg zurück - war zunächst fest verankert in der
spätromantischen Musiksprache eines Max Reger, um in den 1930er
Jahren eine radikale Wendung hin zu einem von Jazz-Rhythmen und
Atonalität beeinflussten Musikstil zu vollziehen, sich für
experimentelle Musikformen wie die „Viertel-Tonmusik“ oder den
Dadismus einzusetzen und so schließlich zu einem der Begründer des
„Sozialistischen Realismus“ in der Musik zu werden. Seine Suite für
Klavier“ ist noch ganz in der traditionellen Kompositionsweise
verhaftet und wurde von Hiskao Nishizawa-Kraemer mit großer
Ausdruckstiefe dargeboten.
Zweifellos der Höhepunkt des Abends aber: Die in der Form eine
Melodrams verfasste „Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph
Rilke“, eine Erzählung von Rainer Maria Rilke in der
musikalischen Fassung des aus dem polnischen Teschen (Ciestyn)
stammenden Komponisten Victor Ullmann.
Rainer Maria Rilke beschreibt in seinem Gedicht den Zug seines
Vorfahren Christoph Rilke von Langenau nach Ungarn in den
Türkenkrieg, wo er im Jahr 1663 den Tod fand. Auf dieser Reise
trifft der 18-jährige Adelige mit einem französischen Marquis
zusammen und wird dessen Freund. Von einer Rose, die der Marquis
von seiner Geliebten zum Abschied erhalten hat, schenkt er von
Langenau beim Abschied ein Rosenblatt, das ihn beschützen soll.
Aufgrund eines Empfehlungsschreibens wird von Langenau zum Cornet,
zum Fahnenträger, ernannt. Seiner Mutter schreibt er daraufhin
voller Stolz einen Brief, den er neben dem Rosenblatt verwahrt.
Jenseits des Grenzflusses Raab - an ihren Ufern fand die
entscheidende Schlacht von Magersdorf statt - übernachtet von
Langenau mit seiner Kompanie in einem Schloss. Mit der Gräfin
verbringt er dort die Nacht in einem abseits gelegenen Turmzimmer.
Doch während der Nacht wird das Schloss von den Türken angegriffen
und in Brand gesteckt. Um die Fahne zu retten und zu seiner bereits
aufgebrochenen Truppe zu gelangen, verzichtet er auf Waffenrock und
Helm, läuft durch das brennendn Gemäuer und reitet aus dem Schloss.
Mit der brennenden Fahne findet er sich allein mitten unter den
Feinden wieder und fällt.
Ein Stoff, der
nur auf den ersten Blick wenig mit dem Anlass dieses Abends zu tun
zu haben scheint. Doch hört man genauer hin, dann empfindet man
rasch die von Victor Ullmann in seiner Musik in unvergleichlicher
Weise eingewobene Dramatik des Geschehens, in dem es einmal mehr um
menschliche Urerfahrungen, um Angst und Schrecken, um Liebe und
Verzweiflung geht. Ullmann hat dazu die „Weise“ mehrerer ihrer
Nebenhandlungen entkleidet und sie auf die zentralen
Empfindungsebenen verdichtet. Die hochemotionale Musik lässt rasch
verspüren, welch außergewöhnliches Talent, ja, welche Genialität
die Welt mit der Ermordung Ullmanns im KZ Auschwitz durch
verblendete Nazi-Schergen verlustig ging.
Ihn auf eine Stufe mit dem für viele Jahrzehnte
als stilprägend geltenden Arnold Schönberg zu stellen, greift
deshalb sicher nicht zu weit. Hisako Nishizawa-Kraemer präsentierte
den anspruchsvollen Klavierpart dieses Werkes mit differenziertem
Einfühlungsvermögen, aber auch zupackend, wo es die Dramatik der
Handlung angebracht erscheinen lässt.
Curt Timm,
in der Lieblingsrolle seines Alters als Rezitator in Speyer längst
angekommen, gestaltete den Rilke-Text mit tief bewegendem und
mitreißendem Gestus.
Mit dem Vortrag der beiden Rilke-Gedichte „Der
Schauende“ und „Verkündigung“ hatte Curt Timm sein Publikum bereits
zuvor im ersten Teil des Programms mit seiner noch immer
unvergleichlich wandlungs- und modulationsfähigen Stimme auf die
besonderen Gefühlstiefen der Rilke'schen Sprache eingestimmt, die
die Werke dieses Lyrikers bis heute zu den herausragenden
Beispielen deutschsprachiger Dichtkunst machen.
Da fügten sich die berühmte und überaus
anspruchsvolle F-moll-Fantsie von Franz Schubert für Klavier zu 4
Händen, gespielt von Hisako Nishizawa-Kraemer und dem St.
Petersburger Klaviervirtuosen Andrei Ivanovitch ebenso kongenial in
das Programm ein, wie die zum Schlusspunkt der Feier hinführende
musikalische Interpretation des „Kaddish“, des jüdischen
Totengebetes, von Maurice Ravel in der Interpretation von Andrei
Ivanovitch.
Mit Auszügen
aus dem Oratorium „Elias“ von Felix-Mendelssohn-Bartholdy - dem
großen musikalischen Versöhner zwischen Juden- und Christentum -
mit dem 23. Psalm „Gott ist mein Hirt“ in der Vertonung von Franz
Schubert, und schließlich mit den Ecksätzen der „Missa choralis“
von Franz Liszt trug auch das „PalatinaKlassik
Vokal-Ensemble“ unter der Leitung von Prof. Leo Kraemer
- er zeichnete auch für die Gesamtleitung des Abends
verantwortlich - seinen Teil zu einem zutiefst stimmigen und
bewegenden Programm bei.
Eine ganz außergewöhnliche Herangehensweise an
den Gedenktag des 9. November – eine Form, die ganz ohne Reden
auskam und die dennoch oder gerade deshalb die Zuhörer in ganz
besonderer Weise ergriff und so den Gegenstand ihres Gedenkens in
denkbar inniger und intensiver Weise in ihrer Erinnerung
verankerte. Foto: fg
12.11.2012
„PalatinaKlassik e.V.“ präsentiert exquisites Programm zum 9. November - Bilderalbum
Mit halsbrecherischer Geläufigkeit und edel-samtenem Wohlklang
„PalatinaKlassik“
zündet dritte Stufe seiner neuen Konzertreihe im Speyerer
Feuerbachhaus
spk. Speyer. PalatinaKlassik, das klassische
Musikfestival für die Pfalz, Baden und das Saarland - es hat sich
nach gerade einmal drei ganz unterschiedlichen Konzerten
eindrucksvoll zurückgemeldet. Nach dem überwältigenden
Eröffnungskonzert in der ehemaligen Zisterzienserabteikirche
Eußerthal – der SPEYER-KURIER berichtete in seiner Ausgabe
am 03.09.2012 - und dem opulenten „Festlichen Opernabend“ am „Tag
der deutschen Einheit“ im Weltkulturerbe „Völklinger Hütte“ hat
sich jetzt die in die Trägerschaft des „Förderkreises
PalatinaKlassik e.V. übergegangene Konzertreihe mit einer ganz
anderen, einer kleinen – der Intimität des Veranstaltungsortes
angemessenen konzertanten „Farbe“, endgültig manifestiert.
Im anheimelnden Speyerer Feuerbachhaus präsentierte der
Förderkreis jetzt nämlich ein „virtuos-barockes
Instrumental-Feuerwerk“ mit drei hochrangigen Solisten: Der
Saarländischen Blockflöten-Virtuosin Ingrid Paul, dem
Mannheimer Violoncello-Solisten Prof. Roland Kunze und dessen
Speyerer Kollegen Prof. Leo Krämer am Spinett.
Das
liebenswert-pittoreske Geburtshaus des Malers Anselm Feuerbach war
bereits lange vor Beginn des Konzertes bis auf den letzten Platz
gefüllt, so dass Michael Wagner, Vorsitzender des
Förderkreises, schon zehn Minuten, ehe er mit seiner Begrüßung
anfangen konnte, stöhnte: „Noch ein Stuhl und dann gibt es im
ganzen Haus keinen Sitzplatz mehr“. Der gewaltige Andrang hatte
sich bereits im Vorfeld des Konzertes abgezeichnet, waren doch die
Eintrittskarten schon wenige Stunden nach ihrer Auflage vergriffen,
so dass sich die Veranstalter entschlossen, das Haus bereits am
Nachmittag für eine öffentliche Generalprobe zu öffnen. Auch hier
war der Andrang interessierter Musikfreunde bereits beachtlich –
sie erlebten das Konzert in einer ganz anderen, für die meisten
ungewohnten Art – als spannendes Labor, das auf beeindruckende
Weise spürbar werden ließ, wie sich Musik von den aufgeschriebenen
Noten hin zur hör- und empfindbaren Kunst entwickelt. Eine gute
Idee, Zuhörer an diesem spannenden Prozess wenigstens für ein paar
Stunden lang teilhaben zu lassen.
Am Abend dann – wie gesagt – dichtes Gedränge in den beiden
Räumen im Erdgeschoss des Feuerbachhauses, zwischen denen sich das
Solistentrio seinen Platz gesucht hatte. Zwischen ihnen suchte sich
dann auch noch Michael Wagner ein Plätzchen, um die zahlreichen
Gäste des Konzertes zu begrüßen und dem Sponsor der Veranstaltung,
der Speyerer „Volksbank Kur- und Rheinpfalz“ in Person ihres
Vorstandsvorsitzenden Rudolf Müller für die Unterstützung zu
danken,
Doch dann
zündeten die bestens aufgelegten Solisten - moderiert und
inspiriert vom musikalischen Leiter der neuen Konzertreihe, Leo
Krämer - ein funkelnd-virtuoses Feuerwerk barocker Kabinettstücke,
insbesondere von der brillant agierenden Flötistin Ingrid Paul mit
oft atemberaubend halsbrecherischer Geläufigkeit dargeboten. Werke
aus dem Barock bis hin zur aufkommenden Klassik standen auf dem
Programm - Werke von Giulio Mussi, Diego Ortiz, dem
Bach-Zeitgenossen Johann Sigismund Weiss und Giuseppe Sammartini,
die der Solistin schon im ersten Teil des Abends Gelegenheit gaben,
ihr überragendes, virtuoses Können unter Beweis zu stellen.
Kompositionen von Martino Bitti, Francesco Mancini und Josef
Gelinek schlossen sich nach der Pause an und versetzten, eins ums
andere, das Publikum in helle Verzückung. Ingrid Paul hatte dazu
gleich ein ganzes Arsenal höchst unterschiedlich klingender
Blockflöten mitgebracht, die sie mit großem stilistischem
Sachverstand einsetzte - tänzerisch-federnd bis getragen-kantabel
kamen die dargebotene Passagen daher – für das begeisterte Publikum
ein mitreißender Ohrenschmaus.
Der Cellist Roland Kunze legte mit edel-samtenem Wohlklang der
Flötistin die warmtönend-kantable Basis für ihre oft
halsbrecherischen Bravourstücke, verstand sich aber auch selbst mit
dramaturgisch geschickt ins Spiel gebrachten musikalischen
Interventionen in den Vordergrund zu spielen. Motor und Impulsgeber
dieses beeindruckenden Konzertabends war einmal mehr Leo Krämer am
Spinett, der das musikalische innere „Uhrwerk“ der einzelnen Stücke
in gewohnt gekonnter Manier am Laufen hielt.
Er trug - gemeinsam mit Roland Kunze – an entscheidenden
Wegmarken des Konzertes mit Werken von Antonio Vivaldi und Francois
Francoeur auch wesentlich zur wohltuenden Beruhigung des
musikalischen Geschehens bei, ehe sich das Solistentrio noch einmal
in der eindrucksvollen, sich zum Ende hin noch einmal steigernden
D-Dur-Suite von Michel de la Barre für einen glanzvollen
Schlusspunkt sorgte.
Begeisterter Applaus zum Ende des Abends und das Versprechen von
Förderkreis und Sponsor, dass dieser Abend im Feuerbachhaus keine
„Eintagsfliege“ bleiben dürfe – man kann sich deshalb vielleicht
schon heute auf ein Da Capo im nächsten Jahr an gleicher Stelle und
notabene – wohl auch in gleicher Beengtheit - freuen. Foto:
gc
08.10.2012
„PalatinaKlassik“ zündet dritte Stufe im Speyerer Feuerbachhaus - Bilderalbum
Glanzvolle venezianische Mehrchörigkeit im “äußersten Tal der Südpfalz”
Überbordende
Chor- und Orgelmusik eröffnet überzeugend die neue Konzertreihe
“PalatinaKlassik”
spk. Eußerthal. Einen prachtvollen Einstieg
in die neue Konzertreihe “PalatinaKlassik” und zugleich in die
Feierlichkeiten zum 750. Weihejubiläum der Zisterzienser-Abtei
-Kirche Eußerthal bescherten jetzt Vokal- und Bläserensemble von
“PalatinaKlassik” unter der überzeugenden Leitung von Leo Kraemer
sich selbst und ihren Zuhörern, die am Sonntag nachmittag in
unerwartet großer Zahl in die sommerlich lichtdurchflutete
Klosterkirche im “äußersten Tal in der Südpfalz” gekommen waren.
Die Erinnerung an frühere glanzvolle Konzerte des international
renommierten Speyerer Musikers mit wechselnden Ensembles - unter
anderem auch an diesem magischen Ort - scheint halt doch noch nicht
verblasst zu sein.
Überbordende
Chor- und Bläsermusik - “Introitus” und “Magnificat” aus Claudio
Monteverdis “Marienvesper” - umrahmte - achtstimmig - das
vielseitige Programm, das schwerpunktmäßig von prächtig
aufblühenden, mehrchörigen Kompositionen aus Renaissance und
Romantik bestimmt war. “Musik - wie für diesen Raum mit seiner
schlichten, erhabenen Größe geschaffen”, zeigte sich ein Zuhörer
nach dem Konzert ergriffen - und mit den folgenden Programmpunkten
wurde diese Gefühlsebene sicher noch weiter angeregt: G.P. da
Palestrinas “Laudate Dominum” - jetzt gar dreichörig - zwölfstimmig
also - für ein knapp vierzigköpfiges Vokalensemble eine
bemerkenswerte Herausforderung, der sich die Sängerinnen und Sänger
von “PalatinaKlassik” mit großer Präzision, Bravour und
sängerischer Eleganz entledigten.
Mit Giovanni Gabrielis “Jubelt dem Herrn” und
Johann Pachelbels “Singet dem Herrn” standen danach zwei
doppelchörige Werke auf der Agenda - auch sie, jedes in seiner Art
von Chor und Bläsern hochbeweglich und stets klar und durchsichtig
interpretiert.
Dazwischen Bläsersätze von Gabrieli und Tylman
Susato, letzterer von dem bestens disponierten Bläserensemble mit
weit schwingendem Gestus präsentiert.
Im zweiten Teil des Konzertes dann Felix
Mendelssohn-Bartholdys achtsimmige Auszüge aus den “Sechs Sprüchen”
- “Frohlocket, ihr Völker auf Erden” und “Erhaben, o Herr über
alles Lob” - auch hier wieder wuchtig-überwältigender, wahrlich
großer Chorklang.
Ganz anders
dann die mit schlichter Demut daherkommende “Deutsche Messe” von
Franz Schubert - jeder der acht Sätze ein kleines Juwel und ein
bedeutsames Beispiel für eine zutiefst berührende Vertonung der
“Gesänge zur Feier des Opfers der heiligen Messe”, wie der tief
gläubige Komponist sein Werk selbst bezeichnete. Hier zeigte sich
der Chor mit großer Beweglichkeit, eindrucksvoller Homogenität und
großer Eleganz - folgte dem auf große Differenzierungen abhebenden
Gestus seines Dirigenten mit großer Bereitwilligkeit.
Im abschließenden “Magnificat” von Claudio
Monteverdi konnte der Chor sodann seine Tugenden noch einmal in
ganzer Schönheit ausfahren - glanzvoll strahlende Soprane und
Tenöre, tragfähig sonore Bässe, wohlklingende Altistinnen. Leo
Krämer hat seine Ensembles für die kommenden Konzerte in der Reihe
“PalatinaKlassik” bestens aufgestellt - man darf sich schon jetzt
auf die noch folgenden neun Abende - einer davon auch noch einmal
in Eußerthal - freuen.
Ach ja - das
darf auf keinen Fall vergessen werden: Vor den beiden
Mendelssohn-Sätzen meldete sich der Maestro auch noch als Komponist
und brillanter Orgel-Improvisateur zu Wort. Mit einer in seinem
typischen, rhythmusbetonten Stil angelegten Improvisation entführte
Kraemer das begeisterte Auditorium in die Shakespear’sche Welt von
Geistern, Feen und Trollen, ließ sie förmlich tanzen in der Kirche,
um dann die Szene mit dem Hornmotiv aus dem Mendelsohn’schen
“Nocturno” immer wieder zur Ruhe zu bringen. Eine großartige
musikalische Inspiration, mit der Leo Kraemer einmal mehr seine
ganze Meisterschaft als Komponist und als Organist unter Beweis
stellen konnte.
Lang anhaltender Beifall belohnte Solisten- wie
Ensemble-Leistungen. Mancher Zuhörer hätte sich gewünscht, dass der
Nachmittag garnicht mehr enden würde. Und was können sich Musiker
am Ende eines Konzertes mehr wünschen? Foto: spk
03.09.2012
PalatinaKlassik in der Zisterzienser-Abtei -Kirche Eußerthal - Bilderalbum
“PalatinaKlassik” - Konzertreihe mit neuen Ideen, Spielorten und in neuer Rechtsform
Gemeinnütziger
Verein fördert zehn Konzerte der ersten Spielzeit in der Pfalz, im
Saarland und in Baden
spk. Speyer. Mit neuen Ideen, neuen
Spielorten und in einer neuen Rechtform geht jetzt die
“Internationale Konzertreihe PalatinaKlassik” an den Start
und will damit die erst seit wenigen Jahren für die Pfalz
initiierte Reihe “Palatia Classic” mit neuem Leben erfüllen.
Gemeinsam mit dem künstlerischen Leiter der Reihe, dem Speyerer
Prof. Leo Krämer, konnte jetzt dazu Michael Wagner - frisch
gewählter Vorsitzender des in Form eines gemeinnützigen Vereins
konstituierten “Förderkreises PalatinaKlassik e.V.” - im
Rahmen eines Pressegesprächs im Historischen Speyerer Rathaus
Hintergründe für diese Neugründung erläutern.
Danach habe sich die privatwirtschaftlich geführte
Reihe “Palatia Classic” - bedingt durch immer weiter zurückgehende
öffentliche Zuwendungen, die angesichts von “Kommunalem
Entschuldungsfonds” und anderen finanziellen Zwängen nicht zu
verwundern seien, so Michael Wagner - als in der bisherigen Form
nicht länger darstellbar erwiesen. Auf diesem Hintergrund hätten
sich die Beteiligten dann einvernehmlich darauf verständigt,
“Palatia Classic” vorerst auszusetzen.
Dennoch seien sich alle B eteiligten sehr rasch
einig gewesen, dass es mit der in diesem Rahmen “gemachten” Musik
in jedem Fall in der bewährten Weise weitergehen müsse. “Von vielen
Seiten wurde uns damals signalisiert”, so berichtete Michael
Wagner, “dass es nicht zu verstehen wäre, wenn ein Musiker wie
Prof. Leo Krämer, der überall in der Welt nachgefragt werde, nicht
auch in seiner angestammten heimatlichen Region ein adäquates
Podium bekäme”.
Mit
der neuen “Internationalen Konzertreihe PalatinaKlassik”
wolle man deshalb einen anderen Weg gehen, indem alle Arbeiten zu
Vorbereitung, Organisation und Durchführung der Konzerte auf
ehrenamtliche Kräfte verlagert würden. Zudem sei mit der
Anerkennung als gemeinnütziger Verein auch die Befreiung von der
Mehrwertsteuer verbunden, was die Tickets günstiger machen bzw. die
Konzentration aller Einnahmen für die selbstgestellte Kernaufgabe,
die Musik, möglich würde. “Mit der Erlangung der Gemeinnützigkeit
ist “PalatinaKlassik” durch Entscheid des Kultusministeriums
den Opernhäusern, Theatern und anderen Kultureinrichtungen im Lande
gleichgestellt”, freut sich Michael Wagner über diesen weit mehr
als nur formalen Vorteil.
15 Unternehmen aus der Region Pfalz, der Saarpfalz
und aus Baden hätten bereits in einer ersten”Runde” von Anfragen
spontan ihre Zusage gegeben, trotz der Kürze der zur Verfügung
stehenden Vorbereitungszeit das Anliegen von
“PalatinaKlassik” als Sponsoren zu unterstützen - 41
Musikfreunde, die sich mit ihrem Beitritt auch zur aktiven
Mitarbeit in dem Verein bekannt hätten, seien in wenigen Wochen
bereits gewonnen worden.
Dazu habe Prof. Krämer in kürzester Zeit für die
Saison 2012 ein im Kern aus zehn hochrangigen Konzerten bestehendes
Programm zusammengestellt, das dem in der Vereinssatzung
postulierten Zweck des Fördervereins in vollem Umfang entspreche,
der “die Förderung von Kunst und Kultur - auch unter
Berücksichtigung der Völkerverständigung - als Zielsetzug
postuliert”.
Wie
Leo Krämer sodann darlegte, startet die “Internationale
Konzertreihe Palatina Klassik” 2012 schon am 02.09. diesen
Jahres um 17.00 Uhr mit einem festlichen Eröffnungskonzert in der
Zisterzienser-Abtei-Kirche Eußerthal, in dem zum Teil mehrchörge
Werke von Giovanni Pierluigi da Palestrina, Claudio Monteverdi,
Andrea Gabrieli, Johann Pachelbel und Johann Sebastian Bach zur
Aufführung kommen werden. Ausführende sind das “PalatinaKlassik
Vokal Ensemble” und das “PalatinaKlassik Brass Ensemble”, die unter
der Leitung von Prof. Leo Krämer auftreten, den die Zuhörer auch an
der hörenswerten Orgel der kleinen Abteikirche erleben können. In
der Eußerthaler Abteikirche wird sich der Reigen hochrangiger
Konzerte von “PalatinaKlassik” im Premierenjahr schließlich
mit einem adventlichen Konzert am 16. Dezember 2012 schließen.
Ein weiteres Novum in der Konzertreihe sind die
neuen Spielorte, die “PalatinaKlassik” für seine
Darbietungen aufgetan hat. Dazu zählen in Speyer neben dem
bewährten Historischen Museum der Pfalz, wo sich die Ensembles am
15. Dezember mit einer großen vorweihnachtlichen Klassik Gala
präsentieren, jetzt auch das Feuerbachhaus, wo die Konzertreihe mit
kleinen, kammermusikalischen Spielformen am 6. Oktober einkehren
wird.
Neu ist auch die Zusammenarbeit mit der Deutschen
Universität für Verwaltungswissenschaften, deren festliche
Semestereröffnungsfeier am 14. November musikalisch vom
PalatinaKlassik Vokal Ensemble umrahmt werden wird. Am gleichen Ort
- in der Aula der Universität - wird es im zeitlichen Umfeld des 9.
November unter dem Titel “Musik der Erinnerung” ein Gedenkkonzert
zum Jahrestag der “Reichsprogromnacht” geben, bei dem u.a. Musik
der verfemten und im KZ ermordeten jüdischen Komponisten Viktor
Ullmann und Erwin Schünhoff erklingen wird. Im Rahmen dieses Abends
wird der inzwischen untrennbar mit dem Speyerer Kulturleben
verbundene Opern- und Theaterregisseur, Schauspieler und Rezitator
Curt Timm Gedichte von Rainer Maria Rilke darbieten.
Weitere
Spielorte in der Pfalz sind die Villa Ludwigshöhe, wo am 10.
November der russische Ausnahmepianist Andreij Ivanowitsch aus der
Musikmetropole St. Petersburg mit einem ausnahmslos russischen
Klavierprogramm zu hören sein wird sowie die Pfarrei St. Ludwig in
der Ludwighafener Innenstadt, die sich mit dem Konzert der
“PalatinaKlassik” Ensembles am 14. Oktober zum 150jährigen
Pfarrei-Jubiläum selbst ein ganz besonderes Geschenk bereiten
will.
Außerhalb der Pfalz wird “PalatinaKlassik”
in diesem Jahr mit einem Konzert mit geistlichen Werken am
03.112012 in der Evangelischen Kirche in Großsachsen bei Weinheim
Station machen - schon ein Monat früher, am 03.10.2012, am
deutschen Nationalfeiertag, steigt” in der Weltkulturerbestätte
“Völklinger Hütte” eine “Italienische Opernnacht” mit
internationalen Solisten und großen Ensembles.
Weitere Informationen zum Programm unter
www.palatinaklassik@t-online.de Der
SPEYER-KURIER wird außerdem jeweils zeitnah auf die
Konzertereignisse hinweisen und aktuelle Informationen geben.
In dem Pressegespräch ging Prof. Krämer auf Anfrage
auch auf seine sonstigen musikalischen Aktivitäten außerhalb seiner
näheren Heimat ein, die ihn inzwischen wohl schon den größeren Teil
des Jahres in ferne Länder führen: So ist er nach wir vor eng mit
dem Kammerorchester der Staatlichen Philharmonie in St. Petersburg
verbunden, gibt Meisterkurse am Konservatorium der
Weltmusikmetropole, wo er nach einer kürzlich in mehren umjubelten
Aufführungen gipfelnden, überaus erfolgreichen Einstudierung von
Johann Sebastian Bach’s “Matthäus-Passion” im kommenden Frühjahr
für eine stilgerechte Erarbeitung der “h-moll-Messe” des
Thomas-Kantors verpflichtet wurde.
Enge Arbeitskontakte pflegt Prof. Krämer aber auch
mit anderen russischen Musikzentren, u.a. in Kasan und Samara.
Aus
dieser Zusammenarbeit heraus wurde Leo Krämer von russischer Seite
mit dem Wunsch überrascht, im Jahr 2013 aus Anlass des Gedenkens an
den 70. Jahrestag des Endes der Schlacht von Stalingrad eine Reihe
von Konzerten zu leiten, die - mit Aufführungen von Johannes Brahms
“Deutschem Requiem” - an den im Zweiten Weltkrieg hart umkämpften
Städten entlang der Wolga - an die zahllosen Opfer auf beiden
Seiten erinnern und die schließlich in einem Abschlusskonzert im
heutigen Wolgograd ihren Höhepunkt finden sollen. Für einen
Deutschen sicher eine ganz besondere Auszeichnung, mit einer
solchen Aufgabe betraut zu werden und damit einen ganz persönlichen
Beitrag zur Aussöhnung zwischen den einst verfeindeten Völkern
leisten zu dürfen.
Aber auch auf anderen Kontinenten ist Leo Krämer
musikalisch unterwegs - gibt Meisterkurse in Japan, Südkorea und in
China, leitet Konzerte in Mexico und macht überall in der Welt
hochbegabte Musiker mit dem stilgerechten Umgang mit der Musik der
unterschiedlichen europäischen Epochen vertraut. Viele dieser
Kontakte haben eine lange Tradition und sind nicht zuletzt Ausfluss
von Leo Krämers langjähriger Arbeit am Speyerer Dom, von der auch
die Musikszene in der Pfalz bis heute profitiert. Foto:
gc
14.08.2012
Ein Hauch von Glyndebourne im Schwetzinger Schlossgarten
Ensemble des
Nationaltheaters Mannheim beschließt Mozartsommer 2012 mit
zauberhafter Soirée
pm. Schwetzingern. Ein Hauch von
Glyndebourne, Tanglewood oder Spoleto wehte durch den Schwetzinger
Schlossgarten, als Maestro Dan Ettinger am Sonntag abend den
Taktstock hob zu einem musikalischen Erlebnis der ganz besonderen
Art: Gemeinsam mit seinem prächtig disponierten Orchester vom
Nationaltheater Mannheim und Mitgliedern des Solistenensembles der
Mannheimer Oper zelebrierte er für die gut 5.000 Besucher in der
lauen Schwetzinger Sommernacht das Abschlusskonzert des Mannheimer
Musiksommers 2012 mit einer zauberhaften Soirée vor der betörend
schön illuminierten Kulisse des Schwetzinger Schlosses - gekrönt
von einem abschließenden Synchron-Feuerwerk zur
mitreißenden Konzertmusik von Rossini's "La gazza ladra"
Ouvertüre.
Sicherlich ein weiterer musikalischer
Höhepunkt die “Hymne” aller Klassik-open-air-Festivals, dem
Marsch “Pomp and Circumstances” von Edgar Elgar - fester
Schlusspunkt auch bei den legendären Londoner ”Last nights of the
proms”.
Dem
“mozärtlichen” Anlass angemessen bestimmten Werke des Salzburger
Großmeisters der Kompositionskunst den ersten Teil des
reichhaltigen Programms - Bravourstücke - Ohrwürmer fast, durch die
Mozart’sche Meisterwerke zum musikalischen Allgemeingut geworden
sind: Solo-“Schmankerl” wie die atemberaubende Koloraturarie der
Königin der Nacht “der Höllen Rachen kocht in meinem Herzen” aus
der “Zauberflöte” - von Iride Martinez zupackend, mit
halsbrecherischer Technik und mit großer Dramatik dargeboten;
sodann Bryan Boyce mit der schelmisch-spitzbübisch und mit großem
schauspielerischen Impetus vorgetragene Arie “Ein Mädchen oder
Weibchen” aus der gleichen Meisteroper Mozarts - dazu, in ganz
anderem, lyrischen Ton die Arie der Elettra “D’Oreste, d’Aiace” aus
“Idomeneo” und schließlich mit dem Rondo der Donna Anna aus Mozarts
“Don Giovanni” - von Cornelia Ptossek berührend-ausdrucksstark
präsentiert. Sie kontrastierten mit großen Ensemble-Stücken des
genialen Menschheits-Musikers, in denen er mit kunstfertigen
musikalischen Verwebungen seine hochdifferenzierte
Kompositionskunst stets ganz besonders eindrucksvoll umsetzen
konnte.
Gioacchino Rossini, Camille Saint-Saens, Gaetano
Donizetti und Georges Bizet - sie bestimmten dann den zweiten Teil
dieses außergewöhnlichen Konzertes, bei dem die Solisten noch
einmal ihr ganzes Können auffahren konnten, ehe dann das Orchester
des Nationaltheaters Mannheim mit der Ouvertüre zur Oper “Die
seidene Leiter” von G. Rossini zu dem eindrucksvollen, mit vielen
Effekten durchkomponierten Musikfeuerwerk überleiten konnte.
Wasserfälle aus Feuer, Blitze, Installationen auf der Erde, an den
Springbrunnen und an den Fassaden des Schlosses ergänzten auf
betörende Weise das Höhenspektakel und die Gesamtillumination des
Schlosses.
Der
international renommierte Pyrotechnik-Künstler Renzo Cargnelutti
wurde für diese Inszenierung vom Publikum ebenso dankbar-begeistert
gefeiert wie Moderator Christian “Chako” Habekost - er führte in
gewohnt humorvoll-hintergründiger Weise durch den Abend - sowie das
gesamte hochkarätige musikalische Ensemble unter
Generalmusikdirektor Dan Ettinger. Rauschender Beifall für sie alle
nicht nur aus den vorderen, “teuren” Sitzreihen, sondern auch von
den “billigen Plätzen” im Hintergrund - den “Liege”-Wiesen im
weiten Schloßpark, wo es sich - im besten englischen Country-Style
- Picknickgruppen bequem gemacht hatten. Und um auch daraus eine
kleine Tradition zu begründen, wurden die drei
schönsten Gruppen von einer Jury unter Leitung von
Schwetzingens Oberbürgermeister Dr. René Pöltl mit wertvollen
Preisen prämiert.
Chapeau ! -
Ein ganz großes Lob deshalb den Veranstaltern für diesen Abend: Den
Agenturen “Roth & friends” und “Yellow Concerts”, den
unaufgeregt agierenden Organisatoren der Großveranstaltung, die
dafür sorgten, dass alles reibungslos klappte und selbst das Wetter
- bis auf ein paar wenige, abkühlende Regentropfen - mitspielte,
dem Nationaltheater Mannheim für die musikalisch vorbildliche
Gestaltung dieses Konzerts am Ende eines insgesamt gelungenen
Festivals und schließlich der Verwaltung der “Staatlichen Schlösser
und Gärten in Baden-Württemberg”, die sich - was so nicht überall
möglich wäre - auf ein solches künstlerische Abenteuer eingelassen
hatte.
Sie alle sollten aus diesem Konzertabend die einzig
richtige Lehre ziehen und eine feste Einrichtung daraus machen -
nicht zuletzt, weil eine solch stimmungsvolle Sommernacht auch bei
denjenigen Zeitgenossen Freude an klassischer Musik wecken könnte,
die diesem Genre ansonsten eher fern stehen. Foto: pem
10.07.2012
Schwetzinger Schloss in Flammen 2012
Halsbrecherische Barock-Musik und ausladende romantische Chormusik
Benefizkonzert
“pro futura” für Schulen in Ruanda ein voller Erfolg
spk. Speyer. Es war ein Wagnis, doch es ist
aufgegangen: 1.500 Euro flossen am Sonntag bei dem Benefiz-Konzert
im Historischen Ratssaal auf das Konto für die Verbesserung der
schulischen Situation in der ruandesischen Partnerstadt Nkanka. Und
das, obwohl die Veranstalter selbst noch bis kurz vor Beginn des
Konzertes skeptisch waren, ob es ihnen gelingen würde, das
Interesse der Musikfreunde in Speyer für sich zu gewinnen, gab es
doch auch an diesem Tag - ja sogar zur gleichen Stunde - in der
Stadt “reichlich” Konkurrenz im gleichen Genre, der klassischen
Musik.
Doch
anscheinend hat der Name von Prof. Leo Krämer als dem
verantwortlichen musikalischen Leiter noch immer nichts von seiner
Strahlkraft eingebüßt, stehen die von ihm präsentierten Ensembles
noch immer für höchste Qualität. Und so war der Ratssaal dicht
besetzt, als der für die Städtepartnerschaften und speziell für die
mit Ruanda verantwortliche Beigeordnete Dr. Wolf Böhm die zahlreich
erschienenen Besucher begrüßte. Dabei wies er auf die besondere
Bedeutung solcher Partnerschaften “für die Zukunft der einen,
gemeinsamen Welt” hin. Dass Schülerinnen und Schüler des
Kaiserdom-Gymnasiums sowie der Siedlungsgrundschule inzwischen
Altersgenossen aus dem zentralafrikanischen Land bei sich in Speyer
zu Gast hätten und Speyerer Kinder und Jugendliche auch in diesem
Jahr wieder zu einem Gegenbesuch nach Ruanda aufbrechen würden, sei
ein beredtes Zeugnis dafür, dass die Partnerschaft zwischen
Rheinland-Pfalz und Ruanda auch im 30. Jahr ihres Bestehens so
lebendig sei wie eh und je.
Solche Initiativen nachhaltig zu unterstützen, sei
auch ihm und seinen Mitstreitern ein echtes Herzensanliegen. Das
unterstrich auch Prof. Leo Krämer in seiner Einstimmung auf das
Konzert und erinnerte in diesem Zusammenhang auch an das
Solidaritätskonzert für die von der Dreifachkatastrophe von
Fukushima betroffene Erdbebenregion in Japan , wo sich - wie jetzt
für Ruanda - hochrangige Musiker unentgeltlich in den Dienst der
guten Sache gestellt hätten.
Und was dann
in dem Konzert geboten wurde, war wirklich einmal mehr “vom
Allerfeinsten”. Barocke Instrumentalmusik - von der Flötistin
Ingrid Paul gemeinsam mit der Continuo-Gruppe, Roland Kunze (Cello)
und Leo Krämer (Cembalo), meisterlich dargeboten - wechselte mit
romantischen Chorwerke, für die einmal mehr das “PalatinaKLASSIK
Vokal-Ensemble” mit großem Engagement einstand.
Schon bei der einleitenden G-Dur-Sonate konnte
dabei Ingrid Paul ihre unglaubliche Virtuosität unter Beweis
stellen, entlockte ihren Blockflöten auch bei G.P. Telemanns
Sonatine a-moll ebenso wie bei der Sonate in C-Dur von Martino
Bitti und bei der G-Dur-Sonate des Italieners G.iovanni Batista
Sammartini erstaunliche, ja geradezu halsbrecherische Läufe -
Beispiele allerhöchster Spielkultur.
Dazu kontrastierte Roland Kunze, Cello-Professor an
der Mannheimer Musikhochschule, - einfühlsam am Klavier begleitet
von Leo Krämer - mit dem “Gesang des Vogels” des spanischen
Meistercellisten Pablo Casals in weit schwingenden Kantilenen und
mit warmem Timbre - ein Beispiel hochromantischer Musik, die den
Zuhörern das Herz aufgehen ließ.
Das ausgewogen
und mit großer dynamischer Spannweite agierende “PalatinaKLASSIK
Vokal-Ensemble” stellte sich zunächst mit Franz Schubert’s 23.
Psalm “Gott ist mein Hirt” vor - ein Werk, in dem die Seelentiefe
Schuberts ihren tief bewegenden Ausdruck findet.
Ganz anders dann bei den beiden Ecksätzen des viel
zu selten gespielten Oratoriums “Walpurgisnacht”, das Felix
Mendelssohn-Bartholdy nach Texten von Johann Wolfgang von Goethe
komponierte. Am Klavier begleitet von Hisako Nishizawa-Krämer
konnte der Chor hier so richtig “ausfahren” und seine Potentiale
eindrucksvoll unter Beweis stellen.
Wie schon zuvor bei Ingrid Paul belohnte
frenetischer Beifall die überzeugende Leistung des Ensembles.
Nach zwei Sätzen aus Johannes Brahms’ “Ungarischen
Tänzen”, für die sich Hisako Nishizawa-Krämer mit ihrer Freundin
Yuko Hayashida-Mack zusammengetan hatte, beschlossen Auszüge aus
dem “Liebesliederwalzer” für Chor und Klavier zu vier Händen von
Johannes Brahms einen abwechslungsreichen musikalischen Nachmittag
- am Ende mit der beziehungsreich (und mit einem Augenzwinkern) auf
den Ratssaal, der in seinem langen Leben wohl zahllose verbissene
Diskussionen erlebt hat - dargebotene Pretiose “Ja, es ist nicht
auszuhalten mit den Leuten - alles wissen sie so giftig
auszudeuten” - kommunalpolitischer Alltag halt, wie er wohl schon
zu allen Zeiten auch hier an der Tagesordnung war.
Wer an diesem Nachmittag nicht in den Ratssaal
gekommen war, hat sicher etwas versäumt. Das gilt sicher auch für
den Schirmherrn des Konzertes, Ministerpräsident a.D. Prof. Dr.
Bernhard Vogel, der es trotz größter Bemühungen nicht mehr
schaffte, rechtzeitig von einem Termin im Rheinland wieder in seine
Heimatstadt Speyer zurückzukehren. In seinem Auftrag verlas Michael
Wagner sein Grußwort, das der SPEYER-KURIER schon im Vorfeld
des Konzertes veröffentlicht hatte.
Mit der Aussicht auf nachzureichende Weinpräsente
bedankte sich Dr. Wolf Böhm - er hatte zuvor schon unter den
Besuchern auch den Landtagsabgeordneten Dr. Axel Wilke und den
CDU-Fraktionsvorsitzenden im Speyerer Stadtrat, Dr. Gottfried Jung,
begrüßen können - bei den Solisten dieses Konzertes, wobei er auch
den Mitwirkenden im PalatinaKLASSIK Vokal-Ensemble attestierte,
dass eigentlich auch jeder von ihnen sich an diesem Tag als ein
wirklicher Solist erwiesen habe. Foto: gc
05.06.2012
Benefizkonzert “pro futura” für Schulen in Ruanda - Bilderalbum
Wiedersehen der ganz besonderen Art - St. Petersburger Philharmoniker, langjährige Gäste in Speyer und der Pfalz, mit Spitzenkonzerten in der “Alten Oper” in Frankfurt.
von Gerhard
Cantzler
Für eine Handvoll “musikverrückter” Speyerer gab es
an diesem Wochenende gleich zweimal die Gelegenheit zu einem
Wiedersehen der ganz besonderen Art: Sie konnten im Konzerthaus
“Alte Oper” in Frankfurt das großartige Orchester der St.
Petersburger Philharmoniker, dessen “Spitzenkräfte” über bald
zwanzig Jahre hinweg auf Einladung und Initiative des früheren
Speyerer Domkapellmeisters Prof. Leo Krämer Jahr für Jahr und oft
über Wochen in Speyer und bei Speyerer Familien zu Gast waren und
dort das musikalische “Rückgrat” der “Internationalen Musiktage Dom
zu Speyer” darstellten, in gleich zwei fulminanten Konzertabenden
erleben. Groß waren deshalb die Freude, echt und herzlich die
tiefen Gefühle, die Speyerer schon vor dem Konzert im Foyer der
alten Oper erleben durften. Da zeigte sich ganz augenfällig:
Regelmäßig miteinander telefonieren zu können - über Internet am
Leben der anderen teilzuhaben - ist toll - ganz besonders, wenn man
es mit der Situation noch in den frühen neunziger Jahren
vergleicht, wo eine Telefonverbindung nach St. Petersburg
aufzubauen oft Stunden dauerte und dann auch noch gewaltige Kosten
verursachte - sich jedoch als Freunde “leibhaftig” begegnen und in
die Arme schließen zu können - das ist dann doch wieder etwas ganz
anderes.
Da gab Tränen der Freude, aber auch Gelegenheit,
Freunden auf beiden Seiten zu gedenken, die in der Zwischenzeit
verstorben sind: Da war der hochgeschätzte Professor und exquisite,
wunderbare Solohornist auf der russischen Seite (Andrej, wir werden
Dich und Dein beseeltes Spiel nie vergessen) und auf der deutschen
Seite der aus langjähriger russischer Kriegsgefangenschaft statt
mit Groll gegen die Sieger mit einer unbändigen Liebe zu den Russen
und ihrem Wesen nach Speyer heimgekehrte Pädagoge, der sein ganz
Leben lang nicht müde wurde, seinen Schülern die Botschaft von der
“großen Seele” der russischen Menschen zu vermitteln.
Es war keine laute Freude, die dieses Treffen
bestimmte - eher das stille, erinnerungsgetriebe Glück, wieder für
ein paar Stunden in Erinnerungen voller Dankbarkeit an gemeinsam
Erlebtes zu schwelgen.
Und dann die
große Überraschung: Das Programm des ersten Konzertabends in
Frankfurt - Zufall oder glückliche Fügung - war - bis auf die
Zugaben am Ende - absolut identisch mit dem Programm, das die
Speyerer bei einem Konzertaufenthalt im Jahr 2002 in der St.
Petersburger Philharmonie miterlebt hatten: Angefangen von dem
einleitenden musikalischen Charakterstück “Kikimora” des am
Übergang von der russischen Spätromantik zum Impressionismus im
Stile von Alexander Skrijabin wirkenden Schülers von Nikolai
Rimski-Korsakow, Anatolij Ljadow, über das berühmte
d-Moll-Violinkonzert von Jan Sibelius - damals wie heute
eindrucksvoll und mit großer Subtilität interpretiert von der
unvergleichlichen, bezaubernden Julia Fischer - einschließlich des
von ihr als Zugabe ausgewählten “Caprice B-Dur” von Nicolo Paganini
- bis hin zu der abschließenden, legendären Sinfonie Nr. 9 von
Antonin Dvorak “Aus der neuen Welt”.
Natürlich war alles ganz anders als damals vor zehn
Jahren in St. Petersburg - bei Maestro Yuri Temirkanov, seiner
Solistin Julia Fischer und dem großartigen Orchester der Staatliche
Philharmonie St. Peterburg. Nirgendwo wurde das besser spürbar als
bei der Dvorak-Sinfonie: Dort, wo andere Interpreten - besonders im
zweiten und dritten Satz - auch einmal Zeit zum Durchatmen, zum
Innehalten lassen, will Temirkanow keine Zeit verlieren, hält
seinen Apparat fortdauernd auf Touren, feuert sein Orchester mit
oft großer Gestik an - “Moderne Zeiten” eben in der modernen “neuen
Welt” von heute. Eine mitreißende, über weite Strecken geradezu
“wilde” Interpretation, von der die Zuhörer zu Recht begeistert
waren.
Schnelle Tempi
auch beim Sibelius-Violinkonzert, wo Julia Fischer, insbesondere im
dritten Satz mit ihrer atemberaubenden Technik bestechen
konnte.
Was die St. Petersburger Philharmoniker bis heute
vor vielleicht allen Spitzenorchestern in der Welt auszeichnet,
sind die unermesslich sich ausbreitenden Flächen in den
Streicherstimmen - bei den Kontrabässen und Celli besonders: Satte,
samtene Klangfarben von unvergleichlicher Schönheit, über denen
edle Holzbläser und makelloses Blech ihre Schönheit verströmen. Das
ist immer ein ganz besonderer musikalischer Hochgenuss - so auch an
diesem Wochenende, der süchtig machen könnte.
Zwei Kabinettstückchen als Zugaben - Edgar Elgars
“Salut d’ amour” und das witzig-fröhliche Sätzchen aus Igor
Strawinskys Ballettmusik “Pulcinella”, von dem auch international
hoch geschätzten Posaunisten Maxim Ignatiew - auch einer der
“Speyer-Fahrer” der ersten Stunde - auf der ganz eigen
artikulierenden Bassposaune meisterlich vorgetragen und dafür zum
Schlussapplaus noch einmal eigens vor das Orchester geholt -
rundenten ein im besten Sinne “musikalisch-klassisches”
Konzertprogramm, für das sich das Frankfurter Publikum - mit
kleinen Speyerer Einsprengseln - mit kaum enden wollendem Beifall
bedankte.
Hoffnung auf
beiden Seiten - bei den Speyerer Zuhörern und den St. Petersburger
Künstlern - sich in nicht allzu ferner Zeit wieder einmal zu
gemeinsamen Taten in der Pfalz zusammen zu finden. Denn wie meinte
Alexander “Sascha” Solotarev, Konzertmeister in dem
Ausnahme-Orchester am Ende so wehmutsvoll? “Die schönsten Konzerte,
die wir gemacht haben, waren die in Speyer”. Wenn das kein Lob ist,
aus kompetentem Munde....
Übrigens: Wer dieses russische Ausnahme-Orchester
“live on stage” erleben möchte, dem bietet sich am 16. Mai 2012
noch einmal eine Chance. Dann gastiert das Orchester im Rahmen
seiner Tournee durch Deutschland , Luxemburg, Österreich und
Tschechien in der Stuttgarter Liederhalle. Fotos: mwa
06.05.2012
Überschäumende Barockmusik trifft besinnliche Chor-Werke
3. Speyerer Klassik Gala im Historischen Museum
ein voller Erfolg.

spk. Speyer. Mit einem abwechslungsreichen
Programm musikalischer Kabinett-Stücke warteten jetzt die Ensembles
von “Palatia Classic” bei ihrer “3. Speyerer Klassik Gala” im
Historischen Museum der Pfalz auf. Leo Krämer - unermüdlicher
Protagonist qualitativ hochwertigster Musik in Speyer und in der
Welt - zündete dabei mit seinem “Classic Barock-Ensemble” ein
Feuerwerk musikalisch anspruchsvoller, überschäumender Werke aus
der gleichnamigen Musikepoche - das “Palatia Vocal-Ensemble”
kontrastierte dies mit eher feierlich-besinnlichen Sätzen aus der
Romantik, die zugleich eine Vorahnung auf das bevorstehende
Weihnachtsfest eröffneten.
Die Mitglieder des “Palatia Classsic
Barock-Ensembles” - ein jeder in seinem Fach ein ausgewiesener
Virtuose - sind für die Speyerer Musikfreunde inzwischen “liebe
alte Bekannte”. Um so mehr zeigte sich auch das Auditorium von der
Nachricht tief betroffen, dass ihr Primarius, der 1. Konzertmeister
des Orchesters des Nationaltheaters Mannheim, Robert Frank, schwer
erkrankt ist. Mit langanhaltendem Beifall bekundeten sie ihr
Mitgefühl und ihre Sympathie mit dem beliebten Violin-Virtuosen,
der ihnen schon so oft unvergessliche musikalische Erlebnisse
vermittelt hat. Und auch dem Rezensenten möge es an dieser Stelle
erlaubt sein, dem guten Freund Robert Frank eine baldige und
umfassende Genesung zu wünschen.
Als überzeugende Vertreterin Robert Franks konnte
Leo Krämer mit Barbara Mauch-Heinke auf eine kongeniale
Violin-Virtuosin zugreifen, die dem Barock-Ensemble schon seit
seiner Gründung angehört und in dieser Zeit - gemeinsam mit Robert
Frank - schon zahlreiche Proben ihres großartigen Könnens
abgeliefert hat.
Bei der Gala im Historischen Museum glänzte Barbara
Mauch-Heinke jetzt durch ihre hinreißenden Interpretation der
beiden Sätze “Frühling” und “Winter” aus den “Vier Jahreszeiten”
von Antonio Vivaldi. Im Saal blieb manchem Zuhörer fast der Mund
offen stehen angesichts der zupackenden Geläufigkeit ihres ungemein
inspirierten und von Leo Krämer noch zusätzlich “befeuerten”
Spiels.
Mit dem gleichen, überzeugenden Impetus
präsentierte sich auch Ingrid Paul in dem Konzert für Blockflöte
und Orchester F-Dur des italienischen Komponisten Guiseppe
Sammartini. Auch sie eine “feste Bank” bei den Auftritten des
Barock-Ensembles, die sich - ebenso wie ihre Solisten-Kollegin
Barbara Mauch-Heinke - bei den weiteren Instrumental-Stücken mit
großer Sensibilität und erkennbarer Spielfreude in den kleinen,
aber feinen Klangkörper einordnete.
Das konnten die
Zuhörer schon bei der einleitenden Orchester-Suite “L’amour” des
Hofkomponisten Ludwig XIV., Jean Baptiste Lully, erleben, das die
Mitwirkenden des Barock-Ensembles mit der gleichen Hingabe
musizierten wie später im Programm - an der Schwelle zu den
weihnachtlichen Programmteilen - das berühmte Concerto Grosso VIII,
das “Weihnachtskonzert” von Arcangelo Corelli.
Mit dem “Barock-Ensemble” ist es Leo Krämer
gelungen, einen Klangkörper zusammen zu führen, der sein
“Expertenwissen” um die Barockmusik kongenial mit vollzieht.
Tänzerische Linienführungen, Abwechslung von Betonung und
Entlastung und stets rasante Tempi sind nur zwei Kennzeichen der
Krämer’schen Barock-Interpretation, die von seinen
Instrumentalisten stets mehr als nur das “Gewöhnliche”
abverlangt.
Franz Schuberts Vertonung des 23. Psalms “Gott ist
mein Hirt” eröffnete die Programmteile mit dem “Palatia Classic
Vocal-Ensemble”. Diese im Stile eines Kammerchores aufgestellte
Gruppierung überzeugt immer wieder durch einen wohl austarierten
Klang, so dass es ungerecht wäre, einzelne Stimmen hervorzuheben.
Mit zwei Ecksätzen aus der “Missa Choralis” für achtstimmigen Chor
- dem Kyrie und dem Agnus Die - erwies der Chor dem großen
Komponisten-Jubilar dieses Jahres, Franz Liszt, seine Referenz,
dessen 200. Geburtstag die Musikwelt in diesem Jahr gedenken
konnte.
Herrliche - ebenfalls achtstimmige - Chorsätze von
Felix Mendelssohn-Bartholdy setzten das abwechslungsreiche Programm
fort: Zunächst die beiden Sätze “Advent” und “Weihnachten” aus den
viel zu selten zu hörenden “Sechs Sprüchen” für achtstimmigen
Doppelchor und sodann - wesentlich bekannter - aus dem Oratorium
“Elias” das achtstimmige “Denn er hat seinen Engeln befohlen über
dich”.
In allen Werken überzeugte das “Vocal-Ensemble”
durch absolut zuverlässige Intonation, einen warmen beseelten Klang
und flexible Artikulation - auch hier ein “kleiner, aber feiner
Apparat”.
Eine ganz besondere musikalische Kostbarkeit hatte
sich Leo Krämer für den Schluss dieses heiter-besinnlichen
Konzertabends aufgespart. Mit den beiden Sätzen von Max Reger “Und
uns’rer lieben Frauen” und “Macht hoch die Tür, die Tor macht weit”
erklang Musik, die für alle Chöre eine besondere Herausforderung
darstellt. Auch sie gelangen dem Ensemble in überzeugender Weise -
dass bei dem Adventslied schließlich auch das Publikum in den
Gesang mit einbezogen wurde, vereinte schließlich Ausführende und
Zuhörer zu einer großen, weihnachtlich gestimmten Gemeinde.
Lang anhaltender Beifall war der Lohn für eine
rundum gelungene Leistung, an der auch Oberbürgermeister Hansjörg
Eger und Gattin, Bürgermeisterin Monika Kabs sowie all die anderen,
zahlreich erschienenen Besucher im Historischen Museum erkennbar
ihre Freude hatten. Und auch den Sponsoren dieses Konzertes scheint
es gefallen zu haben, so dass diese Konzertreihe wohl auch
zukünftig in ihrem Bestand gesichert sein sollte. Foto: S.Y.M
GmbH
18.12.2011
Bewegendes Gedenken und herzliche Solidarität
Benefizkonzert für die Opfer von Fukushima in
der Gedächtniskirche
sk.
Speyer. Zwei Stunden Klassik vom Feinsten - komponiert vom
vielleicht japanischsten aller deutschen Komponisten - Ludwig van
Beethoven - dessen große Sinfonien für Japaner ebenso zur
Allgemeinbildung zählen wie die Gedichte und Dramen deutscher
Klassiker - sie gaben den Rahmen für ein außergewöhnliches Zeichen
der Solidarität mit den Menschen im japanischen Katastrophengebiet
um Fukushima: Mit einem Benefizkonzert zugunsten einer völlig
zerstörten Musikschule in der rheinland-pfälzischen Partnerregion
Iwate wollte sich der “Spiritus rector” dieses Nachmittags in der
Gedächtniskirche, der langjährige Speyerer Domkapellmeister Prof.
Leo Krämer, ein Herzensanliegen erfüllen und ein Zeichen der
Verbundenheit mit den so schwer geschlagenen Menschen in Japan
setzen. Dazu hatte er Freunde und Kollegen aus der Musikszene -
Profimusiker ebenso wie Amateure - zur kostenlosen Mitwirkung bei
diesem Konzert gewinnen können, sodass alle Einnahmen -
Eintrittsgelder ebenso wie Spenden - ausnahmslos nach Japan
überwiesen werden können - eine Benefizgala also im besten
Wortsinne.
Gleich zwei hochrangige Vertreter der
Öffentlichkeit hatten sich bereit erklärt, die Schirmherrschaft
über dieses Konzert zu übernehmen: Der rheinland-pfälzische
Ministerpräsident Kurt Beck - an diesem Nachmittag terminlich
leider verhindert - und der Speyerer Oberbürgermeister Hansjörg
Eger. Zu ihnen gesellte sich als Vertreter des Kaiserreichs Japan
der Stellvertretende Generalkonsul in Frankfurt, Jiri
Nishimura.
Es war Prof. Leo Krämer - nicht nur durch familiäre
Beziehungen eng mit Japan verbunden - bei seiner Begrüßung sehr
wohl anzumerken, wie sehr ihn die Lage der Menschen in den
Katastrophengebieten Japans auch ganz persönlich bewegt. Darum
dankte er Sponsoren und Mitwirkenden bei diesem Konzert ebenso wie
den Zuhörern für ein großartiges Zeichen der Solidarität, das - so
seine eigenen Erfahrungen - von den Menschen in Japan mit großer
Dankbarkeit zur Kenntnis genommen würde. “Die Japaner verbinden
damit auch die Hoffnung, dass dieses furchbare Ereignis dazu
beitragen kann, die aufgrund räumlicher Entfernung und kultureller
Andersartigkeit noch immer bestehende Distanz zwischen Deutschen
und Japanern ein Stück weit zu überbrücken”, sagte Prof. Krämer in
einem Gespräch mit dem SPEYER-KURIER, “die Japaner lieben
Deutschland und die Deutschen und vor allem die deutsche Kultur, in
der sie oft besser ‘zuhause’ sind als wir Deutschen selbst”. Über
die Gefühlwelt der Japaner nach diesem furchtbaren Unglück handelte
auch das “Interview der Woche” des SPEYER-KURIER am 25.
April 2011 mit Prof. Leo Krämer. (siehe
Artikel-Archiv SPEYER-KURIER April 2011)
Auch Oberbürgemeister Eger, der unter den Gästen
auch den früheren Speyerer Kulturbürgermeister Hans-Peter Brohm und
Landtagsabgeordneten Dr. Axel Wilke begrüßen konnte, lobte die
Initiative der Musiker um Prof. Leo Krämer, die einmal mehr
deutlich werden lasse, dass die verbindende Wirkung von Musik
weltumspannend sei.
Der
stellvertretende Generalkonsul von Japan, Jiri Nishimura, äußerte
seinerseits große Freude und Dankbarkeit über das Engagement der
Musiker in Speyer, die damit einen mehr als nur symbolischen
Beitrag zur Überwindung der furchtbaren Katastrophe von Fukushima
leisteten. “Es ist erst sieben Monate her, dass dort über 16.000
Menschen ihr Leben verloren - über 4.000 gelten bis heute als
vermisst”, stellte der Diplomat in perfektem Deutsch fest. “Japan
hat in dieser Zeit viel Hilfe erfahren - gerade und insbesondere
auch aus Deutschland. Dadurch fühlen die Japaner, dass sie in der
Weltgemeinschaft nicht allein gelassen sind”, lobte Nishimura, der
darauf hinwies, dass Bundespräsident Christian Wulff in diesen
Tagen in Japan weile, um des 150. Jahrestages der Aufnahme von
diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu gedenken.
“Am 15. November werden wir dann aus diesem Anlass in Frankfurt ein
großes Fest feiern, bei dem dann die japanische Kultur im
Mittelpunkt steht”. Dazu lud Nishimura auch alle Besucher dieses
Konzertes ein und wies gleichzeitig darauf hin, dass gerade die 5.
Symphonie von Beethoven in Japan überaus populär sei. Vielleicht,
weil sie der Komponist selbst mit dem Zusatz “Schicksals-Symphonie”
bezeichnet habe und sie so für viele Japaner für eine ihrer
zentralen Tugenden stünde - die Unbeugsamkeit auch in schwerster
Zeit.
Eröffnet wurde das
Konzert dann aber mit eher weniger schicksalsbehafteten Tönen,
sondern mit romantischer Emotion pur: Robert Frank, 1.
Konzertmeister beim Orchester des Nationaltheaters Mannheim und mit
Leo Krämer von Kindesbeinen an eng befreundet, hatte die “Romanze
in F-Dur” von Ludwig van Beethoven mitgebracht, die er, begleitet
von einem Orchester aus Mitgliedern der führenden Ensembles aus der
Region, mit viel Ausdruck und Schmelz darbot und so die Herzen der
vielköpfigen Besucherschar eindrucksvoll für die nachfolgenden
Kompositionen vorbereitete.
Die 5. Symphonie von Beethoven geriet dann sicher
zu der großen Überraschung dieses Nachmittags: Weltweit alljährlich
hundert-, wenn nicht gar tausendfach gespielt, kennt sie der
Konzertgänger als ein Werk mit “dicker Besetzung” - sechs bis acht
Kontrabässe, darüber acht bis zwölf Celli - Streicher satt bis hin
zu den zehn bis zwölf Ersten Geigen. Dann Holz- und
Blechbläserbläser, oft doppelt besetzt - kurz, ein Übermaß an
Instrumentierung, die dann nur all zu oft in Gefahr gerät, zu
flächig, zu starr und unbeweglich zu verharren.
Anders bei Leo Krämer: Er hatte sich an dem Vorbild
des Komponisten selbst orientiert und ein Orchester in sparsamster
Besetzung zusammengestellt, so wie es Beethoven bei der
Uraufführung der “Fünften” am 22. Dezember 1808 in Wien zur
Verfügung stand: Zwei Bässe, drei Celli und eine entsprechende Zahl
I. und II. Geigen, Bratschen und - statt der üblichen Ventilhörner
mit Naturhörnern und ihrem “speziellen” Klang - bestückt.
Heraus kam eine
Symphonie voller Musizierfreude, Beweglichkeit und durchsichtiger
Klarheit. Das erinnerte an jene denkwürdige Aufführung der
“Fünften”, die Leo Krämer vor Jahren mit “seinen” Petersburgern
“auf das Speyerer Konzertpodium gestellt hatte. Um so
beeindruckender, dass ihm dies nun mit einem Orchester, mit dem er
zuvor noch nie zusammengearbeitet hatte, kaum weniger gut gelang -
und das mit einem Minimum an Probenzeit - die Mannheimer stecken ja
derzeit mitten in den Schlussproben für das “Rheingold”.
Leo Krämer gelang es einmal mehr, ein Orchester zu
Höchstleistungen anzuspornen - man denke nur an das Fugato im
dritten Satz - von den Bässen aufsteigend - oder im Finale, wo er
jeden einzelnen Musiker zu einer geradezu sportlichen
Höchstleistung anfeuerte.
Beethoven sollte es gefreut haben, wenn er diese
“Fünfte” aus “lichten Höhen” verfolgt hat - das Publikum jedenfalls
zeigte sich zu Recht begeistert und konnte diese Begeisterung
mitnehmen in den dritten Teil dieser Beethoven-Gala.
Hier stand die Messe C-Dur op. 86 für Soli, Chor
und Orchester auf dem Programm, nach Mozart’s “Krönungsmesse” eine
der wohl am häufigsten aufgeführten Orchestermessen im 19. und 20.
Jahrhundert. Hier geht es weit weniger “stürmisch” zu als in der
zuvor gehörten “Schicksals-Symphonie” - die
kontemplativ-feierlichen Abschnitte wechseln sich in liturgisch
angemessener Form mit leidenschaftlichen Ausbrüchen ab. Prof.
Krämer hatte dazu seine Chorensembles, das palatia Classic Vocal
Ensemble, den Philharmonischen Chor an der Saar und den Chor der
Saarländischen Bachgesellschaft - wie von ihm gewohnt - gründlich
auf dieses Konzert vorbereitet und die verschiedenen Stimmen sehr
gut aufeinander intoniert. Die bestens disponierten Vokalsolisten
Susanne Bernhard, Sopran, Susanne Schäffer, Mezzosopran, Uwe
Eikötter, Tenor und Vinzenz Haab, Bariton fühlten sich in dem von
Chor und vorzüglich agierendem Orchester bestens bereiteten
Klangbett hörbar wohl und konnten - jeder in seiner Art - seine
besonderen Fähigkeiten ausspielen.
Ein
in jeder Hinsicht gelungenes Konzert von hohem musikalischem Rang
und einer in jeder Beziehung gleichgewichteten Sinnstiftung, für
das das Publikum bewegt und langanhaltend Beifall spendete. Blumen
und Wein für die Solisten waren nicht zuletzt äußere Zeichen
überschwänglicher Dankbarkeit - in die - ganz am Schluss - im
Benedictus und Agnus Dei der Messe auch noch einmal das Gedenken an
die Opfer von Fukushima hineinschwang.
Ein großer Konzertnachmittag - ein großes
musikalisches Erlebnis, das allen, die zu dieser ungewöhnlichen
Stunde in die Gedächtniskirche gekommen waren, sicher noch lange in
Erinnerung bleiben wird. Foto: Kienipress
24.10.2011