Skip to main content

Walter Zwick - der 81jährige ehrenamtliche Entwicklungshelfer

Eine Geschichte über den Bundesverdienstkreuzträger und sein Engagement

Dr. Walter Zwick mit Bewohnern von Battambang

Im Reisfeld bei Unterstützung der Farmarbeiter

Bei der täglichen Besprechung mit Farmmitarbeitern

Von unserem Mitarbeiter Werner Schilling

Speyer. Man sieht ihm die 81 Jahre wirklich nicht an. Dr. Walter Zwick sprüht noch vor Energie und bekommt glänzende Augen, wenn er von seinen Hilfseinsätzen in Kambodscha erzählt. Am 9.Januar reist der  Diplom-Landwirt  zum 27.Mal für zehn Wochen in das Land am Golf von Thailand, zwischen Thailand, Laos und Vietnam gelegen. Sein Hauptaugenmerk gilt dem Reisanbau in der Gegend um Battambang, rund 300 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Phnom Penh. Er gibt dort sein Fachwissen als Agrarexperte an die Einheimischen  weiter und hilft bei der Entwicklung der örtlichen Landwirtschaft.

Zwick engagiert sich seit vielen Jahren in seiner Stadt und in der ganzen Welt. Im Jahr 2000 schloss er sich dem Senior Expert Service an (SES) und gibt seit dem sein Fachwissen als Agrarexperte in vielen Entwicklungsländern weiter. Für sein außerordentliches ehrenamtliches Engagement hat der Vater von vier Mädchen und zwei Jungen  nun das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland erhalten.

Auch in seiner Speyerer Heimat engagiert sich der Geehrte vielfältig. So nahmen er und  seine ebenfalls sozial engagierte Ehefrau Anne schon in den 80er Jahren eine vietnamesische „Boatpeople-Familie“ für ein Dreivierteljahr auf und versorgte diese unentgeltlich; auch in der Familienhilfe in Indien engagierte sich die Familie. Walter Zwick hat sich darüber hinaus in Speyer im Rahmen einer Betreuung um einen schwerbehinderten Menschen gekümmert, war Pfarrgemeinderatsvorsitzender in seiner Kirchengemeinde und für mehrere Jahre Vorsitzender des Bauernmarktvereins, dessen Ehrenvorsitzender er heute noch ist.

Der Diplom-Landwirt war 34 Jahre lang bei der BASF in verschiedenen Funktionen als Agrarfachmann tätig und hat sich da schon mit Reisanbau vertraut gemacht. Seit seiner Pensionierung im Jahr 2000 engagierte sich Zwick unter anderem in Myanmar, den Philippinen und in Weißrussland. Seit dem Jahr 2004 hat sich Zwick auf die Farm in Battambang konzentriert  und ist jährlich für rund fünf Monate über den SES für die von Don Bosco betriebene Entwicklung der Landwirtschaft in Kambodscha engagiert. Wichtig ist ihm die Unterstützung der örtlichen Don Bosco Technical School in Phnom Penh, da ihm die Verbesserung der Ausbildung junger Menschen in den landwirtschaftlichen Fachbereichen ein großes Anliegen ist. Zwick unterstützt die Landwirte bei der Intensivierung der Reiserzeugung, aber auch beim Anbau von Feldgemüse, in der Fischteichwirtschaft, Rinder-, Schweine- und Legehennenhaltung sowie bei der Gewinnung von Biogas aus Tierkot. Das gewonnene Methangas wird zum Kochen verwendet. Künftig ist auch die Ausbildung von Landmaschinenschlossern für die eingesetzten Landmaschinen vorgesehen. Durch eine kontinuierliche Arbeit vor Ort erzielten Walter Zwick und seine Mitstreiter beachtliche Erfolge in der Verbesserung der Ausbildung junger Menschen. Dreher, Schlosser und Elektroniker sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt und mit einem Lohn von 400 Dollar in der Lage, eine ganze Familie zu ernähren. 

Auch wenn die hygienischen Bedingungen bei  seinen  Kambodscha-Einsätzen arg zu wünschen übrig lassen und unzählige Ratten  - Zwick: „Gegrillt schmecken sie wie Kaninchenfleisch.“-   zur  Tagesordnung gehören, so wird das aufgewogen durch die Freundlichkeit und die Dankbarkeit der Menschen. Wenn viele Kinder von der Straße und in eine der drei Schulen geholt  und vor den Fängen von Menschenhändlern und damit vor Prostitution gerettet werden, dann ist das für den Agrarexperten allemal die Anstrengung wert.

Wenn er nach einem Einsatz wieder abreist, wird er oft gefragt: „Warum bleibst du nicht immer ganz bei uns?“ Mit seinen 81 Jahren kann man es dem ehrenamtlichen Entwicklungshelfer  nicht verdenken, dass er so langsam einen Nachfolger sucht. „Aber da jemanden zu finden, das ist nicht so einfach“, räumt Zwick ein. So lange es seine Gesundheit zulässt, will er weiter nach Battambang fahren. Zwick: „Ich bin eben Landwirt mit Leib und Seele.“ Seinen zweiten Einsatz in diesem Jahr musste der Speyerer schon abblasen. Zurzeit kuriert er nach einem Fahrradsturz den Schenkelhalsbruch  aus. So kann Zwick nur wöchentlich  skypen mit seinen fünf Mitarbeitern, die auf elf Hektar Anbaufläche jährlich rund 60 Tonnen „Regenreis“ produzieren.  Aber vom 9.Januar bis zum Karfreitag steht Fahrt Nr. 27 „hoffentlich nichts mehr im Weg“. Foto: Privat