Skip to main content

„Ökumene ist multilateral und vielfältig“

Kirchenpräsident Christian Schad legt Kirchengremien Bericht über evangelisch-katholische Konsultationen vor.

Bonn/Speyer. Das Jubiläumsjahr der Reformation ist aus evangelischer Sicht seinem Anspruch, „Motor für eine neu aufbrechende Ökumene“ zu sein, voll und ganz gerecht geworden. Er sei dankbar für die vielen Impulse und zahlreichen Begegnungen auf unterschiedlichen Ebenen weltweit, sagte der evangelische Vorsitzende des Kontaktgesprächskreises zwischen Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad, am Freitag in Bonn. Dort tagen zurzeit die Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und die Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen in Deutschland (UEK).

Schad zeigte sich beeindruckt vom ökumenischen Geist, der beim Besuch der EKD-Delegation im Februar im Vatikan spürbar gewesen sei. Dabei habe Papst Franziskus im Blick auf die Vorstellung der Einheit der Kirche den von den reformatorischen Kirchen geprägten Begriff der „versöhnten Verschiedenheit“ aufgenommen. Diese Einheitsvorstellung sei bis dahin von katholischer Seite fast nur kritisiert worden. „Nun nimmt sie der Papst anerkennend auf und dankt für die Schätze, die die römisch-katholische Kirche von der Reformation empfangen hat“, sagte der Kirchenpräsident.

Das Reformationsjubiläum habe darüber hinaus gezeigt, dass Ökumene mehr sei als der evangelisch-katholische Dialog auf nationaler und internationaler Ebene, sagte Schad in seinem Bericht. „Ökumene ist multilateral und vielfältig“. Sie werde von den einzelnen Landeskirchen, den Kirchenbezirken und Gemeinden in zahllosen Partnerschaften und Kontakten wahrgenommen.

„Es geht nicht allein um Erwartungen an die andere Seite, sondern um die eigene Bereitschaft, sich korrigieren und verändern zu lassen.“ Dies gelinge, wenn der theologische Dialog eingebettet sei „in Freundschaft, in lebendige, vertrauensvolle Kommunikation und geistliche Erfahrung miteinander“, führte Schad aus. Das so gewachsene Vertrauen könne auch ertragen, dass einzelne Stimmen sich vom ökumenischen Ertrag des Reformationsjubiläums enttäuscht zeigten, „selbst wenn sie – wie im Fall von Kardinal Woelki – von hoher Stelle kommen.“

Kirchengemeinschaft könne weder uniform noch beliebig sein, sondern sei mit einem „Zusammenwohnen in einer Hausgemeinschaft“ vergleichbar, erläuterte der Kirchenpräsident. Letztlich eine die Kirchen mehr als sie trenne. Die Konsultationen hätten gezeigt, dass sich die Kirchen in theologischen Fragen näher seien, als gedacht. Dies komme auch in einem gemeinsamen Text zum Ausdruck, der Ende des Jahres fertiggestellt sein soll.

Hintergrund: Vom 9. bis 11. November tagten in Bonn sowohl die Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen (UEK) als auch die Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Gemeinsam mit der UEK-Vollkonferenz nehmen die Generalsynodalen den Bericht des Catholica-Beauftragten der VELKD, Bischof Karl-Hinrich Manzke, und den Bericht über die Catholica-Arbeit in der EKD, Kirchenpräsident Christian Schad, entgegen.

Mehr zum Thema:www.ekd.de. Text und Foto: lk