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Es hilft nur Vorbeugung: Afrikanische Schweinepest

Gefahr auch für Deutschland ernst nehmen

Bad Dürkheim. Sie ist zwar für den Menschen völlig ungefährlich, doch eine große Gefahr für Wild- und Hausschweine mit erheblichen wirtschaftlichen Konsequenzen: die Afrikanische Schweinepest (ASP). Vor zehn Jahren vermutlich durch illegal entsorgte Speisereste von Afrika nach Georgien eingeschleppt, verbreitet sie sich seit 2014 in Osteuropa, vor allem in den baltischen Staaten und Polen, und ist im Juni erstmals in Tschechien aufgetaucht. Die Gefahr für Deutschland ist akut, doch mit guter Hygiene könnte eine Verbreitung verhindert werden.

„In Deutschland ist die ASP noch nicht aufgetreten. Damit das möglichst so bleibt, sollte aus den betroffenen Ländern kein Schweinefleisch mitgebracht werden und Essensreste, auch bei uns, immer so entsorgt werden, dass Wildschweine nicht drankommen“, erklärt Dr. Christian Cegla, Leiter des Veterinäramts Bad Dürkheim, die wichtigste Regel. Das gilt generell: Wer im Wald unterwegs ist, sollte kein Essen unbedacht wegwerfen, auch zu Hause gehören Speiseabfälle immer in geschlossene Behälter. Die Gefahr für eine Einschleppung ist hoch, die ASP ist bereits in Estland, Lettland, Litauen, Polen, Russland und Tschechien aufgetreten. Sollten sich Wildschweine in Deutschland infizieren, ist die Ausbreitung nur schwer zu kontrollieren. Bei Hausschweinen müsste umgehend der gesamte betroffene Bestand getötet werden, Handelssperren für Schweine und Schweinefleischprodukte würden verhängt. „Für Menschen ist die ASP zwar ungefährlich, bei Schweinen führt sie jedoch schnell zum Tod“, sagt Cegla. Einen Impfstoff gibt es nicht, die Krankheit ist unheilbar. Zur Vorbeugung bleibt nur Hygiene. Überträger sind infizierte Schweine, aber auch Lebensmittel, Speiseabfälle. Daher ist jeder gefragt, Schweinefleischprodukte nicht einzuführen und Essensreste immer so zu entsorgen, dass Schweine keinen Zugang haben. „Das Virus ist extrem widerstandfähig. Es überlebt in Fleisch und Wurst 400 Tage. Auch wenn eingefroren, gepökelt, geräuchert wurde.“ Ein unachtsam weggeworfenes Wurstbrot kann schon der Auslöser einer Epidemie sein.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) weist darauf hin, dass das Virus auch über Gegenstände wie Werkzeuge, Schuhe, Kleidung oder Fahrzeuge weitergetragen werden könne. Insbesondere Jäger, die aus dem Ausland zurückkommen, und Transporteure sollten daher die Hygienemaßnahmen beachten. Jäger dürfen keine unbehandelten Trophäen einführen, Kleidung und Ausrüstung müssen gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Fahrzeuge, die landwirtschaftliche Betriebe in betroffenen Ländern anfahren, sind ebenfalls zu desinfizieren. Wer aus dem EU-Ausland kommt, muss entsprechende Papiere mit sich führen. Für Schweinehalter gilt: Kontakt von Haus- zu Wildschweinen verhindern und das schon seit Jahrzehnten geltende Verbot, keine Speisereste und Küchenabfälle zu verfüttern, einhalten. Sobald ein Verdacht besteht, vermehrt Infektionen, Fehlgeburten oder Todesfälle auftreten, sollte das Veterinäramt informiert werden. Die Symptome der ASP sind schwer, aber unspezifisch: Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen, Atemprobleme.

„Früherkennung ist sehr wichtig“, betont Cegla. „So bleibt im Notfall möglichst viel Zeit, die Ausbreitung einzudämmen.“ Das Landesuntersuchungsamt (LUA) hat daher eine Anordnung erlassen, die Jäger verpflichtet, von jedem krank erlegten oder verendet gefundenem Wildschwein (auch nach Autounfällen) Proben zu nehmen und beim Veterinäramt abzugeben oder direkt an das LUA zu schicken, bis zu einem Gewicht von 30 Kilogramm auch von gesund erlegten Tieren. Dies gilt insbesondere, wenn beim Aufbrechen schon Auffälligkeiten zu erkennen sind. Außerdem soll in Rheinland-Pfalz die Schwarzwildpopulation durch Bejagung bis unter zwei Stück pro 100 Hektar Waldrevier verringert werden. Wenn Jäger vermehrt auf Fallwild stoßen, sollten sie außerdem das Veterinäramt verständigen.

Text: KV Bad Dürkheim