Speyer-Kurier
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Neues Namensschild an der Speyerer Hochschule angebracht -

DHV Speyer jetzt auch nach außen hin sichtbar in “Universität Speyer” gewandelt.

spk. Speyer. “Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer” - so lautet jetzt der neue Name der bisherigen DHV, der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, der mit der Anbringung des neuen Schriftzuges durch den Speyerer Kunstschlosser Bernhard Pelgen und seine Mitarbeiter heute auch nach außen hin sichtbar vollzogen wurde. “Mit dieser Umbenennung” so der Rektor der Universität, Prof. Dr. Joachim Wieland, "wollen wir auch in unserem Namen dokumentieren, dass wir uns nach der Einführung der neuen Masterstudiengänge weiter für die Ausbildung des verwaltungswissenschaftlichen Nachwuchses geöffnet haben und nicht mehr - wie bisher - nur rein nachuniversitäre Postgraduiertenangebote bereithalten."

Als einzige vom Bund und allen Ländern gemeinsam getragene akademische Ausbildungsstädte und als deutsches Kompetenzzentrum für Verwaltungswissenschaften nimmt die Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer in der nationalen Hochschullandschaft eine Sonderrolle ein. Prof. Dr. Wieland sieht sie deshalb in einer besonderen Verantwortung für die Entwicklung von Staat und Gesellschaft: "Wir sind seit 65 Jahren ein zentrales föderales Begegnungsforum in Sachen guter Verwaltung und wollen auch in den kommenden Jahrzehnten die Entwicklung des öffentlichen Sektors in Deutschland und Europa insbesondere über unser erfolgreiches Ausbildungsmodell für Rechtsreferendare und durch unsere Forschung mit gestalten".

Die Ursprünge der Speyerer Universität gehen zurück auf die von der französischen Besatzungsmacht 1947 noch vor Gründung der Bundesrepublik in Speyer ins Leben gerufene Akademie für Verwaltungswissenschaften, die in der Folgezeit mit der Verleihung des Habilitations- und Promotionsrechtes den vollen Universitätsstatus erlangte.

Die Universität widmet sich auf der Grundlage eines breiten methodischen Spektrums dem Thema der öffentlichen Verwaltung von der kommunalen bis zur globalen Ebene und berücksichtigt dabei auch die Beziehungen zwischen öffentlichem und privatem Sektor. Ihre Aufgaben sind die Aus- und Weiterbildung von Führungskräften, die Forschung sowie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Zu Ihrem Kernprofil zählen ihre Wissenschaftlichkeit, ihre Praxisbezogenheit und ihre Interdisziplinarität. Alle drei Aspekte fließen in ihre akademische Lehre, in anwendungsorientierte Forschung sowie berufsbegleitende Weiterbildung ein. Mit ihren Magister-, Master- und Promotionsstudiengängen sowie mit ihrem einzigartigen verwaltungswissenschaftlichen Ergänzungsstudium für die Rechtsreferendarinnen und -referendare der Länder bietet die Universität ein breites Qualifikationsangebot für künftige Führungskräfte der Öffentlichen Verwaltung an. Mit 17 Lehrstühlen und der größten Verwaltungswissenschaftlichen Spezialbibliothek Deutschlands bietet die Universität ihren durchschnittlich 350 Studierenden ein ideales Lern- und Betreuungsumfeld. Zu dessen weiteren Optimierung erhofft sich die Universität die baldmögliche Realisierung ihres derzeit größten Projektes: Der Errichtung einer neuen Universitäts-Bibliothek, für die alle planerischen Vorbereitungen getroffenen sind und wo allein noch die Finanzierungszusage durch das Land aussteht. Foto: jüs

28.03.2012


DHV Speyer jetzt auch nach außen hin sichtbar in “Universität Speyer” - Bilderalbum

Gipfelpunkt auf einem langen Weg

Privatdozent Dr. Alexander Windoffer erhält Habilitations-Urkunde an der DHV

von Gerhard Cantzler

Es war schon ein kurioser Zufall, dass Privatdozent Dr. Alexander Windorffer zum Ende seines Habilitationsverfahrens an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften DHV in Speyer seine Antrittsvorlesung ausgerechnet am 65. Jahrestag der Gründung dieser renommierten Einrichtung halten konnte. Das betonte auch zu Beginn des Abends der Rektor der DHV, Universitätsprofessor Dr. Joachim Wieland, der aus diesem Anlass zahlreiche Gäste im Auditorium Maximum der Hochschule begrüßen konnte - an ihrer Spitze den Vorsitzenden des Freundes- und Fördererkreises der DHV, Oberbürgermeister Hansjörg Eger, das Mitglied des Europäischen Parlaments Jürgen Creutzmann sowie die Präsidenten der Landesrechnungshöfe Rheinland-Pfalz, Klaus P. Behnke, und aus Baden-Württemberg, Max Munding.

Es war nämlich genau am 11. Januar 1947, als die französische Besatzungsmacht das Dekret über die Gründung der Hochschule bekannt gab und damit die Erfolgsgeschichte dieser hochrangigen wissenschaftlichen Einrichtung einleitete.

Alexander Windoffer, geb. 1972 in Wesel, gehört der DHV seit dem Jahr 2001 an, so Prof. Wieland in seinen einführenden biographischen Anmerkungen zum Beginn des Vortragsabends. Er kam damals nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen und nach seinem Ersten und Zweiten Juristischen Staatsexamen vom Landratsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises in Villingen-Schwenningen, wo er das Rechtsamt leitete, als Forschungsreferent an das Forschungsinstitut der DHV in Speyer. Dort, so der Rektor, habe er “höchst produktiv und innovativ” gewirkt und eine Vielzahl bemerkenswerter Veröffentlichungen vorgelegt.

2005 promovierte er an der DHV bei Univ.-Prof. Dr. Jan Ziekow mit “summa cum laude” zum Dr. rer.publ.

2011 schließlich erwarb Windoffer die “Venia legendi”, das Recht, selbst universitäre Lehrveranstaltungen abzuhalten - die Vorstufe zur Habilitation - legte seine Habilitationsschrift vor, hielt - gemäß der Speyerer Habilitationsordnung - eine Probevorlesung und absolvierte ein umfangreiches Kolloquium, ehe er jetzt mit der Antrittsvorlesung über “Das neue Glücksspielrecht - Präventionsmodell mit Gewinnchancen in Karlsruhe und Luxemburg” das aufwendige Habilitationsverfahren krönte.

In seiner Vorlesung analysierte Privatdozent Dr. Windoffer, der - durchaus verfahrensüblich - bereits seit zwei Semestern eine Lehrstuhlvertretung an der Universität Mainz wahrnimmt, das neue Glücksspielrecht in der Bundesrepublik. In diesem gehe es, so der Wissenschaftler, weniger um das Glücksspiel generell, sondern um seine Handhabung in der Öffentlichkeit. Hier stünden der Schutz der Spieler vor Suchtgefährdung und Manipulation in Konkurrenz zu den garantierten Grundrechten der Berufsfreiheit und der Niederlassungsfreiheit der Wettbetreiber.

Als weiteres beschrieb Dr. Windoffer die unterschiedlichen Formen des Glücksspiels von den verschiedenen Lotterien über die Sportwetten, die Casinowetten und die Automatenspiele, bewertete deren jeweiligen Grad an Suchtgefährdung und umriss den Umfang der staatlichen Restriktionsmöglichkeiten bei Zulassung und Spielkontrolle.

Dabei ging er auch auf die höchst unterschiedlichen Zuständigkeiten der verschiedenen Gesetzgebungsebenen ein, die durchaus nicht nur zur Vereinfachung des rechtlichen Umgangs mit den verschiedenen Glücksspielen geführt hätten.

Bei der Neufassung des Glücksspielrechtes hätte sich zudem eine Divergenz der Rechtsauffassungen des Landes Schleswig-Holstein mit den anderen 15 Bundesländern herausgestellt. Dies berge die Gefahr in sich, dass immer mehr Wettveranstalter ihren Firmensitz in das Land zwischen Nord- und Ostsee verlagern könnten. Dennoch sah der Referent keinen Grund für eine Schreckensvision von einem “Las Vegas an der Kieler Börde”. Das hänge insbesondere mit der Tatsache zusammen, dass die meisten Wettspiele heute bereits per Internet abgewickelt würden.

Als positiv bewertete Dr. Windoffer, dass sich die Länder darauf verständigt hätten, die Zahl der Spielbanken in Deutschland nicht weiter zu vergrößern, da die dort angebotenen Wettspiele angesichts der möglichen Gewinn- und Verlustchancen zu den gefährlichsten für die Spieler überhaupt zählten.

Mit Blick auf das europaweit geltende Kohärenzgebot, nachdem die in den europäischen Mitgliedsländern geltenden Bestimmungen der Durchsetzung von Europarecht dienen müßten, verwies der Referent auf die Tatsache, dass nach europäischem Recht alles möglich sei - vom absoluten Verbot von Glücksspiel bis hin zum Verzicht auf jedwede Kontrolle. Für ihn gebe es allerdings auch keinen Grund zu der Sorge, dass ein generelles oder teilweises Verbot bestimmter oder gar aller Glücksspiele zu erfolgreichen Schadensersatzforderungen der heute schon in dem “Geschäft” tätigen Wettbetreiber führen könnten.

Sein Fazit: Die Ländermehrheit in der Bundesrepublik hat mit dem neuen Glücksspielrecht “auf das richtige Pferd gesetzt”, das wohl auch vor den Gerichten in Karlsruhe und Luxemburg Bestand haben dürfte. Die darin enthaltenden Restriktionen sind mit den europäischen Freiheiten vereinbar. Der schleswig-holsteinische Sonderweg dagegen sei ein Irrweg, für den die anderen Ländern ihren norddeutschen Kollegen die Rechnung präsentieren sollten.

Aus der Hand von Rektor Dr. Wieland konnte Dr. Windoffer sodann die Habilitationsurkunde entgegennehmen - redlich erarbeitet und nicht am Spieltisch gewonnen...  Foto: Kienipress

12.01.2012


Privatdozent Dr. Alexander Windoffer erhält Habilitations-Urkunde - Bilderalbum

Widerstand - Bürgerrecht oder Bürgerpflicht?

13. Demokratie-Tagung an der DHV mit spektakulären Gästen

von Gerhard Cantzler

In Brüssel, Paris und Berlin feierten sich die Politiker noch ob der vermeintlichen EURO-Rettung und auf dem Börsenparkett in Frankfurt gingen die Kurse “durch die Decke”, da standen EURO und Europapolitik in der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer (DHV) schon wieder im Kreuzfeuer heftiger Kritik. Anlass: Die 13. Demokratietagung, in diesem Jahr ganz dem Thema “Widerstand” gewidmet. Und auch in diesem Jahr war es dem Leiter dieser Tagung, dem bekannten Parteien-Kritiker Prof. Dr. Hans-Herbert von Arnim wieder gelungen, prominente Referenten nach Speyer zu gewinnen, Referenten - die ob ihrer Meinungen abseits des politischen Mainstreams immer wieder in die öffentliche Diskussion geraten.

Demokratiedefizite in der Welt provozieren zunehmend Widerstand

In seinem Eingangsreferat wies Prof. von Arnim darauf hin, dass sich schon seit geraumer Zeit an vielen Stellen in der Welt bürgerschaftlicher Widerstand rege: In den Staaten Nordafrikas zunächst, in Israel und jetzt auch in den USA mit der Bewegung “Occupy Wall Street”, aus der sich in Deutschland zuletzt “Occupy Frankfurt” abgeleitet habe. Bei den beiden letztgenannten gehe es nur vordergründig um Widerstand gegen die Ausweitung von Rettungsschirmen - in Wirklichkeit gehe es aber den Bürgern um ihr Unbehagen über eine hinter der Euro-Krise stehenden Rechts- und Verfassungskrise.

Diese habe ihre Ursache bereits in der Tatsache, dass Deutschland nach dem Krieg nie zu seiner “Volkssouveränität” gefunden habe. Das Grundgesetz sei damals unter dem Druck der Besatzungsmächte und ohne die Mitwirkung der Bürger eingeführt worden. Eine eigene Verfassung sei den Deutschen im Grundgesetz erst mit der Verwirklichung der deutschen Einheit in Aussicht gestellt worden. “Doch diese bis heute fehlende Legitimierung wurde nie nachgeholt - auch nicht in Verbindung mit der deutschen Einheit 1989/90", betonte der Professor. Statt dessen sei diese Souveränität auf die politischen Parteien übergegangen. Diese kritisierte er hart, weil sie eine Form von “Modernem Absolutismus” errichtet hätten, in dem “die politische Klasse ihr Macht dazu benutze, um ihre eigene Macht abzusichern”. Zwar seien die Politiker an Gesetze gebunden - doch was nütze dies, wenn sie die Gesetze selbst machten.

Von Arnim kritisierte auch das deutsche Wahlrecht, in dem der Wähler nicht einzelne Kandidaten, sondern nur Vertreter aus den von den Parteien erstellten Blöcken auswählen könne. Im Zusammenhang mit der Europawahl habe er deshalb eine Verfassungsklage eingereicht, über die am 8. November entschieden werden solle.

Parteien auf dem Weg zu Staatsparteien

Ein anderes, erhebliches Problem sieht von Arnim auch in der Parteienfinanzierung, die er in der gegenwärtigen Form schon seit langem geißelt. So flössen den Parteien auf direkten und indirekten Wegen riesigen Summen zu - allein 400 Millionen Euro zur Bezahlung von persönlichen Mitarbeitern der Abgeordneten, über 300 Millionen über die Parteienstiftungen. “Diese Aufwendungen haben sich in den letzten 50 Jahren um das 450fache vermehrt”, stellte der Professor fest. Möglich geworden sei dies nur, weil sich die Parteien über die Parlamente diese Summen selbst genehmigten. “Selbst die Kontrolle durch die Rechnungshöfe verstehen die Parteien trickreich zu umgehen”, stellte der Professor fest, der befürchtet, dass dadurch die Parteien immer mehr zu Staatsparteien würden. “Die Politik wird dem Volk von oben aufoktroyiert - Demokratie von unten nach oben findet nicht mehr statt”.

Schließlich kritisierte von Arnim, dass es bis heute noch keinen Straftatbestand der Korruption von Politikern gebe - “wer einen Politiker zu bestechen versucht, riskiert allenfalls, dass dieser ihn aus seinem Büro wirft...”

Deshalb sei Widerstand nicht nur ein Mittel zur Beseitigung von Tyrannei - auch in unserem System gebe es Ungerechtigkeiten, gegen die Widerstand zulässig und geboten sei. Allerdings gelte in der Demokratie auch beim Widerstand der Grundsatz der Gewaltfreiheit:

Eurokrise auch Ausdruck der Politikkrise

Mit Prof. Hans-Olaf Henkel, früherer Präsident des BDI, betrat danach ein Referent die “Arena”, der sich selbst dazu bekannte, vom Saulus zum Paulus geworden zu sein. Er sei bei der Einführung des Euro ein entschiedener Befürworter der neuen, einheitlichen Währung gewesen - obwohl diese Haltung damals nicht unbedingt mehrheitsfähig gewesen sei - auch nicht bei den Mitgliedern des damals von ihm geführten Industrieverbandes. Heute spreche er sich dafür aus, dass Deutschland, Österreich, die Niederlande und Finnland aus der Euro-Zone austreten sollten, um einen eigenen Währungsverbund zu gründen. Der Grund: Die im Maastricht-Vertrag festgelegten Stabilitätskriterien - zuallererst die dreiprozentige Neuverschuldungs-Obergrenze - seien inzwischen über hundert Mal gebrochen worden. “Die griechische Regierung hätte sich nie derart verschulden können, wenn sie nicht auf deutsche Zinssätze hätte zugreifen können”, betonte Henkel. Wohin das führe, hätte man spätestens daran erkennen müssen, dass Großbritannien den Euro gegenüber dem Pfund Schritt für Schritt immer weiter abgewertet habe. “Nach Griechenland ist jetzt Italien an der Reihe”, prophezeite Henkel, “und als nächstes kommt dann Frankreich dran”. Deshalb müßten Tabus in Europa aufgebrochen werden - “und das Festhalten am Einheits-Euro ist so ein Tabu”.

Transfer-Union - Weg zur “organisierten Verantwortungslosigkeit”

Viele Oekonomen und namhafte Wirtschafts-Journalisten hätten inzwischen zu den gleichen Schlussfolgerungen gefunden wie er, stellte Henkel fest - “Wir müssen einen Weg aus dem organisierten Finanz-Chaos in Europa finden” - und diesen sieht der in Mannheim lehrende Professor in einem in einen Nord- und einen Süd-Euro geteilten Euro-Raum. Andernfalls werde aus der Eurozone eine Transferunion, vergleichbar dem Länderfinanzausgleich in der Bundesrepublik Deutschland. Diesen bezeichnete Henkel als die “organisierte Verantwortungslosigkeit”. “Wenn Herr Seehofer einen Euro einspart, dann muss er davon 97 Cent in den Finanzausgleich abgeben. Wenn Bremen einen Euro mehr Schulden macht, bekommt es dazu 97 Cent von den “Geberländern”. So gebe es in Berlin kostenlose Kindergarten- und Studienplätze, die dann von Hessen und Baden-Württemberg finanziert werden müßten. Nach diesem System müßten die deutschen Geberländer bei einem weiteren Marsch in die europäische Transferunion dann nicht allein die 13 deutschen Nehmerländer, sondern auch zahlreiche “notleidende” Mitglieder der Eurozone retten. “Dabei retten die deutschen Steuerzahler mit dem Rettungsschutzschirm nicht Griechenland, sondern in Wahrheit die französischen Banken”, so Henkel. Es sei eine Utopie anzunehmen, dass es überhaupt möglich sei, Griechenland zu entschulden.

Sein Vorschlag sei deshalb die Begründung einer neuen Euro-Währung mit den vorgenannten Mitgliedern, die ihre Geldpolitik von einer eigenständigen Zentralbank nach den Regeln von Maastricht organisieren lassen. Diese Union, die Henkel als “echte Stabilitäts-Union” bezeichnete, könne dann ihren Euro gegenüber dem Süd-Euro abwerten. Das könne zwar kurzfristige Auswirkungen auf den deutschen Export haben, würde aber nach Henkels Überzeugung zu keinen längerfristigen Schwierigkeiten führen.

Unter diesem Aspekt, so Hans-Olaf Henkel, halte er auch die These “Scheitert der Euro, dann scheitert auch Europa” für grundfalsch und unverantwortlich. Innerhalb der Eurozone tue sich schon jetzt ein immer breiterer Graben zwischen Geber- und Nehmer-Ländern auf. Wohin das führe, werde auch an der Tatsache deutlich, dass von den noch zehn EU-Ländern, die nicht der Eurozone angehörten, heute nur noch eines - Rumänien - die Mitgliedschaft im Euroraum anstrebe. Die ursprüngliche Idee, dass die Eurozone im Endzustand deckungsgleich mit der EU würde, sei so nicht mehr zu verwirklichen - im Gegenteil: In Großbritannien gebe es eine wachsende Tendenz, sogar wieder aus der EU “auszusteigen”.

Deshalb plädiere er für ein oekonomisch getrennt marschierendes Europa - denn “ein Ende mit Schrecken ist allemal besser als ein Schrecken ohne Ende”.

Gabriele Pauli: Erfahrungsbericht über Umgang mit politischem Establishment

Mit großen Erwartungen sahen die Teilnehmer der Tagung auch dem Referat der früheren Fürther Landrätin und bayerischen Landtagsabgeordneten Dr. Gabriele Pauli entgegen. Sie schilderte in ihren mit “Götterdämmerung in Bayern? Der Sturz eines Ministerpräsidenten und Blockaden politischer Reformen” überschriebenen Ausführungen ihre persönlichen Erfahrungen im Umgang mit einem etablierten politischen System. Wer sich hier allerdings mehr erwartet hatte als die Wiederholung der bereits von Prof. von Arnim getroffenen Feststellung, dass es leichter sei, den politischen Prozess durch Eintritt in eine Partei zu beeinflussen als durch die Gründung einer neuen, sah sich enttäuscht. Gabriele Pauli schilderte ihre leidvolle Irrfahrt von ihrer Mitgliedschaft in den Führungsgremien der CSU über die Freien Wähler in Bayern bis hin zu der von ihr selbst gegründeten “Freien Union” und ihre heutige Parteilosigkeit. Frau Pauli konnte aber kaum Beiträge dazu anbieten, wie die von ihr beklagte Entwicklung grundsätzlich verändert werden könnte.

Thilo Sarrazin: Gegen Denkverbote und Tabus

Anders dagegen der letzte - ob seiner umstrittenen Thesen in seinem jüngsten Buch “Deutschland schafft sich ab” - heftig in die Diskussion geratene Referent Dr. Thilo Sarrazin, zuletzt Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bundesbank. Er kündigte gleich zu Beginn seiner Ausführungen an, dass es ihm an diesem Tag nicht um die Inhalte seines Buches gehe, sondern darum, wie die veröffentlichte Meinung damit umgegangen sei. Dies sei nämlich ein Schulbeispiel für die Macht, die sich die Medien in unserer Gesellschaft angeeignet hätten.

Wenn nämlich in manchen Medien gefordert worden sei, sein Buch zu verbieten und ihn selbst - wie einst in der Sowjetunion üblich - in eine Irrenanstalt zu stecken, dann müsse er dem entgegenhalten, dass die Freiheit des Denkens grundsätzlich auf Mitteilung angelegt sei. “Eine Gesellschaft, die ein Übermaß an Denkverboten praktiziert, behindert ihre eigene Entwicklung”, zeigte sich Sarrazin überzeugt - “was man nicht kennt, kann man auch nicht überwinden”. Die Kodifizierung von Meinungen setze zudem stets die Inanspruchnahme dieser Meinungsfreiheit voraus. “Denken ist Macht”, rief der streitbare Ex-Banker aus, “und wo um Macht gerungen wird, wird immer auch um den Umfang der Beeinträchtigung von Meinungsfreiheit gerungen”.

Am unabhängigsten, so der Referent, sei der Mensch dort, wo er selbst Experte sei. In allen anderen Bereichen versuche er sich zumeist der Mehrheitsmeinung anzuschließen.

Seien früher die “Sinnvermittler” Theologen und Philosophen gewesen, so seien dies heute die Medien-Schaffenden. Diese hätten aber meist keinen “anständigen” Brotberuf erlernt und beschränkten sich statt dessen darauf, “Experten für Kritik” zu sein. Aus Mangel an eigenem Expertenwissens richteten sie dann aber ihre Meinung oft allzu gerne an der Meinung anderer Medien aus.

Auch die Politik habe sich deshalb angewöhnt, zunächst auf die veröffentlichte Meinung zu blicken - erst danach auf die Meinung der Bürger. “Politik und Journalisten verbindet auch der Umstand, dass sie wenig lesen”, kritisierte Sarrazin,” über siebzig Prozent derer, die mein Buch kritisiert haben, haben es nie gelesen - oft nicht einmal durchgeblättert. Die Fehler, die sie durch Unkenntnis der tatsächlichen Inhalte machen, pflanzen sich dann von einem Kritiker zum anderen fort” - Kritiken zu seinem Buch, so stellte er fest, seien bereits gedruckt gewesen, noch ehe das Buch überhaupt ausgeliefert worden war.

Tabuisierung als Ursache für Wutbürgertum

Bei der Betrachtung der Reaktionen, die sein Buch ausgelöst habe, sei ihm bewusst geworden, dass sich, je länger die Tabuisierung eines Themas anhalte, der Druck auf die Unterströmungen wachse, die dann um so heftiger ausbrächen, wenn jemand dieses Thema öffentlich anspreche. Die Diskussion um die Schulreform in Hamburg und die Vorgänge um Stuttgart 21 seien nur zwei Beispiele für unzureichende Befassung der Bürger von Anfang an. Aus solchen Vorgängen - so Sarrazin - sei der Begriff von dem “Wutbürger” entstanden - allerdings auch aus Wut darüber, dass sich die Bürger überhaupt zu Wort meldeten. Die Empörung auf die “Wutbürger” werde dann um so heftiger, je mehr es die öffentliche Meinung mit nicht widerlegbaren Fakten zu tun habe. Früher habe in solchen Fällen die Inquisition und der Scheiterhaufen gedroht - heute, seit dem Terror des Stalinismus, drohe den Bürgern das “Irrenhaus”.

Political correctness” als Gefahr für die Meinungsvielfalt

Die Agitation der Medienklasse führe letzten Endes dazu, dass öffentlich verbreitete Meinungen - unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt - zur “political correctness” erhoben würden. “Und wer sich dieser Meinung widersetzt, dem wird unterstellt, er habe die Grenzen des durch die “correctness” definierten “Anstandes” bereits überschritten”. Viele Menschen scheuten sich deshalb inzwischen, ihre Meinung zu sagen, wenn diese nicht dem vermeintlichen Konsens entspricht.”Wer die Welt nur noch durch die Brille der ‘political correctness’ sieht, der blendet dadurch entscheidende Blickwinkel aus”, betonte Thilo Sarrazin, der abschließend warnte, dass die Meinungsfreiheit dort, wo sie nicht genutzt werde, “den Pfad für zukünftige Meinungsfreiheit schmaler mache”. - “Meinungsfreiheit ist wie ein Muskel, der sich zurückbildet, wenn er nicht genutzt und beansprucht wird”, schloß Thilo Sarrazin seine viel beachteten Ausführungen. (Lesen Sie dazu die kompletten Ausführungen Thilo Sarrazins in “M.M. Warburg “Beobachtungen zur Zeit” - Essay Nr. 12 “Tabubruch Meinungsfreiheit”) .

Kirchenpräsident i.R. Cherdron: Christen nur für gewaltfreien Widerstand

Einen ganz anderen Blickwinkel zum Thema “Widerstand” beleuchtete der frühere Kirchenpräsident der Protestantischen Landeskirche der Pfalz, Eberhard Cherdron. Ausgehend von dem Wort des Apostels Paulus “Seid untertan der Obrigkeit” schlug er einen weiten Bogen von Martin Luther bis zu dem wesentlich von den Kirchen inspirierten Widerstand der Bürger gegen das SED-Regime. Dabei vergaß er auch nicht die Rolle Speyers für die Protestation auf dem Reichstag von 1529 herauszuheben. Widerstand - auch eine Sache des ‘genius loci’? Jedenfalls legte auch Cherdron Wert auf die Festellung, dass Widerstand nach christlichem Verständnis stets gewaltfrei erfolgen müsse. Foto: Kienipress

02.11.2011


Auszeichnung für Professor Reinermann

Prof. Dr. Heinrich Reinermann

Auf der größten Informatikkonferenz im deutschsprachigen Raum, der INFORMATIK 2011, in Berlin hat die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) am 5. Oktober 2011 vier verdiente Persönlichkeiten aus der Informatikszene zu "GI-Fellows" ernannt, darunter Prof. Dr. Heinrich Reinermann, Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer. Die Gesellschaft zeichnet Personen als Fellows aus, die sich in herausragender Weise um die GI und die Informatik verdient gemacht haben. Mit Heinrich Reinermann ehrte die GI einen engagierten Wissenschaftler und Vordenker auf dem Gebiet des E-Government.. Er gilt als Nestor und Gründer der Speyerer Verwaltungsinformatik. In Speyer bot Heinrich Reinermann Fortbildungsseminare für Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes an, um diesen die Chancen der neuen Büro- und Informationstechnik nahe zu bringen, und schlug so eine Brücke zwischen Verwaltungswissenschaften und Informatik.

In der GI hat sich Heinrich Reinermann als Sprecher des Fachbereichs "Informatik in Recht und Öffentlicher Verwaltung" engagiert und dort im Jahr 2000 das Memorandum „Neue Chancen für eine virtuelle Verwaltung“ mitverfasst, das der öffentlichen Verwaltung einen grundlegenden Modernisierungsschub gegeben hat. Presse DHv Speyer

13.10.2011


Univ.-Prof. Dr. Joachim Wieland neuer Rektor der DHV Speyer

Seit dem ersten Oktober 2011 hat die DHV Speyer einen neuen Rektor. Der bisherige Prorektor, Univ.-Prof. Dr. Joachim Wieland war am 25. Juli 2011 vom Senat der Hochschule als Nachfolger von Univ.-Prof. Dr. Stefan Fisch gewählt worden, der das Amt zwei Jahre lang inne hatte.

Der 1951 geborene Wieland studierte in Bielefeld und Cambridge Rechtswissenschaft. Erste wissenschaftliche Erfahrungen sammelte er nach seinem Staatsexamen altarbeiter von Univ.-Prof. Dr. Dr. E.-W. Böckenförde an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau. Hier promovierte er 1984 mit einer Arbeit über das Thema "Die Freiheit des Rundfunks". Anschließend sammelte er von 1984 bis 1988 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesverfassungsgericht wichtige Erfahrungen am höchsten deutschen Gericht, bevor er als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl Prof. Dr. Alexander Hollerbach, Seminar für Rechtsphilosophie und Kirchenrecht, an die Universität Freiburg im Breisgau zurückkehrte. In Freiburg wurde ihm 1989 Venia Legendi für Öffentliches Recht einschließlich Finanz- und Steuerrecht, Rechtsvergleichung verliehen. Thema seiner seiner Habilitationsschrift waren „Die Konzessionsabgaben“. In der Folgezeit nahm Wieland Lehrstuhlvertretungen an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und an der Universität Bielefeld war, bis er 1991 einen Ruf auf den Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Finanz- und Steuerrecht an der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Bielefeld annahm. 1996 bis 1998 war er Prorektor für Personal und Finanzen dieser Universität gehörte. 2001 übernahm Wieland den Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Finanz- und Steuerrecht, Fachbereich Rechtswissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt, wo ihn schließlich 2007 der Ruf auf den Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Finanz- und Steuerrecht der DHV Speyer erreichte, wo er sich außer in Lehre, Forschung und Weiterbildung auch als stellvertretender Direktor der Bibliothek und seit 2010 auch als Prorektor in die Selbstverwaltung der Hochschule einbrachte.

Wielands Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen in den Bereichen Verfassungsrecht, Finanzverfassungsrecht, Steuerrecht und Öffentliches Wirtschaftsrecht. Ein sehr umfangreiches Publikationsverzeichnis weist ihn in diesen Bereichen als äußerst renommierten Wissenschaftler aus. Wichtige Publikationen widmete Wieland der kommunalen Aufgabenträgerschaft nach dem Grundsicherungsgesetz, der Aufgabenzuständigkeit und Finanzierungsverantwortung verbesserter Kinderbetreuung und dem Schutz des Selbstverwaltungsrechts der Kommunen gegenüber Einschränkungen ihrer wirtschaftlichen Betätigung im nationalen und europäischen Recht.

Seine umfangreichen Kenntnisse konnte Wieland bislang in zahlreichen verantwortungsvollen Funktionen einbringen. So ist bzw. war er Mitglied des nordrhein-westfälischen Verfassungsgerichtshofs, der Gemeindefinanzreformkommission des Bundes, der Enquetekommission Kommunen des Landtags Rheinland-Pfalz, der Gemeinsamen Kommission von Bundestag und Bundesrat zur Reform der bundesstaatlichen Ordnung und der Enquetekommission Verfassungsreform des Hessischen Landtags. Wieland wirkte als Sachverständiger für die Kommission zur Modernisierung der Bund-Länder- Finanzbeziehungen und nahm Prozessvertretungen des Bundespräsidenten, des Bundestags, der Bundesregierung, von Landesregierungen und Kommunen vor dem Bundesverfassungsgericht, dem Bundesverwaltungsgericht und verschiedenen Landesverfassungsgerichten wahr. Presseinformation der DHV Speyer 

04.10.2011


Wissenschaftspreis der Johann Joachim Becher-Stiftung Speyer

Mobilität mit Intelligenz - Ergebnisse des J. J. Preises publiziert

Die Johann Joachim Becher-Stiftung Speyer verleiht in regelmäßigen Zeitabständen Wissenschaftspreise, die thematisch an das Wirken des Speyerer Universalwissenschaftlers Johann Joachim Becher (1635 – 1684) anknüpfen und auch heute noch von Bedeutung sind. Nach der „Relevanz merkantilistischen Gedankenguts in einer globalisierten Welt“ (2000), „Technik und Gesellschaft“ (2003), „Medizin zwischen Machbarkeit, Sinnhaftigkeit und Bezahlbarkeit“ (2005) und „Chemie zwischen Hoffnung und Skepsis“ (2007) war die Auslobung des jüngsten Wissenschaftspreises dem Themenbereich „Transport und Logistik“ (2009) gewidmet. J. J. Becher hat hierzu seinerzeit kühne Vorstellungen entwickelt, u.a. zu Rhein-Main-Donau-Kanal, Suez-Kanal und Panama-Kanal. Anderseits sind mittlerweile Raum und Zeit dem Transport von Personen, Materie, Energie und Information immer weniger Grenzen gesetzt. Man spricht gar vom „Tod der Distanz“. Diese Entwicklung hat uns einerseits offensichtliche Vorteile beschert. In jüngerer Zeit zeigen sich andererseits gleichwohl neue Grenzen für Verkehr und Logistik. Unsere Sorge gilt dem Verbrauch der Energieressourcen, den wachsenden Schadstoffemissionen oder dem Landschaftsverbrauch für Verkehrseinrichtungen. Die Lebensqualität ist durch Verkehrslärm, Hektik und Unfallfolgen gefährdet. Der Trend zur Urbanisierung verschärft die Problematik.

Die Ergebnisse dieser jüngsten Auslobung der J. J. Becher-Stiftung liegen jetzt mit dem Band „Mobilität mit Intelligenz, Strategien für die Bewältigung der logistischen Herausforderungen der Zukunft“ vor. Er ist im Nomos-Verlag Baden-Baden erschienen (ISBN 978-3-8329-6562-4) und wurde von Prof. em. Dr. Heinrich Reinermann von der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer herausgegeben. Strategien für die Bewältigung der logistischen Herausforderungen werden darin entwickelt von Professor Dipl.-Ing. Albert Speer, Frankfurt am Main, für die Raumnutzung in der Stadt der Zukunft; Dr Hartwig Haase, Universität Magdeburg, für Modulare Mobilität in urbanen Ballungsräumen; Dr. Timo Bertocchi, Rhein-Main-Service GmbH Frankfurt am Main, für öffentlichen Personennahverkehr in der Region; und Becher-Preisträger Dr. Stefan Walther, Daimler AG Stuttgart-Untertürkheim, für den großräumigen Gütertransport in Europa.

02.08.2011


Interkultureller Dialog künftiger Verwaltungsexperten

15. Deutsch-französischer Studientag an der DHV in Speyer

Gut 150 Studierende der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften DHV und ihrer französischen Partnereinrichtung, der école nationale d’administration ENA in Straßburg trafen sich jetzt zum inzwischen schon traditionellen, gemeinsamen Studientag, dem 15. seiner Art, in Speyer. Gemeinsam mit hochrangigen Experten aus beiden Ländern sollten die Studenten aus beiden Hochschulen an diesem Tag Gelegenheit erhalten, aktuelle europapolitische Themen zu analysieren und in einem interkulturellen Vergleich die unterschiedlichen Herangehensweisen bei der Lösung der gestellten Aufgaben kennen zu lernen. Dabei erwies es sich rasch, dass Franzosen und Deutsche aufgrund ihrer unterschiedlichen verwaltungsrechtlichen Traditionen und verfassungsrechtlichen Strukturen - in Frankreich im wesentlichen zentralistisch, in Deutschland geprägt von einem föderalistischen System - auch schon als Studenten einen unterschiedlichen “approach” bevorzugen - so wie sie ihn später auch im beruflichen Alltag als verwaltungswissenschaftliche Elite ihrer Länder werden praktizieren müssen.

Dass die Eingangsdiskussion über die Mechanismen zur Stabilisierung der Europäischen Währungsunion ausgerechnet auf den Tag fiel, an dem im griechischen Parlament in Athen die Entscheidung über ein notwendiges Sparpaket und damit indirekt über die Freigabe weiterer Rettungsmilliarden für Griechenland anstand, war sicher Zufall; es unterstrich aber zugleich die Nähe der Lehre an beiden Hochschulen zu den Realitäten europäischer Währungspolitik, wie sie sich kaum dramatischer als an diesem Tag offenbaren konnte

Von daher war es für die Teilnehmer an diesem Studientag sicher ein mehr als glücklicher Umstand, mit den drei Referenten zu diesem Themenkomplex, Gabriel Glöckler von der Generaldirektion “Internationale und Europäische Beziehungen” der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, dem renommierten französischen Oekonomen Jacques Delpla, Mitglied des Conseil d’Analyse Economique und dem Mitglied in der Finanzwirtschaftlichen Grundsatzgruppe des Rheinland-Pfälzischen Finanzministeriums, Andreas Metz, drei Fachleuten zu begegnen, die aus ihren verschiedenen Betroffenheiten unterschiedliche Sichtweisen auf ein insgesamt hochkomplexes Thema vermitteln konnten.

Aktuelle und durchaus spannende Themen wurden auch in neun Arbeitsgruppen am Nachmittag des Studientages bearbeitet: Das reichte von Fragen “der Beschäftigung von Personal aus Drittstaaten in der Rheinschiffahrt” über die Ausarbeitung einer “Empfehlung des Europarates zur Ausübung der Religionsfreiheit” bis hin zu Fragen der europäischen Sicherheitspolitik und der Zukunft der Kernenergie in beiden Ländern. Besonders spannend auch die Simulation einer Sitzung des Direktoriums der Oberrheinkonferenz sowie einer Tagung eines deutsch-französischen Ministerrates.

Die Studierenden brachten sich durchweg mit großem Ernst und viel Engagement in ihre jeweiligen Diskussionsrunden ein. Das bestätigten auch die beiden Leiter der Tagung, Prof. Dr. Karl-Peter Sommermann für die DHV in Speyer und seine französische Kollegin Francoise Camet von der ENA in Straßburg. Dies zeigte sich aber auch bei den Abschlussrunden, in denen die Sprecher der Arbeitsgruppen mit viel Geschick und guten Argumenten ihre gewonnenen Erkenntnisse zu verteidigen wussten.

Einmal mehr ein deutsch-französischer Studientag, der sich würdig in die Reihe der in den 80er Jahren von dem früheren Speyerer Universitätsprofessor Dr. Heinrich Siedentopf ins Leben gerufenen Tagungen einfügte und der deutlich werden ließ, welche Potentiale im “Nachwuchs” beider Hochschulen schlummern.

Noch eine Anmerkung zum Schluss: Wer sich noch an Studientage früherer Jahre erinnert, dem wird aufgefallen sein, dass die Mehrzahl der Gesprächsrunden in diesem Jahr in englischer Sprache geführt werden mußten. Das war früher einmal anders: Da waren für alle Teilnehmer Diskussionen auf höchstem Niveau in den beiden Sprachen, in Französisch und Deutsch möglich. Heute jedoch ist - insbesondere wohl auf der französischen Seite - das Interesse an der anderen Sprache - also Deutsch - offensichtlich derart im Schwinden begriffen, dass man sich auch im Grenzland zwischen den befreundeten Ländern Frankreich und Deutschland nur noch in einer Sprache austauschen kann: In Englisch.

Das ist eigentlich Schade - und sollte für die Schulpolitiker auf beiden Seiten sicher Grund zur Nachdenklichkeit sein. Gerhard Cantzler/ Alle Fotos: sim

30.06.2011


Studientagung DHV 2011

IASIA-Ehrung für zwei DHV Professoren

Prof. Dr. Dr. Klaus König

Dr. Dr. Klaus König und Dr. Heinrich Reinermann, beide emeritierte Universitätsprofessoren an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer, wurde in Rom eine besondere Ehrung zuteil.

Die International Association of Schools and Institutes of Administration (IASIA), eine Tochter des Internationalen Instituts für Verwaltungswissenschaften Brüssel, zeichnete sie für ihren herausragenden, engagierten und langjährigen Einsatz aus; sie hätten damit die Ziele und Handlungsprogramme IASIAs maßgeblich mitgeformt.

Anlass für diese Ehrung war der 50. Geburtstag von IASIA, der mit einer von der italienischen Regierung sowie der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Roma Tre vom 13.bis 18. Juni 2011 veranstalteten Konferenz "IASIA at 50: Challenges and Ways Foreward for Public Administration Globally" feierlich begangen wurde.

Die Ehrungen wurden von Valeria Termini, Präsidentin von IASIA und Professorin an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Roma Tre, sowie von Gianni Letta, ranghöchster Staatssekretär beim Ministerpräsidenten der Republik Italien, vorgenommen. Die beiden auf die Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer entfallenden Auszeichnungen nahm Heinrich Reinermann entgegen. Dr. Klauspeter Strohm, M.A. Referent für Information und Kommunikation DHV

28.06.2011


Prof. Dr. Mario Martini hält Antrittsvorlesung

Prof. Dr. Martini mit DHV Rektor Prof. Dr. Stefan Fisch

Nachdem er bereits im April 2010 seinen Lehrstuhl für Verwaltungswissenschaft an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer angetreten hatte, konnte sich Univ.-Prof. Dr. Mario Martini jetzt mit seiner Antrittsvorlesung auch der gesamten akademischen Gemeinschaft an der Hochschule vorstellen. Prof. Dr. Martini, der mit seinem Amtsantritt den Lehrstuhl für Verwaltungswissenschaften, Staats-, Verwaltungs- und Europarecht des emeritierten Univ.-Prof. Dr. Dr. hc. Rainer Pitchas übernommen hat, stellte diese akademische Veranstaltung unter das Thema “Wie viel Gleichheit braucht das Internet? - Netzneutralität als Stellschraube für die Zukunft des Internets”.

Prof. Martini wollte mit dieser Vorlesung einen Beitrag zu der Suche nach rechtsstaatlichen Lösungen für die Verkehrssteuerung im Internet vorlegen. Dieser Verkehrssteuerung komme in dem Maße, in dem das Internet das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben verändere, eine zunehmende Bedeutung zu, betonte Martini in seinem Vortrag. Die Zunahme des Datenverkehrsaufkommens und neue technische Entwicklungen machten zudem eine Diskussion darüber erforderlich, wie die Verkehrsregeln des Internets in der Zukunft konzipiert werden sollten. Hierfür gelte es allerdings schon heute, die Weichen zu stellen.

Prof. Dr. Martini, der nach Abitur und Grundwehrdienst Rechtswissenschaften an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz studierte, promovierte 1998 - ebenfalls in Mainz - über “Integrierte Regelungsansätze im Recht der immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedürftigen Anlagen” und absolvierte im Anschluss daran sein zweites Juristisches Staatsexamen.

Nach der Übernahme einer Stelle als Wissenschaftlicher Assistent an der Buccerius Law School in Hamburg habilitierte er sich 2006 mit einer Schrift über den “Markt als Instrument der hoheitlichen Verteilungslenkung”.

2007 übernahm Prof. Martini die Vertretung des Lehrstuhls für Verwaltungsrecht an der DHV - Prof. Dr. Dr. hc. Heinrich Siedentopf, ehe er 2008 auf eine Professur für Staats-und Verwaltungsrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität nach München berufen wurde. Dort erreichte ihn dann im Frühjahr 2010 der Ruf auf die Professur in Speyer. cr./Foto: sim

10.06.2011


Prof. Max Dudler gibt Einblick in zeitgemässe Architektur von Bibliotheken

Semestereröffnung in der DHV in Speyer

von Gerhard Cantzler

Demut vor der Geschichte,

Orientierung am Bestehenden ,

Sensibilität für das Berührbare -

so möchte man mit kurzen Strichen das Selbstverständnis von Architektur umschreiben, zu dem sich der Architekt und Planer der neuen Hochschulbibliothek bei der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, Prof. Max Dudler, bei seinem Festvortrag aus Anlass der Semestereröffnung bekannte.

So öffnete er gleich zu Beginn seines Vortrages - sicher auch für manch einen der zahlreichen Besucher überraschend - eine gänzlich neue Perspektive auf die Situation des inzwischen fast fünfzig Jahre alten Gebäudes der Speyerer Hochschule, als er ihren Blick aus dem Vortragssaal, der Aula, in das begrünte Atrium, den Innenhof, lenkte und diesen Blick mit einem Gemälde verglich - eingerahmt durch die Fensterrahmen - ein Gesamtkunstwerk von bleibender Aussagekraft, dessen Schöpfer, Sepp Ruf, Dudler auch heute noch seine uneingeschränkte Reverenz erweist. Das gilt auch für die damals hier verbauten Materialien, die bis heute ihre zeitlose Wertigkeit nicht verloren hätten und die für Dudler durchaus vorbildlich sind.

Mit diesen Feststellungen charakterisierte Max Dudler zugleich sein eigenes Verhältnis zum Material “ich bin ein gelernter Steinmetz und komme aus einer alten Steinmetz-Familie” - da hat man als Architekt das Gefühl für das Material in den Händen und im Herzen.

In zahlreichen mit Fotographien dokumentierten Beispielen zeigte Prof. Dudler dann auf, wie sehr sich seine Entwürfe stets am jeweiligen städtischen Umfeld orientieren. Damit erteilte er  allen Konzepten eine Absage, die Architektur zur Schaffung von Gegenwelten zur bestehender Bebauung  gebrauchten.  Besonders deutlich wurde dies am Beispiel der Diözesanbibliothek in Münster, die in dem überaus sensiblen Umfeld des Domes errichtet wurde und bei der Prof. Dudler bis hin zur Auswahl der verbauten Materialen mit großer Eindringlichkeit auf die Erfordernisse der Umgebung reagierte. “Das ausgewählte Material ist so, dass es sich in wenigen Jahrzehnten an den Dom anpasst”, unterstrich der Professor.

Ein anderes Beispiel außergewöhnlicher Architektur und Materialauswahl stellte er an der Bibliothek der Folkwang-Hochschule in Essen vor, wo er zum ersten Mal mit transluzentem Steinglas ein völlig neuartiges Material einsetzte.

Und dann die neue Bibliothek der Humboldt-Universität in Berlin, das Jacob -und-Wilhelm-Grimm-Zentrum. Auch hier eine an den Bauhausstil gemahnende, aber auch der Romanik zugewandte, aufstrebende Pfeilerarchitektur, die den Blick zum Himmel weitet.

Säulen auch bei dem Gebäude der Reutlinger Philharmonie und dem Landesbehördenzentrum in Eberswalde - bei letzterem gleich 250 Stück - an einen antiken Tempel erinnernd.

Mit zahlreichen Bildern von alten Bibliotheken - überwiegend aus der Renaissance - die er kontrastierte mit eigenen Bibliotheks-Entwürfen - Max Dudler hat in den letzten Jahrzehnten wohl an allen Wettbewerben zur Planung bedeutender Bibliotheken in der Welt teilgenommen und sehr viele davon gewonnen (“ich baue überall in der Welt, nur nicht in China oder in Dubai, denn die haben ihre Geschichte verlassen und ganze historische Städte abgerissen”) -  konnte der Architekt seine Intentionen eindrucksvoll unterstreichen. Er will dazu Zitate aus der Renaissance in die Gegenwart transformieren, wie er betont.

Ein anderes Anliegen des Architekten, der bereits an vielen Hochschulen der Welt als akademischer Lehrer gefragt war und der jetzt als Professor und als Prodekan an der renommierten Kunstakademie in Düsseldorf tätig ist, und der neben der Planung vieler Wohn- und Zweckbauten immer wieder zur Architektur von Bibliotheken zurückfindet, ist der Ausgleich zwischen den beiden wichtigsten Anforderungen an eine Wissenschaftliche Bibliothek: Einerseits die Möglichkeit, in absoluter Stille und konzentriert  arbeiten zu können - anderseits die Notwendigkeit zur fachlichen (und privaten) Kommunikation. Seine Antwort auf diese scheinbar unauflösbare Aufgabenstellung: Eine in vielen seiner Entwürfe - auch in Speyer - verwirklichte Abtreppung der Arbeitebenen, die die ständige optische Kommunikation im Raum ermöglicht.

Ein ganz persönliches Anliegen Dudlers, der die Teilnehmer auch mit seiner lockeren Art für sich einnahm - “Als Schweizer bin ich gerne hier in der Pfalz. Hier geht man viel freundlicher mit den Architekten um als zum Beispiel in Berlin - dort ist der Architekt eher etwas exotisches...” - ist die Einbindung der Speyerer Bibliothek in einen architektonischen Dreiklang mit dem Heidelberger Schloss und dem Hambacher Schloss, der “Wiege der deutschen Demokratie”. An beiden Objekten hat Dudler seine Ideen für außergewöhnliche Ergänzungsbauten umsetzen können, auch da wiederum mit größter Sensibilität für das Material und für die Orientierung an der baulichen Umgebung. In Speyer ist die Suche nach dieser historischen Orientierung besonders leicht: Es ist der Dom, den aufzusuchen Max Dudler bei keinem seiner Besuche vergisst - immer voll demütiger Bewunderung für die mittelalterliche Baukunst.

Bleibt zuletzt nur, sich dem Professor voll inhaltlich anzuschließen, wenn er zum Ende seiner Ausführungen in der Hochschule seiner Hoffnung Ausdruck gibt, dass sein Entwurf für die Speyerer Bibliothek möglichst bald in die Realisierung gehen könne.

Zu Beginn des Abends hatte der Rektor der Hochschule, Prof. Dr. Stefan Fisch, Zuhörer und Referenten dieses überaus ertragreichen Abends begrüßt und zunächst die Lebensstationen von Prof. Dudler skizziert. Auf die Bibliothek als “Ort der Wissenschaft” eingehend, verwies auch er schon auf den Zielkonflikt zwischen “Stille und Raum für Gespräche in der Bibliothek”, die Prof. Dudler in seinem Konzept vorbildlich gelöst habe.

Zum Schluss der feierlichen Semestereröffnung konnte Prof. Dr. Fisch dem Referenten auch für einen unterhaltsamen Abend danken und einer seit langem bei dieser Gelegenheit geübten angenehmen Pflicht nachkommen: Er konnte einer Doktorandin, der aus Speyer stammenden Rechtswissenschaftlerin Dr. Marion Weschka, die  Promotionsurkunde überreichen. Sie hatte über ein derzeit sehr aktuelles Thema rund um die Präimplantationsdiagnostik und die Stammzellen-Forschung eine umfassende Einschätzung aus rechtlicher Sicht vorgelegt und dafür mit “summa cum laude” bestanden. Gratulation!

11.05.2011


Semestereröffnung an der Verwaltungshochschule

Rektor der Hochschule, Prof. Dr. Stefan Fisch

Mit der Begrüßung von 340 Hörerinnen und Hörern wurden jetzt zum Anfang des Sommersemesters 2011 zum wohl letzten Male Studierende an der “Hochschule für Verwaltungswissenschaften” eingeführt, denn voraussichtlich bereits in den nächsten Wochen wird die renommierte Speyerer Hochschule in “Universität” umbenannt. Für die Studierenden der verschiedenen Studiengänge der Hochschule - im neuen Semester absolvieren 234 von ihnen ein Ergänzungsstudium und werden bereits nach einem Semester Speyer wieder verlassen, während sich 59 ein zwei Semester währendes Aufbaustudium zum Magister der Verwaltungswissenschaften vorgenommen haben und 44 ein Promotionsstudium aufnehmen  - beginnen damit arbeitsreiche Wochen, denn wie in jedem Jahr zeichnet sich das Sommersemester durch seine besondere Kürze aus.

In seiner Willkommensrede bezeichnete der Rektor der Hochschule, Prof. Dr. Stefan Fisch, das Studium in Speyer als einmalige Chance, über den “Tellerrand” der eigenen Disziplinen hinaus zu schauen. Das gelte auch für den fachlichen und persönlichen Austausch zwischen Hörern der verschiedenen Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland. “Sie stellen ein Abbild der Bevölkerung in Deutschland dar”, wandte sich der Rektor an die Studentenschaft, der auch auf die Möglichkeit zur Begegnung mit Vertretern anderer Länder und Kulturen verwies, “und das beste, Sie erhalten hier die Chance, auf dem Campus intensiv miteinander zu leben”.

Dies erhoffen sich auch durchweg die Hörerinnen und Hörer von ihrem Aufenthalt in Speyer. Für Christine Behm wird ihr Aufenthalt in Speyer ohnedies ein eher kurzer sein. Sie will nach ihrem Jurastudium in Mannheim ein Ergänzungssstudium absolvieren und wird für dessen Dauer von Mannheim aus pendeln.

Das hat sich auch Marie Husunu vorgenommen, die als Referendarin beim Landgericht Landau beschäftigt ist und in Speyer eine interdisziplinäre Weiterbildung im Bereich der Wirtschaftswissenschaften anstrebt.

Ähnlich ergeht es auch ihrem Kommilitonen Mischa Walter, der nach seinem Studium der Politikwissenschaften nun in Speyer ein Aufbaustudium in Wirtschaftswissenschaften absolvieren will.

Anders die ebenfalls aus Rheinland-Pfalz kommende Nicole Blinn, die ebenso wie ihre aus Südkorea stammende Kommilitonin Justina Ree in Speyer einen Doktorgrad anstreben: Nicole in Öffentlichem, Justine in Allgemeinem Recht. Die beiden Doktorandinnen werden der Domstadt wohl länger erhalten bleiben, ebenso wie Matthias Leowardi, der nach einem sechs Semestern Politikwissenschaften in Marburg nun in Speyer Wirtschaftswissenschaften studieren wird.

Für alle Studierende, die Speyer und die Speyerer kennen besser kennen lernen wollen, empfiehlt Ximena Himmel eher eine “Bleibe” in der Stadt, ein Privatzimmer, wobei sie weiß, dass es junge Frauen bei der Zimmersuche in Speyer erfahrungsgemäß einfacher haben als ihre männlichen Kollegen. Doch auch denen “kann geholfen werden”, denn die Hochschule ist in jedem Semester bei der Zimmersuche behilflich, soweit sie nicht Zimmer in einem der Wohnheime anbieten kann.

Auf sie wird vielleicht auch noch Matthias Strunk zurückgreifen müssen, denn der junge Gießener, der zuletzt in seiner Heimatstadt immatrikuliert war, hat erst kurzfristig seine Zulassung erhalten und ist deshalb noch “voll auf Zimmersuche”.

 Schließlich trafen wir noch auf eine ganz besondere Studentin: Stefanie Seiler, im “anderen Leben” Mitglied im Speyerer Stadtrat und engagierte Sozialdemokratin, trat wie339 Hörerinnen und Hörer einen neuen Abschnitt ihrer rechtswissenschaftlichen Ausbildung an - nicht weniger gespannt auf das, was auf sie zukommt, aber sicher für manche ihrer Mitstudenten überaus hilfreich - dank ihrer besonderen Ortskenntnisse. cr. Alle Fotos: sim

03.05.2011


DHV Semestereröffnung 2011

Neuer Hörerschaftssprecher gewählt

Gleich am ersten Tag des Sommersemesters 2011 wählten die Hörerinnen und Hörer der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer mit Mirzhan Baimakhanov einen neuen Sprecher und damit Vorsitzenden der Hörerschaftsvertretung. Er tritt die Nachfolge von Jens Abraham, der dem Gremium die beiden letzten Semester vorstand.

Mit der Wahl von Baimakhanov unterstreicht die Hochschule einmal mehr ihre Internationalität, denn der Student kommt aus Kasachstan und lebt mit seiner Familie - Frau und zwei Kindern - seit einem Jahr in Speyer, wo sein Sohn inzwischen die erste Klasse der Grundschule im Vogelgesang besucht.

In seiner Heimat Kasachstan war er zwei Jahre in der Stadtverwaltung von Almati tätig und danach in gleicher Verantwortung in der Hauptstadt Astana.      

Dort studierte er auch das Fach Internationale Wirtschaftsbeziehungen, das er als bester seines Jahrgangs abschloss und deshalb in ein Programm von Regierungsstipendien aufgenommen wurde, das die jeweils besten Studenten eines Jahrganges in verschiedenen Fächern an die jeweils renommiertesten internationalen Universitäten entsendet.

In Speyer nun strebt Mirzhan Baimakhanov einen Abschluss als Magister der Verwaltungswissenschaften an. Aus seiner Tätigkeit als Sprecher der Hörerschaft erhofft er sich Erfahrungen in der Leitung von Gremien, die er auch bei seiner späteren Arbeit in höchsten Verwaltungen seines Heimatlandes einsetzen möchte.

Was ist es, was seinem Vorgänger Jens Abraham an dem jungen Kasachen so besonders imponiert? “Das ist insbesondere der Mut, seine Vorschläge als Gesprächsleiter in die Diskussion der Hörerschaft einzubringen und sich mit seinen sprachlichen Fähigkeiten durchzusetzen.” Foto: sim

 

03.05.2011


Spezialist für Bibliotheksbauten hält Vortrag zur Semestereröffnung

Er hat im vergangenen Jahr mit einem faszinierenden Entwurf den Wettbewerb für den Neubau einer Bibliothek mit angeschlossenem Rechenzentrum an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer (DHV) gewonnen: Prof. Max Dudler, gebürtiger Schweizer und seit dem Jahr 2004 Professor in der Klasse 'Baukunst' an der Kunstakademie in Düsseldorf.

Jetzt kommt Prof. Dudler am Dienstag, dem 10. Mai 2011 nach Speyer, um mit einem Vortrag über "die Architektur der Bibliotheken" um 19.30 Uhr das Sommersemester 2011 an der Speyerer Hochschiule zu eröffnen. Diesem Vortrag sehen nicht allein Dozenten und Hörerschaft der DHV mit großer Spannung entgegen, - auch für alle anderen, an zeitgenössischer Architektur interessierten Bürgerinnen und Bürger in der Region, wird dieser Vortrag Aufschluss darüber geben, wie das Gehäuse aussehen wird, in dem zukünftig die mehr als 300.000 Fachbücher untergebracht sein werden, die diese größte Spezial-Bibliothek für Verwaltungswissenschaften in Deutschland und damit zugleich eine der größten ihrer Art in der Welt in sich birgt.

Baubeginn für die neue Bibliothek, die konzeptionell als Präsenzbibliothek ausgebildet sein wird, ist noch im laufenden Jahr 2011 - mit ihrer Fertigstellung wird im Jahr 2014 gerechnet. Die Auslegung dieser einmaligen Bibliothek bedingt, dass ihre Nutzer unmittelbaren Zugriff auf alle im Bestand befindlichen Bücher haben müssen. Für die Planer bedeutet diese Nutzungsbedingung eine ganz besondere Herausforderung.

Der 1949 in Altenrhein in der Schweiz geborene Max Dudler studierte Architektur an der renommierten Städel'schen Schule in Frankfurt/Main bei Prof. Günther Bock sowie an der Hochschule der Künste in Berlin bei Prof. Ludwig Leo; bei ihm legte er 1980 auch seine Diplomprüfung ab.

Prof. Dudler wurde unter anderem bekannt durch so unterschiedliche Arbeiten wie das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum an der Humboldt-Universität in Berlin, die Bibliothek der Diözese Münster, den Erweiterungsbau des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen und den Neubau der Frankfurter Börse. In der näheren Umgebung von Speyer zeichnete Prof. Dudler u.a. für den Neu- und Ausbau des Hambacher Schlosses verantwortlich und errang den 3. Preis  beim Wettbewerb zur Überplanung des Erlus-Geländes in Speyer.

Der mit zahlreichen weiteren Preisen ausgezeichnete Baumeister gilt als einer der Vorreiter des Rationalismus in der Gegenwartsarchitektur, die er immer wieder durchsetzt mit Merkmalen des Schweizer Minimalismus.  

20.04.2011


Baumpflanzung zum Nauryzfest an der DHV Speyer

Die fünf im Wintersemester 2010/11 an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer studierenden Regierungsstipendiaten aus den zentralasiatischen Schwesterrepubliken Kasachstan und Kirgisien haben sich zu dem in ihrer Heimat mit einem großen Fest verbundenen Frühlingsanfang etwas besonderes einfallen lassen: Sie haben auf dem Gelände der Hochschule einen Baum gepflanzt. Nauryz ist ein großes Frühlingsfest, das nicht nur in Kasachstan und Kirgisien gefeiert wird. Es geht zurück auf das altiranischen Frühlingsfest Nouruz (wörtlich übersetzt "Neuer Tag"). Seit 2010 ist das Fest auf Beschluss der Generalversammlung der Vereinten Nationen als internationaler Nouruz-Tag anerkannt. Die Generalversammlung stellte in ihrer Erklärung fest, dass "Nouruz ein Frühlingsfest ist, das von mehr als 300 Mio. Menschen seit mehr als 3000 Jahren auf der Balkanhalbinsel, in der Schwarzmeerregion, im Kaukasus, in Zentralasien und im Nahen Osten gefeiert wird". Bereits 2009 hatte die UNESCO das Fest, das als zweites Neujahresfest bezeichnet werden kann und sich in einigen Regionen über mehrere Wochen erstrecken kann, in die Liste des Menschheitskulturerbes bzw. als UNESCO-Welterbe aufgenommen. Seine Ursprünge liegen wahrscheinlich in nomadischen Traditionen, den Schnee zu vertreiben und das Vieh in die nach dem Winter von der Natur erneuerten Weidegründe zu treiben. Daher sind Erneuerung, Begrünung und Wachstum wichtige Aspekte dieses Festes. Die Regierungsstipendiaten aus Kasachstan und Kirgisien wollten mit der Pflanzung eines neuen Baumes zum Frühlingsanfang den guten Beziehungen der DHV Speyer zu ihrer Heimat ein bleibendes und wachsendes Denkmal setzen.

(Foto: DHV)

24.03.2011