Neues Namensschild an der Speyerer Hochschule angebracht -
DHV Speyer jetzt auch nach außen hin sichtbar in
“Universität Speyer” gewandelt.
spk.
Speyer. “Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften
Speyer” - so lautet jetzt der neue Name der bisherigen DHV, der
Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, der
mit der Anbringung des neuen Schriftzuges durch den Speyerer
Kunstschlosser Bernhard Pelgen und seine Mitarbeiter heute auch
nach außen hin sichtbar vollzogen wurde. “Mit dieser Umbenennung”
so der Rektor der Universität, Prof. Dr. Joachim Wieland, "wollen
wir auch in unserem Namen dokumentieren, dass wir uns nach der
Einführung der neuen Masterstudiengänge weiter für die Ausbildung
des verwaltungswissenschaftlichen Nachwuchses geöffnet haben und
nicht mehr - wie bisher - nur rein nachuniversitäre
Postgraduiertenangebote bereithalten."
Als einzige vom Bund und allen Ländern gemeinsam
getragene akademische Ausbildungsstädte und als deutsches
Kompetenzzentrum für Verwaltungswissenschaften nimmt die Deutsche
Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer in der nationalen
Hochschullandschaft eine Sonderrolle ein. Prof. Dr. Wieland sieht
sie deshalb in einer besonderen Verantwortung für die Entwicklung
von Staat und Gesellschaft: "Wir sind seit 65 Jahren ein zentrales
föderales Begegnungsforum in Sachen guter Verwaltung und wollen
auch in den kommenden Jahrzehnten die Entwicklung des öffentlichen
Sektors in Deutschland und Europa insbesondere über unser
erfolgreiches Ausbildungsmodell für Rechtsreferendare und durch
unsere Forschung mit gestalten".
Die Ursprünge der Speyerer Universität gehen zurück
auf die von der französischen Besatzungsmacht 1947 noch vor
Gründung der Bundesrepublik in Speyer ins Leben gerufene Akademie
für Verwaltungswissenschaften, die in der Folgezeit mit der
Verleihung des Habilitations- und Promotionsrechtes den vollen
Universitätsstatus erlangte.
Die
Universität widmet sich auf der Grundlage eines breiten
methodischen Spektrums dem Thema der öffentlichen Verwaltung von
der kommunalen bis zur globalen Ebene und berücksichtigt dabei auch
die Beziehungen zwischen öffentlichem und privatem Sektor. Ihre
Aufgaben sind die Aus- und Weiterbildung von Führungskräften, die
Forschung sowie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Zu Ihrem Kernprofil zählen ihre Wissenschaftlichkeit, ihre
Praxisbezogenheit und ihre Interdisziplinarität. Alle drei Aspekte
fließen in ihre akademische Lehre, in anwendungsorientierte
Forschung sowie berufsbegleitende Weiterbildung ein. Mit ihren
Magister-, Master- und Promotionsstudiengängen sowie mit ihrem
einzigartigen verwaltungswissenschaftlichen Ergänzungsstudium für
die Rechtsreferendarinnen und -referendare der Länder bietet die
Universität ein breites Qualifikationsangebot für künftige
Führungskräfte der Öffentlichen Verwaltung an. Mit 17 Lehrstühlen
und der größten Verwaltungswissenschaftlichen Spezialbibliothek
Deutschlands bietet die Universität ihren durchschnittlich 350
Studierenden ein ideales Lern- und Betreuungsumfeld. Zu dessen
weiteren Optimierung erhofft sich die Universität die baldmögliche
Realisierung ihres derzeit größten Projektes: Der Errichtung einer
neuen Universitäts-Bibliothek, für die alle planerischen
Vorbereitungen getroffenen sind und wo allein noch die
Finanzierungszusage durch das Land aussteht. Foto: jüs
28.03.2012
DHV Speyer jetzt auch nach außen hin sichtbar in “Universität Speyer” - Bilderalbum
Gipfelpunkt auf einem langen Weg
Privatdozent
Dr. Alexander Windoffer erhält Habilitations-Urkunde an der
DHV
von Gerhard Cantzler
Es war schon ein kurioser Zufall, dass Privatdozent
Dr. Alexander Windorffer zum Ende seines Habilitationsverfahrens an
der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften DHV in
Speyer seine Antrittsvorlesung ausgerechnet am 65. Jahrestag der
Gründung dieser renommierten Einrichtung halten konnte. Das betonte
auch zu Beginn des Abends der Rektor der DHV, Universitätsprofessor
Dr. Joachim Wieland, der aus diesem Anlass zahlreiche Gäste im
Auditorium Maximum der Hochschule begrüßen konnte - an ihrer Spitze
den Vorsitzenden des Freundes- und Fördererkreises der DHV,
Oberbürgermeister Hansjörg Eger, das Mitglied des Europäischen
Parlaments Jürgen Creutzmann sowie die Präsidenten der
Landesrechnungshöfe Rheinland-Pfalz, Klaus P. Behnke, und aus
Baden-Württemberg, Max Munding.
Es war nämlich genau am 11. Januar 1947, als die
französische Besatzungsmacht das Dekret über die Gründung der
Hochschule bekannt gab und damit die Erfolgsgeschichte dieser
hochrangigen wissenschaftlichen Einrichtung einleitete.
Alexander Windoffer, geb. 1972 in Wesel, gehört der
DHV seit dem Jahr 2001 an, so Prof. Wieland in seinen einführenden
biographischen Anmerkungen zum Beginn des Vortragsabends. Er kam
damals nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität
Tübingen und nach seinem Ersten und Zweiten Juristischen
Staatsexamen vom Landratsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises in
Villingen-Schwenningen, wo er das Rechtsamt leitete, als
Forschungsreferent an das Forschungsinstitut der DHV in Speyer.
Dort, so der Rektor, habe er “höchst produktiv und innovativ”
gewirkt und eine Vielzahl bemerkenswerter Veröffentlichungen
vorgelegt.
2005
promovierte er an der DHV bei Univ.-Prof. Dr. Jan Ziekow mit “summa
cum laude” zum Dr. rer.publ.
2011 schließlich erwarb Windoffer die “Venia
legendi”, das Recht, selbst universitäre Lehrveranstaltungen
abzuhalten - die Vorstufe zur Habilitation - legte seine
Habilitationsschrift vor, hielt - gemäß der Speyerer
Habilitationsordnung - eine Probevorlesung und absolvierte ein
umfangreiches Kolloquium, ehe er jetzt mit der Antrittsvorlesung
über “Das neue Glücksspielrecht - Präventionsmodell mit
Gewinnchancen in Karlsruhe und Luxemburg” das aufwendige
Habilitationsverfahren krönte.
In seiner Vorlesung analysierte Privatdozent Dr.
Windoffer, der - durchaus verfahrensüblich - bereits seit zwei
Semestern eine Lehrstuhlvertretung an der Universität Mainz
wahrnimmt, das neue Glücksspielrecht in der Bundesrepublik. In
diesem gehe es, so der Wissenschaftler, weniger um das Glücksspiel
generell, sondern um seine Handhabung in der Öffentlichkeit. Hier
stünden der Schutz der Spieler vor Suchtgefährdung und Manipulation
in Konkurrenz zu den garantierten Grundrechten der Berufsfreiheit
und der Niederlassungsfreiheit der Wettbetreiber.
Als weiteres beschrieb Dr. Windoffer die
unterschiedlichen Formen des Glücksspiels von den verschiedenen
Lotterien über die Sportwetten, die Casinowetten und die
Automatenspiele, bewertete deren jeweiligen Grad an Suchtgefährdung
und umriss den Umfang der staatlichen Restriktionsmöglichkeiten bei
Zulassung und Spielkontrolle.
Dabei ging er auch auf die höchst unterschiedlichen
Zuständigkeiten der verschiedenen Gesetzgebungsebenen ein, die
durchaus nicht nur zur Vereinfachung des rechtlichen Umgangs mit
den verschiedenen Glücksspielen geführt hätten.
Bei der
Neufassung des Glücksspielrechtes hätte sich zudem eine Divergenz
der Rechtsauffassungen des Landes Schleswig-Holstein mit den
anderen 15 Bundesländern herausgestellt. Dies berge die Gefahr in
sich, dass immer mehr Wettveranstalter ihren Firmensitz in das Land
zwischen Nord- und Ostsee verlagern könnten. Dennoch sah der
Referent keinen Grund für eine Schreckensvision von einem “Las
Vegas an der Kieler Börde”. Das hänge insbesondere mit der Tatsache
zusammen, dass die meisten Wettspiele heute bereits per Internet
abgewickelt würden.
Als positiv bewertete Dr. Windoffer, dass sich die
Länder darauf verständigt hätten, die Zahl der Spielbanken in
Deutschland nicht weiter zu vergrößern, da die dort angebotenen
Wettspiele angesichts der möglichen Gewinn- und Verlustchancen zu
den gefährlichsten für die Spieler überhaupt zählten.
Mit Blick auf
das europaweit geltende Kohärenzgebot, nachdem die in den
europäischen Mitgliedsländern geltenden Bestimmungen der
Durchsetzung von Europarecht dienen müßten, verwies der Referent
auf die Tatsache, dass nach europäischem Recht alles möglich sei -
vom absoluten Verbot von Glücksspiel bis hin zum Verzicht auf
jedwede Kontrolle. Für ihn gebe es allerdings auch keinen Grund zu
der Sorge, dass ein generelles oder teilweises Verbot bestimmter
oder gar aller Glücksspiele zu erfolgreichen
Schadensersatzforderungen der heute schon in dem “Geschäft” tätigen
Wettbetreiber führen könnten.
Sein Fazit: Die Ländermehrheit in der
Bundesrepublik hat mit dem neuen Glücksspielrecht “auf das richtige
Pferd gesetzt”, das wohl auch vor den Gerichten in Karlsruhe und
Luxemburg Bestand haben dürfte. Die darin enthaltenden
Restriktionen sind mit den europäischen Freiheiten vereinbar. Der
schleswig-holsteinische Sonderweg dagegen sei ein Irrweg, für den
die anderen Ländern ihren norddeutschen Kollegen die Rechnung
präsentieren sollten.
Aus der Hand von Rektor Dr. Wieland konnte Dr.
Windoffer sodann die Habilitationsurkunde entgegennehmen - redlich
erarbeitet und nicht am Spieltisch gewonnen... Foto:
Kienipress
12.01.2012
Privatdozent Dr. Alexander Windoffer erhält Habilitations-Urkunde - Bilderalbum
Widerstand - Bürgerrecht oder Bürgerpflicht?
13. Demokratie-Tagung an der DHV mit
spektakulären Gästen
von Gerhard Cantzler
In Brüssel, Paris und Berlin feierten sich die
Politiker noch ob der vermeintlichen EURO-Rettung und auf dem
Börsenparkett in Frankfurt gingen die Kurse “durch die Decke”, da
standen EURO und Europapolitik in der Deutschen Hochschule für
Verwaltungswissenschaften in Speyer (DHV) schon wieder im
Kreuzfeuer heftiger Kritik. Anlass: Die 13. Demokratietagung, in
diesem Jahr ganz dem Thema “Widerstand” gewidmet. Und auch in
diesem Jahr war es dem Leiter dieser Tagung, dem bekannten
Parteien-Kritiker Prof. Dr. Hans-Herbert von Arnim wieder gelungen,
prominente Referenten nach Speyer zu gewinnen, Referenten - die ob
ihrer Meinungen abseits des politischen Mainstreams immer wieder in
die öffentliche Diskussion geraten.
Demokratiedefizite in
der Welt provozieren zunehmend Widerstand
In seinem Eingangsreferat wies Prof. von Arnim
darauf hin, dass sich schon seit geraumer Zeit an vielen Stellen in
der Welt bürgerschaftlicher Widerstand rege: In den Staaten
Nordafrikas zunächst, in Israel und jetzt auch in den USA mit der
Bewegung “Occupy Wall Street”, aus der sich in Deutschland zuletzt
“Occupy Frankfurt” abgeleitet habe. Bei den beiden letztgenannten
gehe es nur vordergründig um Widerstand gegen die Ausweitung von
Rettungsschirmen - in Wirklichkeit gehe es aber den Bürgern um ihr
Unbehagen über eine hinter der Euro-Krise stehenden Rechts- und
Verfassungskrise.
Diese habe ihre Ursache bereits in der Tatsache,
dass Deutschland nach dem Krieg nie zu seiner “Volkssouveränität”
gefunden habe. Das Grundgesetz sei damals unter dem Druck der
Besatzungsmächte und ohne die Mitwirkung der Bürger eingeführt
worden. Eine eigene Verfassung sei den Deutschen im Grundgesetz
erst mit der Verwirklichung der deutschen Einheit in Aussicht
gestellt worden. “Doch diese bis heute fehlende Legitimierung wurde
nie nachgeholt - auch nicht in Verbindung mit der deutschen Einheit
1989/90", betonte der Professor. Statt dessen sei diese
Souveränität auf die politischen Parteien übergegangen. Diese
kritisierte er hart, weil sie eine Form von “Modernem Absolutismus”
errichtet hätten, in dem “die politische Klasse ihr Macht dazu
benutze, um ihre eigene Macht abzusichern”. Zwar seien die
Politiker an Gesetze gebunden - doch was nütze dies, wenn sie die
Gesetze selbst machten.
Von Arnim kritisierte auch das deutsche Wahlrecht,
in dem der Wähler nicht einzelne Kandidaten, sondern nur Vertreter
aus den von den Parteien erstellten Blöcken auswählen könne. Im
Zusammenhang mit der Europawahl habe er deshalb eine
Verfassungsklage eingereicht, über die am 8. November entschieden
werden solle.
Parteien auf dem Weg zu Staatsparteien
Ein anderes, erhebliches Problem sieht von Arnim
auch in der Parteienfinanzierung, die er in der gegenwärtigen Form
schon seit langem geißelt. So flössen den Parteien auf direkten und
indirekten Wegen riesigen Summen zu - allein 400 Millionen Euro zur
Bezahlung von persönlichen Mitarbeitern der Abgeordneten, über 300
Millionen über die Parteienstiftungen. “Diese Aufwendungen haben
sich in den letzten 50 Jahren um das 450fache vermehrt”, stellte
der Professor fest. Möglich geworden sei dies nur, weil sich die
Parteien über die Parlamente diese Summen selbst genehmigten.
“Selbst die Kontrolle durch die Rechnungshöfe verstehen die
Parteien trickreich zu umgehen”, stellte der Professor fest, der
befürchtet, dass dadurch die Parteien immer mehr zu Staatsparteien
würden. “Die Politik wird dem Volk von oben aufoktroyiert -
Demokratie von unten nach oben findet nicht mehr statt”.
Schließlich kritisierte von Arnim, dass es bis
heute noch keinen Straftatbestand der Korruption von Politikern
gebe - “wer einen Politiker zu bestechen versucht, riskiert
allenfalls, dass dieser ihn aus seinem Büro wirft...”
Deshalb sei Widerstand nicht nur ein Mittel zur
Beseitigung von Tyrannei - auch in unserem System gebe es
Ungerechtigkeiten, gegen die Widerstand zulässig und geboten sei.
Allerdings gelte in der Demokratie auch beim Widerstand der
Grundsatz der Gewaltfreiheit:
Eurokrise auch
Ausdruck der Politikkrise
Mit Prof. Hans-Olaf Henkel, früherer Präsident des
BDI, betrat danach ein Referent die “Arena”, der sich selbst dazu
bekannte, vom Saulus zum Paulus geworden zu sein. Er sei bei der
Einführung des Euro ein entschiedener Befürworter der neuen,
einheitlichen Währung gewesen - obwohl diese Haltung damals nicht
unbedingt mehrheitsfähig gewesen sei - auch nicht bei den
Mitgliedern des damals von ihm geführten Industrieverbandes. Heute
spreche er sich dafür aus, dass Deutschland, Österreich, die
Niederlande und Finnland aus der Euro-Zone austreten sollten, um
einen eigenen Währungsverbund zu gründen. Der Grund: Die im
Maastricht-Vertrag festgelegten Stabilitätskriterien - zuallererst
die dreiprozentige Neuverschuldungs-Obergrenze - seien inzwischen
über hundert Mal gebrochen worden. “Die griechische Regierung hätte
sich nie derart verschulden können, wenn sie nicht auf deutsche
Zinssätze hätte zugreifen können”, betonte Henkel. Wohin das führe,
hätte man spätestens daran erkennen müssen, dass Großbritannien den
Euro gegenüber dem Pfund Schritt für Schritt immer weiter
abgewertet habe. “Nach Griechenland ist jetzt Italien an der
Reihe”, prophezeite Henkel, “und als nächstes kommt dann Frankreich
dran”. Deshalb müßten Tabus in Europa aufgebrochen werden - “und
das Festhalten am Einheits-Euro ist so ein Tabu”.
Transfer-Union - Weg zur “organisierten
Verantwortungslosigkeit”
Viele Oekonomen und namhafte
Wirtschafts-Journalisten hätten inzwischen zu den gleichen
Schlussfolgerungen gefunden wie er, stellte Henkel fest - “Wir
müssen einen Weg aus dem organisierten Finanz-Chaos in Europa
finden” - und diesen sieht der in Mannheim lehrende Professor in
einem in einen Nord- und einen Süd-Euro geteilten Euro-Raum.
Andernfalls werde aus der Eurozone eine Transferunion, vergleichbar
dem Länderfinanzausgleich in der Bundesrepublik Deutschland. Diesen
bezeichnete Henkel als die “organisierte Verantwortungslosigkeit”.
“Wenn Herr Seehofer einen Euro einspart, dann muss er davon 97 Cent
in den Finanzausgleich abgeben. Wenn Bremen einen Euro mehr
Schulden macht, bekommt es dazu 97 Cent von den “Geberländern”. So
gebe es in Berlin kostenlose Kindergarten- und Studienplätze, die
dann von Hessen und Baden-Württemberg finanziert werden müßten.
Nach diesem System müßten die deutschen Geberländer bei einem
weiteren Marsch in die europäische Transferunion dann nicht allein
die 13 deutschen Nehmerländer, sondern auch zahlreiche
“notleidende” Mitglieder der Eurozone retten. “Dabei retten die
deutschen Steuerzahler mit dem Rettungsschutzschirm nicht
Griechenland, sondern in Wahrheit die französischen Banken”, so
Henkel. Es sei eine Utopie anzunehmen, dass es überhaupt möglich
sei, Griechenland zu entschulden.
Sein Vorschlag sei deshalb die Begründung einer
neuen Euro-Währung mit den vorgenannten Mitgliedern, die ihre
Geldpolitik von einer eigenständigen Zentralbank nach den Regeln
von Maastricht organisieren lassen. Diese Union, die Henkel als
“echte Stabilitäts-Union” bezeichnete, könne dann ihren Euro
gegenüber dem Süd-Euro abwerten. Das könne zwar kurzfristige
Auswirkungen auf den deutschen Export haben, würde aber nach
Henkels Überzeugung zu keinen längerfristigen Schwierigkeiten
führen.
Unter diesem Aspekt, so Hans-Olaf Henkel, halte er
auch die These “Scheitert der Euro, dann scheitert auch Europa” für
grundfalsch und unverantwortlich. Innerhalb der Eurozone tue sich
schon jetzt ein immer breiterer Graben zwischen Geber- und
Nehmer-Ländern auf. Wohin das führe, werde auch an der Tatsache
deutlich, dass von den noch zehn EU-Ländern, die nicht der Eurozone
angehörten, heute nur noch eines - Rumänien - die Mitgliedschaft im
Euroraum anstrebe. Die ursprüngliche Idee, dass die Eurozone im
Endzustand deckungsgleich mit der EU würde, sei so nicht mehr zu
verwirklichen - im Gegenteil: In Großbritannien gebe es eine
wachsende Tendenz, sogar wieder aus der EU “auszusteigen”.
Deshalb plädiere er für ein oekonomisch getrennt
marschierendes Europa - denn “ein Ende mit Schrecken ist allemal
besser als ein Schrecken ohne Ende”.
Gabriele Pauli:
Erfahrungsbericht über Umgang mit politischem Establishment
Mit großen Erwartungen sahen die Teilnehmer der
Tagung auch dem Referat der früheren Fürther Landrätin und
bayerischen Landtagsabgeordneten Dr. Gabriele Pauli entgegen. Sie
schilderte in ihren mit “Götterdämmerung in Bayern? Der Sturz eines
Ministerpräsidenten und Blockaden politischer Reformen”
überschriebenen Ausführungen ihre persönlichen Erfahrungen im
Umgang mit einem etablierten politischen System. Wer sich hier
allerdings mehr erwartet hatte als die Wiederholung der bereits von
Prof. von Arnim getroffenen Feststellung, dass es leichter sei, den
politischen Prozess durch Eintritt in eine Partei zu beeinflussen
als durch die Gründung einer neuen, sah sich enttäuscht. Gabriele
Pauli schilderte ihre leidvolle Irrfahrt von ihrer Mitgliedschaft
in den Führungsgremien der CSU über die Freien Wähler in Bayern bis
hin zu der von ihr selbst gegründeten “Freien Union” und ihre
heutige Parteilosigkeit. Frau Pauli konnte aber kaum Beiträge dazu
anbieten, wie die von ihr beklagte Entwicklung grundsätzlich
verändert werden könnte.
Thilo Sarrazin:
Gegen Denkverbote und Tabus
Anders dagegen der letzte - ob seiner umstrittenen
Thesen in seinem jüngsten Buch “Deutschland schafft sich ab” -
heftig in die Diskussion geratene Referent Dr. Thilo Sarrazin,
zuletzt Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bundesbank. Er
kündigte gleich zu Beginn seiner Ausführungen an, dass es ihm an
diesem Tag nicht um die Inhalte seines Buches gehe, sondern darum,
wie die veröffentlichte Meinung damit umgegangen sei. Dies sei
nämlich ein Schulbeispiel für die Macht, die sich die Medien in
unserer Gesellschaft angeeignet hätten.
Wenn nämlich in manchen Medien gefordert worden
sei, sein Buch zu verbieten und ihn selbst - wie einst in der
Sowjetunion üblich - in eine Irrenanstalt zu stecken, dann müsse er
dem entgegenhalten, dass die Freiheit des Denkens grundsätzlich auf
Mitteilung angelegt sei. “Eine Gesellschaft, die ein Übermaß an
Denkverboten praktiziert, behindert ihre eigene Entwicklung”,
zeigte sich Sarrazin überzeugt - “was man nicht kennt, kann man
auch nicht überwinden”. Die Kodifizierung von Meinungen setze zudem
stets die Inanspruchnahme dieser Meinungsfreiheit voraus. “Denken
ist Macht”, rief der streitbare Ex-Banker aus, “und wo um Macht
gerungen wird, wird immer auch um den Umfang der Beeinträchtigung
von Meinungsfreiheit gerungen”.
Am unabhängigsten, so der Referent, sei der Mensch
dort, wo er selbst Experte sei. In allen anderen Bereichen versuche
er sich zumeist der Mehrheitsmeinung anzuschließen.
Seien früher die “Sinnvermittler” Theologen und
Philosophen gewesen, so seien dies heute die Medien-Schaffenden.
Diese hätten aber meist keinen “anständigen” Brotberuf erlernt und
beschränkten sich statt dessen darauf, “Experten für Kritik” zu
sein. Aus Mangel an eigenem Expertenwissens richteten sie dann aber
ihre Meinung oft allzu gerne an der Meinung anderer Medien aus.
Auch die Politik habe sich deshalb angewöhnt,
zunächst auf die veröffentlichte Meinung zu blicken - erst danach
auf die Meinung der Bürger. “Politik und Journalisten verbindet
auch der Umstand, dass sie wenig lesen”, kritisierte Sarrazin,”
über siebzig Prozent derer, die mein Buch kritisiert haben, haben
es nie gelesen - oft nicht einmal durchgeblättert. Die Fehler, die
sie durch Unkenntnis der tatsächlichen Inhalte machen, pflanzen
sich dann von einem Kritiker zum anderen fort” - Kritiken zu seinem
Buch, so stellte er fest, seien bereits gedruckt gewesen, noch ehe
das Buch überhaupt ausgeliefert worden war.
Tabuisierung als Ursache für
Wutbürgertum
Bei der Betrachtung der Reaktionen, die sein Buch
ausgelöst habe, sei ihm bewusst geworden, dass sich, je länger die
Tabuisierung eines Themas anhalte, der Druck auf die
Unterströmungen wachse, die dann um so heftiger ausbrächen, wenn
jemand dieses Thema öffentlich anspreche. Die Diskussion um die
Schulreform in Hamburg und die Vorgänge um Stuttgart 21 seien nur
zwei Beispiele für unzureichende Befassung der Bürger von Anfang
an. Aus solchen Vorgängen - so Sarrazin - sei der Begriff von dem
“Wutbürger” entstanden - allerdings auch aus Wut darüber, dass sich
die Bürger überhaupt zu Wort meldeten. Die Empörung auf die
“Wutbürger” werde dann um so heftiger, je mehr es die öffentliche
Meinung mit nicht widerlegbaren Fakten zu tun habe. Früher habe in
solchen Fällen die Inquisition und der Scheiterhaufen gedroht -
heute, seit dem Terror des Stalinismus, drohe den Bürgern das
“Irrenhaus”.
“Political correctness” als Gefahr für die
Meinungsvielfalt
Die Agitation der Medienklasse führe letzten Endes
dazu, dass öffentlich verbreitete Meinungen - unabhängig von ihrem
Wahrheitsgehalt - zur “political correctness” erhoben würden. “Und
wer sich dieser Meinung widersetzt, dem wird unterstellt, er habe
die Grenzen des durch die “correctness” definierten “Anstandes”
bereits überschritten”. Viele Menschen scheuten sich deshalb
inzwischen, ihre Meinung zu sagen, wenn diese nicht dem
vermeintlichen Konsens entspricht.”Wer die Welt nur noch durch die
Brille der ‘political correctness’ sieht, der blendet dadurch
entscheidende Blickwinkel aus”, betonte Thilo Sarrazin, der
abschließend warnte, dass die Meinungsfreiheit dort, wo sie nicht
genutzt werde, “den Pfad für zukünftige Meinungsfreiheit schmaler
mache”. - “Meinungsfreiheit ist wie ein Muskel, der sich
zurückbildet, wenn er nicht genutzt und beansprucht wird”, schloß
Thilo Sarrazin seine viel beachteten Ausführungen. (Lesen Sie dazu
die kompletten Ausführungen Thilo Sarrazins in “M.M. Warburg
“Beobachtungen zur Zeit” - Essay Nr. 12 “Tabubruch
Meinungsfreiheit”) .
Kirchenpräsident i.R.
Cherdron: Christen nur für gewaltfreien Widerstand
Einen ganz anderen Blickwinkel zum Thema
“Widerstand” beleuchtete der frühere Kirchenpräsident der
Protestantischen Landeskirche der Pfalz, Eberhard Cherdron.
Ausgehend von dem Wort des Apostels Paulus “Seid untertan der
Obrigkeit” schlug er einen weiten Bogen von Martin Luther bis zu
dem wesentlich von den Kirchen inspirierten Widerstand der Bürger
gegen das SED-Regime. Dabei vergaß er auch nicht die Rolle Speyers
für die Protestation auf dem Reichstag von 1529 herauszuheben.
Widerstand - auch eine Sache des ‘genius loci’? Jedenfalls legte
auch Cherdron Wert auf die Festellung, dass Widerstand nach
christlichem Verständnis stets gewaltfrei erfolgen müsse. Foto:
Kienipress
02.11.2011
Auszeichnung für Professor Reinermann
Prof. Dr. Heinrich Reinermann
Auf der größten Informatikkonferenz im deutschsprachigen Raum,
der INFORMATIK 2011, in Berlin hat die Gesellschaft für Informatik
e.V. (GI) am 5. Oktober 2011 vier verdiente Persönlichkeiten aus
der Informatikszene zu "GI-Fellows" ernannt, darunter Prof. Dr.
Heinrich Reinermann, Deutsche Hochschule für
Verwaltungswissenschaften Speyer. Die Gesellschaft zeichnet
Personen als Fellows aus, die sich in herausragender Weise um die
GI und die Informatik verdient gemacht haben. Mit Heinrich
Reinermann ehrte die GI einen engagierten Wissenschaftler und
Vordenker auf dem Gebiet des E-Government.. Er gilt als Nestor und
Gründer der Speyerer Verwaltungsinformatik. In Speyer bot Heinrich
Reinermann Fortbildungsseminare für Beamte und Angestellte des
öffentlichen Dienstes an, um diesen die Chancen der neuen Büro- und
Informationstechnik nahe zu bringen, und schlug so eine Brücke
zwischen Verwaltungswissenschaften und Informatik.
In der GI hat sich Heinrich Reinermann als Sprecher des
Fachbereichs "Informatik in Recht und Öffentlicher Verwaltung"
engagiert und dort im Jahr 2000 das Memorandum „Neue Chancen für
eine virtuelle Verwaltung“ mitverfasst, das der öffentlichen
Verwaltung einen grundlegenden Modernisierungsschub gegeben hat.
Presse DHv Speyer
13.10.2011
Univ.-Prof. Dr. Joachim Wieland neuer Rektor der DHV Speyer
Seit dem ersten Oktober 2011 hat die DHV Speyer einen
neuen Rektor. Der bisherige Prorektor, Univ.-Prof. Dr. Joachim
Wieland war am 25. Juli 2011 vom Senat der Hochschule als
Nachfolger von Univ.-Prof. Dr. Stefan Fisch gewählt worden, der das
Amt zwei Jahre lang inne hatte.
Der 1951 geborene
Wieland studierte in Bielefeld und Cambridge Rechtswissenschaft.
Erste wissenschaftliche Erfahrungen sammelte er nach seinem
Staatsexamen altarbeiter von Univ.-Prof. Dr. Dr. E.-W. Böckenförde
an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau. Hier
promovierte er 1984 mit einer Arbeit über das Thema "Die Freiheit
des Rundfunks". Anschließend sammelte er von 1984 bis 1988 als
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesverfassungsgericht wichtige
Erfahrungen am höchsten deutschen Gericht, bevor er als
wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl Prof. Dr. Alexander
Hollerbach, Seminar für Rechtsphilosophie und Kirchenrecht, an die
Universität Freiburg im Breisgau zurückkehrte. In Freiburg wurde
ihm 1989 Venia Legendi für Öffentliches Recht einschließlich
Finanz- und Steuerrecht, Rechtsvergleichung verliehen. Thema seiner
seiner Habilitationsschrift waren „Die Konzessionsabgaben“. In der
Folgezeit nahm Wieland Lehrstuhlvertretungen an der Westfälischen
Wilhelms-Universität Münster und an der Universität Bielefeld war,
bis er 1991 einen Ruf auf den Lehrstuhl für Öffentliches Recht,
Finanz- und Steuerrecht an der Fakultät für Rechtswissenschaft der
Universität Bielefeld annahm. 1996 bis 1998 war er Prorektor für
Personal und Finanzen dieser Universität gehörte. 2001 übernahm
Wieland den Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Finanz- und
Steuerrecht, Fachbereich Rechtswissenschaft an der Johann Wolfgang
Goethe-Universität in Frankfurt, wo ihn schließlich 2007 der Ruf
auf den Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Finanz- und Steuerrecht
der DHV Speyer erreichte, wo er sich außer in Lehre, Forschung und
Weiterbildung auch als stellvertretender Direktor der Bibliothek
und seit 2010 auch als Prorektor in die Selbstverwaltung der
Hochschule einbrachte.
Wielands Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen in den
Bereichen Verfassungsrecht, Finanzverfassungsrecht, Steuerrecht und
Öffentliches Wirtschaftsrecht. Ein sehr umfangreiches
Publikationsverzeichnis weist ihn in diesen Bereichen als äußerst
renommierten Wissenschaftler aus. Wichtige Publikationen widmete
Wieland der kommunalen Aufgabenträgerschaft nach dem
Grundsicherungsgesetz, der Aufgabenzuständigkeit und
Finanzierungsverantwortung verbesserter Kinderbetreuung und dem
Schutz des Selbstverwaltungsrechts der Kommunen gegenüber
Einschränkungen ihrer wirtschaftlichen Betätigung im nationalen und
europäischen Recht.
Seine umfangreichen Kenntnisse konnte Wieland bislang in
zahlreichen verantwortungsvollen Funktionen einbringen. So ist bzw.
war er Mitglied des nordrhein-westfälischen
Verfassungsgerichtshofs, der Gemeindefinanzreformkommission des
Bundes, der Enquetekommission Kommunen des Landtags
Rheinland-Pfalz, der Gemeinsamen Kommission von Bundestag und
Bundesrat zur Reform der bundesstaatlichen Ordnung und der
Enquetekommission Verfassungsreform des Hessischen Landtags.
Wieland wirkte als Sachverständiger für die Kommission zur
Modernisierung der Bund-Länder- Finanzbeziehungen und nahm
Prozessvertretungen des Bundespräsidenten, des Bundestags, der
Bundesregierung, von Landesregierungen und Kommunen vor dem
Bundesverfassungsgericht, dem Bundesverwaltungsgericht und
verschiedenen Landesverfassungsgerichten wahr.
Presseinformation der DHV Speyer
04.10.2011
Wissenschaftspreis der Johann Joachim Becher-Stiftung Speyer
Mobilität mit Intelligenz - Ergebnisse des J. J. Preises
publiziert
Die Johann Joachim Becher-Stiftung Speyer verleiht in
regelmäßigen Zeitabständen Wissenschaftspreise, die thematisch an
das Wirken des Speyerer Universalwissenschaftlers Johann Joachim
Becher (1635 – 1684) anknüpfen und auch heute noch von Bedeutung
sind. Nach der „Relevanz merkantilistischen Gedankenguts in einer
globalisierten Welt“ (2000), „Technik und Gesellschaft“ (2003),
„Medizin zwischen Machbarkeit, Sinnhaftigkeit und Bezahlbarkeit“
(2005) und „Chemie zwischen Hoffnung und Skepsis“ (2007) war die
Auslobung des jüngsten Wissenschaftspreises dem Themenbereich
„Transport und Logistik“ (2009) gewidmet. J. J. Becher hat hierzu
seinerzeit kühne Vorstellungen entwickelt, u.a. zu
Rhein-Main-Donau-Kanal, Suez-Kanal und Panama-Kanal. Anderseits
sind mittlerweile Raum und Zeit dem Transport von Personen,
Materie, Energie und Information immer weniger Grenzen gesetzt. Man
spricht gar vom „Tod der Distanz“. Diese Entwicklung hat uns
einerseits offensichtliche Vorteile beschert. In jüngerer Zeit
zeigen sich andererseits gleichwohl neue Grenzen für Verkehr und
Logistik. Unsere Sorge gilt dem Verbrauch der Energieressourcen,
den wachsenden Schadstoffemissionen oder dem Landschaftsverbrauch
für Verkehrseinrichtungen. Die Lebensqualität ist durch
Verkehrslärm, Hektik und Unfallfolgen gefährdet. Der Trend zur
Urbanisierung verschärft die Problematik.
Die Ergebnisse dieser jüngsten Auslobung der J. J.
Becher-Stiftung liegen jetzt mit dem Band „Mobilität mit
Intelligenz, Strategien für die Bewältigung der logistischen
Herausforderungen der Zukunft“ vor. Er ist im Nomos-Verlag
Baden-Baden erschienen (ISBN 978-3-8329-6562-4) und wurde von Prof.
em. Dr. Heinrich Reinermann von der Deutschen Hochschule für
Verwaltungswissenschaften Speyer herausgegeben. Strategien für die
Bewältigung der logistischen Herausforderungen werden darin
entwickelt von Professor Dipl.-Ing. Albert Speer, Frankfurt am
Main, für die Raumnutzung in der Stadt der Zukunft; Dr Hartwig
Haase, Universität Magdeburg, für Modulare Mobilität in urbanen
Ballungsräumen; Dr. Timo Bertocchi, Rhein-Main-Service GmbH
Frankfurt am Main, für öffentlichen Personennahverkehr in der
Region; und Becher-Preisträger Dr. Stefan Walther, Daimler AG
Stuttgart-Untertürkheim, für den großräumigen Gütertransport in
Europa.
02.08.2011
Interkultureller Dialog künftiger Verwaltungsexperten
15. Deutsch-französischer Studientag an der DHV
in Speyer
Gut 150
Studierende der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften
DHV und ihrer französischen Partnereinrichtung, der école nationale
d’administration ENA in Straßburg trafen sich jetzt zum inzwischen
schon traditionellen, gemeinsamen Studientag, dem 15. seiner Art,
in Speyer. Gemeinsam mit hochrangigen Experten aus beiden Ländern
sollten die Studenten aus beiden Hochschulen an diesem Tag
Gelegenheit erhalten, aktuelle europapolitische Themen zu
analysieren und in einem interkulturellen Vergleich die
unterschiedlichen Herangehensweisen bei der Lösung der gestellten
Aufgaben kennen zu lernen. Dabei erwies es sich rasch, dass
Franzosen und Deutsche aufgrund ihrer unterschiedlichen
verwaltungsrechtlichen Traditionen und verfassungsrechtlichen
Strukturen - in Frankreich im wesentlichen zentralistisch, in
Deutschland geprägt von einem föderalistischen System - auch schon
als Studenten einen unterschiedlichen “approach” bevorzugen - so
wie sie ihn später auch im beruflichen Alltag als
verwaltungswissenschaftliche Elite ihrer Länder werden praktizieren
müssen.
Dass die Eingangsdiskussion über die Mechanismen
zur Stabilisierung der Europäischen Währungsunion ausgerechnet auf
den Tag fiel, an dem im griechischen Parlament in Athen die
Entscheidung über ein notwendiges Sparpaket und damit indirekt über
die Freigabe weiterer Rettungsmilliarden für Griechenland anstand,
war sicher Zufall; es unterstrich aber zugleich die Nähe der Lehre
an beiden Hochschulen zu den Realitäten europäischer
Währungspolitik, wie sie sich kaum dramatischer als an diesem Tag
offenbaren konnte
Von daher war es für die Teilnehmer an diesem
Studientag sicher ein mehr als glücklicher Umstand, mit den drei
Referenten zu diesem Themenkomplex, Gabriel Glöckler von der
Generaldirektion “Internationale und Europäische Beziehungen” der
Europäischen Zentralbank in Frankfurt, dem renommierten
französischen Oekonomen Jacques Delpla, Mitglied des Conseil
d’Analyse Economique und dem Mitglied in der Finanzwirtschaftlichen
Grundsatzgruppe des Rheinland-Pfälzischen Finanzministeriums,
Andreas Metz, drei Fachleuten zu begegnen, die aus ihren
verschiedenen Betroffenheiten unterschiedliche Sichtweisen auf ein
insgesamt hochkomplexes Thema vermitteln konnten.
Aktuelle und
durchaus spannende Themen wurden auch in neun Arbeitsgruppen am
Nachmittag des Studientages bearbeitet: Das reichte von Fragen “der
Beschäftigung von Personal aus Drittstaaten in der Rheinschiffahrt”
über die Ausarbeitung einer “Empfehlung des Europarates zur
Ausübung der Religionsfreiheit” bis hin zu Fragen der europäischen
Sicherheitspolitik und der Zukunft der Kernenergie in beiden
Ländern. Besonders spannend auch die Simulation einer Sitzung des
Direktoriums der Oberrheinkonferenz sowie einer Tagung eines
deutsch-französischen Ministerrates.
Die Studierenden brachten sich durchweg mit großem
Ernst und viel Engagement in ihre jeweiligen Diskussionsrunden ein.
Das bestätigten auch die beiden Leiter der Tagung, Prof. Dr.
Karl-Peter Sommermann für die DHV in Speyer und seine französische
Kollegin Francoise Camet von der ENA in Straßburg. Dies zeigte sich
aber auch bei den Abschlussrunden, in denen die Sprecher der
Arbeitsgruppen mit viel Geschick und guten Argumenten ihre
gewonnenen Erkenntnisse zu verteidigen wussten.
Einmal mehr ein deutsch-französischer Studientag,
der sich würdig in die Reihe der in den 80er Jahren von dem
früheren Speyerer Universitätsprofessor Dr. Heinrich Siedentopf ins
Leben gerufenen Tagungen einfügte und der deutlich werden ließ,
welche Potentiale im “Nachwuchs” beider Hochschulen schlummern.
Noch eine Anmerkung zum Schluss: Wer sich noch an
Studientage früherer Jahre erinnert, dem wird aufgefallen sein,
dass die Mehrzahl der Gesprächsrunden in diesem Jahr in englischer
Sprache geführt werden mußten. Das war früher einmal anders: Da
waren für alle Teilnehmer Diskussionen auf höchstem Niveau in den
beiden Sprachen, in Französisch und Deutsch möglich. Heute jedoch
ist - insbesondere wohl auf der französischen Seite - das Interesse
an der anderen Sprache - also Deutsch - offensichtlich derart im
Schwinden begriffen, dass man sich auch im Grenzland zwischen den
befreundeten Ländern Frankreich und Deutschland nur noch in einer
Sprache austauschen kann: In Englisch.
Das ist eigentlich Schade - und sollte für die
Schulpolitiker auf beiden Seiten sicher Grund zur Nachdenklichkeit
sein. Gerhard Cantzler/ Alle Fotos: sim
30.06.2011
IASIA-Ehrung für zwei DHV Professoren
Prof. Dr. Dr. Klaus König
Dr. Dr. Klaus König und Dr. Heinrich Reinermann, beide
emeritierte Universitätsprofessoren an der Deutschen Hochschule für
Verwaltungswissenschaften Speyer, wurde in Rom eine besondere
Ehrung zuteil.
Die International Association of Schools and Institutes of
Administration (IASIA), eine Tochter des Internationalen Instituts
für Verwaltungswissenschaften Brüssel, zeichnete sie für ihren
herausragenden, engagierten und langjährigen Einsatz aus; sie
hätten damit die Ziele und Handlungsprogramme IASIAs maßgeblich
mitgeformt.
Anlass für diese
Ehrung war der 50. Geburtstag von IASIA, der mit einer von der
italienischen Regierung sowie der Wirtschaftswissenschaftlichen
Fakultät der Universität Roma Tre vom 13.bis 18. Juni 2011
veranstalteten Konferenz "IASIA at 50: Challenges and Ways Foreward
for Public Administration Globally" feierlich begangen wurde.
Die Ehrungen wurden von Valeria Termini, Präsidentin von IASIA
und Professorin an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der
Universität Roma Tre, sowie von Gianni Letta, ranghöchster
Staatssekretär beim Ministerpräsidenten der Republik Italien,
vorgenommen. Die beiden auf die Deutsche Hochschule für
Verwaltungswissenschaften Speyer entfallenden Auszeichnungen nahm
Heinrich Reinermann entgegen. Dr. Klauspeter Strohm, M.A.
Referent für Information und Kommunikation DHV
28.06.2011
Prof. Dr. Mario Martini hält Antrittsvorlesung
Prof. Dr. Martini mit DHV Rektor Prof. Dr. Stefan Fisch
Nachdem er bereits im April 2010 seinen Lehrstuhl
für Verwaltungswissenschaft an der Deutschen Hochschule für
Verwaltungswissenschaften in Speyer angetreten hatte, konnte sich
Univ.-Prof. Dr. Mario Martini jetzt mit seiner Antrittsvorlesung
auch der gesamten akademischen Gemeinschaft an der Hochschule
vorstellen. Prof. Dr. Martini, der mit seinem Amtsantritt den
Lehrstuhl für Verwaltungswissenschaften, Staats-, Verwaltungs- und
Europarecht des emeritierten Univ.-Prof. Dr. Dr. hc. Rainer Pitchas
übernommen hat, stellte diese akademische Veranstaltung unter das
Thema “Wie viel Gleichheit braucht das Internet? - Netzneutralität
als Stellschraube für die Zukunft des Internets”.
Prof. Martini wollte mit dieser Vorlesung einen
Beitrag zu der Suche nach rechtsstaatlichen Lösungen für die
Verkehrssteuerung im Internet vorlegen. Dieser Verkehrssteuerung
komme in dem Maße, in dem das Internet das gesellschaftliche und
wirtschaftliche Leben verändere, eine zunehmende Bedeutung zu,
betonte Martini in seinem Vortrag. Die Zunahme des
Datenverkehrsaufkommens und neue technische Entwicklungen machten
zudem eine Diskussion darüber erforderlich, wie die Verkehrsregeln
des Internets in der Zukunft konzipiert werden sollten. Hierfür
gelte es allerdings schon heute, die Weichen zu stellen.
Prof. Dr. Martini, der nach Abitur und
Grundwehrdienst Rechtswissenschaften an der
Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz studierte, promovierte 1998
- ebenfalls in Mainz - über “Integrierte Regelungsansätze im Recht
der immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedürftigen Anlagen” und
absolvierte im Anschluss daran sein zweites Juristisches
Staatsexamen.
Nach der Übernahme einer Stelle als
Wissenschaftlicher Assistent an der Buccerius Law School in Hamburg
habilitierte er sich 2006 mit einer Schrift über den “Markt als
Instrument der hoheitlichen Verteilungslenkung”.
2007 übernahm Prof. Martini die Vertretung des
Lehrstuhls für Verwaltungsrecht an der DHV - Prof. Dr. Dr. hc.
Heinrich Siedentopf, ehe er 2008 auf eine Professur für Staats-und
Verwaltungsrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität nach München
berufen wurde. Dort erreichte ihn dann im Frühjahr 2010 der Ruf auf
die Professur in Speyer. cr./Foto: sim
10.06.2011
Prof. Max Dudler gibt Einblick in zeitgemässe Architektur von Bibliotheken
Semestereröffnung in der DHV in Speyer
von Gerhard Cantzler
Demut vor der Geschichte,
Orientierung am Bestehenden ,
Sensibilität für das Berührbare -
so möchte man mit
kurzen Strichen das Selbstverständnis von Architektur umschreiben,
zu dem sich der Architekt und Planer der neuen Hochschulbibliothek
bei der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in
Speyer, Prof. Max Dudler, bei seinem Festvortrag aus Anlass der
Semestereröffnung bekannte.
So öffnete er gleich zu Beginn seines Vortrages - sicher auch
für manch einen der zahlreichen Besucher überraschend - eine
gänzlich neue Perspektive auf die Situation des inzwischen fast
fünfzig Jahre alten Gebäudes der Speyerer Hochschule, als er ihren
Blick aus dem Vortragssaal, der Aula, in das begrünte Atrium, den
Innenhof, lenkte und diesen Blick mit einem Gemälde verglich -
eingerahmt durch die Fensterrahmen - ein Gesamtkunstwerk von
bleibender Aussagekraft, dessen Schöpfer, Sepp Ruf, Dudler auch
heute noch seine uneingeschränkte Reverenz erweist. Das gilt auch
für die damals hier verbauten Materialien, die bis heute ihre
zeitlose Wertigkeit nicht verloren hätten und die für Dudler
durchaus vorbildlich sind.
Mit diesen Feststellungen charakterisierte Max Dudler zugleich
sein eigenes Verhältnis zum Material “ich bin ein gelernter
Steinmetz und komme aus einer alten Steinmetz-Familie” - da hat man
als Architekt das Gefühl für das Material in den Händen und im
Herzen.
In zahlreichen mit Fotographien dokumentierten Beispielen zeigte
Prof. Dudler dann auf, wie sehr sich seine Entwürfe stets am
jeweiligen städtischen Umfeld orientieren. Damit erteilte er
allen Konzepten eine Absage, die Architektur zur Schaffung von
Gegenwelten zur bestehender Bebauung gebrauchten.
Besonders deutlich wurde dies am Beispiel der Diözesanbibliothek in
Münster, die in dem überaus sensiblen Umfeld des Domes errichtet
wurde und bei der Prof. Dudler bis hin zur Auswahl der verbauten
Materialen mit großer Eindringlichkeit auf die Erfordernisse der
Umgebung reagierte. “Das ausgewählte Material ist so, dass es sich
in wenigen Jahrzehnten an den Dom anpasst”, unterstrich der
Professor.
Ein anderes
Beispiel außergewöhnlicher Architektur und Materialauswahl stellte
er an der Bibliothek der Folkwang-Hochschule in Essen vor, wo er
zum ersten Mal mit transluzentem Steinglas ein völlig neuartiges
Material einsetzte.
Und dann die neue Bibliothek der Humboldt-Universität in Berlin,
das Jacob -und-Wilhelm-Grimm-Zentrum. Auch hier eine an den
Bauhausstil gemahnende, aber auch der Romanik zugewandte,
aufstrebende Pfeilerarchitektur, die den Blick zum Himmel
weitet.
Säulen auch bei dem Gebäude der Reutlinger Philharmonie und dem
Landesbehördenzentrum in Eberswalde - bei letzterem gleich 250
Stück - an einen antiken Tempel erinnernd.
Mit zahlreichen Bildern von alten Bibliotheken - überwiegend aus
der Renaissance - die er kontrastierte mit eigenen
Bibliotheks-Entwürfen - Max Dudler hat in den letzten Jahrzehnten
wohl an allen Wettbewerben zur Planung bedeutender Bibliotheken in
der Welt teilgenommen und sehr viele davon gewonnen (“ich baue
überall in der Welt, nur nicht in China oder in Dubai, denn die
haben ihre Geschichte verlassen und ganze historische Städte
abgerissen”) - konnte der Architekt seine Intentionen
eindrucksvoll unterstreichen. Er will dazu Zitate aus der
Renaissance in die Gegenwart transformieren, wie er betont.
Ein anderes Anliegen des Architekten, der bereits an vielen
Hochschulen der Welt als akademischer Lehrer gefragt war und der
jetzt als Professor und als Prodekan an der renommierten
Kunstakademie in Düsseldorf tätig ist, und der neben der Planung
vieler Wohn- und Zweckbauten immer wieder zur Architektur von
Bibliotheken zurückfindet, ist der Ausgleich zwischen den beiden
wichtigsten Anforderungen an eine Wissenschaftliche Bibliothek:
Einerseits die Möglichkeit, in absoluter Stille und
konzentriert arbeiten zu können - anderseits die
Notwendigkeit zur fachlichen (und privaten) Kommunikation. Seine
Antwort auf diese scheinbar unauflösbare Aufgabenstellung: Eine in
vielen seiner Entwürfe - auch in Speyer - verwirklichte Abtreppung
der Arbeitebenen, die die ständige optische Kommunikation im Raum
ermöglicht.
Ein ganz persönliches Anliegen Dudlers, der die Teilnehmer auch
mit seiner lockeren Art für sich einnahm - “Als Schweizer bin ich
gerne hier in der Pfalz. Hier geht man viel freundlicher mit den
Architekten um als zum Beispiel in Berlin - dort ist der Architekt
eher etwas exotisches...” - ist die Einbindung der Speyerer
Bibliothek in einen architektonischen Dreiklang mit dem
Heidelberger Schloss und dem Hambacher Schloss, der “Wiege der
deutschen Demokratie”. An beiden Objekten hat Dudler seine Ideen
für außergewöhnliche Ergänzungsbauten umsetzen können, auch da
wiederum mit größter Sensibilität für das Material und für die
Orientierung an der baulichen Umgebung. In Speyer ist die Suche
nach dieser historischen Orientierung besonders leicht: Es ist der
Dom, den aufzusuchen Max Dudler bei keinem seiner Besuche vergisst
- immer voll demütiger Bewunderung für die mittelalterliche
Baukunst.
Bleibt zuletzt nur, sich dem Professor voll inhaltlich
anzuschließen, wenn er zum Ende seiner Ausführungen in der
Hochschule seiner Hoffnung Ausdruck gibt, dass sein Entwurf für die
Speyerer Bibliothek möglichst bald in die Realisierung gehen
könne.
Zu Beginn des
Abends hatte der Rektor der Hochschule, Prof. Dr. Stefan Fisch,
Zuhörer und Referenten dieses überaus ertragreichen Abends begrüßt
und zunächst die Lebensstationen von Prof. Dudler skizziert. Auf
die Bibliothek als “Ort der Wissenschaft” eingehend, verwies auch
er schon auf den Zielkonflikt zwischen “Stille und Raum für
Gespräche in der Bibliothek”, die Prof. Dudler in seinem Konzept
vorbildlich gelöst habe.
Zum Schluss der feierlichen Semestereröffnung konnte Prof. Dr.
Fisch dem Referenten auch für einen unterhaltsamen Abend danken und
einer seit langem bei dieser Gelegenheit geübten angenehmen Pflicht
nachkommen: Er konnte einer Doktorandin, der aus Speyer stammenden
Rechtswissenschaftlerin Dr. Marion Weschka, die
Promotionsurkunde überreichen. Sie hatte über ein derzeit sehr
aktuelles Thema rund um die Präimplantationsdiagnostik und die
Stammzellen-Forschung eine umfassende Einschätzung aus rechtlicher
Sicht vorgelegt und dafür mit “summa cum laude” bestanden.
Gratulation!
11.05.2011
Semestereröffnung an der Verwaltungshochschule
Rektor der Hochschule, Prof. Dr. Stefan Fisch
Mit der Begrüßung von 340 Hörerinnen und Hörern wurden jetzt zum
Anfang des Sommersemesters 2011 zum wohl letzten Male Studierende
an der “Hochschule für Verwaltungswissenschaften” eingeführt, denn
voraussichtlich bereits in den nächsten Wochen wird die renommierte
Speyerer Hochschule in “Universität” umbenannt. Für die
Studierenden der verschiedenen Studiengänge der Hochschule - im
neuen Semester absolvieren 234 von ihnen ein Ergänzungsstudium und
werden bereits nach einem Semester Speyer wieder verlassen, während
sich 59 ein zwei Semester währendes Aufbaustudium zum Magister der
Verwaltungswissenschaften vorgenommen haben und 44 ein
Promotionsstudium aufnehmen - beginnen damit arbeitsreiche
Wochen, denn wie in jedem Jahr zeichnet sich das Sommersemester
durch seine besondere Kürze aus.
In seiner Willkommensrede bezeichnete der Rektor der Hochschule,
Prof. Dr. Stefan Fisch, das Studium in Speyer als einmalige Chance,
über den “Tellerrand” der eigenen Disziplinen hinaus zu schauen.
Das gelte auch für den fachlichen und persönlichen Austausch
zwischen Hörern der verschiedenen Bundesländern der Bundesrepublik
Deutschland. “Sie stellen ein Abbild der Bevölkerung in Deutschland
dar”, wandte sich der Rektor an die Studentenschaft, der auch auf
die Möglichkeit zur Begegnung mit Vertretern anderer Länder und
Kulturen verwies, “und das beste, Sie erhalten hier die Chance, auf
dem Campus intensiv miteinander zu leben”.
Dies erhoffen sich auch durchweg die Hörerinnen und Hörer von
ihrem Aufenthalt in Speyer. Für Christine Behm wird ihr Aufenthalt
in Speyer ohnedies ein eher kurzer sein. Sie will nach ihrem
Jurastudium in Mannheim ein Ergänzungssstudium absolvieren und wird
für dessen Dauer von Mannheim aus pendeln.
Das hat sich auch Marie Husunu vorgenommen, die als Referendarin
beim Landgericht Landau beschäftigt ist und in Speyer eine
interdisziplinäre Weiterbildung im Bereich der
Wirtschaftswissenschaften anstrebt.
Ähnlich ergeht es auch ihrem Kommilitonen Mischa Walter, der
nach seinem Studium der Politikwissenschaften nun in Speyer ein
Aufbaustudium in Wirtschaftswissenschaften absolvieren will.
Anders die ebenfalls aus Rheinland-Pfalz kommende Nicole Blinn,
die ebenso wie ihre aus Südkorea stammende Kommilitonin Justina Ree
in Speyer einen Doktorgrad anstreben: Nicole in Öffentlichem,
Justine in Allgemeinem Recht. Die beiden Doktorandinnen werden der
Domstadt wohl länger erhalten bleiben, ebenso wie Matthias
Leowardi, der nach einem sechs Semestern Politikwissenschaften in
Marburg nun in Speyer Wirtschaftswissenschaften studieren wird.
Für alle Studierende, die Speyer und die Speyerer kennen besser
kennen lernen wollen, empfiehlt Ximena Himmel eher eine “Bleibe” in
der Stadt, ein Privatzimmer, wobei sie weiß, dass es junge Frauen
bei der Zimmersuche in Speyer erfahrungsgemäß einfacher haben als
ihre männlichen Kollegen. Doch auch denen “kann geholfen werden”,
denn die Hochschule ist in jedem Semester bei der Zimmersuche
behilflich, soweit sie nicht Zimmer in einem der Wohnheime anbieten
kann.
Auf sie wird vielleicht auch noch Matthias Strunk zurückgreifen
müssen, denn der junge Gießener, der zuletzt in seiner Heimatstadt
immatrikuliert war, hat erst kurzfristig seine Zulassung erhalten
und ist deshalb noch “voll auf Zimmersuche”.
Schließlich trafen wir noch
auf eine ganz besondere Studentin: Stefanie Seiler, im “anderen
Leben” Mitglied im Speyerer Stadtrat und engagierte
Sozialdemokratin, trat wie339 Hörerinnen und Hörer einen neuen
Abschnitt ihrer rechtswissenschaftlichen Ausbildung an - nicht
weniger gespannt auf das, was auf sie zukommt, aber sicher für
manche ihrer Mitstudenten überaus hilfreich - dank ihrer besonderen
Ortskenntnisse. cr. Alle Fotos: sim
03.05.2011
DHV Semestereröffnung 2011
Neuer Hörerschaftssprecher gewählt
Gleich am ersten Tag des Sommersemesters 2011 wählten die
Hörerinnen und Hörer der Hochschule für Verwaltungswissenschaften
in Speyer mit Mirzhan Baimakhanov einen neuen Sprecher und damit
Vorsitzenden der Hörerschaftsvertretung. Er tritt die Nachfolge von
Jens Abraham, der dem Gremium die beiden letzten Semester
vorstand.
Mit der Wahl von Baimakhanov unterstreicht die Hochschule einmal
mehr ihre Internationalität, denn der Student kommt aus Kasachstan
und lebt mit seiner Familie - Frau und zwei Kindern - seit einem
Jahr in Speyer, wo sein Sohn inzwischen die erste Klasse der
Grundschule im Vogelgesang besucht.
In seiner Heimat Kasachstan war er zwei Jahre in der
Stadtverwaltung von Almati tätig und danach in gleicher
Verantwortung in der Hauptstadt
Astana.
Dort studierte er auch das Fach Internationale
Wirtschaftsbeziehungen, das er als bester seines Jahrgangs
abschloss und deshalb in ein Programm von Regierungsstipendien
aufgenommen wurde, das die jeweils besten Studenten eines
Jahrganges in verschiedenen Fächern an die jeweils renommiertesten
internationalen Universitäten entsendet.
In Speyer nun strebt Mirzhan Baimakhanov einen Abschluss als
Magister der Verwaltungswissenschaften an. Aus seiner Tätigkeit als
Sprecher der Hörerschaft erhofft er sich Erfahrungen in der Leitung
von Gremien, die er auch bei seiner späteren Arbeit in höchsten
Verwaltungen seines Heimatlandes einsetzen möchte.
Was ist es, was seinem Vorgänger Jens Abraham an dem jungen
Kasachen so besonders imponiert? “Das ist insbesondere der Mut,
seine Vorschläge als Gesprächsleiter in die Diskussion der
Hörerschaft einzubringen und sich mit seinen sprachlichen
Fähigkeiten durchzusetzen.” Foto: sim
03.05.2011
Spezialist für Bibliotheksbauten hält Vortrag zur Semestereröffnung
Er hat im vergangenen Jahr mit einem
faszinierenden Entwurf den Wettbewerb für den Neubau einer
Bibliothek mit angeschlossenem Rechenzentrum an der Deutschen
Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer (DHV) gewonnen:
Prof. Max Dudler, gebürtiger Schweizer und seit dem Jahr 2004
Professor in der Klasse 'Baukunst' an der Kunstakademie in
Düsseldorf.
Jetzt kommt Prof. Dudler am Dienstag, dem 10. Mai 2011 nach Speyer,
um mit einem Vortrag über "die Architektur der Bibliotheken" um
19.30 Uhr das Sommersemester 2011 an der Speyerer Hochschiule zu
eröffnen. Diesem Vortrag sehen nicht allein Dozenten und
Hörerschaft der DHV mit großer Spannung entgegen, - auch für alle
anderen, an zeitgenössischer Architektur interessierten Bürgerinnen
und Bürger in der Region, wird dieser Vortrag Aufschluss darüber
geben, wie das Gehäuse aussehen wird, in dem zukünftig die mehr als
300.000 Fachbücher untergebracht sein werden, die diese größte
Spezial-Bibliothek für Verwaltungswissenschaften in Deutschland und
damit zugleich eine der größten ihrer Art in der Welt in sich
birgt.
Baubeginn für die neue Bibliothek, die konzeptionell als
Präsenzbibliothek ausgebildet sein wird, ist noch im laufenden Jahr
2011 - mit ihrer Fertigstellung wird im Jahr 2014 gerechnet. Die
Auslegung dieser einmaligen Bibliothek bedingt, dass ihre Nutzer
unmittelbaren Zugriff auf alle im Bestand befindlichen Bücher haben
müssen. Für die Planer bedeutet diese Nutzungsbedingung eine ganz
besondere Herausforderung.
Der 1949 in Altenrhein in der Schweiz geborene Max Dudler studierte
Architektur an der renommierten Städel'schen Schule in
Frankfurt/Main bei Prof. Günther Bock sowie an der Hochschule der
Künste in Berlin bei Prof. Ludwig Leo; bei ihm legte er 1980 auch
seine Diplomprüfung ab.
Prof. Dudler wurde unter anderem bekannt durch so unterschiedliche
Arbeiten wie das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum an der
Humboldt-Universität in Berlin, die Bibliothek der Diözese Münster,
den Erweiterungsbau des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und
Wohnungswesen und den Neubau der Frankfurter Börse. In der näheren
Umgebung von Speyer zeichnete Prof. Dudler u.a. für den Neu- und
Ausbau des Hambacher Schlosses verantwortlich und errang den 3.
Preis beim Wettbewerb zur Überplanung des Erlus-Geländes in
Speyer.
Der mit zahlreichen weiteren Preisen ausgezeichnete Baumeister gilt
als einer der Vorreiter des Rationalismus in der
Gegenwartsarchitektur, die er immer wieder durchsetzt mit Merkmalen
des Schweizer Minimalismus.
20.04.2011
Baumpflanzung zum Nauryzfest an der DHV Speyer
Die fünf im Wintersemester 2010/11 an der Deutschen Hochschule
für Verwaltungswissenschaften Speyer studierenden
Regierungsstipendiaten aus den zentralasiatischen
Schwesterrepubliken Kasachstan und Kirgisien haben sich zu dem in
ihrer Heimat mit einem großen Fest verbundenen Frühlingsanfang
etwas besonderes einfallen lassen: Sie haben auf dem Gelände der
Hochschule einen Baum gepflanzt. Nauryz ist ein großes
Frühlingsfest, das nicht nur in Kasachstan und Kirgisien gefeiert
wird. Es geht zurück auf das altiranischen Frühlingsfest Nouruz
(wörtlich übersetzt "Neuer Tag"). Seit 2010 ist das Fest auf
Beschluss der Generalversammlung der Vereinten Nationen als
internationaler Nouruz-Tag anerkannt. Die Generalversammlung
stellte in ihrer Erklärung fest, dass "Nouruz ein Frühlingsfest
ist, das von mehr als 300 Mio. Menschen seit mehr als 3000 Jahren
auf der Balkanhalbinsel, in der Schwarzmeerregion, im Kaukasus, in
Zentralasien und im Nahen Osten gefeiert wird". Bereits 2009 hatte
die UNESCO das Fest, das als zweites Neujahresfest bezeichnet
werden kann und sich in einigen Regionen über mehrere Wochen
erstrecken kann, in die Liste des Menschheitskulturerbes bzw. als
UNESCO-Welterbe aufgenommen. Seine Ursprünge liegen wahrscheinlich
in nomadischen Traditionen, den Schnee zu vertreiben und das Vieh
in die nach dem Winter von der Natur erneuerten Weidegründe zu
treiben. Daher sind Erneuerung, Begrünung und Wachstum wichtige
Aspekte dieses Festes. Die Regierungsstipendiaten aus Kasachstan
und Kirgisien wollten mit der Pflanzung eines neuen Baumes zum
Frühlingsanfang den guten Beziehungen der DHV Speyer zu ihrer
Heimat ein bleibendes und wachsendes Denkmal setzen.
(Foto: DHV)
24.03.2011